Skip to main content

Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



j,Goo>^le 



r 



ji^^iOTJL 



«Googll 



j,Goo>^le 



j,Goo>^le 



j,Goo>^le 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZDE GESCHICHTK 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 

AUF VERABLASSUSG SEIKER HÜCHSEUGES MAJESTÄT DES KAISERS 
FRIEDRICH ALS KRONPEIHZE» VOS I'REIISSEN. 



ACHTZEHNTER BAND. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 

iao2. 



D.qilizMbvG00>^le 



UEKÜNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUK fiESCHlCUTE »ES 

KUEFÜßSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRA?iDENBÜRG. 

ACHTZEHNTER BAND. 

POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 
ELFTER BAND. 

nEKAUSOEGEBEN 



DR- FERDINAND HIRSCH, 

PBÜFBSSOK AM Kf)NIGSTÄI>TlSCHEN KEALüVMNASlUM ZU BERLIN. 



BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON OEORO REIMER. 

1902. 



D.qilizMbvG00>^le 



9^ -^//^/Z 



HABVARO COILEGE LIBRARY 
JAN 6- -1905 



j,Goo>^le 



Vorwort. 



Das Manuskiipt zu diesem Bande war schon im Sommer 
1897 fertiggestellt und nur ungünstige äussere Verhältnisse 
haben damals und auch in der Folgezeit die Drucklegung des- 
selben verhindert. Dass, obwohl diese Hindernisse noch nicht 
vollständig beseitigt waren, dennoch im vorigen Jahre der 
Druck begonnen werden konnte, ist den Bemühungen der die 
Herausgabe der „Urkunden und ActenstOcke" leitenden Kom- 
mission und dem Entgegenkommen des Verlegers zu verdanken, 
welchen Herren auch hier der schuldige Dank daför abgestattet 
werden möge. — Die Aufgabe dieses Bandes ist, die Verhand- 
lungen vorzuftlhren, welche der Kurfürst Friedrich Wilhfelm 
von Brandenburg, nachdem er durch die glücklichen Kämpfe 
des Jahres 1675 die Schweden aus seinen Landen vertrieben 
und den Angriff gegen deren Besitzungen in Deutschland be- 
gonnen hatte, während der Jahre 1676 — 1679 mit den ver- 
schiedenen an dem Kriege gegen Frankreich und Schweden 
betheiligten Mächten bis zur Beendigung desselben geführt hat. 
In dem ersten Abschnitt wird durch Mittheilung der wichtigsten 
auf die Kriegsthaten der brandenburgiscben Truppen in diesen 
Jahren bezüglichen Berichte und Documenta der Antheil, 
welchen der Kuifürst an dem Kriege selbst genommen hat, 



oyGooi^lc 



beleuchtet*. In den drei folgenden Abschnitten sind die Ver- 
handlungen dargelegt, welche derselbe mit seinen wichtigsten 
Bundesgenossen Holland, Dänemark und Oesterreich 
während dieser Zeit geführt hat. Der fiinfte ist den Friedens- 
verhandlungen in Nimwegen gewidmet, der sechste den Ver- 
handlungen, welche der Kurfürst unmittelbar mit Frank- 
reich angeknüpft hat und welche auch för ihn endlich zu 
dem Äbschluss des Krieges dureh den Frieden von St. Germain 
en Laye geführt haben. In dem siebenten Abschnitt wird 
dargelegt , in welcher Weise er auf dem Reichstage zu 
Regensburg seine Intei-essen vertreten und welche Haltung 
diese officielle Vertretung des gesammten Reiches den Kriegs- 
und Friedensfragen gegenOber eingenommen hat. In dem 
letzten Abschnitt endlich werden wieder die aus diesen und 
auch aus den vorhergehenden Jahren 1671 — 1675 erhaltenen 
eigenhändigen Schreiben des Kurfürsten an seinen vertrautesten 
Rathgeber, den Oberpräsidenten Freiherrn Otto v. Schwerin, 
mitgetheilt, in welchen neben Familien- und Hofangelegenheiten 
die verschiedenartigsten Fragen der Süsseren und inneren 
Politik behandelt werden. Um ein möglichst vollständiges 
Bild der politischen Thätigkeit des Kurfürsten in diesem Zeit- 
raum zu geben, hatte der Hei-ausgeber ursprünglich beabsichtigt, 
in zwei weiteren Abschnitten auch das Verhältniss des Kur- 
fürsten zu den zwar mit ihm verbündeten, aber mehrfach in 
feindlichen Gegensatz zu ihm tretenden braunschweigischen 
Herzogen und dem Bisehof von Münster, sowie zu dem 
anscheinend neutral und vermittelnd zwischen den beiden 
kriegführenden Pai-teien stehenden, in Wirklichkeit aber nach 
wie vor Frankreich und Schweden begünstigenden englischen 
Hofe zu behandeln, die nothwendige Rücksicht auf den zu Ge- 
bot stehenden Raum bat ihn aber veranlasst, diese Abschnitte 



oyGooi^lc 



fortzulassen, und er hofft, dass diese Lilcke am ehesten zu 
verschmei'zen sein wird. Die Hauptquelle für die Beziehungen 
des Kiu-fbrsten zu England, die Berichte des jüngeren Frei- 
hen-n v. Schwerin, sind schon, freilich unvollständig und 
mangelhaft, von v. Orlich vei-öfFentticIit worden, auf diese 
und die Übrigen aktenmässigen Quellen gestötzt, hat der 
Herausgeber selbst in einer besonderen Schrift') diesen Gegen- 
stand behandelt. Für die Beziehungen zu den braunschwelgi- 
schen Fili-sten und zu dem Bischof von Münster konnte vor- 
lautig auf die gerade in diesen Abschnitten recht eingehende 
Daretellung von Pufendorf verwiesen werden. Hoffentlich 
■wird bald die weitere Fortsetzung des Werkes von Köcher 
erscheinen und dort die Politik der braunschweigischen Fürsten 
imd deren Verhältniss einerseits zu Brandenburg, andei-ei-seits 
zu Münster ebenso gründlich wie in den beiden ersten Bänden 
behandelt werden. 

Während der Kui-füi-st den militärischen und diplomatischen 
Kampf gegen Frankreich und Schweden zu bestehen und auch 
den mit ihm gegen diese Feinde verbündeten Mächten gegen- 
über seine Interessen zu wahren hatte, musste er auch die 
Verhältnisse im Osten scharf im Auge behalten, namentlich 
die ihm von Polen her drohenden Gefahren abzuwehren suchen. 
Zwei diesen Gegenstand behandelnde Abschnitte, ein umfang- 
reicherer ober das Verhältniss zwischen Brandenburg und 
Polen in den Jahren 1674—1679 und ein kOi-zerer über die 
in derselben Zeit wieder angeknüpften Beziehungen zu Russ- 
land sollen den nächsten Band eröffnen. 

Ausser den Akten des hiesigen Königlichen Geheimen Staats- 
archivs sowie des Kriegsarchivs des Grossen Generalstabes haben 

■) Hirtch, ßniudeuburp und England 1674—1^79. I. U. (Prograinia des 
Königstädiiacben KBalgymnasiums zu Berlin 1898. 1899). 



oyGooi^lc 



för diesen Band auch diejenigen des Königeber^er Staatsarchivs 
sowie des Herzoglich Anhaltischen Staatsai-chivs zu Zerbst und des 
Gi-äflichSchwerin'scheoFamilienai'chivszuWildenhoflFverwerthet 
werden können '), einen Beitrag zu dem dritten Abschnitt hat 
auch das Königlich Dänische Eeichsarchiv zu Kopenhagen ge- 
liefert. Den Vorständen und Beamten dieser Archive, welche 
ihn in der liebenswürdigsten und zuvorkommendsten Weise 
bei seinen Arbeiten unterstützt haben, und dem Herrn Grafen 
Otto von Schwerin, welcher ihm mit der grössten Libera- 
lität die Benutzung und Veröffentlichung der in dem Familien- 
archive befindlichen Schätze gestattet hat, erlaubt sich der 
Herausgeber auch an dieser Stelle seinen verbindlichsten und 
herzlichsten Dank auszusprechen. 

Berlin, im Mai 1902. 

Der Heransgeber. 



') Die aus dem KriegsarcbiT des Grossen GeneralsUbs entoominenen Scbrift- 
stDcke sind durch ein in Klammern beigefügtes G. A., die aus dem Königsberger 
darcb R., die aus dem Zerbster durch Z., die aus dem Wildenhotfer durch W. kennt- 
lich gemacbt 



oyGooi^lc 



Inhalt 



Seite 

Vorwort V 

iDbalt IX 

L KrieffMr^s&lsse 1676-1679. 

EinleituDg 3 

1. Die Feldifigo in Ponunero I67G— 1678 15 

2. Der Feldia^ in Preusaen 1678—1679 48 

3. Die kriegeriscben Vori^änge am Rhein und in Weatfalea 1679 99 
II. Brud«Bbiirg and die Niederlande 1676—167«. 

EiuleituDg 119 

Acten 127 

IIL BrudeDbuv uid Dioenail 1V7<-1<79. 

Einleitung 237 

Acten 246 

IT. Brudenbirg snd Oeaterreleh 16nt-167». 

Einleitung 397 

Acten 414 

r. FrledeBSTertaAudliuif en n NlmweKen 1676— 167A. 

Einleitung , 547 

Acten 558 

Tl. Brandeiknrg und Frankrelfli. Der Friede tob St. Qemaln en Laye 
1678-1676. 

Einleitung 629 

Acten 648 

TIL Der BelehsUr su Be^nsbur 167S-1679. 

EinleituDg 725 

Acten 730 

Till. Elgenhlndtge Schreiben des Knrflraten an den Oberprialdtnten Otto 

T. Schwerin 1671-1678. 781 

PerMnenTereeicbniss 845 



oyGooi^lc 



j,Goo>^le 



Abschnitt I. 

Kriegsereignisse 1676-1679. 



M«tir. t Geach. d. O. Kiirtnr*Uu. XVm. 



D.qitizeabvG00l^lc 



j,Goo>^le 



Emleitoiig. 



1d diesem ersten Abschoitte werden eine Anzahl vod Berichten und 
anderweitigen Aktenstücken mitgetbeilt, welche die militärischen Aktionen 
der Jahre 1676 — 1679, die der Kurfürst mit seiner Armee ausgeführt 
hat oder an denen Truppen desselben betheiligt gewesen sind, näher be- 
leuchten. Für die ersten drei Jahre, in denen Pommern der Eriegs- 
schanplatz ist, wo der Kurfürst nach uad nach den Schweden alle noch 
in ihrem Besitz befindlichen festen Punkte entreUst, erschienen dazu be- 
sonders geeignet die im Hauptquartier desselben angefertigten und von 
dort aus verbreiteten officiellen Kriegsberichte. 

Bekanntlich hat Kurfürst Friedrich Wilhelm schon früher Sorge 
dafür getr^en, dass über einzelne von seinen Kriegstbaten wahrheits- 
gemüsse Berichte verülTentlicht worden, und er hat sogar selbst zu diesem 
Zwecke die Feder ergriffen. Gegenüber der sehr parteiischen Darstellung, 
welche schwediächerseits über die Schlacht bei Wai'schau erschienen war, 
hat er') 1656 einen Bericht über dieselbe aufgesetzt und seinem Gesandten 
im Haag, Weimann, zugeschickt mit dem Auftrage, ihn dort drucken 
and veröffentlichen zu lassen. Ebenso hat er über einige Voi^änge 
wahrend des Feldzuges im Elsoss 1674 Aufzeichnungen gemacht*}, welche 
gleichfalls für die VerÖiTentlichung bestimmt waren. Doch scheint es 
nicht, dass während jener früheren Kriege eiae regelmässige officielle 
Berichterstattung stattgefunden hat, dieses ist erst 1675 in dem Kriege 



■) S. Droyaan, Die Schlacht von Warscbftu (Abbaadl. der philoa.-biatorischea 
Kluse der König), sächsischen GsseiUchnfE der Wigseuachaften IV), S. SM f. 

*} S. Dropsen, Beitrage zur Kritik Pufeudorfs (Berichte der K. sächsischen 
Ges. der Wiss. 1864) S. 88f., Peter, Der Krieg des Grossen Kurfärsten gegen 
Frankreich 1G72— 1675, S. 278, 281. 

1* 



oyGooi^lc 



4 1. Kriegsereignisse 167C— 1679. 

gogeo Schweden eingefülirt worden. Gleich nach dem ersten glücklichen 
Erfolge gegen diese Feinde, der Erstürmung von Rathenow, noch ao 
demselben Tage (2ö. Juni), hat er') dem Statthalter und den Geheimen 
Käthen in Berlin und den Regierungen in seinen anderen Ländern An- 
zeige davon gemacht und ihnen die Anordnung eines Dankgottesdienstes 
dafür anbefohlen, zugleich aber auch eineu kurzen Bericht über den 
Hergang des Kampfes mitgeschickt. Ebenso ist über die Schlacht bei 
Fehrbellin in seinem Hauptquartier gleich in der Nacht vom 28. zam 
29. Juni ein „eilfertiger Bericht"') und später eine ausfuhrliche Dar- 
stelluug') der Schlacht selbst und der mit ihr im Zusammenhang 
stehenden Ereignisse verfasst worden, und ähatiche officielle Berichte 
sind auch über die weiteren Kriegsthaten dieses Jahres, die Besetzung 
der Warnemüuder Schanze, die Eroberung von Wolgaat und die Ein- 
nahme von Greifenhagen durch das Corps des Fürsten von Anhalt vor- 
handen *). 

Ganz ähnlich ist es auch 1676 gemacht worden. Den Bericht, 
welchen ihm Anfang Januar der Oberst Hallart über die glückliche Ver- 
theidigung des Wolgaster Schlosses erstattet hatte, sendet er allen seinen 
Gesandten und Residenten im Auslande und dem Befehlshaber des 
kaiserlichen Hülfscorps, Graf Coob, zu, ebenso einen Bericht über die 
Entsetzung von VVolgast durch Generalmajor v. Schwerin zu Anfang 
Februar, und nachdem er selbst Anfang Juli an der Spitze seines Heeres 
nach Pommern gezogen ist, lässt er über die einzelnen dort verrichteten 
Kriegsthaten, die Einnahme des Passes von Triebsees (7. Juli), die Er- 
oberung der Peenemünder Schanze (14. Juli), dann während der Be- 
lagerung von Anclam über das glückliche Gefecht des Landgrafen Fried- 
rich von Homburg gegen die Reiterei Königsroarck's (IG. August), 
den vergeblichen Sturm (26. August) und über die Capitulation der 

■) S. V. Witzleben u. Uftssei, Fehrbellin, Beil. 1 (S. 3), Beil. 24 (S. 33). 

'J Ebendaselbst Beil. 35 (S. 33 f.). 

') Ebeodaselbst Beil. 26 n. 36 (S. 34 ff., 38 ff.). 

*) S. V. Orlich, Geschichte des Preusaischan SUates im 17. Jahrhundert, II, 
S. 195, 193 ff. Ein Bericht über die Capilulation von Wolgaat und die Accords- 
puntile liegen einem Kescript nn die Regierung in Minden vom 10. November IGT5 
bei, ia dem nieder ein Dankgottesdienst angeordnet wird (Kriegsarcbiv des Gr. 
Generalstab es, in wetcbem sich eine ganze Anzahl solcher Urdres an die Mindensche 
Regierung wegen Abhaltung von Dankgottesdiensten geaammelt findet). Vgl. die 
Dissertation von Müsebeck, Die Fetdzäge des Grossen Eurfüraten in PonmerQ 
1675- 1S77 (Marburg 1897), S. 87 f. 



oyGooi^lc 



Einleitung. 5 

Stadt (29, August), nachher über die Belagerung und Capitulatioa von 
Löcknitz (Anfang September), die Capitulation von Demmin (10. Oktober), 
endlich über die Vorgänge vor Stettin (Aufang November) Berichte an- 
fertigen, welche den Geheimen Bäthen in Berlin, den Regierungen seiner 
übrigen Lande, seinen Bundesgenossen, sowie seinen Gesandten und Re- 
sidenten an auswärtigen Höfen, an letztere zum Theil mit dem aus- 
drücklichen Befehl, sie dort mitzutbeilen , zugesandt werden. Wie die 
in den Akten aufbewahrten Concepte dieser Berichte zeigen, sind die- 
selben meist von dem Geheimen Sekretär Paul Fuchs, welcher') den 
Kurfürsten in diesem und auch in den nächsten Jahren ins Feld be- 
gleitet hat, angefertigt worden. Ursprünglich waren sie nicht zur Vor- 
öfTentlichuDg bestimmt, sie sind aber jedenfalls mit Wissen und Willen 
des Kurfürsten auf Anordnung der Geheimen Käthe in Berlin als Flug- 
blätter gedruckt und darauf verbreitet worden, sie haben dann Auf- 
nahme gefunden in die regelmässig erscheinenden VeröfTentlichungen von 
allerhand Nachrichten au» verschiedenen Orten her, welche damals die 
Stelle der heutigen Zeitungen vertraten, und weiter in die grösseren, 
die Zeit^chichte darstellenden Sammelwerke, das Diarium Europaeum, 
das Theatrum Europaenm, das „Verwirrte Europa" u. a., welche sie 
theils wörtlich, theils im Auszüge wiedergegeben habeu. Auch Pufen- 
dorfs Erzählung der betreffenden kriegerischen Ereignisse beruht durch- 
aus auf diesen ofticiellen Berichten und ebenso liegen sie direct oder 
indirect den meisten anderen gedruckten Darstellungen zu Grunde. 

Auch im Jahre 1677 hat der Kurfürst, nachdem er die Belagerung 
von Stettin unlernommen hatte, über die ersten dort errungenen Erfolge 
in seinem Hauptquartier ebensolche Berichte abfassen und nach den- 
selben Stellen hin versenden lassen, später aber, als die Belagerung sich 
in die I.änge zog, scheint dieses unterblieben zu sein. Es liegt kein 
Anzeichen dafür vor, dass die in grosser Zahl bei den Akten beflnd- 
licheD kleinen gedruckten Flugblätter, welche theils von dem branden- 
burgischen, theils von dem lüneburgischen Lager aus über die einzelnen 
Vorgänge dieser Belagerung berichten, und auf denen ebenfalls wieder 
die Berichte in den zeitgenöa^tischen und späteren gedruckten Dar- 
stellungen') beruhen, oRiciellon Ursprungs sind, vielmehr scheinen sie 
von Berichterstattern herzurühren, weiche nicht im Auftrage, »her sicher 

') S. V. Sftipius, Paul von Fuchs, ein branileDburgisch-preussiseher Staats- 
mann vor nie ei hundert Jahren (Leipzig 1^71), S. 36. 

*) Vgl. dftrnber USsebecli's obsn genannte Uissertation, Excurs 111, S. 137 S. 



oyGooi^lc 



6 Kriegsereignisso 167G-1G79. 

mit GeuehmiguDg des Oberkommandos sie sogefertigt und veröffentlicht 
haben. Erst nachdem die Stadt endlich am 26. December gefallen war, 
bat der Kurfürst wieder an die Geheimen Rüthe in Berlin, die Re- 
gierungen seiner anderen Lande, seine Gesandten im Auslände, ferner 
an seine Bundesgenossen und andere befreundete Fürsten Anzeige davon 
gemacht und ihnen die Accordsp unkte mitgetheilt. 

Ueber die glücklichen Erfolge des Jahres 1678 hat er wieder fort- 
gesetzt ausführlichere Relationen abfassen lassen und selbst deren öffent- 
liche Verbreitung angeordnet. Nach der Eroberung von Rügen (Ende 
September) ertheilte er den Geheimen Käthen in Berlin den Befehl, von 
der ihnen zugesandten Relation aofort Abschriften in der Kanzlei an- 
fertigen zu lassen, dieselben allen Regierungen mitzutheilen und dafür 
zu sorgen, dass dieses Ereigniss „behörigen Ortes kund gethan werde", 
und die preuäsische Etegierung wies er an, dasselbe überall in Preussen 
und in Polen bekannt zu machen. Die Geheimen Räthe in Berlin 
theilen ihm darauf mit. dass sie, damit die ihnen zugesandte Relation 
desto schleuniger zur allgemeinen Kenntniss gebracht werde, dieselbe 
hätten drucken lassen. Damit ist der Kurfürst so zufrieden, dass er 
nach der Einnahme von Stralsund ('2b. Oktober) ihnen selbst sogleich 
befiehlt, die Relation, die er ihnen darüber wieder zugehen lässt, und 
auch die mit der Stadt und mit dem Grafen Königsmarck gewechselten 
Schreiben zum Druck zu befördern. Ebenso ist nach der Eroberung 
von Greifswald (17. November) wieder ein Bericht über die Belagerung 
und die Cebergabe der Stadt im Hauptquartier angefertigt und allen 
Regierungen, Gesandten und Bundesgenossen mitgetheilt worden. 

Diese officiellen brandenburgischen Relationen über die kriegerischen 
Ereignisse in Pummein während der Jahre 1676 — 1678 nebst den auf 
sie bezüglichen Rescripten an die Geheimen Räthe in Berlin sind im 
Folgenden mit Ausnahme derjenigen, welche schon sonst neuerdings 
vollstündig und in genügender Weise herausgegeben sind, abgedruckt 
worden, ausserdem nur einige bisher nicht bekannte Schriftstücke, welche 
ein besonderes Interesse beanspruchen dürfen: der Bericht des General- 
majors V. Schwerin vom 5, März 1676 über die militärische I,^e in 
Pummern, die von dem Generalfeldmarscliall v. Derfflinger eigen- 
händig ausgefertigte Marschordre für die Armee vom 2. Juli 1676, 
nachher der bisher unbekannt gebliebene Bericht des Obersten v. Hülsen 
über den Verlauf des unglücklichen Kampfes auf Rügen gegen Königs- 
marck im Januar 1678 und zwei Schreiben des Kurfürsten an den 



oyGooi^lc 



Einleitung. 7 

Fürsten von Auhalt (vom 30. Juli) and au den dänischen Reichsrath 
Jnel (vom 22. September 1678), welche sich auf die Vorbereitungen 
zar WiedereroberuDg von Riigeo and auf den Beginn der Landung 
daselbst beziehen. 

Zahlreicher nnd zom Theil von anderer BeschafTeDheit sind die 
Schriftstücke, welche an zweiter Stelle aber den Winterfeldzng in Preuasen 
1678 — 1679 mitgetheilt werden. Das auf denselben bezügliche reiche, 
in dem Berliner und dem Königaberger Staataarchiv aufbewahrte arcbi- 
valische Material war bisher wenig verwerthet worden, ueuerdings hat 
der Herausgeber') auf Grund desselben eine ausfuhrliche Darstellung 
sowohl des Feldznges selbst als auch der Vorgeschichte desselben ver- 
öffentlicht. Hier theilt er diejenigen Stücke desselben mit, welche ihm 
ah die wichtigsten und am besten geeignet erschienen sind, die Lage der 
Dinge in Preusseo und den Verlauf der sich dort abspielenden Ereignisse 
zu veranschaulichen. Der Feldzug zerfallt in zwei Abschnitte von ganz 
verschiedenem Charakter, in die Zeit vor und die nach dem Eintreffen 
des Earfürsten und des Haupttheils Beiner Armee in Preussen. Auch 
das Qaellenmaterial fnr beide ist ein verschiedenes. In der ersten Periode 
kommen hauptsächlich die eigentlich archivalischen Quellen in Betracht, 
die Berichte der preussiscben Regierung an den Kurfürsten und die Rescripte 
des letzteren an dieselbe, daneben seine vertrauliche Correspondenz mit 
dem dortigen Statthalter, dem Herzog von Croy, nachher, nach dem 
Eintreffen der schwedischen Armee im Lande, die Berichte der dortigen 
Befehlshaber, des Gouverneurs von Memel, Graf Friedrich Dönhoff, 
des Befehlshabers des preuBsischen Landesaufgebots, Oberst v. Hohndorff, 
dann des von dem Kurfürsten dorthin mit einigen Regimentern voraus- 
gesandten und mit der vorläufigen Vertheidigung des Landes betrauton 
Generallieutenants v. Görtzke. Für die zweite Periode dagegen ist das 
Quellenmaterial sehr ähnlich demjenigen, welches hier für die Feldzüge 
in Pommern veröffentlicht wird. Den Haupttheil bilden wieder die 
oföciellen Relationen, welche unmittelbar nach den Ereignissen im Haupt- 
quartier des Kurfürsten, wieder meist durch den Geheimen Sekretär 
Fuchs abgefasst und theils den Geheimen Käthen in Berlin zu weiterer 
Veröffentlichung zugesandt, theils wohl sofort in Königsberg gedruckt 
worden sind. Auch diese Berichte, welche wieder direct oder indirect 
den meisten späteren Darstellungen zu Grunde liegen, sind hier mit den 



>} Birsch, Der Winterfeldzug in Preusaan 1678-1679. Birlin 1897. 



oyGooi^lc 



8 I. Kriegssreignisse 1676—1679. 

dazu gehörigen Rescripten des Kurfürston wieder abgedruckt worden, 
ferner der zusammeu hängen de Bericht über den Verlauf de» Feldzuges, 
welchen der Kurfürst nach seiner Rückkehr von der Verfolgung der 
Schweden (3. Februar 1679) seinen Bundesgenossen erstattet hat, endlich 
ein, leider der einzige erhaltene, Bericht des mit der weiteren Verfolgung 
der Schweden in Samailen und Kurland betrauten Generalmajors von 
Schöning vom 5. Februar und zwei den Zustand der schwedischen 
Armee schildernde Schreiben des litteuisclien Oberschenken Grafen 
Gerhard Dönhoff vom 5. und 8, Februar. 

An dritter Stelle ist hier eine Anzahl von Aktenstücken zusammen- 
gestellt worden, welche das Nachspiel dieses Krieges des Kurfürsten 
gegen Frankreich und Schweden, die durch das Eindringen der Franzosen 
in dessen rheinisch-westfälische Lande im Mai und Juni 1679 veran- 
lassten militärischen Aktionen, beleuchten. Auch für die Sicherung dieser 
Lande hat der Kurfürst ebenso wie für diejenige Preussens in den 
Jahren 1676 — 1678, in denen er alle irgend verfügbaren Kräfte zur 
Eroberung des schwedischen Pommerns verwendete, in wenig ausreichender 
Weise sorgen können, trotzdem waren sie damals von feindlicher Invasion 
verschont geblieben. Allerdings wurden sie fortgesetzt durch die Franzosen, 
besonders durch die starke, in dem benachbarten Maslricht Übende 
Besatzung bedroht, welche die umliegenden Gebiete mit verheerenden 
Streifzügen heimsuchte. Um einen solchen, der ihnen im Juni 1675 
angedroht wurde, zu verhüten, hatten') sich die cleviachen Stände damals 
zur Zahlung einer Rrandschatzung von 80000 Thalern verstehen müssen. 
Trotzdem hatte der Kurfürst ursprünglich zu Anfang des folgenden 
Jahres 1676 beschlo.ssen '), mit Ausnahme der Garnisonen von Wesel, 
Schenkenschanz und Lippstadt alle seine im Clevischen und Märkischen 
in Quarlier liegenden Truppen, sowohl die beiden Cavallcrieregimenter 
di>r Generale v. Spaen und v. Eller als auch den grössten Theil der 
Infanterieregimenter ebenderselben an dem Feldzuge in Pommern theil- 
nehmen zu lassen. Auf das dringende Verlangen aber sowohl des Kaisers 
als auch des Prinzen von Oranien, einen Theil seiner Truppen zu dem 
Kampf gegen Frankreich in den Niederlanden herzugeben, liess er*) die 
beiden Cavallerieregimenter unter dem Commando des Generalmajors 

>) Die rUvische [tegieniiig an KT. d. Clete 10. Juni 1675. 
■'} Kf. an die Generale v. Spaen und v. Eller d. Cöln -2./12. Jaouar 16711. 
'J Kf. an Blaspeil uud an v. Spaen d. Cüln 7./17. Februar 1676, vgl. unten 
Abschn. II. 



oyGooi^lc 



Einleitung. 9 

V. EHer dort steheo und berief nur die Infanterie unter Führung des 
General) ieutenants v. Spaen zu sich, welche auch bei der Belagerung 
von Aoclam und Demmin mitgewirkt hat. El 1er erhielt itefehl'), 
Zunächst so gut wie möglich das Clevische zu decken, dazu aber erschienen 
seine 1200 Retter so wenig ausreichend, dass*) die clevischen Stände, durch 
neue Drohungen des französischen Generals Calvo in Mastricht erschreckt] 
wieder, und zwar mit Bewilligung') des Kurfürsten, mit demselben wegen 
Zahlung einer Abfindungssumme in Verhandlung traten und sich im 
Mai wirklich verpflichteten, wieder für ein Jahr, welches vom 1. Sep- 
tember 1675 an gerechnet wurde, 125000 Thaler in vier Raten zu 
entrichten. Die ersten Zahlungen wurden auch wirklich geleistet, doch 
schien bald die Gefahr anfituhören, denn inzwischen war der Pralzgraf 
Philipp Wilhelm vonNeuburg offen auf die Seite der gegen Frank- 
reich verbündeten Mächte übergetreten, und um dessen nun besonders 
durch die Nähe der Franzosen bedrohte JÜlichsche Gebiete zu schützen, 
wurden zunächst seine eigenen sowie einige holländische Truppen und 
auch die beiden brandenburgischen Regimenter unter v. Eller') bei 
Roermonde aufgestellt, um den Ausfüllen der Besatzung von Mastricht 
Einhalt zu thun, und im Jali unternahm dann der Prinz von Oranien 
mit der Hauptarmee die Belagerung von Mastricht. Unter diesen Um- 
ständen hielten nicht nur die clevischen Stände mit weiteren Zahlungen 
ein, sondern man hoffte, und der Kurfürst hat sich deswegen bei dem 
Prinzen von Oranien bemüht, daas bei der erwarteten Capilutation von 
Mastricht französiacherseits auf dieselben förmlich werde verzichtet werden. 
Aber Ende August wurde der Prinz durch ein französisches Entsatzheer 
unter dem Marschall Schomberg gezwungen, die Belagerung vou 
Mastricht wieder aufzugeben, jenes Corps der Verbündeten blieb aller- 
dings bis Ende October bei Roermonde stehen'), dasselbe schien aber 
nicht die genügende Sicherung zu gewähren und so bequemten sich*) 
die clevischen Staude auf die drohenden Mahnungen des französischen 
Intendanten in Mastricht doch dazu, den noch übrigen Theil der Brand- 



■) Kf. iD Gen.-M. v. Eiler d. Cöln a. d. Spr. l./ll. April lÖTG. 
'O Die cleiiacho Regierung an Rf. d. Cleve 31. April und 27. Uai 1676. 
") Kf. an ilie clevischa Regierung d. Cöln 3./13. April 167fi. 
*) Gen.-SI. V. Eller sn K(. d. Wesel 1. Juni, Roermonde 7. Juoi 1676. 
^) Derselbe so Rf. d. Hoermonde 7. und 24. Oktober 1676. 
^ Die cleiiscbfl Regierung an Kf. d. Cleie 8. September, die clevischen Slindo 
a Kf. 15. Oktober 1676. 



oyGooi^lc 



10 Kriegsereigntase 1676-IS7D. 

schatzuDgssumme zu zahlen, ei'klärtea sich aber infolgedessen für 
un vermöge od, die dem Kurfürsten bewilligten Steuern zu entrichten. 
Dieser wuMe dadurch um so schwerer betroffen, als es ihm so wie so 
schon die grösste Mfihe machte, die Mittel zum Unterhalt seiner Armee 
aufzubringen. Er verbot') daher den clevischen Ständen jegliche weitere 
Zahlung an die Franzosen, erklärte aber zugleich, Fürsorge für den 
Schutz des Landes treffen zu wollen. Das ist auch wirklich geschehen; 
theilweise zu diesem Zwecke reiste er im Frühjahr 1677 selbst dorthia 
und die Verbandlungen, welche er durch v. Spaen und Blaspeil mit 
dem Prinzen von Oranien und selbst mit dem hollandischen Raths- 
pensionär Fagel und mit dem Pfalzgrafen von Neu bürg führte*), 
hatten das Ergebniss, dass in diesem Jahre ein grösseres Corps der Ver- 
bündeten gegen Maatricht aufgestellt wurde, zu welchem er selbst drei 
Cavallerier^menter (Spaen, Eller und Lüttke), zusammen etwa 2000 Mann, 
hergab, während er wieder alle dort entbehrlichen FuBStmppen nach 
Pommern kommen und an der Belagerung von Stettin theilnehmen 
Hess. Jenes Corps scheint auch seine Aufgabe erfüllt zu haben, in 
diesem Jahre ist weder von Einfällen der Franzosen ins Clevische, noch 
von Contributionen, die von dort aus an dieselben gezahlt worden wären, 
die Rede. 

Zu Anfang des Jahres 1678 machten *) die Franzosen in Mastriebt 
Vorbereitungen, welche ein feindliches Voi^hen gegen das Jülichsche 
und Clevische befürchten Hessen, und der dortige Intendant verlangte 
wieder unter den schlimmsten Drohungen die Zahlung von Brand- 
schatzungen. Auf Seiten der Gegner Frankreichs trug man sich anfangs 
mit grossen Plänen und Hoffnungen, namentlich der Pfalzgraf von Neu- 
burg war eifrig thätig, um den ganzen westfälischen Kreis und auch 
noch verschiedene andere Reichsstände, die rheinischen Kurfürsten, selbst 
Kursachsen, die sächsischen Herzoge und noch Andere in Waffen zu 
bringen. Auf einer Zusammenkunft, die er im December 1677 in der 
Abtei Werden mit dem Bischof von Münster und einem Abgesandten 
des Statthalterfi der spanischen Niederlande hielt, wurde*) die Aufstellung 
einer von allen diesen Reichssländen zusammenzubringendeu Armee vod 
über 40000 Mann geplant, von der 30000 Mann an der Mosel, 10000 

■) Kf. an Aen Fürsten Joh. Uoriti v. Nassau d. Cötn 9./19. November 1676. 

>) S. unten Abscbn. 11. 

'] Die clevische Regierung tu Kf. d. Cleve 24. Februar 1678. 

*) Pfalzgr. Philipp Wilhelm T.MeuburguiKf.d. Düsseldorr24.DMbr.IG77. 



oyGooi^lc 



Einleitung. 11 

au der Maass auTgestelU werden und welcfao Dicht uur die deutschen 
Lande deckea, soodern sogar offensiv vorgehen sollte. Aebnliche, aber 
DOch weitergehende Vorschläge machte der Prinz von Oranien. Der- 
selbe verlangte ') im Januar 1673 in dem Kriegsrath der Alliirten, 
daas ausser einer spaDisch-holländischen Armee in den Niederlanden, zu 
der aach die branDSchweigischen Fürsten und der Bischof von Münster 
23 000 Mann stellen und die so auf 63 000 Mann gebracht werden 
sollte, und einer kaiserlich-lothringischen Armee von 40000 Mann am 
Oberrhein, noch zwei andere Armeen aufgebracht werden sollten, von 
denen die eine, bestehend aus den Truppen der neu zu gewinnenden 
deutschen Fürsten, 16000 Mann stark, an der Mosel, die andere, ge- 
bildet von 6000 Brandenburgern, 5000 Neuburgern und 1100 l'ader- 
bornern an der Maass Stellung nebmon sollte. Aber jene Hoffnungen 
erwiesen sich als eitel, Berathungen, welche auf Veranlassung des Pfalz- 
grafen von Neuburg von einem Theil der dazu Eingeladenen zuerst 
Anfaug April und dann wieder in der ersten Hälfte des Mai zu Cdlu 
über die Aufbringung einer von dem ganzen westfälischen Kreise zu 
unterhaltenden Armee abgehalten wurden'}, führten zu keinem Ergebniss, 
statt dass* neue Bundesgenossen hinzugekommen wären, begann die alte 
Allianz sich aufzulösen, Holland und Spanien traten in Separatverhand- 
lüDgen mit Frankreich, und schon zu Anfang des Sommera drohte die 
Gefahr, dass nach dem Zurücktreten derselben die ganze französische 
Macht sich gegen Deutschland wenden würde. Der Kurfürst hat sich*) 
von vorn berein, um Holland von einem solchen Separatfrieden abzuhalten 
and seine dortigen Lande wirksam zu schützen, bereit erklärt, mit soviel 
Truppen, als er nur immer bei dem noch fortdauernden Kriege gegen 
Schweden entbehren könnte, an dem Kampfe gegen Frankreich theilzu- 
nehmen. Er hat sich dann erboten'), dort zu diesem Zwecke 6000 Mann 
zu stellen, hat anfangs freilich verlangt, dass ihm die zur Instandsetzung 
eines solchen Corps erforderlichen Geldmittel von Holland gezahlt würden, 
schliesslich aber darauf verzichtet und sich mit der Zusage begnügt, dass 

') S. ilie Relation Roms winckela d. Haag 1&./25. Januar 1678 unten 
Abschn. II. 

^ Brandeaburgischerseits nahmen an denselben zuerst der clevische Regienings- 
rsth de Bejer, später ftuch dessen College t. Diepenbruch Tbeil. 

') fif. an den Prinzen von Oranien d. CSIn 3./13. Januar 1678 und unter 
demselben Datum an den Pfalzgrafen von Neuburg. 

') Kf. an den Prinzen t. Oranien d. Cöln 3./13, Februar 1678 (unten 
Abscbn. II). 



oyGooi^lc 



12 Kriegsereignisse lfi76-167i>. 

demitelbeD der Dötbige Unterhalt geliefert werden solle. Um diese Truppeu- 
zahl aufzubringen, liess er ausser jenen 3 Cavallerie- auch die 3 Infanterie- 
regiroeutcr Spaeu, Eller und Jung -Holstein, welche dort im Winter 
(Quartiere bezogen hatt«n, dort stehen und nachher noch zwei Regimenter 
von dem Corps, welches er zu Beginn des Jahres anter dem Landgrafea 
von Hrimburg nach Freussen geschickt hatte'), das Reiterregiment du 
Uamel und das Dragonerregiment Holstein, ebendortfain marschiren *). 
Er genehmigte ein am 1. Mai im Haag zwischen seinem dortigen Ge- 
sandten und dem Rathspensionär Fagel vereinbartes Abkommen'), wonach 
vorläufig GenerallieuteDant v. Spaen mit 3000 Mann zu Fuss und 
1000 Reitern bei Maaseyck im Oberquartier Geldern Stellung nehmen 
und ancb jene anderen Regimenter sowie neubui^ische und paderbornsche 
Truppen dortbin nachfolgen, nachher aber nur die zur Deckung deti 
Landes gegen die Franzosen in Mastricht nöthigen Truppen doit stehen 
bleiben, die übrigen aber sich mit der Armee des Prinzen von Uranien 
vereinigen sollten. Seine Bevollmäclitigten haben auf der Zusammen- 
kunft in Cöln dahin gewirkt'), dass möglichst schnell das zur Deckung 
der benachbarten Gebiete bestimmte Corps an der Maass aufgeslellt 
werde, sie trafen dort mit den münsterschen und neuburgischen Gesandten 
eine Uebereinkunft '), nach welcher 4000 Brandenburger mit der gleichen 
Zahl sowohl Münaterscher als auch Neuburgischer und 1100 Paderbornern 
sich dazu vereinigen, und was von Trappen derselben bereit stand, dorthin 
marschiren sollte"). Wirklich erschien auch v. Spaen mit den Branden- 
burgern Mitte Juni bei Roermonde, zu ihm stiessen auch nachher einige 
neubui'gische und paderbornsche Truppen, und dieses Corps, wenngleich 
es jedenfalls nicht die beabsichtigte Starke erreicht hat und die spanische 
Regierung die grösaten Schwierigkeiten machte, demselben den ver- 
sprochenen Unterhalt zu liefern, hat ausgereicht, um die Franzosen an 
Einfallen in die benachbarten Gebiete zu verhindern. Anfang August 
aber rief der Prinz von Orauien den grössten Theil desselben zu seiner 



•) S. Hirsch, Der Winlerfeldzug in Preussen, S. 37. 

') Kf. aa dea Prinzen v. Oranien d. .Slellia 4./14. Juli 1678 (unten Ab- 
schaitt 11). 

>) S. Urk. u. Aci. III, S. 517. v. Spaen u. Komswincitel an Kf. d. s'GrareD- 
bage ö. Uli 1678 (unten Abscho. 11). 

<) V. Diepenbruch u. de Beyer an Kt. d. Cüln 17. Mai 1678. 

') Resolution loco protocolli d. Cöln 16. Mai 1678, 

') T. Spaeu an Kf. d. Roermonde 4./14. u. 7,/17. Juni 1678. 



oyGooi^lc 



EinlaitUDg. . 13 

Armee ab, mit der er zum Enteatz von Mona auszog. So habcD ') die 
Drandenburger unter v. Spaen an der Schlacht bei Mons (14. Augaat) 
theilgeDommen and dort mit Auszeichnung gekämpft. Die Entfernung 
dieser Trappen aber und dazu die Kande, dass Holland doch inzwischen 
am 10. August seinen Frieden mit Frankreich geschlossen hatte, erregten 
in der Nachbarschaft solchen Schrecken, dass*) die Stände der West-, 
Seite von Cleve auf neue drohende Forderungen des Intendanten in 
Mastricht sich doch wieder, noch im August, zur Zahlung einer Brand- 
schatzung von 100000 Thalem verpflichteten. Der Kurfürst hat weitere 
Gefahren vom Lande dadurch abzuwenden gesucht, dass er sich bemühte *), 
durch die Fürsprache der Holländer für dasselbe von Frankreich Neu- 
tralität zu erwirken. Das gelang nicht, doch haben die Franzosen in 
den nächsten Monaten keine Feindseligkeiten dort verübt, nur Anfang 
November anch noch bedeutende Lieferuugeu von Fonrage und Schlacht- 
vieh beansprucht*). Erst als die Verhandlungen, welche der Kurfürst 
seit Beginn des Jahres 1679 durch Meinders zuerst in Nimwegen und 
nachher in Paris mit Frankreich fuhren Hess, infolge seiner hartnäckigen 
Weigernng, seine Eroberungen In Pommern an Schweden zurückzugeben, 
scheiterten, schritt Ludwig XIV. zu Zwangsmassregeln gegen ihn und 
Hess zunächst Ende März') einige tausend Maun unter dem General- 
lieutenant Calvo in den westlich des Rheins gelegenen Theil des Clevischen 
einrücken. Dieselben fanden dort keinen Widerstand, Generallieutenant 
V. Spaen hatte sich mit den brandenburgischen Truppen über den 
Rhein zurückgezogen und hatte die Streitmacht, welche ihm, nachdem 
er die Festungen Wesel, Suhenkenschanz und Lippstadt nothdürftig be- 
setzt hatte, übrig geblieben war, die Cavallerieregimentet Spaen, Eller, 
Lüttke and du Hamel, 400 Mann von dem Dragonerregiment Holstein 
und einen Theil seines Infanterieregiments sowie des Regiments Jung- 
Holsteitt, zusammen etwa 6000 Mann*), am jenseitigen Ufer des Rheins 
aufgestellt, um den Feind am Ueberschreiten des Stromes zu verhindern. 
Daza kam es aber vorläulig nicht, denn am 31. März wurde') zu Nim- 



') S. das Schreiben des Prinzen v. Oranien ao Kf. vom 3. September 1678 
an Abscbn. U. 
^ Die clevische Regierung an Kf. d. Cleve 26. August 1678. 
=) S. unten Abschn. II. 

*) Die cleviscbe Regierung an Kf. d. Cleve 15. November 1678. 
») S. Diar. Europ. XL, S. 58. 
^ V. Spaen an Ef. d. Wesel l./ll. Februar 1679. 
>> S. unten Abachn. VII. 



oyGooi^lc 



14 SriegaereigDiaH 167£— 16T9. 

wegen ein W&SeDstülstand zwischen Frankreich, Schweden, Dänemark 
und Brandenburg abgesohlossea, welcher bis zam 1. Mai auch auf diesem 
Kriegsschauplätze den Feindseligkeiten ein Ende machte. Als aber auch 
bis dahin die weiter fortgeführten Verhandlungen nicht zam Abachluss 
kamen, der Kurfürst noch immer sich nicht zur AbtretODg von ganz 
Schwediach-Pommern verstehen wollte, schritt Ludwig XIV. zu schärferen 
Massregeln. Marschall Creqni erhielt. Befehl, mit 30000 Mann in die 
Lande des Kurfürsten einznräcken ; noch vor Ablauf des Waffenstill- 
standes, am 29. April, bewerkstelligten die Franzosen den Uebergang 
über den Rhein und es kam so zu den Ereignissen '), über welche die 
hier veröffentlichten Aktenstücke, insbesondere die leider nicht vollständig 
erhaltenen Berichte v. Spaen's, Auskunft ertheilen. 

') Eine kurae, Dicht iminer genaue Darstellung derselben batDrOfSen, Gescb. 
der preussiucben Polilik III, 3, S. 444 IT., gegeben. 



oyGooi^lc 



Die Feldzftge in Pommem 1676—1678. 

Oberst de Hallart an den Kurfürsten.^) Dat. Wolgast 
8./[18.] Januar 1676. 

[Abgeachl^en«r Sliirm. Beiderseitige Verluste «äbrend der Belagerung.] 

Es ist nnmehr In die 6. Woche, dass die Schweden uds belagert, if 
unterm Commando des Feldmarschalln Mardeofeldten, und alle Mittel 
mit Framen, Boten, Brücken und andern Krieges • Rästungen, mit 
Bomben, Feuerkugeln, vielen Steinwerfen mit 36 Stöcken, 4 Böllers, 
von 12 Batterien ihr Heil an uns gesuchet, der höchste Gott aber hat 
E. Chf. D. Waffen also ges^net, dass wir zwei ihrer Brücken, so bald 
sie angebracht worden, auf zwo verschiedene Male ruiniret Weilen der 
Feind mir mit CanontreD überl^en, als habe alle ambrassieurs') 
in die face zugemacht, die Brustwehreu verstärket und alte St&cke in 
die Flanken gesetzet, weil wenig Batterien darauf gerichtet, und es end- 
lich auf ein Handgefeoht ankommen lassen, wie daun auch der Feind 

^ Diese Kelation ist wörtlich, mit geriagen Auslassungen, abgedmckt als Flug- 
blatt: „Eztract-Schreibeos aus Wolgast wegen der dafür gebabteo 
Scbwedischeu Belagerung vom 8./18. Januarii 1676", das wiederabgedruckt 
ist im Diarium Europaeum SXSHI (16765, S. 242ff. Auf ebendemselben be- 
rohen die Berichte im Theatrum Europaeum XI (1682), S. 1005 f., im Ver- 
wirrten Europa III (Amsterdam 1683), S. 10, bei Pufendorf I. XIV §45 
(S. 1079 f.) und ancb wohl in y. Buoh's Tagebuch (herausg. Yon t. Kessel U, 
S. 191). Sf. theilt (d. Potsdam 15./25. Jaouar 1676) dem kaiserlichen General 
Qivfea Coob und allen seinen Gesandten und Residenten an auswärtigen Höfen 
diesen Beriebt Batlarts mit und fügt hinzu, er habe Anstalt zu baldiger Entsetzung 
Wolgasts getroffen. Vgl. Uüsebeck, Die Feldiüge des Grossen Kurförsten in 
Pommem 1675—1677, S. 47 ff., J£bns, Der Grosse Kurfürst bei Febrbellln, Wol- 
gast und Stettin (Hohenzollem-Jahrbuch I, 1897) 8- 36. 

>) embiaaures, Sebiestscbarten. 



oyGooi^lc 



lt> KritgseraigDUsfl 1676—1679. 

den 5. Jitnnarii dieses 1676. Jahres so heftig canooiret, dass er Vormittag 
ftlle PallisadeD und spanische Reuter ruiDiret, das Eis auch so stark 
gewesen, dass der Feiad Esquadronen weise umb 1 Uhr nach Mittage an- 
gemarchiret und mit 100 Sturm-Leitern bei die zwo Stunden auf uds 
an verschiedenen Orten gestünnet,- wie sie aber solchen guten Wider- 
stand gefunden und gesehen, diss Am Eis und die Gontrecherpe fast 
mit todtea Menschen bedecket und, wann es länger gewähret, nicht viel 
davon würden gekommen sein, haben sie sich mit Verlust 300 Todten, 
so auf der Stelle geblieben, und vielen Verwundeten zurück retirirea 
müssen, woraaf wir in unsere Contrecherpe einen Capitain mit 20 Ge- 
meinen gefangen bekommen. Der Feind hat hierauf seine Todten be- 
gehret, and habe ich es auf solche Conditioo eingewilliget, dass ich alte 
Sturm-Leitern, so an unseren Wall gepDaozet und auf den Eis gelegen, 
mit Frieden wollten ein-, und die Todten, so auf den Eis und umb die 
Wälle und Contreoherpe gelegen, durch unsere Soldaten wollte ausziehen 
lassen, welches auch geschehen. Unter den Todten sind befunden der 
Graf Oxenstirn, Obrister, 4 Capitäyns, worunter des Feldmai-schallo 
Sohn; an Lieutenants, FahuderJchs und Ünter-Ofhcirern sind viel geblieben, 
dann sie sich dapffer gehalten, und sind etliche mit Fiquen von den 
Brustwehren herunter gestossen worden. Der vorige Commendant Blisen 
bat Buff der Brustwehr vier Wunden bekommen, wie auch der Oberst- 
Lienten&nt Viting verwundet worden. Unsere OIBcirer und Soldaten 
haben sich wie Löwen gehalten, und sind die Steine, so der Feind ud.": 
zugeworffen, eben zu passe gekommen. Der Feind hat in währender 
Belagerung, ausserhalb des Sturms, so viel mir faewusst, verloren 1 Major, 
1 Lieutenant, 1 Fähnderich, 9 Constabels. Wie viel der Gemeinen sind, 
weiss ich nicht. Nunmehr bringet der Feind seine Stücke ab, ist aber 
noch in seinen Trancheen; wie') es nan mit unsern Palisaden, Schloss 
undt allem kann beschafTen sein, können Ew. Churf. Durcbl. leicht er- 
messen, und geben dem anheimb, was seiner Seiten weiter zu thun. 
Wir wollen uns in den höltzern Eyssbergen noch wol wehren, denn wir 
selbe so begossen, dass es lauter Eyss ist. An Pulver ist hier verschossen 
r^S Centner und 40000 Musqueten kugeln. In währender Belagerung 
sind unserseits geblieben Capitain Pustar, Fehndrich Tipling, vier 
Unter-OFGcirer, 16 Gemeine, &5 Gemeine gequelschet und geschossen, 
Christ Lieutenant HammiltOD im Sturm in Hals geschossen, Hauptmann 

DieiB Stelle; ,wie «b — weiter zu thun" ist in dem Druck ausgeluseo. 



oyGooi^lc 



Vertheidigung »on Wolgost. 17 

Pfuel in Ann verwundet, Lientenaot Alard den Arm mit den Stein 
entzwey geschlagen, Fehndrich Puatar in der Schulter geschossen, Fehn- 
dnch Grabau verwundet, und mit Steinen und Granaten geschlagen, 
Sei^eant Oemitz, so Wachtmeister-Lieutenants Dienste gethan, ver- 
wundet. An Ünter-Officireni verwundet sechs. 1 Hauptmann von der 
Artillerie und 1 Lieutenant von der Artillerie mit einem Splitter ins 
Angesicht verwundet, 1 Constabel durch eine Granate verwundet 



Der Kurfi\r9t an alle bei auswärtigen Höfen vorhandene 

Ministres und Residenten. 

Dat. Cöln 28. Januar/7. Februar lü76. 

tUittbeilnng eines fiericbtes über die EntseUung WolgsaU, den Aufbruch Derffllogen 

nach VorpommerD und die Einnahme von Uckermiinde.] 

Deunach der gütige Gott uns abermablen verschiedene gute Successe 7. Febr. 
verliehen, als haben wir desshalb beigehende Relation abzufassen belohlen, 
welche wir Buch hlebei zusenden, damit Ihr den Inhalt behörigen 
Ortes hinterbringen und dabei zu erkennen geben könnet, was massen 
unsere Trouppen noch aller Orten auch ungeachtet der unbequemen 
Saison in voller Operation wieder den Feind begrifTen seind. 

Berlin vom 25. Jannarii, st. v. 1676.') 
So bald Se. Churf. Durchl. vomommen, dass die Schweden Wolgaat belagert 
Dod dem Ort hart zugesetzet worden, sind Sie darauff bedacht gewesen, wie Sic 
denselben entsetzen and mit aller Nothdurfft aufs beste versehen möchten. Und 
damit solches nicht fehl schlüge, haben Sie das Wcrck auch noch be^ an- 
haltendem Frost, von beyden Seiten des Pön-Strohins, anzngreifeii und zu ex- 
ecutiren entschlossen. Zu welchem Ende Sie den Generaj-Hajeur von Schwerin,') 

') Auch diese Relation, deren Concept (geacbrieben van Fuchs mit Correcturen 
V. Somnitx's) bei den Akten liegt, ist als Flugblatt gedruckt unter dem Titeh 
^Extract Schreibens aus Berlin vom 25. Januarii 1676. Betreffend die 
Tüllige Aufhebung der Belagerung für Wolgast, imgleicheu die Er- 
oberung derlnsel Usedom wie aucb der Stadt und des vesten Schlosses 
Ukermnnde." Darauf beruhen die Berichte im Diar. Europ. XXXIll, S. 252f., 
Verwirrtes Europa III, S. lOf., Theatr. Europ. XI, S. 1006, Pufendorf, 
1. liV, I 45 S. 108a 

*} Schwerin hatte, wie verschiedene Schreiben von ihm aus dieser Zeit an 
Kf. und an den Fürsten von Anhalt zeigen, nur schweren Herzens und nachdem er 

Uiu. (. flMCb. d. a Kntfliniui. XYIII. 2 



oyGooi^lc 



lg 1. KriegsereigoUse ICTö— 1GT9. 

welcher von der H in ter-Pom menschen Seiten der näheste, nnd den kärtzeateo 
Weg liatte, beordert, mit Zuziehung ein Tlieil der in Hinter-Poinmerii stehenden 
Reulere; und Dragounern einen Versuch auf die Insul Usedom und die daraufi 
stehende feindliche Trouppen unter dem Obristen Wangelin, welche in 800 
Mann bestanden, zu thnn, und daranff den Entsatz fürzunehmen; Dieses ist aiirl) 
durch Gottes Gnade so wol geglücJtet, dass, wie der Genera!- Majeur von Schwerin 
am 17. dieses mit denen bey sich habenden Trouppen und Wagens auff 3 Meile 
Weges über das zugefrorene friache Haff (weil er gerade zu über die Suhwieiie 
nicht kommen können) niarchiret, und ohne eintzigen Verlust auf der Inf^nl 
Usedom bey einem Dorffe, Caminichen genannt, Posto gefasset, der Feind, welcher 
zeitig von einer kleinen ParteTj so von den Unserigen geschlagen nnrt Fünff da- 
von gefangen worden, Lärmen bekommen, sofort flüchtig geworden, ■ und sich 
gegen Wolgast gezogen; Deme der General-Majeur iiachgesetzet : Weil aber der 
Feind die Nacht zu HülfTe genommen, und sich über Eyss in Lassan reteriret, 
haben die Unserige mit der Avan^uarde nicht mehr als eine Partey von etwa 
hundert Pferden ereylen können, welche sie bis auff eine Meile Weges ver- 
folget, auff dem Eyse chat^iret und geschlagen, fünff und zwantzig davon er- 
schossen und neun und zwantzig Gefangene eingebracht; Darauff hat sich der 
General-Majeur für Wolgast begeben und selbigen Ort mit frischem Volck und 
aller Nothdurfft zur Genüge versehen. Wie auch der Qeneral-Hajeur in der 
Nacht Kundschafft erhalten, dasa einige feindliche Reuterey, unter dem General- 
Majeur Grotbausen, sich auff eine Viertel-Meile von Wolgast befündc und den 
Ort von der andern Seite blocquirct hielte, bat er sofort etzliche hundert Mann 
von den Seinigen überzusetzen Anstalt gemachet; Es hat sich aber ermeldtcr 
Grothausen, unerwartet dessen, zeitig in Greyffswalde reteriret so, dass die 
Belagerung und Blocquade für Wolgast güntzlich auffgeboben, und der Ort 
wiederumb mit allem überflüssig versehen ist. Der General-Majeur von Schwerin 
hat sich darauff, weil das Wetter umbzuschlagen begunte, wieder zurücke nach 
der Scbwiener Schantze, selbige zu emportiren, gezogen. Eben zu gleicher Zeit, 
wie der General-Majeur von Schwerin Ordre bekommen, von der Uinter- 
Pommerischen Seite Wolgast zu entsetzen, haben Se. Churf. Durchl. dero General- 
Feld-Marschalln, Freyherrn von Dörfflinger,') beordret, mit Zusammenziehung 

wieüerbolt auf die sehr grossen Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, das Unter- 
nehmen ausgeführt; dem Fürsten von Anhalt schreibt er (d. Colberg II./2I. Ja- 
nuar 167G), er wolle, ,ila Kf. bei seiner intention geblieben, es wagen, obwohl er 
grösseren Schaden als Nutzen absehe, Posto wolle er schon fassen, wenu nur Succurs 
von jener Seile komme. Er habe demonsIrirC und das Srinige gethan, wolle hinfort 
thun, was ihm befohlen werde." SolUe ihn jemand in seiner Abwesenheit anzu- 
schwärzen suchen, so billet er den Fürsten, sein Bestes zu mainteniren. (Z.) Vgl. 
Müsebeck S. 49 f. 

■) Derfflinger theilt (d. Cöln a. d. Spr. I0.,'i:20.] Januar IG:«) dem fiencral- 
major Lüttke „insgeheim* mit, dass alle [tegimenter Ordre zum Aufbruch bekommen 
hätten und in vollem Marsch seien, und dass er selbst heule oder morgen zu den- 
selben abgehen werde. Ueher den Krtol^ seines Unternehmens s. v. Ungar, Feld- 
marscball Derfflinger, S. 81, Müsebeck S. 50 f. 



oyGooi^lc 



EntselzuDg voD Walgast. lO 

der ia Hechlenbiii^ und Prignitz stellenden Reuterey und Oragounern, wie 
auch einiger Keyserl. unter dem Obriaten Freyherrn von Hetternich, und 
Köoigl. Dänischen Trouppen unter den General-Lieutenant Ärensdorff, in 
Vor-Pommern zu gehen, und weil derselbe schon den 19. dieses über den Trebel- 
Fluss, zwischen Tribsees und Damgarten, passiret, und also aber die Pässe in 
VoF-Pommera angelanget, auch den 21. dieses zu Grimmen, etwa 3 Meilen von 
Stralsund, gestanden: so boCFet man auch von der Seite etwas gutes zu hören. 
Indessen haben Se. Gburf. Darcbl. gestern darch einen anhero geschickten Ex- 
pressen die Nachricht erhalten, dass ein Theil von dero in Preotzlow und Pase- 
walck stehenden Mannscbafft, unterm Commendo des Obristen Schöuigs, sich 
der Stadt und Schlosses ükermfinde, so mit Wall nnd Mauren umbgeben, mit 
stürmender Hand bemächtiget, den (Jörn mend ante n, so mit GO Mann darin ge- 
legcu, erschossen, und die Mannschaft theils niedergemacliet, theils gefangen ge- 
nommen, und darauf den Ort geplündert, die Tliore gesprenget, nnd sich mit 
guter Beute ohne cintzigcn empfangenen Schaden wieder zurück in ihre Quar- 
tiere begeben. 



B. V. Schwerin an den Knrftlrsten. Dat. Colberg 
24. Febriiar/[5. März] 167G. 

[Gerüchte über die Ankunft Künigsmarcbs. Seine gcßhrlicbe Lage. Bitte um 
Verslärkungen.] 

Von schwedischer Seite sowie von der im Lande stehenden Miliz und den 5. 1 
Commandanten zu Stargard und Wollin wird das Gerücht verbreitet, Konigs- 
marck sei mit etlichen Völkern in Stettin angekommen, und solle in diesem 
Lande allerhand Händel machen. 

So glaube ich zwartou darin nichts. Gleicbwol aber kann man bei 
der besten Sicherheit nicht allzu sicher sein, muss also E. Chf. D. unter- 
thänigst berichtOD, das», wann an obigem gleichwotl etwas wäre, ich 
nicht genug sein würde mit denen Trouppen, wie sie itzo im Stande, 
Gefahr abzuhalten, denn meine Defension weit au» einander und zwartcn 
von den Inseln an bis Golno, Dam und Greifenhagen, zu welchen Dam 
ziemliche Trouppen notig, von schwedischen Seiten aber viel Löcher, die 
man ohne genügsamen Macht alles nicht abhalten möchte, insonderheit 
da sie sich verstärken sollten. Zwar wann alle Trouppen, so mir unter- 
geben, wie stark sie ihre Verpllegang bekommen, complet wären, hätte 
ich nicht Ursach E. Chf, D. ferner anzutreten, weil aber die Regimenter 
von Ihr Fürst!. Dchl., Churpriuion und Druckdorff jede mit hundert 



oyGooi^lc 



20 !■ Kriegsereignisae 1676—1679. 

Pferden efTective noch nicht Dienste thua köuneD, würde meine Macht 
nicht gnug sein. Mein Regiment betreffend ist es bisher sehr strapeziret, 
gestalt nach erster Auscommendirung der dreihundert Mann nach Wollin, 
wie der Frost anging, wegen Sicherheit noch hundert fünfzig hin mar- 
chiren lassen, die ich nun zurücke beordert und befanden, dass nicht 
mehr als fiinfuodsechzig gesunde vorhanden, dann die andern gestorben 
und noch im Camminacben zurücke geblieben. Die beiden Schliebischen 
Regimenter, wie ich schon berichtet, sind sehr schwach und glaube ich 
nicht, dass ein jedes dreihundert darstellen, und ob das gewesene Hohen- 
dorfßsche schon im Stande kommen wird, so sehe ich nicht, wie es nait 
dem Schliebischen werden wird, weiln ich keine Antwort wegen der 
Recruiten und Standquartier in Preussen zu haben erlangen können, 
iumittelst verlieret sich die Zeit. Dannenhero ich wol unterthänigst zu 
bitten, dass etwa noch in die vierhundert zu Ross und sechshundert zu 
Fuss ins Land commendiret werden mögen, alsdann ich nächst Gottes 
Hülfe vor alles guugsam sorgen, den Feind in der Enge halten, nötige 
Oerter, insonderheit Golno, nottürftig besetzen (so alleine wol vierhundert 
Mann erfordert) und alles Unheil verhüten. Sollten nun die in der 
Neumark stehenden Regimenter, auch andere, die ich genannt, nicht 
nachdem sie sein sollen Dienste thun können und ich keine Leut mehr 
bekommen, inmittelst durch der Schweden Ausfülle hin und wieder 
Schaden geschehen, so hoffe ich, es .werden E. Chf. D. mich aus der 
Verantwortung lassen. — ') 



') lieber die Docbin&lige Beliigerung Wolgasts und einen neuen missglückten 
Eütsatzversuch Schwcrin's im Mai IG7G s. Diar. Europ. SXXIII, S. 514 (Ver- 
wirrtes Europa IJI, S. 201 f.) und daa ebendas. abgedruckte „Schreiben einer 
Tor nehmen Generalsperson aus Casseburg" vom 4./U. Hai 1671! (S. 526 IT.). 
Schwerin schreibt dem Kf. (d. an der Scliweine 14./24. Mai 1076), trotzdem er 
früher die grossen Schnierigkeilen vorgestellt, welche es habe, von dieser Seite 
Wolgast bei offeDem Wasser zu entsetzen, habe er doch auf den Befehl, das Aeusserste 
zu versuchen, einen Versuch gemacht, der aber nicht geglückt, Jedoch ohne be- 
deutenden Verlust abgegangen sei. Wenn er noch etvas tbun künne, so werde er 
es nicht verabsäumen, jedoch so, dass „ea verantwortlich sei und er keine Tborheit 
begebe" und die Truppen und der Proviant für Wolgast nicht verloren gingen, 
lieber die weitere tapfere Vertheidigung von Wolgast durch Oberst Hallart s. 
Diar. Europ. XXXIV, 8.31 (Verwirrtes Europa III, S. ä05). Vgl.Müsebeck 
S. 54 ff. 



oyGooi^lc 



Marschordre fär die Armee c 



Geschlossen im Feldlager bei Grubenhagen den 23. Jum 1676.^) 

[Marschordre für die Terachiedeaen Tru|ipentheile.] 

Ihr Chnrf. Durch!.*) gehen selber mit der Infaudrey auf Kni^en 3. Juli, 
und ziehen an sich dem Gen. M. Merheim welcher von Schwan naher 
Lage Desin Siltz mit den königlichen denischen Regemendern sich dahin 
begeben soll, 

Die Keiaserischen gehen auf dem geraden Weg nach Kniegen ausser 
das Regemendt Tr^ner, dasselbige gehet nach Neuen Kallau, gibt sich 
hei Ihr FI. Durchl. von Homburg an umb fernere ordre 

Der Gen. Leitenambt Span gehet eben so woU mit allen bei sich 
habenden Völkern nach Kniegen. 

Ihr Fl. Durchl. von Homburg gehen von hier nach Neuenkalle uod 
Tragan mit aller Cavallery und Tragoner, und suchen altar die beste 
Gelegenheit sich sicher zu setzen, auch wie man dem Feinde am besten 
beikommen kann, da man Poste fassen mocht, 

Malicbin soll mit 200 Mann zu Fuess besetzet werden, dabei 50 
Reiter, welche auf der anderen Seiten fleissig partiren sollen, auch soll 
ein jeder sich voll in Acht oemen und alezeit in Bereitschaft stehen 

auch die Best auf Eni^n anlegen, damit alezeit Nachricht ein- 
kommen möcht. 

'] Aufieicbnung von Derfflinger's Hand. Ueberden Feldiugspl&n des Ef. a. das 
Rescript desselben an Chr. u. Fr. t. Brandt in Kopenhagen vom 25. Mai/4. Juni 1676 
unten Abscbn. III. Dem Kaiser l&sst Kf. durch v. Crocko w (Kescript von 15./25. Juni 
1676) anzeigen, dass er .zuförderst kein Kende^vous ballen, sondern recta auf den 
Feind losgehen" werde. 

^ Sf. hatte am 36. Juni Berlin verlassen, traf am 2. Juli bei Lipen im Uecklen- 
hurgischen bei seiner Armee ein und zog mit derselben nach Orubenhagen, wo er 
auch den folgenden Tag blieb, s. v. Buch's Tagebuch (I, S. 192 f.) und das Rescript 
an die beiden v. Brandt aus dem Feldlager bei Levitzon vom 25. Juni /5. Juli 1676 
unten Abschn. III. Vgl: Uüsebeck S. 65. 



oyGooi^lc 



22 I- Kriegsereignisse 1676—1670. 

Der Kurfni-st an den Obei-präsitlenten und die Geheimen 

Käthe zu Cöln a. d. Spree. Dat. Im FehUager vor Tribbesee 

28. Jiini/[8. JuH] 1G76.') 

[Anieige der EinnahmB dca Passes von Tribsees,] 

Wir lassen Euch hieinit in Gnaden UDverhalten, dsss,') uachdem 
wir auf hiesigen Pass zugeriicket, umb uns dessen zu bemachtigeQ und 
den Feind, welcher sich anfangs au demselben unter Anführung und in 
Gegenwart des Feldmarschalln Königsmarck so wol mit Volck als Ge- 
schütz ziemlich verstärcket, in seinem Vortheil angegriffen, auch durch 
Canoniren, so den gestrigen ganzen Tag gewähret, von beiden Seiten eiu 
ziemlicher Schade geschehen, der Feind durch göttlichen Beistand ge- 
zwungen worden, gestern gegen Abend, noch bei Tage, den Pass und 
die Schanze zu verlassen und sich in aller Eil nacher Stralsund zu reti- 
riren. Wir haben darauf dieseu considerablen Ort besetzet und Ordre 
gestellet, dass die Brücken und Dämme, so vom Feinde ruiniret, in mög- 
lichster Eil repariret werden, damit wir übergehen und die vurhabendo 
operationcs in dem Namen Gottes, welchem Ihr desfalU in den Kirchen 
Dank sagen zu lassen, ferner fortsetzen können. — 



Ausö dem Chur-Brandeiibiirg. Fehltliigcr vor der Pöluieiniindei" 
Schaiitze d. 5./15. Juli Anno 167(i.'') 

[GiuDahme der l'eeuemünder Schanze.] 

j^ Zufolge meines vorigten Extracts von '27. Junii berichte, dass nach dehm 

Sc. t'hiirf. Dclil. den i'J. ejiisdem über den Pass bei Tribliesecs gegangen, seindt 
sie*) mit dero annee weiter naclier Wolgast werts advaiicitet: Wie Sie den 

') Unter demselben Datum theilt Kf. auch seinen Ailürten, den QeaeralstaaleD, 
dem Kaiser, den brauDschweigisrhcn lleriogcu u. s. w. diesen Ifrfolg mit. 

5) Danach Tbeatr. Eiirop. XI, S. lOüy, Pufendorf i. XIV, §47 (S. 108ä). 
Kincu ausführlicheren Kericht enthält Verw. l'hiropa III, S. 'i04f. S. auch v. Buch's 
Tagebuch (1, S. 19-1 f.). Vgl. Mfisebeck S. «.') f. 

') Coucept von unbekauuier llaud. 

*) Ueber diesen Zug des Kf. nach %Vülgast und die .schon vor seinem Einlreflen 
daselbst erfolgte [Cntselzung dieses Ortes durch G.-Major v. Schwerin s, di« aus 



oyGooi^lc 



KiDDfthme des P&ssea vouTribBees und der Peeuem und er Schanze. 23 

•2.,'12. Julii des Äbeods in ein Dorff ohnweit der Pöhnemünder Schantze') mit 
ein Theil dero arniee gekommen, haben sie den 3./t3' ejasdem darauff moigendt 
frühe die jetzged. Scbantze recognosciret, dieselbe auch solchergestalt befunden, 
dass woll einige Formalität davor zu gebrauchen: Nichts desto weiniger haben 
sie dem General-Usjor von Schwerin alsofort ordre ertheyiet, auch jenseits 
der Schantze von den Thamb bey der alten Schantze eine attacque zu thun 
nnd zu dem Ende die nothigo Batterien schleunigst zu verfertigen; welchcä dan 
derselbe auch mit allem Fleiss verrichtet, darauf er die Schantze soforth be- 
schossen und mit den Canoniren Granaten und Feuer EinwerfFen unaufhörlich 
coDtiauiret hat. Inmittelit haben die Unserigen auch an dieser Seite recht im 
Gesichte des Feindes eine Batterie auffgeworffen, welche, wie sie des folgenden 
Tages auf dem Nachmittag alss d. 4./1*. Julii fertig geworden, hat man so baldt 
die Stücke darauf goführet; Älss der Feindt solches gesehen, hat er soforth ver- 
mittelst Rührung der Trommeln auf jenseith zu dem Gen. -Major von Schwi 
gescbicket nnd umb einen accord anhaken lassen; Älss derselbe solches Sr. Churf. 
Durch), (welche auf diesseits ohnweit der Batterie, so man alda auffgeworffen, 
sich befanden) notiticiret, haben dieselbe ihm den begehrten accord auf gewisse 
Conditiones gegeben, worunter diese die vornembsten 1. dass Officirer und Sol- 
daten nacb Soldaten Manier mit offenen Trommelschlagk, Ober- undt Untei 
wehr, brennenden Lantben und Kugeln im Munde ahniarchiren, 2. der Commen- 
dant mit den Unterhabenden mittelst einer guten üonvoy von hier zu Lande 
biss Stralsunde gebracht, 3. Sr. Cliurf. D. Vasallen, so sich in der Schantze lie- 
finden, in den accord zwar mit cingescMossen, in 3 Wochen aber a dato denei 
Avocatorien pariren nnd die Schwedische Dienste quitiren sollen, 4. die Ueber- 
länffer aber sicli dieses accords nicht zu erfreuen haben sollen. In wehrende; 
Beschiessung von uuserer Seitben hat der Feind gar wenig geschossen, sondern 
sich gantz stille in der Schantze gehalten, also dass dieser importanter Ortb 
mit Verliehrung drey Mann nndt 2 Gequetschten von denen Unserigen den 
4./I4. Julii per accord übergegangen, S, Churf. D. auch von dero VÖlckera also 
baldt eine Post darin einnehmen lassen, wordurch den derselben zu Fortsetzung 
dero Kriegs-operationen in Pommern nicht geringe Ädvantagen zugewachsen. 



anderer Quelle geEchüpfieu Berichte im The&tr. Eur. XI, S. 1010, Verwirrtes 
Europa 111, 5, 206, Puteudorf 1. XIV, | 47 (S. 1ÜS2). Vgl. Müsebeck S, 66 ff. 
') .Web die Einnahme der Peeneinündcr Schanze bcricbteu Thcalr. Europ. 
XI, S. 1010, Verw. Europa III, S. 206, Putendort 1. XIV, 5 4'? (S. 1082) nach 
anderer Quelle. S. darüber auch v. Biich's Tagebuch I, S, 197 f. Vgl. Uüae- 
becb S.68f. 



oyGooi^lc 



24 I- Kriepereigniase 1676- 1G79. 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. im Feldlager bei Biltzow 
12./22. Juli 1676. 

[Eingenommene Stellung. Fernere Absichten.] 

i. Weil ich mich schuldig erachte Ew. Keys. May. von meinem Marche 
und Operationen allemal unterthänigst Part zn geben, als berichte hie- 
mit gehorsam bi^t, wasgestslt ich mit meiner Armee bis anhero avanciret 
und mich an einem solchen Ort zwischen Rostock und Wismar postiret, 
wodurch dem Feinde die Gommunication zu Lande aus Pommern nach 
Wismar und Bremen allerdings abgeschnitten. Ich habe auch bereits 
die Oerter, so die Schweden in Mechelenburg haben, als Wismar, das 
Ländlein Pol und die Warnemünder Schanze recognosciren lassen und 
erwai-te nur mehr schw.ere Stücke, wornmb ich bereits geschrieben, nnd 
die Ankunft Ew. Keys. May. Trouppen, umb ferner etwas hauptsäch- 
liches zu tentiren. Dann sobald selbige nebst denen schweren Stücken 
bei mir anlangen und die dänische und holländische Flotten sich in See 
praesentiren werden, welches, wie ich die Nachricht habe, ehestens sein 
wird, will ich suchen, einen oder anderen importanten Ort wegzunehmen 
und ferner, so lang diese gute Zeit and saison währet, mit allem Eifer 
und Fleisse wider den Feiud zu i^ren. — 



Auss dem Chur-Braiidenb. Feldlager vor Anklam 
den 7./17. Aug. 1676.') 

[Giricbliches Gefecht des Landgrafen von Uonib'urg gegen Königsmarck.] 

Demnach Se. Churf. D. wahr genommon, dass der KSnigl, Schwed. Feldm. 
Graff Königsmarck zue verschiedenen Mahlen dero anssgesetzete Vorft-achten 
chargircii lassen, auch dero Fouragircr zum oftern attacquiret, als haben Sie 
gestern Abend des Herren Landgrafen von Hessen Förstl. Gnad. ordre ertheilet, 
wie dieselbe den Feind einzutreiben haben möchten. Es hatt darauf der Herr 
T.andgraff zue folge solcher ordre gestern bey späther Abendzeit 200 Pferde 
voran geschicket ohne selbigen zu wissen zu thnn, dass er mit der gantzen 

I) Das CoQcept von Fuchs' Hand. Danach der Bericht im Theatr. Europ. 
XI, S. 110 und bei Pufendorf 1. XIV, § 47 (S. 1083), nur theilweise Verw. 
Europa Hl, S. 208. Vgl. v. Buchs' Tagebuch I, S. 201 f., Jungfer, Der Prini 
von Homburg, S. lOä. 



oyGooi^lc 



Gefecht bei Anklam. 25 

C&nilerie folgen wolthe: Er, der Herr Landgraf selber istbalde daranff mit der 
bey sich habenden Cavallede, einigen Dragounern and i Stücken Geschütz bey 
angehender Nacht aufgebrochen und denen Vortrouppen gefolget. Der Graff 
Rdnigsmarck selber wahr mit aller seiner Reu therey auas Greiffswald gangen, 
umb unsere Vorwachten der Qewonheit nach zu attacquiren, und hatt mit an- 
brechenden Tagk auff die 200 Pferde, so voranas geschicket wahren, getroffen, 
da es sich dann zum hartben Gefechte angelassen; so bald aber der Herr Land- 
graff mit dem Gros heran gerücket und getroffen, hatt der GraS KQuigsmarck 
mit allem, was er bey sich gehabt, sich auff die Flucht begeben, und die bey 
sich gehabte Dragouner im Stiche gelassen, welche biss auff etzücbe wenige 
Gefangene, worunter der Capitain und Fendrich ist, niederge machet worden, 
nie unsrigen haben den Feind biss in die Thore von Greiffswald verfolget, viele 
niedermachet nnd viele Officirer auch andere, worunter des GralT KQnigsmarck 
Fa(,'e nnd Leib-Knecht seyn, gefangen bekommen und guthe Beuthe gemachet, 
wovon mit nechstem eigentlichere und speciale Nachricht ertheilet werden solle. 



Äuss dem Chur-Brandenb. Feldlager vor Anklam 
den 9./19. Aug. 1676.') 

[Nihere Nacbricbteu aber die Erfolge des Gefechtes vom 16. August.] 

Zue Folge meines jüngsten bericlite, dass die gestrige rencontre unserer 19- Aug. 
Cavallerie mit der schwedischen unterm Graff Königsmarck grosser gewesen, 
als man anfangs vermuthet: Es seynd weith über die 100 Gefangene eingebracht 
und TOD den Schweden mehr als 150 Todte hier nnd dar in den Morasten und 
auff dem Dam vor Greil^wald gefunden worden: Also dass Graff Königsmarck 
über 300 Mann ohne die Blessirten verlohren, und sagen die Gefangene einhellig, 
dass solches der Kern seines Volckes gewesen, die Unsrigen haben über 2O0 
ledige und schöne Pferde, anch sonst guthe Beuthe bekommen; hetten die 
Cnsrigen so geschwinde durch den Morast kommen können, und der Feind nicht 
so nahe Greiffswald hinter sieb gehabt, dahin er sich reteriret, wüide kein eint- 
ziger davon gekommen seyn. Morgen mit anbrechendem Tagk wird die Stadt 
Anklam mit aller Macht beschossen und attacquiret, auch damit biss zur Ueber- 
gabe continniret werden, und hoffet man davon in wenig Tagen Meyster zu seyn. 

') Das Concepl auch von Fuchs' Band. Eine Abschrift schickt Kf. an dem- 
selben Tage, 9./10. August, an deu Fürsten von Auhalt (Z.). 



oyGooi^lc 



26 I- KriegBereignisje 1676—1679. 

Anss dem Feldlager vor Anklam den 16./26. Aug. 1676.*) 

[Vergeblicher Sturm gegen das llorunerk.] 

36. Aug. Nachdem Se. Chnrf. Darchl. einige Tage her das Homwerk vor dem Stolper- 

thor gelegen atarck canoniren lassen, haben Sie resolviret, dasselbe mit Sturm 
anzugreiffen und dazue von jedem Regiment zue FuBse eine gewisse Manscbaft 
biss auff 1800 Uann nebst 40 Grenadiers commendiret. Die attacque gieng aa 
umb 3 Uhr nach Mittagk und wehrete biss am späthen Abend, die Uusrigcn 
gingen mit einer ungemeinen courage an; und ob zwar bald anfangs diejenige, 
so die Brücken anbringen solthen, fast alle geschossen wurden, also dass die 
Brücken über den Graben nicht gewoiffen werden konthen, so ginge nichtes 
desto weniger die Uannschaft fortb, bemächtigte sich des Feindes Pallisaden und 
conire-scharpe, kalime auch schon in den Graben, weil aber derselbe fast Mannes 
tief befunden worden, also dass er mit Faschinen so baldt nicht aussgefflUet 
werden mögen, auch der Feind alle seine forces auf dieses Uornwerk gezogen, 
unerachtet man noch andere verschiedene attacqaen gethan, daher dann solches 
in continuirliehem Feuer standCj ist unmöglich gewesen, selbiges vor diessmahl 
zu forciren. Der L'nsrigen sejnd nngefehr ein 300 so Todte als Beschädigte^), 
worunter aber kein Ober-Officirer. Was vom Feinde geblieben, kann man nocli 
nicht wissen; zweiffelsfrey wird unser cauon, welches continuirlich auff den- 
selben gcspielet, nicht geringen Schaden gethan haben. 

I:e; wehrender attacque des Hornwerckes haben die Keyserl. auSjenseith der 
l'eno eine fausse attacque gethan, welche ihnen aber so geglücket, dass sie sieb 
einer traverse und noch eines Postes von dem Feinde bemächtiget, sich daselbst 
vergraben und selbige mainteniren: Diesem ungeachtet wird die attacque dieses 
Orthes mit allem Ernste foitgesetzet werden and hoffet man davon in wenig 
Tagen Meister lu werden. 

P. S. vom 18.;->8. Aug. 167C. 
[üapitulatiousverbandluugen.] 
'.'S. Aug. Nach Schliessung dieses hatt es sich begeben, dass gestern Abend unib 

9 Ubr der Commendant in Anklam Gen.-M^j- Sanitz die chamade schlagen 

') Diese Relation, deren Concept auch von Fuchs berröhrt, ist schon ab- 
gedruckt bei V. d. Oelgnit^, Geschichte des Künigl. preussischen ersten Infanterie- 
Kegiments, S. U8, danach die Berichte im Diar. Europ. XXXIV, S. 101, Verw. 
Europa 111, S. 208, Theatr. Europ. XI, S. 1010, Pufendorf 1. XIV, § 47 (S. 1082). 
Vgl. V. Buob's Tuf-ebuch I, S. 203 f., Taeflichsbeck, Die Beisgerung der S ladt 
Anklam durch den Grossen Kurfürsten im J. 167G (Stettin 1892), v. Unger, Feld- 
marachall Derfflinger, S. 82 ff., Müsebeck S. 71 ff. S. über die Zustände im branden- 
burgischcn Heere «äbreed der Belagerung Anklams die Berichte des dort amresendeD 
bolländiscben Gesandten t. <I. locht (Urk. u. Akt. III, S.486r.), s. auch das 
Schrcibeu des Kf. an den Kaiser vom '22. August unten Abschn. IV. 

-) Nach der amtlichen, bei TaeglicbsbeckS. 37 {auch schon bei v.d. Oelsnilt 
S. H9) abgedruckten Verlustliste betrug der Verlust 2S Otficiere, 43 U nte rof fiele re, 
634 Oemeine. 



oyGooi^lc 



B«lageruDg *on Ankkm. 27 

lassen und begehret, man mScIite ihm einen StilleBtan'l geben, niid mit der 
Arbeitb iiinehaUtien, er woitlie Geissei scbickeu und fimb einen gutlien accord 
ansuchen; hatt aucli balde darauff einen Major und cinon Capitain alss Geissei 
gesehieket; worauf von unser Seithen 2 Officirer von gleicher Qualität in die 
Stadt hinein geschicket worden; Dieser heuthiger gantzer Tagk ist mit tractiren 
zugebracht, and weil der Comraendant gahr zun unbillige conditiones begehret,') 
haben Se. Cliuif. Durcbl. selbige nicht willigen wollen, sondern ihme andere 
raisonnables conditiones offeriiet; 'WorBuS man anjetzo dessen Erklehrung er- 
warthend ist; und wird sich inner einer halben Stunden Zeitli zeigen möascn, 
ob der Orth in der Güthe oder dnrch fernere attacque übergehen soll: Auf 
welchen letzteren Fall man die guarnison änderst nicht alss auff Gnade und Un- 
'^'nade annehmen wird. Weil die Foste ISnger nicht auffgehalten werden kann, 
habe dieses in antecessnm melden wollen; Mit nechslem berichte den Erfolg. 



Der Ktirfni-st an den Oberpräsidenten und die Gelieimen 

Häthe zu Cöln an der Spree. Dat. im Lager vor Aiiklaui 

19./[29.] August 167ti. 

[Anzeige der L'ebergabe von Anklam, Anordnung eiues Daokfestes.] 

Wir geben Euch hiemit in Gnaden zu vernehmen, was gestalt die :'9. Aug- 
l'CdtuDg Anklam durch Gottes Verleihung heut umb 12 Uhr mittags 
auf beigehende Accordspuncte *) an uns übei^augen. Weil nuu vor allen 
Dingen der Güte dea Höchsten dafür zu danken, als habet Ihr beim 
CöQsistorio die Verfügung zu thun, dass im ganzen Lande eine Dank- 
predigt gehalten und aowol wegen dieser Eroberung als auch dass kurz 
vorhero Stade und Landakrohn an unsere hohe Älliirte cbenmüssig über- 
gangen, Gott gedancket und das Te Deum laudamus gesungeu werden 
möge; Wir haben an alle Gouverneurs und Commendanten unserer 
Festungen Ordre ertheilet, da^s alsdann auch das Geschütz gclöset werden 
»olle; Im übrigen habt Ihr dieses und die Äccordspuncta an alle unsere 
Regierunge und au alle un^re Miniätros bei auswärtigen Ilüfen, wie auch 
an die Residenten zu communlcireu, an unsere Älliirte haben wir es 
von hieraus gebracht. — 

') S. den Capitulationsentwurf bei Tüglichsbect S. 5G f. 

>) S. dieselben abgedruckt: Diar. Europ. XXXIV, S. 101 ff., Vorw. Europa 
III, S. iK)8f., TaegiichsbeckS. 5Sir. Ein ciienfalls von Fuchs geschriebener Bericht 
über den Kiiizug des Kf. iu .^uklam und die dortige Huldigungsfeicr am W. August ist 
fast «ürtlicli abgedruckt Diar. Rurop. XXXIV, S. lOS, danach auch Theatr. Europ. 
Xi,S. 1011, Verw. Kuropa III, S. 21i:'. Vgl. auch v. Uuch'« Tagobuch I, S. £UÖ f. 



oyGooi^lc 



2g 1. EriegBereignisse 1676—1679. 

Aus dem Feldlager för Löcknitz vom 31. Augusti st. v. [1676.] 

[Beginn der Belagerung vod Löcknitz. Glücklicher Streifzug v. Iselstcin's. 

MumuDg loa Damm.] 

Nachdem Se. Cburf. D. zu Brandeabui^ mit einigen Re^mentern allhie 
angeUnget, haben Sie sofort zu schleuniger Eroberung dieses Octs Anstalt machen 
lassen, hoffen auch, ohngeachtet ein neuer Commendant, weilen der vorige 
ohnlüngst verstorben, sich darch den Morast, nach Hinterlassung 8. Gefangener 
und alles bey sich gehabten Proviants in der Nacht hinein practicirct, damit 
bald fertig zu werden"). Die aus Anklam gezogene Schwedische NationalvBlcker 
sind 80 lange ins gewesene Ampt Gramzow verleget, bis der Commendant 
Sanitz wegen der Anklammer Fehre') dem Äccord ein Genügen geleistet; Er 
und andere Officirer aber seind gegen einen Revers nach Stralsund und anders- 
wohin dimittiret worden. Vorgestern hat^) der Herr Mayor von Iselstein sich 
bis für Stettin gemachet, und daselbst einige Trouppen, welche die Fouragier 
convoyret, rencontriret, davon nicht allein viel nied ergemach et, sondern auch 
50 Gefangene nebst GOO Stück Rind- und über tausend Stück Scbafviehe ein- 
gebracht, auch alle Fouragewagen verbrannt. Dass Damm von den Schweden 
verlassen und rasiret, wird schon bekandt seyn.*) 



Der Kurfürst an den Oberpräsidwiten und die Geheimen 

Rätbe zu Cöln an der Spree. Dat. im Hauptquartier Kreckow 

vor Stettin 3./13. October 1676. 

[Anzeige der Capitulation von Demmin.] 

13. Oct. ^^'ir lassen Euch hiemit in Gnaden unverhslten sein, was gcstalt 

die Stadt and Festung Demmin am 30. Septembris Dächstabgewichenea 
Monats auf beiliegende Accordspuncte ') an uns übergangen. Gleichwie 
nun dem ÄUerhöchston vor diesen abermaligen guten Succesa billig zu 
danken, also habt Ihr beim Conaistorio und allen Regierungen die Ver- 
fügung zu thun, dass in dem Laude in den Eirchea Gott dafür ge- 

') Die Geh. Räthe beglücLwüoschen Kf. (d. CGln a. d. .Spree ö./ClÖ.] September 
1G7G) in Ernideruug eines Itescriplea, in welchen er ihnen die Einnahme von Löck- 
nitz uud die Besetzung von Damm gemeldet hat Dieses Kescrjpt und die dem- 
selben beigelegte Relation Hndcn sieb bei den Akten nicht, auf letzterer beruhen 
ohne Zweifel die Berichte im Diar. Europ. XXXIV, S. 170f., Theatr. Europ. XI, 
8. 1011, Verw. Europa III, S. 310f., Pufendort 1. XIV, §78 (S. 1083). 

>) Vergl. Verw. Europa III, S. 209. 

') Danach Diar. Eur. XXXIV, S. 109, nur theilweise Verw. Europa III, S. 210. 

*) Vgl. Verw. Europa III. S. 210. 

') Dieselben sind abgedruckt Diar. Europ. XXXIV, S. 188 f.; im AusMge 
Vorn. Europa 111, S. 212, ganz kurz Theatr. Europ. XI, S. IflU. 



oyGooi^lc 



EinDsbme von LÖckniU und Demmin. 29 

danket und das Te Deum kudatnus gesungeo werden möge. Im 
ubrigeD befehlen wir Euch in Gnaden, die Äccordspuncte und beiliegende 
Helation an alle unsere Miniatros bei auswärtigen Höfen wie auch an 
unsere hin und wieder sich befindende Residenten zu communiciren, an 
unsere Allürten haben wir dieselbe von hieraus geachicket — 



Aus dein Cbiirfüratl. Bi-andenburgiacheii Hauptquartier zu 
Ki-ekaw den 5./15. Oetobris 167G>) 

[Cipilulation von Demmin.] 

Berichte hiermit, was massen der Schwedische Commeudant in der Vestung I 
Demmin, am 29. Septembris zu capituliren begehret; Darauf folgenden Tages ein Ac- 
cord gelrofTen und zu Volienziehung dessen die Soliwedisclie Guarnison am 9. Oe- 
tobris au8 der Vestung gezogen, und selbige dem Chnrfl. General Feld-Zeug meist er 
llertzogen von Holstein Fürstlichen Durdil. übergeben; Also dass dnrch güttliche 
Verleihung dieser considerable Platz nunmehr auch in S. Chnrf. D. Händen ist. Die 
Accords-Pnncta sind fast denen Anklammischen gleich, nur dass die Schwedische 
liational-VÖlcker nicht nach Schweden sondern Stralsund gebracht worden. Es ist') 
die Gnarnison bey dem Ausszug noch TOO Haan starclc gewesen, an Stükken sind 
darin vorhanden gewesen -2 halbe Carthaunen, -2 ZwBIfpfündige, l Achtpfündiges, 
4 Regiraents-Stücke (so alle metallene) nebst 32 eiaerne Stücken, und also in 
allem 41 Stücke: S. Cburf. D. haben gestern deshalb eine Danck -Predigt halten 
und darauf dero bey sich habende Armee allhie auf den Bergen für Stettin in 
Battaille stellen und nach der Sonnen Untergang eine dreyfache Salve, sowol 
aas Stücken als durch die gantze Cavallerie und Infanterie geben, und stracks 
darauf »on dero Schiffen, auf dem Dammischen See, nahe für Stettin, T2 Stücke 
dreimal lösen, auch solche dreyfacho Salve aus allen umbligcnden Veatungen, 
als dem Dam, Oartz, Lückcnitz u. continuiren lassen. Welches von den hohen 
Bergen überaus schön zu sehen und zu hSren war'). 

') Ausführlichere Berichte über die Belagerung von Demmin im Diar. Rurop. 
XXXIV, S. 171, 175, 186 f., Verw. Europa III, S. 211 f. Vgl. Müsebeok S. 79 ff. 

") Danach Diar. Europ. XXXIV, S. 187, Theatr. Europ. XI, S. lOllf. 

>) Es folgen die „ Accords-Puncte." Bei den Akten findet sich auch eine 
.Relation, wie uach Eroberung der Stadt undVestung Demmin inVor- 
Pommern der Raht und Bürgerschart daselbat Seiner Ohurfürstlicheu 
DuTCbUucbtigkeit zu Brandenburg etc. die Erbhuldiguug den 3. Oc- 
brit Anno 1676 geleistet' 



oyGooi^lc 



30 I- Kriegsereignisse t67G— 1679. 

Auss demHauptqiiartiei' zueCreckow den 5./15. Novemb. 1676.') 

[Binscbliessung von Stettin, Abiug des Kf.] 
Nachdem Se. Churf. D. zue Brandenburg sich mit einem Theit dero Armee vor 
uugefehr zweyen Monathen alliie eine Vierthelmeil vor Stettin gcsetMt, mit 
der iiitentioD, die Stadt zue Wasser und zu Lande, so lange es immer die 
Jahreszeit zugeben wollen, gantz genau einzuschtiessen und blocqairct zu balthen, 
weil man doch wegen gahr zue späther und unbequemer Saison keine formelle 
Belagerung eines so conaiderablen Orthes vornehmen können: haben Sie solches 
auch dergestalth effectuiret, dass nicht das geringeste inn- oder ausser der Stadt 
kommen mögen, und man daselbst bereits einen zimblicben Mangel insonderheit 
an Mehl, Fischen, Iloltz nnd anderen Lebensnolthurften verspühret. Waon aber 
anjetzo das cingefaüene böse Wetter nicht zulässef, dass weder die Schiffe atiff 
dem Wasser, noch auch die Trouppen zue Felde länger liegen können: seynd 
Se. Churf. D. zwar entschlossen, morgen von hier aufzubrechen, und dero bey 
sich habende Trouppen in die Winterquartiere gehen zu lassen. Sie haben aber 
vorhero alle Pässe nnd avenues ringsherumb der Stadt dergestalth besetzet und 
veraetaen, dass dieselbe nicbtes desto weniger den gantzen Winther über zue 
Wasser und zue Lande blocquiret bleiben und sieb selber vollends consumiren 
wird; So lange wir alhie gestanden, seynd') fast t&glich Scharmützel vorge- 
fallen, C3 seynd auch auss einigen kleinen aufgeworfenen Reduiten zue etzUcheu 
Uahlen Feuerkugeln in die Stadt geschossen worden, welche zimblichen Effect 
gethan, so dass verschiedene Heuser abgebraodt. Ausser dorne aber ist nicbtes, 
was das Ansehen einer Belagerung haben mächte, vorgenommen, weniger einige 
approche angefangen; weilen Se. Churf. U., wie oberwehnet, kein ander Absehen 
gehabt, alss auf eine enge blocquade, worinnen Sie auch reussiret. 



Liste') der Trouppen, so in denen neuconqnestiei-tetiVestimgeii in 
Pommern stehen und zur Blocquade vor Stettin gebraucht werden. 

1. Infanterie Compagniea stehet) 

Garde UQter ßürsteln 8 iu Gartz an der Oder 

„,!,., „1 halb in Golnow 

) halb in rrentzlow 

') Das Concept von Fuchs geschrieben. Danach Diar. Europ. XXXIV, S. 308, 
Theatr. Europ. Xl, S. 1012, Verw. Europa Hl, S. 214, Pufendorf 1. XIV, 
I 48 (S. 1084). 

^ Nihere Nachrichten darüber Diar. Europ. XXXIV, S. 245, Verw. Europa 
111, S.'il3r. Bei den Akten befindet sich auch ein Flugblatl: „Copia eines 
Schreibens aus Stettin vom G./IG. Nov. a. 1G7G, die glückliche Befreiung 
der bisherigen Belagerung versichernde." Vgl. Müsebeck S.83f. 

') Beiliegend den Akten der Geäandlschaft Ifeinders' nach Wien (November 
IC7G — Januar 1G77) s. unten Abschn. IV. 



oyGooi^lc 







Einschl 


iessung toh Stettiu. 31 


Holstein 




8 


in Demmin 


noch aus 


Magdeburg 


2 


in Demmin 


Goltz 




8 


•\ halb jn Wolgast 
J halb in Änklam 


Dühnhoir 




8 


1 2 Comp, in Wolgast 


„ 




1 6 Comp, in Pasewalck und Löykenitz 


Rölsey 




3 


Peenemünder Schantz 


Micrander 




G 


Anklamer Fehr und Anklam 


Helldorff 




4 


Damm 


Carnitz 




4 


Wollin 



Summa 59 Compagnien. 
Hierzu die Commendirte aus Cüstrin, PeiU, Colberg, TrankFurt und 
Oderbei^ ad 800 Mann ohngefähr. 
2, Cavallorie 

bleiben in Hinter- Pommern und der 



Churprinfz 
Croy 


! Neumark, in StargardjKonigabergund 
^ ' Golnow 


Anhalt 


G 1 bleiben zwischen der Oder und der 
C> ) Randow, beaetzon auch Prentzlaw 


Obrist Printz 


Treffen feid 


C 1 im Meoklenbui^-GQstro wischen Au- 
6 1 theil 


du Hamel 


Küssow 


1 in Hinterpommern gegen Cammin 




37 CompagD. 


3. Dragoner 






, zwischen der Oder und der Randow, 


Grumbkow 


4 r, , . 




etwa zu Schwod 


GÖFtzke 


6 Wolliu 


Schlieben 


6 Damm und Golnow 


Hohitein 


4 in Mecklenburg 


Schwerin 


l in Hinterpommern 




21 Compagn. 


Summa aller 


117 Compagnien. 




ad 800 Mann plos minus. 



j,Goo>^le 



I. Kriegaereignisse 1676—1679. 



Aus dem Chur-Brandenburgischen Hauptquai-tier fQr Stettin 
vom 29. Jimii/[9. Juli] [1677].^) 

[Beginn der Belagerung von Stettin.] 

K Juli. Am 25. dieses brachen Se. Churförstl. DurchL für G&rtz auf, und rücketen 

mit bey sich habenden Regimentern') bis an Eolbitzau, zwo Meilen TOn Stettin: 

Unterwegens stiessen die beyden Dürfflingischen Regimenter das zu Fusse und 
die Dragouner zu Ihro, zu Kolbitzan fand man alles in der Äschen liegen. Denn 
der Feind selber') alles umb Stettin herumb auf drey Heileavegs abgebrannt, 
so dass kein Haus mehr in diesem schönesten Lande zu sehen ist, wodurch sie 
denn genugsam ihr übelgeainnetes Geraütbe gegen Teutschland an den Tag 
gegäben, Se. Churf. D. vernahmen daselbst, (iaas den Ti^ vorhero*) eine unserer 
Parteyen unter dem Obrist- Wachtmeister von der Recke ein gut Theil Vieh 
an Rindern und Pferden, nahe unter den Wällen der Stadt, weggenommen, auch 
einige vom Feinde erschossen und gefangen, Äuff den Mittag selbigen Tages 
bürete man ein starckes Canoniren, anfangs wusate man nicht, was es bedeutete, 
bald daraufC wurden einige gefangen eingebracht, welche berichteten, dass der 
Feind die Schantze, so er an den Dammischen See auffgeworffen, verlassen, und 
sich nach der Stadt reteriret, welche Se. Churf. D. Schiffe verfolget, und der- 
gestalt canoniret. Den 26. dieses blieben Se. Churf. D. bey Kolbitzan ligen, 
umb dero übrige Regimenter unter dem General-Major Geisen zn erwarten. 
Am 27.') dieses umb i Uhr Morgens ritten Se. Churf. D. mit einem Theile 



1) DanachDiar. Euro p. XXXV (1677), S. 296 f., Theatr. Europ. XI, S. 1188, 
Pufendarf 1. XV, § 18 (S. 1126), aucb der Anfang des Berichtes in „Pommer- 
schor Kriegs-PoBlillion", dessen erste Auflage schon 1677 (Leipzig bei Chr, 
Kirchner) noch yoc Beendigung der Belagerung von Stettin, eine zweite, .Verbesserter 
anderer Pommerscher Kriegs-Postillion", ebendaselbst 1678, eine dritte unter dem- 
selben Titel 1679 erschieuen ist. Neben den brandenbnrgi scheu Berichten ist Haupt- 
quelle für die Belagerung von Stettin das „Diarium obsidionis Stetinensis, 
oder Summarischer Beriebt alles dessen, was in der von S. Chf. D. von Brandenburg 
vom Junio bis in December des verwicbenen ICTTaten Jahres belagerten und er- 
oberten Stadt Alten-Stettin sich von Tag zu Tag begeben und zugetragen. Der eu- 
rieusen Welt zu Lieb getreulich und unpartheiisch von einem gebobrenen Slettiner 
Zeit wÄhrender Belagerung aofgesetzet und an Tag gegeben' (1678), Vgl. Tage* 
buch V. Buch's I, S. 262 ff., v. Unger, Feldmarschall Derfflinger S.Sbt, Uuse- 
beck S. 93ff., Jahns ( H oh enzol lern -Jahrbuch I) S. 88 ff. 

<) S. eine Liste derselben im Verv. Europa III, S. 568. 

') Vgl. Diar. obsid. Statt. S. l (21. Juni/I. Juli). 

*) Vgl. ebendas. (24, Juni/4. Juli). 

') Vgl. Diar. obsid. Stett. S, 2 (27. Juni/7. Juli). 



oyGooi^lc 



ttegiinn der Brlagerung lon Stettin. 33 

(iero Cavallerie voraus gegen die Stadt, mit denen unterm General-Majore 
Geisen angekommenen Regimentern conjugiret, rücketen Sie bis auf ein 
Vierthelmeile für der Stadt und campireten daselbst. Auf den Mittag schoss 
der Feind dreymal mit achtzehenpfündigen Kugeln mitten ins Läger, that aber 
niclit den geringsten Schaden. Der 38. ward mit Kriegesrath-halten und 
recognosc^ireti zugebraobt. Se. Churf. D. befahlen eine Redoute am Ufer des 
Stroms aulTzuwerffen, und den vom Feinde eingerissenen Damm zu repariren. 



Der Kurfürst an den Oberpräsidenten und die Geheimen 
Räthe zu Cöln an der Spree. Dat. im Feldlager vor Stettin 

9./[l9.] Juli 1677. 
[Mittheilung eines Berichtes über die Rinnahme der Zollschanze und dea Bloek- 

Nachdem der höchste Gott uns die Zollschanze und das Blockhaus 19. Jul 
vor Stettin io unsere Hände gegeben und wir von demjenigen, was 
dabei passiret, beigebende Relation aufhetzen lassen, so befehlen wir 
Euch hiemit in Gnaden, selbige druuken zu lassen und die Verfügung 
zu thun, dass sie unsern Ministris und Residenten zugeschicket werden 
möge. — 



Extract Schreibens aus dem Feld-Läger für Stettin 
vom 6./1Ü. Juli 1077.') 

[Fesiseliuiig SdiReriiis auf ileiu Damm,] 

Nachdem Se. Churfürstl. Durch!, eine starcke Brücke') über den Arm der 16. Juli. 
Oder, welcher bey Stettin fürbey flcussct. schlagen, und selbige an den Seiten 
mit guten Scbantzen, und in der Mitten auf einer kleinen Insul mit einem 
Blockhanae versehen lassen, haben Sie den 4. dieses dero General Major 
Schwerin beordert, mit einer starcken Partey Fuss-Volcks darüber zu 



') Danach fast wOrllich Diar. Europ. XXXVl, S. 38, liörzer Pomme 
KriegspostillioD (1. Aufl.] S. 4G, Verw. Europa 111, S. 568, Theatr. 
XI, S. 1188, Pufendorf 1. XV § 18 (S. 1126). Vgl. Tagebuch v. Bu 
S. !66f., Uüsebeck S. 101. 

>) Vgl. Diar. obsid. Sletl. S. 3 (3./ 13. Juli). 
Utter. z. Geicb. d. G. KnifanUti. Xvm. 3 



oyGooi^lc 



34 I- Eriegsereignisse 1676—1679. 

marcbiren, und sich des Dammes zwischen dem BlockbaiiBe und der Zoll- 
Schantze zu bemäclitigen, welches') nuch nach einer gethaneo unglaubliclien 
Arbeit, indem die Unsngen eine giosse Meileweges durch einen tieEFen Morast 
marcbiren und den Weg, da vor diesem kein Mensch hingekommen, mit Ab- 
hauung der Sträucher und Legung der Fachinen erst machen müssen, dergestalt 
geglücket, dass^) vorgedachter General Majur auf dem Damm posto gefasset, 
sich daselbst eingeschnidten und verbauet, und eine starcke Schantze aufwerffen 
und mit Stücken versehen lasset, umb dadurch so wol die ZoU-Schantze als 
das Blockhaus zu attaquiren, umb dem Feinde den gantzen Oder-Strohm nebit 
der Fourage. so er auf den Wiesen und im Bruche zwischen der Lastadie und 
Zoll-Schantze gehabt, abzuschneiden. Bey währender Arbeit sind bis itzo nicht 
mehr als vier oder ffmff erschossen und so viel blessiret worden. 

PS. Gleich itzo hüret man ein unaufbürlicb Scbiessen in See, welches 
von unsern Schiffen geschiehet, diese Nacht wird das Blockhans attaquiret 
werden. 



Extract Schreibens iins dem Churförstl. Brandenb. Feldlägei- 
für Stettin. De dato den 8./18. Julii 1677.'^ 

[Einnahme des Blockhauses uud der Zollschanze.] 

18. Juli. Nachdem auf Sr. Churf. D. Ordre, der General Major von Schwerin mit 

3000 Mann zu Fu.sse über die bey GQstau auff der Oder geschlagene Laufbrücku, 
am S. dieses passiret, und durch einen tieffeu Morast und Gesträuche über eine 
grosse deutsche Meileweges lang, allwo vor diesem kehi Mensch hiagekommeii, 
bis an deu Damm zwischen dem Blockhause und der Zoll-Schantze avanciret, 
hat er auf dem Damm posto gefaaset, und sich daselbsten, ungeachtet des Feindes 
conti nuirlichen Schiessens, zu verbauen und zu verschautzen angefangen. Weil 
aber der Damm zwischen der Zoll-Schantze und dem Blockhause nur eine kleine 
Viertelmeile lang, und gar schmal, also keine terram hat, dass eine solche Hann- 
schafft darauff stehen konte, musten nur allein diejenigen, so arbeiteten, nnd 
was zu deren Bedeckung nöthig war, darauff bleiben, die übrigen aber in dem 
dabey ligenden Gesträuche auff untergelegte Fachiuen, weil es äherall sehr 
morast^, stehen bleiben: Weil der Feind nun vermercket, daas die unsrigeu 



') Vgl. ebendas. C4./14. Juli). 

»> Vgl. ebendas. S.4 (Ö./IÖ. Juli). 

^ Danach Pommerscher Eriegs-Postiilion S. 4G f., Tfaeatr. Europ.XI, 
S. 1188, Pufendorf 1. XV §18 (S. 1126). Nach anderer Quelle Diar. Europ. 
XXXVI, S. 40, Verw. Europa 111, S. 56S. Vgl. Tagebuch v. Buch's 1, S. 268 £, 
ÜDsebeck S. 101 f. 



oyGooi^lc 



Eianahme des GlockhftUsea und der ZolUchanze bei Stettin. 35 

nicht so gnr starck auff dem Daaim waren, ist er gestern') mit anbrecbcndcm 
Tilge zwischen 2 und 3 ühr mit 3 bis 400 Mann, untern Commando des Obristen 
voll der Noht und Anfübrung des Major Budberges aus der Zull-Scliantze 
ausgefallen, bat sieb durchs Gesträuche bis nuff unsere Vorwacbe gescblicben, 
selbige repousairet, und wie ebon ein Regimentstück lein auff die von den onsrigen 
auffgeworfene Hedoute gefubret werden wollen, selbiges wegbekommen, als er 
aber aus der Rcdoute unverbofften starcken Widerstand gefunden, und die 
unsrige aus dem Gcsträjche avancircn sehen, hat er sich mit Hinterlassung 
vieler Todlen (worunter der Major Budbergen und Capilain Hörn) wie auch 
fünff Gefangenen, und vielen Pechkränzen und Handgranaten in höchster Con- 
fusion reteriret, der Todten und Blessirten vom Feinde sind, der Gefangenen 
Aussage nach, über 40 gewesen, von den unsrigen sind 8 todt, nebst dem 
llau[iliuaiiu Behr, und etliche 3Ü gequetscht, worunter der Obrist-Lieutenant 
Uielhmnr, Obrist-Wnchtmeistcr Schonnig und Hauptmann BUlau. Kurtz 
nach dieser rencontre ward von unser redoute aus 2 Aohtpfündigen, 2 Sechs- 
pfündigen, 2 Vierpfündigen Stücken und 2 Haubitzen, welche Se. Cburf. D. zu 
Wa£iK^^ dabin bringen lassen, das Blockbaus beschossen, und damit bis 3 Uhr 
Nachmittag unaufhörlich continuiret, umb welche Zeit das darin gelegene Haus 
in Brand gerahten. Worauf die unsrige sofort das Blockbaus bestürmt und 
erobert und darin einen Fäbndrich nebst 21 Gemeinen gefangen bekommen. 
Ein Capitain, so darin commendiret, und 70 Mann bey sich gehabt, ist mit dem 
Rest nach der Stadt zugclaufTen, die unsrige haben darin 3 Stücke liebst vieler 
Munition und Victualien bekommen, auch verschiedene Todte und Gequetschte 
gefanden. 

Gegen Abend schickte der General Wolf^) einen Tambour aus der Stadt 
und liess nmb die in dem Aussfall gebliebetie und blessirte Officirer ansuchen, 
Se. t'hurf. D. haben befohlen, selbige unter den Todten auffzusuchen und hin- 
einzuschicken. Wie man nu nach erobertem Blockhauae im Werk begriffen war. 
die Zolt-Schanlze') mit aller Macht zu attaquiren, sähe man heute Sonntags 
zwischen lU und 11 Uhr vormittags unter wahrendem Gottesdienst in gedachter 
Zoll-Schantze ein Feuer auffgehen, welches sich augenblicklich verraehrete und 
endlich canlz überhand nahm. Wie man nun in Zweiffei war, ob solches ohn- 
gefehr oder durch unser Geschütze entstanden, zumalen man sich nicht einbilden 
konte, dass der Feind eine so considerable Post so liederlich verlassen wurde, 
bekamen Se. Churf. D. nach Verlauf einer Stunden die Nachricht, daas der 
Feind alles selber in Brand gestecket und sich zu Wasser reteriret hätte. Wie 
die unsrigen nun darauff posto gefasset, ist dem Ingenieur Causchen, welcher 
am ersten zu recognosciren darin gewesen, durch eine Granate, so der Feind 
ligen lassen, das rechte Bein gantz zerschmettert worden, die unsrige haben 
darauff nrab 3 Uhr Nachmittage die Brau denbuigi sehe Losung mit 3 Stücken 

>) Vgl. Diar. oba. Stetf. S. 4 (7./17. Juli). 

»} Ganerallleutenant v. Wulffen, Gouverneur von Stettin, 

*) Vgl. Diar. obs. Stett. S. 5 O-I^'i- Jil')- 

3" 



oyGooi^lc 



36 t- Eriegsereignme 1676— 16?9. 

darans gegäbeo, sind also diese beyde cocsiderabte Posten über die kleine und 
grosse Kegelitz, die Zoll-Scbantze and das Blockbaus, welche vor diesem von 
keinen Ueoschen bezwungen worden, durch Gottes Gnade in Sr. Churf. D. Hände 
ohn sonderbaren Verlust innerhalb 2 Tagen gerabten, und dadurch dem Feinde 
alle Fourage und der gantze Oderstronr abgeschnidten, hingegen den oasrigen 
an einer Seiten der Weg bis an die Lastadie und an der andern nacb Hinter- 
Pommem und der Nenmarck eröffnet worden. 



Der KurfQi-st an den Obei-präaidenten und die Geheimen Räthe 

zu Cöiii an der Spree. Dat. im Lager vor Stettin 17./[37.] De- 

cember 1677.^) 

[Anzeige der Uebergabe von Stettin. Anordnung eines Dankfestea.] 

Nachdem der Allerhöchste unsere gerechte WalTen abermal dergestalt 
gesegnet, dass sich dieser importante Ort den 16. dieses an uns durch 
bei kommenden accord') ergeben, als haben wir Euuh hiemit gnädigst 
anbefehlen wollen, bei allen unseren Regierungen, auch in unser ganzen 
Chur- und Marck Brandenburg die Verfügung zu thun, dass dem grossen 
Gott deswegen olTentlich gedanket und er umb fernereu glücklichen Succes 
angerufen werden möge. 

PS. Es soll ein Dankfest in allen seinen Landen am ersten Neujahrstage 
abgeballen werden. Er hat auch an alle Festungen Ordre ertbeilt, dasa an 
diesem Tage mit GescIiGtzen und Musketen dreimal Salve geschossen werde. 



W. F. V. Hülsen.*) Untcrthänigster Bericht an Se. Chnrf. D., 

wie es sich vor, in und nach dem TrefFen ') uff der Insel Rügen 

zugetragen, s. 1. et d. [Januar 1678]. 

Als sich der Feind den 5. und 6. Januarii aus Strahlsund und 
Brandshagen mit aller Macht an Reutern und Fnssvolk über, umb und 

') Die Anzeige von demselben Tage an den Fürsleu tos Anhalt s. bei 
V. Orlich III, S. 281. 

>) S. die Accordspunkte wiederabgedruckt Diar. Earop. XXXVI, S. 512 IT., 
Verw. Europa III, S. 588 ff. 

>) Obent Wilh. Friedrich t. Hülsen, Befehlshaber des Regiments z. PL 
des Herzogs von Croy. 

') üeber dieses für die Verbündeten so unglficklicho Treffen auf Rügen vgl. 
Fock, Aus den leUten Zeiten Pommerscber SelbatfindigVeit. Wallenstein und der 



oyGooi^lc 



Dfts Gefecht auf Rügen. 37 

in die Fehr Schantz gezogen, hat General Majoar Rutnohr') mit 8 Es- 
quadronen Router und Dragoner in der Alten Fehr Schantze gegen 
StrahUund gestanden, umb, weil er vermeinet, dass der Feind selbigen 
Ortea übei^ehen möchte, Achtung auf sein Vornehmen zu haben, und 
mir mit den annoch übrigen Trouppen Ordre ertheilet, aus dem Lager 
zu rücken und so nahe, als immer müglich wäre, an die Nene Fehr 
Schantz zu rücken, so auch geschehen, und habe ich mich unter eine 
Höhe, umb vor den Stücken sicher zu sein, nicht weit der Schantz ge- 
setzet, und meine Wachten in die Höhe gestellet, damit ich Nachricht 
von des Feindes Vornehmen haben können, auch seibat die ganze Nacht 
zu den Wachten geritten und patrolliret, umb zu sehen, was der Feind 
tentiren möchte, da ich dann wahrgenommen, dass der Feind von Strahl- 
äund mit grossen Fahrzeuge und Schuten mit anhängenden Brücken seine 
Leute begunoet aui^zusetzen, welches ich ohngeseumbt durch einen Offi- 
cirer dem General Majour notificiret. so ihm, weil er es von der Alten 
Fehre auch gesehen, rancontriret und zu den Officirer geaaget: Es wäre 
gut, die Trouppen kommen auch schon, reutet nur voraus, ich will bald 
bei Eurem Obristeu sein, wie er auch ohngefehr iu der halben Stunde 
drauf bei mir gewesen und gesaget: Ich habe den General Adjutanten 
beordert, die Infanterie von Bergen zu holen, sie wird wohl gegen Mit- 
tag bei uns sein, und bin ich nachgehends mit ihme so nahe als mög- 
lich war, an die Schantze geritten, da wir dann sahen und horeten, weil 
es etwas finster, wie der Feind die Cavallerie ausaetzete, der General 
Majour zu mir sagte: Nun sehe ich wohl, dass des Feindes gänzliche 
Meinung ist, hier auszusetzen, hierauf ich geantwortet: H. General, 
wäre') es nicht gut gewesen, wie ich oft und vielmal gerathen, und mir 
alle Officirer von den Alliirton Zeugnüs geben können, dass ein Trange- 
grasse Kurfnrst vor Stralsund ( R ü gen seh -Pa mm ersehe Gesehicht^n. VI] S. S93fi'. In 
den Beilageu ist daselbst auch der Bericht Königs [oarck's an König Earl XI- vom - 
VJ. Januar 1G78 (S. y37 IT.) und die officielle gedruckte schnedische Kelalioo (S. 543 (f.) 
abgedruckt, welche letztere sich schon im Diar. Europ. XXXVII, S. 22ff. und im 
Verw. Europa HI, S. 784 ff. (auszugaseise, davor S. 781 ff. noch eine andere Re- 
lation darüber) findet. Fock (s. S. 393) hat diesen Bericht Qülsen's noch nicht 
gekannt. 

■) Der dlniscbe Geaeralmajor Uetlev v. Kumohr, welcher den Befehl über 
die auf Rügen siehenden Truppen der Verbündeten fühne, s. über denselben Fock 

') Uebcr das gespannte Verhilluisa ^nischeu Hülsen und Kumohr und die 
TOn ersterem schon früher geäusserten Besorgnisse s. Fack S.S'JOf. auf Grund der 
Bericbte Hülseu's aa den Kurfürsten. 



oyGooi^lc 



38 I. KrießBereignisse 1676—1679. 

ment über die Höhe, von einem Wasser bis zum andern, verfertiget 
wäre, wenn wir ja den Winter bei offenen Wasser im Felde stehen 
sollten, er wieder geantwortet: Es wäre gut, wenn es geschehen wäre, 
aber es ist nun zu spät, ich hierauf weiter geantwortet: Weil dieses 
nicht geschehen, wenn nur das gethan, was alle Obristen gerathen, und 
er selbst mit beliebet, dass alles bei Strahlsunde, was umb nnd bei der 
Alten und Nenen Fehr Schantze an Fourage vorhanden gewesen, wenn 
auch nicht ein Halm Stroh zurückgeblieben, bis an Bergen gebracht 
wäre und alsdann uns vertrangementiret hätten, der General Majour 
wieder geantwortet: Davon ist nun nicht mehr zu gedenken, und zu mir 
gesaget: ich sollte mitreuten, er wollte mir einen Ort zeigen, nff welchen 
sich bei anbrechenden Tage die Trouppen stellen sollten, welches auch 
geschehen, und habe ich eine Esquadrou der Uuserigen und eine dänische 
nebst dem Obristlieut. an der Neuen Fehr Schantze stehen lassen, weilen 
aber solcher Ort sehr enge und die Infanterie noch nicht bei uns war, 
hat er selbst gesehen, dass wir uff solchen Orte nicht stehen bleiben 
können, deswegen resolviret, einen andern Ort hinter unserm Lager, ein 
gut Stück Weges, die Trouppen hinzustellen, wohin wir uns auch ge- 
setzet, und ist die Infanterie etzliche Stunden hernacii auch zu uns 
kommen und eiugerücket und altes nach des Generals Disposition, ver- 
möge Beilage Litt. A') eingerichtet worden. Hierauf ich erinnert und 
gesaget: H. General, die beiden Esqiiadroncn werden wohl nicht stehen 
bleiben können, wenn solches der Feind sehen wird, dasa wir so weit 
von diesen stehen, wird er suchen solche übern Haufen zu werfen, er 
geantwortet: Es hätte keine Noth, ich habe ihnen Ordre gegeben, sobald 



'] Diese Beilago enthält eine Zeichouiig der Aufstellung dor Verbündelen, dabei 
ist bemerkt, daes der Hnke Flügel 8Ü0 Manu (Keiler und Dragoner), das Centrum 
1680 Mann ([iifanlerie), der rn-hte Flügel 610 Mann (lieiier und Dnigoner], das gsnzu 
an dem TreFTen theÜDebmende Corps nixo :j:l>50 Uaiin getäbll babe (Fock S. 40(> 
reebnet ca. 3800). Darunter befanden iiicb 360 Brandenburger. Nach einer auch bei 
deu Akten befiiiilliuhen l.i^lc bestanil das nach Kü);en gekommene brandenburgisehe 
Corps aus folgenden Truppenlheilen; 

Commendirle Reiter 1 10 Pferde, 

das Croysi'he Regiment (inetches Hülsen bcfebligte) 4ff(> Pferde, 

Gürtzke'sche Dra|;oner 100 Mann, 

Schlieben'sclie Dragoner 200 Mann, 

Cominendirle Dragoner 80 Ilann, 

Snmma 97U 

davon waren aber iniwisehen 24 totgeschossen, 74 gestorben und 11 entlaufen, also 

109 Mann abgegangen. 



oyGooi^lc 



Das Gefecht auf Bogen. 39 

sie sehen, dass der Feind ufT sie avanciren würde, alsdann sollten sie 
sich zu rficic ziehen, wie auch bald darauf geschehen, und hat der Feind 
solche mit unsem grossen Verlust, weil sie weit von uns gestanden, und 
so bald nicht konnten secundiret werden, poussiret und unterschiedene 
todtgeschossen und gefangen genommen. 

Den 7. Januarii hat der Feind uns unattaquiret stehen lassen und 
inmitteiät immer mehr und mehr ausgesetzet. Den 8. Jan. drauf hat 
sich derselbe mit ganzer Macht und .seiner Artiglerie auf uns gestellet 
und mit anbrechenden Tage bis Glock 2 Uhr Mittages zu canoniren 
aDgefaogen, auch überaus grossen Schaden unter unsern Trouppen ge- 
than, wie denn ohngefahr vor einer Stunde der Action unter andern 
auch der General Majour selbst geblieben, und zöge sich der Feind bald 
darauf mit seinen rechten Flügel, welchen der Graf Königsmarck ge- 
ßhret, auf unsern linken Flügel, und bliebe ohngefahr noch ein paar 
1000 Schritt vor uns stehen und inmittelst seine Stücken zwischen den 
Esquadrouen pflanzte, und als darauf der Obriäte Wallisch zu mir ge- 
schicket und begehret, weit der General Majour geblieben, möchte ich 
doch das Commando bei dem rechten und der Obrist Lieut. Maltzan 
bei dem linken Flügel nehmen, wie aus des Obristen WalHsch Bericht 
Lit. B. ') Duter andern ausführlicher zu ersehen sein wird, ich ihm zur 
Antwort werden lassen, es wäre mir solches zu thun unmüglich, der 
Feind stünde mir zu nahe und thäte mir mit den Stücken grossen 
Schaden, wenn der Feind nicht weiter herauswollte, mnsste ich zu ihm 
avanciren, hierauf er mir wieder s^en Hess, ich möchte nur in Gottes 
Namen avanciren und treffen, er wollte mich schon secundiren lassen, 
wie ich auch gethan und avanciret. Als nun der Feind sähe, dass ich 
ohngefahr die Hälfte zu ihm kommen war, Hess er mit Cartetschen uif 
jedere Escadron canoniren und rückte uns entgegen, da wir dann bis 
4 oder 5 Schritte an einander gerücket, und stunde der Feind mit 7 
Esquadronen und wir mit 5 in etwas stille gegeneinander, auch bald 
darauf zugleich von beiden Theilen Feuer gegeben (in dieser Action ich 
etzliche Schösse uffs Kyras bekommen) und begunte der Feind in etwas 
zu weichen, weil aber des Feindes Reserven sofort bei der Hand und 
in unsere eindrungen und selbige poussiret wurden, führte ich die Schliefen- 

■) Bericht des kaiserlichen Obersten Wallisch an den Keldmarschalllieulenant 
Letlej in Kopenhagea (g. d.). Auch dort wird angegeben, W. habe Hülsen bitten 
lassen, das Kommando des rechten Flügels zu übernehmen, „so aber wegen des schon 
aokommeDden Feindes nicht geschehen lEonnon", 



oyGooi^lc 



40 I- Krie^ereigQisae 1C76— 1679. 

sehe Dragoner nebest einer Esquadron Münstersche, so meine ganze Reserve 
war, auch an, welche zwar ihre Deveur ebenmansig rühmlich thateD, 
ea wurdcQ aber dieselbe durch des Feindes grosse Macht ebenmäsaig mit 
übern Haufen geworfen. Hieraufschickte mir') zwar der Obrister Wallisch 
etzliche Eäquadroneo zum Succurs, wie aber selbige sahen, dass unsere 
Leute bereits poussiret waren, kehrten sie sich vor die Unsergen umb 
und giogea ohne Lösung einiges Gewehrs davon. Ob ich nun zwar 
solche eiligst wiederumb zum Stande bringen wollte, war doch alles 
vergebens und umbsonst, weil keiner stehen bleiben und nicht eintzigen 
Schoss thuu wollen, und als ich bei die Infanterie nach dem rechten 
Flügel geritten, kam ich zu dem Miintiterächen Obristen Nitzo, welcher 
sagte: Nun avanciret der Feind mit seinen linken Flügel auf unsero 
rechten, und zu mir gesaget, ich möchte doch hinjagen und sehen, ob 
ich die Leute nicht wiederumb zum Staude bringen könnte, welches 
aber unmüglich, weil die I^ute schon eine grosse Ecke Weges w^ ge- 
wesen und ich zugleich auch gesehen,'} dass die übrigen Esquadronen 
Kayserl. sich ebenmässig ohne eintzigen ScLoss zurückgezogen, wie im- 
gleichen auch unsere ganze Infanterie, weil sie gesehen, dass der Feind 
sehr stark gewesen und bereits unsere Stücke weggenommen gehabt, 
auch in voller Confnsion und alles über und über gegangen war, inmittelst 
der Königl. Dänische General Adjutant Hey zu mir gekommen und ge- 
gaget: Ich hätte gethan wie ein rechtschaffen Cavalier, er würde es an 
seinem Orte wissen zu rühmen, worauf ich abermals resolviret und zu- 
sehen wollen, ob ich noch etwas zum Stande bringen können, und durch 
die Trompete rufen lassen, so aber nichts verschlageu wollen und ist 



') 


Auch Wallis 


h berichtet, er 


hätte H 




bis auf 


drei zu 


Hülfe geschickt, ,d 


e aber 


lu spSt und 


gleichfalls in Coufusioa 


kommen 


Beia«. 












^ 


G Wall 


isch 


s Bericht beiss 


t es, als 


der Feind n 


it dem Hauptlheil seiner 


C»v aller 


e den 1 


akeii 


Flügel angegr 


(Ten, hä 


(eu sie ihm 


vcder mit der Infanterie 


nach m 


dem r 


chtec 


Flügel beiküui 


men kü 


n<?n, weil si 


c zwischen sich und ihm 



ein Tbil und etwas Uorast gehabt. Nach der Niederlage des linken Flügels und der 
Flucht der demselben zu Hülfe geschickten lieiler hätte der Feind den drei übrigen 
Escadrons und der Infanterie in den Rücken gehen wollen, auf Ralh des Münsterscheu 
Obersten Nitzo und der anderen Obersten hätte er, Wallisch, die Infanterie zurück 
an den Morast führen wollen und den 3 Kscadrons Befehl gegeben, vorläufig, bis 
dieses bewerkstelligt sei, Stand zu halten, der feindliche linke Flügel aber sei mit 
aller Macht durch das Defile gedrungen, darauf hätten sieh die drei Escadrons zur 
Flucht gewendet ,und also noch uugestellten und in Confusion stehenden durch den 
engen Platz, so wir hatten, in Rücken gehrochen. Und ob wir schon uns untett 
nieder wollten wenden, war es doch keine Möglichkeit" 



oyGooi^lc 



Das Gefecht auf Ragen. 41 

alles zerstreuet weit uad breit über die Felder gelaufea, da ich dann 
vermeinet, dass sie eich zu Berge wiederumb würden gesetzet haben, 
alda aber alles durchgegangen, uud weil es schimmernd geworden, und 
ich vom Wege abgekommen, bin ich unterwegens ohngefähr bei Bott- 
buscb zum ObristeD Wallisch gekommen und im Willen gehabt, uns 
ufT das Haus Bottbusch, weil wir schon von unsern Leuten abgeschnitten 
waren, zu setzen, da wir aber solches mit Pauren bereits besetzet, zu- 
gemacht gefuaden uud also mit einander am Strande bis Müncbhut ge- 
ritten, alwo wir unterschiedene Leute uff Böte übersetzen sahen, H, 
Obriäter Wallisch zu mir gesaget: Nun ist hier weiter wohl nichts 
mehr zu thuu, es ist doch alles schon verloren, da denn eine dänische 
salva guarde gekommen und uns ein Bötchen praesentiret, endlich wir 
resolviret uns übersetzen zu lassen, wie wir denn des Morgens frühe auch 
nach Wolgast angekommen und alda unterschiedene unserer Leute ge- 
funden, die die Nachricht gegeben, dass viel Leute am Strande und 
sonderlich nach Wittow sich reitterlret hätten, wohin auch 5 Schiffe von 
Pönemünde g^^gen, und hat man Nachricht bekommen, das.s sich fiber 
lifjO Mann in solche Schiffe gesetzet, und weil sie vor den Schwcdschcn 
Caperij nicht zurück nach Pönemünde kommen können, sind sie dun 
Veimulhen nach nach Dännemarck oder Holstein gesegelt. 



Der Kurfilrst an den FOi-sten von Anhalt. D. Anklam 
20./[30.] Juli 1678. (Z.) 
[BeseUuDg der Wiecker Sobtuize.] 

— Von hier rillet') noch zur Zeit wenig zu berichten, ausser dass') 30. Juli. 
meine Leute sich der Wyckei-schantze vor Gretfswalde, welche der Feind 
kurz vorhcro verlassen gehabt, nebst einem dabei gelegenen grossen 



■) Kr. ivar am 6. Juli tud Berlin aufgebrochen, lagerla in ErwarluDg der däniscbeD 
Kloile, mit deren Hülfe er den üebergan^ nach Rügen zu bewerkstelligen hoffte, bis 
lum 1. Auguat bei Anklam und litss umerdeasen Greifswald blocquieren. S. Diar, 
Kurop. XXXVIII, S. Ul , 248, Dritter pomnierscher Kriegspostillion S. 4, 
Theatr. Europ.XIS. 1336, Verw. Europa III, S. 399 t. v. Bueh'a Tagebuch II, 
S. 37 ff. Vgl, auch unten Abschn. Ul. 

^ Vgl. V. Bucb's Tagebuch II, S. 47, 



oyGooi^lc 



42 T- TüriegaereignUse 1676— 16T9. 

Schiffe bemächtiget Ich habe selbige beaetzen lassen, weil dadurch der 
Greifswaldische Hafen gänzlich gesperret ist. Ich hoffe, dass in kunea 
etwas mehres zu berichten vorfallen werde. — 



Der Kurftlrst an den Admiral Juel. D. auf dem Jacht de Brack 
zwischen Palmeroi-t und Putbus 12./22. September 1678. 

[Vereileller Lan du ngsv ersuch. Aufforderuug zu einer Diversion.] 

Weil wir vermuthen, dass Euer Bruder') schon nach I. K. M. ab- 
gereiset, so haben wir Euch hiemit zü wissen fügen wollen, dass wir 
zwar') Vorhabens gewesen, diesen Morgen die attacque an dem bewusten 
Orte zu thuo, weil aber der Wind anfangs ganz, stille und Dachmahlen 
contrair geworden, so dass uds unmöglich gewesen mit allem Fahrzeug, 
welches sehr langsam nachgelfommen, füglich an Land zu gelangen, so 
haben wir albier zwischen Putbus und Falmerort Anker werfen müssen 
und seind eotschloasen, so balde Wind und Wetter fügen werden, unser 
desseiu zu exequiren. Im Vorbeigehen hat der Feind sehr heftig auf 
uns canonirot, aber, Gott Lob, keinen Schaden gethan, ausser dass ein 
Obr. Lieutenant') erschossen worden. Wir hofTen, Ihr werdet entzwischen 
keine Minute verabsäumen, umb auch Euerseites Posto zu fassen und 
den Feind zu divertiren, damit er nicht alle seine forces gegen uns ziehe, 
und verlangen wir zu vernehmen, wie es aldorten stehet. — 



') Der dänische Reicbsrat Jens Juel, s. üb«r dessen damalige Sendung lu Kf. 
unten Abschn. Ifl. 

^) S. über die Vorbereitungen des Kf. zur Landung auf Rügen und diesen 
ersten erfolgloaen Versuch Foclt a. n. 0. S. 408 f., den dort abgedruckten Bericht 
KSnigsmarck'» vom 20./30. September 1673 (S. 554} und die brandenb. Relation 
vom l3,/23. u. U./ai. September (S. 572 f.). S. auch v. Buth's Tagebuch II 3. 63, 
Jahns, Der Grosse Kurfürst auf Rügen und vor Stralsund 1678 und der Winter- 
telifeug in Preussen 1679 (HoheDKoIlern-Jahrbuch 111, 1839) S. 5 f. 

') V. Krummensee (ebendas. S. 573). 



oyGooi^lc 



Die Eroberung von RügeD. 43 

Der Kurftii-st an den Oberpräsidenten und die Geheimen Räthe 

in Cöln a. d. Sp. D. auf der Insul Rügen unferne Putbus 

14./24. September 1678. 

[MittbeiluDg einer ReUlion über die Einnahme toq Rügen. Anordnung eines 
DankfeateB.] 

Ihr habet aus beigefügter Relation') zu eraehen, welchergestalt der 24. Sept. 
höchste Gott die vorgehabte Attacque auf Rügen mit einem glücklichen 
Succeas und Ausschlag gekrönet, so dass wir uns nicht allein derselben 
Insul durch göttlichen Beistand bemUclitiget, sondern auch die Alte-Fehr- 
.'^thantze stürmender Hand erobert, des Feindes ganze Cavallerie ruiniiet 
und diesen Succes noch ferner zu prosequiren im Werke b^riffen sein. 
Welches Ihr dann behörigen Orts werdet kund zu thun wissen, auch die 
Verfügung zu thun, dass die Relationes durch alle in der Cantzeley ge- 
.schrieben, imgleichen es an alle Regierunge zu notiUcircn, damit Gott 
auf den Canizlen davor gedanket und das Te Deum laudamus gesungen 
werde. ') — 



Der Kurfürst an die Geheimen Räthe etc. D. auf unserem 
Jachtschiffe unweit Stralsund I7./27. September 1678. 

[An«ige <ler Einnahme der Neuen Kährarhanze und des DSnliolms.] 

Auä dem Anschlüsse') habet Ihr zu ersehen, was ferner nach der 27. Sept. 
Jüngst abgelassenen Relation auf der IdsuI Rügen passiret, und welcher- 

') .Aussführliche Relation von Eroberung der Inaul Rügen vom 13,, 14. und 
16. Septembris anno 1678,- wiederah gedruckt Di»r. Europ. XXXVllI S. 474 fr., 
Kork S. 573 IT., danacb die Berichte in Vorpommerischos Diarium oder St- 
Chnrf. 1). 7.U Branüenhur}; Fernere Krieges- Eupeditioiies in Vorpommern <tes 
1678. Jahres (lß79), Dritter Pommerschcr Kriegapostillion (11179) S. lOff-, 
Theatr. Kurop. XI S. 1328, Vor«-. Europa III, S. 804 IT., Pnfendorf I. XVI 
§ CO CS. 1232 f.). Vgl V. Buch'8 Tagebuch II, S. G3IS., v. Unger, Feldmarschall 
[ttfrfflingcr S. 102 IT., Jahns (Uohentollern-Jahrbuch III) S. 7 ff. 

^) An demselben Tage theilt KT. auch seinen Gesandten und Residenten im 
Auslände sowie der preussischen Regierung diese Relation mit; letztere erbält den 
Kefebl, diese Nachricht überall in Polen und Preuasen bekannt zu machen. Das 
Schreiben des Kf. an den Kaisar von demselben Tage s. Urk. u. Act XIV, 
S. 8'J7. 

*) ,Bltract Schreibens aus der Neuen Fehr-Schantze vom n.ßl. Septembris. 
Item aus dem Cburfürstl. JachUchiff bey Denholm vom 18./3S. dito Anno 1678," 



oyGooi^lc 



44 I- KriegsereignUse 1676—1679. 

gestalt durch des Höchsten sonderbare Verleihunge numehro auch die 
Neue-Fcliräcbanze und also die ganze Insul Rügen ini)^lcichea die IdsuI 
Dänhüliit, so einen Musquetensühuss von der Stadt Stralsund lieget, in 
UDser Gewalt geratbeu, welchem Ihr dann behörigeu Ortes überall werdet 
kund zu machen wissen.') — 



Der Kurfürst an den Oberpräsidenten niul die Geheimen Räthe. 

D. im Hauptquartier Lüdershuffen vor Stralsund 12./22. Oc- 

tober 1678. 

[Mitlheiluiig einer Relatiou über den Üeghiii der Capiluliitioiisverhandluugea mit 
Küaigsmarck und der mit älnlsund gcwecbselten Schreiben.] 

Ihr habet aus beigeschlossener Relation zu ersehen, wassgcstalt der 
allerhöchste Gott unser Vorhaben abermalen dergestalt gesegnet, dass 
wir innerhalb 16 Stunden, nachdem wir die Stadt zu beschiessen an- 
gefangen, den Graf Königsmarck und besagte Stadt dahin vermocht, 
dass sie umb eine Capitulatiou augesuchel, gestalt man dann darüber 
bereits jetzo tractiret. Wir befehlen Euch in Gnaden, diese Relation 
sofort drucken zu lassen und an alle unsere Ministros zu schicken, und 
damit Jedermänniglich sehen möge, dass wir die Stadt genugsamb ge- 
warnet und dieselbe an dem Brand und ihrem Unheil alleine schuld, 
80 befehlen wir Euch hiermit in Gnaden, die hiebeikommende Schreiben, 
so wir an die Stadt und den Graf Königsmarck und diese hinwiederum 
an uns abgelassen, juxta soricm datonim dabei truckea zu lassen und 
solfhergestalt zu divulgircn.') — 

wiedersbgedruclit Fock S. 575f.; danach Diar. Europ. XXXVIII S. 473, Vor- 
pommeriscbes Diitriun), Dritter Pomoiersc her Kriegapostilliou S. 13 f., 
Theatr. Europ. XI, S. 1328, Varw. Europa III, S. ÖOG, l'ufaodorf I. XVI 
5 GO (S. 1333). Vgl. V. Buch's TiigBbuch II, S. 68 ff., Jahns a- a. 0. S. 11. 

") In ihrem (ilückwunschschreiben (d. CGln a. d. Spree J3. Sepl./3. Oct. IG7S) 
melden die Geh. Küthe, dass am gestrigen Sonntag in allen Kirchen eine Dankfeier 
glatt gefunden und dLiss sie, damit diese Kelalion desto schleuniger Kur allgemeiDen 
Wissenschaft gebracht werde, dieselbe hätten drucken lassen- 

') Dia dementsprechend zusammengestellte „Relation aus dem Hauptquartier zu 
LäilershagenfürSiralsund, vom 12./'i2. OctobrislG78, nehsl einigen TonSr.Churfl.Durchl. 
lu Brandenburg au den Herrn Uraff Küoigsmarck und <lie Stadt Stralsund abgelassenen 
und darauf erfolgten Anlwort-Schieiben,"' wiederabgedruckt Diar. Europ. XXXIX 
(1679) S. 29 ff., Fuck S.üSOff. obue die Schreiben, diese in Vor-Pommerisches 



oyGooi^lc 



EinDahme TOd Slralsund. 



Der KiirfÖist an den Oberprüsidenten und die Geheimen Rätlie. 
Dat. im Hauptquartier zu LOdei-shagen 15./[25.] October 1678. 

[Anieige der CapitulatioD von StraUund.] 

Wir geben Euch hiemit in Gnaden zu vernehmen, wasmsssen die ^^- Oct. 
Stadt Stralsundt durch Gottes wundergütige Direction heut per Accord 
an ans übergangen. Die Äccords-Punkta habet Ihr hiebei zu empfangeu, 
welche Ihr zum Druck befodern und an alle unsere Regierungen und 
Mioiätros mit behöriger Notification iiberschicken köuuet. ') 

l>iariuiD, Dritter PominerscbarKriegspästillionS. I6rr., Verw. Europa III. 
S. SOS ff-, Theatr. Europ. Xt, S. 1328 f., Pufendorf 1. XVF, § Gl, f.2 S. 1233 ff. Vgl. 
Y. Buch-s Tagebuch H S. Bill., Fock S. 4-28S., ¥. Dnger, Feldin. Derfflinger 
.S. It.)6 ff., Jahns a. a. 0. S. II fF. 

■) S. diese Accorda- Punkte Üiar. Europ. XXXIX, S. XXXIII ff.. Vor- 
Ponimoriiiches Diarium, Dritter Pomraeracher Kriegspostillioa S. 26 ff., 
Verw. Europa III, S. 812ff. Kurze Inhaltsangabe. PufeDdorf, 1. XVI, $ GS 
(^. 1:235). Der Eapitulationsvertrag mit der Stadt Stralsund vom 15-/25. October 1678 
bei Fock S. 5Sj ff. Ausser den dort (S. JTT ff.) wiederabgedruckten Relationen 
über die Belagerung von Stralsund linden sich bei den Akten noch folgende ge- 
druckte Flugblätter: 

Aussm ChurfÜTstl. Hauptquartier T.Üdershagen vom 13./23. Oct. ItJTS. 
Han stehet nun hier in vollen Tractaton, und sind von der Guaroison S und 
voD dem Kaht und Bürgerschafft 4 Deputirle hier; 31it der Stadt ist es, Gott Lob, 
richtig und bleibt Sie bey allen ihren Privilegien unge 
aber wird noch capitulirt, man vermeinet aber iedoch, 
.S'^hluss gelangen werde. 
Kilract-Schreibens aus dem Cburförstl. Brandenburgischen Haupt- 
quartier zu Lüderahagen, für Stralsund, vom 13./23. Oct. 1678. 
Seit gestern hat es vegen der Accord s-Puncta etwas diffivultet gegäben, indem 
der Feind die Puncta beraussKuscbicken verzögerte, darumb Se. Churf. Dun-hl. die 
Geiseln gestern umb 3 Uhr nieder nach der Stadt gesandt, darauf aber der Groff 
Königsmarck abermalen umb einen kleinen Anstand bitten Hess, und kamen darauf 
umb 5 Uhr Depnlirte von der Bürgerschaft herauss, und uinb lU Uhr Abends wurden 
die Accord s-PuDcta von dem Oraff Eönigsmarck eingesandt, mit dereu Einrichtung 
man bis itzo zugebracht. Der Bürgerschaft halber gibt es keine difRcuitet mehr, 
sondern die Capitulatiun mit ihr ist bereits richtig, und unterwirffet sieb dieselbe 
Sr. Churf. Durchl. Macht und Jurisdiction. Der Tag der Huldigung ist auf künftigen 
Sonntag, als den 20./;t0. dieses angesetzt, darauf Se. Cburfürstl. Durchl. für Greifs« 
«aldö rncbcn, und fals diese Stadt sich nicht in Zeiten accommodiren wird, ebenfals 
die extrems wider sie fürnehmen »erden. Uit künftiger Post sollen die Accords- 
PuQCta folgen. 



oyGooi^lc 



46 I- KriegsereigDJsse 1G76— 1679. 

Den beifolgenden Notificationssch reiben an Fiirstt. HSuser ist ein beifolgender 
Extract aus den Accorda-Puncten beizulegen. Sonntag soll ein Dankfest in den 
Kirchen gebalten und eine dreimalige Oeschützsalve gegeben werden. 



Der Kurfüret an den Oberpräsidenten und die Geheimen Eäthe. 
D. Wrangelsbnrg 7./[17.] November 1678. 

[Anzeige der Capitulfttioii voü Greitswald.] 

17. Nov. Es hat QuomeKro der höchste Gott uDsern Wunsch eiTüllet und uns 

durch die glückliche Erobeiung der Stadt Greifawalde, welche wir ehen- 
niäsaig innerhalb 8 Stunden zu capituliren gezwungen, Meister von ganz 
Pommern gemachet,') wie Ihr aus dem Anschluss, den wir bereits ao 
alle unsere Regierungen und Ministros communiciret, mit mehrera er- 
sehen werdet. 

Nächsten Donnerstag soll in allen Kirchen ein Dankfest gehalten, auch das 
Geschütz nm die Festung dreimal gelQst werden, den gleichen Befehl hat Kf. 
auch an alle seine Regierungen and Gouverneurs ergehen lassen. 

Eitract-Schreibens, Aus dem Churfürstl. Brandeuburgisohen 
Hauptquartier zu Kloster Eldena für Greifswalde vom 7./17. No- 
vembr. 1C78. 
Nachdem die Batterien und Wercke verfertiget und Se. Churfürstl. Dnrrhl. 
die Stadt noch einmal warnen, auch dem Commendnnten zum drittentiial einen 
raisonnableu Accord anbieten lassen, jedoch ohne Effect, ertheüeten Sie Dero 
Genera I-Feldmarschalln Freyherrn von DÖrffUnger, Ordre, am 5. dieses zwischen 
11 and 12 Uhr in der Nacht mit dem canoniren und Feuer- ein werffen einen 
Anfang zu machen, welches mit solchem Ernst und viguear geschehen, dass 
ümb halb zwey Uhr nach Mitternacht au 5 Orten in der Stadt Feuer aufgegangen. 
und zugleich zu brennen angefangen; Am 6, dieses, da der Tag anbrach, ward 

') S. das Schreiben des Ef an Jen Kaiser von demselben Tage (Trk.u. Act. XIV, 
S. 898. Seiner Anzeige an den Fürsten von Anhalt von demselben Tage fugt Kf. hinzu: 
„Wann dann dadurch unser geliebtes Vaterland Teutscher Nation in einen so lange ge- 
wünschten, aber fast nie gehofften Ruhstand und Sicberbeit vou dieser Seiten ge^eUet 
worden und icb dannenbero nicht zweifele, Ew. Ld. werden aus einem patriotischen auf- 
richtigen Gemüthe diesen glücklieben Succes ebenmilssig wie die vorigen sehr gerne 
vernehmen, so habe ich nicht unterlassen wollen, deroselben sofort part davon zu 
geben und dabei meinen vormaligen Wunsch zu erneuern, dass der Alterhöchste sokhes 
alles zu BefoderuDgo eines ehrlichen und bestündigen Friedens und zu Befestigung 
einer immerwährenden Sicherheit vor unser geliebtes Vaterland ausschlagen lassen 
wolle." CZ.) 



oyGooi^lc 



EiDuaboie von Greifawali]. 47 

eiD TrommelschlSger heraussgesandt, mit dem Anbringen, dass einige aus dem 
Ministerio und der BürgerscIiafFt zu Sr. Chur/. Durchl. zu reisen, und dessfalls 
auf der anderen Seiten iieraussgelassen zu werden begelirien, welches ihnen 
aber von dem Feldmarschall abgeschl^en, und der Tambour mit dieser Antwort 
zurücke geschicket ward, dass, so es dem Commendanten ein Ernst wäre, er 
Geifsel hetaussschicken und dergleichen von hiesiger Seiten wieder erwarten 
solte; Indessen liess der Feldmarschall mit Feuerein werffen und scbiessen stark 
continuiren, biss umb 11 Uhr gegen Mittag, da der Commcndant abermal einen 
Trommelschläger berauasgesandt, und sich erbothen, einen Uajor und einen Capi- 
taiD herauszu schicken, wann wir dei^leicben wieder hinein schicketen, Hess 
auch dabey vermelden, dass einige von dem Hagistrat, Universität und Ministerio 
zugleich mit heransskommen würden: Beydes geschähe unverzüglich, die Geissei 
wurden gegen einander ausfgewechselt, und nebst denen übrigen Deputirten zu 
Sr. Chnrfürstl, Durchl. geschicket, welche sofort darauf? einen Acoord projectireu 
Hessen, so auch beute zu Mittage am 7. völlig geschlossen, und werden die 
unsrige noch vor Abends in einem Thore und Bolwercke Posto fassen. Der 
Feuerschaden ist nicht gar gross, und sind nur drebsig schlechte Häuser und 
Scheunen in allem verbrannt. Die Accords-Puncta lauten wie folget.') 

') S. dieselben Diar. Europ. XXXIX, S. 242f., Vor-Pommerisches 
Diarium, Dritter Pommerscber Kriegapostillion S. 40 ff., Verw. Europa Ilf, 
S. 818. Ausser den bei Fock S. 584 f. abgednicklen Relatiooea über die Belagerung 
Ton üreifswald findet sieb bei den Akten noch folgende: 

Aus Eldena vor Greifswalde den I. November 1678. 
Man ist mit Verfertigung der Batterien vor Greifanaldo sehr beschäfftig und ver- 1[. Kov. 
meinet mau künftigen Montag damit fertiK zu werden und die Stücke au&uführen. 
Wir seind diesen Ort viel näher mit unseru Wercken als vor Stralsund), Es wirdt 
zirar aus Greifswalde viel vanoniret, allein es Ihut keinen annderlicheu Schaden undt 
zweifelt man nicht, das3 nenn nur der .Anfang mit Feuereiuiterf- und Kescbisssung 
der Stadt wirdt gemacht, sie sieh eines andern bedencken werden, Vou einer Con- 
ference zwischen Ihro KÜnigl. Mayll. iu iJennemarck und Sr. Chfl. Dehl. wird viel 
gesagt, man erwarltet aber von Ivönigl. Seiten anuoch Gewisheit. Vgl. auch v. Buch's 
Tagebuch II. S. 96 f., Fock S. 452 tf., v. Unger S. 109, Jahns S. 17. 



oyGooi^lc 



2. Der Peldzug in Prenssen 1678—1679. 

Herzog Ernst. Bogislav von Ci-oy') an den Kurförsten. 
D. Königsberg 4. October 1678. 

[Nachrichten über den MarscL der Schn«den.] 

4. Ocl. Aus beifolgendem Extract aus Hitau ist zu ersehen, dass nuametir aus 

dem Marsch der Scliweden aus Liefland ein £rnst werden will, doch steht 
dahin, was sie bei Fortsetzung des Marsches für einen Weg nehmen und ob 
sie denselben bei Erhaltung der Zeitung von des Kf. glücklichen Successen auf 
Rügen') gar fortsetzen werden. 



Derselbe an den Kurfürsten. D. Königsberg 

7. Oclober 1678. 

[Bedrohliche Nachrichten über den Anmarsch der Schweden gegen Preussen.] 

^. Oct Glückwunsch zu der Einnahme von Rügen. Nach den Nachrichten aus 

Memei und Mitau, weiche auch vom G. Feldherrn Pac bestätigt werden, scheinen 
die Schweden zum Marsch von Liefland aus hieher ganz resolviert zn sein. 
Zwar hat sein vertrautester Correspondent noch nichts davon geschrieben, .iber 
nach dem gestern empfangenen Schreiben des Prinzen von Curland') hElt er 
es für gewiss und bittet Kf , auf die Conservation dieses Landes, dessen Zustand 
ihm genügend bekannt ist, bedacht zu sein. 

') Statihnlter in Preussen. 

^ S. oben S. 43. 

') Prinz Friedrich Kasimir, der iil teste Sohn des Herzogs Jakob von Kur- 
land, schreibt an den Herzog von Cray d. Uitau I. October 1678: Feld marsch all 
Hörn bat an seinen Vater den Obristen Wangelin und den General-Kriega- 
commiasariua Schneclienschild geschii^lit , ihm den Marsch der schwedischen 
Armee advisieren und verlangen lassen, ihnen die nöthigen Lebensmittel zuzu- 
führen, sonst müssten sie solche suchen, wo sie sie finden würden. Sein Tater 
hat geantwortet, er könne ihueu den Marsch weder gestatten noch verweigern, 
da er deswegen keine Ordre vom Küoig von Polen hätte. Der Feldmarschall hat 



oyGooi^lc 



ADmarsch der Schweden nach Pre 



Die Preussische Regierung an den Kurföi-sten. D. Königs- 
berg 4. November 1678. 
[AiiiD»rach der Schweden. Ansialten zur Gegenwehr. Bitte um üülfe. Ralh, eine 
Gesandtschaft nach Pulen zu schicken.] 

Sie haben dem Kf. bei vorigen Posten das Geschrei von Znsammenziehung *■ 
der schwedischen Völker sowohl &us Liefland als an der Weichsel liioterbracht 
Nunmehr ist es soweit gediehen, dass die schwedische Armee aus Lief land auf- 
gebrochen und, wie die Rede geht, bei 12 000 Mann stark in Kurland steht, 
um über den Memetstrom in Preussen zu gehen. Solchen Einfall abzuwenden 
oder nur eine Zeit lang aufzuhalten, haben sie') nebst den wenigen geworbenen 
Leuten durch die Ritterdienste und Wybranzen, auch den allgemeinen Aufbot 
zufdrderst den Memelstrom bei Tllsc und Ragnit wohl besetzt und durch 
erfahrene Kriegsofficiere, die Obersten Hondotff und Canitz, dem Feinde 
dort alle mögliche Resistenz zu thun verordnet Oberst Grüben soll mit der 
LandmÜiz und dem Aufbot des oberl&ndi sehen Kreises die Feinde an der 
Weichsel respicieren und besonders auf allen Fall den freien Pass an der Weichsel 
nebst der Niederung beobachten. Da aber dieses mit unaufhörlichen Contri- 
botionen und Wegwerbnng der besten Mannschaft ganz erschöpfte Land sich 
gegen eine so grosse Macht aas eigenen Kräften allein wird schwer retten 
können, so haben sie das Vertrauen, Kf. werde bald einige tausend Mann 
zu Wasser nach Pillau oder Uemel abschicken und das Land vor feindlichem 
Einfall retten. Die Stünde sind zu Einbringung der erforderten Mittel und 
I>t;s5erer FJnrichtung des allgemeinen Auf bots. nach eingeholter neuer Instruction 
nuf den 10. November hieher berufen. Da die Schweden ohne Cousens der 
Krone Polen nicht leicht etwas gegen Preussen tentiereo werden, so rathen sie, 
Kf. möchte eine ansehnliche Ambassade an den König von Polen abschicken 
und zu mehrer Esclatierung des guten Vertrauens einige aus den hiesigen 
Ständen dazu mit gebrauchen, um die Beobachtung der Pacten and Abwendung 
der feindlichen schwedischen Gefahr conjnnctis viribus zu urgieren. 

darauf seine Truppen marschieren lassen, sie werden täglich über die Düna gesetzt. 
Ob sie dieses pro forma thun oder ob sio iu der That marschieren werden, wird 
hieb künftige Woche äussern. Sie sagen, es ginge recta nach Preussen und sie lebten 
mit vielen dortigen Eingesessenen in guter Correspomlenz, besonders mit Adligen, 
er selbst weiss dort einen, der vor etlichen Wochen einen Lieutenant zur Salie- 
guarde erhallen bat Er darf den Namen nicht der Feder anvertrauen und bittet 
IQ secretieren, dass er jetzt mit ihn correspondiert, denn die Schweden sind ihm 
ohne dem nicht günstig und thun ihm die Ehre, ihn einen brandenburgischen Hund 
in schellen, welche Injurie er gern tragen will. Vgl. Hirsch, Der Winterfeldzug 
in Preussen ICTS— 1679. S. 39. 

■) S. über diese Vertheidigungsmass regeln Hirsch, Der Wlnterfeldzug in 
PreuMMi 1678—1679, S. 48fr. 



oyGooi^lc 



S() I. EriegaereiKnisse 1676—1679. 

Herzog E. B. von Croy an den Kurfürsten. D. Königsberg 
25. October/4. November 1678. 

[Der Marsch der Schweden. Verhalten P&c't. VertheidigUDge&Dstalten. Bitte 
nm Hulfa.] 

r. Et Übersendet ihm das letzte Schreiben Fe Idm. Horn's anPac und dessen 

ÄDtwort"). Aus den Zeitungen scheint es zwar, als wenn die Schweden ihren 
Uargch nicht ao eilig, wie sie angefangen, fortsetzten, wie auch einige vollen, 
dass sie bei IhrandE ein Lager schlagen wollen, doch ist dem nicht za tränen, 
xnmal man keine Ursache davon cinselien kann. Wenn aacb Pac anf die 
Drohungen der Schweden ziemlich mascule geantwortet hat, so glaubt er doch 
nicht, dasB derselbe ihnen den Pass, wenn sie ihn per force sollten nehmen 
wollen, verwehren wird; mit gatcm Willen wird er ihn nicht concedierea und 
er cotoyiert ihren Marsch immer mit seinen Völkern längst der samaitischen 
Grenze. Er selbst thnt was mensch- und möglich ist zur Defension des Landes, 
es mangelt ihm aber an allen Enden an Volk und Mitteln. Was er nnr 
zuBsmmen bringen kann, schickt er nach Tilsit, nm die Hummel zu beobachten 
und solange möglich zu defendieren. Mümmel ist genügend vetsehen, den 
Obersten Groben vrird er hente ins Oberland abfertigen, um mit den Dienst- 
pflichtigen dort die aotiones der Betfanneschen Trappen') zn observieren, Oberst 
Hohndorff, den er hente erwartet, will er nach Tilsit schicken, um dort das 
Commando zu führen. Doch ist alle ihre Anstalt nicht bastant, einer so grossen 
Macht, wie sie gemacht wird, zu widersteiien, und ho&t er daher auf den von 
Kf, versprochenen Succnrs. 



Der Kiirftrst an die preussische Regierung. D. Wrangelsbui^ 
28. October/[7. November] 1678. 

[Hülfsaendung. Gesandtschaften nach Polen. Vorläufig zu leistender Widerstand. 
Beschaffung der Geldmittel.] 

Ans ihren Relationen hat er ersehen, dass die schwedische Armee aus 
Lief land schon im Marsch ist, und was sie zur Defension des Landes erinnern. 



') Pac antwortet (d. Be^sagolae 12. October 1678) an Born auf dessen durch 
den Obersten Oxenstierna überbrachte Forderung, ihm den Durchmarsch zu ge- 
statten, er könne dieses ohne ZnstiminuDg des Königs und der Republik nicht thun, 
darüber müsse auf dem bevorstehenden Reich3t3|,'e verhandelt werden, er erwarte, 
dass H. sich bis dabin der Deberac breitung der Grenzen von Kurland und Samaiten 
enthalten werde. 

>) S. Hirsch a. a. 0. S. 24 ff. 



oyGooi^lc 



Vertheidiguiig6anstatt«n in ?reussen. 51 

Seiner Pflicht, dem bedrängten Lande HBlfe zu leisten, wird er mit höchstem 
Fleiss und Sorg^It n&chkommen, über die bereits vorhin unter dem Oberst Knsaow 
marschierenden Trappen detachiert er') noch heate einige ßegimeiiter und wird, 
sobald es mit Greifswald seine Richtigkeit haben wird, selbst mit der Armee 
in höchster Eile nach Preussen kommen. Er hat v. Hoverbeck befohlen, zn 
dem König von Polen, nnd Scuitetus, nach Grosspolen zu geben und um Hülfe 
anzusuchen. Das meiste wird darauf ankommen, wie das Land bis lur Ankunft 
seiner Truppen conserviert werde. ICr ist mit dem ihm zugeschickten Gutachten 
wegen der Landes defeiision zufrieden, sie sollen nnr die Ausführung des dort 
Enthaltenen befördern. Wenn nur von den Ständen eine vigoureuse Resolution 
nnd darauf behödge Execution genommen wird, so wird alles wohl succedieren. 
Et liat daher an die Stünde geschrieben '). Für die erforderlichen Geldmittel 
i>ind vorerst die zur Kriegskasse destinierten Mittel anzuwenden, es wäre auch 
sehr gut, weini man von der Accise und anderen gewilligten GeföUen etwas antici- 
pando erhalten oder darauf crcditiert würde. Beifolgend auch eine Assignation an 
Ileidekampf, aus den ZoUgefSIlen, obwohl sie bereits assigniert sind, eine 
gewisse Summe herzugeben, das übrige muss auf Credit genommen werden. 



Hei-zog E. B. von Ci-oy an den Kurfürsten. D. Königsberg 
9. November 1678. 

[Marsch der Schweden. Schlechter Verl beidigungszu stand des Landes.] 

Aus Graf Dönhoffs^) Relation ist zu ersehen, dass der schwedische Harsch 0. Nov. 
nunmehr seineu Fortgang genommen, die Armee wird jetzt schon dort herum 
stehen. Er glaubt nicht, dass die Schweden sich mit Memel aufhalten, sondern 
dass sie gerade auf Tilsit losgehen werden, um etwa dort Posto zu fassen. Es soll 
daher alles, was nur aufzabtiogen ist, dorthin geschickt werden, um ihnen da 
den Pass zn disputieren, wenn nnr die Dienstpflichtigen fort wollen, woran er 
sehr zweifelt. 

Beifolgend ein Project der Regierung*) wegen der Vertbeidigangsanstalten. 
Er ist mit dem meisten wolU einverstanden, fürchtet aber, es durfte alles zu 

>) S. das Rescript an Blaspeil u. Heiuders von demselben Tage anten 
Abschn. VII, das Tagebuch D.S. v.Bucb'a, herausg. von v. Kessel 9. Nov./-28. Oot. 
1078 (11 S. 93f.), Relation dessen, was seither dem ersten Einbruch der 
K. Schwed. Armee etc. S. 2. Vgl. Hirsch S. 43 f., Jahns S. 30. 

*} S. dieses Schreiben (d. Wrangeis bürg 38. October/7. November 1678) bei 
*. Orlicb m, S. 292 f. 

*) Generalmajor Graf Friedrich v. Dönhoff, Gouverneur von Meme!. 

*) Nicht bei den Akten. 

4* 



oyGooi^lc 



52 I- KnegsereigniaBB 1G7S— 1619. 

spät sein. Vorher hat mao niemand zu etwas hringeii können uad wsrde alle 
(^gebene Nachricht von der androhenden Gefahr für ein fingiertes Werk nnd 
Landtags Zeitung, wie sie es nannten, gehalten. Jetzt weiss bei solcher EdI- 
blQssung des Landes und der StSdte keiner Rath zu finden, anch er hofft nur 
anf Hülfe des Kf. 



Der Kurtiifst an den Herzog von Croy. D. Wi-ungelsburg 
31. Octoljer/[10. November] 1678. 

[AuBtatten zur Sicherung Preussens.] 

10. Nov. Ew. Ld. letzteres vom 2b. Oct./4. Nov. haben wir wohl erhaltea und 

daraus ersehen, wasmassen der schwedische march nicht so eilig, wie man 
wohl vermuthet hatte, fortgehet. Wir wollen hoffen, es werde derselbe 
noch gänzlicli zurucke gehen, allen Falles haben wir bereits solche ordre 
gestellet, dass verh öffentlich der Feind keinen sonderlichen Schaden 
thuea werde. Bei unsrer herzgeliebten Gemahlinne Ld. Cammerjunclier 
den von Seh lief fen haben wir Ew. Ld. von dem von uns vorangeschlcketen 
secours, so bereits in vollen marche ist, gemeldet und wollen wir selber 
mit göttlicher Hülfe balde in Person folgen. Die von Ew. Ld. und 
denen Ober-Räthen entzwischen gemachete Verfassunge lassen wir uns 
sehr wohl gefallen und wird vor allen Dingen nur dahin zu sehen sein, 
ob der Mümmelstrom bis zue unserer Trouppen Ankunft wo immer 
möglich behauptet werden könne'). — 



Graf F. Dönhoff an den Kurfürsten. D. Feste Mömmel 

13. November 1678. 

[Mitlbeilungen und Anerbielungeu Pac's.] 

13. Nov. Die anbefohlene Werbung von 200 Mann') ist vorläufig nicht mSglich, 

denn der Feind ist 7 Meilen von hier zu Rntzan und wird, da er schon ehegeslern 

') Das SchrBiboD des Ef. von deniBelben Tage an Graf Dönhoff s. beiv. d.Oels- 
nitz, GeschichtB des K. Preusaischeu crsttn Infanterie regiment« S. 163, das an die 
Preussische Uegierung vom 4./I4. Nov. bai t. Orlich III, S. 394. 

^ S. Hirsch s. 4ar. 



ovGooi^lc 



Vertbeidigungsansl alten in Preiisscii. Verhalleo Pac's, 53 

ilort angekommen ist, stündlich vermathet Gestern hat der 0. Feldherr P&c 
den Starosten Bialosor zu ihm geschickt, seine Affection und Freundschaft zn 
Kf. coutestiecen und verlangen lassen, dass alle Lebensmittel bei Zeiten auf 
die Seite gebracht und die noch übrige Fonrage entweder verbrannt oder den 
littanischen Truppen überlassen werde. Er hat sich für das erste aufs höchste 
bedankt, das zweite betreffend erklärt, er hätte keine Macht noch Auftrag, 
Fonrage aus dem Lande nehmen zu lassen, da aber dieselbe jetzt nicht zn sal- 
viereu stüude, würde Rf. es gewiss lieber dem Freunde als dem Feinde gönnen. 
Femer liessPac Kf. um Gottes willen bitten, mit seiner Armee möglichst 
5cbiie]l her zu eilen, um das Land zu retten, den Feind zarückza treiben und 
auch den anderen mit darunter schleichenden Feinden das Maul zu stopfen, er 
liess ferner rathen, der Statthalter möchte anf einige Bürger von Königsberg 
und einige F.dellente im Lande gute Kundschaft legen lassen, denn viele unter 
'denselben seien dem Feinde atfectioniert und die Schweden schmeichelten sich, 
dass sich alles in Preussen, auch Königsberg, ohne Widerstand ergeben werde. 
Ferner rieth er, den Tilsitschen Pass wohl besetzt zu halten und alle Fourage 
fortzuschaffen, er wolle unterdessen sich, unterm Verwände, seine Grenze zu 
defendieren, an des Feindes Seite machen, seinen Pacholiken frei lassen, den- 
selben zn zwacken und ihn so zu nüthigen, sich in einem Corpo zusammen zu 
halten. Er versicherte auch, der polnische G. Feldherr hätte Ordre ertheilt, 
dass die Bethnnischen aufgeklopft werden sollten. Dann hat er sich erboten, 
zur Vertheidigung der Mümmel bei Tilsit 2 Regimenter, 800 Uann zu Fus.s, 
zu überlassen, wenn er von dem Statthalter darum ersucht würde. Er hat es 
diesem mitgetheilt, glaubt, das Anerbieten sei nicht auszuschlagen. Nach Aus- 
sage des Abgesandten soll Pac sehr über den alten Herzog von Kurland, 
dass er den Schweden den Durchzug gestattet, dolieren, der junge Herzog') 
hätt« aber damit nichts zu thun haben wollen. 



Die preussische Regierung an den Kuriilrsten. Diit. Königsberg 

IbJb. November 1678. 
[VerlheidiguD^'sanaiallen. Gesandtschaft nach Polen. VerLaudluugcn mit den Stauden.] 

Sie sind erfreut, dass Kf. ihr Gutachten wegen der Landesdefension billigt ] 
Was bisher immer geschehen können, daran ist nichts verabsäumt worden, die 
beiden Obersten Hohndoctf und Kanitz stehen mit den Ritterdiensten und 
Wybranzen des Samlandiachen und Natangischcn Kreises bei Tilse und Eagnit, 
den Mümmelstrom zu beobachten, werden ungefälir an Kentern, Dragonern und 
Fussvolk ohne die zusammengezogenen littanischen Bauern 3 — 3000 Jlann sein, 
Oberst Groben zieht die Ritterdienste und Wybranzen im Obcriande zusammen. 

') 8. oben S. 48. 



oyGooi^lc 



54 I- Kriegsereignisse 1676—1679. 

Sobald der Feind sich weiter moviert, wird, da es scheint, als ob der Feldherr 
Pbc ihm nicht Widerstand leistet, die Last auf die LandvÖlIccT am Hämmelstrom 
zaerat ankommen dürfen, sie babeu also Anstalt gstroffen, dass der Feind zwischen 
Hemel und Tilse keine Lebensmittel finde, tind zweifeln nicht, die Obersten 
werden ihr Bestes than. Wenn nur die ßegimenter unter Gen.- Lient GÖrtzke 
ehestes bei der Weichsel ankommen, wird es sich bald weisen, ob die Feinde 
auf solchen Rnf dennoch weiter hercingehen, oder stutzen und ob es dann 
noch nöthig sein wird, dass Kf. mehr Völker hereinschicke. Die franzSsiscben 
Practiqnen zielen nur darauf hin, des Kf. WaETen vom deutschen Boden weg- 
zubringen, aber wenn Kf. mit Polen in gutem Vernehmen bleibt, werden 
die Schweden wohl zu Schanden werden; sie rathen nochmals, UoTerbeck 
um mehreren Nachdrucks willen einige aus den Ständen zur Gesandtschaft 
zuzuordnen. Auch Dänemark könnte durch eine Diversion zur See nach Lief- 
land dem Kf. grosso llfilfo bringen. Sie arbeiten jetzt an den versammelten 
Ständen'), dass der allgemeine Aufbot oder anstatt desselben von zvranzig 
Hüben ein guter Mann ausgerüstet und reguliert und insonderheit, da die Geld- 
mittet so bochnutbig, dass schleunig die geforderte monatliche 20000 ßtblr. samt 
dem Viertel Korn von der Hube zum Magazin eingewilligt werden. 



Herzog E. B. von Croy an den Kurföi-sten. D. Königsberg 

6./15. November 1()78. 

[Langsamer Uarsch der Schweden. Vertbeidigungsanatalten an der Mumel. Laodtags- 

Terb an Ölungen.] 

Pac hält des Kf. eigene Ankunft hier für böchstnöthig nnd auch ans 
anderen Gründen wäre dieselbe sehr zu wünschen. 

Nach den Uummsler Nachrichten ist') die feindliche Armee Freitag zu Rutzau 
angekommen, seitdem aber dort stehen geblieben, Er kann die Ursache ihres 
langsamen Marsches nicht penctrieren, ob es aus Besorgnis, mit den littauischen 
und samaitischen Völkern in Action zu kommen, geschieht, oder ob sie den 
Zufrost erwarten. Es ist auch zweifelhaft, ob sie Mümmel anzugreifen oder den 
Strom bei Tilsit oder Ragnit zu passieren und dort Posto zu fassen beabsichtigen. 
Das letztere hat grosse Apparenz, daher wird alles, was nur immer aufzubringen 
ist, zur Defension des Stromes dorthin gesandt. Obrist Hohndorf wird schon 
vorebegestern dort angelangt sein, dem die samländischen Dienstpflichtigen sofort 
gefolgt sind. An demselben Tage ist auch Obriat Canitz von dem Rendezvous 

') Ueber die damaligen Land tags Verhandlungen s. t. Baczko, Geschichte 
Preussens V, S. 470, v. Oriich I, S. 3S5, Hirsch S. 54 fr., jetzt auch Urk. u. 
Akt XVI, S, S. 8Ö4(T. 

>) Vgl. Hirsch S. 42. 



oyGooi^lc 



VertheidiguDgsRDSIalten in Preusaeo. 55 

zu Wehlan mit den Datangischen Dienstpflichtigen dahin gefolgt und werden 
auch die 4 Compagnieen Dragoner aus den polnischen Äemtern, welches sonst 
gute Leute sind, wohl zu Tilsit angelangt sein. Das Aufgebot der Untei- 
thaoen in den 3 littauischen Aenitern hat sich anch ziemlich stark dort einge- 
funden, es gehen aber aach viele wieder nach Hanse nach dem Vorgang der Land- 
schsppen, die theils ganz ausgeblieben, theils wieder nach Hause gegangen sind') 
unter dem Vorwand, dass ihnen von der hiesigen Kammer solches und andere Oe- 
srhifte zn thun anbefohlen sei'). Den übrigen Generalaufbot des ganzen Landes 
einzurichten, ist den Ständen proponiert, es scheint aber, dass sie lieber zn einem 
Ausschuss, etwa eines bewehrten Mannes von 10 Haben, inclinieren, was auch 
besser sein dürfte. 



Caspar v. Hohndorft'^) an den Herzog von Croy. D. Tilse 

IG. November um 8 Uhr Morgens 1678. 

[Stand der VsTtbeidigungsanst alten an der Hemel. Verband liingen mit Pac] 

Er ist mit dem Stab Sonntag früh hier angelangt, hat, nachdem ihm der 16. Not. 
Hauptmann von Johannisburg') von seiner Verrichtung Mittheilong gemacht, 
einen Brief an Pac durch einen Expressen geschickt, besonders da die Leute 
von jener Seite bisher zu keinem Ausziehen oder Flüchten zu bringen gewesen 
sind, doch ist gestern nach harter Bedrohung der Plünderung der Anfang ge- 
macht ; sie flüchten mehr nach polnisch Littauen als nach dieser Seite. 

Er hat Oberstleatn. v. Polentz und Major KattenhSver mit der Sam- 
läni^cben Reiterei (5 Compagnieen, 400 M. stark) vorgefunden, die aber klagen, 
dass aus dem Insterburgischen viele ausgebiieben und dass sie bisher nichts 
zur Mundierung erhatten, er bittet daher, dass hieher assignieit werde, jeder 
Oberofficier solle etwas zur Mnndierung bekommen. Die Verpflegung hat er dem 
Oberkommissarius v. Podewels anvertraut nnd er bittet, dass ehestes die 
Ordonnance hieher geschiclit werde, dass ein jeder wüsste, was er bekommen 
werde, denn aus Noth des Proviants geht der Aufbot aus dem In sterbu raschen 
alle davon. Obrist Groben berichtet, er habe sich den 12. zum Rendezvous 

') S. das daraufhin von dem Kf. an die PreussischB Regierung erlassene Rescript 
J. Wrangelsburg 14.^24. November 1078 (v. Orlich 111, S. 294 f.). 

*) D«r Herzog meldet 18. Nov., ein Theil der kurfüratl. JSgereibedienten unter 
Oberförster Halle sei schon in Tilalt angekommen, die übrigen aus Natangen 
«ärd«n auch dortbin geschickt werden, die aus dem Oberlands bei Oberst Grüben 
bleiben. 

*) S. über denselben und seiue Theünahme an dem Feldzuge in Polen 1674 
Kriegggescbichttiche Einielschriften, herausg. von dem Gr. Oeneralstabe V 

s. 1 1 tr. 

*) H, hatte denaelben zu dem G. Feldherrn Pac geschickt. 



oyGooi^lc 



J 



56 I- Kriegsereignisse 1676—1679. 

in Wehlau eingefunden, es habe sich aber nur eine Coapagnie Wybranzen 
Bsigischen Amts gestellt. Obrist v. Kanitz kommt hent mit der Natan^schea 
Cavallerie, doch haben lant seinem Bericht viele ihre Dienste nicht geschickt. 
Die 4 Compagnieen Dragoner aus dem Joh an nishurgi sehen und den polnischen 
Aemtern sind hier. Die Insterburgischen 3 Oompagnieen Dragoner sind dis- 
mundieit« Leute und haben sich wenige derselben eingestellt. Die Bagnit- und 
Tilsitschen aber, die bis 400 Mann zu Pferd u. Fass ausmachen, sind gnte nnd 
wohlrnuadierte Lente. Von dem Insterburgischen Aufbot, so bis 5000 Mann 
gewesen, sind jetzt kaum lOOO und gehen noch täglich mehr weg. Er ist 
gestern 4 Heilen herunter zum Recognoscieren geritten. Die Gilge ist an allen 
Orten zu passieren, auch die Russ an etliebeu Orten flach, er hat etliche 3Ü0 
Egden bestellt, dem Feinde das Durchschwimmen zu wehren, will anch die 
nöthigen Bedutten aufwerfen lassen. Am Werk, wohin sicli unsere Parteien 
auf jener Seite retirieren können, hat er auch gestern die Arbeit anfangen lassen. 
Gestern Nachmittag ist er in Ragnit gewesen. Tilse wäre auf den Fall, dass 
er sich zurückziehen müsste, nicht nSthig zu besetzen, denn die Stadt ist ganz 
nnfest und unverbaut, er erwartet daher Ordre, ob sie etwa mit 100 Mann zu be- 
setzen. Nach Ragnit, Tapiau und Weblau ist Ammunition zu schicken und 
dieselben aufzufordern, sich rechtzeitig zu verproviantieren. Gestern war ein 
Bauptmann vom Feldh. Patz hei ihm, derselbe behauptet, der Feldherr wandere 
sich sehr, dass man in Preussen jetzt, wo der Feind in vollem Anmarsch sei, 
sich nicht zur Gegenwehr stellte, wenigstens 1000 Pferde nach Mümmel legte, 
die dem Feind bei seinem Vorbeimarsch Abbruch thun künnten, dann hätte er 
mit denselben auf den Feind stossen können, jetzt aber wäre ihm der Feind 
zu stark und er müsste demselben freien Durchzug vergönnen, er sehe auch 
wohl, dass er von den Preussen 'decipiett wäre. Er hat erwidert, die Preussen 
hätten nicht glauben können, dass Polen den Feind durchlassen würde, er hätte 
deshalb an Patz geschrieben, ihm auch freigestellt, das Land jenseits des Mummel- 
stromes auszuplündern und vor dem Feind herzugeben, dass er keine Lebens- 
mittel finden möge. Es hat aber seines Briefes nicht bedurft, denn Patz hat 
schon vor Ankunft desselben an der Mümmel herum plündern und alles Vieh 
und Getreide w^nehmen lassen. Er hat ihm auf sein Begehren mitgetheilt, dass 
sie bis 4Vi tausend Mann') ohne den Aufhot, der sich auf 15 000 Mann beläuft, 
stark wären und den Feind diesseits des Stromes wegzutreiben suchen wollten. 
Auf sein Verlangen, mit etlichen tausend Mann zu Patz zu stossen und zusammen 
dem Feinde entgegen zu gehen, hat er erwidert, er hätte nur Ordre, den Strom 
diesseits zu defendieren "). 

■) S. die „Liste aller am Mümmelstrom vorhanden gewesenen Trouppeo, wie stark 
sich solche elTective befunden' (im Gauucn 3146 Mauo) bei v. d. Oelsnitz, S. 104, 
auch bei Kiese, Friedrieb Wilbelms des Grossen Churfurslen Winterfeldzug in 
Preussen und Samogitien S. 58f, vgl. Hirsch S. bS. 

^) Uoheodorf meldet 23. November dem Ueri^og v. Croy, dass er v. Dcwitz 
zu Pac senden und so lange dort lassen wolle, bis er von dem geholTtea Suecura 
der 2000 Tataren und 800 z. Fuss versichert sein werde. Nach v. Dewiti' Bericht 



oyGooi^lc 



Vertheidigaugsaaslalteu. Ankunft der Schwedec ia Preusscn. 57 

Die Patronen und Feldkastcn sind noch nicbt angekommen. Mit Äbliolung 
der Artitlerio von Tapiau wird er sich nach oin laufen den Zeitungen ricliten. 
Dass Kf. sie mit einem gnten Detachement secundieren wird, freut ihn sehr, er 
wird aus allen Kräften dahin arbeiten, dass der Feind vom Strom abgehalten 
werde. Er bittet, den Oberkommissarius Podcwels hier zu lassen, da er 
uamSglich anch die Provision der Völker auf sich nehmen kann. 



Graf F. G. v. Dönhoff au den Kurfürsten. D. Feste Miirnniell 
16. November 1678. 

[Ankunft der Feinde bei Uemel. Nachrichten über den Zustand der schwedisclien 
Armee. GewaltthStiglieiten dar Polen.] 

E. Ch. D. muss ich hiedurch unterUiänigat berichten, wie dass der IG. Nov. 
Feind vergangen Montag von Ruzau aufgebrochen und diese nächst ver- 
gangene Nacht auf diesseits Polangen, so 2 Meilen von hier in E. Ch. 
D, hiesigen Ämbte Miimmell, seine Quartiere genomoien. — Es soll der 
Feind einhellig vorgeben, wie er vor dieses Mal diosen Ort, welches 
dann auch bei dieser Uerbstzeit nicht zu prääumiren, nicht angreifen, 
sondern denselben vorbei und nach der Tilsit über den Meinmoll Strom 
seinen Marsch recta in Preussen nehmea wolle. Sonst muss E. Ch. D. 
ich auch unterthänigst hinterbringen, wie dass ein sicherer Ofllcirer aus 
Fohlen, den ich voritzo nicht nennen darf, im schwedischen Lager unterm 
Praetext, als wann er alda Dienste suchete, gewesen und die Armee 
durch und durch gesehen, der dann vor gar gewiss — berichtet, dass des 
Feindes Infanterie zwar ein sehr gutes Volk an Schweden und Finnen sein, 
aber dergestalt verlaufen sollen, dass umb die Infanterie herumb jedes- 
mal eine Reuterwacht bei der andern, das häufige Entlaufen dadurch 
zu verhindern, gesetzet werden müsse, dem angeachtet aber sollen sie 
doch ausreissen '). — Auch berichtet weiter der polnische Officirer, wie 
das« der schwedische Feldmarachall Hörn wegen der Emportirung Stral- ■ 
sanda über die Massen perplex und melancholiscli, auch dabei in diese 
Formalia ausgebrochen sein soll: „Was Teufel bin ich nun nütze, warumb 
hat man mich hieher geschicket. " Es soll ihnen allen ganiicht wohl 

(il. Gordon 'i6. November 1678) aber leugnet Pac, dass er je absolut versprochen 
hätte, die Völker tu schicken, wenn der Abrede nacb das Geld herübergeschickt 
wäre, hätten dieselben geworben werden können. 

■) Vgl. Nystedt, UndaSttuingsförsöket tili Pommern 4r 1678—1679 (Koningl. 
Krie^iTeten^Bps-Aksdemiena Tidskrift VI, 1894], S. 447. 



oyGooi^lc 



58 I- EriegseroigniBse 1676—1679. 

bei diesem Marsch zu Muthe seia, da iosouderlieit ganz keiae Nachricfat 
wegeo der BethuDischenTrouppen'), mit welchen sie sichzuconjangircii 
ihr einziges Absehen ist, einkommen soll. Es giebt der Feind vor, dass 
er Doch 4000 Pferde, so aus Lieflandt sollen nacbkommeD, erwarte, es 
soll der Feind auch schon von dem Heranmarsch der von E. Chf. D. 
aohero commandirten 9 Regimentern Nachricht haben. Die Pacischen 
Völker gehen vorlängst der Grenzen bei der schwedischen Armee gleich, 
fouruiren ihnen keine Lebensmittel, weder vor Geld noch gute Worte. 
Es hat sich zwar der Feind auf etliche Tage von der Stadt Libau aus 
mit Lebensmitteln proviantiret, ich aber habe dieser Oerter herumb an 
Fourage soviel möglich, auch unsere Leute selbst an Vieh und Pferden 
alles wegbringen und wegtreiben lassen, damit dem Feinde zu seioem 
Unterhalt nichts was übrig bleiben möchte, wie ich dann auch die Mühlen 
ruiniret. — Ea sein diese Tage her etliche Pohlen und Samayten über 
die Grenze in hiesiges Ambt eingefallen'), alda den Unterthanen grosse 
Insolentien zugefüget, dieselbe beraubet und geplündert, und als ich mich 
deafalls beim H, Grossfeldherru Pacen beschweret, hat er 10 von den- 
selben, so ertappet, hencken und todtschiessen, auch den Unterthanen das, 
was ihnen genommen, restituiren lassen. 

P. S. Meine Kundschafter, welche ich hinausgcschicket, des Feinde:: 
Marsch zu observiren, kommen zurücke und berichten, dass sie ihre 
Vorwachten eine halbe Meile von hier angetroifen, den Weg nach Polangen 
hin, und kaum ihnen entkommen können*). 



Der Kurfürst an die Preiissische Regierung. D. Wrangelsburg 
17./7. November 1678. (K.) 

[Weilare TruppenäBodung. Absitlit aelbst zu folgen. Unterhalt der Truppen.] 

Er gedenkt den nach Prcussen gescliickteo Kegimentern *) in eigener Person 
mit der ganzen Armee zu folgen, hat dein llofmarschall v. Canitz befohlen, 
den Fourierzettel bei Zeiten voranzuschicken. 



I) S. oben S. 50. 

>) Vgl. oben S. 56. 

') Vgl. die Nachscbria zu Dönhoffs Bericht an den Herzog von Croj tod 
demselben Tage bei v. d. Oelsnitz, Gesch. des K. preussiscben erstea Inbnterie- 
regimentB, S. 163. 

*) S. oben S. 51. An den Herzog t. Cro? schreibt Kf. an demselbeD Tage 
er schicke zwei Regimenter zu Fiua, das Barfusssche (frülier Dohoascbe) und Hol- 



oyGooi^lc 



Di« Schweden bei Hemel. 59 

Uod weileD uns voll wissend, dass die gaoze Armee aldorten 
uDmoglich mit Uaterhalt veräehen werden kann, als werden wir die 
Anstalt machen, damit die andern Regimenter von hier aus ihre Ver- 
pflegung bekommen mögen. — 



Herzog E. B. von Croy an den Kurfiii-sten. D. Königsberg 

I2./22. November 1678. 

[Brand von Hemel, Bewegungen des Feindes. Hulfsgeauch so Pac] 

— Beklage von Herzen, dass deroselben diesmal die traurige Zeitung« '^i- Nm 
von Einäscherunge der Stadt Mümmel berichten muss, welche ver- 
gaogeoen Freitages durch das vom Feinde in der Vorstadt angezündete 
Feuer, so bei dem damaifgea starken Sturm in die Stadt geschlagen, 
leider in Rauch aufgangen bis auf eine, die Ledergasse genannt, wie 
Ew. Dchl. solches nebst allen Umbständen aus der Copey des H. Grafen 
Dönhoff desfalls abgestatteten Relation^) ersehen werden. Damals 
hat der Feind noch nichts auf die Festange tentieret gehabt, auch nicht 
den Sonnabend bis Klock 6 oder 7 Abends, da der Graf einen Leutnant 
an mich abgefertiget. Selbiger aber hat die Nacht darauf wieder gross 
Feuer dorthin gesehen, weiss aber nicht, was es gewesen. — Er berichtet, 
dass der Feind über eine Brücke eine halbe Meile von der Mümmell, so er 
wieder gebanet, viele Bagage und Stücke übergehen lassen, auch einige 
Compagnien Pferde, so vennuthlich die avantguarde sein und ihren 
Marsch nach Tilsit wärts genommen haben wird, dass also die ganze 
.\rmee darhin well folgen durfte. Unsere aldar stehende Leute werden 
wohl ihr Bestes thun, dem Feinde den Pass zu disputieren, sie seind 
aber solcher Macht, wie schun oft gedacht, zu wiederstehen nicht bastant. — 
Insonderheit würde all ihr Thun wegen Abhaltunge der feindlichen Macht 

»iieiasc'he zu Wasser naeb Pillau. Der Tranaport zu Wasser sei gebeirn zu halten, 
damit niobt die Schwellen Kriegsschifle oder Kaper gegen sie ausscbiclilen. Da er 
jetzt ganz freie Binde in Pommern habe, so werde er Preusseo nicht verlassen, 
sondern, sobald er hier alles in Rkbtigkeit gebracht habe, selbst mit dem besten 
Theil seiner Armee dorthin folgen. Ausser jenen beiden Regimentern zu Flibs »andte 
Kf. auch das CaTallerieregiement des Landgrafen von Homburg nach Preussen 
voraus, s. Hirsch S. 51. 

1) Fehlt. Das Schreiben des Amtshauptmanns von Uemel L. v. Noide an Sf. 
Tom 20. .November I67S s. bei Hirsch S. 52 Anm. 2. 



oyGooi^lc 



60 I- Eriegsereignisse 1676—1079. 

vergeblich sein, wenn der Mümmelstrom und die Rasse zufrierou sollten, 
wie denn dazu grosse Apparenz gewesen, da des Obersten Hobadorffs 
Bei'icht nach das Grundeis schon gar stark gegangen. Änf welchen Fall, 
umb nicht von uns abgeschnitten zu werden, er sich mit seinen Leuten 
Ew. Dchl. gnädigsten und von mir ihm schon öfters kund gemachten 
Ordre nach, er sich näher an Samland würde ziehen müssen. So gestalten 
Sachen nach und da auf den Generalaufbot oder auch Ausschuss, welchen 
die Stände zu resolvieren jetxand im Werk begrifTen, schlechtes faoit 
zu machen, habe ich resolvieren mflsseu an den Gr. Feldb. P. so, wie 
beiliegende Copey') ausweiset, zu schreiben, und die von ihm getfaane 
eiferte, davon biebevor gemeldet, zu acceptieren, hoffend Ew. Dchl. solches 
nicht übel vermerken werden, da Sie in dero Schreiben an denselben selbst 
die conjunctionen armorum mit ihme dem Gen. Lieut. Gortzken anbe- 
fohleu zu haben erwähnet. Von desselbigen Anuäherunge höre ich noch 
nichtes, hoffe aber ja morgen bei der Post etwas davon zn vernehmen. 

Freiherr v. Hoverbeck wÜI heute nach dem Köuigl. Hof abreisen, hoffent- 
lich wird auch Besä diese Woche nach Moskau aufbrechen. 

Gleich als ich schliessen will, kommt noch die Mümmelsche Post, hat 
auf der Nehrunge nichtx Feindliches vermerket, auch hat der Feind auf 
die Festung bis dahin noch nichts tentieret, nur dass das Fischerdorf 
die Vitte von ihnen eingeäschert, so das Feuer gewesen, das der Lcutc- 
nant gesehen. 



Die Preussische Regierung an den Kurfilrsten D. Königsberg; 
2r)./15. November 1678. 

[Neue Forderuugeo des Kf. [lawillen der Stnude.] 

Auf Gruud des llescripts vom 7. /IT. Nnvciuber haben sie*) den Ständen 
ganz andere Propositionen thnn müssen, nSmlicli auf ij500 Mann sofort monat- 
lich vom 1. November an 35 789 Thaler zur Verpflegung boizuschaffcn und 
dazu, sowie zu dem Magazin S Fl. oder 45 Gr. monatlich von der Hube aus- 
zuschreiben. 

Was für Furcht, Consteruation und Betrübnis darüber bei den 
Ständen sich ereignet, dass sie solchergestalt, da sie ganz willig ihr Leib 



') Febll; vgl. oben S. 53 u. 56. 

") Vgl. Y. Baciko V, S. 47-2, v. Orlich 1, S. 3S5, Hitacb S. 56f., jetrt auch 
Urk. u. Akl. XVI, 2, S. 856 t. 



oyGooi^lc 



Zust&nde in Prensseu. gl 

uod Leben bei E. Ghf. D. aufeusetzen und auch alles beizubriagen, was 
in ihren Kräften beruhet, freiwillig entschlossen, sie dennoch durch die 
ungewitligte unerträgliche Hubencontributiou zu Grund gebracht werden 
soUen, das können wir nicht leicht mit genügsamer Wehmuth beschreiben. 
Sie haben die Stände in5glicbst zufrieden gestellt und Tertangty dass sie 
jetzt voran nar aaf zwei MoDat bedacht sein and die Mittel schleunig aufbringen 
sollen, damit die detachierten Regimenter, sobald sie an der Weichsel ankommen, 
mit Geld Tersehen werden können, wegen des nbngen würde Kf. ihnen zur 
Deliberation Zeit lassen. Dadurch sind sie bewogen worden, wieder zusammen- 
zatreten, und wollen wom5gHch heute sich über die Willigung einigen, da Jetzt 
\tei Anknoft der Truppen der Ausscbuss nicht nSthig sein wird. 



Graf F. G. V. Dönhoff an den Kurfürsten. D. MOmmell 

27. November 1678. 

[Oeffnung der Briefe. Abmarsch der Schweden. Stimmung im schwedischen Heere.] 

Des Ef. Befehl zu Folgo bat er die hieher gebrachten kur- und llefiän- 27. Nov. 
Uischen Briefe erötFoet, bisher aber darin nichia von auswärtigen Correspondenzen, 
das Interesse des Kf. betreffend, gefunden. Die Schweden sind') ehegestcrn, 
nachdem sie 3 Tage bei Prükuls gestanden, aafgebrochen, haben zwei Brücken 
über die Hinge geschlagen und sind gegen Tilsit hin marschiert. Sie sollen 
sich beklagen, dass durch Ansteckung der Vorstädte auch die Stadt abgebraunt 
ist, wo sie sich hätten festsetzen, Lehensmittel finden und die Festung attaquieren 
können. Es soll ihnen auch bei diesem Marscii nicht wohl zu Muth sein, sie 
sollen vorgeben, derselbe müsste vor sich gehen, wenn sie auch alle um die 
HSIse kommen sollten.') 

Heute wird er die Stöcke wegen glücklicher Eroberung von Oreifswald von 
der ganzen Festung herum abfeuern lassen. 

') S. Hirsch S. .52 f. 

T) Graf Dönhoff hatte am 23. November dem Ef. gemeldst, eine von ihm bus- 
geschickte Partei hätte vier Gefangene zurückgebracht, dieselben gäben vor Hunger 
und Kummer so jämmerlich aus, dass er dergleichen sein Lebtag nie geaehen, ,sie 
künnen die Kungersnoih recht eigentlich repraeseatiren," vgl. auch dessen Schreiben 
Ui V. d. Oelsnilz S. 1G3. 



oyGooi^lc 



62 1. Kriegsoreignisse 1676—1679. 

J. E. V. Görtzke an den Statthalter und die Oberräthe des 

Herzogthums Preussen. 

D. Marienwerder 21. November/ 1. December 1678. (K.) 

[Ueber^Dff über die Waicbsel. WoilennsrBch.] 

Er ist gestern um 'S Vhr Nachmittag an der Weichsel angelangt und 
hat von der Zeit an die ganze Nacht hindurch die Regimenter, auch hente 

bis i Uhr Nachmittag den Rest aller Bagage übergebracht. Er will die Regi- 
menter, soviel der Pferde Er&fte austragen Icönnen, schleunigst avancieren lassen. 
Dass er bisher den Marsch niüglichst beschleunigt hat, können ihm der Oberst 
Grüben und die Kommissarien bezeugen, morgen müssen die Uegimenter iioum- 
gängiich ruhen und sich sammeln, übermorgen aber wird er den Marsch fort- 
setzen. Commandierte Truppen nach ihrem Vorschlag vom 26. November voraus- 
znscbiclieii, verhindert die Mattigkeit der Pferde; es würde auch, wenn die 
Estandarten mit den Pauken bloss nacligeführt würden, einen üblen Ruf geben. 
Behufs Beschleunigung des Marsches und damit keine Excesse und Disordres 
vorgehen, wird er selbst bei den Truppen bleiben. 



Die Pi-eussische Regierung an den Kurfürsten. D. Königsberg 
6. December 1678. (K.) 

[Kückzug des Landau fgebots von der Ruas. Comnandanlur iu Königsberg.] 

6. Dec. Nachdem die ganze schwedische Armee sich am 3. gegen der Louisen- 

schanze an der Russe eingefunden und durch heftiges Canonieren die daselbst 
befindlichen Landvölker genothigt, sich diesseits der Gilge, wo ihre Stücke 
stehen, zu letirieren, fürchten sie, dass der Feind durchdringen und die Flüsse 
passieren wird. 

Für die Defension von Königsberg haben sie, da Oberst Nettelhorst 
wegen Weitläufigkeit der Städte der Commandantur allein nicht vorstehen kann, 
ihm den Obentlieatenant Schlewitz zugeordnet. 



oyGooi^lc 



Üebergiug d«r Schweden über die Mencil. g3 

Dieselben an den Kurfürsten. 
D. Königsberg 9. December 1678. (K.) 

[Ueberguig der Schweden nach Euckernese. Rückzug des L&odaufgehots. Ankunft 
Görtzke's.] 

Die LandvQlker siod') durch daa heftige Kanonieren des Feindes, welcher 9. Dbc 
seine Stücke za desto mehrerem Effect auf die Höhe gebracht, gezwangen worden, 
sich von der Rnss zu retirieren, der Feind hat darauf diesen Fluss der Lonisen- 
<chanze gegenüber Sberschritten und sich in dem schönen Lande Kuckernese und 
der Ends in der Niederung postiert. Die noch zusammengebliebenen Landvölker 
unter Ilohndorf nnd Canitz haben sich ihrer Instruction gemäss, um nicht 
von hier abgeschnitten zu werden, in guter Ordnung nebst allen bei sich habenden 
Stücken bis Taplacken retiriert Göttzke ist gestern Nachmittag angelaugt, 
sie werden ihm an Hand gehen und die zurückgegangenen Dienstpflichtigen 
wieder zusammen za rufen sich bemühen. 



Herzog E. B. von Croy an den KurfÜreten. D. Königsberg 
29. November/ 9. December 1678. 

[RöcLrug des Landaufgebots von der Herne]. Ankunft Qörtzke's. Gerüchte von dar 
Einnahme Tilsits und Ragnits.} 

— werdsD dieselbige aus meinem letzten*) gehorsambsten ersehen 9 
haben, dass unsere an der Mümmell und Rüsae gestandenen Leute wegen 
schlechten Verhaltens der Wildnissbereiter nnd giit«n Theils der Dienst- 
pflichtigen die Ströme quitieren und sich retirieren müssen. Die Ur- 
sache und Umbstända dieser schlechten Action werden G. Dchl. aus 
denen schon überechicketen und jetzt einkommenden Relationen') des 
Obristen Hohndorff zu ersehen haben. — 

>) 8. Hirsch S.58f., Jihna S. 21. 

>) Fehlt. 

>) Beiliegend >«oi Schreiben Hohndorff's an den Heraog von Cro j. In dem 
ersten (d. Scbilkogen 5. December 1618], das auf einen Beriebt vom Abend des 
3. Dee. Bezug nimnit, berichtet er: .dass die Jäger, so Ew. F. On. uns ein sonder- 
licbcB mit denselben zu verrichten zugegeben, am ersten die Posten verlassen und 
fthae Ordre aus den Laufgr&ben, die wir gemachet, weggelaufen, da doch H. Obristet 
TonSanitz, H. Oberst). Truchses und viel andere mehr sie vertröstet auf di« 
Nicbt abzuführen, js es ist der Wildniss bereiter KÜnig zu denselben vor einen 



oyGooi^lc 



64 I. Kriegserejgntase 1676— 1679. 

Es ist wohl hoch zu beklagen, dass sich die geoaDDten Leute so 
schlecht gehalten und dadurch dem Feind Raum und Gel^enheit gegeben, 
über die Russe zu gehen und den fetten Ort umb Kuckernässe einzu- 
nehmen, dar sie sich sehr erholen und die verhungerten Leute und Pferde 
recruitjren werden, die sonst im schlechten Stande gewesen, so gar dass 
auch viele unter ihnen erkranket. — Das beste bei diesem Unglück ist 
dieses, dass unsere Leute gar weinig an Mannschaft (ohne was durch- 
gangen ist) verloren und mit Stücken und allem glücklich sich rettneret, 
stehen jetzo bei Taplaken und werden sich auf allen Fall auf Velaw 
und Tapiaw ziehen. Alles nach ordre und Gutfinden des Gen. Leut. 
Görtzken, so gestern vor seine Person alhier angelanget, und werden 
wir uns heute unterreden, was wir weiteres zu thuu mit denen mit ihm 
gekommenen Regimentern, wenn sie sich ein Tag oder zwei in den 
Quartieren, darin sie gestern ankommen, werden ausgeruhet haben. — 
Es ist zwar dieser Tage alhier ein Ruf gewesen, als hätte der Feind 
Tilsit und Ragnit schon eingenommen, ist aber noch nichts daran, denn 



Lieutn. vorgestellet mm H. Major TabUu kommen, aprechande, es b&tte der H. 
Obmte von Kaniti befohleu, dass er die Posten Tarlassen und sich zurScko reie- 
riren sollte, da doch 11. ObrJsler von Kanitz gimicht dLiran gedacht, uod sind viel, 
ja die meisten weggelaufen, so dass ich auch nicht vom geringsten, so unterm 
Commendo H, Oberforstmeister von Halle gestanden, weiss, ausser einigen wenigen 
Natangschon und Oberländischen, die ich noch bei mir habe, wiewoll wir «war den 
Ort noch 24 auch mehr Stunden halten können, so hätten wir doch, wenn gleich wir 
so eine Quantität geworbene Leute als diese bei uns gehabt, unmüglich den Ort 
' mainteniren können, indem der Feind seine Stücke an solchen Ort gepflanzet, dass 
er uns, die wir im flachen Felde und weder mit Reuterei an den Ort, da der Feind 
Pasli) gefasset, neu es zwischen den faulen Graben, noch unsere Stüclie überbringeo, 
ganz beschieasen kÜDDen, und wollten lieber todt sein, als solche Leute l^ger 
com mend Iren, denn wenn maD den Leuten eines befohlen, haben sie das ander ge- 
than- Derenwegen wir uns laut unserer Ordre, weil wir den Strom nicht länger 
defendiren können, zurücke ziehen und gestern Abend alhier ankommen, beute werden 
wir zu Paweniscbken und morgen zu Tapeliken, alda wir unsere Pferde, die zimblich 
diese Tage abgemattet, ruhen lassen möchten, auch fernere Ordre — von Ew. F. Gn. 
erwarten werden. Indessen hoffe, dass 11. Gen. Görtzky kommen werde, unterthänigst 
bittende, Ew. F. Gn. geruhen gnädig, wenn ich diese Völker an den Ort, wo Ew. F. 
Gn. dieselbe haben wollen, gestellet, meine Dimission haben möchte, denn ich uu- 
müglichen, wo ich nicht gar »u Schand und Spott worden will, linger bei denselben 
bleiben kann*. — 

In dem zweiten (d. Szkayszker 6. December 1678) wiederholt er diese Klagen 
über seine Leute und berichtet, dass er gestern hier angekommen sei und heute 
nach Wehlau zu weiterziehen wolle, um sich um Wehlau und Taplacken festiuselien. 
S. die schwedischen Berichte über diese Vorgänge Diar. Europ. XXXIX, S. 334, 
und Kystedt a. a. 0. S. 449. 



oyGooi^lc 



Deberg&ng der Schweden über die Memel. Zustände in freusseo. 65 

di« heat vou Wilde gekommene Post uichtes darvoa weiss, Tikit aber 
aU eia ofTeDer Ort wird sich wohl nicht haltea können, welches doch 
von dem Schlosse zu Ragnit hoffe. ') — 



Herzog E. B. von Croy an den Kurfürsten. D. Königsberg 
l./ll. December 1678. 

[GefahrToller Zustand Prsussena. GörUke's Absiebten. Schtecbter Vertheidigungs- 
iiusund Königsbergs, lieble Slimmung im Lande.] 

— In waa Stande er [Görtzke] nun unsere schlechte Verfassauge al- i 
hier gefunden, solches hat er nöthig erachtet Ew. Dcbt. durch einen Ex- 
pressen, und zwar kegenwärtigen Cavallier, H. Major Rekken, ausführlich 
vorzuätellen — und ists au dem, gnädigster Herr, dass der Zustand al- 
hier Ew. Dchl. von dem H. Gen. Leutn. nicht so schlecht und gefähr- 
lich vorgestellet werden kann, dass er in der That und Wahrheit uicht 
noch schlechter und gefahrlicher sein sollte. Unsere Landesmiliz ist in 
so geringer Anzahl, wie Ew. Dchl. aus beigelegter Liste*), so die letzte, 
die mir der Obriate Hohndorff zugesandt, ersehen werden, und ist über 
(las auf selbige sich im geringsten nicht zu verlassen, wie aus ihrem 
schlechten Verhalten an der Russe neulich erhellet. 

Gürtzke gedenkt mit seinen Truppen heute oder morgen fortzugeben und 
Am Pregel Posto zu fassen, ob dieses aber reüssieren wird, stellt dahin. Sollte, 
wie es scheint, Frost einbrechen und der Feind dann über Eis auf Satnland zu 
gehen, so würde er sich zu Defensioo dieser Stadt zurückzielicn müssen. 

Wie schlechte Apparenz aber auch zu gedachter Defensiou alhier 
vorhanden, stehet uicht zu beschreiben. Die Werke seind schlecht und 
verfallen, wie weitläufig dieselbige, ist Ew. Dchl. bekannt, die Bürger- 
Hchaft ist fast zu nichtes zu bringen, haben ihre Roullen zwar übergeben, 
sein aber au Mannschaft so geringe, dass man sicbs nicht vermuthen 
sollte, zudem ungeübt und unbändig, wollen nicht Ordre pariren, sagen 
auch, dass sie wenig Kraut und Lot haben, wiewohl ihnen solches an- 
zuschaffen öfters anbefohlen worden. In summa, aus diesem allen ist 
leicht zu urtheilen, dass sie schlechte Lust und Willen haben, sich zu 

■) Siehe über die Einnabme von Tilsit am 9. und von Kagnit am 12. December 
Birach S. 61 f., Jahns S. 21. 

») S. die Liste bei t. d. Oelsniti S. 164. 
Mater. ». Goieh. d. G. Knrfarsteu. XVUL 5 



oyGooi^lc 



0(i I- Kriegsereignisso IGlC-lfiTü. 

wehivD. Die mit 11. Gen. Leutn. Görtzke commeudirte iDfanteri« 
kompt zwar lieian, kann aber zu einem ao grossen Defccsionswerk nicht 
suTficient sein. Die beiden anmarchirendeu Regimenter seind noch nicht 
über die Weisel, stehet aach dabin, ob sie dieselbige ungehindert passiren 
werden, ä&ss also zuer Resistenz schlechte Hoffnung zu machen. Wie 
nun bei dem allen mir zu Mutbe seic, können Ew. Dcbl. leicht erachten, 
da mir auch bekannt, dass in dem Lande, auch hiesigen Städten viele 
böse Humores' und der Feind die Gemiither an sich zu ziehen keine List 
noch Künste sparen wird, wie denn die gemeinen Leute jenseit der 
Russen und Mümmell bei ihnen zu Hause bleiben und ihnen alle Zu- 
fuhr und Zuschub thuen. Sollte über VerbolTen Pohleu mit ins Spie] 
kommen, würde Ew. Dchl. hiesiger Staat apparentlich ganz verloren 
gehen, wo Gott nicht sonderlich hilfet. Umb des willen Ew. Dchl. noch- 
mals gehorsambst bitte, dieses dero gute Land und mich und andere 
darin seinde treue Diener nicht zu lassen. — 



Die Preussische Reffiemiig an den Kurfürsten. D. Königsberg 
13./3. Decc'inber 1678. 

[Zustaiiii rles I^ndaufgebotes. Anstalten zur Sicherung Küiiigsbergs. Verpflegung 
der Truppen.] 

:. Die Landvölker sind in sehr schlechtem Zustande. Sie hätten weht ge- 

wünscht, dass Kf, nach ihrem Vorschlage') dieselben hiebevor in St&nd setzen, 
ihnen Officiere vorsetzen und die gcwülinlichen Nachtgelder hätte verordnen 
lassen. Jetzt sind die Leute erst jüngst in aller Kile zusammengerafft worden 
und haben in solcher Geschwindigkeit nicht zum Kriege tauglich gemacht werden 
können. Da zur Vertheidiguiig Königsbergs auf Gutfinden Görtzke's mehr 
Leute vonnöthen sind, so haben sie in den nüchsl gelegenen Aemtern den Adel 
nebst aller nur aufzubringenden Mannschaft verschrieben. GBrtzke wird auch 
die von den Landvölkern, die er zum Dienst bei ihm nicht tüchtig finden wird, 
hiehcr schicken. Zu Verpflegung der von Kf. hereingeschickten Regimenter 
haben sie die Stände gegen den 20. betagt. Da es unmöglich sein dürfte, au 
Geld das uütbige Quantum zusammenzubringen, so werden sie sich bemühen, 
die Stände zu bewegen, was sie an Geld nicht aufbringen, an Getreide zu liefern. 

') S. über die vJedetholteD Vorschläge der ßegieruug negeu Einrichtung der 
I.andesderension und die fortgeaetite Ablabaung derselben durch den Kf. Hirsch 
S. Gff.. Uir., a-J, 2(1, 29. 



oyGooi^lc 



Scbl«chler Verthei(ligun([s zu stand Pieussena. Aufbruch OÖrtake' 



Wegen der noch erwarteten Völker hoffen sie, dass es Kf. bei seiner früheren 
Resolution') bewenden und dieselben von draussen verpflegen lassen werde. 



Herzog E. B. von Croy an den KurfQi-sten. D. Königsberg 
3./13. December 1678. 

[Aufbmch Oörteke's. Fall von TiUil. Beunrubigende Nachrichten aus Polen.] 

— Istgestern Montags der H. Geo. Leutenant') mit seinen hierumbgö- '3. Dec. 
standenen Regimenter auigebrocbeD und seiaeo Marsch jenseit des Pregels 
nach Velaw wärta genommen, welcher Endes den Obristen Hohndorff 
mit seinen noch übrigen Trouppea antreffen wird. Was nun weitera 
der H. Gen. Leutenant mit den gesamten Trouppen vornehmen wird, hat 
er, bis er die HohndorJIIschen an sich gezogen, zu resolvireo auagesetzet. 
Zwar wai er wohl anfangs willens, höher hinauf nach Insterburg wärts 
za geben und sich daselbst za setzen, weiss aber nicht, ob er noch dar- 
be! bleiben werde, weil gesteru gewisse Nachricht eingelaufen, dass der 
Feind die Stadt und das Schloss Tilsit schon eingenommen uad besetzet, 
und so gestalten Umständen Dach wohl zu befahren, dass wir ehists von 
Ragnit dergleichen Zeitunge haben werden. — So hat es auch etzliche 
Nachte sehr hart gefroren, dass die Strome schon zu stehen beginnen, 
welches dann leichtlicb dem Feinde nene Desseine zu machen Anlass 
geben könnte. 

Die commendirten Musquetiere, so der H. Gen. Leut. Görtzke mit 
ins Land gebracht,') seind noch nicht hier, ich vermuthe sie aber heute 
oder morgen, wann nur nicht der die Nacht gefallene Schnee sie etwan 
verbindert, welches auch wohl von dem Marsch der beiden unterm 
Commendo des Gen. Maj, Heningks folgenden') Regimenter zu be- 
fahren. Gott gebe nur, dass sie von den Bethunischen Völkern keine 
Behinderunge leiden. Zwar höret man noch nicht, dass sie sich rühren, 
sollen aber alle Stunde zum Marsch parat zu sein Ordre haben und 

') S. oben S. 59. 
^ T, Oürlike. 

*) S. Hirsch S. 64. Am 16. Deeomber meldet der Herzog dem Kf., dass die- 
selben angekomnien und in den Voratidten von Königsberg einquartiert seien. 
*} S. Hirsch S. 51. 



oyGooi^lc 



68 ■ I- Kriegaereignisse 167G— 1679. 

von DaDzigk wird bei letzter Poat vor gewiss gemeldet, ') dass Graf 
Carlsohn') ihnen als General vorgeatellet worden, so wohl etwas wich- 
tiges auf sich haben mnss. So will auch verlauten, als wenn umb Thora 
von denen aus Hungern gekommenen Völkern sieb einige gesamblet, umb 
sich ingesambt mit der schwedischen Armee zu conjungiren, wie denn 
auch aus denen vom H. Grafen Dönhoff eröffneten Schreiben — -zu ersehen. 
Zwar sollte man hoffen, dass vor dem Schluss des Reichstages, der umb 
diese Zeit augehen soll, nicht gefährliches aus Pohleo zu besorgen sein 
sollte, es ist aber doch nicht zu trauen und werden Ew. Dchl. auf die 
CoDservation und Rettunge dieses dero guten Landes mittels kräftiger 
und scbleunigstei' Assistenz in Gnaden bedacht sein. — 



Der KurfQret an die Preussische Regierung. D. Cöln 
an der Spree 6./16. December 1678. 

[Auf die Relation vom 9. December. AoordnuDg einer üateraiichun^ wegen des Rück- 
zuges des Land Aufgebots.] 

— Wie wir nun mit unserem höchsten und sonderbarem Missfallen 
daraus vernommen, was gestalt die dortige Landesvölker auf Annäherung 
des Feindes ihren Post zu unserm merklichen Präjudiz und des Landes 
unwiederbringlichen Schaden verlassen und sich rettriret, also haben wir 
unserm General -Lieutenant, dem von Görtzken, gnädigst anbefohlen, das- 
jenige, was bei dieser rencontre vorgegangen, ümbständlich zu unter- 
suchen und uns davon pllichtmässigen Bericht abzustatten, da wir dann 
die Schuldigen gebührend und der Schärfe nach abstrafen lassen wollen.') 
Indessen haben Ew. Ld. und Ihr mit allem Fleiss nebst besagtem General- 
Lieutenant, dem von Görtzke, daran zu sein, dass die zurückgegangene 
Mannschaft wieder zusammen gebracht werde und ilim darunter wie 
auch was sonsten des Landes Besten erfordert, in allem an Hand tu 
gehen. — 

') Vgl. Diar. Europ. SXXIX S. 23. 

>) Grat Gusta» Csrlsobn, der Datürliche Sohn König KarU X. GusUt. 

') S, über die auf Grund dieses Befehls, aber erst später lorgenommenen 

Uulersucbungen und Bestrafungen Hirsch S. 109 f., Urli. u.Akt. XVI, 2, S.888ff. 



oyGooi^lc 



Anordnung einer Untersuchung. Änküutliguiig der Ankunft des Kf. 69 

Der Kurförst an den General-Lieutenant v. Görtzke. 

D. Cöln 6./16. December 1678. 

[Anköadigung seines bevorstehe öden ÄufbrucbE nacb Preussen. Verhaltungsbefable.] 

Wir gebeo Euch hiemit in Gnaden zn veruefameu, wie dass wir nu- 16. Dec. 
mehro Ordre ertheilet, ') dasa der grossester Theil unserer Armee nacher 
Preussen marchiren solle, gestalt dann die Regimenter schon wirklich 
im marcfae begrifTen seiu, und dasa wir, sobalde nur die Armee Stettin 
wird passiret, in Persoo uns bei derselben einfinden und mitgeben wollen. 
Intzwischen haben wir das gnädigste Vertrauea zue Euch, Ihr werdet 
oach aller Möglichkeit verhüten helfen, dass der Feind bis zue unserer 
Ankunft nicht weiter einbreche oder einige advantages bekomme, sondern 
dass man vielemehr demselben allen möglichsten Abbruch thue, worunter 
Euch dann des Hertüogen von Croy Ld. wie auch unsere Ober Räthe 
vcrhoffentlicb höchsteu Fleisses assistiren werden. Die beiden Gross - 
Feldherren, sowohl der Crone als Litthauischer, haben sich insonderheit 
zu allem guten erboten, wcsshalb Ihr fleissig mit ihnen zu correspon- 
diren, auch Hülfe und Assistenz und dass sie sich mit Euch conjungiren 
wollen, bei denselben zu suchen habet. Alles, was passiret, habet Ihr 
unnachlässig zu berichten.') — 

') S. das Tagebncb D. S. t. ßucb's, berausg. v. Kessel 4./I4. December 167S 
(II S. 110), Relation dessen etc. S. 9ff. Vgl. HirscbS. 76 f., Jäbns S. 2'2. 

^ Ganz äbnlicb schreibt Kf. an demselben Tage an den Herzog v. Crojr (das 
PS. zu diesem Scbreiben s. bei ». Orlich III, S. 297). An die Preussische Re- 
gierung schreibt Kf. 9./19. December, er gedenke in neu:geii Tagen aufiubrecben, 
and «eist sie an, damit es ihm und seiner Armee nicht ao LebeDsmitteln fehle, 
alles Getreide und Fourage vom Lande nach Königsberg bringen, auch das Schioss 
reinigen und alles so einrichten m lassen, dass er nebst seinem Hofstaat 'dort 
liigiCTeD könne. Am 23. December scbreibl er an ebeudieselbu, sie hätten nun er- 
fahren, aas es dem Feinde für Vorthoil, dem Lande aber für Ungelegenheit bereite, 
tJasi nicht seinen oftmaligen Befehlen gemäss die übrigen Lebensmittel von Tilsit 
und iDderen Orten bei Zeiten forlgescbalTt seien, sie sollten alle», was auf den nach 
dem Feinde wärts gelegenen Aemtern an Korn, Saiz, anderen Viclualien und Fouraga 
nocb übrig sei, fortscbaffen, oder wenn das so geschwinde nicht möglich sei, ver- 
bteonen oder ius Wasser werfen lassen. 



oyGooi^lc 



70 I- Kriegscreignisse 1676—1679. 

J. E. V. Görtzke an den Kurfürsten. D. Peterswalrte^) 
12./22. December 1678.=) 

[Sein Marsch. Stellung und Verhaltet) des Feiodes. GefShrlicber ZtisUnd de^ 

Landes. Bitte, noch einen böberen Ofücier zu senden. Besorgnisse ijfegen der an- 

marschiBrenden Truppen.] 

. I>ee. E. Chf. D. Goadigstes'; Witstock von 29. Novembr., darin Sie un- 

gnädig empfinden, dass Sie in zwei Posten keine Briefe von meiner Wenig- 
keit erhalten, auch dass ich meinen Marche beschleunigen hoII, habe 
gleich itzo in unterthänigsten Respect erhalten, und berichte ganz unter- 
thänigüt, dasa ich bis an Marienwerder, von wo ich den letzten unter- 
thänigsten Bericht meines Marchs halb und was vorgegangen abgestattet, 
und [sie!] habe auch Heissig geschrieben, dass aber die Deambte die 
Schreiben vei'säumen, wie Sie dann E. Chf. 1). eigene Ordre und Be- 
fehlige, wie ich von Marienwerder aus unterthänigst berichtet habe, liegen 
lassen, als lebe ich der unterthänigsten Hoffnung, E. Chf. U. werden 
der Beambten Schuld mir nicht zu eignen^ wegen Beschleunigu-ng des 
Marchs habe ich von Neuen Stettin aus bis Königsberg nur einen Tag 
geruhet und solches wegen der Uebcrsetzung, auch jedes Tages 4 5 bis 
sechstehalb Meile marchiret, seider Königsberg habe ich fleissig ge- 
schrieben, wie in allen unterthänigsten Berichten die Specification ') 
zeiget. Der Feind stehet zwischen Kagnit und Tilsit, Rugnit hat nach 
gegründeter Information schlechte Gegenwehr gethan, der Feind hält sich 
SD zusammen, dass kein Mann vor den Wachten hcrauskompt, und lassen 
sich die kleinen Parteyeu so angelegen sein, wie sie immer wollen, so 
ist einet) zu ertappen ein Glück. Die Lithauer thun dem Feind eiferige 
Zufuhr und suchen hervor was sie in den Wäldern begraben und immer 
eründen können, das schleppen sie ihm zu und vcrkuiidrichaften und 
venathen unsere Partheyen, wo sie sich nur blicken lassen, weisen dem 
Feind Wege und Stege und laufen so embsig auf Kundschal), als wann 
sie ehrlich daran thäten, im Gegeotheil seind sie gegen E. Chf. D. wieder- 
setzlich und suchen allerhand Ausflüchte, Beitrag zu thun. der Feind 
lässt sich verlauten, dass er versichert, von Königsberg keinen Widerstand zQ 



■] südlich Ton Wehlau. 

*) Zum grossen Theil in ZilTern. 

>) fehlt. 

<} Diese Relation ist die fänfte, die TOrherg eben den fehlen in den Aklen. 



oyGooi^lc 



Oörtike's Uarscb. Debler ZusUud iu Preusseii. 7 1 

finden, es muss Gott und der Zeit anheim gestellet »ein. luh hoffe, der 
Major Reck') wird bei E. Ghf. D. aagelanget und alles ausführlich be- 
richtet haben, der Zustand ist schlechter und gefährlicher, als er vor^ 
getragen werden kann, wie ich solches auch in meinen unterschiedenen 
UQterthänifpjten pilichtmüsstg berichtet, hoffe, 8. Fürstl. On. von Croy 
werden was Statsacben sein und wie solche zum guten Ausschlagen un- 
gewiss, untertfaänigst zu berichten nicht ermangeln. Ich stehe mit den 
Trouppen bei Wehlau und darf daher nach Insterburg und weiter nicht 
gehen, weiln der Feind den neuen und alten Weg auf Labiau zu dreien 
Malen stark recognosciret, dass ich von Königsberg nicht abgeschnitten. 
Ich kann dahero nicht thun, was ich billig thun sollte, weil Ich nur 
drauf sehen muse, den tzigen schlechten Zustand, dass er nicht gar über 
Haufen gehe, zu erhalten, bis dass Gott und E. Chf. I). das Werk auf 
einen bessern und gewissem Grund setzen, wozu Gott bald Rath und Hülfe 
geben wolle. Ich habe jüngst ausführlich gemeldet, dass auf den Besatz 
ilcr Ambtbäuser und auf das Landvolk, über welche die Officirer selbst 
gios.sc Klage führen, sich nicht zu verlassen, und kann bei solcher Ein- 
richtung, wie sie ist, besser nicht zu vermuthea sein, dahero ein eilige 
aachdi'ückliche Anstalt ohnmassgeblich hochnöthig. leb will alles, soviel 
io meinen kräncklichen Zustand, thun, so lang die wenige noch habende 
Kräfte mich nicht ganz verlassen und ein warmer Blutstropfen in meinem 
l.L'ibe ist, allein es ist nicht eines Menschen Werk, es wiire einer zu 
Künigsbcrg hochnöthig, als was sein kann, und hier kann ich auch nicht 
weg, and wenn ich wegen der harten Bekümmernisse und Arbeit übern 
Haufen gehen muss, besorge ich einen schlechten Zustand, weswegen ich 
vormals unterthänige Bitte angeleget, E. Chf D. einen zu senden oder 
gnädigst einen zu nennen und zu befehlen, wem ich das Commaudo in 
solchem Fall auftragen solle. Grosse Vorsorge ii^t meines wenigen £r- 
achtens vor die Festungen hochnöthig, damit sie nicht zu späte sei, 
*'^ea dieses und alles andere beziehe ich mich auf des Majors Recken 
aufgetragene Commission. — Der Oberstlieutenant Hut,'J welcher zu 
Königsberg in den Vorstädten stehet, schlaget immer ein Haufen Officirer 
vorzustellen vor, darüber ich doch noch zur Zeit keinen Befehl von 
E. Chf D. habe, wann sie aber so bleiben sollten, würde ohn massgeblich 

<} S. oben S. 65. 

*) Oberstlieuleaant Bernhard v. lluel, Befcliti^lmber der dem Corps GÜrtzku'» 
'ugehürigen , aus ManDSchaften der verschiedeuen Festungsgarnisonen lusammenge- 
»Utea lOOO Manu zu Fuss. S. oben S. 67. 



oyGooi^lc 



72 I- Kriogsereignisae 1676—1679. 

eine rechte EinrichtUDg ohne weitere Verzögerung nöthig sein. Dem 
Färstlicben Hombnrgischen R^iment wie auch den beiden R^imenterD 
Fassvolk ') habe ich entgegen geschrieben, sich voll vorzoseheo nnd 
ihren March Dach Königsberg aller Möglichkeit nach zu beschleinigeu, 
das Hombur^sche wird noch woU kommen, aber vor die beiden zu Fuas 
habe ich grosse Sorge.*) — 

PS. Auch berichte leb, dass die Ströme überall halten, dass der 
Feind, welcher noch bei Ragnit stehet, wenn er da ufbricht, unverhindert 
gehen kann, Gott verhiite in Gnaden, dass alle kommende Hülfe durcb 
Verlierung der Zeit das prästiren möge, was sonst hätte geschehen 
können. Wo die künftige kommende nicht vorsichtiger im March wie 
die bishero kommende getban, können sie leicht verunglücken. Was 
sich thnn lässt, werde ich bei meinem elenden schwachen Zustand nicht 
manquiren, allein es ist eines Menschen Werk nicht, es wäre einer, der 
Autorität und Wissenschaft hätte, üu Königsberg hoch nöthig, und hier 
kann ich nicht weg und kann wegen meines kranken Zustandes es allein 
nicht behaupten. 



J. E. V. (jörtzke an den Kurf'flrsten. D. Peterswalde 
bei Wehlaii 1G./2G. December 1078.") 

[Stellung und Haltung der Feinde. Anbringen eines Aligesaadteii Pac's. Die nii<:)i- 

kommendeD Regimenter. Unzuverlnssigkeit des Laudaufgebols. Beunruhigende Ge- 

rQchlo aus Polen.] 

2fi. Dec. E. Chf. D. berichte in gann unterthanigslen Gehorsamb, dass der 

Feind noch in Tilsit und bei Raguit in den negsfgelegenen Vorwercken 
und Dörfern enge zusatnmen stehet und ausser ihren Wachen niemand 
herauslassen und fressen sich da wieder aus. Unsere Partlieyen gehen 
rund ümb sie berumb und können doch selten von sie was ertappen, 
sie brachten gestern einen Regiinentsquarttermeister ein, die bei ihm ge- 

■) S. oben S. C7. 

>) Der Heriog v. Croy racldcl dem Kf. aus Künigsherg am 30. December, er 
hütte die beiden Itegimenler zu Fu^.s schau heule emartel, sie würden aber ersi 
morgen sakominen, dns Uom burgische z. Pf, werde gestern oder heute bei GÜrtike 
angelangt sein. 

') Ebenso wie auch die übrigen Relationen v. Oörtzke's zum grossen Tbeil 
in Ziffern. 



oyGooi^lc 



Stellung der S<;liwedeu. GÖrtzke's Besorgnisse. 73 

wesea, waren caputiret, er weiss wenig zu sageo, als daas sie sich aus- 
fressen und anf die BetliuDiache und aus Ungern kommende ihr HofTouag 
setzen, inmittelst ziehen sie Brücken hinter sich über den Memmeistrom. 
Der Herr Major vom Grossfeldherni Patzen Andreas Oltscher ist 
auch bei mir gewesen, brachte anstatt seines Herrn bei, wie dass er 
alles gethan, was er hätte thun köiineD, auch noch thun wollte, bäte, 
dass die Zeit nicht versäumet würde, und dass gute vorsorgliche Beob- 
achtung auf dem Reichstag sein möchte, waon Geld bei Zeiten da wäre, 
wollte er einige Leute von Tartern schaffen, beklagte dabei, dass die 
Zeit so verüiinmet und nicht u achdrück liehe Hülfe geschehe, dass die bei 
Tilsit und Ragnit Stehende geschlagen, so würden sich die andere wicder- 
wärtigo Gemüther ändern und der Ch urfürstliche Staat sicher und feste 
stehen. Ich habe alles aufs beste beantwortet und habe zu meiner Nachricht 
ihr Ffirstl. Gn. vou Croy Antwort auf dessen Beibringeu gewusst. Das 
Fürstl. Homburgische Regiment ist bei Königsberg angelanget, der Oberste 
droben von Marienwerder schreibet, dass die zu Fuss als gestern an 
der Weissei sein erwartet, ich habe dreimal geschrieben, dass sie ihren 
March vorsichtiglich auf das beste beschleunigen sollen, weiss nicht, wie 
es so langsam mit ihrem March zugehet. Der Oberstlieutenant Zitwitz 
niusj es billig verantworten, dass er ist von sie gegangen. Ich habe ihnen 
fiil Reuter von dem Landvolk, dass sie können von sich acbicken Nach- 
richt einzuholen, verordnet. Johanssburg, welches ganz verlassen und 
olfen gestanden, dass nur der Pörtner mit 4 alten Bauern zur Wache 
da gelassen, wie auch Tapiau hab ich besetzet mit wenigen Geworbenen 
und den dazu benöthigten Landvölkern, aber das Landvolk lassen sich 
über die Mauern und laufen so weg, dass auf sie im aller geringsten 
nichts zu verlassen. Das von E. Chf. D. mir gnadigst anbefohlene 
Kriegesrecht ') über die, so den Pass Russe verlassen, zu besetzen, kann 
ich daher nicht praestircn, weil die Wildnusbcreiter, Wahrten und I^and- 
volker, so solches gethan, ganz verlaufen und zerstreuet, auch besoi^tich, 
dsäs ich bei diesem gefährlichen Zustand, weil ich solches sehe, unver- 
sDlwortlichen Schaden und Unglück erwecken möchte, als bitte E. Chf, 
1'. onterthänigst, mir solche Verzögerung nicht ungnädig zu nehmen, 
dann ich muss nur alle meine Sinn und Gedanken darauf richten, dass 
ich den itzigen gefährlichen Zustand so erhalte, dass er nicht ubern 
Haufen gehe, wollte Gott alle kommende Regimenter hätten Adlersllügel 

■} S. oben S. 68. 



oyGooi^lc 



74 !• Kriegaereignisae 1676—1679. 

bald hier zu seiD, umb den bei Tihit stehenden Feind zu ruinireu, ehe 
und bevor es schwerer wie itzo fallen möchte, 120 Maon seind von 
denen Commendirten unterm Commaudo des Oberstlieutenants Hueten 
zu Marienwerder geblieben, wie auch 2 dreipfündige recht feine metallene 
Stücke uebst 2 Munition Karren, so ich mit aus Stettin genommen; über 
die neu erbaute Schanze ist ein grosser Allarm und eine übele Zufrieden- 
heit bei den Pohlen. — 

PS. Auch — berichte ich ganz unterthänigst, dass die Lithauschc 
Armee aus einander und in ihr Quartier gangen und nur 3 CompagnicD 
zu Bewahrung ihrer Grenze an den Grenzen stehen; vor Schliessung des 
Reichst^es ist von den beiden polnischen Feldherrn keine Succurscn 
noch zu hoffen. Die Schweden und Franzosen halten sich numelir 
nicht incognito sondern in grosser Anzahl in Danzig öffentlich auf. Es 
hat mir einer vertraulich berichtet, dass die Bethunische der Krön Pohleu 
geschworen, wäre nur zum Schein und Betrug, bei Thoru hätle er selber 
bei fünfzig tausend Mann, so zusammen gezogen, gesehen, welche sJcli 
mit den Betliunischen conjungiren und die bei Tilsit stehende ihren Marcb 
über Laban nach Königsberg nehmen und bei Königsbei^ sich ingesambt 
conjungiren würden und solches in gar wenig Tagen. Da einige Chur- 
fürsll. Uegimentor mehr anhero kämen, sagte er, mochlcn sie ihr rechte 
Hand weil in Acht nehmen. Der Major Reck ist gleich hier angelanget, 
umb Fourage, Hart- und Rauhfutter in Königsberg zu schaffen, solches 
habe ich dreimal in Gegenwart Ihr Fürstl. Gn. und Herren Oberrätho 
proponiret, es wird aber weder im nothtfirftigen Bau, auch sonst nichts 
gethan. Ich bin leider hülflos und ist Gott bekannt, dass ich nicht 
mehr thun kann, wie geschiehet. — 

Ob sich solches so verhält oder nicht, so habe ich doch meine 
unterthänigste Schuldigkeit zu sein erachtet, solches E. Chf. 1). zu be- 
richten. 



J. E. V. Görtzke an den Km-filrsten. D. Peterswalde 

19./29. December 1G78. 

[Ungewisaheit über die Absichten des Feiodea und über die zu ergreifenden 

Massregeln. Gerücht vom Aufbruch des Feindes.] 

■ Dec. E. Chf. D. berichte in unterthänigsten Gchorsamb, dass der Feind 

numebr in den 4*^" Tag aufgepacket und zum stündlichen March fertig 



oyGooi^lc 



Beeorgnisao Gürtzbe's. 75 

gestanden, auch habe ich von (leneo itzo gleich kommeaden Gefangenen 
keine andere Nachricht, als dass or noch stehe. Unsere Partheyeu reiten 
umb ihm herumb, haben auch ein zimbliches Theil Regimen tsquartier- 
meistor und allerhand Art Leute eingebracht, welche alle nach Königs- 
berg sende, und kann kein Mensch sagen, wohin er inclinire sich zu 
wenden, besondern berichten alle einhellig, dass es auf Königsberg an- 
gesehen. Weiln ich dann hoffe, dass die beiden Regimenter zu Fuss im 
Balgiachen und also in Sicherheit, als worden sie hei Königsberg, wenn 
die Gurger was thnn wollen, wenig ausrichten. Ihrer Anstalt nach muss 
ich in den Gedanken stehen, dass sie zurücke gehen, wovon aber ganz 
keine Gewissbeit, Brücken ziehen sie hinter sich über den Memme] Strom, 
welches auch sonst wohl könnte auf einer andren Funte angesehen sein. 
Wollte Gott, hier wären noch 2 Regimenter Reuter und 1 Regiment 
Dragoner zu dem, so ich hier bei mir habe, welche auf Partheyen zim- 
lich hin und wieder zertheilet, und E. Chf. D, Wille dabei, mit dem 
Feind es zu wagen, so hoffe ich, dass die Sache könnte gehoben und in 
einen andern bessern Stand gedeihen. Sollten sie ungeschlagen davon 
kommen, wäre es Gott zu erbarmen, wo sie aber zumcke gehen, so 
werden sie solchen Weg voraus bekommen, dass sie hernachmals nicht 
einzuholen noch zu ertappen sein. Sollte der Feind zurück gehen, stehe 
ich bei mir an, weil die Trouppen, so ich bei mir habe, nicht in dem 
Stande, dass ich ihn angreifen kann, ob ich ihm nachgehe oder hier 
sieben bleibe und Partheyen nachsende, die ihn zwacken, in masso mich 
von Königsberg gar zu weit abzugeben, weiln die Bethuniache Trouppen 
noch so vagiren und der Ruf von den Ungrischcn auch gehet und man 
sonst auch nicht weiss, wie man dran ist, als werde ich woU das let^ttere 
mit den Partheyen erwiihlen müssen, bis ich von E, Chf. l). weitern 
gnadigsten Befehl erlange. — 

PS. Auch — gleich itzo bei ßeschliessung dieses kömbt mir Zeitung ') 
von einige Landleutc ein, dass der Feind eilig IS Boten zusammenge- 
6uchet, aufgebrochen und nach Sechslacken, welches auf der Linie von 
Tilsit nacher Insterburg lieget, inarchiret, alle Partheyen, derer zimblich 
viel und vigilante Leute dabei, melden davon nichts, doch habe ich diese 
Ungewisse Zeitung unterthänigst melden wollen. — 

') Heber den Aufbruch der s<;hHedischen Armea von Tilsit nach Insterburg 
hin am 29. December s. Nyatedt S. 454, Hirsch S. 70, J5hna S. 23. 



oyGooi^lc 



76 f- Kriegsereigniäte 1676—1679. 

J. E. V. Görtzke an den Kurfürsten. D. Tapiau 

23. December 1678/2. Januar 1679. 

[Harsch der Scbwedea nach Insterburg. Schwierigkeit, ihtiea beizuboiDineD. L'n- 
zuverllssiglceit und Büsiritligkeit der Königsberger und des LuidTolks.] 

1. Jan. E. Chf. D. muss in unterthÜDigsten Gehorsamb berichtäD, dass der 

Feind vor dreien Tagen vou Tilsit aufgebrochen, Tilsit und Ragnil be- 
setzet und die Kranken darin gelassen, seinen Marchs gerade auf Jurgen- 
burg geDommen und gestern gegen Abend Insterburg berennet, worin 
der Majoer Talau und ein Capitain mit 21)0 Landvölkern stehet, icli 
will hoffen, dass sie sich so leieht nicht geben werden. Tapiau habe 
ich besetzet, Wehlo kann ich nicht besetzen, «eiln es noch [nicht] völlig 
verbauet hat werden können, es auch zu weitläuftig und kein Volk 
darzu habe, weil man da» grosseste Absehen nur auf Königsbei^ haben 
muss. Sie haben letzt ein Spargiment in Königsberg ausgebracht, als 
dass') der Obristlieut. Lange, welchen ich mit einer Parthey abge- 
schicket, geschlagen wäre, da ich doch Gott Lob noch nichts verloren, 
da hat man ihre Tntention, wie sie sich Lust zu wehren, und wie sie 
gesinnet sein, spüren können, weil sie ganz kleinmütig worden, also 
wünsche ich nur die Erhaltung des Orts. Unsere Partheyen seind rund 
umb den Feind herumb gegangen, mir ist nicht bekannt, dass sich je- 
mahlo ein Volk so enge zusammen gehalten hätte, und wann ich mich 
todt ängstige und quäle, auch die beste Oflicirer, so ich bei mir habe, 
suche und zur Partey gebrauche, kann ich ihm doch nicht beikommen, was 
rechtschaffenes zu tentiren, und thut inmittelst der Feind, Gott sei a 
geklaget, was er will und gehet in den Orten, wo er vollauf hat, und 
frisst sich aus. Hingegen wann einige Zufuhr oder Beitrag nach Königs- 
berg gehen soll, seind hundert Ausflüchte und bleibet in allen Stücken 
beim Ausschreiben und wird nichts mehr. Ob nun der Feind wird gehen 
und suchen zwischen denen hier und noch herinkommenden Regimentern 
die CoDJunction zu verwehren, oder was sein Vornehmen sein wird, 
muss der Zeit anheim gestellet sein, was gewisses und wichtiges muss 
er doch vor sich haben, weil er so frei ins Land hinein gehet. Wollte 
Gott, dass* die Mittel hier wären, dass diese hätten können geschlagen 
werden, wäre alles gehoben. Ich will hoffen, der Major Reck*) wird 

") Vgl. Diar. Europ. XXXIX, S. 383. 
*) S. obsa S. 65. 



oyGooi^lc 



Harsch der Schweden nush IcBterburg. 77 

E. Cht. D. den hiesigen schweren und gefährlichen Zustand ausrührlich 
berichtet haben, bitte ganz unterthänigst, E. Chf. D. werden es nicht un- 
gnädig nehmen, dass ich den hiesigen Zustand so deutlich und gefähr- 
lich, wie er ist, nicht habe schreiben können, jedoch habe ich geschrieben 
soviel als ich gekunnt. Ob nun Bartenstein wird defendiret werden 
können, ob es so bebauet and die Bürger was thun wollten, darumb 
bin ich bemühet, hab aber noch keine gewisse Nachricht davon, je länger 
E. Chf. D. es in jetzigen Zustand lassen, je schwerer halte ich meines 
wenigen Eracbtens der Zustand wird wieder zu repariren sein. Ich 
unterstehe mich mit meinen unterthänigsten Relationen nicht E. Chf. D. 
weiter beschwerlich zu fallen, besondern will thun, was nur menschlich 
und möglich ist. Die Obristen Hohndorff, Eanitz wie auch alle 
Andere lassen es sich angelegen sein und gehen mir nach Vermögen an 
der Hand, aber, wie öfters remonstriret und wie E. Cht. D. von langer 
Zeit her bekannt, dass Sie sich auch niemand auf die gemeine der Land- 
völker zu verlassen haben, und seind die, so sich einmal absentiren, 
nimmer wieder beizubringen und bei den vorhandenen wenig Sicher- 
heit. Ich lebe betrübet und unglücklich des Zustandes halber. — 



Die Preussische Regierung an General-Lieutenant v. Görtzke. 
D. Königsberg 2. Januar 1679. (K.) 

[fjedenken gegen ein weileres Zurückgehen.] 

Sie vernehmen mit Betrübnis, dass die femdliche Armee sich nach Inster- 3. Jan. 
bürg begeben habe und daher Görtzke's Bagage sich hieher relirieren solle, 
auch er vielleicht selbst mit den bei sich habenden Regimentern sich von Wehlau 
und Tapiao zurückziehen wird. Sie stellen ihm vor, ob es nicht möglich, 
dass er mit seiner Armee, falls er sich nicht bastant genug finden sollte, wider 
den Feind zu avancieren, sich dennoch za Tapiau und Wehlau festsetzen und, 
um dem Feind desto mehr gewachsen zu sein, die hier stehende Infanterie zu 
sich fordern wolle, damit das übrige Land soviel möglich gerettet und der Feind 
aufgehalten werde. Sonst würde demselben nicht altein das ganze Laad offen 
stehen und diese Städte auch consumiert, sondern auch die anderen aus Pommern 
erwarteten Völker von hier abgeschnitten und dem Feind Gelegenheit gelassen 
irarden, sich mit den im Polnischen Prenssen beflndUchen Bethunischen Truppen 
IQ coi^oi^eren. £s würde also zu des Landes grossem Vorthail dienen, wenn 
es ihm mCglich wäre, za Tapiau und Wehlaa mit der Armee femer zu ver- 
bleiben und von dort ans dem Feinde allen m^liohen Abbruch zu thun. Wenn 



oyGooi^lc 



78 t Kriegsereignisse 1676— 1G79. 

er die hier stehende lofanterie zu sich beg^ehreo sollte, kannten davon etwa 
2000 beritten und zd Di^onern gemacht werden, damit sie desto besser fort- 
kommea und nützliche Dienste Ihun könnten. £s scheint fast unmöglich . zn 
seio, dass er von hier konnte abgeschnitten werden, weit der Feind, wenn er 
hleher gehen wollte, notbwendig auch Tapiau und Wehlau berühren müsste.') 



J. E. V. Görtzke an den Statthalter und die Oberräthe. 
D. Worginen^) 25. December 1Ö78/4. Januar 1679. (K.) 

[Auf (las Schreiben vom 3. Januar. [JumÜglichkeit gegen den Feiad olTensiv zu agiereu. 
Vorschlüge wegen Besetzung der Tandstidte und ßereilhaltiing des Fusavollis.] 

Er hat ihre Willcnsm einung mit den anwesenden Obersten Hobndorff, 
Ganitz, Printz und Hülsen reiflich überlegt und sie haben belunden, dass, 
da die Ströme alle fest gefroren sind und das Ueberschreit«n derselben dem Feind 
nicht disputiert werden kann, es nicht möglich ist, sich an einem Orte fest zu 
setzen und zu einem genügsamen Widerstände zu postieren. Wenn sie auch 
alles Fussvolk aus Königsberg heranziehen würden, würden sie dennoch dem 
Feind nicht bastant sein können, vielmehr sich selbst Verbindernis machen da- 
hin zu gehen, wohin mit der Zeit sie die Noth wendigkeit seihst veranlassen 
möchte. Wenn man Fussvolk und Artillerie an sich zieht, so erfordert die 
Kriegsraison, sofort den Feind zu suchen, um mit demselben iu Action zu 
kommen. Selbst den Feind aufzusuchen aber halten sie nicht für raisonnabcl. 
da sie was rechtschaffnes gegen denselben zu operieren mit diesen Truppeu 
nicht sufficient sind. Sollte der Feind auf sie avancieren, so wäre wohl zu 
considerieren, ob man sich mit ihm in ein Rencontre einlassen sollte. Da ein 
unglücklicher Ausgang eines solchen aber für das Land sehr verderblich sein 
würde, so haben sie insgesamt für rathsam erachtet, in der Form, wie sie jetzt 
stehen, ein wachendes Auge zu haben und dahin bedacht zu sein, dem Feinde 
auf andere Manier, ohne Haupthosarde, Abbruch zu thun. Sollte die Regierung 
aber für gut befinden, dass es auf eine Haupthasarde ankommen sollte, so wollen 
es thun, bitten dann aber um bestimmten Befehl. Dis Stadt Wehlau werden 
so lange wie möglich zu defendieren suclien, hauptsächlich aber kann sie 
nicht defendiert werden, und wenn dergleichen Landstädte mehr besetzt werden 
sollten, würde Königsberg ganz entblüsst. Nach Fisclfliausen und Lochstädt 
braucht nur ein üfficier mit weniger Mannschaft gelegt zu werden , den Ort zu 
verbauen, später können sie im Nothfall immer recht besetzt werden. Dem 



■) Dieselben Bedenken gegen ein weiteres Zurückgehen Oörtike's stellen sie 
dem Ef. (d. Königsberg -8. Januar 167S) vor, am 13. Januar rathen sie demselben, 
etna 8 Regimenter i. Pf. zur Verst&rkung Görtzke's vorauszuschicken. 

') Worienen bei Lindeuau sw. von Tapiau. 



oyGooi^lc 



Redenben der preusslscheo tCegierung gegea das ZurSckgeheo Gürtzke's. 79 

gestrigen Vorschlage gem3ss wäre es lathaaiD, dass alles Fussvolk aof beiderlei 
Art parat stünde, dass ihneD zuerst die Pusten auf den WBUeD angewiesen 
würden und dass sie, falls sie im Felde zu gebrauchen, zum Marsch sofort parat 
stäaden, ebenso die Feldartillerie. Die Bagage der Regimenter soll nicht in 
Königsberg sich legen, sondern nachdem des Feindes Maisch sich anlässt, sich 
zurfickzieben und an einem Ort, da sie nicht zu weit auseinander und in Sicher* 
heit stSnde, logiert werden, denn ihr Verlust wäre für die Regimenter ein grosser 
Schaden. 



J. E. V. Görtzke rni den KurfQrsten. D. Tapiau 

30. December 1678/9. Januar 1679. 

[;ätellung des Feindes. Glückliche Scharmützel. Klagen über das Lsudaiifgebot. 

Schwedische Ueberilufer.] 

E. Chf. D. berichte in ganz unterthäDigsten Gehorsamb, dass der 9. Jan. 
Feind noch bei iDsterbai^ stehet, mit atarken Partheyen kann ich ihm 
nichts anhaben, aber mit kleinen und mittelmäsaigon Partheyen wird 
er zimblich alardt gehalten, dass selten eine Nacht hingehet, dass er nicht 
zu Pferde sitzet, wie denn noch gestern eine kleine Parthey der Unserigen 
50 Furagirer hart vor ihrem Quartiere eingefallen, 7 Gefangeoe gebracht 
und die übrige caputiret, noch hat der Cornet Eniepke') gestern eine 
Farthey von 60 Pferden geschlagen, einen Regiments-Quartiermeister 
und 27 Gemeine gefänglich eingebracht, die übrige gleichfalls caputiret. 
Der Feind stehet zum Aufbruch fertig, wohin aber, wissen die Gefangene 
flicht 2u sagen, solle er angeschlagen zurücke gehen, wäre Gott zu er- 
tiarmen. Mit dem Landvolk ist wahrhaftig nichts zu thun, noch im ge- 
ringsten auf sie sich zu verlassen, worüber die OfGcirer auf allen Wachten 
Klage und Beschwerde führen. Was von den Bethuoischen Trouppen 
und dass vier Weiwodschaften sollen gemustert und wieder nacher 
Hause gegangen sein, hoffe, ich, werden E. Chf. D. von Königsberg und 
von den Obersten Groben, weiln ich zu weit ab, gegründet unterthänigst 
berichtet werden. — Wünsche von Herzen, dass an Reutern und Dra- 
goner noch so viel sein möchten, dass der Feind ohne Ram nicht davon 
käme. Vor 3 Tagen ist') ein geborener Schwede wirklich in Dienst ge- 
wesener Rittmeister mit 2 Knechten und 4 Pferden herüber gekommen, 

>) Vgl. Diar. Europ. XXXIX, S. 381. 
*) Vgl. Diar. Europ. a. a. 0. 



oyGooi^lc 



80 T. Kriegsereigoisse 1676—1679. 

welcher seinen Lieutenant einiger harten Rede halber todt geschossen 
und sich deshalb salviret, haben aolchen bis zu E. Chf. D. gnädigster 
Verordnung nacher Pillau gesandt. Gestern kam ein Quartiermeister 
mit 3 Reutern, welche in Bielefeld und Hamburg zu Hause gehören und 
gerne dahin wollten, denen werde ich Pässe geben und sie reisen lassen, 
sie geben vor, dasa sie die Travallien, so sie beim Feinde hätten, un- 
möglich ausstehen könnten. — 



J. E. V. Görtzke an den KurfQi-sten. D. Jungfersdoi-ff') 

6./16. Januar 1679. 

[Aufbruch dos Feindes von Insterburg. Marsch nach Wehlau. Sein Rücki^iig gegen 
Königsberg hin, Klagen über die Forstbeamlen.] 

I. E. Chf. D. berichte in unterthänigsten Gehorsamb, wie der Feind 

bei Insterburg gestanden, das» den 29. December 78/8. Jan. 79 dieses 
ein polnischer abgeordneter Rittmeister zu den Feldmarschall Hörn ge- 
kommen, zwei Tage alda geblieben, worauf der Feind') den 3"" Tag 
nacher Salau aufgebrochen. Ich habe die darüber eingekommene Schreiben 
Ihr Fürstl. Gn. den hoch verordneten preussischen Statthalter zugesandt, 
hoffe, dass er davon E. Chf. D. wird schuldigsten Bericht abgestattet 
haben. Der Feind hat in 4 Tagen bald avanziret, bald zurückgegangen, 
bald zur linken, bald zur rechten sich gewendet und so enge zusammen 
gehalten, dass kein Mensch aus den Trouppen gelassen. Ich kann nicht 
wiiJseD, was er darunter gesuchet, endlich ist er auf Wehlau gegangen 
und seine Vortrouppen zwischen Wehlau und Tapiau gesetzet, woselbst 
die feindliche Vortrouppen auch gestern noch gestanden, als habe ich 
mich deshalb gegen Waldo zurückziehen müssen. Wehlau hat wegen 
der Weitläufigkeit, auch dass es ganz nichts, verbauet und einen grossen 
Besatz erfordert, nicht können besetzet werden, Tapiau aber ist gut be- 
setzet. Es ist ein gross Unglück, dass man keine Leute haben kann, so 
unsere Trouppen führen und die Wege weisen wollen, der Oberförster 
Halle hat bis dato, wie ich auch nicht andei-s weiss, auch noch in den 
Wildnissen gelegen, die Landleute zum Abbruch des Feindes animiret, die 

'} a. Pregel, Sstl. von Eönigsberg. 
') S. Njstedt S. 455. 



oyGooi^lc 



Hückzuft Onrtxhe'g gegen KiiDigsberg hin. 81 

Wälder verhauen und gethan, was er gekannt, mir auch etlichemal mit 
WildnissbereiterD die Wege zu weisen geholfen, sonst habe ich keinen 
van der Jägerei gesehen, der sich das allefgeringste hätte laHsen aoge- 
legen sein, die geringste Beihülfe zu thuu, die Leute seind widerlich. 
Wo sich der Feind nun noch endlich hinwenden wird, darin bin ich 
noch ungeviss, verhofTe aber stündlich Nachricht. Wegen des E. Ch. 1). 
bekaDQten Zustandes in Königsberg und der Vielheit der Corre^pondentiea 
halber, so mit dem Feind darau-s geschiehet, darf ich mich von Königs- 
berg nicht weit abgeben. — 

PS. Auch — berichte — , dass zwei der abgesandten Partheyen 
eine einen Gefangenen, die andere 2 Ueberläufer mitbringen, welche ein- 
hellig berichten, dass der Feind gestern Abend in und umb Wehlo ge- 
sunden und heute recht frühe die Vortrouppen Tapiau berennet, und 
haben unsere Partheyen gesehen Feuer aus Doppelhacken nach den Feind 
zu geben. 



Die Prenssische Regierung an den Kurfürsten. D. Königsberg 

17./7. Januar 1679. (K.) 

'Kürkzug rTÖrtike'ü. Anstalten in Küoigsberg, um dessen Truppen ilort aufzunehineo. 

Abmarscb <les Feindes gegen Alienburg.] 

Karhdcm die feindlkhe Armee schon zd Vehlain) und ihre Vortrappen zu 17. Jnn. 
Tapiau angelangt sind, hat sich flen. Lientn. Oürtzke mit seinen ßegimentem 
hia luf l'/i Meile von liier retiriert und dürfte wohl, wenn der Feind weiter 
hieherwirts avancieren sollte, sich in diese Städte, VorstSdte und Freiheiten ans 
Mangd gnugsamer Force zurückziehen. Derselbe hat Oberst Hotandorff an 
He geschickt nnd verlangen lassen, dass das äolzische Regiment z. F_, welches 
ad interim nahe an der Stadt auf dem sogenannten Nassen Graben und auf den 
Buben gestanden, hereingenommen werde, dass die StSdte auch Anstalt zur 
Einnehmnng seiner Regimenter zu Pf. machen, auch die Posten und Gelegenheit 
ausersehen, wo die Truppen in den Städten zn vertheilen und auf den Wällen 
in postieren, nnd den für dieselben nothigen Proviant anschaffen mögen. Sie 
haben dieses den Städten angezeigt. Dieselben haben sich auch zur Vorschiessung 
von 3000 Tonnen Bier und dazu erforderten Brodes im Nothfall bereit erklärt 
and sich erboten, durch Deputierte bei Anweisung der Quartiere und Posten za 



') 8. den Bericht der Bärgermeister und der Bürge rschaft von Weblau (s> d.) 
über die Beiatzang ibrer Stadt durch die Schweden am 14. Januar und die der- 
i*lb«ii tnf6Tlegte Contribntion bei Hirsch S. 14 Aum. 6. 

Utltr, I. Geaeh. d. Q. EnrfOraUn. XVm. Q 



oyGooi^lc 



82 1- Kriegsereignisae 1676—1679. 

helfen, Iiaben diea aiifb gestern Nachmittag za Werk gerichtet und beschlossen, 
wenn es nicht zu ändeni stunde,') das (iolKiache Regiment liereinzunebmcn. Soeben 
aber erhalten sie Nachricht, dass der Feind ') sich nach Alleiihorg gewendet und 
aller Apparenz nacli auf Bartenstein zugchen dürfte. 

Sie haben Ilohn<lorff beauftragt, Gürtzke vorzustellen, dass dessen Re- 
gimenter so lange als nur mßgticli drausgeu gegen den Feind stehen Uleilieii 
möchten. 



J. E. V, Görtzke an den Kui-ffirsten. D. Kodderiiien ") 

10./20. Januar 1679 Abends 5 Uhr. 

[Stellung des Feindes. [Jngenissheit seiner Absichten. Widenrüligkeit der Eänjgs- 
berger.] 

1. E. Chf. D. berichte in ganz unterthÜDigsten Gehorsamb, dass der 

Feind goätern zwiiicheii Friedlandt uod Schuppenbeii bei Lischen stille 
gestanden, gestern Abend aber aeind starke feindliche Trouppen wieder 
in Schuppenbeil hineingekommen, die Rede gehet unter sie, dass sie 
wollten eilen n&cher Elbiagen zu kommen, ich ireiss aber noch nichts 
Gewisses, weilu sie bald so, bald anders sagen, wohin sie ihren Marchs 
recht nehmen werden.') Wie der Feind beschaffen, wird der von Buch') 
unterthänigsten Bericht abstatten, weiln er theils Gefangene, auch theils 
so herüber gekommen, gesprochen und examiuiret hat, wie ich mich 
dann in eiu und andern auf seinen unterthänigsten Bericht beziehe. 
Die') Stadt Königsberg ist üppig und schlimm, ich weiss nicht, ob ich 
werde von sie abgehen können, dann es will niemand am Bau was 

') Dio KÜQigsberger liatten sich anfangs gegen diese Zumuthungen heftig gt- 
Btrlubt, s. Hirsch S. 74, Urli. u. AkL XVI, 2, S. 859 f. 

») S. Njstedl S. 455f. 

') Godrienen, südl. tou Königsberg. 

*) Der Herzog van Croy meldet deoa Kf. aus Königsberg am 19. Januar, der 
Feind habe sich von Alienburg nach Friedland und Schippenbeil gewendet, gestern 
sei in lelztereoi Orte seine Ankunft erwartet worden, Nachts habe er in Freudenberg 
und anderen Dörfern Jen- und dieaseit der Alle sein Quartier gehabt, einige seiner 
Truppen sollten sich auch zu Domnau [zwischen Friedland und Pr. Eylau] nur 
5 Meilen von hier gezeigt haben. Gürtike sei heute mit seinen Regimentern etwa 
5 Viertelmeilen von hier über den Pregcl gegangen, werde diese Nacht sein Haupt' 
quartier in Ludwigswalde, eine starke Meile von hier, haben. 

*) S. V. Buch's Tagebuch 8./18.-10./20. Januar 1679 {ed. v. Kessel II, 
S. 130 f.). 

•) Dai Folgende in Ziffern. Vgl. Hirsch S. 73. 



oyGooi^lc 



Ankunft des Kurfürsten. Rückiug der Feiade. 33 

rechtes thun und wollen alle Vermahnangen und Vorstellungeu wanig 
verschlagen, deswegen ich woll gerne E. Chf. D. gnädigsteu Befehl i 
Verhaltens hätte. — 



Der Kui-fQrst an den Statthalter und die Geheimen Räthe 
in Cöln a. d. Spree. D. Marienwei-der 12./22. Januar 1679. 

[AnhuDrt daselbst. Absicht gegen den Feind TOrzugehen.] 

Er ist') mit seiner Armee vorgestern hier angelangt, gedenkt morgen zu ää. Jan. 
Preuschmarck , übermorgen zu Holland zu sein. Da der Feind auch avanciert 
und gestern zu und um Schippenbeil gestanden, werden sie vermathlich bald 
an einander gerathen; sobald Oen. Lieutn. Oörtzke za ihm stossen wird, ist er 
entsclitasseii, den Feind anzugreifen. 



Der Kurfürst an dieselben. D. Preüschmark 
13./23. Januar 1679. 

[Nachriebt vom RScitzug des Feindes. Absicht, ihn zu verfolgen. Anordnung eines 
Dsah festes.] 

Nacbdeme wir gestern aus Marienwerder Ew. Ld. und Euch von 'S. Jan. 
unserem marche und des Feindes contenance berichtet, haben wir') 
diese vergangene Nacht voa unserem Gen.-Lient. Görtzken die sichere 
Nachricht erhalten, wie dass sich der Feind in höchster Eil und Con- 
fusiou zurücke ziehe, allermassen Ew. Ld. und Ihr aus beigehender Re- 
lation mit mehrem ersehen werdet, welche wir auch an alle unsere 
ministroa von hier aus communicirea lassen. Wir hoffen, es werde ge- 
dachter unser Gen. Lieut. sich schon an den Feind gehencket haben, 
und wir beschleunigen unseren march aufs möglichste, seind auch Vor- 
habens, den Feind so lange zu verfolgen, bis wir ihn erreichen. lu- 

') S. Relation dessen elc. S. 14 ff., i. Buch's Tagebuch II S. 121 f., 
vgl. Rieae S. 69 ff., Hirsch S. 78 ff., Jähua S. 24 f. S. auch das Schreiben des 
Kurfürsten an den Kaiser von demselben Datum Urk. u. Act. XIV, 2, S. 898. 

*) S. Relation dessen etc. S. t6f., t. Buch's Tagebuch 13./L>». Januar 
(11, S. 131). Vgl. Riese S. 71, Hirsch S. 81, Jahns S. 25. S. auch das Schreiben 
an den Kaiser von demselben Datum Urk. u. Act ZIV, 2, S. 899. 



oyGooi^lc 



84 I. Rriegsereigoisse 1676— 1679. 

zwischen, weil wir ee billig vor eine Gosde Gottee aufnehmen und er- 
benneD, dass der Feind schon vorgewichen, da wir noch über 18 Meile 
von ihm entfernet gewesen, und dass er in so schlechtem Zustande zuröcke 
gehet, so werden Ew. Ld. und Ihr die Verfügung thuen, dass der gött- 
lichen Güte desfalls schuldiger Dank abgestattet und dieselbe umb 
ferneren Beistand, angerufen werden möge. 



Aus dem ChurfÖratl. 13randenburgischen Hauptquartier zu 

Preusch-Marck vom 13./23, Januarii 1679.') 

[Utirach des Kf. Nachriebt too) Rückzuge des PeiDde». Anstalten m schleuniger 
Verfolgung. Zustand der feinülicben Armee.] 

I- Nachdem Seine Churf. Durchl. zu Brandenbui^ am 3./12. Januarii von 

Cüstrin aufgebrochen, haben Sie dergestalt geeylet, dass Sie des Tages sechs 
bis sieben Heilen fortgangen, und daraaf den 10.,'20. dieses mit dero Armee 
glücklich die Weichsel passiret, und zu Harieuwerder aagelanget, als Sie selbigen 
Tages allein 12 Meilen fortgerücket, Bey dero Ankunfft in Preussen erhielten 
Sie von dem Feinde die Nachricht, dass derselbe bis Friedkud, Allenbiirg und 
Bartenstein avanciret wäre, dahero Sie sich die Hoffnung machten, es würde 
der Feind Stand hnlten und eine llauptaction wagen, wonach jederm&nniglicb 
hey der Armee ein unglaubliches Verlangen bezeiget. Diese verwichene Nacht 
aber hat der General-Lieutenant Giirtzke seinen Cap itain -Lieutenant nebst einem 
Sergeanten, so eben vom Feinde überkommen, geschicket, und dabey berichtet, 
wie dass der Feind, sobald er S. Chf. D. March vernommen, Krieges-Rath ge- 
halten uod sich darauff in höchster Eyl und (Joufusion zurück zu ziehen ange- 
fangen, dergestalt auch, dass er publiciren lassen, dass') alle Bagage abgeschaffet 
und verbrannt, und einem Obristen nur ein Rüstwagen bey dem Regiment gut 
gethan werden solle, damit er desto geschwinder fortkommen könte: Nichts 
destoweniger hat der General-Lieutenant GCrtzke mit vier Tausent Reutern und 
Dr^ounem und Tausent Musquetirern, so er auf Pferde gesatzet, sich bereits an den 
Feind gehencket, umb denselben zu zwacken und campiren zu machen, damit er 
abgemattet werde, und nicht entkomme. S. Chf. 1>. haben auch Ihren Uarch noch 
mehr zu beschleunigen Ordre ertheilet, und lassen zu dem Ende Ihre Infanterie 

' ') Danach zum grossen Tbeil die Relation dessen etc. S. IG f., «eiche im 
DiaV. Burop. XXXIX, S. 394 ff. wieder abgedruckt ist und auf wslcbeT auch die 
Berichte im Tbeatr. Europ. XII (1691), S. 1464 ff. nad bei Pufeudorf I. XVII, 
§2S. (S. 1281 ff.), theilweise wohl auch im Verw. Europa III, S. 381 ff.. bsTuheo. 
dessen etc. S. 17 bemerkt: .Dieses abar hit 



oyGooi^lc 



Rückiug der Schweden. 86 

auf Schlitten fortbringen, welches eine Last anzuseilen ist, damit Sie desto eher 
den Feind ereylen mögen. 

Seit dem der Feind in Preussen gestanden, haben die von dem General- 
Lieuteasnt Gürtzken aussgescbickte viel Parteyen denselben dei^estali ge- 
schw&chet nnd abgemattet, dass die Cavallerie fast nimmer von den Pferden 
kommen können und fast alle Nachte Lerraenschüsse thun müssen. Es sind 
auch tägiieh viel Gefangene eingebracht, und noch mehr Uberläiifer gekommen, 
welche alle einhellig berichten, dass des Feindes Armee in einem sehr mise- 
rabelen Zastandt, dass sie kaom 8000 Mann mehr stark, und über die 2000 Kranken 
habe, dass fast bey allen Compagnien kaum 13. oder 14. Mann seycn, so Dienste 
tbun, ond dass die Litthauische Bauern alles todtsclilagen, was sie nur vom Feinde 
bekommen. Allem Ansehen nach wird er die Infanterie und Artillerie schwer- 
lich in Salvo bringen, weil es ihm an Pferden mangelt. 

Es ist dieses abermal eine sonderbare Gnade, so der Allerhöchste S. Chf D. 
verliehen, in dem Er dero Feinde auff die Flucht gebracht, wie Sie noch 
18 Meilen von denselben entfernet gewesen, an allen Orten, woraufT der March 
zugehet, sind bereits ') Schlitten bestellet, umb die Infonterie weiter schleunig fort- 
zubringen, vermiithlich wird mit nechatem ein mehrers zu berichten seyn. 

PS. Vom U.,'24. dito. 

Gleich itzo läiifft fernere Nachricht ein, dass der Feind seine retraito in 34. Jau, 
grusser Furcht und confusion fortsetze. Die Compagnie Polen, so bey den 
Schweden gewesen, ist nacher Statupenen wieder zurfickgangen, sehr malcontent, 
wegen des schlechten Tractaments, so sie bey ihnen gehabt, und dann, dass ihr 
Führer, der Ribinski, von ihnen heimlich weggangen. Des Hertzogen von 
l.'roy Fürstl. Gn. berichten, dass der Uberläuffer und Getangenen so viele, dass 
man sie in Königsberg und in der Pillau nicht mehr lassen könne, und dass 
diejenigen, so itzo kommen, nach Lochstet und Fi^chliansen geschickt werden. 
S. Chf. D. lassen 1600 Reuter und 1200 Dragoner vorangehen, um den General- 
Lieatenant Qörtzken zn verstärken. 



Die PreuseUche Regierung an den Kurffii-sten. D. Königsberg 
25. Januar 1679. (K.) 

[AuordnuDgeu in Königsberg und den von dem Feinde zu passierenden Aeiuteru.} 

Glückwunsch zu .seiner Ankunft. Sie hätten ihm heute zu Carben aufwarten '-'5. Jati 
Milien, wenn sie nicht von dem Hoffourier erfohren hätten, dass er seinen Ein- 
zug hier ohne Solennitäten halten wolle, sie haben daher auch hiesige Städte 
^ngewicscD, den zur Einholung bestimmten Aufzug zu unterlassen und dafür 

'; ä. das Subreibeu des Kf. an die Preussinche iicgiurung rl. Murleuwerücr 
I3.;L'3. Jauuar 1679 uud das CS. aua Preusch Mark (v. Orlicb 111, S. 30Of.). 



oyGooi^lc 



g6 I- KmgBcreignisBe 1676—1679. 

um 80 mehr sich zn bemühen, dass das nSthige Brad and Bier morgen in Be- 
reitschaft gehalten werde. Sie haben auch auf des Kf. mündlichen, ihnen durch 
dea Oberförster Kreitzen und den Ober-Kommissar Podewils hinterbrachten 
Befehl ans den nächstgelegenen Aemtern und Oertern die erforderten 3000 Sehlitten 
und Pferde morgen hier zasammenzubringen verordnet, auch ein Patent in die 
Aemter Insterbnrg, Tilsit und Bagnit geschickt, damit dem Feinde möglichster 
Abbruch geschehe, und dem Oberförster v. Halle, den LandschSppen und 
Wildnisbereitern in jenen Aemtern befohlen, sich bei Gen. -Lieutenant G&rtzke 
einzufinden und zu erkundigen, wo die Wege und Wälder vcrhaueu werden 
sollen. 



J. E. V. Görtzke an den Kurfürsten. D. Mottraw') 
16./26. Januar 1679. 

[Küchzug de» Feindes. Erwartung von Verhaltungs befehlen.] 

E- Chr. D. berichte in ganz unterthäuigstem Gehorsamb, daiis der 
Feind sich so zusammen hält, dass die ParteyeD, so Omb iba herumb 
schwürmen, ihm nach der Zeit nicht haben anltommeu können. Itzo 
gleich diese Stunde kömmt ein Reuter vom Feinde dänischer Nation 
selbst herüber, welcher berichtet, dass der Feiud sich so zusammen hält 
und mit starken Tiouppcn so bewachet, dass er knapp hat können w^- 
kommen. Der Feind eilet, wie vor erwähuet, gar sehr, dass sein Marsch 
einem Laufen ak einem Marsch ähnlicher ist. Wenn nur das ganze 
Corpus ungeaäumbt möchte beieiuander sein, so hoffe ich, dass der Feind 
E. Chf. D. nicht werde entgehen können, denn der meiste Theil ihrer 
Pferde ist matt, die Fussvötker lassen sie hin und wieder liegen. Ich 
rucke bis eine Meil Weges recht auf der Linie zwischen Tapiau nach 
Labiau und werde alda des Grafen l'romnitzen'J erwarten. Ich wünsche 
von Herzen, dass ich eiligst E. Chf. D. Befohl könnte haben, was ich 
eigentlich thun soll. Die Pferde, so Proranitz bringet, werden meines 
Erachtens auch matt sein, hänge ich mich am Feinde, so muss ich stels 
zu Pferde sein und würde nur den Feind geschwinder zu marcbiren 
machen. — 

') Mottrau, Dorf bei Tapiau. 

') Oeueral-Lieutenant Graf ProToaKf, der die vom Kf. zu Görtzke's Vcr- 
slÄrkung vorausgeschicktun Reiter befchligle. 



oyGooi^lc 



Rückzug der Schweden. gT' 

Der Kurfürst an den Statthalter und die Geheimen Käthe zu 

Cöln a. d. Spree. D. Königsberg 17./27. Januar 167!). 

[Ankunft. Weitere Absiebten. Zusendung einer RelatiOD.] 

I^r ist gestern hier angekommen, gedenkt morgen weiterzageben, um zu ver- 37. Jan. 
suchen, ob er den Feind, welcher sich retiriert und tüies liinter sich ruiniert 
und ausplündert, altrapieren kann, Welchergeslalt sonst Graf Carlssohn ge- 
fangen worden, ersehen sie aus dem Beiscliluss. 



Aus Königsberg vom 17./27. Jan. Anno 1679.0 

[Rqckiug der Schweden. Gefangennahme Carlsohn's. Kinnahme von TiUir.] 

Zn Folge meines vor^en bericltte femer, dass der Feinil noch immer im 
»eichen, nnd sich mit einer solchen Eyl reteriret, dass er bis itzo noch keine 
Ruhetage gehalten. S. Chf. I). sind gestern mit dero Armee glBcklich allhie 
angelanget,') lassen selbige noch heute avanciren, nnd gehen morgen persönlich 
wieder fort, umb allen möglichen Fleiss anzukebren, ob Sie den Feind noch 
erholen können. Der Herr G. L. Görtzke ist ihme bereits in den Fersen und 
harassiret ihn dergestalt mit Parteyen, dasa er sich ganlz enge zusammenhallen 
nnd der meiste Theil seiner Armee des Nachts campiren miiss. Ein Cornet von 
dem Croyischen Regiment, so vierzehen Pferde bei sich gehabt, hat den Graff 
Carlsson,") welcher selb vierdte in verstellotem Habit von der Schwedischen 
Armee wieder zurück nach Dantzig gehen wollen, gefangen bekommen, und ist 
derselbe allliie eingebracht. Er hat verschiedene ßrieffschafflen, woraus grosse 
Nachricht zu nehmen, bey sich gehabt, unter andern ein eigenhändiges Schreiben 
des Feldmarschall llorns an seine Gemahlin, so eine geborene Gräfin von 
Wittenberg, worinnen diese Worte siehenr Dieses berichte nur, dass ich dem 
HMsten dancke für gnte l.eibesgesundlieit, dass Gemüthe aber sehr unrahig 
and verstöret, über die unvermuthlicbe widerwärtige Zufälle, woraus sich zu 
reissen ich noch kein Mittel absehen kan. ohne Gottes sonderbare Hülffe und 
Beystand. Der Polnische Rybinsky, wovon jüngst gedacht,*) ist allhie ange- 
kommen, pracsentiret S. Clif. D. seine Dienste nebst drey hundert Towarzisehcn. 
Eine Partey von den Unsrigen hat die Stadt Tilsit wieder eingenommen und 

') Das CoQcept van Fuchs' Rand. 

>) Vgl. Relation dessen etc. S. 1!), v. ßucli's Tagehuch l(l./2<n Jnnunr 
lll, S. 133), Ver«. Europa 111, S, 831 f. S. Jühiis S. '2h. 

■) Vgl. T. Buch's Tagebuch I4.,:J4. Januar (11, !>. lATj, VerB'. liuropa III, 
S.831 

*) S. oben S. 68. 



oyGooi^lc 



gg I. KrteggereigniBse 1676—1679. 

eiD und secbtzig Schweden, so darinn gewesen, tLeils niedergemachet und die 
übrigen gefangen bekommen. Dem letzten Bericht nach aol der Feind bis gegen 
Ragnit avanciret seyn, die ßanren thun demselben grossen Schaden, und vi) 
verlauten, ob sollen die Sammoiten bereits des Feldmarschall Uurns Bagage 
weggenommen haben. 



Der KurfQi-st an den Statthalter und die Geheimen Käthe zu 
Cöln a. d. Spree'}. D. Kuckemese 20./30. Januar 1679. 

[Olücklicbea Gefecht T reffen feld's.] 

Ew. Ld. und Eui'h geben wir hiermit zu vernehmen, wasmassen 
wir gestrigem Toges, aU wir zu Gilge angelanget, eiue starke Parthey 
von Reutern und Dragouaern in den Feind zu recognosdren gescliicket, 
gestalt sicli dann das Gluck also gefuget, dass ohaweit Tilsit uusere 
Parthey unter der Conduite unsers Obristen, des von Treffenfeldts, 
auf den Feind getroffen und zwei Regimenter Dragouuer totaliter ruiuiret 
und niedergemachet, auch acht Fähnlein von ihnen erobei*! und uns anhero 
gebracht. Die darbei gewesene feindliche Reuterei hat zwar die erste 
Salve ausgehalten, aber die andere nicht erwarten wollen, sondern aiso- 
fort darauf den Unsrrgeu den Rücken zugekehret und sich salviret, von 
welchen wir dann nichls anders, als alle ihre bei sich gehabte Bagage 
nebst denen Pauken bekommen, wie denn aucli verschiedene OfBcirers 
von dem Feind gelanglich bei uns eingebracht uud viele Reuterei nieder 
gemachet. — 



Aus dem Churförstl. Brandenburgischen Haupt-Quartier zu 
Kukernese vom 20./30. Januai-ii 1679.*) 

[Haracfa des Kf. Glückliches Gefecht Treffe nfeld'e.] 

30. Jao. ^^'^ meinem letzteren sind S. Chf. D. am 18,/28, dieses noch vor Ti^e ans 

Königsberg auCTgeb rochen, und denselbigen Tag sechs deutsche Heilen bis Labiau 

I) Ebeuao auch an die Preussische Regierung. 

') Gedrucktes Flugblatt (hinten noch ein Bericht aus Daoiig vom 1. Febr. i'iber 
Vorgänge in Polen), auf dem theilvreise der Uericbt in Kelutiuu dessen S. -20—22 
beruht. S. über das Gefectit von Splitter v. Buch'» Tagebuch S0./3U. Januar (H, 
S. I3ör.). Vgl. Kiese S. 81 ff., MystedtS. 501 f., Uirsch S. 87 ff., Jfthns S. 25ff, 



oyGooi^lc 



Gefecht bei Splitter. 99 

iTUicireL Am folgenden 19./29. sind Sie über das Cariscbe Haff bis Gilge gangen, 
von dannen Sie zwo starke Parteyen von Reuterey und Dragounern, eine unter dem 
General- Lienteaant Görtzken von 4300 Mann, nnd die andere unter dem 
Obriaten Treffenfeld von 800 ßeutern und 200 Dragounern. voran geschicket, 
niid am 20./30. dieses nmb vier Uhr morgends mit dem FussvoJk und der 
ührigen Cavailerie gefolget. In der Nacht, kurtz vor dem Aufbruch, erhielten 
S. Chf. D. die Nachricht, dass der Feind mit seiner Armee den vorigen Tag, 
ils am 19./29. dieses, zu Tilsit angelanget, und sich daselbst mit dem Gross 
der Armee postJret, die Cavailerie und die Infanterie gefolget, die Dragouner aber 
auf einige nahe gelegene DQrffer verleget hätte. Umb 1 Uhr nach Mittage 
kamen S. Chf. D. allhier an, so dre; kleine tieilen von Tilsit gelegen, umb 
des Fnssvolks und der Artillerie abzuwarten. Bald darauf wurden von dem 
Obr. Treffenfeld zween Gefangene geschicket, mit dem Bericht, dass er be- 
reits mit dem Feinde In Action gerahten. Es ward auch von einem Benter ein 
DTagonerßhnlein, so er daselbst erobert, eingebracht. Eine halbe Stunde darnach 
schickte der Obriste Treffenfeld einen Obrist-Wachtmeister und einen Rkt- 
meister, and liess dabey melden , wasmassen Er sechs Esqnadronen Dragouner 
und ein Kegiment zu Pferde gantz ruintret, acht Dragouner-Fähnlein, ein Paar 
Pauken, nebenst aller Bagage, bekommen, und dass vod dem Feinde viele nieder- 
gemacht, und die überige gefangen genommen. Allem ansehen nach, kaa der 
Feind, weil wir ihm so nahe sind, nnn nicht entkommen. Alle UberläuSer und 
Gefangene, wie auch das Landvolk in gemeine, berichten, dass bey dem Feinde 
eine grosse consternation sey. S. Chf. D. gehen gerade auf ihn zu, verhoffe 
also mit necbslem, vermittels OSttlicber Hülffe, mehr erfreuliches zu berichten. 
P. S. Gleich itzo kommt der Obriste Treffenfeld selber und berichtet, 
dass der beste Theil von des Feindes rechtem Flügel durch diese Action 
ruiniret Er bringet auch über vorigen noch einen Dragouner-Capitaiu gefangen. 



In dem DorflFe Bordam in Zamoyten, vom 23. Januarü und 
2. Februarii 1679.') 

[Glückliches Gefecht GörtEJie's. Verfolgung bis Samaileu. Zustand der feindlichen 



Seit des Obristen Treffenfelds, welchen S. Cbf. D. sofort znm General 2. Febr. 
^ajor gemachet, Kencontre mit dem Feinde, erhielten S. CM- D. in der Nacht 
Nachricht, dass der Feind, bey annähender Nacht, aus der Tilsit in £yl aufge- 

') Gedrucktes Flugblatt. Danach ebenfalls theilweise Relation dessen elc. 
^-:f4— ^6. Kinen sehr ausführlichen Bcricfat über diese Vorginge enthnit v. Buch's 
Tagebuch 21./31. Januar — 23. Jau./2. fehr. (II, S. 13711.). Vgl. ßieae S 82 ff., 
Hirsch S.9If., Jahns S. 29. 



oyGooi^lc 



90 I. Knegsereigiiiase 1676—1679. 

brocheD. S. Chf. D. beorderten so fort den General-Lieaten&nt G5rtzke, dus 

er sich in dem March an den Feind hengen und demselbe allen möglicher Ab- 
bruch thun solte, sie aber rcsolvirten sich, in dem March dem Feinde fSno- 
beiigen, und marcbireten am 21,/31, Jannarii auff den He^dekrag lu, so »off 
den Weg nach der Miimmel liget. Dem 0. L. GÜrtzken geriethe sein Fnr- 
bnben Überaus glücklich. Er') traff des Feindes Arriergarde, wobey der Feld- 
mnrscliall Horu selber gewesen, zwo Meilen von der Tilait an, wirS dieselbr 
nach einem harten Gefecht übern Hauffen, machte über zwölflhundert Mann 
nieder nnd brachte bey zweyhundert Gefangene ein, worunter einige Obci- 
Officirer, bekam auch des Feindes gantze Bag^e, und darnnter viele Munition. 
Pulver- und Kugel-Wagen sampt des Feindes Proviant. Der Feind setzte (ich 
indessen mit dem Gross seiner Armee bey einem Dorffe, hackete die Biuinc 
nieder und schösse mit Canonen auf die Unsrigen, welche sich nach verrichtet« 
action, weil sie keine Artillerie, noch Fusavoick bey sich gehabt, nnd alao den 
Feind in seinem Vortheil nicht weiter angrfifFen können, ofane einzigen Schaden 
ZQnlck gezogen, und bey der Armee glücklich angelanget. Der Feind ändeita 
darauif seinen March und schlug sich gantz zur Rechten nach Samoyten und 
Littauen, wodurch er sich von uns auff funff Meilweges absentiret. S. Chf 1). 
folgeten demselben nichts destoweniger den gantzen Tag und die folgend»' 
Nacht am i'2. Jan./l. Februarii. Als aber der Feind mehr fliehet als marrhirtt. 
auch keine Bagage mehr hat, und hingegen unsere Pferde nach su einem grossen 
March von mehr als 90 Deutscher Meilen, sehr mühde, stehet zu zneifelen. ob 
man den Feind weiter einholen werde, fürnembhch, da er itto mitten durchs 
Polnische Gebiet gehet. Gleiebwol ist der G. M. Treffenfeld ihm noch mii 
Tausent Pferden auff den Fersen. Gestern hat man auch des Feldmarsrhnll' 
llorns General-Adjudanten, Stauff genannt, nebenst einem von der Cantzelev. 
gefangen eingebracht. Alle gefangene Officirer berichten, dass die übrigen 
Trouppen des Feindes in einem überaus miserablen Zustande, dass kaum zvty 
Tausent gesunder Mann, so das Gewehr führen können, mehr seyn, und das 
übrige alles kranck, dass die Reuter von den Pferden herunter fallen, nnJ 
todt ligen bleiben. Weil nun der Feind durch Littauen und Curlnnd noch 
vierzig Meilen zu marchiren, ehe er in LiefTland kommet, auch keine Baga;;'' 
mehr hat, auch nnterweges kein Magazin oder Proviant für ihm ist, wird er 
wol wenig in Lieffland mehr hinein bringen. Bey den Rencontren hat der 
Feind über die vorbenannte acht Dragouner- Fahnen noch zwo E8t:mdarten und 
etliche Fähnlein zu Fnss verloren. S. Gbf. D. sind, Gott Lob, noch gesund. 
und gesünder als sie aus Königsberg gereiset. 

') Vgl. das Schreiben d«s Kf. aus Heidekrug vom 31. Januar an Gr. DüiibolT 
(v, <t. üeUaitz S. 169). Auch ein als Flugblatt gedruckter . Extract-Schreibeoj 
eines vornehmen Cburfürstl. Uiuistri an des Herlzogen zu Croy und hiasigeu Herrn 
Slalthalters Fürsll. Gnaden. Aus Lablau vom 1. Feliruar Anno 1679' herielilet in 
ähulicber Weise von einem Siege Uürt;ike's; sehr iibweiuhejid die schwediscbeu 
Berichte im Diar. Europ. XXXIX, S. ftSö IT., dem Carl sou IV, S. 725 zu folgen 
scheint, und bei Nysledt S. h03. 



oyGooi^lc 



Gefecht fiörtzke'* 



Der Kurftlrst an den König von Dänemark. D. Kokernese 
3. Februar/ 24. Janiuir 1679.') 
[Verlauf seines FeMiuges in Preussen.] 

Dass E. K. M. ich nicht oher von demjenigen, was bei dieser meiner 3 
jetzigen Expedition vergangen, part gegeben, ist daher geschehen, weit 
ich bis anhero in stetem marche oder in action mit dem Feinde begriffen 
gewesen. Jetzo aber kann nicht umbhin E. K. M. in hergebrachtem 
Vertrauen zu eröffnen, dai^s der Allerhöchste den Feind stracke bei 
meiner Ankunft in Preussen dergestalt mit Furcht und Schrecken ge- 
schlagen, dass so balde er vernommen, dasa ich mit meiner Armee 
am 1U./20. Januar über die Weichsel gangen, er sich wie er schon bis 
mitten in meinem Hertzogthumb Preusaen avanciret war, in möglichster 
Eil zurückzuziehen angefangen, ungeachtet ich noch an die 20 Meilen 
von ihm entfernet war. Damit ich ihn nun einholen möchte, liess ich 
meine Infanterie auf Schlitten fortbringen und ertheilete meinem Gen. 
Licut. dem von Görtzken Ordre, dass, weil er dem Feind mit seinem 
unterhabenden Corpo naher stunde, er ihn mit steten Partheyen allar- 
miren und anfhalten sollte, welches dermassen geglücket, da») nicht 
alieine lüglich sehr viele Gefangene, worunter auch der Graf Carlsohn 
selber gewesen, eingebracht worden, sondern auch der Feind in seinem 
marchc wenig avanciren können und fast alle Nachte sich zusammen 
;cichen oder campiren müssen. Am 16./2G- Januar bin ich zue Konigs- 
ber^k angelanget, alwo ich nur einen Tag geruhet und entzwischen die 
Regimenter avanciren lassen, so da.is ich mit der ganzen Armee am 
(H. 28. zue Labiau gestanden. Alwo ich auf erhaltene Nachricht, dass 
der Feind seinen march von Insterburgk nach der Tüse gerichtet hätte 
und alao kaum eine Tagereise mehr von mir wäre, eine starke Parthey 
van Reutern und Dragonern bis auf 5(XX) Mann unterm Gen. I.ieut. 
fiörtzken und noch eine andere von 8<X> Pferden und 200 Dragonern 
unterm Gen. Major Treffenfeld detachirte, mit Ordre, den Feind zu 
reo^Dosciren, denselben im marche aufzuhalten und ihm allen möglichen 

1 Schon gedruckt im Uilil&r-Wocbenblatt XXI. Jihrg. (1836), S.SOOf. 
Aehntich lautende Schreiben hat Kf. unter demsellien Dulum auch »u den Kaiser 
"nd an seine anderen Alliiericii gesandt. Uas an die Gen. -Staaten gerichtete ab- 
üednickt inVerw. Europa 111, S. 867 f., das an den Kaiser Urk. u. Act. XIV, ■>, 

S. 899 ff. 



oyGooi^lc 



92 T' KriegsereigniBse 1676- 1679. 

Abbruch zu thuen. Ich avaocirte enUwiächen mit dem Fussvolk, der 
Artiglerie und dea übrigen Reutern den ld./29. bis Giige und den 20 30. 
bis Kukerueae, alwo ich sichere Nachricht erhielte, dasa der Feind den 
vorigten Abend 2ur Tilse, so nur drei Meilen davon ist, angelanget wäre 
und sich daselbst gesetzt hätte. Denselben Tag glückete es meiner 
unterm Gen. Major Troffenfeld ausgeächioketen Parthey dei^estalt, iisf 
er am hellen Tage dem Feind ein Quartier enleviret und darin drei 
Regimenter Dragouoer und eines zue Pferde ganz geschlagen und ruiniret. 
und hat der Feind daaetbat 8 Dragouner Fähnlein, welche mir auch 
selbigen Abend praesentiret wurden, nebst zweien Standarden und ein 
Paar Pauckeu verloren. Bei anbrechender Nacht reterirte sic;h der Feind 
von Tilse über den Mümmelatrom, worauf ich auch sofort aufbrache, 
und weil verlautete, dass er seinen vorigten Weg bei der Mümmel vor- 
bei nach Curlandt, welches auch der richtigste und bequemste ist, nehmen 
wollte, resolvirte ich demselben vorzubeugen nnd richtete meinen march 
auf einen Ort, ao der Heydekrug genannt wird, zue. Am selbigen Tage. 
als den 21./31., geriethe vorgedachter mein Gen. Ltent Görtzke mit 
seiner unterhabenden Parthey im marche an des Feindes Arrieregarde, 
wobei sich der Feldmarschatck Hörn selber befunden, warf selbige nach 
einem harten Gefechte übern tiaufen und ruinirte sie totaliter, ao dass 
bei die 1200 Mann auf den Platz geblieben und bei 2U0 Mann gefangen, 
auch dabei des Feindes meiste und beste Bagf^;e nebst vielen Munition 
und Proviant- Wagen genommen worden. Dieser Verlust des Feindes 
und weil er auch einige Nachricht von meinem Dessein gehabt, machete 
demselben seinen march äudern, dergestalt dass er sich die darauf fol- 
gende Nacht ganz zur rechten Hand wärts geschlagen und seine retirade 
mitten durch Samoyten, Litthauen und Churlsnd zu nehmen Vorhabens 
ist Ob er nun zwar dadurch wieder eineu Vorsprung von 5 Meileo 
bekommen, habe ich ihm doch einen Tag bis in Samoyten gefo^et, ihn 
aber, weil er mehr laufet als marchiret, mit der Infanterie und Artiglerie 
nicht einholen mögen, daher ich dann, umb meiner Leute, welche einen 
march von mehr als 100 teutscher Meilen gethan, in etwas zu schonen, 
auch weil der Feind nicht mehr in meinem Lande, sondern bereits in 
polnischem Gebiete gewesen, demselben nicht länger mit der Armee 
folgen mögen. Ich habe aber dennoch meinen Gen. Major Treffeu- 
fetd mit 1000 Pferden beordret, demselben nachzugehen und Abbruch 
zu thuen, und vernehme ich gleich Jetzo, dass auch die Samoyten auf- 
sitzen und nebst meinen Leuten den Feind verfolgen sollen. Alle Ge- 



oyGooi^lc 



Bericht des Kurfärstsn über den Peldzug in Preussen. 93 

rangeoe, worunter viele Ober-Officirer, berichten einhelltg, dass der Feind 
ganz ruiniret, dass er Iceine 20Ü0 gesunder Mann mehr habe und dass 
die Reuter so abgemattet, dass sie im Reiten von den Pferden herunter 
Sturzen und todt bleiben, und ist leicht zu ermessen, wie viele der Feind 
wieder in Liefland briugen werde, da er annoch bis dahin 40 Meile 
Weges durch Samoyten, Litthauea und Churland in dieser grimmigen 
Kälte mit der Einwohner Unwillen und Wiederstand und durch sehr 
enge nnd böse Wege zu marchiren hat. — Ew. K. M. habe ich solches 
umb so viele lieber hinterbringen sollen, weil ich anjetzo wieder freie 
Hände bekommen, umb mich des Heil. Rom. Reiches Angel^enbeiten 
mit mehrem Nachtruck anderweit anzunehmen. — 



V. Schöning^) an den KurfQrsten. D. Paltz^ 5. Februar 1679. 
[Sein Harach. Zusaminei] treffen mit einem littauischen Obriaten. Nachrichten über 

den Feind.] 

E. Chf. D. berichte unterthänigst , dass ich meinen raarch heute &- Febr. 
Truhe for^esetzet und denselben zur rechten auf Baltz genommen, umb 
lien Feind in die richte zu gehen, denn er hat sich durch den Wald 
nicht trauen wollen, sondern ist zur linken des Fleckens Twer, da er 
dieHo vergangene Nacht gestanden, marciiiret, er eilet Qber die Massen 
^hr, ich hoffe jedennoch mit Gottes Hülfe morgen an ihm zu sein, 
meine Kundschaft lantet, dass er seinen Weg auf Sereneu nehme, er 
hat zwar Mine gemacht, ganz zur linken nach Churiandt zu gehen. 
vendet sich nun aber wieder zur rechten, umb Mitaw zur linken zu 
ISi^eQ. Unsere Pferde sind zwar sehr matt w^en des starken Marches, 
allein hier finde ich Haber und Heu vor Geld nnd will eine Stunde drei 
fütterD, und dann diese Nacht, soweit ich kommen kann, marchiren, 
der Feind soll keine Kundschaft voq mir haben. Ich habe*) des Feld- 
hertn Patzen nahen Vetter und Schwestei'sohn , welcher das erste Re- 
giment Husaren commandiret, angetroffen, welcher zwar im Anfang 

'} Heber die Entsendung Scböning's zur weiteren Verfolgung dea Feindea 
■■ T. Bnch'a Tagebuch 34. Jsnuar/3. Februar (II, S. 143), Relation deaaen ete. 
S.ä?f. 

>] Baltsch in Samalten. 

■) Vgl. Relation deasen etc. S. 38. 



oyGooi^lc 



94 ' I- KriegsersifuiMe I676-1G79. 

Kiinlilicli hart Ke-sprochen, Jedeunoch endlich mein bester Freund ge- 
worden und mir versprochen, mit seinen zusammengezogeneu Trouppen 
diese ganze Naclit bis vor den Feind zu marchiren und ihme aufzu- 
halten suchen, auch sonsten alle Freundschaft und Assistenz versichert, 
die Canonen') aber abfolgen zu lassen, habe ich ihn nicht bringen 
können , voi^ebende, sie wären auf ihren Grund und Boden bestehen 
blieben, ohne doxa wir ans derer sofort bemächtiget und unsere Wacht 
dabei gestellet, endlich doch gesaget, es käme nach dieser Action wohl 
zurechte, däucht mir derohalben unvoi^reiflich , dass man es mit Ab- 
holen der Stücke menagiren müsse, bis wir an den Feind gewesen und 
bis E. Chf. D. deshalb einen Expressen an den Feldherrn Patzen 
geschicket haben. 

Soeben kommt Kundschaft, -dass der Feind einen Trompeter des Kf. mit 
Briefen bekommen habe und darauf diese Nacht nach Serenen bin, das 5 Heilen 
von hier liegt, aufgebrochen sei. Näheres bofft er bald zu erfahren, da er Kund- 
schafter und auch zwei Parteien aus bat, welche sich verdeckt halten und nur 
Nachricht von des Feindes Cootenance einholen sollen. Er hat zu Coadjuten, 
Dtwingi und hier mit Consens der Polen Postreiter gelassen, um dem Kf. T^ 
and Nacht was passiert avisieren zn können.') 



Graf G. von Dönhoff*) an den Kiirftlrsten. D. Schweigsen 
5. Februar 1679. 

[Zusland der scbvtedi sehen Armee.] 

Er hSlt es für seine Schuldigkeit, vom Zustand des Feindes zn berichten, 
zumal er davon durch einen Soldateu, der sich eine Zeit in dessen Lager auf- 
gehalten, zuverlässige Kunde erhalten hat. 

Heut haben sie zu Twer, einem Städtlein 13 Meilen von der kurlSndiscbfa 
Grenze gestanden, sie eilen sehr, kennen aber über 2 oder 3 Meilen täglich 

') S, über diesa GescbSlz«,. «eiche die Schweden bei Scbwinge hatten stehen 
lassen, RelatEon deaaen etc. S. 28, v. Buchs Tagebuch ä5. JaDuar/4. Febr.. 
26. Januar/5. Febr. und 28. Janu»r/7. Febr. (II, S. 143 f.). Vgl. NjBt«dt S. 505, 
Hirsch S. 95 f., J&hns S. 29 f. 

>} Weitere Berichte v. Scböning's ui den Kf. befinden sich bei den Akten 
Dicht Ein Schreiben desselben an Q.-Feldin. Derfflinger aus Gr.-Kressen Tom 
]./ll. Februar ist in einem Flugblatt aua Königsberg vom Ü./16. Febr. (wieder- 
abgedruckt biar. Europ. XXXIX, S. 511) mitgetbeill. 

') Graf Gerbard v. Dönhoff, littauischer Oberschenk, Bruder des General- 
majors Friedrich v. Dönhoff. 



oyGooi^lc 



Rücktag tter Schwedaa durch Samailen. 9Ö 

nirlit Kälten wegen aligematleter Pferde und Leute, daher sie auch einen grossen 
Müraer nnd zwei Stücke') bei einem von Adel Sold erliacli liaben stellen 
Ussen, sagend, aie schenkten es dem RSnigo von Polen. Ihre Wagen bleiben 
viel stehen, weil die Pferde davor für die Artillerie genommen werden. Die 
FussvSlker findet man an den Zäunen bis 30 beisammen erfroren liegen und 
Pferde, die verhungert, weil ihnen die Bauern nur mit grosser Mühe und Bitte 
oder doppelt bezahlt etwas Raucbfutter zukommen lassen. Die hier stehenden 
Pacischen Compagnleeu haben Ordre, fertig zu »ein, sobald sie Ordre erhalten 
werden, nichtsdestoweniger rottieren sie sich nebst dem Adel sehr zusammen, 
um Beute zu machen, und gestatten ihnen keine Zufuhr. Mit dem König ist 
der Feldm. Hörn wenig zuMeden. Sie sollen doch noch bei 6000 Mann stark 
sein. Wenn des Kf. auscommandierte Truppen Ordre erhalten sollten, den Feiijd 
bis Higa zu verfolgen, so glaubt er, dass wenigstens die Artillerie im Stich 
bleiben müsste, falls sie nicht totaliter geschlagen werden sollten, denn alles, 
was in Samaiten jetzt aufsitzt, würde mitgehen, um den Feind zu verfolgen, 
wenn nur des Kf. Truppen gute Ordre halten und dem Landmann hier und in 
Kurland keine Ueberlast thun. 



ÄUB Kukernese vom 27. Januarii und 6. Februarii 1679.') 

(Treffenfeld und Schön log.] 

Vor drejren Tagen kam der Herr Gen. H^or Treffenfeld znrQcke, und 6 
brachte mit'), dass er noch einmal mit des Feindes Arriergarde glücklich ge- 
troffen nnd demselben eine Estandarte, welche er S. Chf. D. praesentiret, ab- 
genommen, und dass nnter andern des Feldmarschall Horns Vetter, der 
Obrist-Lieutenant Hörn, in solchem Gefechte geblieben, anitzo setzet der Qener&l- 
lüyor SchSning mit Tauseut ansserlesenen Pferden*) und fünff hundert Dra- 
gonern, wozu heute noch fünff hundert Dragoner stossen sollen, dem Feinde 
nach, welcher, der UberiSuffer and Gefangenen Bericht nach, sieb in einem 
elenden Zustande befinden solle. Er bat bereits in 2 Tagen kein Brodt gehabt, 
Dad hat in lüntT Nachten unter keinem Dach gestanden , noch Feuer machen 
dürften, so dass alles von Hanger und Frost vergeben müssen. Die Samogilen 
silien anch aoff, lassen dem Feinde nichts folgen und capntiren alles, was sie 

') S. oben S. 94. 

') Gedrucktes Flugblatt, betitelt: „Extract einiger Schreiben aus Kuckernese 
uad Königsberg vom 6. und 10. Februarii 1679'. 

*) Heber diases neue ZusammenlreRen Treffenfeld'i mit den Schweden s. 
Relilion dessen etc. S. 27 und v. Buch's Tagebuch £3. Januar/2. Febr. und 
'^4. Januar/3. Februar (11, S. 141 f.) und den sehr abweichenden scbvedischen Bericht 
bei Nfstedt S. 504. Vgl. Riese S. 87f., Hirsch S. 94, 

•) Vgl. V. Buch's Tagebuch 26. Januar/5. Februar (II, S. 143). 



oyGooi^lc 



96 t. Kriegsereignisae 167(1—179. 

iiDT bekommen k5nnen, gesUlt denn die Wege, wohin der Feind marcliint, 
voller Todton, so theila erschlagen, theils erfroren oder verhungert ligen. Des 
Feindes Consternalion und Flucht ist so gross, daas er bereits vier seiner 
grossesten Stücke, als zwe; zwölffpf findige und achtpfündige nebst einem Feuer- 
mörser hat müssen stehen lassen. 

RSnigsberg vom 10. dito. 
Demselben weiss für itao nichts zu berichten, als dass der General Schöning 
abermal') zwey Stükke, zwolff Munitionwsgen und eine grosse Menge Gefangene 
zurück gesandt, zwey mal des Feindes Arriergarde altaquiret und geschlagra. 
auch denselben noch immer verfolget. S. Chf. D. sind noch zu Rukernese. 
und die Churfürslin zu Labiau. 



Graf G. von DönhotF an den Kurfürsten. D. Schweigsten 

8. Februar 1679. 

[Die zurück gel aaseueu schwedischen GaschüiEe. Zustand der schwedischen Armee. 
Das polnische Aufgebot.] 

Die Schweden haben die Stücke') bei einem Edelmann Solderbach bei 
Zwingt nebst einem Schreiben an den König von Polen stehen lassen, eine Com- 
pagnie Polen aber, die in Zwingi ihr Quartier hat, hat sie dorthin gebracht und 
des Kf. Partei hat sie von dort weggenommen. Dieselben sollen 7 Stück im 
ganzen, die der Feind zurückgelassen, bekommen haben. SchQniug ist Hontag 
durch Zwingi gekommen. Der Feind lässt viele Tote unterwegs 'liegen, die In- 
fanterie geht alles mit verbundenen abgefrorenen Füssen, ihr Elend soll nicht 
zu beschreiben sein, da ihnen alle Zufuhr von den Polen benommen wird. Des 
Kf. Truppen sind nicht mehr weit von ihnen. Wfire der Feldherr Pac hier, 
„ihres Gebeines würde nicht davon kommen". „Das ist gewiss, dass alle C-om- 
pagnien zu Pferde sitzen, auch viel von Adel, in summa alle raubbegierige 
Brüder, denn sie mehr wegstehlen als fechten werden." 

') S. Relation dessen- etc. S. 29, v. Buch's Tagebuch 28. Januar/7. Febr. 
(II, S. 144). 

') Kf. hatte (d. Kukernese 7. Febr./28. Jan. 1679) D. für sein Schreiben vom 
5- Febr. gedankt und ihn um n&here Angaben, wo die scbwedjscben Geschütze liegen 
geblieben wären und wie man am n&cbsten dahin kommen könnte, gebeteu. 



oyGooi^lc' 



Verfolgung der Schweden durch ScbÖDing. 97 

Der Kurfürst an die Preussische Regierung. D. Kukemese 
8. Februar 1679. 

[ÄblebDuug eines feierlichen Einzuges. Daakfest.] 

D&nk für den Glückwunsch.') Da er den Tag seiaer Ankunft in Königs- S 
berg noch nicht weiss, überdem die Kälte so streng anhält nnd andere UmstSnde 
mehr dabei unterlaufen, so meint er, dass für dieses Mal dergleichen Solenai- 
täten eiuEnstellen seiea. Sobald er in die Residenz zurückkehrt, wird er ein 
Daokfest') in allen seiaen Landen anordnen. 



Aus dem Churf. Brandenb. Hauptquartier zu Kuckernese 
den 9. Febr./30.Jan. 1679. 

[Ankunft der scbnedischen GescbStze.] 

Die drey schwere Stucke nebst dem Feyer MÖrsel, wovon in meinem 9. Febr. 
jüngsten') gedacht, dass sie dem Feinde abgejaget worden, seindt') vorgestern 
alUiier eingebracht und Sr. Chf. D. praesentiret worden, und seind die 2 grossesten 
sambt dem H5rseH von einem über aus schönen Ousae. Die jüngste Nachricht, 
80 S. Chr. D. von dero Gen. Miy, Schöning, welcher dem Feinde unnachlessig 
nachfolget, erhalten, ist, dass er damahln nur noch 2 Meilen von dem Feinde 
gewesen, und demselben am folgenden Morgen einzuholen verboffet, dass dannen- 
hero der Feind anglanblich in seiner Flucht eile, und abermahln') über vor- 
«rwehnte Stücke noch 2 Regiment Stücke, 23 Wagen mit allerbandt Munition, 
2 Karren, i Kugelwagen nnd einen Wagen mit Stricken bey einem adelichen 
Hoffe in Samojten stehen lassen und abandoniret, so dass es mit der Artillerie 
Qua woll meist getban sein wird. Es bericbtet gedachter Gen. Maj. ferner, daas 
«r nur in einem T^e im Machsetzen über 150 Krancke und Verb angerte vom 

') Die Preussische Regierung batte (d. Küoigaberg 4. Februar 1679) dem Kf. 
itiHa Qlaekvrunsch zur Befreiung des Landes und ihre Absiebt, ihn bei seinem Ein- 
enge in die Residenz mit gebührenden SolenniUten zu empfaugso, ansgesproeben 
nnd aagefragt, an welchem Tage dieses geschehen und ob und wann ein Dankfest 
angeordnet werden sollte. 

*) Bin solches wurde tririilich am 19. Februar abgehalten, s. v. Buch's Tage- 
buch (11, S. 148). Diar. Europ. 3£XXIX, S. 544 nennt irrig den 16. Februar. 

*) S. oben S. 9ä. 

*) Vgl. V. Buch'» Tagebuch 28. Januar/7. Februar (11, S. 144). 

^) S. Relation dessen etc. S. 29, v. Buch's Tagebuch a. a. 0. Vg . 
NTttedt 8.504. 

lUttr. L Oeich. d. Q. KarnratsD. XVIII. 7 



oyGooi^lc 



98 ■ I. KriegaereigniMe 1676—1679. 

Feinde angetroCFeu, und Ober 50, welche die Baaern uf dem Wege todt ge- 
schlagen, das9 ihm anch die polinische Trouppen versichert, sie wallten sieb 
vor dem Feind setzen, demselben anfhalten und den Wald, wodurch er iudbs, 
verhauen: Imgleichen dass die Samoytischen Bauren mit grossen Prügeln bey 
den Unsrigen herlaufen aud mit auf den Feind schlagen wollen. 

PS. Bei Schliessung dieses berichtet der Gen. Major Schöning, dass der 
Feind Tag und Nacht seine Flucht fortsetzet, wie wol mit grossen Verlust, so 
dass er von seiner Infanterie woll nichts nach Liefland bringen werde, den sich 
alles was auf den marche nicht bleibet, auf beiden Seiten der Wälder verstecket 
und crepiren, oder von den B&Dern todt geschlagen werde. Wie er dann an 
dem Wege nnzehlig viele todte und ganz nackende elende Leute noch immer 
finde. Die Pohlen wollen diese, welche sie nicht nmb bringen, nicht in die 
Stnben nehmen, und müssen derhalben in dem Frost und Schnee alle vei^hen. 
Die wenige bagage, so sie noch haben, sollen sie auf die Pferde laden und 
Wagen und Schlitten verbrennen. Die Pohien haben sich erhöhten, dass sie 
sich mit dem Oeu. Maj. Scboning eonjuugiren wallten, welcher resolviret ist, 
dem flüchtigen Feind bis in Lieflandt zu folgen.') 

>) Ueber den «eiteren Verlauf der Expedition Schöning's s. ReUtiou 
dessen etc. S.SOff. (Diar. Europ. XXXIX, S. 413 (T.) und die dahinter abge- 
dnicklen Berichte aus Uilau und Uemel über den Zustand der nach Liefland luröcli- 
gekehrten Ueberreate der schwedischen Armee. Vgl. Nystadt S. 509. Hirsch, 



oyGooi^lc 



5. Die kriegeriselieii Vorgänge am Rhein nnd in 
Westfalen 1679. 

A. V. Spaen an den KurfQraten. D. Wesel 12./22. Februar 1679. 

[Fein dseligkei tan der K.CölnUcben gegen die dort eiaquartierten Regimenter des Kf. 

Verdichtig« Haltung K.Cölns und Hünstera. Gespricb mit Gr. Waldeck. Bitte um 

VerslSrliung.] 

Die k.c51üisch«n Soldaten and Banern fahren noch fort'), des Kf. im 23. Febr. 
CSInischen eioqDarlierte 2 Regimenter z. Pf. zo attaqnieren and heraas zn 
treiben. Gestern bat Feldmarschall Graf Waldeck hat der Durchreise') nach 
dem Haag bei ibm gespeist, derselbe konnte nicht genug sagen, wie die CÖl- 
niscben nod Paderborn Ischen hierüber gloriieren nnd die Obren spitzen. 

Gemelter Feldmarschall ist gänzlich mit mir der Meinung, dass 
zwischen den Prantzoseo und Cölnischen eine gute intelligence sei 
und der Bischof von Munster in diesem Werk trampiret, davon gute 
Wissenschaft tragen und vermuthlich geratben haben werde, eine solche 
Action gegen E. Chf. D. Leute zu verüben, in der Hoffnung, dass ich 
dadurch veranlasset werden sollte, mit allem, was ich alhie aufbringen 
könne, mich dorthin zu begeben und dieses Land und Festung vom 
Volk XU entblössen — damit die Frantsosen soviel besser und nach 
ibrem Gefallen dieses Land ausptundorn und abbrennen, auch wohl 
gegen diese Festnog etwas anfangen könnten. 

<} Kf. hatte di« beiden aus Preusaen herangezogenen Regimenter du Hamel 
und Holstein (s. oben S. 1~2; im K.CÖlaigchen, in und um Ruthen, Quartiere be- 
ciehea lassen. Das hatte nalörlich lebbafte Beschnerden E.Cölas veranlasst und 
fSbrte, da diese erfolglos naren, zu Thätlichkeiten. In einem Erlass der li.eölniscben 
Bcgienmg in Westfalen (d. Äreusberg 3. Febraar 1679) vird den Uutertbanen ler- 
boten, den Braodenbargera «eiter stwas zu geben. 

■) S. P. L. Müller, Wilhelm III. von Oranien und Georg Friedrich von 
Waldeeh. 1 (Haag. 1873), S. 46. 

7" 



oyGooi^lc 



lOü I- Kriegaereignisse 1676—1679. 

Diese Nacbt sind die Franzosen zwischen BQdericli und Weael mit 300 Hann 
am Rhein gewesen, haben Brandwerk bei sich gehabt, vermathlich um die hier 
im Hafen liegenden Schiffe anzuzünden, da sie aber gemerkt, dass seine Wachen 
und die Schiffer wachsam gewesen, sind sie wieder zurückgegangen. 

Damit Iiippstadt etwas besser versichert sei, hat er 4 Compagnieen vom 
HolsteJnschen Regiment dorthin marscliieren lassen, auch i Compagnieen Holstein- 
sche Dragoner. Dem Kf. ist bekannt, was Lippstadt den Cathoiischen tür ein 
Stacliel im Auge ist. Seiner Meinung nach darf Kf. den seinen Waffen ange- 
thanen Schimpf nicht ungeahndet lassen. Dass der Bischof von Münster and 
Paderborn 3000 Reiter und i R^imenter z. Fuss werben ISsst, giebt aller- 
hand speculationes, wird nach Waldeck's Meinung auch in Holland viel Nach- 
denkens verursachen. 

So ') lang die geistlichen Chur- und Fürsten die Waffen in Handeo 
haben, ist ea nicht allein vor E. Chf. D., sondern auch vor Holland und 
andere Evangelische gefahrlich, derowegen deucht mich — daes man die 
Waffen etwas behöxte zu dämpfen, welches dann wohl zu thuo und 
hätte man snitzo einen guten Praetext, den Anfang zu machen. Dieses 
haben der Gen.-Feldmarschall und ich lang mit einander überlegt und 
finden die Sache woll thunlich, bat auch angenommen, mit S. Hoheit 
hieraus zu reden, mit der Versicherung, dass Brannschweig mit die 
Hand anschlagen werde, bittet aber, dass diese Sache und sein Name 
mögen secretiret werden. Indessen fürchte ich, dass unsere Quartiere in 
dem Gölnischen verloren gehen. — Ich sehe sonst noch wohl Apparenz, 
obwohl die Paderbornischen publice sich des Werkes [anoehmen] möchten, 
Rüden wiederumb wegzunehmen, die Quartiere zu mainteniren und 
Satisfaction vor den empfangenen Schimpf zu erlangen, wann nur 
E. Chf. D. — einig Fussvolk — anhero marchiren lassen, wann aber 
E. Chf. D. auch noch einige Reuterei und Dragoner mitzuschicken 
gnädigst gefallen, sollte man desto sicherer gehen. — ') 

'] Das Folgende lata grossen Theil in Ziffora. 

») T. Spaen schreibt dem Kf. aus Wesel am 8. Mira 1679 mit Bezug auf ein 
Memorial Blaspeil's vom 25. Februar, auch er glaube nicht, dass Frankreich um 
lloltands willen sich enthalten werdß, Wesel, nenn es dieses für dienlich halte, an- 
zugreifen, er halte sl aber nicht für geratben, diese Festung aufzugeben. Sollte 
aber Kf. doch mit Rücksicht auf den Priedengschluss des Kaisers sich dazu enl- 
schliessen, so bittet er ihn rechtzeitig davon zu benachrichtigen, damit er die Ge- 
schütze' und was sonst darin ist, nach Lippstadt und Schenkenschanz schaffen könne. 
Wenn aber Kf. die Festung maintenieren wolle und er dag nöthige Fussvolk erbalte, 
so wolle er es schon so machen, dass derselbe zufrieden sein solle. In dem PS. 
meldet er, dass 400 Mann z. Fuss und eine Compagoie zit Ff. Cölnisebe von Kaisers- 
werlh nach Recklinghausen marschierten, man könne leicht denken, vorauf es ab- 



oyGooi^lc 



Feindselige Haltung K.Cülns und MSualers. ' 



A. V. Spaen an den Kurförsten. D. Wesel 8./18. April 1679. 

[Auf ein Rescript »om 2./12. April'). Bedenken gegen die Rfiumung Wesels und Lipp- 

stttdts. Ruth, sofort mit Frankreich Frieden zu schliesseu.] 

Er fürchtet, 1) die Franzosen werden allerhand specnlationes haben, wnrum ' 
Rf. die Stücke samt allem dem, was in den clevischen Festungen ist, haben will, 
und dass sie 2) denken werden, es dependiere nur von ihaen, dieselben mit 
allem, was darinnen, ohne das in kurzem wegzunehmen, was auch mit Lipp- 
stadt and Schenkenschanz wegen Mangels an der nöthigen Besatzung in 2 oder 
3 Tagen geschehen würde und auch mit Wesel nicht anders abgehen konnte. 
[>ie Franzosen würden also aas des Kf. Resolution vielleicht judicieren, man 
trete ihnen an solchen Festungen nicht viel ab. 

3) Wenn auch die Franzosen des Kf. Offerte annehmen, su werden sie doch 
ohne Zweifel auf der schwedischen Satisfaction bestehen and Kf. dadurch keine 
bessere Conditio nen erlangen. 

4) Werden die Franzosen die Festungen mit starken Garnisonen besetzen, 
den Unterhalt für diese vom Lande fotdern und dasselbe auch wohl mit Ein- 
quartierung belegen, so daas dem Lande dadurch nicht nur keine Hülfe and 
Rettung werden, sondern es vollends zu Grunde gerichtet werden dürfte, viel- 
leicht wÜTde es auch dem Mindischeit und Ravensbergiachen ebenso ergehen. 

5) Werden die fraazosischen Ambassadeurs ihr Anbringen nur ad referendum 
annehmen und der König wird dasselbe gewiss zu des Kf. Nachtheil public 
machen. 

In Anbetracht aller dieser luconvenientien meint er daher, da Kf. die Re- 
solution genommen, sich gleichsam in die Arme des franzSsbchen Königs za 
werfen, um dadurch billigere Friedensbedingungen zu erlangen, und eine andere 
Zeit abzuwarten, um das zu ressentieren, was ihm von denen widerfahren ist, 
von welchen er verlassen worden und die ihm in allen billigen Sachen zuwider 
gewesen, so th&te er auch am besten, so gut er nur kann, den Frieden mit 
Frankreich, ohne dem Könige diese Lande und Festungen einzuränmen, ab- 
zusch Hessen. 

geiehea sei. Er wnnscbt, Kf. wäre schon wieder in Berlin und er erhielte Ver- 
ElirkuDgen, denn mit so wenig Volk sei es ihm unmöglich, die Festungen xn be- 
■etzen und daneben auch die Quartiere zu defendieren. 

') Dasselbe findet sieb nicht bei den Akten, ist aber jedenfalls in der Haupt- 
sache g'le ich lautend gewesen znit dem an demselben Tage an Blaspeil erlassenen, 
du unten Äbschn. VII mitgelheill ist. Chr. v. Brandt beauftragt Kf. (d. Potsdam 
^9. Ju!i/[8. August] 1G79J, dem König von Diuemark anzuzeigen, an der Ueber- 
gabe TOQ Wesel und Lippstadt sei das Haus Braunach vrelg schuld, welches ihm 
den Durchmarsch seiner Truppen glatt abgeschlagen, daher habe er weder dort noch 
in Uinden genügende Truppen gehabt. Seine Armee aus Preussen h&ttB er nicht 
eher mirscliieren lassen können, bevor das Gras hervorgewachsen, was dort in diesem 
Jahre spät genug geschehen sei. 



oyGooi^lc 



102 I. Kriegsoroignisse 1676—1679. 

Er würde gerne das Seinige, wenn Kf. zu seiner Intention w^n Fommeni 
gelangen könnte, daran geben, wenn nicht zu fürchten stände, dass das eine, 
der Ruin der Länder, gewiss gescbehen, das andere aber uicbt erfolgen and es 
doch zuletzt auf einen solchen Frieden auslaufen würde, wie ibu Frankreich 
haben will und alle anderen Alliierten angenommen haben. 

PS. In Nimwegen hat er mit dem Harscball d'Estrades nnd mit Colbert 
gesprochen, beide behaupteten, das Accooimodement binge von der SaÜB&ction 
Schwedens ab, ersterer bat ihn, dem Kf. mitzutheileo , er möchte sich doch je 
eher je lieber mit seinem K&nig setzen, je länger man damit traisnierle, je mehr 
würden seine Länder ruiniert und je schwerer würden die Bedingangen werden, 
die Armee sollte sicherlich den Rhein ehest passieren. 



A. V. Spaen an den Kurflirsten. D. Dussburg 3. Mai st. n. 1679. 

[UebergaDg der Franr.osen über den Rhein, Unmöglichkeit, ihnen Widerstand lu 

leisten.] 

Da der Stillstand') zu Ende lief, ist er') am 17./27. April von Wesel aas 
den Rhein hinauf bis hieber und am folgenden Tage bis gegenüber Ürdingen 
geritten, um den Ort selbst in Augenschein zu nehmen, wo er seine Lente mit 
advantage postieren und am füglichsten einige Werke verfertigen lassen könnte, 
um den Bau einer Brücke zu verhindern, Er hatte allen Truppen befohlen, 
den letzten April hier zu sein und die folgende Nacht praecise um li Uhr, da 
der Sttllsand alsdann expirieren würde, bei dem Dorfe Mulehem, Ordingen 
gegenüber, zu stehen, eine oder zwei Batterien von 12 oder 13 Stücken und 
ein Epolement, dahinter er 2 — 300 Musquetiere legen könnte, machen zu lassen, 
um so dem Feind die Passage zu verhindern. Darauf ist er den Rhein hinunter 
bis Ruhrort geritten and hat die beiden Herzoge von Holstein, welche mit 
400 Dragonern und i Compagnieen z. Fuss dort lagen, ermahnt, gute Wacht 
zu halten und fleissig patrouillieren zu lassen. Denselben Abend ist er wieder 
nach Wesel gekommen, mit der Absiebt, mit 1500 Mann oommandicrte Musquetiers 
und dem Canon des folgenden Sonntag Abends wieder hier zu sein. Sonn- 
abend [den 19. /2!).] Mittag um 11 lihr bat er aber von den Herzogen von 

') Der am 31. März zu Nimwegan abgeschlossene Waffen etil Ist and (s. unten 
Abachn. VII) lief vom I. April bis zum 1. Hai. 

") Vgl. Vor«. Europa 111, S. 1075. St. Disdier, Bistoire des negotiaiions 
de Nimegue, S. '282 f. 

>) Herzog Friedrich Ludwig von Holstein-Beck, Oberst des Dragoner- 
regitnents Holstein, und Herzog August von Uolsteln-Plön der jüngere, Oberst 
des Infanterieregiments JuDg-Holstein. S. i. Hülverstedt, Die brande ob. Kriegs- 
macht unter dem Grossen Kurfürsten S. i^0, Lehnann in Forsch, zur brandenb. 
u. preass. Geschichte I, S. 475. 



oyGooi^lc 



Uebergan^ d«r Franzosen aber den Rhein. lf)3 

Holstein die Nachricht erhalten, dass der Feind den Rhein passiert, das 
alte rainierte Schloss Ängerort besetzt nnd auf die brandenbncgischen Patrouillen 
geschossen hStte. Da der za ihm abgeschickte Capitain-IJentenant ihm nichts 
N&heres berichten konnte, hat er denselben alsbald znrfickgeschicict and ihm 
gesagt, was man thun sollte, mit Vermeidung, dass er am Abend bei ihnen 
hier sein wollte. Am Sonnabend Nachmittag erhielt er von den Herzogen die 
weitere Nachricht , der Feind wäre stark herüber und liesse sich noch immer 
mit S Schiffen übersetzen, daranf ist er sofort hennarschiert und ist in der 
Nacht mit dem Fassvolk hier angelangt Es worde ihm berichtet, der Feind 
sei am vorherigen Nachmittag mit wenigstens 3000 Hano gelandet, brSchte auch 
immerfort mehr Volk herüber nnd verschanzte sich stark. Es hat sich aber 
befunden, dass derselbe anfangs nicht über 3^400 stark gewesen, so dass er 
sicherlich geschlagen worden wäre, wenn man ihn attaquiert hStte. Er hat 
daranf den Herzogen vorgehalten, warum sie ihn nicht sofort anjiegriffen und 
repoussiert hätten, sie erwiderten, sie hätten dieses ohne seine Ordre nicht thun 
dürfen, in Furcht, den Stillstand zu violiercn. Der französische Commandant 
im Schlosse, mit dem sie lange gesprochen, hätte vorgegeben, sein König hätte 
das Haus gekauft, er hätte von seinem General Befehl erbalten, dasselbe in 
Passession zu nehmen und keine Hostilitätea zu verübeu, würde man ihn aber 
angreifen, so müsste er sich wehren, man mochte ihm aber Zeit geben, dass er 
an seinen General schreiben konnte. So sind die Herzoge desabusiert worden 
nnd haben es dabei gelassen, inzwischen hat der Feind immer mehr Volk herüber- 
gebracht, sieb stark vergraben, 2 Stücke in das Werk gebracht und seine Brücke 
verfertigt, so dass er auch mit dieser Seite Rheins umspringen kann wie mit 
der anderen, wenn nicht noch schlimmer. Er steht mit den drei Regimentern 
z. Pf., dem Lüttekiscben, Hamellischen und seinem eigenen, und den Dragonern 
hier, das Fnssvolk aber hat er am Nachmittag nach Wesel marschieren lassen, 
da der Feind nach Aussage aller seiner Kundschafter noch immer stark zn 
Fasa und Pferd übergeht. Hit dem wenigen Volk, das er bei sich hat, dem 
General-Lienteoant Calvo zu widerstehen und ihn zu verhindern, ins Land 
herein za marschieren, ist unm^ltch, und so wird das Clevische vollends nebst 
der Grafschaft Mark dem Feind zn Theil fallen. Wenn Calvo den Stillstand 
nicht gebrochen bitte und vor Expiration desselben auf solche Weise hinüber- 
gekommen wäre, hätte er ihm gewiss nicht nur die Passage disputiert, sondern 
ancb solches so lange verhindert, dass die Franzosen etliche Tausend Mann 
bitten detachieren nnd zn Zons oder anderswo übergehen müssen, was auch 
noch seine Schwierigkeit gehabt haben würde. 

PS. Soeben erhält er ein Schreiben Blaspeil's vom '2. Uai, worin er auf- 
gefordert wird, morgen sich zn Xanten zu der mit Colbert und Calvo verab- 
redeten Znsatnmenknnft ') einzufinden, er wird sich sofort dorthin begeben. 



') S. Diar. Europ. XL, S. 152, Verw. Europa III, S. 1075, unten Abschu. VII. 



D.qitizecibvG00glc 



I. Srisgaereignisse 1676-1679. 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Wese] 6. Mai 1679. 

[HittheiluDg des XaatenBchen Vergleichs an den Hagistrat, von Wesel. Fortscbafong 

der dortigen Kriegs vorrSthe. Sein beabsichtigter Harsch.] 

i. Ueber die Zasammenhunft in XaDten hat Blaspeil am 4.') berichtet 

Gestern haben er and eiuige hier anwesende RegieniDgsrSthe dem Magistrat 
dieser Stadt den Xantischen Vergleich mitgetheilt und ihnen die Sache so 
plausibel als möglich vorgebracht, es handle sich nur um eine knrze Zeit, Kf. 
prScavieite dadurch diese Seite Rheins und das Märkische vor eioem totalen 
Ruin und es werde hoffentlich bald Friede werden, sie antworteten ihnen aber 
mit Senfzern, Klagen nnd ThrSnen. Er lässt inzwischen alle metallenen Stöcke 
bb auf IS — 14 von den schlechtesten, die Munition und das Magazin von hier 
nach Sehen kenschanz bringen. Mit den ihm untergebenen Truppen wird er 
langsam maracbieren und sich während des Waffenstillstandes in dem Märkischen 
und Colniscben um Lippstadt aufhalten, um so das Ravensbergiscbe nnd 
Mindische möglichst lange zn verschonen. Drei von den neuen Compagnieen 
z. F., Obrist Wachtmeister Cron und die Capitains de Man and Ellers, lässt 
er in Emmerich nnd Rees, damit Oberstlieutenant v. Biland sie Im Natbfall 
za sich nach Sehen kenschanz ziehen kann.') 



Der Kurfürst an den General-Lieutenant Freiherrn v. Spaen und 

General-Major Eller conjunctim.*) D. Potsdam 9./19. Mai 1679. 

[Uahnung zur Einigkeit. Ueberlragung des Oberkonnnandos an v. Spaen.] 

[. Weilen ausere gnädigste Resolution ist, dasa auf den Fall der Stille- 

stand nicht prorogiret werden, sondern die frantzösische Armee aof 

S. unten Abachn. VII. 

') Kf. erklärt sich in einem Schreiben an v. Spaen vom l./ll. Hai 1679 mit 
der Räamung von Wesel und Lippstadt und dessen sonstigen Hassregeln einver- 
standen, v. Spaen berichtet dem Kf. (d. Ringeuberg 10. Mai 1679), dass am 8. 
die Uebergabe von Wesel an Generallieutenant Calvo stattgefunden habe und due 
er auf dem Harsch begriffeu, aber in Sorgen sei, wie alle hiesigen Truppen in 
Hindenschen und Ravensbergiscbeu Subsistenz mittel fioden ȟrden. Vgl. DiiT. 
Europ. XL, S. 289 f., wo aber irrig die Uebergabe von Wesel als am 13. Hai er- 
folgt angegeben wird, St. DiBdinr, Bistoire des negotialions de Niinegue S. 284?. 

*) Das Concapt von Fuchs geschrieben, am Rande bemerkli , Serenissimus in 
Beisein des H. Gen. Feldinarschalcka'. 



oyGooi^lc 



Üebergabe von Weset. VerhaltUDgsbefehle so Spaen und Eller. ]05 

MiudeD Qiarchieren sollte, Ihr, unser Gen. Lieut. Freiherr v. Spaen'), 
mit unterhabender Mannschaft Euch auch nach Minden ziehen sollet, 
damit solcher Ort wieder feindliche attaque aufs iiusaerste defendiret 
werdeD könne, nnd ans dann wohl wissend, wie dass zwischen Euch 
beiden schon einige Zeit hero viele Missbelligkeiten und Irrungen ge- 
wesen, bei deren Cootinnation unsere Dienste jetziger Zeit einen grossen . 
Abbruch leiden wurden, so wollen wir hoifen, Ihr werdet aus einem 
genereusen Gemfithe alle solche Streitigkeiten jetzo bei Seite setzen und 
Euch in der Güte mit einander vei^leichen, welches uns dann sonders 
lieb EU vernehmen sein würde. Auf den Fall aber solcher gütlicher 
Vergleich nicht zu erheben, so wollen wir Euch hiemit der theu'ren Eide 
und Pflichten, womit Ihr uns beiderseits verwandt seid, erinnert und 
Euch auf dieselbe anbefohlen haben, Eure Feindseligkeiten zum wenigsten 
ȟ laoge zu vergessen und bei Seite zu setzen, als Ihr den Feind vor 
Euch habet, und Euch mit einander friedlich und wohl zu begehen und 
unser Interesse gesambter Hand anfs beste möglich zu befordern und zu 
beobachten. Ausser dass solches ein genereuser Soldate tn dergleichen 
Fällen von sich selber than würde, so versichern wir Euch, dass, so 
balde diese Krieges-Unruhe cessiren wird , wir die zwischen Euch ob- 
haodene Irrnngeu aufs beste möglich componiren oder entscheiden wollen, 
uDd damit die Ursache zu ferneren Irrungen gehoben werde, so ist unser 
gnädigster Wille und Befehl, wie solches ohne das Krieges- raison mit 
»ich bringet, dass Ihr, unser Gen. -Lieutenant Freiherr von Spaen, 
Sbera), wo Ihr seid, anch in Minden selber, wenn Ihr da seid, das Com- 
meodo führen sollet, und wollen wir desfalls durchaus keine Klagten 
oder Beschwerden haben. Wir versehen uns hierunter zue Euch beiden 
eioes gebührenden Gehorsames, sollte aber einer von Euch, er sei wer 
er wolle, im geringsten dawider handeln und durch unzeitige Zänkerei 
unseren Diensten Schaden zufügen, soll es derselbe mit seinem Kopfe 
beiahlen. — 



') Kf. schreibt an diesen unter demselbeu Datum, er solle, falls keine Pro- 
rogation des WafTenstillständes zu erlangen sei, die Infanterie sofort nach Minden 
marschieren lassen und, wenn es No(h ihue, mit der Cavallerie und den bragoncrn 
falfen. Vor allem habe er darauf zu sehen, dass er nicht abgeschnitten werde; im 
nbri^n solle er so agieren, wie es die Kriegsraison mit sich bringe und das Inler- 
fsie des Kf. erfordere. Ueindera habe solche Ordre erhalten, dass entweder darauf 
itr Frieden erfolgen oder wenigstens daraus aller Welt seine, des Ef., Aequanimität 
nad Moderation hervorleuchten werde. 



oyGooi^lc 



106 [. Kriegaereignim 1676—1679. 

PS. Alles in Hark, Haveosberg und Minden noch auf dem Lande befind- 
liche Getreide sollen sie nach der Festang Minden bringen lassen, damit die 
dort zasammengezogene starke Mannschaft nicht Hangel leide. Den Eigen thünifni 
sollen sie für das, was zum Magazin kommt, Bezahlung zusagen.') 



A. V. Spaen an den KurfQrsten. D. Bielefeld 15./2ä. Mai 1679. 
[Absicht, vorl&ufig im Ravensbergischen stehen zu bleiben und den Franzosen Wider- 
stand zu leisten.] 

35. Mai. Er beabsichtigt, so lange als mSglich hier in dor Grafschaft Raveosberg 

stehen zu bleiben. Heute ist er hier angekommen, hat 1 Bataillons in die 
Stadt and die übrigen 3 zwischen Bielefeld und Herford, die Reiterei aber hier 
nmher logiert. Er hofft, so gute Kundschaft zu haben, dass der Feind ihm nicbt 
unversehens auf den Hals kommen und ihn verhindern soll, wenn er will, nach 
Minden zu geben. Kf. kennt den Weg von hier nach Minden und wird 
judicieren, dass er mit seiner Reiterei, Dragonern und 1000 Musketieren 6, i 
k 8000 Mann Reiterei aufhalten kann. Die Armee des Generals Calvo färchtet 
er wenig und bittet um Erlaubnis, wenn er es raisonnabel erachtet, denselben 
hier abzuwarten und, wenn er die Berge passieren will, mit ibm zn scbl^en- 
PS. Die Einräumung von Schenkenschanz bittet er vorlSufig noch zn 
differieren, da es das einzige ist, was Kf. noch auf dem Rheiu und in den 
niederländischen Qnartiereu hat. 



A. V. Spaen an den KurfQrsten. D. Bielefeld 18./28. Mai 1679. 
[Rechifertigung seines Verbleibens im Ravensbergiscben.] 

S8. Mai. F.r bittet Ef., in ihn das Vertrauen zu setzen, dass er alle erdenkliclie 

Vorsicht anwenden wird, um die Truppen samt dem Lande zugleich zu conser- 
vieren und nicht von Minden abgeschnitten zn werden. Wenn er sofort nach 
Minden marschiert wlire, so wurden die Franzosen nicht nur diese Grafschaft 
schon unter Contribution gesetzt und vielleicht einen oder anderen Ort dariü 
occupiert haben, sondern es würde auch das Mindensche guten Theils consumicrt 
■ sein, welches aber wie ein Augapfel conaerviert werden muas, denn er fSrcblet. 

') T. Spaen erwidert darauf, obwohl ibm Eller Zeit her grosse Hübe und 
Widerwirtigkeit zugefügt, ihm unter der Uand das grös^te Tort ton der Weh u- 
gethan und ihn sogar bei Kf. in Ungnade und Verdacht zu bringen gesucht hab^, 
so wolle er doch nicht daran denken, sondern sich so verhslt«n, dass derselbe kaise 
DrsBche zu Klagen über ihn haben solle. 



oyGooi^lc 



Sp&en im KaT«D8b«rgischeD. 107 

wenn sie sich nach der Weser werden retirieren mfissen und dort vor und 
hinter sich Feinde haben, so wird es dort knapp hergehen. Sollte aber Kt, 
beliebeu, dass er nach Minden ziehen soll, so wird er auf dessen Befehl es 
sogleich zu Werk richten. 

Dann, goädigatfir Herr, ich werde durch E. Chf. D. Befehliche und 
Erinneruagen, mich wohl vorzusehen, dass ich von Minden nicht abge- 
schnitten werden möge und die FussvÖlker wohl mesnagiren solle, der- 
gestalt timide, dass ich banger und ängstiger bin, mich bei E. Chf. D. 
in eine Verantwortung zu setzen und in dero Ungnade zu fallen, als ich 
vor den Feind selber bin, und mein Leben zu verlieren, also dass ich, 
wann ich gleich einen Vortheil auf den Feind haben könnte, denselben 
nicht werde angreifen und es mit ihm wagen dürfen, E. Chf. 0. wollen 
aber nur gerust sein, ich werde es mit der Hülfe Gottes so machen, dass 
Sie daran ein gnädigstes Contentement finden werden. 

Er hat die Berge von Bielefeld ab bis an das Lippische nnd abwGrts bis 
an die osDabrSckische Grenze besichtigt und alle Pässe verhauen lassen, er 
findet dieselben so beschaffen, dass er kein Bedenken tragen wollte, mit 
6000 Mann 10—12000 abzuwarten, doch muss auf Minden Reflexion genomnien 
werden. 



Der KurfOret an v. Spaen. D. Potetam 19./29. Mai 1679.^) 
[Xat die Relation vom 15./25. Hai. Hnbnung zu vomebtigem Handeln.] 

— gleichwie wir Euch bereits vorhin wegen Eures Marches und Opera- 29. Mai. 
tionen unsere gnädigste Meinunge dahin eröffnet, dass Ihr mit Euren 
unterhabenden Trouppeu so lange es immer möglich an den Pässen 
stehen nnd das Mindische verschonen, jedoch auch dahin sehen solltet, 
dass Ihr nicht von Minden insonderheit mit der Infanterie abgeschnitten 
würdet, als hat es dabei nochmahlen sein Bewenden. Auch haben wir 
Euch beordert, dass Ihr dem Feinde allen möglichen Abbruch thuen 
solltet. 'Was sonsten die von Euch verlangete Ordre umb zu schlagen 
anbetrifft, so ist Euch bekannt, wie dass an Conservation der Euch 
untergebenen Trouppeu nicht alleine die Erhaltunge der Stadt Minden 
und des Weserstromee, sondern auch unseres ganzen etats haftet, als 
werdet Ihr selber leicht urtheilen, dass nichtes unzeitig zu hazardiren 

■) Da« CoBcept von Fuchs geschrieben, von Ef. Beibat untenaichnet. 



oyGooi^lc 



108 1- Kmgi«Tt\game 1676—1679. 

ist. Solltet Ihr aber den Vorthel gewiss in Haoden haben und tarnt 
hazard dem Feind eines ansetzen können, würde uns und der ganiec 
Sache solches zu sonderbarem Gefallen und Vorthel gereichen, und bäRet 
Ihr auf solchen Fall Euch noch mehr aus Minden nicht alleine mit <1k 
Gen. Maj. Ellern Regiment zue Pferde, sondern auch mit mebrem 
Fussvolcke zu verstärken. Vor allen Dingen aber habet Ihr nichtes xbI 
einen hazard zu setzen, alles mit denen OberofTicirern reiflich zu über- 
legen und alsdann zu thuen, was Kriegesraison und unsere im Siiege 
erworbene gloire erfordert und rechtschaffenen und ehrlichen Soldaten 
wohl anstehet, gestalt Ihr dann einen jeden Eurer unterhabenden Leute 
von dem obersten bis zum niedrigsten versichern könnet, dass wir ihr« 
tapferes comportement genereusement erkennen werden. ') — 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Bielefeld 1./I1. Juni 167it. 

[Sorge wegen der VerprOTiantieriing der Truppen. Bitte um bestimmte Verbaltun;^- 

bereble.] 

II. JudL Da, wenn der Friede nicht getroffen wird, der jetzt noch in der Graf^bid 

Mark stehende Feind sich gewiss so verstärken wird, nm sie hier zu delogieren. 
und sie dann sich nach Ulnden werden retlrieren müssen, er aber äusserlicb 
vernommen, dass das Magazin dort sehr schlecht versehen sei, so dass er mit 
allen Truppen nicht über b Wochen, mit dem aber, was in der Stadt Minden 
vorhanden, nicht über 6 Wochen in allem wird suhsistieren können, so bat er 
sämtliche Obristen und commandierende OfTicicre der Regimenter zusammen- 
berufen, zunächst die mindischen befragt, ob ihnen bewusst, wie es damit stände, 
und nachdem dieselben geantwortet, sie hätten von Gen. Maj. Eller gehört, es 
wäre nicht gar zu viel vorhanden, und wenn Spaen mit seinen Leuten nocb 
dazu käme, wQrde es hald auf sein, sind sie auf die von ihm proponiertcn 
Punkte so schlüssig geworden, wie beifolgendes Protokoll*) besagt Daneben 

') Kf. «eist (d. Potsdam 22. Uai/1. Juni 1679J v. Spaen an, da er befohlen 
habe, bei Minden ein Retrancbemsnt abzuslecbeo, sieb auf kurze Zeit dartfain V 
verfügen, um die Situation des Orls in Augenschein zu nehmen und mit Eller und dem 
Generalquarliermeiater-I.ieutenmt Mestre die nöthigen Verabredungen zu treffen. 

!) Laut diesem Bielefeld I /U. Juni 1679 dauerten Protokoll eines Kriegsralhes, 
an «elcbem ausser v. Spaen die Obersten Sfberg und du Hamel, die beiden 
Henoge Friedrich Ludwig und August von Holstein, die Obenteu Zielen 
und Freib. v. Heiden, die Obristlieutenants Calenberg, Freih. t. Heiden, Cloe>, 
Dreyer, Isselstein und L'Estrieui, sowie der Oberstwacbtmeister Scbmit 
Tbeil ufbmeo, wird den Vorschlägen v. Spaen 's entsprechend bMchlosien: Dsolaage 



oyGooi^lc 



Spaen im Raveosbergischen. 109 

bat des Rf. Rescript vom 19./2d. Hai sie alle ao perplex getaaclit, dass sie 
nicht wissen, was sie tban soUbd, denn wenn sie den Feind abwarten, so wird 
04 nicht ohne hazard hergehen können, wenn sie sich aber nach Midden letirieren, 
so werden sie hald verloren gelien. Sie bitten daher, ihneo positive zu befehlen, 
wie sie sich verhalten sollen. Obwohl er noch krank ist und sich wegen 
Schmeraeii von der Ckiüque schwerlich über End halten kann, wird er doch 
diese Nacht nach Minden zu Gen. Major Eller, der auch wegen Indisposition 
nicht hat hierherkommen können, sich begeben, um eigentlich zu vernehmen, 
wie alles dort steht. 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Bielefeld 2./12. Juni 1679. 

[Reise nacb Minden. Anzug der Armee Crequi's, dadurch veranlasste Aenderong der 
Beschlüsse.] 

Da General Wachtmeister Eller auf seine viederholten Aufforderungen, zu t 
ihm zu kommen, sich jedesmal, zuletzt mit einem Fieber entschuldigt hat, so 
mass er, wie krank er auch ist, sich diesen Morgen aufmachen und die Reise 
nacli Hiiiden antreten. Infolge der inzwischen eingetroffenen Nachricht') von 
der Ankunft Creqni's und seiner Armee kann die gestern im Kriegsrath gefiksste 
Resolution nicht stattfinden, sondern alle OflTiciere sind mit ihm der Meinung, 
diss die Truppen morgen zusammenzuziehen, aaf des Feindes Contenance Acht 
zu geben und nach Belinden sich damit hei Minden zu setzen sei. 

•iie feindliche Armee in der Grafschaft Uark sieb nicht verstärken, auch wenn die- 
selbe über Lippgtadt hinausgehen und sich etwa bei Rittberg postieren sollte, im 
KtTena bergischen stehen zu bleiben, den Feind sorgsam lu beobachten und so zu 
lerhätiD, dass man von ihm überfallen werde, 2) aus Minden Veistärkungen, auch 
eiaige Kknonen heranzuziehen, auch 3) etwa 4000 Mann Landvolk aus dem Ravens- 
bcTgitchen und Uindensehen aufzubieten und zu bewaffnen. 4) Sollte Marschall 
Crequi's Macht zu der Galvo's stossen und die ganze feindliche Armee auf sie los- 
fehea, so müsite der Rückzug nach Uinden angetreten werden, sollte aber der Feind 
lutnckblaibeo, so wollte man auch noch weiter so lange wie möglich, um das Magazin 
ia Uiaden zu sparen, im Ravens bergischen stehen bleiben. 5} Dem Ef. solle durch 
«Den eipressen Courier dieses Interims conelusum übersandt nnd dessen Resolution 
eiogcbolt werden. 

'} Berichte aus Wesel vom 10. Juni melden, dasa an diesem Tage Crequi 
Jart über die Lippebröcke gegangen, dass ihm am folgenden Tage Gen. I.iealn. 
Besen mit lOOOO Mann von der Westseite des Rheins folgen sollte und dass die 
«UM Armee etwa 30000 Mann stark sein werde. Vgl. Diar. Europ. XLI, S. 32, 
Vtrw. Europa ni, S. »14, 



oyGooi^lc 



110 I- EriegBereigni«»e 167^—1679. 

PS. D. Minden 2/13. Jani 1679. 

Er ist hier angekommen, hat mit Eller and B&mtlicben hier aoiresenden 
OSicieren die gestern za Bielefeld genommene R«solntion nochmals reiflich er- 
wogen and sie h&ben allesamt dieselbe noch zu des Ef. Dienst aod Bestem 
befunden. 



Extract') Schreibens aus dem Churf. Brandenb. Lager vor 
Minden den 9./19. Junii 1679. 

[Gefecht bei Brsckwede.] 

i. Berichte in Eyl, wasmassen der Gen. Lieutenant Frey herr von Spaen des 

Nachtes vorher, ehe er des folgenden Tages mit der Reuthere; von Bielefeld 
anfgebrochea'J, einen Rittmeister mit 60 Pferden commandiret, dus derselbe 
biss an des Feindes Lager recognosciren sollte, in HoffnnDge, Er \'ielleicht von 
dem Feinde würde gejaget und verfo^et werden, wie dann ancb geschehen: 
dabeneben hat er seinen Obr. Lieat. zue Pferde, den Freyh, von Heyden und 
Obr. Wachtm. Oroende vom Lütekischen Regimente mit 300 Pferden hemach 
dergestalt beordret, dass sie mit aobrecheadem Tage im Dorfe Brackwede seio nnd 
alda stehen bleiben sollten: bis der Rittmeister mit der ersten Parthey inrücke 
käme; Worauf es sich dann begeben, dass von Feindes Seiten der Obr. Vtichtm. 
von St. Louis mit etwan SOO Pferden gedachten Rittmeister verfolget, nnd als 
derselbe mit seinen Leuten bis an Brackwede gekommen und alda eine embas- 
cade gewahr worden, hat er also balde gestutzet und seine Leute rangiret. Es 
ist aber der Obr. Lieat Heyden sofort auf denselben loagangen, hat ihn ge- 
schlagen, bis an den Scblagbaum von Werle, da des Feindes Armee stände, 
verfolget und bei 50 ledige Pferde, worunter eines von einem Haupt-Officirer, 
der todt geschossen worden, wie anch einen Lieutenant, einen Qaartiermeister 
nebst 15 anderen Gefangenen, so mehrentheils gequetschet, eingebracht. Wie 
viele vom Feinde geblieben, kann man noch eigentlich nicht wissen, es ist aber 
deren eine gute Anzahl gewesen. Von den Unserigen wird nur ein Cornet sarobt 
vier Reutern gemisset, ob sie todt oder gefangen, hat man auch noch nicht er- 
fahren kSnnen, der Feind aber hat ans seinem Lager dem Obr. Lieut. Heydeu 
nicht gefolgei 

') Concept y. Fachs' Hand, jaden&lla als Flugblatt gedruckt, fast wörtlich 
wiederholt Diar. Europ. XLI, S. 33. 

>) Nach Diar. Europ. XLI, S. 33 scbeiot i. Spaen am 17. Juni von Bisle- 

feld aufgebrochen zu seia. 



oyGooi^lc 



Gefecht bei Bnckireile. üebter Zustand Mindens. tll 

A. V. Spaen, W. v. Eller, Caspar v. Syberg, Duhamel, Augustus 

Herzog von Holstein, A. v. Zleten, Friedr. v. Heiden, Sigis- 

mund V. Heiden, Jobst Ehrentreich v. Hofniege, G. v. ä. Goltz, 

Vincent v. laselstein an den Kurfürsten. 

D. Minden 10./20. Juni 1679. 

[Ueb«tmacbt des Felndeg. M&ngel an Lebensmittolo. Schl»cfater Zustand der Festnng.] 

Die feindliche Armee hat sich von Tag zu Tage verstärkt, vorgeatern hat 30. Juni. 
General- Lieutenant Rose noch ein merkUchea renfort von einigen lausenden 
gebracht, welchem auch noch alle Tage viele folgen, so dass er bereits an 
Cavallerie viermal st&rkeT ist als sie und sich auch an Fussvolk in weniger 
Zeit viel st&rker machen wird, weswegen sie nicht unzeitig befürchten, dass es 
diesem Orte gelten werde. Sie sind bereit, als rechtschaffene Soldaten ihr Leben 
aufoaopfem, kSnneu aber nicht umhin vorzustellen, dass sie nunmehr, da der 
Feind sich zum Heister von beiden Seiten der Weser machen kann, wenn er 
will (bereits sind einige Truppen übergewesen, haben sich aber wieder zurück- 
gezogen), so eng eingesperrt sind, dass gewiss die schöne Reiterei gar bald aus 
Mangel an Fonrage crepieren wird. Es ist nicht eine Handvoll Heu und nicht 
soviel Stroh vorhanden, dass man Pfropfen zu den Kanonen machen kann. 
Dabei ist dieser Ort in einem so schlechten Stande, dass sie sich fast scheuen 
müssen es za sagen. Das Magazin ist schlecht bestellt, die Werke sind ancli 
nocb schlecht aufgemacht und an allem ist Mangel, so dass derselbe, wenn er 
nicht durch Macht von Volk erhalten wird, in wenig Tagen verloren geben 
müsste. Sie bitten daher zu bedenken, falls dieser Ort, den sie doch bis auf 
den letzten Blutstropfen vertheidigen werden, verloren gehen sollte, in was 
Stande die Armee und der ganze Eslat durch einen Verlast von mehr als 
8000 Mann gesetzt werden würde. 



A. T. Spaen an den KurfQrBten. D. Minden 11./31. Juni 1679. 
[Rückzugsgefecht.] 

Diesen Morgen um 2 Uhr haben') die Vortruppen des Feindes den Ritt- 31. Juni, 
meister Hnnd, welcher anf dieser Seite der Werre die Wacht hatte, attacquiert, 
worauf Oberst da Hamel sofort hat zu Pferde blasen lassen, auch die Reiter 
and Dragoner in bataille gesetzt hat, der Feind aber hat bemeldete Wacht auf 
anaere Trappen ans Campement poussiert, wo er aber durch die Holsteinschen 

■) S. aber dieies Gefecht zwei verschiedene Berichte im Diar. Enrop. XLI, 
S. 33 f. and einen davon nnabhingigen im Verw. Buropa III, 8. 914 f. 



oyGooi^lc 



112 I- Krlegaereignisse 1076— 1679. 

Dragoner vorerst woh! empfangen und gestutzt worden ist. Da man aber d(ä 
Feindes gaoze Macht besorgt hat, so bat Oberst du Hamel nebst den Oberst- 
Iteutenants v. Heiden uDd Isseistein die CaTallerie in guter OrdoDOg unten 
längs dem Berg durch den Pass diesseits zurückgezogen und die Hol$leins(h«i 
Dragoner znm dritten Hai an dem Pass postiert, uro den Feind, wenn er folgen 
sollte, aufzuhalten. Derselbe ist sofort gefolget, hat die Dragoner attacquien 
und nach heftigem Gefectit den Pass forciert, die 3 Regimenter zu Pferd uebsi 
den Dragonern haben sich darauf durch die Landwehr bis auf einea kleinen 
Musketenscbuss an die Contrescarpe zu rücli gesogen, wo mau sich daun wieder 
gesetzt und abermal gefochten. Auf unsrer Seite sind an Reiterei etwa GO Midd 
tot oder gefangen, an Dragonern sind ungefähr 200 ausgeblieben, von denen 
sich aber 30 Mann und ein Fiihndrich mit voller Montierung wieder eingefondeo 
haben und wohl noch andere, die sich in den Bergen versteckt, einfinden 
werden. Der Feind hat an Toten mehr hinterlassen, Ge^gene aber haben wir 
nicht viel, darunter einen Capitain von den Dragonern und einen LieuteaioL 
Da ihn du Hamel um 4 Uhr Morgens hat wissen lassen, dass der Feind sieb 
immer stärker sehen Hesse und avancierte, hat er Generalmajor El! er heraus- 
geschickt, um bei den Trappen nSthige Ordre zu stellen. Auf dessen Meldung, 
dass der Feind mit dem Degen in der Hand auf nnsre Leute avanciere, i^t er 
selbst mit einigem Fussvolk und einigen kleinen Stücken hinausgezogen, der 
Feind aber hat sich zurückgezogen und hinter der Landwehr postiert. Obeni 
du Hamel bat nicht nur seine Ordres dabei woh! observiert, sondern auch die 
Retraite honorabel und vorsichtig gemacht 

PS. Im Eriegsrath ist gut gefunden worden, die Berge möglichst lange 
zu disputieren, um das Feld zwischen ihnen und der Stadt zum Unterhalt dei 
Reiterei zu conservieren , doch hat er jetzt letztere durch die Sfadt an die 
andere Seite der Weser gehen lassen müsseji und hat sie unter dem Cauuu 
postiert in Hoffnung, dort noch einige Tage zu subsistieren, doch melden die 
Vorwachten, dass der Feind mit Gewalt durch die Weser setzt, derselbe vird 
sich auch zum Meister von der anderen Seite machen und so für die Cavallerif 
keine Subsistenz mehr zu finden sein. 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Minden 12./22. Juni 1679. 
[Rückzug des Feindes. Mang«! an Foura)^. Der Verlust in dem letzten Geferbl,] 

J. Juni. Der Feind hat sich ') heute mit anbrechendem Tage wieder nach Herford 

zurückgezogen, doch stellt zu befürchten, dass er, falls der Friede nicht getroffeii 
werden sollte, diesen Ort belagern oder sie doch sehr enge einschliessen wird. 
in welchem Fall man die Pferde wird wegjagen oder totstechen mässen. 

■) S. Diur. Europ. XLI, S. 37, Verw. Europa III, S. 915. 



oyGooi^lc 



Dm Rückzugsgefecht bei Hindeu. 113 

bzvischea liat er allen Regimentern Ordre gegeben, in aller Eile, wenn mißlich, 
für 3 oder 14 Tage von den Sommerfruchten im Felde nnd anf den Wiesen 
llen zu machen. 

Der Zustand der Festung bt ein sehr schlechter, G eneral quartier meiste r- 
Lieutenaot Mestre klagt, er h&tte mit Ausbesserung der Werke nicht fort- 
tommen können. 

PS. Von den Dragonern sind noch mehr zurückgekehrt, so dass nur noch 
an 80 mangeln. Der Verlust ist also nicht halb so gross, als man sich anfangs 
eingebildet, und haben die Franzosen wohl noch einmal so viel Tote als sie.') 



Der Kurfürst an v. Spaen. D. Potstam 14.'24. Juni 1679. 

[Befehl, Crequi tat Elnalellung der FeiadseligkeiteD aufzutardern.] 

Wir haben Eure und der anderen Onicirer gehorsambste Relationea 34. Juni. 
Wühl erbalten. Berehlen Eucb darauf in Gnaden, einen Trompeter an 
den Marecbal de Crcquy zu schicken und demselben zu wissen zu 
fügen, waagestalt wir unseren Geh. Rath Meinders*) schon vor 
14 Tagen mit einer solchen Instruction vei'sehen, dass darauf der Friede 
nnfehlbarlich erfolget und geschlossen sein würde, gestalt wir alles des 
Königs Generosität anbeimb gestellet und uns erkläret, diejenige conditiones, 
velche Ihre May. raisonnables und billig befinden würden, anzunehmen. 
Weil nun der König eine sonderbare Begierde bezeuget, mit uns eine 
beständige Freundschaft aufzurichten, so könnte er leicht selber ermessen, 
dass Ihre May. nicht gerne sehen würden, dasa es zue den Extremitäten 
käme, oder man uns, da der Friede bereits geschlossen und wir Ihrer 
May. völlige Satisfaction gegeben, a bout poussirete, gestalt solches aimmer- 
Riehr gut Geblüte setzen könnte. Möchte er demnach die Hostüitäteo 
einstellen und könnet Ihr ihm wohl auf Eure paroIe, welche wir degagiren 
wollen, versicheren, dass der Friede geschlossen. Sollte nun über Ver- 
hoffen er sich daran nicht kehren, sondern Euch ferner mit Gewalt 
attacquireu, so habet Ihr sowohl ORicirern als Gemeinen ihre Pflichten 
vonnstellen, sie zur tapferen Gegenwehr unter der Versicherunge unserer 

') Am I6./-26. Juni meldet er, in dem letzten Gefecht habe der Feind 20 OFfi- 
cien Terloren, darunter einen Oberst St. Paul aus dem Hause Longueville, den 
lettlen seiner Familie. 

■) S. unten Abschn. VII. 
Main. I. Geicb. d. 0. KarfSntea. XVUL g 



oyGooi^lc 



114 I- Eriegaerei^isse 1676— 1679. 

. Dankbarkeit uod einer f^eaerösen recompenae anznmahneD und alsdann 
mit eiDander zu thuen, was ehrlichen Leuten und rechtschaffenen Soldaten 
zustehet. Was die Pferde anbelanget, habet Ihr dahin zu sehen, dasj 
Ihr sie nur auf etzliche wenige Tage conserviret, zumalen ausser allem 
Zweifel, dass innerhalb 8 Tagen unfehlbarlich die Nachricht bei Euch 
einlaufen wird, dass der Friede geschlossen, da man dann wieder das 
Feld wird offen haben. Indessen habet Ihr uns bei Tag und Nacht 
alles, was vorgehet, durch Expresse zu berichten. — ') 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Minden I9./29. Juni 1679. 
[Auf die Rescripte voin ii. und 23. Juni. Sendung v. Diest's zu CrequL] 

29. Juni. Er bat den CleviscJieii Geheimen Rogierunggrath v. Diest, welcher mit 

Oeocrallieutenant Calvo, dem Intendanten und anderen französischen Officieren, 
die früher im Clevischen gestanden, bekannt ist, vermocht, mit Schreibea von 
ihm sich zu dem Marschall Cr^qui nnd deoi Intendanten zu begeben, ihnen 
den Stand der Dinge vorzustellen und womöglich die im Fürstentbum Minden 
geforderte Brandschatzung dadurch abzulehnen. Der Marschall und der Intendant 
aber haben erkl£tt, sie hätten weder von Nimwegen noch yon Hofe Nachricht 
davon erhalten, sie mÜBSten die Suhsisteiiz ihrer Truppen besorgen und könnten 
die Zeit keineswegs hinstreicheu lassen, welche jetzt zu Ihrer Ävantage diente. 
Sie haben daher verlangt, man möchte allem Unheil vorkommen und die ConLri- 
bntion wegen des Mindenschen, wie die Ravensb ergischen bereits gethan, tractieren 
lassen, üiest aber hat dieses positive excusiert und es Tornehmlich auf die 
Abwesenheit fast aller Einwohner und besonders der Stände genommen, der 
Marschall aber hat pro omni tcrmino noch einen Tag gegeben. Er hat gemerkt, 
dass sie zn Elargierung ihrer Quartiere eine Brücke über die Weser zu achlagen 
Vorhabens wären, dass aber zur tigoureusen Execntion im Mindenschen so leicht 
nicht würde geschritten werden. Sollte der Feind mit einem Theil seiner Armee 
die Weser überschreiten nnd sich dort postieren, so würde dadurch der Cavallerie 
genugsam der Hals zugebunden sein, die jetzt, weil das Gras schon consamiert 
ist, von dem Sommerkorn subsistiert. Doch sind alle Officiere entsclilossen, 
diesen Ort aufs letzte zu defendieren, es wäre aber zu wünschen, dass den Re- 

') Ef. sendet ibm am 15./^5. Juni ein Duplicat dieser Ordr«, in welchem die 
letzte Clausel fortgelassen, um, falls Cruqui des Kf. eigene Hand sollte s«beo «ollen, 
ihm dasselbe vorzuzeigen, wiederbolt aber jene Clausel aocbmals. 



oyGooi^lc 



IpmeDtern ihre Restanten gezahlt würden, denn sie wissen bald kein Mittel, 
ihre Leute IBnger zu conservieren, zumal aach Bier und Fleisch anzuschaffen 
difficultiert wird.') 



Der Km-filrst an v. Spaen. D. Potstam 22. Juni/ 2. Juli 1679. 

[Aufforderung an Crequi, von der Cuntribulion abzustehen und die Truppen ab- 
zuführen.] 

Mittlieilung eines Rescriptes an Heinders.') Er soÜ dem Marechal de 2. Juli. 
Oreqay die gleichen Vorstellungen machen und demselben anzeigen, Kf. könnte 
nicht glauben, dass der König es wohl nehmen wörde, dass man, da der Friede 
ffeschlossen, von seinen Landen noch die Contribution eiigierte und dieselben 
nach der rigeur des Krieges tractierte, da er sich selbst erboten hütte, ihm 
wefren des bereits erlittenen Schadens eine Summe Geldes zahlen zu lassen, 
und er hat nochmals um Abstellung solcher Exaction und Abführung der Trappen 
nacliznsuchen. Indessen aber soll er die Passage über die Weser nach Mög- 
keit verwehren, anch zu dem Ende daselbst eine Redoute aufwerfen. 



A. V. Spaen an den Kurförsten. D. Minden 27. Juni/ 7. Juli 1679. 
[Gutseodung eines Tbeiles der französischen Armee nach Oldenburg. Fortdauer der 

Contribution.] • 

UarschaU Crequi hat heute früh 3 Brigaden Reiterei ä 1000 Pferden und 7. Juli. 
1500 Dragoner unter Genetallieutenant Joyeuse nach dem Oldenburgischen 
geschickt.^) Inzwischen geht das Mindensche vollends drauf, da der Marschall 
hier so lange stehen bleibt, bis das Detacbemeot wieder zurückkommt und die 
Friedensratiflcation erfolgt. Gegen die zu ihm geschickten Mindenschen Regierungs- 

') lieber die «eiteren militärischen Vorgänge, die Rückkehr Crequi's Tor 
Minden am '26. Juni, den Uebergang über die Weser am 30. und das dabei gelieferte 
heftige Gefecht, in welchem Spaen nach tapferem Widerstände zum Rückzüge nach 
der Festang genüthigt vurde, vorüber sich leider keine Berichte desaelbeu in den 
Akten finden, s. Diar. Euro p. XLI, S. 38, Ver>. Kuropa III, S. 916, St. Disdier, 
Histoire des negotiations de Nimegua S. 303 f. 

") 8. das Rescript an Meinders vom 30. Juni/10. Juli 1670 unten Abschn. VH. 

>) S. Diar. Kurop. XLI, S. 39, 148. 



oyGooi^lc 



116 I. Rriegsereignisse 1GT6— 1679. 

räthe D&nckelmann und Kruse hat er ausdrücklich erklärt, dass er nach wie 
Yor die Contribution zum Unterh&It der Armee prätendiere.') 



A. V. Spaen an den Kui-fürsten. D. Minden 18./28. Juli 1679. 

28. Juli. Harschall Cröqui hat heute den Rückmarsch nach Gohfelde aDgetreten.-) 

Die nach Oldenburg geschickten Truppen sind noch nicht wieder zn ihm gc- 
atossen. Da derselbe wünscht, dass er mit ihm bis Lippstadt gehe, woselbst 
ein Reglement wegen der dort und in Wesel verbleibenden Besatzung von 
6000 Mann z. F. nnd lOOO Heitern gemacht werden soll, gedenkt er bei der 
Armee za bleiben, bis sie am oder über den Rhein sein wird, und ihr zu diesem 
Zwecke morgen oder übermorgen zu folgen.') Er hat mit Zuziehung EUer's 
nnd zweier Ravensbergischer Deputierten eine Vertheilung der Truppen*) fest- 
gesetzt, bittet, da das Land sehr verdorben ist, dass die aus Preussen und der 
Mark hieher geschickten 3 Regimenter z. F. wieder nach der Elbe marschieren. 

>) Kf. zeigt <d. Potsdsia 30. Juni/ IQ. Juli 167t)) v. Spaen den Abschlu» des 
Friedens ao und schickt ihm die Ratification desselben lu mit dem Befehl, sie 
Crjqui zuzusenden und diesen zu ermahneu, sich nunmehr dem Tractat gemüs lu 
bezeigen. Am 4./H. Juli befiehlt er v. Spaen, Crequi weitere Vorslellungen zu 
machen und den Unterthauen die weitere Contributionszahluag zu verbieten. L'eber 
die trotzdem von den Franzosen verübten Gewallthätigkeiteu s. Diar. Europ. XLI, 
S. 146 f. 

>) S. Diar. Europ. XLI, S. 147, 233. 

'] V. Spaen meldet (d. Hofstad 24. August 1679}, er sei am U, von Wesel ab- 
gereist, aber durch Krankheit geaüthigt vorden, hier zu bleiben, in 4 oder 5 Tagen 
wollten ihn die Aerzle weiter reisen lassen, in Minden hoffe er nicht lange sich 
aufhalten zu brauchen und so bald in Rerlin anzukommen. 

') Danach werden einquartiert von der Infanterie die Regimenter Eller und 
Jung-Holstein in Uindea, ebendaselbst sollen auch vorläulig bis auf weiteren Befehl 
des Kf. die drei Regimenter aus dem Hai berHtfid tischen bleiben. Oberst Sjberg mit 
seiner und 5 Compaguieen vom Spaen'schen Regiment kommt nach Herford, 4 andere 
CompBgnieen desselben mit dem Oberstwachtmeisler nach Bielefeld, 6 Compaguieen 
nach Soest und je eine nach Bsmoi und Unna. Von der Reiterei kommen die Regi- 
menter Eller und du Hamel nebst 2 Compaguieen Holsteinsche Dragoner ins Ravens- 
bergische, die Regimenter Spaen und Lüttke nach Uinden. 



oyGooi^lc 



Abschnitt II. 

Brandenburg und die Niederlande 
1676-1679. 



j,Goo>^le 



j,Goo>^le 



Einleitimg. 



Als ErgäQzUDg zu den in dem siebenten Abschnitt des dritten 
Bandes der „Urkunden und Aktenstücke" ausden bolländischeo Archiven 
veröfTentlicbten Schriftstücken wird in diesem Abschnitt eine grössere 
Zahl von im Beriiuer Staatsarchiv aufbewahrten Documenten mit- 
getheilt, welche das Yeihältniss des Kurfürsten von Brandenburg zu 
dem wichtigsten unter aeinen Bundesgenossen, der Republik der Ver- 
einigten Niederlande, während der Jahre 1676 — 1679 beleuchten. Den 
Haopttbeil derselben bilden die Berichte der brandenburgischen Gesandten, 
des clevischeo Vicekanzlers Mathias Romswiuckel, welcher dauernd 
im Haag die Interessen des Kurfürsten vertreten, und des Geheimen 
Raths Werner Wilhelm Blaspeil, der noch den grösseren Theil des 
Jabres 1676 dort mit demselben zusammengewirkt, seit dem November 
an den Friedensverhandlungen zu Nimwegen Theü genommen, zeitweise 
aber bei besonders wichtigen Anlässeu von dort sich nach dem Haag 
oder zu dem Prinzen von Oraniea begeben oder sich von letzterem zu 
vertraulichen Sendungen an den Kurfürsten bat verwenden lassen, ferner 
des Oberpräsidenten Otto v. Schwerin, der noch in den ersten Monaten 
des Jahres 1676 mit den seiner Obhut anvertrauten Prinzen sich in dem 
benachbarten Cleve aufgehalten hat, des Generallieutenants Alexander 
V. Spaen, welcher mehrmals, besonders in militärischen Angelegenheiten 
zu dem Friozen von Oranien geschickt worden ist, und des Geheimen 
Bathes Lorenz Christoph v. Somnitz, des Hauptes der branden- 
bu^chen Gesandtschaft in Nimwegen, dem der Kurfürst Ende 1677 
eine besonders wichtige Mission an den Prinzen anvertraut hat, sowie 
die Rescripte des Kurfürsten an dieselben. Ausserdem ist verwerthet 
worden der Briefwechsel des Kurfüi-sten mit dem Prinzen von Oranien, 



oyGooi^lc 



120 II. Brandeiiburg und die NiederUnde 1676-1679. 

welcher leider nicht voUataDdig erhalten ist, von dem sich aber seit der 
zweiten Hälfte des Jahres 1676 zahlreichere Ueberreste in den Akten 
lindeo, ferner einzelne Aafzeichoangeu über Verhandlungen, welche mit 
dem vom Mai bis Dezember 1676 und dann wieder vom März 16T7 bis 
Anfang April 1678 bei dem Eurfürsten befindlichen holländischen Ge- 
sandten Jacob V. d. Tocht gefuhrt worden sind, and das Protokoll 
der Conferenz, welche der Kurfürst selbst am 21. April 1677 in Wesel 
mit dem holländischen Rathspensionär Fagel abgehalten hat. 

Den Bemerkungen, welche dem genannten Äbacbnitt dea dritten 
Bandes vorausgeschickt sind, möge hier noch Folgendes hinzugefügt 
werden. Die hier mitgetheilten Aktenstücke zeigen, dass in den Jahren 
1676 — 1679 die Interessen des Kurfürsten und der niederländischen Re- 
publik mehr und mehr auseinandergegangen sind und dass sich daher 
das VerhSltniss zwischen den beiden Bundesgenossen Immer ungünstiger 
gestaltet hat. Schon im Jahre 1676 treten die Differenzen stark hervor. 
Während der Prinz von Oranien wünscht, daas der Kurfürst einen 
grösseren Theil seiner Armee zum Kampf gegen Frankreich hergebe, 
will dieser soviel Truppen, wie nur irgend möglich, zum Kampf gegen 
Schweden verwenden und verlangt, dass auch Holland zur See eneigisch 
an demselben Theil nehme. Auf das empfindlichste wird er beboffen 
durch die ungenügende Weise, in welcher Holland seiner Verpflichtung, 
ihm Subsidien zu zahlen, nachkommt, und schwer fühlt er sich durch 
die Parteilichkeit gekränkt, welche dort zu Gunsten der Herzeige von 
Braunschweig und des Bischofs von Münster in den Streitigkeiten 
über die Lande Bremen und Verden hervortritt. Er verwirft den Ver- 
gleich, welcher im März auf den Vorschlag des Prinzen von Oranien 
im Haag über diese Angelegenheit getrolfen wird, und verlangt, d^ 
schon jetzt eine Theilung jener Lande unter alle dabei interessierte Mächte 
vorgenommen und dasa auch seine Ansprüche dabei genügend berück- 
sichtigt werden. Indessen zeigt man sich doch damals beiderseits ernst- 
lich bestrebt, diese Differenzen auszugleichen und das Bündniss enger zu 
kuüpfen. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht, lässt der Kurfürst 
doch zwei seiner Regimenter im Clevischen stehen and stellt sie dem 
Prinzen von Oranien zur Verfügung, andererseits erscheint, zwar etwas 
spät, die. holländische Flotte in der Ostsee und trägt wesentlich zu den 
Erfolgen bei, welche dort gegen Schweden errungen werden. Um den 
Kurfürsten von seinem Widerspruch gegen das Haager Project abzu- 
bringen, schicken die Generalstaaten v. d. Tocht, der vorher an den 



oyGooi^lc 



Einleitang. 121 

ZU ßremea zwischen den betheiligten Machten geführten Verhandlangen 
Theil genommen hat, nach Berlin, und wenn der Kurfürst sich auch 
nicht zur Billigung jenes Vertrages verstanden hat, so hat er doch zu- 
gelassen, dass vorläufig demselben gemäss die Verhältnisse im Bremischen 
und Verdischeu geordnet wurden. Die Sendung v. d. Tocht's giebt 
auch Gel^enlieit dazu, die Verhandlungen wegen der Aufrichtung eines 
schon beim Abschluss der nur Rir deu gegenwärtigen Kri^ geltenden 
Allianz vom 1. Juli 1674 in Aussicht genommenen weiteren Bändnisaes 
und einer Begleichung aller noch von früher her zwischen dem Kur- 
rüraten und den Niederlanden streitigen Punkte, welche der KurfSrst 
schon wiederholt angeregt hatte, wieder aufzuoehmen, und man kommt 
so weit, dass brandenburgischerseits ein Vertragsproject abgefasst und 
übergeben wird, welches scbou die Lösung des schwierigsten Punktes, 
nämlich Aufgabe der auf Grund der Hofeyserschen Schuld holländischer- 
seits erhobenen Forderungen, und gütliche Schlichtung der Grenzstreitig- 
keiten zwischen Cleve und Geldern gegen Abtretung von Sehen kenschanz 
und des Geuueper Zolls durch den Kurfürsten enttiüJt. Auch in der Sub- 
sidieofrage ist man sich entgegengekommen. Die Holländer haben es 
SD Vereprechungen wenigstens in Betreff der2ahlang der rückstäudigeo 
Summen nicht fehlen lassen, und wenn dieselben auch nur sehr unzu- 
reichend erfüllt wurden, so hat sich der Kurfürst doch vorläufig mit 
dem, was er bekam, begnügt und sich bereit erklärt, wenn ihm nur die 
Rückstände von Holland und auch von Spanien entrichtet würden, auf 
kuaftige Subsidien zu verzichten. Im Herbst begab sich Blaspeil auf 
den Wunsch des Prinzen von Oraoien zu dem Kurfürsten in das 
Liger vor Stettin, um denselben zu bewegen, auch seinerseits sich ernst- 
licher das von der grossen Mehrheit der Bevölkerung der Niederlande 
lebhaft gewünschte Zustandekommen des Friedenacongresses, welcher in 
Nimwegen zusammentreten sollte, angelegen sein zu lassen, ihn aufzu- 
fordern, grössere Streitkräfte zum Schutz des Clevischen und der be- 
Düchbarten Lande aufzubieten und , ihm allerhand vertrauliche Mit- 
tbeiluDgen zu macheu. Die Anträge des Prinzen haben bei dem Kur- 
fünten die bereitwilligste Aufnahme gefunden, er entscbloss sich sogar, 
persönlich mit demselben wettere Rücksprache zu nehmen, namentlich 
den Operations plan für den bevorstehenden neuen Feldzug und ein festes 
Zosammenhalten bei den inzwischen in Nimwegen wirklich begonnenen 
FiiedensverhaDdlungen zu vereinbaren, und trat zu diesem Zwecke im 
Febmar 1677 dto Reise nach dem Clevischen an. Zwar kam es in 



oyGooi^lc 



122 II- Brandeoburg uod die Niederlande 1676— 1GT9. 

Folge des läDgeren Aufeothaltes, welchea er durch «ioen EraDkheitsaDrall 
unterwegs in Hamm zu Dehmen gezwungen wurde, und des uDglüclElidieii 
Verlaufes des inzwischen schon in den Niederlanden begonnenen Feld- 
zuges nicht zu der Zusammeokunft mit dem Prinzen selbst, aber die 
VerhaudluDgen, welche er durch v. Spaen und Biaspeil mit dem- 
selben fuhren Hess und welche er selbst mit dem wieder zu ihm ge- 
schickten V. d. Tocht und zuletzt mit dem ihu in Wesel anfsucheoden 
Ratbspensionär Fagel fährte, schienen doch za dem gewünschten Ziel 
zu fuhren. Sowohl der Prinz als auch der Rathspensionär haben sich 
in allen Fragen, welche er anregte, zustimmend und entgegenkommeDd 
geäussert, letzterer hat auf das feierlichste versichert, dass der Stut 
sich unter keinen Umständen von seinen Alliierten trennen, sondern bei 
der Partei bis zu einem gemeinsamen Friedensschluss ausharren würde, 
dass derselbe dem Kurfürsten die Erwerbung von ganz Pommero auf 
das herzlichste gönnte und sich eifrig bemühen werde, ihm dazu in 
verhelfen, und dass derselbe wünsche, „sich mit ihm dei^estalt festzu- 
setzen, dass nichts sie zu trennen capabel sein konnte". Auch die 
AUianeverbandlungen sind in Wesel auf Grund eines jetzt von halläa- 
discher Seite aufgestellten Projectes fortgesetzt worden, der Kurfürst hat 
so sehr befriedigt von diesem Ausgange die Heimreise angetreten. 

Aber seine Hoffaungen sind nicht in Erfüllung gegangen. Schon 
Anfang Juni meldete Romswinckel aus dem Haag, die Friedenssehn- 
gucht sei in allen niederländischen Provinzen so gross, dass, falls nicht 
die Bundesgenossen bedeutende Erfolge erlangten, eia baldiger Friedens- 
schlass so gut wie gewiss sei, und Eude Juni erhielt der Kurfürst vou 
seinen Gesandten in Nimwegen die Nachricht, dass holländischeiseits 
dort der Eatwurf eines Separatfriedens mit Frankreich übergeben worden 
sei. Er bt dadurch in grosse Erregung gerathen und hat dem ihm nach 
Berlin gefolgten v. d. Tocht zuerst durch seine Geheimen Räthe und 
dann auch selbst die heftigsten Vorstellungen deswegen gemacht. Die 
niederländische Regierung hat ihn zu beruhigen gesucht, jene Nachrichten 
aus Nimw^eu als auf einem Missverständniss beruhend hingestellt und 
aufs neue versichert, dass sie nicht daran denke, einen Separatfrieden 
zu schliessen, und der Kurfürst hat sich auch wirklich dadurch zunächst 
beschwichtigen lassen. Aber die weiteren Berichte seiner Gesandten im 
Haag und in Nimwegen lehrten ihn, dass nicht nur bei der grossen 
Mehrzahl des Volkes dort das Verlangen nach Frieden immer stärker 
wurde und immer ungestümer sich äusserte, sondern dass auch der 



oyGooi^lc 



Eialeilung. 123 

PriDz von Oranien und Fagel die HofFDODg verloreD, dieser Bewegung 
gegeouber Stand halten zu könneD. Ersterer hat schon im Oktober 1677 
Blaspeil und Romswinckel g«^enäber geäussert, dass er zwar zu 
einem schimpflichen Frieden nie rathen werde, daas aber ein erträglicher 
nicht ausgeschlagen werden dürfe. Wie der Karförst über die Reise, 
welche der Prinz ganz unvermuthet zu Ende des Jahres nach England 
unternahm, und über seine dortige Vermählung mit der Prinzessin Marie, 
der Tochter des Herzogs von York, gedacht hat, darüber besitzen wir keine 
Kunde. Wenn er gehofft hat, dass dadurch England auf die Seite der 
G^ner Frankreichs werde herübergezogen werden, so ist er bald genug 
darüber enttäuscht worden. Schon Ende Januar 1678 kam die Nach- 
richt von dem auf Grund der mit dem Prinzen in England getroffenen 
Verabredungen zwischen England und Holland abgeschlossenen Bündniss, 
welches die Herstellung des Friedens Hollands und Spaniens mit Frank- 
reich ohne Rücksicht auf die anderen Verbündeten bezweckte. Er ist 
darüber in heftigen Zorn gerathen, nicht nur durch den Inhalt des Ver- 
trages, auch durch die Art, wie derselbe hinter seinem und der anderen 
Alliierten Rücken geschlossen war, fühlte er sich schwer verletzt und er 
hat seiner Entrüstung den offensten Ausdruck gegeben. Romswinckel er- 
hielt den Befehl, bei dem Prinzen, dem Rathspensionär und anderen Regenten 
über dieses, von ihm als undankbar und vertragsbrüchig bezeichnete Ver- 
fahren lebhafte Beschwerde zu führen und zu verlangen, dass jener Ver- 
trag cassiert und keine weiteren Verhandlungen wegen des Friedens ohne 
seineZuziehung geführt würden, dass Holland seinen Verpflichtungen durch 
Zahlung der schuldigen Subsidien und Sendung einer Flotte in die Ost- 
see nachkomme und dass es keinen Frieden eingehe, durch den er nicht 
von der schwedischen Nachbarschaft vollständig befreit und ihm auch 
von Frankreich Schadenersatz verschafft werde. Der Prinz und Fagel 
haben sich über diese Eröffnungen sehr empfindlich gezeigt, ersterer ver- 
Bolasste Blaspeil wieder zum Kurfürsten zu reisen und Hess durch ihn 
einerseits diesen und die anderen nordischen Alliierten auffordern, um 
den drohenden Separatfrieden Hollands zu verhüten, bedeutende Streit- 
kräfte für den nächsten Feldzug gegen Frankreich herzugeben, anderer- 
seits den Vertr:^ mit England als das einzige Mittel, durch welches bei 
der Wehrlosigkeit der spanischen Niederlande und der Erschöpfung 
BoUands die vollständige Eroberung der ersteren durch die Franzosen 
und ein übereilter Friedensschluss seitens des letzteren hätte verhindert 
Verden können, zu rechtfertigen, die Forderungen des Kurfürsten als 



ovGoQi^lc- 



124 II. Brandenburfr und die Niederlande I676-I679. 

ganz unmögliche zurückweisen und über die schroffe, für ihn beleidigeDde 
Form, in welche dieselben and die Vorwürfe des Knrfiiraten gekleidet 
gewesen seieD, Beschwerde zu erheben. Er hat sogar bei dieser Ge- 
legenheit den Versuch gemacht, den Oberpräsidenten v. Schwerin, den 
er sehr verkehrter Weise für den hauptsächlichsten Gegoer der Alliani 
des Kurfürsten mit Holland hielt und von dem er eben damals erfahren 
hatte, dass er mit demselben in Zerwürfnisse gerathett sei, zu vei- 
dächtigen und den Sturz desselben zu bewerkstelligen. Dieser Versuch 
ist ganzlich missglückt und auch sonst haben die EröCTunDgen des Prinzen 
auf den Kurfürsten wenig Eindruck gemacht, er hat die Zumuthung des- 
selben, mit Schweden Frieden oder Waffenstillstand zu schlieasen, nm 
alle seine Macht gegen Frankreich wenden zu können, zurnckgewiesea 
und daran festgehalten, dass nur ein solcher Frieden, durch welchen 
Schweden vollständig vom Reichsboden entfernt werde, ihm Ruhe und 
Sicherheit vei-schaffen könne. Die Resolution, in welcher er dem Prinzen 
diesen Bescheid zukommen liess, ist in der höflichsten Form abge- 
fasst und auch die weitere Correspondenz beider trägt ein durchsos 
freundschaftliches Gepräge, in Wirklichkeit aber ist damals ohne Zweifel 
das Zutrauen des Kurfürsten auch zu der Aufrichtigkeit und Zuverlässig- 
keit des Prinzen schwer erschüttert worden. Von dem weiteren Verlanf 
der Dinge, der übereilten und rücksichtslosen Art, auf welche die jetzt 
in den Niederlanden massgebende Partei den Separatfrieden mit Frank- 
reich zu Stande gebracht und den Kurfürsten sowie die anderen Bandes- 
genosaen preisgegeben hat, geben die hier mitgetheilten Aktenstücke, be- 
sonders die Berichte Romswinckel's über die im Haag zwischen den 
Deputierten der Generatstaaten und den Gesandten der Alliierten ab- 
gehaltenen Conferenzen ein anschauliches Bild, nicht minder von der Er- 
bitterung, welche dieses Verfahren Hollands bei dem Kurfürsten und 
dessen Umgebung hervorgerufen hat. 

Zur Entschuldigung der Holländer ist angeführt worden '), dass der 
Kurfürst in diesen Jahren seine Waffen nur gegen Schweden gewendet, 
trotz aller Bitten des Prinzen von Oranien am Kampfe gegen Frank- 
reich nicht theilgenommen habe. Diese Behauptung ist nicht richtig. 
Schon oben') ist darauf hingewiesen worden, dass der Kurfürst 1676 
und 1677 eine kleine, 1678 eine grössere Zahl Truppen auf dem west- 



') S. Peter i 
>) S. S. 8 ff. 



oyGooi^lc 



Eiuleitutig. 125 

liehen Kriegsschauplätze verwendet hat, die in diesem und in spateren 
Abschaitteu mitgetheilten Aktenstücke zeigen, dass er im Frühjahr 1678 
sich eifrig bemüht hat, sacb die anderen Bundesgenossen za grösseren 
ÄDStreDgnngea gegen Frankreich zu bew^en, uud dass er selbst bereit 
gewesen ist, falls Holland standhaft bei der Allianz ausharren würde, 
noch mehr Truppen nach dem Rhein zu schicken. Im Juni hat er, 
allerdings nur ganz vorübergehend, daran gedacht, selbst mit dem grössten 
Theil seines Heeres nach dem Rhein zu ziehen und den Krieg gegen 
Schweden nur defensiv fortzuführen, im Juli aber, als sich eine neue Aus- 
steht auf das Nichtzustandekommen des Friedens eröffnete, hat er wirk- 
lich sämmtlichen in Preussen stehenden Regimentern Befehl ertheilt, dort- 
hin zu marschieren, und erst nachdem jene Aussicht wieder geschwunden, 
der Frieden seitens Hollands doch abgeschlossen war, hat er denselben 
widerrufen und auch diese Truppen nach Pommern kommen lassen. 

Zu derselben Zeit, als die erwähnten scharfen Auseinandersetzungen 
zwischen dem Kurfürsten und den Häuptern der niederländischen Re- 
publik erfolgten, sind die seit so langer Zeit geführten Bündniss Verhand- 
lungen zum Äbschluss gekommen, am 8. März 1678 ist zu Berlin von 
V. d. Tocht und den Bevollmächtigten des Kurfürsten eine Defensiv- 
allianz auf zehn Jahre nach Beendigung des gegenwärtigen Krieges 
unterzeichnet worden. Weshalb dieses nicht schon früher und gerade 
damals geschehen ist, darüber gewähren die auf diese Verhandlungen 
bezüglichen, nur sehr lückenhaft erhaltenen Akten keinen Aufschluss. 
Die Ratifikation dieses Vertrages sollte innerhalb zwei Monaten erfolgen, 
ist aber erst viel später geschehen. Das ist jedenfalls durch die Ent- 
fremdoDg verursacht worden, welche in F'olge des weiteren Verhaltens 
der Holländer bei den Friedensverhandlungen zwischen beiden Tbeilen 
eintrat, der Kurfürst wird sich wenig Vortheil von einer neuen Allianz 
mit einem Staate versprochen haben, welcher die frühere, seiner An- 
schauung nach, in so schmählicher Weise verletzt hatte. Holland ischer- 
seits aber muas man doch Werth auf das Zustandekommen derselben 
gelegt haben. Die Generalstaaten haben') im October 1678 den Kur- 
fürsten an die Ratifikation gemahnt. Dieser hat zunächst den Rath des 
Oberpräsidenten v. Schwerin eingeholt und, nachdem dieser sich dahin 
geäassert hatte, dass trotz alles dessen, was vorgefallen sei, die Erhaltung 

■) S. Pufendorf I. XVI, §100 (S. 1211 f.}. Das GuUchten Scbwerin's und 
die «eiteren AJiten darüber Bind jetzt im Berliner Stttatsarcbiv nicht aufiufindea ge- 



ovGoQi^lc 



126 II. Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

der FreuDdschaft mit der niederländischen Republik doch sehr wQnschens- 
werth nnd daes, falh die Ratifikation verweigert würde, eine uDgünstige 
Einwirkung davoD auf die Verhandlungen mit Schweden za befürchtea 
sei, hat er die Ratifikation ausgestellt und dem damals in Minden be- 
findlichen Geheimen Rath Meinders aufgetragen, die Auswechslung vor- 
zunehmen. Das ist aber damals doch noch nicht geschehen, erst auf 
eine erneute Aufforderung von holländischer Seite sind Ende Januar 1679 
im Haag die beiderseitigen Ratifikationen ausgetauscht worden. 



oyGooi^lc 



0. V. Schwerin') und W. W. Blaspeil an den Kurfürsten. 
D. Cleve 2./12. November 1675. 

[ZnsBuimeiikunft mit Fagel in SchenkeDSchani. Vorschl&ga wegeD der Strom- 
rs^lieruDg. Weitere BeBprechangan mit Fsgel in CleTs.] 

Fagel ist gestern acht Tage [4. November] mit Romswinckel bei Ij. Nov. 
Schenkenachaoz angelaogt, um die Gelegenheit der Rivieren dort zu besichtigen. 
Sie beide sind sofort zu ihm gefahren, denselben Tag hei Ihm geblieben 
und haben ihm ihre Heinnog, wie man den Unterrhein and Isselstrom am 
besten unterhalten nnd verhüten könnte, dasa der Rhein oberhalb Schenken- 
schani vollends in die Waal hineinliefe, mitgetheilt. Fagel hat sich nach ge~ 
nommenem Augenschein am Freitag [8. November] hierher zur Conferenz 
begeben, erklärte aber, zu einer andern Handlung nicht instruiert zn sein 
und nur seine particalare Meinung inssem zu kennen, sie haben die gleiche 
ProtestatioD gemacht nnd es ist darauf verabredet worden, nur Vorschlfige zu 
machen nnd den Prinzipalen zu referieren. Wegen der bei dem jnngatea 

') Der Oberpräsident 0. v. Schwerin war im Septemb«r 1674 mit dem Knr- 
prinien Friedrich und dem Prinzen Ludwig nach Cleve geschickt worden, um 
ersterea eine Cur bei dem beräbmten bolländiscben Arzte Feig vomebmen zu lasaen, 
und hat sich mit denaalben dort bis zum Sommer 1676 aufgebalten. la seiner In- 
strucÜQD (d. Cüln an der Spree 31. Juli/[IO. August] 1674, bei v. Orlicb III, 
S. 362 II.) war ihm unter anderem auch aufgetragen worden, zusammen mit Blaspeil 
und Romtwinckel dahin zu wirken, daas von spanischer und boll&ndischer Seite 
den in dem Bündniss vertrage vom 21. Juni/1. Juli 1674 übernommenen Verpflich- 
tung nachgekommen, namentlich die Subsidien richtig bezahlt, ferner dass die 
Softjseracbe Scbuldsacbe endgültig erledigt würde. In der Subsidienangelegenheit 
in er fortgesellt thitig gewesen, die Erledigung der Hofejserscben Scbuldsacbe hatte 
er HtioD bei Gelegenheit eines Besuches, den er mit den Prinzen Ende Februar 1675 
dem Prinzen von Orauien in Arnheim machte, in einer Conferenz mit dem Raths- 
peniioD&r Fagel zur Sprache gebracht, letzterer hatte dabei den Wunsch ausgesprochen, 
das9 ebenso wie dieser auch die anderen Streitpunkte, wegen der Geldriscben Com- 
pronitssacbe und wegen Schenkenschanz, erledigt werden möcblen, doch war die Er- 
örterung dieser Fragen aufsp&ter ausgesetzt worden (Relation Scbwerin's d. Cleve 
26./16. Februar 1675). 



oyGooi^lc 



128 H. Brandenburg und die Niederlande 1G76— 1GT9. 

Tracttit in Berlin vorbehaltenen ■) DefensiTallianz haben sie gemeint, dieselhf 
müsste auf solchen Fuss gerichtet and auf so viele Jahre eiteodiert verdeo, 
wie die zwischen dem Kaiser, Spanien und dem Staat abgeschlossene') (anf 
25 Jahre von 1G72 an), and es sollte ein Projekt einer solchen Allianz gemacht 
werden. Dann haben sie von dem Gelderschen Compromiss gesprochen, er er- 
bot sich, zur Hinlegung dieser Streitigkeiten f ein Aeusserstes zu tbun. Betreffend 
Schenkenschanz erklärte er, der Staat dfichte nicht mehr an die Clevischen Be- 
satzungen, die er fiüber gehabt, aber diesen Ort, der dem Kf. keinen Vortheil. 
nur Kosten verursachte, wüusrble er gerne wiederzuerhalten, um dadurch den 
Unterrbein und die Issel zu maintenieren, und schlug vor, dem Kf. möchte die 
SuperioritSt und die Einkünfte daselbst verbleiben, der Staat aber sein prae- 
aidium darin haben und alle zur Erhaltung des Orts nBthigen Werke selbst 
machen. Auch sie halten dieses für sehr zuträglich. In betreff der lioefTeyser- 
schen Schuldsache war er mit ihrem Vorschlage, dass alle praetensiones g^n 
einander aufgehoben würden, einverstanden und schlug vor, dasa auch die Streit- 
frage wegen des Genneper Licents') gleich jetzt mit abgethan werde. Darauf 
kamen aie auf das, was bei dem jüngsten Berlinischen Tractat, um Zeit zn ge- 
winnen, vorbehalten worden, zunfichst auf die Frage, ob der Staat zu Unter- 
haltuDg der Clevischen Garnisonen, die ihm als Vormauer dienten, beitragen 
sollte; sie schlugen vor, der Staat sollte die Hälfte der Kosten übernehcien. 
und sind damit so weit gekommen, dass F. sie aufforderte, davon etwas zn pro- 
jectieren und ihm zu commnnicieren, damit er es dem Staat vortragen könnte. 
Dazu müssen sie wissen, was für Garnisonen und wie starke Kf. dort ordinari« 
zu halten gedenkt und ob er gestatten würde, dass in solchem Falle die Miliz 
zugleich in des Staats - Pflichten stehe. Dann haben sie F. die richtige Be- 
zahlung der Subsidien auf das nachdrücklichste lecommendieit, er versprach. 
sein bestes dabei zu tbun, wies aber auf die grossen Kosten hin, die Holland 
zu tr^en hätte, so dass man nicht sehe, wie diese Provinz anf solche Art llnger 
besteben und den Krieg fortsetzen könnte; er rietb, Kf. möchte nach Spanien 
schicken und dort auf Zahlung drängen. Er rieth auch vertraulich, Kf. möchte, 
falls er die Fortsetzung des Krieges wünschte, jetzt, bevor diese in Holland be- 
schlossen wäre, nicht so starke Anmahnung wegen der Subsidien thun lassen. 
Endlich haben sie ihn ersucht, den Staat zu disponieren, bei den bevorsteb enden 
Friedensverhandlungen des Kf. Interesse zu befördern und demseLben zn seiner 
Satisfaction zu verhelfen. Er versprach es, meinte aber, Kf. möchte nur tracbten, 
bald Meister von Pommern zu werden, damit man sich auf die Regul: uti possi- 
dctts gründen könne. F. hat versprochen, bei dem Staat dabin zu wirken, diss 
derselbe zu den Verhandlungen über diese Dinge Deputierte bestelle, sie er 
suchen Kf., ancb seine Deputierten dazu zu instruieren. 

") S. Urk. u. Act. Hl, S. «2, 483. 

^ Die Allianz vom vKI. August IC73 (Dumont, Corps diplomatique VII, IS. 272). 
') S. unten das Schreiben v. Somnitz's und Blaspeü's an die Geheimen 
Eütbe ia Berlin vom 17./27. April 1677. 



oyGooi^lc 



Verb &ndlun gen mit F»gel wsgeo alner AllUnz u. Beilegung der 



Der Kurfürst an Schwerin und Blaspeil. D. Berlin 

4./[14.] Januar 1676. (Conc. v. Somnitz.) 

[Auf die Relation vom 2. November. Bescheid auf die Vorscblige wegen einer 

DefeneiTallianz. Beilegang der Streitiglfeiten. Deberlusung von Schenkenscbani. 

Beitrag Hollanda zur Unterhaltung der Besatzungen in Wesel und Ruhrort.] 

1) VegBD der Corrertion des ßheins wird zunächst eine neue Besicht^gang, U. Jai 
wenn die Wasser gefallen sind, anzastellea sein. 

2) Ef. ist einverstaaden, dass die von ihm (!;enün9cbte petpetaelle Allianz 
mit dem Staat auf eine ebensolche Zeit, wie zwischen dem Kaiser, Spanien und 
dem Staat beliebt worden, gerichtet werde, sie sollen ihm eine Copie dieses 
Tractats zuschicken. 

3) Zur gfltlicben Hinlegong der Qelderschen Compromisssache ist Kl. bereit, 
er kann vor der Hand von den Vorschlägen der arbitri nicht abweichen, sollte 
er aber die Billigkeit von jener Seite verspüren, würde er sich aach derselben 
gemäss erklären. 

4) Uit dem Vorschlage wegen Schenkenschanz ist et einverstanden, doch wäre 
dabei zu bedingen, dass der Staat promitlierte, von dort aas dos Kf. Lande vor 
fremder Gewalt zn schützen, nichts Prfijadicierliches daraus für ihn und seine 
Untertbanen zu verhängen und dass auf diese Punkte der staatische Commandant 
mit in seine Eidespflicht genommen werde. 

ö) Kf. ist auch einverstanden, dass die Hoefeyserscbe Schuld mortificiert 
uud deswegen alle Ansprache aufgehoben werde, erwartet aber, dass der Staat 
wegen des Zolls zu Gennep nichts mehr wider ihn regen werde. Die alten 
und neuen restierenden Snbsidien behält Kf. sich vor. 

€) Wesel und Ruhrort müssen besetzt werden, dazu werden 3500 Mann 
i. Fass und 500 z. Ross erforderlich sein. Kf. erwartet, dass der Staat zwei 
Drittel davon auf sich nehmen wird, und will gestatten, dass in diesem Fall 
seine Commandanten auch mit in des Staats Pflichten stehen. 

7) Sie haben Fagel für seine bezeugte AfFection und WiUKbiigkeit zu 
danken, aber wegen der Snbsidien weiter gehörige Erinnerungen zu thun. 

8) Kf. wird sie mit Vollmacht') versehen, sie können inzwischen mit 
Fagel weiter daraus commnnicieren. 

') Die Vollmacht für Schwerin, Blaspeil iind Ramawiackel zu Verband- 
loDgea mit Holland ist Cöln 5./15. Januar 1676 ausgeslelU. 



Httat. i,GrKh. d-G. KurfOnCsn. XVIU. 



oyGooi^lc 



13() H. Brandenburg und die Niederlande 16f6-lG79. 

Der Kurförst an Blaspeil. D. Cöln 11./21. Januar 1676. 

[Unmöglichkeit, Truppen zu der bebufs Deckung der Diederrheinischen Lande nuf- 
zusteUenden Armee faerzugebea.] 

I. Er wünscht, daas daa Desseia auf Lütticli') anageführt, die Franzosen in 

Mastricht innegehalten imd seine Cleviscben Lande gedeckt') werden, BL soll 
daher deafalls bei K.Coln, Pfalz-Nenbnrg, dem Marquis de Grana nnd 
dem Duc de Villa Hermosa fernere lustaaz thun, Kt. kann aber nicht von 
seinen Truppen dazu geben, dean weil ihm der Kaiser sehr schlechte und kleine 
und von den kaiserlichen Völkern schon vorhin ausgezehrte Quartiere für seine 
Armee angewiesen hat, woraus er dieselbe nicht auf die Ualbscheid recruitieren 
kann, so rauss er nothwendig die Trappen, weiche er in der vorigen Campagne 
im Bremischen gebraucht, hieher zu seiner Hauptarmee kommen lassen, um die 
hiesigen Operationen, welches für ihn das Hauptwerk ist, fortsutzcn zu können.*) 



M. Roraswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 
22. Januar/ 1. Februar 1676. 
[Verhandlungen der Alliierten über die Beschaffung der Flotte in der Ostsee. Forde- 
rungen Hollands wegeu der dazu tod den anderen Alliierten zu zahlenden Geld- 
beiträge.] 

l. Febr. Vorgestern ist eine lange Conferenz der staatischen Deputierten mit den 

Ministern der Alliierten über die Equipierung einer Flotte in die Ostsee gehalten 

') Blaapeil hatte schon am 22. October 1675 und später wiederholt von einem 
von dem Pfalzgrafen von Neuburg vorgeschlagenen Plane, Lattich und die dortige 
Citadelle den Franzosen zu entreissen, berichtet. 

'] Blaspeil hatte 18. December 1675 berichtet, auf einer Zusammenkunft zu 
CöId sei verabredet worden, zur Deckuog der cülniscbeD, cleviscben und jülicbschen 
I^nde sollte ein besonderes Corps von 8—10 000 Uann unter dem Commando des 
Uarquis de Grana gebildet werdeu, wozu der Kaiser 500 z. Pf. und 1500 t. F., 
K.Cöln 1000 z. F., Pfalz-Neuburg 1000 z. Pf. und 2000 z. F. zu stellen h&lten, man 
wünsche, dass auch Ef. einige von seinen in den westßlischen Landen stehenden 
Truppen dazu hergebe. 

1 Kf. ertheilt (d. Cöln 2./I2. Januar 1676) dem Geueral- Lieutenant v. Spaen 
die Ordre, aus den cleviscben und märkischen Laodeu 13 Campagnieen von seinem Re- 
giment z. F., wovon 3 Bataillone in der Gesammtätärke von 2016 Mann zu formieren 
seien, und sein Regiment z. Pf. (600 Mann) gegen künftigen Frühling ins Feld zu 
führeu. Eine ebenioieha Ordre ergeht an General -Major v. EHer wegen der 
mindensehen und ravensbergischen Truppen, von dort sollen 3 Batullone (1144 Haan) 
z. F. und das EUersche Eegiment z. Pf. (600 Mann) ins Feld ziehen. 



oyGooi^lc 



Ber&thuDgen über die Auarügtang der Flotte. 13l 

worden. Nachdem anfangs die Deputierten des Staats und der spanische Ge- 
sandte verlangt, DSnemark sollte dem Vertilge gemäss 40 KriegsscbifFe in 
See bringen gegen Zahlung von 600000 Rthlr. seitens Spaniens und des Staats, 
der dSniscbe Gesandte aber erklirt hatte, sein E5nig kQune anmöglich so viele 
equipieren, der Staat sollte die Hfilfte stellen, haben jene sich erboten, wenn 
der K&nig 2b equipieren wollte, ihrerseits 15 in See zu bringen, dann müsste 
aber von den GOO 000 Rthlr. der KBnig V„ der Staat >/a erhalten resp. zurück- 
behalten. Da 15 Kriegsschiffe aber 300000 Guiden mehr als jene '/» kosten 
worden, müsste mau diese dem Staat wiederv erschaffen. Deswegen wurden 
allerhand VorschlSge gemacht, die Staatischen bestanden darauf, die anderen 
Alliierten müssten diese Summe auf sich nehmen, der Kaiser gegen 45000, 
DSnemark gegen 60000, Kf. gegen 60000'), Lüneburg (Osnabrück aus- 
geschlossen) 40000 Rthlr. dazu beitragen. Er hätte, da er wohl weiss, wie sehr 
Kf. der Subsidien benötbigt, wohl Ursache gehabt, zu contradicieren, da die 
anderen e$ aber nicht getban, sondern die Sache zu facilitieren sich bemühen, 
weil sonst zu fürchten ist, dass die Equipage ganz zurückbleiben könnte, und 
er weiss, wie hoch dem Kf. an der Ausrüstung und Schickung einer solchen 
Flotte in die Ostsee gelegen ist, so hat er das Frojectierte ad referendum an- 
genommen, bittet um möglichst baldigen Bescheid'). 



Der Km-fQrst an Romswinckel. D. Cöln 25. Januar/4. Fe- 
bruar 1676. 
[Beschickung der Bremer Zusammenkunft durcb Holland. Bitte, dort seine Forde- 
rungen unterstützen zu lassen.j 

Er hat gehört, dass der Staat eine Äbschickung nach Bremen gethan'), 4. Febr. 
nm den dortigen Conferenzen der Minister der Alliierten beizuwohnen und unter 
denselben gutes Vernehmen zu erhalten. Der Krieg im Bremischen ist seinet- 
halben principaliter geführt worden, seine Truppen haben in voriger Gampagno 
an demselben Theil genommen und zu dem bisherigen guten Success gar viel 

>] Nach der genauen, von Romsw. 29. Jauuar/8. Februar 1676 eingesandten 
RepartitioD bat Kf. 35 121 Th. 47 St. 7 Pf. beizutragen. 

") Vgl. SylYius, Historien onses tjda (Fortsetzung tob Aitzems) 111, 
S. 315. Kf. antwortet an R. (d. Cöln a. d. Spree 29. Januar/[8. Februar] 1676), 
obwobl er zu einer solchen Equipierung keineairegs verpflichtet sei, wolle er doch 
geschehen lassen, dass sein Beitrag zu dea 300 000 Gulden von den ibm von Spanien 
und Holland schuldigen Subsidien abgezogen werde, er erwarte aber, daaa nicbtg- 
destoweuiger ihm die ßUigen monatlichen Subsidien richtig bezahlt würden, da er 
dieselben letzt mehr als je zur Recrutierung und Unterhaltung seiner Armes bedürfe. 

■) S. über die Sendung t. d. Tocht's nach Bremen Grk. u. Act. III, S. 451 
und 463 und unten Abschn. V. 



oyGooi^lc 



13^ I[. Brandenburg: und die Miederlande 167G— 1619. 

coatribaiert, er Uat daher scbon vorlängst darauf bestanden, dass, wenn er ancb 
an Land nod Leuten im Bremischen nichts prae tendierte, er dennoch zur Uit- 
beaetzang der occupierten Oerter, zur Theilung der dort gemachten Beute nnd 
zur Hit^eniessang der Winterquartiere zugelassen und dort w^en der knnfligen 
Kriegs Operationen und wie er zu seiner Satisfaction, in specie zu Vorpommem 
gelangen könnte, Abrede und Schluss genommen werde. Bisher aber ist nichts 
davon erfolgt, sondern man bat seinen Minister mit nichtigen ÄusSüchlen aaf- 
gehalten. B. soll dieses vorstellen und ersuchen, der staaliache Abgesandte 
möchte instruiert werden, seine Befugnis bei den Alliierten zu appuyieren und 
es dahin zn bringen, dass wegen obiger Punkte ein Vergleich getroffen werde. 



W. W. Blaapeil und M, Romswiiickel an den Kurfili-steti. 
D. k' Grafenhage l./U. Februar 1676. 

[Vorschläge des Prinzen von Oranien wegen Beilegung der Streitigkeiten über die 
ostfriesiscben Quartiere und vregen der Eroberungen in Bremen und Verden.] 

f. Der Prinz von Oranien hat sie gestern ersucht, dem Ef. die gütliche 

Hinlegung der w^eu der ostfriesischen Quartiere zwischen Dänemark und 
dem Hause Brannschweig za fürchtenden Miss Verständnisse zu recommendieren. 
Ferner lässt der Prinz dem Kf. anempfehlen, zu einer gütlichen VerstSndigang 
wegen der Conquesten in Bremen mitzuwirken. Zu diesem Zwecke ist vor- 
geschlagen'), Carlsburg und Stade sollten, nachdem letzteres eingenommen sei, 
demoliert, mit der Erbauung neuer Festungen eingehalten, die Hauptpartage der 
Bremischen und VerdJsclien Conquesten so lange bis die Schweden ganz daraus 
vertrieben, ausgesetzt und nach Nimwegen verwiesen werden, die provisionale 
Disposition über das Herzogthuin Bremen ad Interim dem Herzoge von Celle, 
über Verden dem Bischof von Munster überlassen werden unter der Be- 
dingung, dass keine Neuerungen darin vorgenommen und den dänischen Truppen 
sowie denen des Kf., welche diese Herzogthümer acquirieren helfen, ein 
Aniheil an den Stücken und Munition, sowie an den Intraden nnd Kontributionen 
gelassen werde. Kf. möchte deshalb bei Dänemark arbeiten lassen, hier würde 
man sich bei dem Hause Braunscbweig bemühen, wenn diese nebst Kf. einig 
wären, so würde sich das übrige mit Münster wohl schicken. 



1} S. Putendort I. KIV, | 26 "(S. 1060). 



oyGooi^lc 



ZusammeDkunft in Bramen. Slreitigkeitea unter den Alliierten. 133 

"W. W. Blaspeil an den KurfÖreten. D. s' Gravenhage 
l./U. Februar 1676. 

[Verlangen des Prinzen von Oranien , dasa Kf. eioige seiner Truppen zum Eampf 
gegen Frankreich hergeben solle.] 

Auf <irand des Rescripts des Kf. vom ]1./31. Januar bat er, so oft von 11. Febr. 
der UeberlassuDg oder Detachierung von Truppen desselben die Rede war, er- 
klärt, dass Kf. nicht das geringste von seinen Truppen in Pommern entbehren 
könnte. Vorgestern aber warf ihm der Prinz von Oranien vor, waram er ihm 
solches hStte weiss machen wollen, da doch v. Spaeo und v. Ledebnr erklärt 
hitten'), Kf. wollte 1200 Pferde und 3500 Mann zu Fubs zur Belagerung von 
Stade zQgeben. Er hat sich durch YetzE^eruDg der Ordre des Kf. gerecht- 
fertigt, der Priaz aber hat ihn beauftragt, dem Kf. vorzustellen, wie viel gute* 
für das gemeine Wesen und auch für Kf. selbst geschehen könnte, wenn der- 
selbe wie die Lüncburgischen. Fürsten auch hier etwas gegen Frankreich thSte, 
bat auch selbst an Kf. deswegen geschrieben. Er stellt anheim, ob Kf. dem 
Prinzen alsbald eine Resolution darauf zukommen lassen oder warten wolle, bis 
Gen. Lieutenant v. Spaen, der vermuthlich seine eigentliche Intention wissen 
wird, mit demselben gesprochen hat. 



Der Kurföret an Blaspeil. D. Cöln 7./17. Februar 1676. 

(Conc. V. Somnitz.) 

[Auf die Relation vom l./U. Februar. Die Regimenter sollen am Kbain bleiben.] 

— Nun werdet Ihr auH unserem bei heutiger Post an Euch ab- IT. Febr. 
gehenden Rescripto') ersehen, wasmaaseu wir die beide Regimenter zu 



*) S. unten Abecho. V. 

') In demselben zeigt er ihnen an, er habe sich gegen den Kaiser erboten, das 
Spun'acbe und Etler'ache Regiment t. Pf. ifB.brend der künftigen Campagne nach 
dem Khein zur Deckung desselben zu commandieren, damit der Kaiser und der 
Staat Bäben, daas er, obwohl er in Pommern noch beide Binde voll habe, dennoch 
du Werk am Rhein und gegen Frankreich nicht abandonoieren «olle. Sie aollen 
dieses bebörigen Ortes kund thun und versichern, dass er, wenn er in dieser Cam- 
pagne Stettin und Anclam «regbekommen sollte, mit seiner meisten Uacbt wider 
Fiankreicb und am Rhein agieren wollte, falls man ihm nur durch richtige Zahlung 
der Subiidien Mittel gebe, seine Armee zu conservieren. Vgl. die Relation des 
kaiserlichen Gesandten Grafen Sternberg vom U. Februar 1676 (Urk. u. Act. 
XIV, 2, S. 857). 



oyGooi^lc 



134 II' Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

Prerde, das Spaensche und Ellersche, am Rheiu^ verbleiben und ^tren 
lassen -wollen, welches wir dann fürDemblich auf Ihrer Ld. Ansuclien 
und derselben zu gefallen also resolviret. Waa sonst diejenige Trouppen, 
welche wir, wie Ihrer Ld. berichtet worden, im Bremisohen schicken 
wollen, belanget, davon wird nnser p. Freiherr von Spaen Ihrer U. 
bei seiner Ankunft nmbständlichen Bericht ei-statten und verfaoffentlicli 
derselben gnte Satisfaction geben.') — 



Der Kurfürst an Blaspeil und Romswinckel. D. Cöln 

8./18. Februar 1676. 

[Auf die Relation vom l./ll. Febr. Vernerfung der VorschlSge wegen eines »er- 
läufigen Abkommens über Bremen und Verden. Eigene VorBchllge.] 

18. Febr. Die Sache wegen der ostfrieaisehen Quartiere ist am kaiserlicben Hofe 

zu tractieren. Rf. will sich auch hemühen, dass dieselbe ohne Weiterung t>ei- 
gelegt werde, zweifelt nicht, die Staaten werden dabei auch darauf gehörige Re- 
flexion machen, wie sehr man Dänemarks bei Fortsetzung des Krieges be- 
nothigt sei, und in dieser Qaartiertrage ') sich auch des Kf., dem die aller- 
schleohtesten Quartiere zuteil geworden, annelimen. An dem Bremischen 
Wesen ist Kf. aufs höchste interessiert, er muss bei diesem Kriege mit Schweden 
als pars principslis laesa, welche von Schweden attaquiert nnd unsäglichen 
Schaden erlittea, die anderen Alliierten aber, denen nicht der geringste Schaden 
von Schweden zugefügt worden, als »miliares consideriert werden, nnd er behSlt 
sich ausdrücklich, falls er in Pommern seine Satisfaction nicht erhalten sollte, 
einen Antheil an den Bremischen Conqaestcn vor. Audi er hält^ für das beste, 
dass Carlsbui^ und Stade demoliert und keine neue Festungen dort gebaut 
werden, dass aber die Hauptpartage bis zar Nimwegisclien Zusammenkunft aus- 
gesetzt werde, findet er garnicht rathsara, denn dort würden gewiss durch die 
franzSsischen und schwedischen Minister allerhand Traversen darin gemacht und 
dadurch auch der intendierte Zweck der Einigkeit und guten Vertrauens nicitt 
erreicht werden, auch hält er die vorgeschlagene Provisionaldisposition nicht für 
practicabel, zumal Dänemark dabei ganz ausgeschlossen ist. Seines Erachtens 
sollten alle AUiierte Deputierte zusammenschicken und die Partage vornehmen 



I) Kf. beauftragt v. S|>aen (d. CÖln 7./17. Februar 1676), dem Primen «n 
ranien im Vertrauen mitzulheilen, sein Vorgeben, er wolle einige seiner Truppeu 
1 Bremischen agieren lassen, sei nur eine feinte, um desto eher seine dorligen 
raelensionen zum Effect zu bringen. 

') S. darüber Urk. u. Act. XfV, 2, S. 851 ff. und unten Abscbn. IV. 

>) S. Pufendorf 1. XIV, § 26 (S. 1060). 



oyGooi^lc 



Die Slreitigkoiton über das Bremische. 135 

lassen, wenn diese glücklich geschehen, würde alle Differenz aufgehoben 
Dod würde ein jeder auf die Consetvation dessen, was ihm zugefallen, bedacht 
st'in müssen, doch mflsste dabei sowohl ihm sein Antheil an den eroberten 
Stücken und Munition gegeben und angewiesen worden, was ihm, falls er in 
Pommern seine Salisfaction nicht erhalten, im Bremischen zn Theil werden 
sollte, als anch dürfte Dfinemark nicht ausgeschlossen werden. Dasselbe be- 
anspruchte nicht in specie Carlsburg und Stade, aber an der Weser foviel, 
um eine Communicationsllnie zwischen dein Oldenbnrgischen and seinen anderen 
Landen zu erhalten. Wenn der Herzog von Hannover mit zur Partei treten 
sollte, SD dürfte er bei dieser Handlung auch nicht vorbeigegangen werden. 



W. W. Blaspeil und M. Romswinckcl an den Kurfiiraten. 
D. s' Grafenliage I5./2r). Februar 1676. 

[Beilegung der bremiächen Streifigkeilen. Argwohn der Holländer gegen Dineuiart.] 

Sie werden dem Staat begreiflich zu machen suchen, dass derselbe in der 25. Febr. 
bremischen Angelegenheit mit dem Kf. einerlei Interesse hat, nämlich sich zu 
bemShen, dass dio dabei Betbeiligfen vergliclien werden und wenigstens die 
Kvangeliscben zusammen halten. 

Sonaten verspüren wir je länger je mehr, dass man ') die Macht der 
Krön Denaemarck hieselbst apprehendiret und in Sorgen stehet, dass, 
wann dieser König sich von den beiden Rivieren, die Elbe und Weser, 
Meister machen sollte, 1. Maj. dadurch nicht allein die Commcrcien, 
darauf hieselbsten die meiste Reflexion gemacht wird, würden hindern, 
(«udern auch alle benachbarte, so oft Sie wollen, sehr incommodiren 
köouen, und gleich wie nicht v.a zweifeln, dass von lüneburgischer Seilen 
dergleichen apprehensiones unter der Hand fomentiret werden, um da- 
durch desto besser zu dem Hremischea zu gelangen, also hat auch dieses 
nicht wenig dazu conlribuiret, dass die königliche dfinische Trouppen 
sich neulicher Zeit eigenmächtig in Ostfrtesslandt, welches an diese Pro- 
vincien angrenzet, also dass man dadurch in das Gröningische und so 
weiter füglich kommen kann, einqoartiret haben und alles freundliche 
Ansuchen dieses Staats nii-ht attcndircn wollon, daraus dieser Schluss 
gemacht wird , dass, da solches schon auitzo, etiam invito Imperatore 
geschiehet, was hernächst zu befahren, wann man in einige Missver- 
ständnnss gerathen sollte, und I. K. M. in Dlinnemarcken noch ferner 

') S. Puteadorf l. XIV, 5 26 (S. lOÜO). 



oyGooi^lc 



136 n. Brudeabnrg und di« Niederlande 1676—1679. 

das Bremische oder einen guten Theil davon bekommen, das Holsteinische 
mit dem Oldenbargischen dadnrch cousolidiren and also daraus mit iller 
ihrer Macht gleichsarob ungehindert bis in diese Proviucien hiDeioröcken 
und dieselbe überfallen könnten. Dieses ist die Ursach, warfimb maa 
hieselbst noch zur Zeit, vielleicht auch am Kayserl. Hofe, ungeme sehen 
wird, dass die Krone Dennemarck im Bremischen etwas acquirire, in 
Meinung, wann sie Wismar behalten und Schonen dabei bekommen sollte, 
dass sie, welche am letzten bei der Parthei kommen und die meiate 
Subsidien genossen, allein viel mehr als andere H.H. Alliirte zusammen 
von der Beute haben würde, und dass man dahingegen an beiden Orten 
Münster und das Haus Brannschweig desto mehr hierinnen favoii- 
siret. Es wird allenfalls bochnöthig seiu, dass man auf Mittel und Wege 
bedacht seie, diesen Leuten ihren täglich zunehmenden Argwohn je 
ehender je besser zu benehmen, damit sie wie auch andere, welchen 
die dänische Macht vielleicht ebensowohl in den Augen scheinen mag, 
nicht bewogen werden mögen, zu E. Kf. D. und anderer Nachtheil ihre 
mesures zu verändern und auf das anvorsehenste einen deroselben prae- 
judicirlicben Frieden einzugehen'). — 



Der Kurfürst an Blaspeil und Romswinckel. D. Oöln 

4./14. März 1676. 

[Verlangen der Beschleunigung der FloUearüstung. Unbilliges Verfahrea der 

AIliiertsD in der bremischen Angelegenheit] 

14. Hän. Wir haben gewisse Nachricht, dass man in Schweden alle äosserste 
Kräfte anwendet, umb die Flotte zeitig in See zu bringen. Wann nan 
nicht allein der gemeinen Sache sondern fümemblich uns aufs höchst« 



") Kf. enridert darauf (d. CÖ)n a. d. Spree 21. Februar/[2. Mira] 16T6), der 
KÖDig von Dänemark habe sieb so gegen ihn erkl&rt, dass niemand zu eineco 
solchen Argwohn Ursache habe. Derselbe habe gleich Anfangs für die Schleifung 
von Carlsburg gestimmt und beanspruche nur einen kleinen Landstrich zur Com- 
municatioDsliaie. £g acheinB also, dass man Dänemark von Bremen ausicbliessea 
und alles Braunscbwsig und Uüaster allein in die Bände spielen «olle, die den 
commercio wohl dermaleing ebenso schwer fallen itürden wie van Dänemark, und 
twar ohne Grund, gefürchtet werde; sie sollten darüber mit Fagel reden, der ohne 
Zweifel das, was raisoonabel ist, befördern werde. (S. Pufendorf I. XIV, f 26 
S. 1060). 



oyGooi^lc 



Die Streitigkeilen uolet den Alliierleo. FJotteDrüstnog. 137 

ima gelegen, dass man ihnen darunter zuvorkomme, als habet Ihr 
behöriger Orten UDnaohlässig anzatreiben, dasa mit der equippage der 
Kriegesschiffe, welche der Staat gebeu muss, so viele immer möglich 
geeilet werde, damit selbige sich mit der Königl. dänischen Flotte je 
eher je lieber conjungiren nnd in See gehen können, umb der schve- 
dischen Flotte das Auslaufen zu verwehren oder zum wenigsten zu ver- 
hiadem, dass selbige kein Volk in Teutschland übersetzen könne, zue 
welchem Ende Ihr dann anch nöthige iustances bei dem Admiral Tromp 
zu thon. — 

PS. C6ln an der Spree 5./[15.] März 1896. 

Euch ist bekannt, wie die AUiirte und Interesslrte im Bremischen 15. M&re. 
.'ich übel gegen uns betragen, und möchte woll darauf ankommen, dass 
wir uns mit Ihr. K. May. zu Danemarck daselbst conjungiren und 
uQser Interesse würden mainteniren müssen. Auf solchen Fall wurden 
wir dor 3 Regimenter, so wir sonst den hohen Allürten zuzusenden 
resolviret, seibat bedürfen. Wann Ihr derhalben dasjenige, so wir Euch 
wegen der besagten 3 Regimenter geschrieben'), ausbringet, habt Ihr 
dieses dabei zu bedingen. Es kann uns niemand verdanken, dass wir 
fSr unser eigen Interesse zuförderst sorgen, zumalen wann andere sich 
unser nicht annehmen. 



0. V. Schwerin") an den Kurfürsten. D. Cleve 15. März 1676. 

[Betuch bei dem Prinzen von Oranien in Schenkenscbanz. VerhandluDgen daselbst. 

Harte Forderungen der HolUnder.] 

Schilderung eines Besnchs, den er mit den Prinzen Friedrich and Ludwig 15. Mim. 
dem Prinzen von Öranien in Sehenkenschanz am 3./13. März abgestattet hat 
Beide Prinzen haben sich gewiss sehr wol comportiret und bezeugeten 
S. Hoheit auch eine grosse Satisfaction an ihnen zu haben. Mit Prinz 
budewig scherzten Sie vor, über und nach Essen allzeit, Prinz Ludewig 
uprach Sie gar artig an, ob Sie ihn wollten zum Sohn annehmen, worauf 
Sie ihn küsseten und davor annahmen, fragten ihn, ob er Oberster sein 
wollte, hiessen ihn daranf allzeit Herr Oberster und steten beim Ab- 
scheid, dass Sie ihm ein Patent auf ein Regiment schicken wollten, wie 



') S. das Rescript vom 7./17. Februar 1676 oben S. 133. 
)) eigenbftndig. 



oyGooi^lc 



138 II- Brandenburg und die Niederlande 1676-1619. 

mir daon der H. Fagel heraach aucli sagte, Seine Hoheit würdeDs ihm 
mit ehestem schickeD. So bald es geschiehet, will E. Kf. D. ich davon 
unterthanigateD Bericht abstatten, ob Sie alsdann ein Compliment des- 
falls an S. Höh. machen wollen. Was wegen Schenkenschantz, der 
Hiifeiserschen Schuldsache and des Qelderschen Compromissi vorgegangep, 
desfals beziehB ich mich auf unsere gesampt unterthänigste RelatiOD'}, 
si« seind sehr hart iD allen 3 Puncten, ich habe dem H. Fageln die 
Wahrheit jedoch mit gutem Glimpf und unter andern geeaget, sie sollten 
nicht glauben, dass E. Chf. D. eine solche genaue Älliance mit ibnea 
aufrichten würde, wie sie begehren, und sich aller anderen Freunde ent- 
schlagen, so lange sie 12 Tonnen Goldes aus der Hufeiserschen Schuld 
und das halbe Land von Cleve begehrten, dann in den beiden Stücken 
stehen sie gar feste darauf. Er vermeinte, weil sie nur begehrten, was 
ihnen zustände, könnlena E. Chf. D. nicht unbillig finden. Ich fragte 
ihn, wie es käme, daas der H. de Witte, welcher E. Chf. D. so feioil 
gewesen, durch den H. v. Amerongen') die Cassation der ganzen 
Federung antragen lassen, und warumb man jetzt nicht dieselbe Mo- 
tiven vor gut fünde. Er sagte, dass er wünschen möchte, E. Chf, D. 
hältens damaln angenommen. Ich fürchte, diejenige, die mich damaln 
beschuldiget, dass ich solche conditiones nur darumb auf die Bahn 
brächte, damit nichts aus dem Tractat würde, werden noch selbst be- 
kennen, dass wir damaln die beste Gelegenheit verseumet und wir nnn 
sehr schwer tractiren mit ihnen haben werden. H. Spaen wird be- 
richten, was S. Hob. wegen der 3000 Mann geantwortet, ich habe die- 
selbe auch beweglich angesprochen, aber Sie schlugens platt ab. Wie 
ich von dgn Subsidien sprach, sagteo Sie, E. Chf. D. hätten neulich eine 
grosse Sum bekommen und würden nicht viel mehr zu fodera haben. — 

') Sehwerin, Blaspeil und Rornsniacket bericliten d. Cleve 11. Min 16l!> 
angfübTÜi:)) über eine neue BesicbliguLg des Rheins und der Waal, über eine in 
Gegenwart FageTs mit getdriscben Deputierlcn in der CompramiasaDgelegenheJt ge- 
habte Conferenz und über VerbendluDgen mit Kagel wegen Aufbebung der Hoef- 
eyserechen Schuldsaclie. In den beiden letzten Angelegenbeitee waren nur die beidet- 
seitigen Praelensionen vorgelmcht und erörtert, weitere Verhandlungen darüber n»cti 
den Haag verwiesen worden. 

=) S. Ürk. u. Act. llt, S.2-29. 



oyGooi^lc 



A. V. Spaen an den Kui-fiirsten. D. Cleve 8./18. März 1676. 
[Vergebliche Bemühungen bei dem Prinzen von Oranien.] 

Er ist am 2./12 bei dem Prinzen von Oranien in Middachten in Gelder- 18. Hin. 
land gewesen und hat demselben alle in dem ihm von dem Oberpräsidenten 
V. Schwerin mitgegebenen Memorial') enthaltenen Punkte vorgetragen. Der 
Prinz äasserte, es thäte ihm sehr leid, dass des Kf. Armee sich in solchem 
Stande befände, nnd fragte, wie es käme, dass dieselbe so abgenommen hätte. 
Er bat als Ursachen die schlechte Be/.ahlung der Snbsidjen, das Sterben unter 
der Armee, die schlechten Winterquartiere und das lange Stehen im Felde an- 
geführt. Darauf gab es über die 3 Punkte, Bezahlung der Snbsidien, die 3000 
Mann zn Fuss und den von dem Prinzen auf die rückständigen Subaidien zd 
machenden Vorschnss (er hat nur ÖO a 60000 Rthlr. gefordert) einen langen 
Oiscars. Der Prinz erklärte, er hätte befördert, dass der Hinteratand der Snb- 
sidien bezalilt werden sollte, einen Vorsclioss zu machen sei ihm unmöglich, 
da er von allen seinen Oiitera jetzt nichts bekäme, auch mit 3000 Mann z. F. 
Unnle er dem Kf. nicht helfen, Frankreich würde wohl 10 oder 13000 Mann 
stärker ins Feld kommen als er, auf Spanien könnte er keinen Eslat machen, 
daher hätte er Kf. gebeten, ihm das Elleriscbe und sein (Sjiaen's) Regiment 
^. Pf. diesen Sommer zu überlassen, and Kf. hätte es auch bewilligt. 

Trotz aller seiner Remonstrationen blieb der Prinz bei diesem Bescheide. 
Am anderen Tage reiHe derselbe nach Schenkenschanz, wo die kurfürstlichen 
Prinzen sich befanden. Dort hat er in Gegenwart des Kurprinzen dem Ober- 
jjrisidenten von dem Verlauf und Ergebnis seiner Verrichtung referiert, derselbe 
hat dort auch deswegen den Prinzen aDgcsprochen, aber keine andere Antwort 
bekommen als er"). 

') 1d demselben wird v. Spaen beauftragt, dem Prinzen vorzustellen, duBS in- 
folge des Ausbleibens der spanischen und holländischen Subsidien, der imgenügenden 
Wiaterquartiere und anhabender Krankheilen die Armee des Kf, in überaus schlechtem 
Zustande uad dieser daher trotz aller Anstrengungen nicht im Staude sei, im künftigen 
Sommer su zu agieren, dass den Schweden in Pommern genügender Abbruch ge- 
Sfhebe, und den Prinzen zu bitten, dem Kf. mit 3000 Mann z. Fuss auszuhelfen, 
velclie in die Festungen gelegt, d:e Garnisonen derselben dagegen im Felde ge- 
brtufbt werden sollten, und für richtige Bezahlung der Subsidien zu sorgen. 

') In einem zoeilen Schreiben von demselben Tage berichtet v. Spaen, er 
hätte mit Blaspeil und Romswinckel wegen der von dem Prinzen von Oranien 
gewünschten beiden Regimenter z. Pf. gesprochen, erslerer meinte, Kf. möchte es 
so fiuiuriehten suchen, dass er immer wenigstens 2000-3000 Mann z. Pf. und ein 
pur lausend Mann z. F. bei der Armee des Prinzen hätte, dadurch würde er sich 
grosse Affeclion in Ilolland sowohl bei den Regeuten als auch bei der Gemeine er- 
werben. Er fäbtl dann fort: .Gnädigster Herr, unterschiedliche Regenten in Gelder- 
land haben mir im Discurs zu verstehen gegeben, dass des Herren Primen von 
liranien Hoheit nicht r«cht stark von Natur wären und leicbtlich ableibig werden 



oyGooi^lc 



n. Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 



W. W. Blaspeil und M. Romswinckel an den KurfOrsten. 
D. e' Grafenhage 14./24. März 1676. 

[Klagen de Grana'a über die ISneburgischen Hinister. Aufgeben des UntemehBeo' 
gegen Lüttich. Abacbluss mit Pfali-Neuburg. Die hollindiscbe Flotte.] 

24. H&re. Auch der hier jetzt anwesende Marquis de Orana klagt sehr, dass die löne- 

bnrgiscben Minister gar hart nnd dermassen praeoccupiert sind, als ob ibiti 
Fürsten das Bremische gebühre, Kf. aber ond D&aemark ihre Saüsfacüan 
anderwärts hätten oder erlangen vürden, und dass mit ihnen nicht fortzakommeu 
sei. Gestern bat deswegen eine lange Conferenz zwischen de Grana, de Liri 
und Fagel stattgefunden. 

PS. Das Unternehmen gegen die Cit&delle von Lnttlch') ist Torllnf; 
aufgegeben worden, da angeblich Frankreich diesen Ort zu qnittieren und demo- 
lieren resoWiert haben soll. Die Tractaten mit Pfalz-Neuburg haben ihre 
Richtigkeit. 

PS. 2. Ebenso wie sie bemüht sich auch der Prini von Oranien eifrig 
um baldige Entsendung der Flotte. Von staatischer Seite wird man auch balii 
fertig, aber von Spanien kommen die versprochenen Gelder gar langsam ein. 
doch hofft man, dass die KriegsscbifFe Mitte April auslaufen werden. Adnunl 
Tiomp aber, welcher vorausgeben sollte, macht immer neue DifficnltSten, der 
Prinz wird ihm deswegen zusprechen'). 

oder sonst in einer Occasion bleibeu könnten, ob' derohalben nicht bei so gislalKr 
Sache zeitlich das Werk in etwas zu pr&pariren w&re, dass auf solchen Fall dt« 
Herrn Prinzen Ludwiehs Durch!, iu Sr. Hoheit Stelle succediren aolle, denn l)^ 
die Geldriscben, bütten ihr Absehen auf E. Chf. D." 

') S. oben S. 130. 

5) Sie übersenden 18./28. Märi den Allianztractat Pfalz- Neuburgs mii 
Spanien und Holland. S. diesen Vertrag (d. ia Haye 26. Uärz 1676) in Actes ei 
memoires des negoti&tions de la paix de Nimegue I, S. 592 ff. und Du- 
mont, Corps diplomatique VII, 1 S. 331. 

3) Blaspeil meldet 21./31. Uärz 1676, Tromp zeige, dass er keine Lust bab»-, 
die Expedition zu machen, es solle von seiner Frau herrühren. Romswinckel be- 
richtet 3./13. Mai, Tromp sei am 8. Hai mit den in Texel fertig liegenden Krieg.'^- 
schiffen nach Kopenhagen abgesegelt. Vgl. Sjlvius, Historien onses tjdi IIl 
S.327. 



oyGooi^lc 



Der Streit über das Bremische. Ausrüstung d 



W. W. Blaspeil und M. Romswinckel an den Kurfiirsten. 

D. Hage 18./28. März 1676. 
[VerhaDdluDgea über die bramiBCbe Sacbe. Vorschläge zu einem Torl&ufigea 

Vergleiche.] 

Sie sind diese ganze Woche mit der Bremischen Sache occnpiert gewesen, ^ 
h&ben darii) aher nichl: weiterkommen können, da die Lüneburg! sehen verlangten, 
erat noch die nächst« Post ahwarten zu dürfen. Hit dieser ist wenigstens von 
dem Herzoge von Celle Ordre angekommen; noch hente soll eine Zusammen- 
kunft stattfinden und man wird suchen, die Lönehargischen zu disponieren, auf 
die Cellische Ordre hin zu schliessen. Sie haben auf alle Weise versucht, es zu 
einer eventualen Partage zu bringen, es haben sich aber dabei so viele Schwierig- 
keiten gefunden, dass es unmöglich gewesen, in so kurzer Zeit hei bevorstehender 
Campagne damit zustande zu kommen. Darum hat man andere Eipedientien zur 
Hand genommen und gehen die Gedanken der Alliierten endlich nach vielen 
ErwigDDgen dahin, dass: 

1) die Partage der Bremischen Conquesten bis nach dieser Campagne ans- 
gesetat werden, 

2) inzwischen der Herzig von Celle als Oberster im niedersBchsischen 
Kreise die Directlon im Bremischen, der Bischof von Münster Im Verdischen 
führen, 

3) diese beide Stade belagern und alle Intraden von Bremen und Verden 
etliche Monate lang nur dazu anwenden, 

4) nichts desto weniger dem Kf. das, was er jetzt aus den ihm assignierteu 
Quartieren im Bremischen geniesst, insoweit es nicht zur Belagerung gebraucht 
wird, verbleiben, 

5) ebenso Dänemark soviel, als es jetzt zum Unterhalt seiner in Carlsbni^ 
liegenden Völker daraus zieht, gelassen werden, 

G) sobald Stade erobert, dieser Ort sowie Carlsbni^ und die Borg demoliert 
werden, 

T) aus obigem allen keinem Theil irgend welches Recht oder Proerogative 
Zuwachsen noch abgehen, 

8) im Bremischen nnd Verdischen inmittelst nichts innoviert werden, 

9) der Kaiser, Spanien und der Staat diese Articnl garantieren sollen. 

Sie sehen nicht, wie man diesmal näher werde kommen können, meinen 
vielmehr, Kf. werde dadurch Zeit nnd Gelegenheit gewinnen, mit seinem Interesse 
in Bremischen, das nach dem Erfolg seiner Waffen zu richten sein wird, besser 
als vorher durchzudringen. Die Lüoeburgischen aber haben bisher keinen Qe- 
■chmack daran finden kBnnen, weil sie des Bremischen gern versichert sein 
wollten. 

Sie haben erklärt, die Punkte nicht so annehmen zu können, weil sie anders 
iastmiett wSren, sie wollten sich aber möglichst aceommodieren nnd dieselben, 



oyGooi^lc 



142 11- Brsndenburg und die Niaderlwide 1676—1679. 

wenn sonst nichts PrSjudjcierliches hinzugesetzt wfirde, sub spe nti annehmeD. 
Im Nothfall behSlt Kf. freie Hände, sie zu desavouieren, ohne dass es äkl 
empfunden werden kann. 



W. W. Blaspeil und M, Romawinckel an den Kurfürsten. 
D. s' Grafenhage 23. März/2. April 1676. 
[Der Vergleich über die bremiscb-verdiache Angelegen heil.] 

April. Vorgestern und gestern haben in des Prinzen von Oianien Kamner 

Conferenzen über die Bremische Sache staltgefunden, und ist eudhdi bei- 
gehender Vergleich') getroffen. Der Prinz von Oranien, Marquis de Giin», 
Don de Lira, Cramprich und Fagel, welche das Werk zu vermittelo sacbtcn, 
nahmen, nachdem sie unter einander die Sache überlegt, jeden der lateresseoka 
ä part vor, zuerst den dänischen Minister Meiercrohn, dann sie und endlirb 
die Lineburgischen (von Munster war niemaud zugegen). Den Artiiel, 
wonach Kf. die Summe von monatlich 4500 Kthlr, womit er die bremischen 
Quartiere abkaufen lassen, bis zum I. Hai völlig, nachher nur 3000 Rtbh. von 
Celle erhalten, dafür 2000 Mann zur Belagerung von Stade hergeben soll, hil 
der Prinz von Oranien übernommen, bei Kf. gut zu machen. Obwohl sie den- 
selben für Kf. vortbeilhaft halten, haben sie doch, da sie hierauf garnicht instraiert 
sind, difficultiert und denselben lieber auf des Prinzen Verantwortung ankommen 
lassen. Sie hoffen, Kf. werde mit dem Vergleich zufrieden sein, alle seiee 
Rechte und Praetensionen sind gewahrt und die Sache ist wieder in den Stand 
gebracht worden, dass Münster und Brannschweig, welche das Bremische 
und Verdische bereits unter sich gctbeilt') und als ihr eigenes gehalten gebaliL 
daran noch zur Zeit kein Recht mehr als andere haben noch praetendieiec 
k5nnen. Kf. wird nun am Kaiserlichen Hof, bei Spanien und diesem Stut, 
welche ex foedere verpflichtet sind, ihm Satiafaction zu verschaffen, und der 
Sache, besonders im Bremischen, ein grosses Gewicht geben können, dahm m 
arbeiten haben, wie Münster und das Haus Braunschweig bisher meisterlich 
gethan, dieselben auf seine Seite zu bringen und sich so seine Satasfaction in 
Bremischen, wenn dieselbe in Pommern nicht völlig erfolgen sollte, zu sicbera. 



■) S. den Provisionaltractat 


lom 31. Min 1676 im Diar 


Eu 


rop. XXSIII, 


Appendix S. 155 (f., vgl. Pufend 


»rf XIV, § 29, S. 1063, v. Mo 


rue 


S. 388, Urt, 


u, Act. III, S. 417f. 








») S. unten Abschn. V. 









j,Goo>^le 



Vergleich über Bremen und Verden. 



Der Kurfßrst an Blaspeil und Romswinckel. D. Cöln 
26. März/[5. April] 1676. (Conc. v. Somnitz.) 

[Auf die Rektion vom 16./28. Hin. Uissbilligung der Vorschläge.] 

Da in dem Projcct einige präjudicierliclie Punkte enthalten, dagegen nStliige ^ 
und für ihn wichtige ausgelassen sind, so hätteu sie ilirer Instruktion inhnerieren 
Milien. 

Präjiidicierlich ist der ganzen Partei, dass BrauDschweig als 
KreUobrister die Direction im Bremischen fuhren wolle, maasen bei 
dieäem Werke alles bishero auf die alliaace und nicht auf das Kreis- 
obristenampt gonommeQ, well sonsten kraft solches Ampts der Herzog die 
Besatzung, Austeilung der Quartiere, Disposition der Kriegsoperationen 
ingesampt und die emoluntenta, als Stucke, Munition, so in den er- 
oberten Oertern gefunden werden möchte, praetendiren und an sich ziehen 
dörfte, da man doch alles auf ein gemein concert bishero genommen 
DQd billig dabei zu lassen. Sollen auch diejenigen, die Stade belagern 
^Ueo, befugt sein, aus dem wenigen, so uns im Bremischen gelassen, 
lierauszu ziehen was sie zur Belagerung nötig achten werden, so wird 
uns daselbst wohl nichts übrig bleiben und die Oerter dergestalt auge- 
richtet werden, dass sie niemanden nützen können, auf welche Weise 
wir dann gar umb das wenige, so man uns noch daselbst zugeteilet, 
kommen. Sonaten ist gamicht darin gedacht, dass die Alliirten zu 
unser Satisfaction uns verhelfen sollen, wie dann auch von der Mit^ 
besetzung der Oerter, so besetzt bleiben, wie auch von der Participation 
der Stücke, Munition und anderer Sachen, so in die Participation 
kommen und die wir bishero urgiret, nichts erwähnet. 

Sie sollen ein solches Project also nur ad referendum annclimcn und das 
Werk, wenn sie sehen, dass er dort keine Satisfaction findet, nach Bremen 
remittieteo. Er sendet Gladebeck') an die braun sc hweigischen HBfe, um dort 
über diese Sachen auch verhandeln zu lassen, erwartet auch von Münster 
mildeie ErklSrung, man bat sich also nicht zu präcipitieren. 

■) S. unten Abschn. V. 



oyGooi^lc 



II. Brandenburg und die Kiederlande 1676—1679. 



Der Kurftlrst an Blaspeil und Romswinckel. D. b. 1. 
2./[12.] April 1676.') (Conc. v. Somnitz.) 

[Auf di« Relation vom 33. HIrz. Verwerfung des im Hug «bgeachl aasen en Tn- 

gleichs in der bremischen Angelegenheit. Hissbillignng des Verfahrens der Gt- 

sandtui.] 

1-2. April. Das neue Project wegen Bremens ist für Um noch viel prtjudicierlicber. 

denn im I. Artikel werden die Bremischen und Verdischen Lande conquesliettc 
genannt, wghrend sie nach den ReichsBchlüssen ') znförderst zu seiner S*tis- 
factioD anzuwenden sind; ebendort wird zu Anfang gesetzt, die Partage dei 
I.ande solle ausgesetzt sein, realiter aber wird sie gemacht, indem den Benogen 
von Braunschweig und Münster je ein Stück aasigniert nnd angeorinel 
wird, wie D&nemark nnd er allmählich ganz ans den Landen gebracht und 
jene beiden Theile alles allein an sich nehmen mügen. Obwohl Art. 10 cavierL 
dass dieser Tractat keinem Theil irgend ein Recht giebt, so giebt doch det 
ganze Tractact jenen beiden Parteien allein das Recht der Poasession und das 
directorium, was mehr importiert, als Art. 10 jemals geben kann. Dass die 
Partage im Haag gemacht werden solle, darüber wäre eine ErkISrang d«r 
Interessenteu uöthig gewesen, von ihm haben sie eine solche nicht gehabt, and 
der anderen Alliierten Ueinnng ist bisher gewesen, dass man zn Bremen 
darüber tractieren solle. Auch hat Herzog Georg Wilhelm vor 3 Tagen Ihm 
angezeigt, dass er v. Hammerstein dorthin gesandt nnd dass er an sich 
nichts wollte erwinden lassen, damit der Tractat dort glücklich geendigt würde. 
Der Herzog von Celle ist hiebei nicht als Kreisoberster zu considerieren , Kf. 
kann also nicht zugestehen, was in Art. 2 deswegen angeführt wird. 

In Art. 3 steht, Kf. solle znr Belagerung von Stade 2000 Fussknecblt 
geben, dazu sind sie auch nicht befehligt gewesen, haben vielmehr Contreordre 
gehabt. 

In Art. 5 ist die Execntion der Demolierung der Festungen so clausB- 
liert, dass dieselbe nach Belieben verzögert oder auch ganz nachgelassen werden 
kann. 

') Vgl. Pufendorf J. XIV, | 80 (S. 1063), Urk. n. Act 111, S. 448. Kf.lilagi 

in einem Schreiben an 0. v. Schwerin (d. Cöln ]0./[20.] April 1676), seipa Be- 
dienten im Basg seien seinen Rescriptcn nicht nachgekommen und bitten ein ihm 
sehr prijudicierliches Project in der bremischen Sache unterschrieben. Roms- 
winckel sei auch in der Erbschaft sänge iegenbeit (seiner vor kurzem Terstorbcoen 
Schwiegermutter) seinen Befehlen nicht nachgekommen, sondern h&tte sich zu seiaen 
Ungunsten den Hitinteressenten sebr accommodiert, und er fragt ihn um Rath, wu 
bei einem solchen Vordren seiner Diener zu thun sei. Schwerin entsehnidiKt in 
seiner Antwort (d. Cleve 28. April 1676) die Gesandten, erkl&rt aber, ihnen dennocli 
des Kf. Displicenz mittheilen zu wollen. 
>) S. unten Abschn. VI. 



oyGooi^lc 



Verwerfung des Haager Tractats durch Kf. 145 

Ef. zweifalt sehr, dass der dänische Gesandte Ordre habe, eine so prü- 
judicierliche Convention wie in Art 6 oiithalten, zu belieben. 

Id Art 7 werden ihm ohne seinen Consens monatlich 1500 Rthlr. von 
den ihm von sSmtlicben Alliierten zugestandenen 4500 Rthlin. gleichsam dncch 
einen Uachtspruch abgeschnitten. 

Art. 11 tribaiert den Oannten die Explicatiou des Tractals; wenn diese 
Tär Kf. so favorabel fallen sollte wie der Vertrag selbst, so ist leicbt zu er- 
messen, wie glScklich er dabei fahren würde. 

Solchem nach hätten wir una nimmermehr verseheo, dass Ihr der- 
gleichen Tractat, da Ihr contrarium mandatum und Befehl in Händen 
habet, hättet auch nur sub spe rati zeichnen sollen. Es gehet uns solch 
Euer Verfahren nicht wenig zu Gemüthe und wollen dergleichen nicht mehr 
von Euch sondern schlechter Dinge gewärtig sein, dass Ihr Euren maadatis 
und Instruktionen praeclse nachgehet bei Vermeidung unser Ungnade.*) — 



Der Kurfärst an Blaspeil und Romswinckel. D. Collen 
2./12. April 1676. (Conc. Meindere). 

[Zurückveiseu des Verlangens Hollands, daas er sich nach dem mit Schweden ab- 

geschlosaeneo Commercientraclat richten solle.] 

Aus llirem FS. vom 25. März/4. April hat er ei-sehen, wie man vonseiten 12. Apr. 
des Staats ihn und die übrigen Alliierten an den von demselben mitScbweden 
geschlossenen Commercien tractat') binden will. Der Staat hat mit diesem 
Tractat die mit ihm geschlossene Allianz verletzt, am tiefsten aber geht ihm 
zu Herzen, dass derselbe praetendiert, er habe sich der Waart^n von Contre- 
bande wegen nach diesem Tractat zu richten. Sie haben anzuzeigen, dass er 
dieses nicht Ibun und das, was im 4. Artiiiel des Tractats enthalten, nicht als 

'] Id ihrem Entschuldigungaschreiben (d. s' Gravenhage 8./I8. April 167G} 
■eisen Blasp«it und Romswinckel darauf hin, man hätte ihnen in der God- 
Unai gesagt, dia Herzoge von Braunschweig und der Bischof von Münster, 
■eiche das Bremische und Verdiscbe schon ala ibr Kigen hnlten wollten, würden 
durch ein sanfteres Mittel scbweriicb davon abzubringen sein, der Prinz von Oraoien 
bilte versichert, wenn sa zur Uaupthandlung, auf welche ja alles remittiert würde, käme, 
ifllltB er dafür sorgen, das» Kf. nicht lU kurz kommen sollte. Derselbe hätte sie gebeten, 
die Sache nicht aufzuhalten, damit die Campagne dadurch nicht verliiudert würde, 
and sich erboten, die Verantwortung dafür zu übernebmen. 

*) S.. diesen durch den bolUndiscben Gesandten Rump am 26. November 1675 
In Stockholm abgeschlossenen Vertrag und die Ratification der Gen.-SlasteD vom 
13. KUi ie76 bei Sytvius, Historien onses tyds III, S. 324 ff. 

Hut. 1. Qncb. d. a. Kntrünien. XVJII. 10 



oyGooi^lc 



146 ir. RroadenbarK und die Niederlaude IGTG— 167!*. 

freie 'Waaren nach Schweden passieren lassen wird. Dieses unbillige Aumothen 
des StaaU ist eine ihnen ganz nicht anslSudige arrogierte Disposition in der 
Ostsee und führt gleichsam eine djpendance nacli sich. Weil dergleichen un- 
veidiente Bezeigungen gar leicht das nötbtge Vertrauen zwischen ihm oad dem 
Staat aufheben and dagegen zu allerhand schädlichen Collisionen Anlass geben 
könnte, so sollen sie dieses mit beliörigem Naclidruck remonstrieren, dem Statt 
die Unbilligkeit ihres Zumutliens verweisen und begeliren, dasa man ihn hinfort 
damit verschone und ibm nicht, nbel nehme, wenn er sich alles dessen, was 
seinen Feinden zu seinem Schaden zugeführt wird, zu hemichtigen sacht. Er 
hat Raule'), dem aus dieser seiner Erklärung Gefahr zustossen könnte, be- 
fohlen, sich aus den Niederlanden in Sicherheit an irgend einen Ort in seinen 
Landen zu begeben.') 



Der Kui-füi-st an Blaspeil und Romswinckel. D, Cöln 
8./[I8.] Juni 1Ü7G. (Cone. v. Soranitz.) 

[Verhandlungen mit v. d. Tocht üler den llaager Tractat, den Commercienlnictal 

mit Schweden, die Subsidienzahluag und den Abschluss einer Allianz. VerbiDil- 

lungen mit den b raun seh weigiscben Herzogen.} 

13. Juni. Am 30. Hai ist mit dem hier angekommenen Abgesandten der General- 

staatcn v. d. Tocht Conferenz gehalten worden.^) Derselbe hat 5 particulir 
Punkte angebracht: I) hat er den neulich im Haag gemachten Tractat') \re^n 
der Theilung von Bremen und Verden zu rechtfertigen gesucht, namentlich 
darauf hingewiesen, wenn man eine beständige Partago vor der Belagerung von 
Stade vorgenommen hätte, wäre dadurch nicht nur diese Belagerung verhmden. 
sondern auch vielleicht verursacht worden, dass die brau na chweigis eben and 
mflnsterschen Waffen diese Uauipague niemand zu Nutzen kommen würden. Er 
hat ihm darauf erwidern lassen, seine und anderer Alliierten Intention ginge 

<) S. über dessen damalige Thätigkelt in Holland im Auftrage des Kf. Feier, 
Die Anfinge der b ran den burgi sehen Murine (Progr. des Sopbiengymnasiums in Berlin 
1877) S. 8. 

') Kf. beauftragt 25. April/5. Hai IGTG ßl. und R., dem Staat aniuieigen, 
er habe die meisten Oerler in Pommern blocquiert und sei jetzt im Werk begriffeo, 
auch die übrigen einiuiichliessen und mit aller Macht anzugreifen, er erwarte, ätss 
der Staat seinen Kaufleuten nicht erlauben werde, irgend welchen Handel nach den 
schwediach-pommerschen llfifen zu treiben, sonst werde er dagegen alles thiin, «at 
das gemeine Völkerrecht an die Hand gebe, nütntich alle Scbiflc, welche .dorlbin 
gingen, anhalten und -visitieren lassen. Er habe auch dem Könige von England 
durch Schwerin ebendasselbe vorstellen lassen. 

■) Vgl. die Relation t. d. Tochts vom 37. Mai 1G76 (tirk. n. AcL III, 
S. 471 ff.), Pufendort XIV, §41, 42 (S. 1074 ff.). 

*) S. oben S. 142. 



oyGooi^lc 



VerhsndtuDgea mit t. d, Tocht. 14? 

dahin, daas man entweder eine finale oder Interimspsrtage macben und dabei 
doch die Belagerung fortsetzen mSclite, er zweifelte nicht an der guten Intention 
des Staates, aut«r den Alliierten Einigkeit zu stiften, b&te ihn, dabei za ver- 
harren und deu Tractat, der mit allerseits Beliehen annoch gemacht werdea 
rauchte, zu befördern und zu garantieren. 

S) Suchte er zu rechtfertigen, dass in dem Scetractat mit Schweden') 
diesem die commercia mit den Untertbanen des Staats frei gelassen würden. 
Der Staat habe gleich, als er, früher als die anderen Ailiierten , an Schweden 
deu Krieg erklart, die Freiheit der Commercien zwischen beiden Theilen vor- 
i)eliaiten, dagegen hätten die Alliierten, auch Kf. seihst, nichts einwenden lassen, 
ja als der König von Dänemark solche Reservation hätte improbieren wollen, 
hätte Kf. sein Missfalien darüber bezeogt; denn es wäre unmöglich, daas der 
Staat ihm oder den Alliierten helfen könnte, wenn seine Untertbanen, welche 
die ooera tr^en müsaten, das cominercinm nicht frei hätten. Wenn es ihnen 
verboten würde, so würden dadurch nicht die Schweden, sondern die Unter- 
tlianen des Staats getroffen, denn erstere erlangten, was sie bedürften, durch die 
F.Liglischen, die sonst in diesen Quartieren nietuals so wie jetzt gebandelt hätten, 
und wenn das commercium einmal eine Veränderung erlitten, so fiele es end- 
lich gar und kämen also des Staats Leute ganz aus dem Handel mit Schweden. 
Waaren von Contrebande, gleichwie sie anfangs excipiert seien, sollten auch 
ftrner niemand za führen gestattet werden. 

Es ist ihm dagegen angedeutet worden, dass Kf. solcher Freistellung des com- 
mercii allezeit widersprochen') und dsss er sich nicht zd besinnen wüsste, dass er 
darunter gegen den KCnig von Dänemark ein anderes hätte ausbringen lassen, 
er wollte auch nicht, dass dem Staat und seinen Untertbanen ein Nachtheil im 
commercio zugezogen oder dass ihnen nicht gelassen würde, was andere ge- 
uössen, und er müsste dahingestellt sein lassen, was der Staat darin für noth- 
wendig befinden würde, aber er setze voraus, dass die Secretartikel, durch welche 
Schweden bedingen wollte, dass der Staat ihre Schiffe convoyieren und keine 
Flotte in die OsUee senden solle, vom Staat nicht angenommen werden, und 
dass unter die Waaren von Contrebande Getreide, (Jontanten, Salpeter, Salz und 
alks, was zum Kriege aptiert und gebraucht werden könnte, mitgerechnet, dass 
aller Unterscbleif verhütet und dass nach den vorpommerschen Häfen bei dieser 
Zeit keine Schiffahrt verstattet würde. T. hat angenommen, d&rüber zu re- 
feriren, indessen versichert, jene Secretartikel würden vom Staat nie acceptiert 
werden, unter Waaren von Contrebande hätten sie in keinem Vertrage Lebens- 
mittel und was zu Waffen und zum Kriegsgebranch zubereitet werden könnte, 
sondern nnr schon verfertigte Waffen gerechnet, und er könnte nicht verbeissen, 
dass der Staat darin von seiner Gewohnheit abgehen würde, etliche Waaren, 
wie Theer, Pech, Hasten und andere Schiffsbereitschaft brauchten sie selbst 

>] S. oben S. 145. 

*} S. üb«r die schon im Uai 16V5 darüber geFührlea Verhandlungen Urk. u. 
A.ct in, S. 458. 

10* 



ovGooi^lc 



148 II- Brandenburg und die Niederlftode 1676— 1GT9. 

and sie hStten den Handel damit zu ihrem Besten ansbednngen, die Schiffihrt 
DBch biocqaierten Orten aber würde nie gestattet werden. 

Er hat namentlich mit Rücksicht darauf, dass Schweden doch von Eng- 
land alles bekommt, was Holland sonst bringen könnte, es füt dieses Hai bei 
dieser Vorstellung bewenden lassen, er würde aber gerne sehen, dass Contanlen, 
vivres und Salpeter vorlSnfig verboten würden. 

3) bestritt v. d. Tocht, dass der Staat, wie Kf. denselben beschuldigte, 
sich in der Ostsee ein dominium oder mehr Autorität, als ihm zukäme, anmasst«. 
derselbe sehe vielmehr gern, dass Kf. equipierte, wollte ihm auch weiter dazu 
behülFJich sein, Kf. sollte stärkere Schiffe nnd um ein Drittel billiger, als er 
sie sonst kaufen könnte, haben. Die Leute, welche mit ihm gehandelt, wärtii 
bei ihnen in schlechtem Credit. Kf. hat für dieses Anerbieten danken 
und dabei erinnern lassen, dass ihm wegen der losgegebenen schwedischen 
Prisen, welche seine Arraateurs autgebracht, Satisfaction gegeben werde. Der 
Gesandte erklärte, er sei darüber nicht informieit, fragte, wer die Satisfaction 
geben sollte. £r hat geantwortet, wer den Schaden verursacht, sei auch schuldig 
ihn zn ersetzen. Da sie die beste Nachricht davon haben, so sollen sie die- 
selbe förderlichst überschreiben. 

4) entschuldigte er, dass der Staat infolge der grossen extraordinär Aus- 
gaben, die er durch die starke Armatur zu Wasser und za Lande, den Unter- 
halt derselben and die Equipierung zur See für Dänemark und Spanien gehabt, 
mit den versprochenen Snbsidien nicht eingehalten, sie hätten gleichwohl nach 
and nach einiges gezahlt, wollten alles ehrlich abtragen, er bat, Kf. möchte 
diesen Zustand berücksichtigen und erklären, was er verlangte. Kf. hat ihm 
darauf als seine postulata mittheilen lassen, dass I) ihm der Staat g^en diese 
jetzige Campagoe lOOOOO ßthlr. auf die Testierenden Subsidien abtragen lasse, 
3) bei Spanien sich dahin bemühe, dass dieses ihm zu selbigem Gebranch aof 
Abschlag 15000Ü Hthlr. ehestens erlege, 3) dass der Staat während dieser Cam- 
pagne ihm monatlich 2U000 Rthlr. auf Rechnung zahle, 4} dass nach geendigter 
Campagne die Subsidien, wie sie versprochen, 5) der Nachstand auch nach und 
nach abgetragen und dawider keine Compensation eingewendet würde. Er nahm 
alles ad referendum und begehrte zu wissen, wie hoch der Nachstand sich be- 
laufe. Kf. hat ihm Heidekampf's Abrechnung') über das, was eingenommen, 
znstellen lassen, schickt sie auch ihnen mit, damit sie das, was sie an Pnker, 
Contanten und sonst empfangen , dabei fügen und dem Staat sowie ihm selbst 
die ganze Rechnung zukommen lassen. Der Gesandte versicherte, der Staat 
werde es erkennen, dass Kf. sich so biU^ bezeigte, und, falls Kf. von Polen 
feindlich behandelt werden sollte'), ihm assistieren. 

5) erklärte T. beauftragt zu sein, wegen Aafricbtnng einer perpetoellen 
Allianz nnd Beseitigung der bisherigen Differenzen zn unterhandeln. Auf seinen 

') Nicht bei den Acten. 

*) S. das Schreiben das Kf. an die Gen. Staaten d. Scbwaa 10./30. August I6T5 
(Ork. u. Act. III, S. 4CIf.). 



oyGooi^lc 



VerbaDdluQgea mit v. d. Tocbt. 149 

Wunsch bat Kf. eintn Entwurf abfassen und ihm zustellen lassen. Er zeigte 
sich darüber sehr erfreut und sprach die Hoffnung aus, dass man sich über die 
Hueffelsersche Scbuld amicabili modo einigen und dass Kf. dem Staat dafür 
Schenkenscbanz überlassen werde. Kf. hat sich dazu geneigt erkiärt nnd ver- 
langt, dass ihm Vorschläge wegen des staatiscben praesidii in Sc henken schanz 
gemacht würden. Bei einer anderen Conferenz erklärte T., näher in dieser 
Sache instruiert za sein, nnd verlangte, dass auch über Abtliuung der Reste, 
die nach dem Bündniss von iGT2 gefordert werden, verhandelt werde, worein 
Kf. auch gewilligt hat. 

Kf. hat ihnen dieses alles niitgetheilt, damit sie sich in ihrer Negotiation 
darnach richten und besonders auch die Beilegung der Geldrischen Sache be- 
treiben mögen. 

Der Gesandte bemüht sich auch sehr, dass zwischen Kf. und dem Hause 
Brannschweig ein Vergleich wegen der bremischen Sache getroffen oder der 
Haagische Tractat acceptiert werde. Ein') hier aufgesetzter Vergleich mit den 
Herzogen von Celle und Wolfenhütlel wegen Ueberlassung von 2000 Mann 
zu Fuss ist von denselben nicht ratillciert, sondern ein anderes Project über- 
geben worden, wobei Kf. noch ansteht, was zu thun sei. 



Der Kurfürst an den Prinzen von Oranien. D. im Feldlager 
vor Anklam 16./26. Jnli 1676. 

[Auf ein Sclireiben vom 3. Juli. UnmÜglichkeit, Fusstruppen aus den Festungen zu 
überlassen. Beginn der Belagerunj; von Anklam.] 

Glückwunsch zu der begonnenen Belagerung von Mastricht.') Was das 36. Juli. 
verlangte Fossvolk aus seinen dortigen Garnisonen anbelangt, so bat er aus 
diesen Garnisonen schon so viel Fussvolk als nur immer möglich gelichtet und 
zu ihm bieher kommen lassen, so dass von dort nicht ein Mann mehr entnommen 
werden kann. Sonst will er gern zu Facilitierung des Unternehmens heilragen 
und sieht gerne, dass seine beiden Regimenter z. Fuss auch mit dazu gebraucht 
werden. 

Ei ist^) nach Eroberung des Passes von Tribbesees und der Peenemünder 
Schanze im Werk, Anklam zu belagern. Obwohl der Ort wegen eines breiten 
Morastes und des ' Peeneflusses, da von beiden Seiten die Attaque geschehen 
mnss, schwer anzugreifen ist, so hofft er doch, nach eröffneter Tranchee damit 
bald fertig zu werden. 

') S. unten Abschn. V. 
^ S. SylTJu» III, S. 343. 
*) S. oben S. 23 ff. 



oyGooi^lc 



150 II. Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

Der Kurfürst an den Prinzen von Oranien. D. im Feldlager 

vor Anklam 26. Juli/[5. August] 1676. 
[Auf ein Schreiben vom 22. Juli. Die Belagerung von Anhiam. Die devische Cou- 



Wunsch, dasfi der Prinz inzwischen Meister von Mastricht geworden sein 
möge. Er hat bisher Anklam wegen Ermangelunt; seiner schweren Stücke noch 
nicht recht attaqniereii können, er erwartet dieselben aber erstes Tages und 
hofft dann, sich auch dieses festen und sonst wohl verwahrten Platzes in kurzem 
zu bemächtigen. Aus seinen westfälischen Yestungen kann er kein Fussvolk 
entbehren, er hat sogar von seiner Schwester, der I.andgräfin von Hessen, 
einige Mannschaft zu besserer Versehniig von Lippstadt entlehnen müssen. 

Bei der Capitulation vnn Mastricht bittet er') ausdrücklich zu bedingen. 
dass seine clevischen Lande die von ihnen per ruin et metum versprocbenc 
excessive Contribution nicht zahlen dürfen. 

Er bittet den Prinzen, sich hinfort besser zu mcnagieren^ und sich nicht 
ohne Noth zu exponieren. 



Der Kui-filrst an Romswinckel. D. im Feldlager vor Anklam 
18./28. Juli 1676. 

[Zusagen v. d. Tocht's wegen Zahlung der Subsidieu.] 

•J8. Juli. Er übersendet eine Abschrift der guten Resolutiun'), welche der Staat 

wegen besserer Zahlung der Snhsidien genommen hat. Daneben hat hier 
V. d. Tocht mitgetheilt, von der unlängst in Holland bewilligten Anlage des 
zweimal zweihundertsten Pfennigs sollten die dem Kf. rückständigen Subsidien. 



') Blaspeil hatte (d. Cleve 5./15. Juli 1676} dem KT. berichtet, die ganze 
Nachbarschaft frohlocke über die Belagerung von Mastricht, sie hätten um so toebr 
Ursache, die baldige Einnahme der Stadt zu wünschen, damit das Cleviscbe nicbl 
nur vor künftigen weiteren BrandschaUungen behütet, sonderu ihm auch erspart 
werde, die beiden letzten Termine der jetzt versprochenen (s. oben S. 9}, für 
welche sich nicht nur die Geisseln, sondern auch die Stände und die Regierung ver- 
bürgt hälteu, zu zahlen. Er hatte dem EF. geratbeu, deswegen an den Pnoien 
von Oranieu zu schreiben, damit bei der Capitulation deswegen Fürsorge gelrofen 

'] S. über die Verwundung, welche der Prinz vor Mastricht erlitten hatte, daj 
Schreiben desselben an tiraf Waldeck vom 34. Juli und dessen Schreiben ao den 
Prinzen vom 24. und 36. Juli 1670 (Müller, Wilhelm III. von Oranien und Georg 
Friedrich von Waldeck, S. 283, 283, 2R7). 

^ S. Urk. u. Act 111, S. 484 f. 



oyGooi^lc 



Uangelbafte Zahlung der Subsidien. 151 

die erste Hälfte am 15. August, die zweite am 15. October gezahlt werden. 

R. soll sieb bei dem Generalemp länger bemühen, dass er zam 15. Aagust diese 

Gelder wirklich erhebea könne. Auch soll er dahin aebcn, dass das wegen 
Kaule Beschlossene zum Effect gebracht werde. 



M, Romswinckel an den Kurfürsten. D, s" Grafenhage 

8. August St. n. 1676. 

[Auf das Rescript vom lB./ä8. Juli. Uagünsliger Stand der Subsidienangclegenheil.] 

Die Mahnnngsschreiben der Gen. Staaten an die einzelnen Provinzen wegen 8. . 
dfr Suhsidiengelder sind bisher von geringem Krfülg gewesen. Eine Assi gnation 
auf den von der Provinz Holland bewilligten zweimal zweihundeitsten Pfennig 
hat er nicht erhalten kennen, sondern es ist ihm gcrathen worden, da die Abgabe 
lu anderen Ausgaben des Staates bestimmt sei, Obligationen zu begehren und 
fliese, wie andere Alliierte schon gclhan, an hiesige Kaufleute für baar Geld 
ad fi« pro 100 verhandeln zu lassen. Von Utrecht hat er 4000, von Über- 
hsel 2300 Rthlr. erhalten. Geldern und andere Provinzen bieten Obligationen 
an, anf die man aber die Hälfte, wenn nicht mehr, verlieren würde. Seeland 
wird meinen, ein grosses gcthan zu haben, wenn es Raule oder dessen Creditoren 
wegen der assignierten fiOOOO Gulden Satisfaction giebt. Er bemüht sich, eine 
gnte Summe Geldes zu Soulagiening der Armee des Kf. zusammen zu bringen, 
da aber die von Holland bisher entrichteten Gelder und das wenige, was von 
•len anderen Provinzen eingekommen, zu Bezahlung des Pulvers und anderer 
Anweisungen meistentheils aufgegangen, so ist ihm solches bisher unmöglich ge- 
wesen. Spanien ist schon 20 Monate schuldig.') 



Der Kurfürst an Romswinckel. D. Hauptquartier zu Creekow 

vor Stettin 12./[22.] September 1676. 
[Vfrlui|;eD, dass die holländische Flotte nicht vor Ende November die Ostsee ver- 

Rr soll bei dem Staat inständigst anhalten, dass Admiral Tromp beordert l'i>. Sept. 
werde, nicht eher als gegen Ausgang November aus der See zu gehen, da solches 

') Kf. erwidert (d. Feldlager vor Antlain 27. Juli/[G. August] 1G76), er habe 
keine UrKiiThc, von i^eiaeu rechtmässigen l'rQtonsioiico einen sogrossen (den fünften) 
Theil fallen zd lassen, v. d. Tocht habe noch neulich versichert, der Staat «erde 
e> an der Zahlung nicht mangctn lassen, K. solle darauf driügcn. 



oyGooi^lc 



152 n. Bnndenburg und die Niederlande 1676— li>79. 

der genommenen Abrede gemäss ist and die gemeine Sache es erfordert. Denn 
sollten die Schweden zu Ausgang dieser Campagne noch ihro Flotte heraas- 
bringen nnd den Heisler in der See spielen, so wfirden alle bisher über sie 
erlangten Advantagen vergebens sein und sie insolenter als je werden. £i soll 
in dieser Sache mit dem dänischen Minister de concert agieren. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. s" Grafenhage 
16./26. September 1676. 

[Conferenz mit Fagsl. Reise zuoi Prinzen von Oranien. Abberurung der bollic- 
dischen Flotte.] 

3R. Sept. Et und der von ihm herbeigerufene Blaspeil haben vorgestern mit Fsgel 

über verschiedene Dinge, sowohl die Ftiedenslrac taten als auch die Continuation 
des Krieges betreffend, wie Kf. und der Staat eine Linie liehen, künftig eine 
immerwährende Allianz machen, alle noch offen .';tehenden Discrepanzeii in der 
Güte hinlegen möchten, auch wegen des Rangs, so zwischen den Gesandten des 
Kf. und des Staats zu Nimwegen zu halten, und wie andere Punkte daselbst zn 
observieren, weitläufig geredet. Da Fagel sich heute zu dem Prinzen von 
Oranien nach Soestdyck hegeben hat, so ist auch Blaspeil anf der Rückreise 
nach Cleve ebcndorthin gegangen, nm mit dem Prinzen über eben jene llaterieu 
zu confcrieren und dann dem Kf. zu berichten. Bl. wünscht, dass er Mittuocli 
zu ihm nach Cleve komme, um sich weiter zu besprechen, er glaubt auch, dass 
seine hiesige Anwesenheit nicht so nothig sein wird, da der Prinz und Fagcl 
abwesend sind und die Zusammenkunft zu Nimwegen bis den 1. Nov-ember 
ausgestellt ist Sie beide nebst den dänischen Ministem haben sich auf das 
äusserste bemüht, dass die staatischen Schiffe bis Ausgang November bei der 
dänischen Flotte gelassen würden, haben aber zur Antwort erhalten, die Ordre 
sei schon abgegangen, dass die Schiffe gegen Mitte October nach Holland zurück- 
kehren sollten. 



W. W. Blaspeil an den Kurfi^rsten. . D. Cleve 
8./18. November 1676. 
[Weitere Verhandlungen mit dem Prinzen von Oranien und Fagel wegen der Friedens- 
verhandlungen. Abwehr der französischen Brand Schätzung. Die Subsidienzahluig-] 

18. Nov. Et hatte') dem Kf. in dem Hauplquarüer vor Stettin wegen des Prinzen 

von Oranien vorgetragen 1) wegen des Friedensu^olii zu Nimwegen nnd wie 



■) Blaspeil hatte (d. Cleve 20./30. September 1676} dem Kf. milgetbeilt, er 
beabsichtige, da der 1. Noveaiber für den Anfang der Fried ensverhandlangeo in 



oyGooi^lc 



VerhandluDgen mit Fagel und dem Prioien vod Oranien. 253 

man das gemeine Interesse dabei am besten fortEnsetzen habe, 2) wegen der 
Neutralitit in selbiger Gegend, 3) wegen der ßrandschatzungen und Extorsionen 
der französischen Garnison in Jlastricht, 4) wegen Zalilung der Subsldicn. Die 
Kesolalion des Kf. darauf hat er dem Prinzen auf dessen Wunsch in Gegenwart 
Pagel's andßomswiDckel'smitgetheilL DerPrinz und Fagel wiesen daraufhin, 
u'cgen des üblen Zustande» der holländischen Finanzen und des Verlangens des 
gemeiuen Mannes nach Frieden müsse man mehr auf Beförderung eines schleunigen 
Friedens als aaf Fortsetiung des Krieges denken, doch müsse man den Muth 
nicht sinken lassen, sondern sieb in gute Pestnr setzen. Der Frin^ wollte Anstalten 
treffen, dass die staatische Armee am 1. März des nächsten Jahres complet und 
nwrschßihig sein sollte. Beide versprachen, sich zn bemühen, dass Kf. sein 
Contenteinent bei dem Frieden erlangte, sie wünschten nur, dass derselbe ganz 
Pommern schon hätte und der Friede so getroffen werden k5nnte, dass er es 
allezeit behielte. 

Wegen der Neutralität theilten beide mit, dass dieselbe für einen Umkreis 
von etwa einer Stunde um Nimwegen festgesetzt sei, sie haben darauf hinge- 
wiesen, dass Kf. davon sehr wenig Vortheil hätte und sich an dieselbe Termuthlich 
nicht binden würde. Sie haben dann wieder über S icher ungsmiltel gegen die 
damisonen von Mastricht und Limburg gesprochen und er hat auf die Hit- 
tbeilangeD, welche v. Spaen dem Prinzen deswegen demnächst machen sollte, 
verwiesen. 

Wegen der Subsidien erklärten sie, dass es dem Staat anm!)glicli fallen 
würde, dieselben zu continnieren, und dass man vorläufig darauf nicht dringen 
Millte, sie wollten aber wegen der verlaufenen Subsidien nach Möglichkeit 
Anordnung machen und die Obligationen dem Wunsche des Kf. gemäss aus. 
fertigen lassen.') Sie haben sich auch erboten, wegen des vom Kf. geforderten 
Pulvers und Bleis ihr Bestes zu thun. 



Niinvei;eD festgesetzt ssi, vorher xu Kf. zu reisen, zumal auch der Prinz Ton Oranien 
ia ihu gedrungen habe, über manche», „was sich uiclit alles schreiben Hesse", münd- 
lieb zu berichten. Kf. genehmigt (d. Feldlsger vor Löckeniti 3./13. September 1676), 
du) derselbe Tor seiner Abreise na^ch Nimwegen lu ihm komme, mahnt ihn aber, 
seine Herkunft möglichst zu beschleunigen, damit er 'la rechter Zeit in Nimwegen 
Min könne. S. unten Ab^cliD. VI. 

') S. über die Erklärung des Kf. inbetreff der Subsidlenzahlung den Bericht 
V. d. Tocht's vom '22. Oclober/l. November 1G76 (Urk. u. Act. HI, S. 491). 



oyGooi^lc 



154 II. BraDdenburg und die Niederlande ICT6— 1679. 

M. Romswinckel an den Km-fürsten. D. s* Grafenhage 

5./i5. Deceraber 1676. 

[Besprechung mit dem Prinzen von Oranieu. Hisstrauen gegen die eogliscbeii Ab- 



Nachdem der Prinz von Oranieii vorgestern aas Seeland hieher zarärk- 
gekehrt ist, hat er ihm gestern des Kf. Befehl gemäss Beförderung einer billig- 
mBssigen Resointion auf die dänischen Vorschläge wegen der Flotte, Vorbe- 
reitungen, um dem Kf. gegen Polen lIBIfe zu leisten, falls dieses die franifcisrlK 
und schwedische Partei ergreifen und dem Kf. Schaden unfügen sollte, ä'V' 
Zahlung der Subsidien und Deckung des Clevischen Landes reromniendiert. Der 
Prinz versicherte, er wollte sich darum bemühen, den Staaten von Seeland halle 
er diu Zahlung der Subsidien recommeiidiert, die Finanzen würen daselbst aber 
sehr in disordro und erschöpft. ^Vcgen Bedeckung des Clevischeu Landen 
wünschte der Prinz mit v. Spaen sich zu besprechen. Von den nach Polen 
abgegangenen Schreiben sendet er eine Abschrift mit. Da er aus des Prinieii 
Discursen nicht hat abnehmen können, dass man sich hier auf den englischen 
Hot sehr verlasse, sondern vielmehr davon nicht viel gutes gewärtig sei. m 
kann er um so woniger dem Vorgeben einiger deferieren, der englische Gesandic 
Temple sollte herkommen, um dem Staat annehmliche Fricdensbedingungeii zu 
offerieren. 



A. V. Spaen und M. Romswinckel an den KurfQrsten. 
D. s' Grafenhage 29./19. December 1676. 

[Verhandlungen mit dem Prin;^en von Oranien. Vorschläge wegen Aufstellung de: 
Armee zur Deckung Cleve's und der benachbarten Gebiete.] 

,_ Sie haben Freitag, am Christfag [■2!>. Dezember], bei dem Prinzen tm 

Oranien Audienz gehabt und denselben gebeten, es dahin dirigieren zn helfen- 
dass im nächsten Frühling zeitig eine Flotte nach der Ostsee geschickt nnii 
dadurch die Schweden behindert würden, Snirrurs nach Pommern zu bringen, 
ferner angezeigt, dass Kf. glaube, die Kriegslasten würden dem Staat für das 
anstehende Jahr schwer fallen, und dass er daher geneigt wäre, die Zablong 
der künftig fältigen Subsidien erst nach Umlauf des nächsten Jahres zu fordern, 
wenn nur der Slaat und der Prinz es bei Spanien dahin bringen könnten, dass 
dieses ihm die rückständigen und fälligen Subsidien richtig bezahlte, ferner hab«n 
sie recommendierl, dass der Slaat zum Unterhalt der Truppen des Kf, die 
man selbst in den geringen vom Kaiser angewiesenen Quartieren nicht ein- 
nehmen wolle, die rOcksiändigen Subsidien förderlichst zahle. Der Prinz er- 
widerte, wegen Schickung der Flotte sollte, sobald der spanische Gesandte 
de Lira zurüclt gekehrt würe, eine Conferenz gehalten werden. Der Staat sei 
in so schlechtem und geldlosem Zustande, dass er die Subsidien künfüg nicht 



oyGooi^lc 



VerhandluDgen mit dem Prinzen von Oranien- 155 

mehr werde abtragen könnec, er hoffe aber, Spanien werde sich besser angreifen, 
und er vereprach, sich darum zu bemühen, ebenso wegen Zahlung der noch rück- 
ständigen Subsidien vom Staate. Darauf haben sie mit dem Prinzen von Be- 
freiung der Clevischen und benarhbarten Lande vondenExactionender französischen 
Besatzung in Mastriebt gesprochen nnd Ihm des Kf. Vorschläge mitgetheilt. Der 
Prinz war damit einverstanden und sagte, um diesen Zweck zu erreichen, müsste 
hei Ruremondc ein beständiges Corpo zeitig formiert werden. Kiitnal da der 
König von Frankreich schon Anfang MSrz mit 50000 Mann in die Spanischen 
Niederlande kommen und, bevor die Spanier und der Prinz wurden zu Felde 
sm können, sich Cambray's, Valencienne's iind anderer Orte bemächtigen wollte. 
Spacn hat darüber am nächsten Tage mit Graf Waldeck conferiert nnd sie 
haben beiliegenden Entwurf) gemacht. Der Prinz war mit demselben einver- 
»■landen, meinle aber, auf die 500 Reiter von Spanien sei kein Staat zn machen, 
von des Staates Cavallerie mehr zu thun, sei unmöglich, Kf. möchte daher 
-'(«JO za Pferde und 1000 z. F. zu diesen Truppen schicken, er würde seine 
ganze Cavallerie in Pommern nicht nöthig haben. Spaen hat zwar dagegen 
Einvendnngen gemacht, der Prinz hat aber gebeten, sein Begehren dem Kf. zn 
herichten. 



M. Romawinckel an den Km-fÜrsten. D. s" Grafenhage 
29./19. December 1676. 

[Günstiger Bericht v. d. Tocht's. Bemühungen um Verständigung mit Kf. Un- 
willen über Spanien.] 

v. d. Tocht') soll in seiner hier abgelegten Relation die AfTection des 29. Dce, 
Kl. gegen den Staat, die Gnade, welche er selbst von ihm und der Kurfürstin 



>) Nach demselben sollen zu dem in aller 


Eile zusammenzubringend 


Brandenburg 500 Reiter, 


l£00 z. FuBS, 


Pfalz-Neuburg 500 „ 


1300 , , 


der Staat 3250 , 


1000 , , 


zusammen 3250 Reiter, 


3400 z. Fuss, 




SpaniBn 500 Heiter, 






. Fuss, 


Pfali-Neuburg 500 „ :iOOO 


„ , SOU Dragoner, 


der Staat 3(H)0 





') T. d. Tocbt war Ende December 1676 nach Holland zurückgekehrt, nach- 
ifa beschlossen worden war, die Verhandlungen mit dum Kf, wenn derselbe nach 
Clere kommen «rerde, fortzusetzeu. S. Urk. u. Act. 111, S. 49:; f. 



oyGooi^lc 



156 II' Brandenburg und die Niederlande 1676-1679. 

eifahr^n, und des Rf. Sorgfalt und Tapferkeit in Foirtgetziing der Waffen sehr 
gerühmt haben. Er tfisst sich anch sehr angelegen sein, den Traclat nnd die 
mit des Kf. Ministern conceriierten Punkte zu beiderseitigem Vei^nngen u 
perfectionicren, and auch der Prinz und der Kathspensionar bemnben sich danun. 
Bei den Geldpunkten wird es vornehmlich auf die Stadt Amsterdam, in det 
Gelderschen Compromisssscbe anf der Staaten von Geldernland Eifclänm; 
ankommen. Die Admiralität und der Magistrat zu Amsterdam werden fi 
ungeduldig über das Ausbleiben der spanischen für die im Hittelmecr gewesene 
Flotte zu zahlenden Gelder, dasa man dort schon von Repressalien lar Sk 
gegen Spanien spricht und man hier über die geßUirlichen Folgen, welche daran» 
entstehen könnten, bekümmert- ist. 



Der Kurfürst an Romswinckel. D. Potsdam 22. Decemlw 
1676/[1. Januar 1677]. 
[Verwendung für Dänemark.] 
1671 
t, Jan. Seine and des Königs von Dänemark Interessen sind auf das engstr 

combiniert. Nachdem jetzt die Action in Schonen') vorgegangen, finde! «r 
nöthig, dass demselben von den gesamten Alliierten und besonders vom Süai 
nach Möglichkeit gefuget werde, besonders in 3 Punkten: 1) mit der Flotte inl 
künftigen Frühling, und zwar möglichst früh, ii) wegen der restierenden Subsidieii, 
worin sich der König .so raisonnabcl erklärt und sich zu einem so erklecklichen 
Nachlass=) entschlossen bat, 3) vernimmt er mit Befremden, dass der Staat si;li 
in die Materie des Elbzolles') mischen will, während diese doch nur das ReioL 
und die Karfürsten angeht, die ihr Interesse schon nicht ausser Augen seUen 
werden. 

K. soll in des Kf. Namen das Inleresse des Königs von Dänemark in 
diesen und anderen vorlaufenden Punkten befördern. 

') Die rür die Dänen unt;lückliche Schlacht bei Lund am 3. December l'i'if-. 
I. Carlson, Üeschicbte Schwedens IV, S. 659 <f. 

') Romswinckel hatte am 23. Noyember/8. December I67G berirhlcl, dir 
dänische (Jesandle Majererohn hätte erklärt, sein König wollte auf den drillen 
Theil der von Holland für die Landmiliz versprochenen Subsiüien yerzichten unii 
wollte, wenn Spanien und Holland für die 40 Kriegsschiffe die verspT0cheD<;n 
600000 Rthlr. zahlten, diese FloKe im knnfiigen Frühling allein stellen. 

') Ueber den Olückstadler Elbioll s. unten Abachn. 111. 



oyGooi^lc 



Verwendung für Dinemark. Verhandlungen mit dem Primen y. Oranien. 157 

A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Wesel 10. Februar 

St. n. 1G77. 

[Verlangen des Prinzen von Oranien, daas Kf. ihm lUlfstruppen sende und dass 

ein Corps bei Koermonde aufgestellt werde.] 

Auf den Wunsch des Prinzen von Oranien hat er sich zu demselben nach 10. Febr 
Dyren begeben. Derselbe erkundigte sich z<in3cbst nach des Kf. Gesundheit 
und ob er nicht wüsste, wann dieser nach Wesel kommen würde, und zeigte 
grosses Verlangen nach dessen Ankunft.') Er fragte dann, ob er noch keine 
Aulwort wegen des bei Rurmonde zu formiereuden Corps von Kf. erhalten, nnd 
sprach die Hoffnung aus, dass Kf. ihm bei angehender Campagne mit 3000 Reiteni 
Ifistehen werde. Als er erwiderte, dass er darauf noch keine positive Antwort 
erhalt«ii habe, vermutblich da Kf. deswegen mit dem Prinzen selbst sprechen 
nullte, erwiderte dieser, es sei keine Zeit zn versäumen, die spanischen Nieder- 
lande seien in sehr schlechtem Zustand, die Franzosen h&tten ein grosses Dessein 
vor, man müsste allerseits was nur möglich thun, dem ersten ühoc zu resistieren, 
I.T hoffe sicher, Kf. würde ilim die Reiterei schicken nnd die Bildung des Corps 
bei Rormonde billigen, es wSro für Kf. wie für den Staat schiiap flieh, dass sie 
ihre Uoterthanen so grosse Summen an den Feind bezahlen liesseu. Aach er 
niuss gestehen, dass es unmöglich ist, dass das Clevische die dem Kf. bewilligte 
ätcner nnd zugleich den Franzosen die Brandscfaatzungen länger bezahle. 

Wegen der 3000 Reiter hat er geantwortet, man habe sichere Zeitung, dass 
die Schweden Im Frühjahr bedeutenden Scconrs nach Pommern zu schicken 
gcdächteD, daher würde Kf. wohl schwerlich zum Detachement einigen Volkes 
sich resolvieren könoen, falls nicht der Prinz beförderte, dass die hollün- 
ilische Flotte so bald als möglich wieder in die Ostsee käme. Der Prinz 
antwortete, er wollte sein Bestes dabei thun ; wenn die Schweden verhindert 
vürden, Truppen nach Pommern zu bringen, würde Kf. nicht alle seine Cavallerie 
und Infanterie dort nöthig haben. Er wiederbolt das, was er und Romswinckel 
schon früher^) gemeldet, dass Kf. durch eine solche Truppensendung die Ge- 
uüther in ganz Holland sehr gewinnen und so in allem, was man dort zu 
suchen hat, besser znrecht kommen würde. 

■} Kf. war am 31. Jauuar/lO. Februar I67T von Berlin nach dem Clevischen 
wfgebrochen, musste aber infolge eines heftigen Gichtanfalls am 3C. Fehrusr in 
Hamm liegen bleiben und konnte erst am 7. April von dort aus die Keise fortselzen. 
S. V. Bueh's Tagebuch, herausg, von v. Kessel 1, S. 221 ff. 

') S. oben S. 139. 



oyGooi^lc 



158 n. Brandenburg und die Miederlande 1676— I6T9. 

M, Roinswiiickel an den Km-füreteii. D. s' Grafenhage 

6./16. Februar 1677. 

[Beruhigende Verskherungeu wegen der Unterhandlungen Beuningen'g in EngUniL^ 

Nachdem ihm die Abschrift eines Memorials zugekommen, in welchem Beo- 
ningen') den KGnig von England unter Schilderung; des bedrängten ZustxDdei 
der spanischen Niederlande gebeten, den Frieden zu befördern, und er auch vn- 
nommeo, dass derselbe mit dem Könige einige conditiones für den Vmäti 
zwiscben Frankreich und Spanien concertiert habe, hat er sich danach und nicli 
der eigentlichen Intention des Staates bei dem Prinzen von Oranien und itt 
vornehmsten Regenten erkundigt. Alle versichern, Beuningen habe nur 
Ordre gehabt, dem König von England die Beförderung des Friedens tu «m- 
pfelilen und ihm zu diesem Zwecke die Gefahr der spanischen Niederlande tu 
schildern, aber nicht VorscblSge wegen der Friedensbedingungen zu macheD. 
man wüsste auch nicht, dass er deswegen mit dem König etwas conceitien 
hatte. Der Prinz hat ihm beifolgenden Eitract der Relation Benningen's milg«- 
theilt und derselbe wie auch Fagel haben ihm vereicheri, der Staat dentf 
nicht daran, sich ohne seine Älliierien in Separatverbandlungen einzulassen. Er 
hört auch, dass man wegen Sendung der Flottein die Ostsee, sobald de Lita 
angekommen sein wird, eine gute Resolution nehmen wird, und dass anrh )lk 
Anstalten gemacht werden, um die Armee in Stand zu setzen und zeitii! e« 
campagne gehen zu lassen. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten D. s' Grafenhage 
13.'23. Februar 1677. 

[Absicht des Primen vou Oranien, zu KT. zu reisen, Fagers. die Beile^ing lirr 
clevisch-geidriachen Streitigkeiten zu versuchen. Stand der Subsidienangelegenheiü 

Der Prinz von Oranien ist Sonnabend [den ^0.] früh nach GröniD^ea 
abgereist und hat ihm beim Abschiede gesagt, er gedenke von dort sich nSchslcn 
Monlag oder Dienstag nach dem Clevischen zu Kf. zu begeben, v. d. Tochl 
hat Befehl, sobald er des Kf. Ankunft daselbst erfahren, sich zu ihm zu ver- 
fügen. Vor setner Abreise hat der Prinz die Ordre wegen Eqiiipierung nuJ 
Schickung einer Flotte von 40 Kriegsschiffen in die Ostsee zu Wege gebrarhi. 
Fagel ist vorgestern auch nach Groningen gereist und hat ihm beim Abschied 
gesagt, er müsste bald wieder hier sein, um der Versammlung der Staaten von 



>) Conrad von Beuningen, damals hollindischer Gesandter in Engluxl. 
S. Hirsch, Brandenburg und England 1676—1679. I. (Progr, des Königs la.l lisch« 
Reslgjmaasiums lu Berlin 1898), S. 13. 



oyGooi^lc 



Beabsicbtigte ZasumnenLanft dsa Kf. mit dem Primen von Onnien. 159 

Hotland beizuwohnen, er wolle aber sehen, seine Reiae über Arnhem zu nehmen 

und eine Disposition zu gütlicher Hinicguiig der cicvischen und gcldrischen 
Differentien zu mudieii, und er stelle dem Kf. aubeim, ob derselbe nicbt aach 
jemand von seinen Rätben dorthin schicken wolle. 

de Lira ist zwar vorgestern bier wieder angekommen, hat aber kein Geld 
oder Effecten, worauf Geld zu negotiieren, milgebraoht, sondern vertröstet alle 
Minister der Alliierten auf die, welche ehest aus Spanien erwartet werden, ver- 
sichert, Kf. solle vor allen anderen daraus eine gute Summe erhalten. Die 
■ IbligatloDen') wegen des Cootingents der Provinz Holland zu den rückständigen 
Subsidien bis zum I. Juli IUT<;, ilber 300(>0ü bolländ. Gulden betragend, sind 
schon ansgeferligt. 



Was bey der Unterredung initt dem Printzen von Oranien 
zugedenckeii aein.^) 

1. Das wegen der Huffeisischen schuldt undt Gelrfrischen comprouiU 
richtigkeitt gemacht werde, 

2. wegen der supsidiengelder, 

H. das kein stilstandt der waffen gemacht werde, 

4. das kein parlicuUe Pride getroffen werde, 

5. das dem Könige in Dennemarck 15 oder 12 schiffe geschickt werde, 
vndt das vom Kayser vndt anderen alligirte huifte zugeschickt werde, 

6. Sich zu erkundigen, wie es mitt Engelandt undt den parlament 
stunde, vndt was mau Sich zum Könige vndt parlament zu versehen 
habe, 

7. das itzo nicht von der Zeitt sey repessallien gegen Spaniea zu 
gebrauchen, weill der Feindt dadurch ein grosses avantage gewinnen 
wurde, ia die Aligirte wurden allerhandt gedancken fassen, 

8. Wegen der Denischeu Älianco wie auch des perpetuirlicben fedus 
mit HoUandt, 

9. Wegen der Englischen heiradt, 

10. Wie das landt zu Cleue in sicherheitt gesetzet werde kunnen. 

>) S. oben S. 151. 

') Eigenhändige Aufzeichnung des Kr, jedenfalls auf die damals beabsiclitigte 
iluüiimmenkuDft mit dem Prinzen von Oranien bezüglich. 



oyGooi^lc 



160 II- ßrand«nburg und die Niederlande 1676—1679. 

Instruction ftlr Gen. Lieutenant v. Spaen. D. Ham 
14./24. März 1677. 

34. März. Er hat sich aufs schleunigste znm Piinzen von Oranien zu begeben, za ent- 

schuldigen, dass Kf. wegen seiner Indisposition ') nicht eigenhändig demselben htk 
antworten könneu, nnd anzuzeigen, dass Rf. ihn vornehmlich abgefertigt, damit 
das Nötige wegen des bewussteii Corpo übetiegt werde, von dem er wünsche, 
dass es so postiert und gebrauciit würde, dass seine Clevischen Lande vor der 
französischen Invasion sicher und hedecitt sein Itöunten. Kt, wünsche sehr, 
vor seiner bald bevorstehenden Riirkkchr den Prinzen zu sehen und zu spreche». 
Er hat dem Prinzen des Kf, Interesse, Schickung der Auxiliarflotte nach d» 
Ostsee, Bezahlung der Subsidien und gänzliche üinlegung der Cleve- und 
Gelderschen Streitigkeiten zu enapfehlen, ebenso das Interesse des K5ni^ Min 
Dänemark, schleunige Assistenz mit Subsidien und der Flotte, da derselk 
nach dem Schonischen Treffen sich in solchem schlechten Zustand befand«!), 
dass zu fürchten, er würde sonst, wenn er nicht schleaiiige Assistenz erhielte. 
aus dem ^Verk scheiden müssen. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. J). s' Grafenhage 
16./26. Mäpz 1677. 

[Holländische Forderungen iabetrelT der nach der Ostsee zu schickenden Flolle,] 

i. Gestern haben die Deputierten des Staats zu den geheimen Sachen alle 

Minister der Alliierten zu einer Conferenz berufen und ihnen mitgelheilt, der 
Staat habe für nöthig befunden, dass von Spanien, dem Staat und Däne- 
mark förderlichst eine gute Kriegsflotte equtpiert und in See gebracht würde. 
Spanien imd der Staat wollten 15 capitale Schiffe, (i kleinere und 3 Br»nder 
am I. Hai nach der Ostsee auslaufen lassen, der König von Dänemark sollte 
'J5 Kriegsschiffe dazu thun, damit die Flotte aus 40 capitalen SchiCfen bestehe 
und man damit den Schweden das Haupt bieten könnte. 

Der dänische Gesandte hat sich diesen Vorschlag gefallen lassen, aber 
verlangt, dass seinem Konige nacli dem Tractat von 166G die Subsidien zu 
solcher Equipage von l'j Schiffen entrichtet würden, dazu aber haben sich die 
staatischen Deputierten nicht verstehen wollen und haben ihn ersucht, seinem 
Könige zu recommendieren, dass dieser zu den 15 Schiffen '25 hinzufügen 
sollte.') 

') S. oben S. 157. . 

^ R. meldet am 80. Mn/9. April 1G77, auf FageTs Betreiben werde aller- 
dings die Equipierung der 15 Kriegsschiffe vorgenommen, wenn aber spaniscbeiseiis 
nicht der versprochene Beiti'ag datu gezahlt oder genügende Sicherheit dafür gestellt 
würde, so könnte dieselbe nicht fortgesetzt werden. 



oyGooi^lc 



Sendung v. Spaen's »d den l^rinzen vou OranieD. 



Der Kurfürst an den General- Admiral Tromp. D. Hamm 
27. März/6. April 1677. 

[Aufforderung, zu ibm lu kommeu.] 

— Gleichwie es uns nun leid thut, dass wir dazumalen wegen G 
uDserer Uopasslichkeit behindert worden, denselben zu sprecheD, als hoffen 
wir, es werde solches niio in kurzem geschehen, indeme wir vermittelst 
göttlicher Hülfe morgen vod hier aufzubrechen uod auf Wesel zu geben 
verholTen. Es wird uns demnach aebr lieb sein, wenn der Herr Graf, 
so balde wir alda werden angelanget sein, sich auch daselbst einfinden 
wollte, gestalt wir uns dann wegen ein und ander wichtigen Angelegen- 
beiten mit demselben nötbig zu besprechen haben.') — 



A. V. Spaen an den Kurfürsten. D. Cleve 6. April st. n. 1677. 
[Bescheid des Prinzen von Oranien auf die von ihm vorgebrachten Punkte,] 

Er hat den Prinzen von Oranien in Breda') getroffen. Auch dieser 6. April. 
wünscht sehr eine Znsammenkunft mit Kf. und schleunige Zussmmenbringung 
d«s Corpo, dessen Commando er schon längst ihm, v. Spaen, zagedacht und 
Qur iiiterimsweise dem Feldzeugmeister Grafen v. Hörn übertragen habe. Das- 
selbe müsate so aufgestellt werden, dass dadurch sowohl Cleve als auch die 
andeten interessierten Lande gedeckt würden. Wegen der Flotte, versicherte 
er. bemühe er sich, dass dieselbe möglichst schleunig nach der Ustsee auslaufen 
möclite. Inbetreff der Subsidieii fehlte es an Vermögen, nicht an gutem Willen. 
L)ie Beilegang der clevisch-geldersehen Differentien hätte er Fagel recommen- 
diert. DSnemark würde durch Senduug der Flotte mitgeholfen; wegen der 
Sabsldien wendete er die aagen schein liehe Unmöglichkeit vor, versprach aber 
doch, die Sache beim Staat zu recommendieien. 



'} Tromp erschien «irklich bei dem Kf. 
8. 13. April 1677 (i, S. 242). 
1 S. Sjlvlus IV, 8.36. 



Mitcr. L G«Kli.'d. G. Kiirfant«D. XVm. 



oyGooi^lc 



162 H. BraDdenburg und die Niaderlande IGTG— 1679. 

Prinz AVilhelm von Oi'anien an den Kurfürsten. D. Ekelo 
17. AprQ 1677. 

[UDtnöglichlceit, jetzt zu Kf. zu kommen. Hoffnung auf eine spätere ZaMinin«ii- 

kuaft. Sendung v. d. Tocht's.] 

Er hat den Kf. nicht bei Beiuer Ankunft in Wesel aufsuchen können, da 
er sich zur Aimeo hat begeben müssen, um den Versuch zu machen, St. Omer 
zu entsetzen. Bericht über das Missglucken dieses Versuches und über die 
unglückliche Schlacht bei der Abtei do Pene. ') Er hofft in 6—8 Wochen seim> 
Annee wieder tu den Stand zu setzen, Rache dafür zu nehmen, und dem Kf. 
genauere Mitlheilungcn darüber zu inaclien, wenn er ihn selten wird. Er hat 
van der Tochf) beauftragt, den Ort der Zusammenkunft vorzuschlagen; ve 
kann er sich jetzt nicht von der Armee entfernen. 



Resolution des Kiirfüi-sten. Sign. Wesel 19./9. April 1677. 

[Entacheidung über verschiedene Punkte der mit Holland ab zu seh liessenden Alliani.j 

. Apr. Auf den Bericht, worauf das Allianzwesen mit den Gen. Staaten jetzt 

beruht und was dosshalh bei der gestern mit v. d. Tocht gehaltenen Coiifereiii 
vorgefallen, erklärt Kf. : 

1. Der zu Berlin in hochdeutsch er Sprache entworfene Aufsatz') soll ein- 
gefolgt, auch seinerseits unterschrieben, und sein Name überall voi^esetzt werden. 

2. Es darf bei der zuletzt aufgerichteten Allianz, so lange dieser Krieg 
dauert, bleiben und der vorigen Allianzen nicht ferner gedacht werden, docii 
sollten sich in der Allianz von lli6C. Artikel finden, welche auf gegenwärtige 
und künftige Zeit quadrierten, so könnten diese der neuen Allianz beigefügt 
werden. 

3. Es soll kein immer\rährendes foedus, sondern nur ein solches auf lO 
oder 1^ Jahre gemacht werden. 

8. Im 3. Artikel kann es bei den staatiscberseits in niederländischer 
Sprache gemachten Veränderungen bleiben, doch müssen die Fälle, wann, wu 

■) S. Sylvius IV. S.47ff., Basnage II, S. 807 ff-, Mignel IV, S.438f. 
>) S. über dessen neue Sendung ^u Kf. ürk. u. Act. Hl, S. 494, v. Buch's 
Tagebuch I, S. 230. 

') S. Putendort XIV, i 42 (S. 1076), Urk. u. Act. III, S. 483, 495. 



oyGooi^lc 



Verbandluagen über die Alllenz. 163 

and wie die Hülfe zu leisten, in beiden Artiknla, von denen der eine den Kf., 
der andere den Staat betrifft, in gleichen terminis ausgedrückt nnd das, waa 
dem Kf. aas dem Olivischen Frieden und den Brombergischen Tiactaten gebührt, 
so mithin eingesetzt werden, dass es desshalb keiner besonderen Garantie be- 
darf. Es hat dabei zu bleiben, dass, sotlte der Staat zu Wasser aogegriffen 
werden, Kf, nur die H&lfte der versprochenen Hülfe, die andere HBlfta erst 
dann, wenn der Krieg auch zu Lande geführt wird, zu leisten hat. 

5. Kf. ist zufrieden, dass der Staat die versprochene Hülfe existente casu 
in Uannschaft oder Schiffen leiste, er behält sich aber auch vor, dieselbe, wenn 
er Uannschaft nicht entbehren kann, statt dessen in Geld zu leisten. 

' 6. Art 1 1 von eigenmächtiger Einquartierung und Durchzügen kann aus- 
gelassen werden. 

7. Art. 12, dass einer des anderen Unterthanen nicht mehr als seine 
eigenen beschweren soll, ist so wie in dem Berliner Entwurf, ohne Zosatz, zu 

S. Die ExieusioD des Art. 18, betreffend die Communicntion über die 
künftigen Kriegsoperationen nnd dass kein Theil für sich Frieden machen solle, 
liast er sich gefallen, auch 9., dass Art. 19 wegen Garantierung des Olivischen 
Friedens ansgelassen werde. 

10. Von Art 30 wegen der Fortificierung und des Unterhalts der Garnison 
lon Wesel soll, falls dieser Punkt nicht so, wie er sich in dem Berliner Project 
findet, staatisch erseits angenommen werden will, ein Separatartikul wie sub n. I 
gemacht werden. 

lt. Die 4 Nebenartikul, dia Aufbebung seiner Praetensionen betreffend, 
lüs.^t Kf. sich gefallen. Doch ist das Exemplar, welches er zu unterschreiben 
hat, hochdeutsch zu expedieren und im Art. 3 klar und deutlich auszudrücken^ 
dass er nur auf die von dem Tractat von a. 167*2 her restierenden staatischen 
Subsidien nachgiebt, vorbehalthch jedoch der 33000 und etliche hundert Thaier, 
darüber schon früher als empfangen quittiert worden. 

iä, Mit dem I. Artikul, betreffend die Praetensionen, welche der Staat 
nachgiebt, ist er zufrieden, betreffend den 2. aber, wegen der Geldrlschen 
Comprombssacho , kann er die Schenken schanz nicht wirklich abtreten noch 
darauf ginzlich renunciieren, bevor die Geldrlsche Sache ganz abgethan ist 

Danach haben sieh die Geheimen Bätlie, besonders diejenigen, welchen 
dieses Allianzwesen zur Richtigkeit zu bringen aufgetragen ist, zu richten. 



oyGooi^lc 



II. Brandenburg und die Niederlande 1G76— 1679. 



Puncta*), worüber S. Churf. D. mit dein Rath-Pens'ionario 

Fagel sich besprochen. So geschehen den ll./äl. Aprilia 1677 

zue Wesel.''*) 

Ad I. I. 

Dem Staat wäre solches sonders S. Clif. D. hätten diese Confereni 

lieb, als der nichtes melir vedaogete darumb vcräalasset, damit eio gules 

denn mit Sr. Churf. D. in eiuem Vertrauen zwischen Derosolbeo, dem 

aufrichtigen guten Vernehmen be- Staat und des Princen von Oranien 

ständig zu verharren. — ]hrcr Hoheit 1>. conserviret und mehr und mehr 

thäte es sehr leid, das.s Sie S. befestiget werden möchte. 
Churf. D. vor dero Rückreise nicht 
sprechen könnten, die Ursache wäre 
bekannt. 



Ad II. 
Einen allgemeinen guten Frieden 
verlangetß der Staat, zue eiuem 
particulier-Frieden würde sich der- 
selbe keinesweges verstehen. Man 
tractirete zwarjetzo zue Nimwegen 
mit Franckreich, sowohl wegen der 
Commercien als anderer Differen- 
tien, wann aber gleich alles ad- 
justiret wäre, würde man doch zue 
keinem Schlüsse schreiten, ehe und 
bevor die übrigen Alliirten alle mit 
ihren Tractaten richtig, damit ein 
allgemeiner Friede, wobei alleiae 
Sicherheit zu finden, retabliret 
werde. Der Staat gönneteSr. Churf. 
D. ganz Pommern von Herzen gerne 



') von P. Fuchs' Hand. 

') Deber die ZusacDDieDkunft des Kf. mit Fsgel in Wesel am 21. April 16'' 
y. Bnch's Tagebuch (I., S. 243). Derselbe bemerkt: S. S. Kl. lemoignoit brvi- 
lup de satisfaclion de cette enlrevue, comme Elle en avoit auBsi sujet de l'eslre. 



II. 

Wie ein guter allgemeiner Frieden 
zu befördern und es anzustellen, 
dass auf das jüngste Unglück, so 
die staatiMche Waffen betroffen, kein 
particuliere Friede noch einige 
Tre'nnunge oder Stillstand der 
Waffen erfolge, wobei dann eriniierl 
worden, dass der Staat seine Ge- 
sandten dahin instruiren wolle, dar- 
auf bei den Tractaten zu bestehen. 
dass Sr. Churf. D. ganz Pommern 
verbleiben möge. 



oyGooi^lc 



UnlerraduDg des Kurfürsteu mit Fagel. 165 

und wollteo zue desseo Erlaugange 
alle mögliche ofßcia sowohl vor 
dich selber als durch ihre Gesandten 
zue Nimwegen anveudeo laa^ea. , 

Sie würde» sich auch keines- 
weges von ihren Alliirten trennen, 
äondcm bei der Partei bis zum ge- 
meinen Friedeni«;hluss beständig 
verbleiben. 

Ad III. III. 

Der Staat hätte bereits 140000 Fl, Wie das Unglück, so die staati^ 

la Recruiten und 340000 Fl. zue sehe Waffen vor St-OmerbetrolTen'), 
anderen) nothigen Behuef nach der zu redre^iren, und was für con- 
Armee remtttiret, und würde man silia hierüber zu ergreifen. 
Dichtes unterlassen, was zue ge- 
schwinder Äufheirunge derselben 
und Redressirung des erlittenen 
Verlusta helfen könnte. 



Ad IV. 
Es müsste ein gewisses Corpo in 
Ober-Geldern formiret werden, wo- 
xue der Staat 3000 Mann zae Fusse, 
Pfalz-Neuburgs D. 2000 zue 
Fusse, 500 Pferde und 500 üra- 
gouDer geben, auch noch über das 
zue solchem Behuef 20(X) Mann zae 
Fusse aus Neubui^ kommen Hessen. 
■Spanien würde dabei 800 Pferde 
und S. Chf. D. 2000 Pferde und 
1500 Uann zue Fusse fügen und 
köiiDte man auf den Nothfall die 
OüDabrückischen Trouppen, welche 
in der Nähe stünden, mit dazuo 
ziehen. 



IV. 

Wie die Cieviache und a 

grenzende Lande in Sicherheit : 



oyGooi^lc 



166 



n. BrkDdenburg und die Niederlande 1676—1679. 



Ad V. 
Vor sich selber würde er wohl 
dazue nicht inclioireD, aber mau 
hoffete, das Parlament würde ihn 
entweder in Güte dazue dispociren 
oder auch forcireo. Und weil der 
Staat gewusst, dass man in Engel- 
land sehr besorget wäre, es mochte 
der Staat einen particulier-Frieden 
treffen , so hätte der Staat den 
König von Engelland damit be- 
drohen lassen, dass sie solches tbuen 
wollten, im Fall der König ihnen 
nicht Hülfe leistete, welches aber 
nur darnmb geschehen, damit man 
das Werk mit mehrerom Ernst in 
Eugelland angreife. 

Ad VI. 
Es wären desfalls verschiedene 
Vorschläge geschehen und wären 
ins Mittel gebracht der Pabst, die 
Venezianer, Schweitzer uod 
andere, weilen aber bei allen etwas 
zu bedenken, würde es wohl das 
beste sein, dass man die Tractaton 
absque mediatore fortsetzete, zu- 
malen die gute Parthei ohne das 
bisher von deu Medialoren wenig 
Vorstand gehabt hätte. 

Ad VII. 
Dass S. Churf. D. hierunter 
Satisfaction sucheten, wäre billig 
und wollte der Staat zue Erreichung 
derselben alle möglichen officia an- 
wenden, gestalt daun dessen ihre 

S. UDlen Abschn. V. 



Ob ZU hoffen, dass der Konig 
von Engelland zue der guten 
Parthei trete, 



Ob auf solchen Fall andere 
Mediatores und welche zu wählen. 



Vir. 

Wann der König von Engel- 
laud bei der Mediation bliebe, wie 
selbiger dahin zu brtugen, dass er 
S. Chf. D. wegen des Tracfamenis 
Ihrer Gesandten') Satisfaction gebe, 



oyGooi^lc 



Unterredung ilea Kurfürsten mit Fagel. 



16t 



Minister io Eogellaad 
ningen ausdrücklich 



Beu- 
befehliget 
wäre. Dass maD aber deafalls im 
Tractat stilk stehen oder auch dass 
S. Churf. D. ihre Gesandten von 
Nimw^en odor London zurücke 
rufen sollten, solches fände or nicht 
rathsamb, weil die Sache noch nicht 
desperat und die feindliche Parthet 
überall in der Welt aussprengen 
würde, dass man diesen Praetext 
□m die Tractaten zu abrumpiren 
gebrauchet hätte. 

Ad VIII. 
i3t bei dem vorigten Punct 1 
wertet. 



Ad IX. 

Solches wäre keinesweges zu ge- 
statten. Der Staat würde es nicht 
eingehen und möchten S. Churf. U. 
nur auch nicht darin gehoelen. 

Ad. X. 

S. Churf. D. möchten sehen, 

sich mit Hertzog George Wilhelm 

auf der Rückreise zu besprechen. 

Solches ist nacbgehends geschehen. *) 



und dass dei' Staat zufolge der 
Allianz im Tractat stille stehen 
möchte, bis solche Satisfaction er- 
folgete, damit S. Chf. D. nicht ge- 
uothdränget würde, Ihre Gesandten 
von Nimwegen abzufordern. 



vin. 

Ob S. Churf. D. ihren Ministrum 
aus Engelland wegeu dieser Streitig- 
keit abzuforderu hätten. 

IX. 
Üb die Direction') bei den 
Conferentieu der AlHirten zuo Nim- 
wegen den Keyserlichen Gesandten 
zu gestatten. 



X. 

Wie das Fürstl. Haus Braun- 
schweig bei der guten Parthei 
beizubehalten und ob das Bremische 
Woscu auf Art und Weise, wie der 
Keyser vorgeschlagen,'} durch 
Zusammensetzung des Keysers, Sr. 
Churf. ü. und Staats fürzunehmen 
und die Ilinlegung desselben zu be- 
fördern und zu vermitteln. 



■) S. unten Abschn. V. 

') Ueber die Zuaamineukunft des Kf. mit Ilcrzog Georg Wil 
hoslel am 27. April 1677 s. v. Buch's Tagebuch I, Ö. 248. 
>) S. unten Abschn. IV. 



oyGooi^lc 



168 



tl. Brandenburg und Ait Niaderlsnde 1 



Ad. XI. 

S. Churf. D. möchteD mit dem- 
setbäD uQterwegens cDaferireD, ') 
uod im Fall das Haus Lüoenburg 
Dicht zu gewianen wäre, dahin 
sehen, ob Sie ihn davon abziehen 
könnten, weilen Ihre Keyserl. M. 
solches selber vorgeschlagen. 

Ad. XII. 
Hätten mit dem König von 
Dennemarck Dichtes zu demes- 
liren ausser der Compromisssache, 
worinnenderKönigin Franckreich 
(sie!) dem Staat notorie uugütlich, 
wollten solches Sr. Churf. 1). und sonst 
j ederm änniglich zu judiciren anheimb 
geben. Wann der Königin Denne- 
marck sich hiernächst darnoter 
wollte weisen lassen, würde es gut 
sein, jetzo würde jedoch dadurch 
das gute Vernehmen nicht unter- 
brochen werden. 

Ad. XIII. 
Man wäre in. Holland bedacht, 
etwas gewisses zu dcterminiren, 
welches bei diesem Zoll von den 
Waaren genommen werden möchte. 
Wie darauf S. Churf. I). angezeiget, 
weilen dem König in Dennemarck 
jetzo mit barem Gelde gedienet 
wäre, ob nicht die summa der 
600000 Ethlr. in Holland negotiiret 
und denen, so dieselbe vorschiessen, 



XI. 



Wie man sich mit dem Bischof 
von Münster enger zu vereinigeo. 



XH. 
Ob einige Sachen wären, die 
das gute Vertrauen zwischen dem 
König von Dennemarck und dem 
Staat hindern könnten? Zue Hin- 
legUDg derselben wollten S. Churf. U. 
sich anerboten haben. 



XIII. 
Ob der Staat nicht gemeinet, von 
der Contradiction des Etbzolles') 
halber abzustehen. Die Fürsten im 
Reich wären nicht befuget, sich 
darinne zu mischen : weil der Keyser 
und die Churfürsten das Regal der 
Zölle bis jetzo alleino behauptet 
und an sich behalten, da ihnen 
sonst in vielen anderen Dingen 
EingrilT geschehen wäre. 



') lieber den Besnch des Kf. bei Bischof Chri 
I Beckum s. v. Buch'g Tagebuch I, S. 244. 
>) S. obon S. 156 und unten Abscbn. 111. 



irnhard am 22. April 



oyGooi^lc 



Uaterredung des Kurfürsten mit Fsge!. 



hiowiederamb die Hebuogen und 
GeDuss sothaneo neuea Zolles ein- 
geth&D werdeo icönnten, hat der 
R&th-Pensionarius darauf geant- 
wortet, dass solches nicht zu ver- 
werfen wäre und dass er desfalls 
einen Versuch thueu woHte. 



Ad. XIV. 
Er wäre mit Sr. Chnrf. D. auch 
der Meinunge, dass darnach nicht 
zu hören, weilen man sich doch 
von Schweden nicht versichern 
konnte und ihnen dadurch den Degen, 
uml) Schaden zu tbuen, wieder in 
die Hand spielen würde. 



XIV. 

ist ihm zu eröffnen, was Pfaltz- 
Neuburgk') wegen des Vergleiches 
mit Schweden ins Mittel gebracht 
und was S. Churf. D. darauf ge- 
antwortet, umb seine Gedanken 
darüber zu vernehmen. 



Ad. XV. 
Die Alliantz wäre so gut als 
geschlossen, und weilen beide Theile 
ibreConvenienz dabei linden, würde 
man so viele möglich auf Perfec- 
tirung derselben eilen. DieGeldrische 
Grenzsache ginge zwar eigentlich 
nicht den Staat sondern die Provinz 
Geldern an, er wollte aber doch 
von wegen des Staats sein Beste» 
zue derselben Ilinlegung thuen und 
deafalls expresse bei der Zusammen- 
kunft zue Arnheim*) erscheinen. 
Wie S. Chf. D. erwähneten, dass 
zur Sachen nicht wenig dienen 
würde, wanu der Staat einen Theil 



XV. 

Weil beiderseits daran gelegen, 
dass die vorseiende neue alliance 
ehist vollenzogen und dieGeldrische 
Grenzstreitigkeit beigeleget werde, 
dass der Rath - Pensjonarius die 
Sachen ihme wollte recommendiret 
sein lassen, S. Churf. D. würden 
alle Facilität bierunter beitr^en. 



') Solche Vortchlige hat Pfulzgrnf Philipp Wilhelm «uhrscheinlich hei dem 
Bauche, den er dem Kf. in Wesel 13.— IG. April 1677 ahgeslattet hatte, (s. v. ßuch's 
Tagebuch I, S. 241 f.) gemacht. 

>) S. oben S. 159. 



oyGooi^lc 



170 



II. Brandenburg und die Niederlande 161E-1679. 



XVI. 
wegeo der current Subsidien, wie 
auch der Subsidien für DeDor- 
marck zu gedeaken. 



der Schulden, womit die Provinz 
Gelderland verhaftet, derselben er- 
liesse, damit sie in dieser Sachen 
sich desto eher möchte finden lassen, 
weilen doch die Einräumung der 
Schenckeuschanze dem Staat zum 
besten kommen würde, hat der 
Rath- Pensionarius solches zu be- 
fördern über sich genommen. 

Ad. XVL 
Die unrichtige Zahlung der Sub- 
sidien rührete nicht aus des Staats 
Willen sondern Unvermögen her, 
weilen die meisten Frovincien aus- 
gefallen. Jedoch würde man was 
mäglioh wäre thuen, gostalt dann 
wegen der Provinz Holland die 
Obligationen ') angegeben würden. 
Selbige wollte er rathen, auf 72 
pro 100 zu versetzen , käme es 
dann, dass dieselben wieder auf- 
schlügen, könnten S. Churf. D. 
solchen Vortheil zu genlessen haben, 
und wollte CDtzwischen Holland die 
Interesse davon zahlen. Wegen der 
übrigen Provincien wSsste er vor 
der Hand keinen Rath. Der Staat 
wäre nach Endigung des spanischen 
Krieges 15 Millionen schuldig ge- 
wesen, jetzo wäre er schon über 
40 Millionen schuldig. 

Ad. XVII. XVII. 

Es wäre desfalls schon Vor- Ob es nicht besser wäre, 

sehung geschehen und hiltto man man bei jetzigen Conjuncturen 



'] S. oben S. 151, 1Ö9. 



oyGooi^lc 



Unterredung <)eg Surförsten mit Fagel. 



auch dergleich fürnemblich nur zum 
SchrecVeD Bpsrgiret. Mau würde 
e$ damit so machen, dass die 
FreuodschaFt mit Sp&niea dadurch 
nicht alteriret würde. 

Ad XVIII. 
Es wäre nichtes daran , und 
mächten S. Cburf. 1). eine andere 
Parthei vorschlagen. 

Ad XIX. 
Der Staat hätte nicht in Cod- 
sideration 1. KöD. M. in Üenno- 
marck sondern I. Chnrf. D. und 
damit dieselbe dero Deseeins dar- 
dDrch ausführen möchten , diese 
15 Schiffe equipiren lassen, ') gestalt 
daan der Staat einzig und allein 
verlangete, sich mit Sr. Churf. D., 
als welcher sie nicht geringe Obli- 
gation hätten, dei^estalt feste zu 
setzen , dass nichtea dieselbe zu 
treonea capable sein möchte. 



den vorgehabten Repressalien wider 
Spanien') inne halte. 



XVIil. 
Ob an der Heirath zwischen des 
H. Priucen von Oranien D. und 
der Princesse von Yorck*) etwas 
gewisses wäre? 

XIX. 

Dass die nach der Ostsee desti- 
uirte Orlogschiffe ebistens equippiret 
werden und auslaufen mochten. 



V. Somnitz und Blaspeil an den Oberpräsidenten und die 
Geheimen Käthe zu Berlin. D. Nimwegen 27./I7. April 1677. 
[B«ricbt ober di« in Wesel inbelrelf der Allianz mit Holland geführten Verhand- 
lungen. Der Oenneper Zoll.] 

Der ZD Wesel genommenen Abrede zufolge schicken sie ihnen die Abschrift '27. 
des niederdeutschen AJIianzprojectcs, welches ihnen früher hier in Nimwegen 

•) S. oben S. 156. 

'; Ueber dio ersten im December 16T4 deswegen dem Prinzen von Oranien 
ilurth König Karl II. gemachten Anträge S. Temple's Hemoiren (Worlis II, S. 2S7fr.), 
'gl. K»nke, Engliiche Oetehichte IV, S. 464. 

>) S. oben S. 160 und Sylvius II, S. 70. 



oyGooi^lc 



172 II- BrsQdeDburg und die Niederlande 1676—1619. 

von V. d. Tocht zugestellt worden und in vielen Articuln anders ils du 

Berlioische hachdeotache Cancept eiugericlitet ist, wie solches zu Wesel bei deii 
Conferenzen ') angewiesen worden. Die separaten Articuln, wodurch alle pne- 
tensioues binc inde aufgeheben werden sollen, sind dabei anoecUert, sie haben 
dieselben aber nicht von v. d. Tocht (ausser dem letzten Punkt von der 
geldrischen Sache) sondern von anderen ausser seinem Vorwissen bekommen. 

Ferner fügen sie bei Abschriften von 3 von Kf. eben vor seinem Anf- 
bruch von Wesel in dieser Allianz- und der Geldrischen Cumpromisssache er- 
theilten Resolutionen.') Bei Verlesung des Aufsatzes wegen Unterhalt» der 
"Weselsohen Besatzung') hat Kf, sich desshalb mündlich niher herausgelassen 
und wird nüthig sein, dessen eigentliche und endliche Erklärung in hoc passn 
zu vernehmen. 

Fagel und v. d, Totht haben nach des Kf. Abreise von Wesel mit ihnen 
aus dieser Sache weiter gesprochen, und als sie denselben zu verstehen gaben, 
dass Kf. nicht gemeint sei, das Allianzwerk fortzusetzen, bevor die geldrischen 
Streitigkeiten gütlich abgethan sein würden, hat v. d. Tocht wiederum erkläri 
und darauf bestanden, dass zuvor auch der Punct wegen des Zolls und der 
Licent zu Qennep abgethan sein müsste. Als sie erklärten, davon nichts in 
mandatis zu haben, ausser dass Blaspeil Befehl erhalten hätte, zu berichten, 
wie es mit Jenem Zoll und Licent beschaffen sei, und dass er dieses aarh 
gethan und seinen Aufsatz den Geheimen Käthen v. G 1 adebeck und v, Knese- 
beck zu "Wesel zugestellt hätte, erzählte er, was desfalls in Berlin voi^efallcn 
sei und dass er vorgeschlagen hätte, er wollte den Generals taaten die Anf- 
bebuDg der Hoefeiserschen Schuld favorabihter vortragen und sie dazu nacb 
Möglichkeit disponieren, die Geheimen Räthe möchten dagegen dem Kf. von 
dem Zoll und Licent zu Gennep ebenfalls favorable Kclation abstatten und <he 
Sache dahin dirigieren, dass Kf. sein Recht daran an den Prinzen von Oraiiieii 
cedierte. Der Oberpriisident und die Geheimen Räthe hätten ihn, nachdem a* 
dem Kf. Relation darüber abgestattet, versichert, dass es wegen des Gemieper 
Zolls und der Licent keine Schwierigkeit geben sollte. Da sie erklärten, ohne Ordrr 
und Instruktion darüber nicht verbandeln zu können, hat sich derselbe ent- 
schlossen, der Hofstaat zu folgen und mit Kf. und den Geheimen Käthen näher 
deswegen zu reden. Aus BlaspeiPs Bericht werden sie ersehen, dass der Zoll 
an sich gering ist, aber den Herzogen von Cleve seit undenkliche» Zeiten 
gehört bat und niemals bestritten worden, dass die Licent zwar streitig gemacbt 



') Ö. oben S. 162 f. 

^ S. ebeudaselbst. 

>) Diesen Separatartikel betreffend hatte Kf. erktärl, da er verlange, xur Con- 
1 der Festung Wesel sollten die Gen.-Slaaten pro dimidia parte concurrieren 
und dafür der Gouverneur und der Commandsut sieb iKnen auch verpfliehten, i" 
Gen.-Staaten aber forderten, daas, falls sie die Hälfte der Kosten IrSgeu, die Hil^« 
der Besatzung aus ihren Leuten bestehen und die ganze Besatzung den Alliierten 
schwören sollte, so solle dieser Punkt, wenu man sich über denselben nicht so, 'i^ 
er es wünsche, einigen küuule, vorläufig ausgestellt bleiben. 



oyGooi^lc 



Verhandlungen mit Fagel und v. d. Toeht. 173 

worden, der Staat nnd andere iDtetessenten aber in Rechten weiter nicht als 
>af die Abschaffang davon werden geben und urgieren können, und dass es 
dicserseits an gnten Gründen, welche man dawider einzuwenden hat, nicht 
fehlen wird. Ihrer Meinung nach ist bei dieser Sache viel zu bedenken, es 
würde fnr Kf. nachtheilig sein, da er nur diesen einen Zoll auf der Haas hat, sich 
dieses Regals an begeben. Es haften auf den Licenten noch einige onera, auch 
Blaspeil hat von Kf. 1664, 1 GT'2 und 1677 Geacessionen auf deren Intraden 
«rbalten. ') 



Der Kui-fiirst an Romswinrkfl. D. Cöln 13./23. Mai 1677. 
[Die apaaisehen Subsitlien nud die holl&ndisdien Obligationen. Befehl, schleunigst 
Pulver zu besctiafren und auf Sendung der holländischen Kriegsscbiffe 7u dringen.] 

R. macht^ ihm schlechte UofTnnng zn Bezahlung der spanischen Snbsidien. 23. Mai. 

Da er aber immer ans Spanien solcher Bezahlung halber starke Versicherung 
iH-kommt, so zweifelt er nicht, es werde endlich etwas erfolgen. Er soll bei 
den spanischen ministris weiter eifrige Instanz deswegen thun. Wegen der 
Negotiation anf die holländischen Obligationen ist er mit seinem Vorschlage') 
einverstanden, will ihm und seinem Vetter und wer sich sonst hierin zu seinen 
Diensten gebrauchen lassen will nicht nur alle gebührende Versicherung und 
ächadioshaltung praesLieren, sondern ihnen auch ihre Mühe vergelten, er soll nur 
die Sache beschleunigen. Auch mit Ueberschickung des Pulvers hat er möglichst 
lu eilen, da Kf. desselben zu seinem Vorhaben höchst benSthigt ist.*) Wegen 

'] Der Oberprüsidont und die (ieheimen K&thc erwidern darauf (d. Cüln 
1 il. Spree 29. Aprü/9. Mai 1677), Kf, habe befohlen, die Sache bis ku v. d. Tochf s 
Ankunft auszusetzen, sie würden dann alles in gebührende Beobachtung nehmen. 
V. d. Tocht ist am 13. Mai in Berliu eingetroffen, die Unterband hingen über die 
Allianz aber sind erst im Januar 1678 wieder aufgenommen worden. 

*) R. hatte 5./I5. tfai IGTT dem Kf. geschrieben, auf Zahlung der spanischeu 
änbsidien sei nicht zu reebnen, Kf. müsstc, um Spanien dam zn zwingen, nach- 
drÜL'ktitbere Uitlel gebrauchen, wie dio Fürsten von Celle, Osnabrück und 
Münster, welche ihre Truppen nicht eher schicken wollten, bevor sie wirkliche 
Satis^tion empfangen hütten. 

>) R. hatte (d. Amsterdam 28. April/S. Uai 1677) berichtet, ein dortiger an- 
gesehener Hakler, an den er aich gewendet, hätte ihm gesagt, auf die hollBndischen 
Dbligationen allein würde niemand Geld leihen wollen, sondern nur, wenn eine quali- 
Scierle Person sich tur Rückzahlung der geliehenen Summe und Zahlung der Inler- 
eaien mit seiner Person und seinen Gütern verpflichtete, und er hatte sich erboten, 
tusammen mit seinem Vetter, dem Kommissar Romswinckel, die Anleihe zu ne- 
gotiieren und die Bürgschaft la übernehmen, falls Kf. sie dafür schadlos halten und 
ihaen eine billige Provision zulegen wolle. 

>■) Kf. schreib! (d. Cüln 16./26. Uai 1677) an R., er brauche schleunigst 
3000 Centner Pulver, da sonst sein auf Anfong Juni angesetzter Aufbruch nicht vor 



oyGooi^lc 



174 n. Brandenburg und die Niederlftiide 1676—1679. 

der 15 KriegsscbiCTe wünscht er, dass womöglich die volle Zahl al^he, doch 
damit durch Abgang eines oder anderen ScliiCTes niclit das ganze Werk accrochieit 
bleibe, soll er darauf dringen, dass anfangs nur die bereits fertigen absegeln.') 



Der KurfQrst an den Prinzen von Oranien. D. Cöln a. d. Spree 
22. Mai/[1. Juni] 1677. (Conc. O. v. Schwerin.) 

[Beschwerde über das eigenmächlJKe Verfahren der holländischen Gesandten in 

Nim wogen.] 

I. Jnui. Ew. Ld. können wir nicht verhalten, was tnaasen ') der Herren 

Staaten General Gesandten zu Nimwegen sich nicht dazu verstehen 
wollen, allewege mit den Alliirten zugleich ihre declarationes gegen die 
feindliche Parthoi zu thun, noch in Schriften ihre replique nebest den 
andern Allürten zu übergeben, sondern wieder die vielfältige Instanlien 
der übrigen Gesandten ihnen farbehalten, auf Art und Weise, wie sie es 
gut befinden würden, mit dem Gegentheil zu handeln, jedoch sich darbei 
erbaten, dass von selten des Staats nichts ausgebracht werden sollte, so 
den Alliirten nicht vorher» communiciret, auch nicht eher geschlossen 
werden sollte, bevor die übrigen Alliirten mit ihren postulatis auch zur 
Richtigkeit gelanget. Wiewohl wir nun bald anfangs geurtheilet, es 
würde dieser modus tractandi nicht allein unter den Alliirten eine Jalousie 
anrichten und einen Schein einer Separation geben, sondern auch die 
Feinde daraus einen vielfältigen Vortheil ziehen, so haben wir jedocb 
desfals Ew. Ld. ehender zu behelligen Bedenken getragen, bis der eventus 
und die Zeit nunmehr solches selber entdecket, zumahln wir Ew. Ld. 
mit Wahrheils Grund versiebern können, dass nicht allein die AlliirleD, 

sich gehen könne, er solle dasselbe dort zu kaufen suchen. R. meldet am 26. Kai; 
b. Juni 1677, dass er vorläufig 1300 Centner Pulver erbandelt und nach Uamburf 
geschickt habe. 

') Et. berichtet am 2G. Ual/0. Juni 1G77, nach yielerUühe, hau pts&cb lieh dnrcli 
Fagel's Direktion, seien die von der Admiralität in Rotterdam equipierten ScbiB' 
gestern nach Texel abgesegelt, um sich mit den dort liegenden anderen 10 Capiul- 
schiffen zu vereinigen und bei erstem guten Wind nach dem Sund zu segeln. Ad- 
miral Tromp habe sich heate von ihm verabschiedet. Doch meldet er dann ersi 
am 4. Juli, 9 Capitalachiffe mit einigen Brandem und Ädvisjachton seien am l.Jub 
abgesegelL Vgl. Sylvius IV, S. 70. 

^ S. die Berichte v. Somnitz's uadBlaBpeiTs aus Nimwegen vom 23. Hin 
and 11. Mai 1677 unten Abscbn. V. 



oyGooi^lc 



ßescbwerde ober die holl&nclischeD Gesandleo in Nimiregen. 175 

wie wir aus dero Schreiben ersehen, aus dieser Art zu tractiren eine 
sonderbare Jalousie schöpfen, welche leichtlicb eiDen schädlichen Effect 
tler gemeinen Sache zuziehen könnte, sondern sich auch mehr und mehr 
herlürtbut, wie die Feinde sich dieses zu ihrem Vortbeil trefTlich zu be- 
dienen wissen. 

Wir lassen uns wohl ffirstehen, dass bemeldte Gesandten der 
Meinung sein, dass man solcher Gestalt ehender und leichter mit den 
Tractaten fertig werden und zu einem Frieden gelangen könne, bevorab 
weil man in den Gedanken stehet, dass einige unter den Alliirten sein, 
welche sich so gar sehr nach den Frieden nicht sehnen. Es ^ebt es 
aber bereits itzo der eventus, dass je williger sich Franckreich und Schweden 
gegen den Staat bezeuget und dessen poatulata nicht hart zu disputiren 
sich ansehen lasset, je difficiler erweisen sich diese beide Cronen gegen 
der übrigen Alliirten postuhta, so dass man solcher Gestalt mit ihnen 
nimmermehr zur Richtigkeit gelangen und einen guten, sicheren und 
altgemeinen Frieden wird treffen können, daraus dann nothwendig er- 
folgen musa, dass eine wfirkliche Trennung und particular-Friede muss 
getroffen werden, welches der Feind einzig wünschet und verlanget. ^- 

Wenn aber der Staat, wie wir uns versichern, bestandig bei der 
Parthei verbleibet und, unangesehen man mit dessen postulatis richtig 
dennoch zum Schlusä nicht schreiten will, bevor der übrigen Alliirten 
postnlata abgethan, so wird anderntheils durch diesen von des Staats 
Gesandten beliebten modum tractandi der Frieden nur verzögert, im ge- 
ringsten aber nicht befordert werden — dahergegen ausser allen Zweifel 
iit, dass, wann alle Alliirte nicht allein in conailiis sondern auch in 
modo tractandi einig und also in keine Wege einiger Schein einiger 
Separation gestattet wurde, der Feind viel ehe zu einem raisonnablen, 
sichern und allgemeinen Frieden — zu bringen sein würde. 

Bitte, sich bei dem Staat za bemäheii, dass dessen Gesandte instruiert 
werden, mit den übrigen Alliierten de concerto zu gehen und auf einen ge- 
meinen Fuss zu tractieren. 



oyGooi^lc 



176 II. ßrandenburg und die Niedetltnde 1676—1679. 

Protokoll einer Conferenz mit van der Tocht.') Berlin den 
14. Junii 1677, praesenti in aedibus des holländischen Ge- 
sandten H. von der Tocht H. Oberpraesident et ego Gladebeck. 

24. Juni. H. Oberpraesident ad legatum: Kf. hätte aus der beute aus Nimiregeii 

angelangten Relation*) mit nicht geringer Verwnnderang ersehen, d*ss die 
H. Staaten von Holland seinen Gesandten ein Project übergeben, wie sie ge- 
meint seien, sicli mit Frankreich it part zu vergleichen, worin aie das Intere^i' 
der übrigen Alliierten nur gar leviter mit berührt hätten. Kf. hätte nar um 
des Staates und der allgemeinen Sicherheit willen sich an diesem Kriege ie- 
tbeiligt, mit Frankreich halte er nichts zu tbun, mit Schweden würde es ibm 
an Mitteln auch nicht ermangeln, wenn er die allgemeine Sicherheit abandonnierea 
wollte. Er hSttc aber das gute Vertrauen zu den Staaten gehabt, dass sie sieb 
in keine particulare und sonderlich so praejudicierliche Tractaten emltsBea 
würden. Sie bäten daher, wenn ihm etwas davon wissend, es mitzutheilen, sods( 
wollten sie ihm das eingegangene Project commu nie leren, was such geschehen. 
Nach Verlosung dessen hat er zwar dasselbe auf den Commercien- 
tractat anianglich restringiren wollen, als ihm aber ex ipso tenore das 
contrarium remoostriret und äesa es ein recht Instrameotum pacis ja 
gar eine Alliance, so sich sowohl zu Wasser als Land erstrecket, ist er 
nicht wenig »urpreniret worden und hat endlich keine Entschuldigung 
gewusst als 1) dass er nichts davon wusste aber dramb achreibeo. 
2) dass es nur ein. Project und nichts geschlossen, 3) könnte es wohl 
sein, dass es nur pro forma geschehen, umb diejenige Alliirte, so nicht 
gar 7.U gute Intention führeten, desto besser zur Raison zu bringen, doch 
wären dieses nur seine particulier Sentimenten , könnt« nicht mehr 
thuen als referiren, hoffe bei morgender Post Nachricht und wollte dieselbe 
treulich cominuniciren, bat copiam von dem Project. 

Nos: Könnten weiter in ihn nicht dringen, wann er es inoi^eD 
nicht bekäme, wollten wir es commu niciren. IJahmen damit Ahscbieii 
und referirten Sein. Chf. D. ausßhriich, communicirten es auch mil 
dem dänischen H. Scheel, welcher vermeinte, es treffe diese Beieigung 
mit den intercipii'ten schwedischen Briefen'} gewaltig überein. 

') Von V. Gladebeck's Hand. Vgl. v. d. Toebt's Rslaiionen vom [l.,'i~- 
, und 20./30. Juni 1677 (Urk. u. Act. lii, S. 499fO, Pufendorf 1. XV, § 56, 5', 
S. 1166 f. 

^ S. die Kelatioa v. Sooiniti's u. Blaapeil's von 8./18. Juni 1677 uatu 
Abscbn. V. 

^ S. Urk. u. Act. III, S. 499, 502 f. 



oyGooi^lc 



Die boll&Ddiichen SondarTerhsodluikg«!!. 177 

Der HoUändische folgete auch sofort Buch and ninoiiBtnert« Sein. Gbf. 
D. selbst, dass er es nimmer glanben köante, erbot sich zu grosseo Wetten 
uod remonstrirete, dass es ihr Interesse nimmer zaiiesso, ihre Alliirten 
dei^eatalt zu deseriren, wäreo keine compatibilia, dasa der Printz seinen 
Bentin nach Engellaad geschicket '), umb cathegoricam declarationem 
zu soUicitiren, item die Provintz Hollaodt wäre in 3 Monaten nicht 
verg&dert gewesen und ohne dieselbe könnte dergleichen nicht geschehen, 
et talia. Seren, hat ihm seltwt die Wahrheit gar teutsch remon- 
rtriret.") 



M. Romswinckel an den Kurflirsten. D. s* Grafenhage 

27. Juni/7. Juli 1677. 

[Erkl&niogen Fagel'i wegen der Fried en s verbindlungen , der Kriegascbiffe und der 
Stitung Englanda. Commercientroctat mit D&Demark. Die geldrische Compromiaa- 

SBche.] 

Toi^estern Nachmittag bat er mit Fagel eia langes Gesprtch gehalten. 7. Juli. 
Betreffend das aufgefangeneSchreibenOliven er an ti'a und die von deeataatischen 
Gesandte sa Nimwegen den Hediatoren übergebenen Artikel und was sonst 
ISr Atul^ongen darsas gemscbt würden, als ob der Staat oder einige Regenten 
dDCB absonderliche D Frieden mit AuBsehliessung ihrer Alliierten machen ond 
Schweden mehr ala Dänemark begünstigen wollteo, theilte ibm derselbe mit, 
die Gen. Staaten b&tten an v. d. Tocht ein ansführliches Schreiben') at^eben 
lusen and hofften, Kf. werde dadurch eine ganz andere und bessere Impression, 
als ibm etwa gegeben, schSpfeu und sich darauf verlassen, daas der Staat allem, 
was er seinen Alliierten and besonders dem Kf. in den Tractaten versprochen, 
soviel in seinem Vermitgen nachkommen werde. Er wünschte, Kf. mScbte nur 
bald Heister von ganz Pommern werden und die Gen. Staaten dadurch desto 
mehr Ursache haben, dasselbe bei den Frieden stractaten für ihn bedingen zu 
helfen und ihn dabei zu maintenieren. 

Wegen der übrigen Kriegsschiffe versicherte er, wenn das eine von Fries- 
laod noch nicht ausgelaufen, sollte es mit dem einen von Holland hlnter- 



') S. Temple's Hemoirea (Works II, S. 407), Uignet IV, S. 47S, 504. 

*] U«ber den «eiteren Verlauf dieser Aogelegenbeit s. die Kescripte des Kf. 
an sein« Oesaudtan ia Nim«eg«u vom 16./26. und 19./ä9. Juni und 2./13. Juli 1677 
uBtan Abscfan. V nitd Urk. u. Act. Hl, S. 505 ff. 

>) S. Urk. 11. Act. 111, S. äOSf. 
HiUr.i.OMcb.d.a.Kartanteii. XVm. 12 



oyGooi^lc 



178 II. Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

bliebenen Schiff mit dem ehesten folgen, womit die Provinz Holland >llt ihr« 
Schiffe zu dieser Equijwge auf ihre e^ene EoBteo, ohne einige Gelder voa 
Spanien oder den Provinien za empAuigeo, w&rde u^eschafft haben. Er viiute 
aber keinen Ratb zu den anderen, welche die Proviazen Seeland, Groningen 
and Friesland noch hstten aaaräeten sollen, aber ans Mangel der Geldmittd, 
welche sie von Spanien bisher vei^eblich erwartet hStten, nicht eqnipieren 
kannten. 

Als er ihm drittens die grosse Forcht vorgestellt, welche man bitte, dsis 
England Schweden znr See Hälfe leisten möchte, hat er bestiodig dafür 
gehalten, dass weder der König von England noch der von Frankreich den 
Schweden die geringste Hälfe schicken könnten. Er war sonst anch der Meinang, 
dass der König von England sich gegen Frankreich nicht declarieren nnd sobald 
das Parlament nicht werde zasimmenkommen lassen, der Staat werde inzwischen 
in England ein wachendes Aage halten nnd alle schädlichen Desseins zn be- 
hindern soeben . 

Er hat dann Fagel den Abschluss eines Commercientractats swischen 
Holland nnd Dänemark, nm die Freundschaft zwischen beiden Staaten la 
befestigen, reconunendiert und vorgeschlagen, dass ein Project deswegen eon- 
certiert werde. F. erklärte, er wollte mit dem Pensionär v. d. Busch die 
Sache überlegen und ihm noch heute seine Sentimente, wie das Werk aoiu- 
greifen, bekannt machen. 

F. fragte auch, ob Kf. sich schon auf seinen Vorschlag wegen Hinl^nng 
der Differenzen mit Geldern erklärt hätte, er hat erwidert, in so kurzer Zeit 
hätte er noch keine Resolution empfangen kCnnen. Die Gelderschen haben 
sich auch noch nicht eigentlich darauf erklärt, aber sich vernehmen lassen, dau 
sie denselben ebensowenig wie die Bevollmächtiglen des Kf. annehmen kSnnten, 
F. hat daher vorgeschlagen, dass die Verhandlungen hier im Haag fortgesetzt 
werden möchten. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. s' Grafenhage 

14./24. August 1677. 

[Auf dos Rescript vom 31. Juli. Die Beralhungen üb«r den künftigen Fetdiug aiod 
noch auszusetien. Ungünstige Stimmung in Holtand.] 

34. Aug. Die Oeniütber in den spanischen und den hiesigen Niederlanden sind über 

die Retrüte der Armee') sehr entrüstet und wird man daher mit den Be- 



■} Heber die erfolglose Belagerung von Chsrieroi durch den Prinzen von 
Oranien im August 1677 und den Rückzug desselben s. Sylviui IV, S. 79 f., 
Uignet IV, S.4&4r. 



oyGooi^lc 



PriedBnsrnhoaucht in HoUftod. 179 

ratbuDgen fiber den künftigen Feldzug') etwas warten mSsseo, am ans dem 
Soccess, den andere Alliierten wShiend dieser Campagne hofFentlich noch er- 
langen werden, desto mebr Änlass za nehmen, zn künftiger Campagne die 
Mnst hier etwas Hchwierigen Oemüther zn disponieren. Fagel hat ihm im 
Vertrauen gesagt, schon bei der letzten Versaomlang seien die Staaten von 
Holland mehr als je difficil gewesen und hatten versichert, den Krieg nicht 
länger continuieren zn kSnaen, um so mehr wünschte er, dass Kf. sich in dieser 
Campagne znm Herrn Yon ganz Pommem machen könnte, denn es sei sehr 
angewiss, ob noch eine €ampE^ne gehalten werden kCnnte, Jedenftlls wfirde 
der Staat nicht wieder eine solche capitale Armee ins Feld noch auch eine 
Kriegsflotte in See bringen können.*) 



W. Blaspeil und M. Romswinckel an den Kurfüi-steo. D. s' Grafen- 
hage 28. August/2. September 1677. 

[Fried«nsiiebnsucht in Halland. Mittel, um einen Separatfrieden zu verhüten.] 

Jedermann ist hier des Krieges überdrüssig und verlangt den Frieden so, t 
dass sie alle considerationos, ob bei jetzigem Zustande ein gnter Friede zu 
ma<:hen, ob man denselben ohne die Alliierten machen und der Staat dabei 
sicher sein könne, ausser Augen setzen. Auch die meisten von den Regenten 
geben dem gemeinen Mann darin Beifall, andere Regenten, die sehr gescheidt 
und rernBnfüg sind, namentlich Fagel und dessen Anhänger, wünschen zwar 
auch den Frieden, aber meinen, der Staat dürfe sich nicht von den Alliierten 
trennen, und versichern, wegen des Tractats zwischen Frankreich und dem 
Staat sei man noch nicht weiter gekommen als vor sechs Monaten. Doch ist 
sebr zweifelhaft, ob sie mit dieser guten Intention zumal nach so vielen an- 
glücklieben Saccessen dieser and der vorigen Campagne durchdringen werden. 
Die Staaten von Holland werden über 6 oder T Wochen den Kriegsetat für das 
Dicbste Jahr vornehmen und dabei gewiss auch über den Frieden deliberieren. 
Die hiesigen Minister der Alliierten wünschen nun die Leute, die so ungestüm 
auf den Frieden dringen, auf andere Gedanken zu bringen, und da die Haapt- 
nisaehe die ist, dass die Lente hier aus Hanget der Commercieu nichts ver- 
dieoeu, aber alles Ihrige snm Kriege hingeben müssen, so dass die Stadt 

'} Kf. hatte (d. im Feldlager vor Stettin 31. Jull/[10. August] 1G7T) Roms- 
■ iackel beauftragt, es dahin lu bringen, dass scbon im September, «fihreud die 
Stuten von Holland versammelt Viren, feste Verabredungeu über den nSchsten Feld- 
fg getrolTaa würden. 

?] Aehnlicha Hlttheiluagen hatte v. d. Tocht dem Kf. schon im Juli gemaehl, 
*■ Utk. u. Act UI, S.509.. 

12' 



oyGooi^lc 



IgO "■ BnkDdsDburg und die NiederlaBd« 1676—1679. 

Amsterdam schon erkt&rt hat, ihnrseits die Schatznag des zweihandettBten 
Pfennige, wovon der Krieg bisher vpruehmlich unterhatten worden, nicht lEi^ 
bewilligen noch beitragen za können, so haben sie gemeint, man möchte darauf 
bedacht sein, wie man den HolUndem bei dieser Versammlang, da ober Krie^ 
und Frieden wird deliberiert werden, etwas zn ihrer Eileichternng varschlagea 
and sie dadarch auf dem rechten Wtg halten kQnne. Man meint, der StuI 
könnte seine Miliz reducieren nnd gleichwohl eine gute Armee ins Feld brii^ra, 
und derselbe sollte mit keiner weiteren Hülfe zur See belangt werden, zoinil 
da er ohne das schon längst resolviert, keine Sabsidien mehr za geben, und die 
Provinz Holland, welche bisher die Flotten in der Ostsee allein beköstigt hit, 
eich dazu nimmermehr wird disponieren lassen. Damit aber inzwischen die 
Alliierten, sonderlich Rf, welche der Subsidien nicht entrathen können, be- 
stehen und im Stande sein mögen, das Werk femer ansznführen, so meinen 
einige der Minister, deren Principalen am wenigsten durch die Quartiere nnd 
ZahlDDg der Subsidien abgehen würde, der Kaiser möchte Kf. besser mit guleo 
Winterquartieren versehen und Spanien ihm richtiger die Subsidien abtragen. 
Es wird diesen Punkt betreffend darauf ankommen, ob es des Kf. Interesse 
zulassen wird, seine Armee oder den grössten Theil derselben gegen Frankrdrh 
zu employieren, dann wQrden der Kaiser und Spanien sich wohl eher bequemen- 



Der Kurfürst an Blaspeil und Romswinckel. D. in unsenn 
Feldlager vor Stettin 24. September/[4. October} 1677.') 

[Zu machende Anstrengungen, um Holland von einem Particularfrieden abiuballen.] 

4. Oct. Es hat ihn sehr bekümmert, dass sie dort bei mftnniglich, besonders aoch 

den Regenten ein so nnmSssiges Verlangen nach dem Frieden verspüren. Er 
hofft, die Wohlintentionierten , besonders der Prinz von Oranien, werden ihr 
Bestes thun, einen solchen unzeitigen Frieden zu verhüten, da er aber docb 
besorgt, dass diejenigen, welche von Frankreich and Schweden oder dnrch den 
Hass gegen den Prinzen eingenommen auf den Frieden dringen, ihre böse In- 
tention erreichen werden, nnd auch das Verhalten der staatischen Gesandten in 
Nimwegen ihm sehr verdSchtig vorkommt, so sollen sie mit den dort nnd im 
Haag anwesenden Ministern die Sache überlegen und mit ihnen zusammen sieb 
bemühen, es dabin zu bringen, dass kein particaller Frieden geschlossen, 
sondern die Resolution gefasst werde, mit sSmtlichen Confoederierten bis zu 

■) Kr. halte <d. im Lager vor Stettin 7/17. September 1677) den Gebeinti 
Ruhen in Beriin die Relation vom 23. August/2. September lugescbickt und vod 
ihnen ein Outachten verlangt. Auf Qrund einer Aufieicbnung 0. v. Scbwerin'i 
hat dann Chr. v. Brandt ein solches in Form dieses Rescripta an die Oesaodleu 
abgefassl, welches Kf. gebilligt und dem er nur das PS. hat hinzufügen lassen. 



oyGooi^lc 



BemühuDgeo, Holland vod einem Separatfrieden abiubalteD. 151 

^angung eines repotierllcheii nnd sicheren üniversalfrieäenis znsammenznhalten. 
Das Beste vürde sein, wenn man ihnen Mittel zur Erleicbt«rang der Kriegs- 
bnrdeD an die Hand geben kSnnte, doch hält Ef. nicht für rathsam, ohne Wissen 
und Zasttmmnng des Prinzen von Oranien die Rednction der staatischen Miliz 
aaf die Bahn la bringen. Am meisten wQrde sie encontagieren, wenn Spanien 
seine Miliz verstSrtite nnd Holland nnd den anderen Allierten die versprochenen 
Geldsummen zahlte, was sie den spanischen Ministem vorzustellen haben. Den 
Staat so versichern, dass man femer keine Snhsidien noch Assistenz lu Wasser 
begehren wolle, hSlt er noch für za früh, damit ist zn warten, bis man sehe, 
dass kein ander Mittel verengen wolle, voriSnfig sind ihnen nnr die Incon- 
venientien eines paitiCDlier Friedens votzastellen und sie zu ermahnen, die 
Mittel zn Fortsetzung des Krieges zeitig zu berahmen. Das wird der einzige 
caneos sein, den Feind zn einem raisonnablen nnd bestSndigen Frieden zu 
disponieren. 

PS. D. 28.'8epteml>er/8. October 1677. Sie sollen darüber anch mit 
V. Somnitz commnnicieren. Blaspeil's Anwesenheit wird wohl in Nimwegen 
nothwendig sein, Romswinckel soll so lange im Haag allein hierdber nego- 
tiieren. 



W. Blaspeil und M. Romswinckel an den Kurftlrsten. D. s* Graven- 

hage 6./16. October 1677. 

[Audienz bei dem Prinzen von Oranien. Mittbeiiungen desselben über seine bevor- 

stebende Reise nach England. Die dem Prinzen ertheilten Aurträge. Gerüchte 

aber diese Reise.] 

Sie haben am 13. bei dem Prinzen von Oranien Andienz gehabt nnd 16. Oct. 
ihm zunächst die Versorgung der 4 Regimenter z. Pf. nnter Generallicutenant 
V. Spaen mit Quartieren und Unterhalt empfohlen. Der Prinz antwortete, er hätte 
sich und wollte sich auch weiter bei dem Herzig von Villa Hermosa be- 
mähen, dass dieselben mit guten Quartieren versehen wurden, dem Staat des- 
wegen etwas anzurathen, sei jetzt gar nicht de tempore. Sie haben den Prinzen 
auch ersucht, sich das Interesse des Kf. auf seiner Reise nach England') 
angelegen sein zn lassen. Dazu erklärte er sich auch mit vielen obligeanten 
CoQtestationen bereit. £r sagte, der König von England hätte ihn zn dieser 
Reise invitiert und er hätte sie nicht ausschlagen können, aber zunächst die 
Approbation des Staats begehren und abwarten müssen, ehe er rechten Staat 
dsrauf machen oder jemand Nachricht davon hätte geben können. Nachdem 

'J Ueber diese Reise des Prinzen nach England s. Temple's Uemoiren 
(Works U, S.419ff.), Sylvius IV, S. 87, Rasnage II, 8.664 ff., Higoet IV, 
KMbtt., Ranke, Engtische Geschichte V, S. 46 fT. Vgl. Pufendorf t. XV, §61 
ff. 1173 ff.). 



oyGooi^lc 



IQ2 II' Brandenburg imd die Niederlude 1676—1679. 

der Staat jetzt darein coneentiert, würde er nicht unterlassen, dem Ef. dsm 
Anzeige za machen, er hat ihnen ancb gestern ein Schreiben') an Ef. über- 
geben. Er versicherte, er gedächte durch diese Reise keineswegs den AllümteE 
zu prsejudi eieren, vielmehr ihr und namentlich des Ef. Interesse zu befSideni. 
und er wollte mit demFreih. v. Schwerin darüber oSenheizig commmüdeiea. 
Die Sachen bei diesem Staat seien so beschaffen, dass man notbwendig auf des 
Frieden gedenken mQsste, er wurde nie zu einem schfidlichen und rninenseo 
Frieden rathen, hielte aber dafür, dass man einen erträglichen nicht aasn- 
schlagen hätte. Er wünschte herzlich, dass Kf. bald mit Stettin fertig und 
seine Feinde in Pommern los würde. Der Staat scheint zu wünschen, dass die 
Sachen dort soweit gebracht würden, dass Dänemark, Kf. und andere Intoressenln 
bald zn einem Frieden mit Schweden gelat^ea, in der Hofbung, dass dimi 
Frankreich desto leichter zur raison zu bnngen sein würde. Die Staaten vdd 
Holland haben die Reise diesergestalt gut gefunden, dass der Prinz des Eaeigs 
Gedanken darüber, wie die spanischen Niederlande zu conservieren seien, nt- 
nehmen und sich bemühen solle, den Eönig zu bewegen, sich derselben recht- 
schaffen anzunehmen, und dass der Prinz in 4 Wochen wieder zurück sein 
mochte, indessen wollte man mit den Deliberationeu über Kriegs- und Friedens- 
sachen stille halten, Dass sonst der Staat dem Prinzen eine Vollmacht, den 
Frieden zu behandeln, mitgeben oder dass diese Reise auf eine Heirath nut 
der Prinzessin von York angesehen sein sollte, und was dergleichen mehr 
debitiert wird, davon glauben sie nicht, dass es einigen Qmod habe.') 



Der Kurftirst an v. Somnitz. D. im Lager vor Stettin 
16./26. November 1677. 

[Refeb], sich ^um Prinzen v. Oraaien zu begeben. Abzustattende Gratulation. 
Sonstige Auftr&ge.] 

26. Nov. Er soll, sobald er die Ankunft des Prinzen und der Prinzessin von Oranien 

im Haag erfahren, dorthin reisen, um Audienz nachsuchen und die gewöhn- 
lichen Qratuiationscomplhnente ablegen. Dem Prinzen hat er ferner das InteresM 
des Kf., CS sei zu Fortsetznng des Krieges oder Schliessung eines Friedens, ic 



') Dasselbe (d. la Haya 14. October 1677) lautet; Sa Majeste de la Onaii 
Bretagne m'ajant requis de venir an Angleterre et Messieurs les Estats Vijwt 
trouve bon, je n'a; touIu partir saus en donner cognoissaoce k V. A. B. pour savoir. 
s'il y suroib quelque chose d« sou Service eu 8e paÜs la, L'asseurant qne je n'j 
va que pour tacber a servir l'Rstat et toutte la cause commune et sur tout V. A. E- 
pour )*s iuterests des quels je faires ton^ours tout se qui sera en mon pontoir. — 

>) Romswinckel meldet am 30. October/9. November 1677, der Prini hibe 
dem Staat die gauz unerwartete Anzeige tod seiner bevorstehenden Verm&btiing mit 
der Prinzessin von York gemacht. 



oyGooi^lc 



Die Reisa des Priazen Ton Onnien nkch Gagliod. 183 

reconunendieren und besonders zd sondiereo, was etwa für Project« des Friedens 
halber in England mögeo gemacht worden sein. Dabei hat er dem Prinzen zu 
erkeDoen zu geben, dass 8f. sich in keinen anderen Tractat einlassen könnte 
als einen solchen, in dem ihm ganz Pommern von Schweden codiert würde. 
Sollte ancb, wie verlautet, der Herzog von York mit hin überkommen, so soll 
er aach bei diesem ein Compliment ablegen. Die Prinzessin hat er zu ersuchen, 
die zwischen Kf. und ihrem Gemahl bestehende sonderbare Freandschalt nnd 
Vertraulichkeit zu unterhalten. 



L. Chr. V. Somnitz an den Kurfürsten. D. Haag 10. December 

St. V. 1677. 

[Bericht über seine Audienz bei dem Prinzen und der Prinzessin t. Ortmien.] 

Er ist am 8. im Haag angelangt, hat am 9. bei der Priazesain und heute 2i 
Abend bei dem Prinzen von Oranien') Audienz gehabt. Beide nahmen des 
Rf. Gratulation wohl auf. Die Prinzessin redete sehr leise, so dass man sie 
übel verstehen konnte, der Prinz bezeigte besonderes Vergnügen, daas dem Sf. 
seine Heirath so wohl gefiele, und contestierte, er würde dessen Interesse wie 
sein dgenes allewege beobachten. Er hat demselben namentlich wegen der 
gaten OMclen gedankt, welche er in England für Kf. angewendet h&tte, nnd 
gebeten, darin zn continuleren, namentlich dahin zu sehen, dass Ef. von der 
bösen Schweden Nachbarschaft befreit werde, weil der Friede sonst ihm keine 
Sicherheit noch beständige Ruhe geben könnte, femer hat er den Prinzen nach 
dem Friedensproject gefragt, das angeblich bei seiner Anwesenheit in England 
gemacht und nach Frankreich geschickt sei. Der Prinz sagte auf das erste, er 
wollte alles thun, was möglich wftre, er könnte Kf. versichern, dass der KSuig 
von England gar keine Aflection zu Schweden trüge, von dem er betrogen zu 
sein behaupte, w^eu der einzelnen Forderungen des Kf. an Schweden hStt« 
der König gesagt, dass er die Sachen nicht recht verstände, er hätte sich aber 
immer für des Kf. Interesse sehr wohl erklärt, zur Zeit nehme er sich aller- 
dings das flandrische Wesen am meisten zu Herzen, zumal dieses auch von dem 
Pariament anfs heftigste orgiert würde. Ad 2 sagte der Prinz, dass in England 
kein Project gemacht sei, zwar hätte der König sich allewege erboten, den 
Frieden nach Möglichkeit zu befördern, auch besondere Affection gegen die 
Alliierten spüren lassen, auch nach Frankreich geschickt, um zu vernehmen, 
woranf es der französische König wollte ankommen lassen, ein Project aber 
infzDsetzen, dazu sei er nicht zu bringen gewesen. Ueber die aus Frankreich 

') Bomsw. meldet aus dem Haag l./ll. December, der Prinz sei mit seiner 
Gemahlin am 9. in Housslerdjck angekommen, am4./14., heute solle der Feierliche 
Einzug im Haag sUltfinden. Vgl. S;lvius IV, S. 91, Basnage II, 8. 669. 



oyGooi^lc 



184 n. Bnndenburg und die Nisderluide 1676—1679. 

eiDgelanfene Antwort hatte er Dooh keine n&bere NAcbriciit, dasi üe i^t den 
Könige von England nicht musste gefallen haben, sei daraas abznnefamen. dati 
das Parlament gegen den 15. Januar Terscbrieben sei. Er hat den Prinien 
nocb au das Schreiben des Kf. wegen der polnischen Werbung and der Eqoipagc 
zur See erinnert, der Prinz vernahm es als eine fremde Sache, dass Fiankrsieb 
Schweden znr See assistieren wollte, im übrigen sagte er, das Schreiben sä 
ihm erst ans England nachgeschickt worden, er woUte sein Bestes thmi, 
wünschte, dass sein Vermögen und die Mittel der Staaten giösaer wiren. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. s' Grafenhaag 
11./21. Deceraber 1677. 

[Uilth«iluagen der staatischeo Deputierten über den Erfolg der Reise des Primen 

von Oranien, über die Verbandlungen znisehen England und Frankreich and di« 

Oefabr fnr die spanischen Niederlande.] 

Die Uinister der Alliierten sind heute von den Deputierten des Staats 
zu einer Conferenz berufen und ist ihnen vorgetragen worden'), der Prinz von 
Oranien btttte die Reise nach England im gemeinen Interesse, um den König 
in die Partei der Alliierten zu bringen, nnternommen, er hSlte denselben aber 
so tief im französischen Interesse gefunden, dass er darin nichts hätte aas- 
richten können. Der König bitte nur erkl&rt, alles, was in seinem Vermögen 
stSnde, zur Erhaltung eines Friedens zu contribuieren, und hätte vom Prinzen 
Vorschläge deswegen verlangt, dieser bitte es decliniert, endlich aber gesagt, 
dass, wenn Frankreich die Franche Comte an Spanien restituieren wollte, man 
ferner, was Spanien und Frankreich in den spanischen Niederlanden haben and 
behalten sollten, überlegen möchte. Dieses aber habe dem König von England 
nicht gefallen, er habe von Restitution der Franche Comte nichts hören, aber 
selbst keine Friedens vorschlage machen wollen, sondern Dnras^ nach Frank- 
reich geschickt. Derselbe wäre zurückgekehrt nnd hätte vom König von Frank- 
reich die Erklärung gebracht, dass ihm die Vorschlage des Königs von Eng- 
land, welche man hier nicht zu kennen behauptet, sehr unerwartet gekommen 
wären und dass er sich darauf durchaus nicht einlassen könnte. Darauf läüt 
der König von England das Parlament schon zum 1Ö./35. Janaar wieder ein- 
berufen und inzwisclien Montagu nach Paris geschickt'), um vom König von 
Frankreich eine positive Erklärung einzuholen. Der Prinz von Oranien bitte 

') S. Putendorf 1. XV, S. 1176. 

'i S. Temple's Memoiron (Works II, S. 435f.), MignetlV, S. 514^ 
Ranke V, S. 49f. 

•) S. Uignet IV, S. 519 ff. 



oyGooi^lc 



Die engliicben Friedenavoracblägc. 185 

die NaehncM erhaltea, der KGnig yon Frankieicfa hätte einea WaffeneüUstand 
Für die LSodet zwischen der Haas und der See vorgeschlagen und inzwiichen 
sich selbst nach den spaniBchen Niederlanden begehen. Daher mnssten ^le 
Alliierte, wenn aie nicht aach den Rest der Niederlande bald in franzSaischen 
Minden sehen wollten, alle ihre Krifte dorthin zDsammenbringen, besonders 
sollten K.Trier, K.C51n, Pfalz-Neubnrg and Monster ihre Trappen ohne 
Zeitverlust dorthin schicken. 

Ihm ist im Vertranen ges^ worden, dass des Königs von Frankreich 
Dessein vorerst anf Namnr gerichtet sein solle. Der Prinz von Oranien soll 
geiDSBwt haben, er wnnscbte nm 100000 Oalden noch in England za stin. 



M. Romswincket an den Kurfßrsten. D. s' Grrafeohage 
15./25. December 1677. 

[Rathscbl&ge Fagel's.] 

Die Staaten von Holland sind nach Hange gegangen, sie wollen An^g Januar 35. Dec. 
wieder zusammen kommen, nm ober den Kri^setat des bevorstehenden Jahres 
za retol vieren. Fagel, dem er des Kf. Interessen empfohlen, besonders, dass 
er die 14000 Tbaler zu Zahlung der Matrosen in Amsterdam zu Wege bringen 
mächte, erhlSrte dieses für unm^lich und s^te, wenn die Alliierten wollten, 
dass von dem Staat solche Resolutionen, wie sie zu Fortsetznng des Kri^es 
wünschten, gefasst würden, dürften sie Jetzt nm keine Gelder sprechen nnd 
iiich nicht so hart auf Equipiemng der Flotte nach der Ostsee dringen, sondern 
dimit noch etwas anstehen, später wollte er sein bestes dazn thun. 

V. Somnitz nnd v. gpaen haben sich heute von hier wieder nacb Nim- 
wegen nnd Cleve begeben. 



A. V. Spaen ') an den Kurfürsten. D, Nimwegen 

18./28. December 1677. 

[Forderungen des Prinzen von Uranien.] 

Der Prinz von Uranien hat ihn am 32. zn bich gefordert und ihm ge- 38. Dee. 
iagt, wie nSthig es w&re, bei Zeiten Vorsorge zn treffen, dass nicht die Fran- 
usen sieh ganz zu Herren der spanischen Niederlande machten, es müsste 

■) T. Spaen meldet 10./30 
*iiEekoiiimen, habe heute bei dee 

fehibi. 



oyGooi^lc 



186 II. Braadeubnrg und die NiederlaDde 1676—1679. 

künftigen Sommer wieder ein Corps von 10—12000 an der Mus fonuHt DBd 
an einem bequemen Ort postiert werden. Er freute sich sehr aber sein Her- 
kommen Dod wnnBobte, dass er je eher je lieber seine Reise nach Beriin fortseüU. 
um Ef. in seinem Namen eines nod das andere Torzustelien. Er hat ihm toch 
ein Schreiben an Kf. ■) nn^ einige von ihm aufgesetzte Punkte zugestellt nnil 
hat ihm auch noch eio^ea angetragen. Freitag ist der Prinz ans dem Huc 
nacli der Vcluwe verreist, auch er ist sogleich abgereist, hofFt morgen in Cleve 
lu sein, um sobald es mit den 20000 Rthlr. Richtigkeit hat (lo läOOO liid 
er bereits Versicherung), seine Reise nach Berlin fortzusetzen. 

Er wird Romswinckel anzeigen, dass er der Versammlang im Haag 
nicht wird beiwohnen können, es wird in der Sache nicht viel resolviert werdeo 
können, bevor er dem Prinzen des Ef. Resolution überbringt Deraelbe TerlMi|t 
sehr, die Uebergabe von Stettin zu vernehmen. 



L. Chr. V. Soinnitz an den KurfOraten. D. Nimwegen 
21. /[31.] December ]677. 

[Ausföhrlicherer Beriebt über seine Verhandlungen mit dem Prinzen von Oranien uai 
Fagel.] 

Ausser den schon in der Relation vom 10. December erwähnten Punkten 
hat er in der Audienz auch vorgebracht, der Prinz möchte dem Kf. ratbeo- 
wie die Waffen glücklich fortzusetzen seien, und dafür sorgep, dass die begehrten 
Schreiben an den König von Polen bald abgingen, die für den litthaaischfD 
Feldherrn Faz vorgeschlagene Summe gezahlt werde, dass gegen künftige Cam- 
pagne der Staat eine Flotte in die Ostsee schicke und dass der Staat niebt 
dazu stimme, dass bei den Tractaten Wiederabtretung des den Schweden Ab- 
genommenen vorgeschlagen werde. 

Der Prinz erklfirte, er wäre versichert, dass Frankreich für Schweden 
nichts thun werde, auch der König von England werde sich des Kf. treolleh 
annehmen, derselbe zeige eine grosse Aversion gegen Schweden, was aucb 
Fagel und andere bestätigten. 

Ad 1 sagte der Prinz, da Frankreich zeitiger als sonst ins Feld zu kommen 
beabsichtige, so schicke man sich auch dieserseits zu einer frühzeitigen Cam- 
pagne an, er werde v. Spaen ein Memorial wegen der militaria mitgeben. 
Fagel sagte, der Eriegsstaat des Staats sei schon aufgesetzt und in die Pro- 

') In demselben, dem KecrediÜv für v. Spaen (d. la Haje 23. December I€T7), 
verlangt der Prinz, Kf. solle seine hiesigen Truppen vermehren, jedenfalls ausser 
dem Spaen'scben Regiment ihm nocb 1000 Pusssoldalen, 3000 Reiter und 500 Dra- 
goner geben. Um die Cavtdlerie auf diese Zabl zu bringen, müssle das Lädecbe'aclK 
Regiment bleiben und das Eller'scbe completiert werden. 



oyGooi^lc 



Vers ich eniDgen des Prmsen Ton OranieD und Fagel's. 137 

vioieo gesandt worden, der^lbe liefe an 19 UiUioneo heran nnd würde es den 
Einwohnem des Landes sebr sauer. Trotzdem bEtte sich Amsterdam, von dem 
msu grosse Schwierigkeiten befürchtet, am willigsten gezeigt, Kf. hätte also 
sich darauf zu verlassen, dass der Staat bei ihm und (len anderen Alliierten so- 
wohl in Furtsetzcng des Krieges, als aach in der Friedenshandlnng stehen 
würde. Der Prinz beklagte sich, wie viel er hieronter zu leiden b&tte, ond 
auch andere haben ihm eriShlt, diss Frankreich sich aehi bemühe, den Prinzen 
VDD seiner genereuaen Kesolution abzuziehen, dass anch viele von den Re- 
genten quovis modo Frieden machen wollten, wenn Frankreich nur einige PlStze 
an Spaoien abtrete, und dass andere unter dem gemeinen Volk das Gerücht 
verbreiteten, der Prioz hindere nur den Frieden, nm das Land ganz zu er- 
sfhBpfen und nachher mit ihm zu machen, was er wollte, der Prinz aber be- 
theaerte, von dem einmal erwählten Wege nicht abweichen zn wollen. Anch 
Fagel hat ihm hoch bethenert, der Staat und anch der Prinz meinten es mit 
Kf. getreulieb. Man glaubt, der Konig von Frankreich wolle sich zum Meister 
der Maas machen und werde wohl zuerst Limburg angreifen, man trifft daher 
Anstalteo, die französischen Irruptionen zu hindern und anch des Kf. Lande 
zu schätzen. Dabei wurden grosse Klagen gegen Münster geführt, den man 
nicht minder als Frankreich observieren müsste, und gegen die Kaiserlichen, die 
nur an die Wiedereinnahme von Freiburg zn denken schienen. 

Die Oefahr von Polen') her wird wohl beherzigt. Wegen des Geldes für 
Pai versprach der Prinz sein Bestes zu thun, Fagel aber sagte, man h&tte 
mit grosser Bohuteamkeit das, was zu dieser Campagne nöthig ist, Sachen müssen, 
andere Sachen hätte man, nicht einmischen können, die Summe müsste bei 
künftiger Versammlung gesucht werden. 

Anch wegen Sendung einer Flotte versprachen beide gnte officia. In* 
betreff des letzten Punktes behauptete der Prinz, seines Wissens sei ein solcher 
Vorschlag nie gemacht worden. Kf. könnte sicher sein, dass der Staat solche 
Dinge nie werde ausbringen lassen, wenn auch andere sie vorschlagen sollten. 



Der Kurfürst an den Prinzen von Oranien. D. Cöln 
8/18. Januar 1678. (Conc. Meinders.) 

[Äu( ein Haudsrbreiben vom 5. Januar.^ Bereitwilligkeit zur Unifeleistang. Bitte 
um Vervendung wegen der Subsidienzahlung von Spanien. Sendung v. Spaen's.] 

Dank für den Glückwunsch znr Eroberung von Stettin, Wunsch, dass Gott 18. Jan. 
anch die Waffen des Prinzen nnd der übrigen Alliierten segnen möge. 

') S. Hirsch, Der Winterfeldzug in Preussen S. 27. 
nicht bei d<n Akten, 



oyGooi^lc 



18g II. Brnndeobtirg und die NiedeTlande 1676—1679. 

Was die von mir begehrete AssistenE anbelaiiget, so') wissen E«. U. 
dass ich mich derselbeo, so viele es die M^lichkeit hat leiden volleD, 
nimmer entzogen, ich werde auch solches hinfüro nicht thuen, sondern 
wie bisher also noch ferner alles, was in. meinen Kräften ist, der guten 
Partei zum besten beitragen. Ew. Ld. aber können selber hochverDÖLftig 
ermessen, wie meine Trouppen durch eine so langwierige nnd schwere 
ßelagerunge abgemattet und wie hoch dieselbe einiger Ruhe und Er- 
frischunge in den Quartieren benötbiget sein. So ist auch annoeb niebt 
wenig, wie Ew. 1^. selber bekannt, wieder den Graf Eönigsmarck 
und auf der losul Rügen wie auch wieder die beiden Städte Stralsand 
nnd Greifewald zu verrichten übrig und begehren Ihre K. Maj. in Denoe- 
marck auch gar inständig meines Beistandes, an deren Conservation 
dem gemeinen Wesen ebenmässig aufs höchste gelegen. Nichtsdestoweniger 
habe ich ffirnemblich Ew. Ld. zu gefallen nnd dem Staat zu Dienst 
resolviret, diejenige drei Regimenter zue Pferde, welche in verwichener 
Campagne vor Mastricht gebrauchet worden, derends stehen und nie 
es Ew. Ld. nebst denen iibrigen Alliirten gut finden werden, wieder 
den Feind operiren zu lassen, auch von meinen in Westfalen stehendeo 
FussTÖlkern auf allen Fall so viele hinzuzuthuen, als ans den Guami- 
sonen immer entbehret werden können. Daferoe ich hiernächst, nadi 
deme sich die operationes in hiesigen nordischen Quartieren anlusen 
werden, etwas mehree thuen kann, soll es gewiss an meinem goteo 
Willen nicht fehlen. Wollte Gott, dass mir mit den Quartieren und 
Bczahlunge der Subsidien billigerm aasen und richtiger an Hand ge- 
gangen wäre, so hätte ein viele mehres geschehen können, und würde 
es nochmalen der ganzen Partei zum sonderbaren Vorthel und Besten 
gereichen, wann mir jetzo eine erkleckliche Summe von denen mir 
restirenden Subsidien ausgezablet würde, insonderheit von der Chroa 
Spanien, welche mir ein so ansehnliches nacbatändig sein, worunter 
ich mich Ew. Ld. Recommendation und Befoderunge versichert halte. 

Er bat V. Spaen herbemfen, derselbe wird dem Prinsea von seiner Intention 
und Gedanken ausführliche RelatioD abstatten.') 

') S. die g&ni ühnlichen Erklänugen des Kf. gegen t. d. Tocbt in dcsftn 
Relation vom 12. Januar I67S (llrk. u. Act. 111, S. 5l2r.}. 

>) Kf. schreibt dem Prinzen von Oranien (d. Cöln 30. Januar/[9. Februar] I67S;, 
T. Spaeu habe ihm dessen Auftr&ge hinlerbracht, die Sache sei sehr wichtig nnd be- 
dürfe reifer Ueberlegung, er habe schon Romswinckel beauftragt, dem Frinieo 
seine Heinnng mitiutfaeilen und alles mit ihm lu überlegen, er überlege «nch mit 



oyGooi^lc 



Der engliich-faolliAditch« Tnctat 189 

M. Romswinckel an den KurfQreten. D. Haag 

8./18. Januar 1678. 

[HitthnluDgeD Fagfll's aber den iwischen Engltind und Holland abgeschloasenea 

Tractat und die von Koglsod Torgescblageoen FriedeDabedingungan ] 

Heate hat er mit Fagel gesprochen und von dieBOm erfahren, dass zwischen 18. Jan. 
England and diesem Staat ein Tractat') geschlossen ist, wonach, falls der 
König von Frankreich die von dem englischen König vorgeschlagen ea Friedens- 
artihel nicht aanebmen sollte, letzterer sich wider Frankreich declarieren and 
mit einer Annee von 30000 Mann und 80 Kriegsschiffen am Kriege Theil 
nehmen soll. Sollte der König von Frankreich aber seine Vorschläge annehmen, 
so will er sich ferner bemöben, den Frieden zwischen Frankreich nnd dem 
Kaiser, sowie zwischen Schweden und D&nemark, Kf. nnd den anderen Alliierten 
zn Stande za bringen, inzwischen soll WatCenstil Island swischen allen streitenden 
Partheien sein. Die Friedensbedingungen, welche der König von England 
zwischen Frankreich, Spanien und Lothringen zu Wege zu bringep übetnommen, 
sollen sein : Frankreich soll Spanien Sicilien und in den Niederlanden 
Oadenarde, Cortric, Aeth, Donay, Charleroy, Toumay, Limburg nnd Valenciennes, 
samt dazn gehörigen Orten, wie Conde, Bouchsin und 8t. Gelain, dem Herzog 
TOD Lothringen aber sein ganzes Herzogtham wieder abtreten. Der König 
von Frankreich soll schon erklärt haben, er wolle diese Bedingangen annehmen, 
wenn man ihm nur Valenciennes und Toumay nebst anderen conqaesUerten 
Orten lassen wollte, man glaubt aber nicht, dass er sich nra diese zwei St£dt« 
Id einen Krieg mit England verwickeln wird. Es wird sich dieses bald offen- 
baren müssen, da der Kßnig von England nur bis zum 15./25., an welchem 
Tage das Parlament wieder beginnen wird, an die proponierten Frledensartikel 
sich hat binden wollen. Er hat zwar auf den Fall, dass Frankreich, Spanien 
und Lothringen obige Bedingungen annehmen sollten, Fagel das Interesse des 
Kf. auf das kräftigste recommendiert, wird es auch beim Prinzen von Oranien 
tban, er wünscht aher, dass Kf. ganz Vorpommern, ehe der König von England 
ihm desfalls nicht anständige Propositionen machen wird, aus schwedischen 
Kinden bringen möge. 

Er weiss nicht, was der König von England wegen des Friedens mit 
Schweden voistellen wird. Vor einem Jahr hat er reden hSren, ob Kf. nicht, 
veno es bei Schweden zu erhalten, sich mit Stettin und den Inseln Wollin and 

Mi locht, wie er, wann er nur wegen der Subsidien befriedigt würde, zu der be- 
gtbrten Anzahl der Tmppen gelangen könnte. 

■) S. diesen Allianttractal (d. Hagae Comitis Sl.December 1677/10. Januar 1676) 
in Actes et memoireg des negotiations de la paix de Nimegue II, S.28&ff., 
Dumont, Corps diplomatique VII, 1, S. 341 ff. Vgl. Pufendorf 1. XVI, § 2 
:S. 1179 f.], Temple'sUemaireu (Works H,S 427), Hignet IV, S. 538 ff., Ranke 
V, S. 51. 



oyGooi^lc 



190 II. BraadeubuTg und di« Nlederlaode 1676—1679. 

Usedom, der König von D&nemark aber mit Liodscron wollte conteutiem 
lassen, auch Bremen ond Verden sollten fÜT die interessierten Alliierten bleiben.') 



Der Kurfürst an Romswinekel. D. Cöln 14./24. Januar 1678.') 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[Auf die [leUtiaa vom 8./18. Januar. Befetl, gegen das Verfahren Hollaaris und 

Englands tu protestieren. Verwerfung der für den Frieden mil Schwedea lorge- 

schlagenen Bedingungen.] 

24. Jan. Wir haben ans Euer jäogsten gehorsambstea Relation vom 8.^8. Januar 
ersehen, daas Ihr endlich mit dem Rath-Pensionario Fageln sprechen 
können nnd welchergestalt derselbe nunmehr die maaque abgethan und 
das heraus gebeichtet, davor wir zwar eine geraume Zeit her genagsam 
gewamet worden, solches aber daher nicht glanbeo wollen, weilen uns 
des Princen von Oranien Ld. und der Rath-PeDsionarins Fagel wie 
auch der von der Tocht aus dem Munde des Staats das contrarium so 
hoch versichern lassen und wir nicht davor halten können, dass die- 
jenige, welche bisher pro fundamento gesetzet, dass Franckreich verhindert 
werden müsste, die spanische Provincien zu subjugiren, anjetzo zue 
Erlangunge sothanen Zweckes selbst die beste Mittel und Gel^nheit 
geben würden; dann wann anjetzo der Frieden, und auf eine solche Art, 
wie es sich hervorgiebet, gemachet wird, so ist nichtes gewissers, dann 
dass. Franckreich über wenig Jahren dasselbe ausführen wird, woran sie 

'} R- berichtet 12./22. Januar 1678 über eine am 30. zwischen den Depatierttn 
des Staats und den Hinistern der Alliierten abgehaltene Conferenz, in welcher 
erstere über den mit England geschlossene n Tractat ganz ähnliche Mittheilungen 
machen und, als jene bemerken, ein aolcber hätte nicht ohne Vorwisseu ihrer Prin- 
cipalen gemacht werden dürfen, dieses damit rechtfertigen, auch die Alliierten büitee, 
so Ef. mit Dänemark, Tracisteu ohne Communicatiou mit dem Staat gemacht, so wie 
über eine Audienz bei dem Priozea von Oranien, in welcher dieser lersichert, 
als er von England abgereiat, hätte er noch nicbt gewusst, dass der Staat einen 
solchen Tractat eingehen wolle, und es fnr unwahrscheinlich erklärt, dass der Eöeig 
von Frankreich auf die ihm gestellten Bedingangen eingehen werde, ferner ve^ 
sichert, über den Kf. betreffende Dinge sollten keine Verbandinngen ohne vorherige 
Verständigung mit ihm gefübrl werden. In einem PS. meldet er, nach so eben mu 
England angekommenen Briefen habe der König von Frankreich die Bedingungen 
sieht annehmen wollen und darauf dar von England beschlossen, sich gegen Frank- 
reicb zu erklären. 

») S. Pufendorf I. XVI, S 5 (ß. 1181). 



oyGooi^lc 



Vsrwerfang der TOn HoIImii) und KngUnd gemachten Fried ensvorBchl&ge. 191 

jetzt eine so grosse zusammeDgeaetzte Macht verhindert, und dass als- 
dann Niemasda sieb io solche Sache weiter mischen und abermahlen 
solche unverdiente Abandonnirunge , wie jetzt geschiehet, erwarten 
wird. — Ihr habet hiezne esprease audience bei des Prinzen von Oranien 
Ld. und dem Rath-Pensionario, wie auch bei einigen anderen von den 
Staaten zu nehmen und selbigen dabei vorzuatellen , dass wir nach 
wirklicher Erweiaunge unserer so standhaften Treue bei dem Staat 
nimmer gedenken können, dass sie auf solche Art contra sancta foedera 
et Sdem datam mit uns verfahren würden, and dass sie nimmer glauben 
sollten, dass wir auf solche Art, wie sie es vorhätten, mit uns handeln 
lassen würden, besondem wir wollten helfen, dass dasjenige, was anjetzo 
unser und der anderen Adiirten unwissend geschehen, wieder aufg«- 
hoben und wir nebst den übrigen Alliirten zu den Tractaten, wie es 
sich gehörete, gezogen worden. — Dass sie auch mit uns so nicht amb- 
gehen, wie es die pacta erforderen, ist daraus genugsam zu ersehen, dass 
der Rath-Pensionarius Euch dieses nur occasioualiter vorgebracht und 
der St«at uns nicht einst einer rechten Notification gewürdiget. 

Et hat auch mit den Gesandten der anderen Alliierten darüber zu com- 
DiDDiciereD. 

Wann sie auch auf solche Art den Frieden zwischen Schweden 
und uns machen wollten, wie H. Fagel vorgeschlagen, so wurden sie 
um mit Schweden in noch viel gefährlicheren Zustand setzen, als wir 
jemab gewesen, dann wann wir Stettin hätten und die Schweden be- 
hielten das übrige, was sie an der Oder und auf der anderen Seite 
der^etbigen ex instrumento pacis haben, wie auch die an der Pehne 
von uns occupirten Oerter wieder reatituiret werden sollten, so wurden 
wir uns alzeit einer gewaltsamen Ueberziehung befürchten und stets 
paratum ezercitum halten müssen, woraus dann genugsamb zu ersehen, 
dass ohne unsere Zuziehung solche Tractaten nicht gemachet werden 
können. Wann auch dieser Friede nicht zugleich mit dem französischen 
gemachet, so ist leicht zu ermessen, dass die Schweden sich auf die 
HiDterfüsae setzen und uns weinig würden lassen wollen, zu geschweigen, 
dass wir gleichergestalt bei dem französischen Kriege nicht weinig 
interessiret sein, wobei wir nicht eins genannt worden. — 



oyGooi^lc 



192 11- Bruidenburg und dl« Niederlande 1676—1679. 

M. Romswinckel an den Kurfßrsten. D. Haag 
15./25. Januar 1678. 

[BeratbuDg über deo diesjährigen Feldzugsplsn.] 

!■ [a der am 12./32. Janoir von den Hinistern dei Alliierten und den De- 

putierten des Staats gehaltenen Conferenz, woselbst der Prinz von Oranien 
zum ersten Hai erschleaen ist und pr&sidiert hat, hat letzterer proponiert, sämmt- 
liche Alliierten sollten sofort dem Könige von Frankreich in den spanifchen 
Niederlanden, wo derselbe in wenigen Tagen die Kriegsoperationen wieder be- 
ginnen wSide, mit aller Macht das Haupt bieten. Als der kaiserliche Minister 
verlangte, dass das Mher von spanischer Seite auf der ZosammenknDft in 
Werden ausgesetzte Project') verleaen ond darüber berathen werden aolile, «- 
widerte der Prinz, da die Sachen seit der Zeit sich sehr verludert bitten, » 
müsste ein anderes Concept gemacht werden, und erfiffnete schliesslich selbst 
seine Meinung, wieviele Truppen jeder Alliierter und wohin er sie zur Tor- 
mierung verscbiedeoer Armeen schicken sollte.'). Obwohl ohne bestimmte In- 
struktion, hat er doch, da er gesehen, dass Niemand mehr als Kf. durch die 
Proposition des Prinzen graviert würde, da er danach statt 1000 z. Fnss und 
1000 zu Rosa, womit der spanisohe Deputiert« Honssbruch in Werden m- 
frieden gewesen, dreimal soviel nach den spanischen Niederlanden schicken 
sollte, sich darüber beschwert und erklärt, dass es dem Kf. unmöglich sein 
würde, sich darauf einzulassen, der Prinz aber bestand darauf, Kf. würde seine 
Truppen, welche er im vei^angenen Sommer auf der Maaas gehalten, leicht bis 
6000 Mann vermehren können. Er hat es nur ad referendum angenommen, je- 
doch erklirt, Kf. würde sich unmöglich dazu verstehen können, wenn er nicht 
dazu von den rSckst&ndigen Subsidien, besonders von Spanien, Zahlung er- 
hielte und nöthige Ordre zu Sabsistenz solcher Völker gestellt würde. Daranf 
sagte Pagel, Holland könnte unmöglich Geld dazu geben, und de Lira, 
Spanien wollte was möglich beitragen und von Zeit zu Zeit etwas geben, et 
könnte aber nicht versichern, dass solches regulierement geschehen würde. 
Trotz seiner Remonstrationen blieb der Prinz dabei, Kf. würde, wenn er ver- 
nehmen würde, mit welcher Macht Frankreich zu Felde ziehe, sich nicht weigeni, 
die geforderten Völker zu echicken, und vorerst diejenigen, welche bei der Hand 
wären, ebenso wie die anderen Alliierten sofort marchieren lassen. Auch die 
anderen Minister haben alles ad referendum angenommen, sich aber mehrenthdis 
darin nicht finden können, dass der Prinz eine so grosse Macht in den spanischen 
Niederlanden haben und man mit so wenig Völkern am Rhein, an der Mosel 
und Haass agieren solle. Endlich verlangte Meyercrohn, seinem Herrn mnsst« 
zu Wasser mit einer Flotte von Spanien und dem Staat und zu Lande von Kt, 



)) S. oben S. 10. 
>) S. 11. 



oyGooi^lc 



Borathuug über den Feldingsplui. ]93 

Uünster, Celle nnd Wolffenbüttel mit einigen Trappen usisttert werden. Der 
PrioE erklirte, die Fiottenaendang nach der Ostsee hielte er für nöthig und er 
wallte sich bemöhen, dass darein gewilligt wurde, aber nur nnter der Be- 
dingang, dass Kf. die verlangten Trappen schickte. Er hat auch dieses ad re- 
ferendom angenommen, aber zugldch vorgestellt, er halte es nicht für möglich, 
dass Ef., der in Pommern und Preasseo genag mit den Schweden 2u thun 
haben würde, einerseits D&uemark assistieren and andererseits dio verlangten 
Völker gegen Frankreich sollte schicken können. 

Der Prinz hat aaf der Coaferenz zwar öfters zu verstehen gegehen, dass 
Fnnkreich sicherlich den Krieg fortsetzen werde, aber nicht in apecie vorge- 
stellt, dass der König von Frankreich dio Friedensvorschl&ge gSnzIich abgo- 
schlsgen und dass der König von England darauf die Ruptur beschlossen hätte, 
die hiesigen Hinister und andere mehr meinen daher, dass unter dem Werk 
etwas Heimliches verborgen sei und dass trotz aller Demarches der Friede auf 
die vom König von England gemachten VorschlSge und fernere Unterhandlnng 
in kurzem zn Stande kommen werde. Sollte Rf. dem Verlangen des Prinzen, 
mehr Truppen gegen Frankreich zu senden, willfahren können, so würde er 
dadurch die Flottensendung facilitieren , den Staat und Spanien zn Subsidfen- 
zahluogen obligieren und sein Ansehen bei den Alliierten befestigen nnd ver- 
mehreu. 



Der Kui-fÖret an Romswinckel. D. Cöln an der Spree 

23. Januar/[2. Februar] 1678. (Conc. O. v. Schwerin.) 

[Auf die Relation vom I3./22. Januar. Beschwerde übet die Oebeimbaltung des 

hol! tndiscb- englischen Tractates. Bedingungen für weitere Hälfeleiatung.] 

Auch die Geheimbaltnng des Tractats zwischen Holland und England, 3. Febr. 
welche den foedera zuwider läuft, kommt ihm sehr fremd vor. Die allegierten 
Gxempel, als wenn auch die Alliierten solche Tractaten ohne Communication 
gemacht, können nicht hieher gezogen werden, weil dieselben nur zu Ausführung 
des Krieges und Beförderung der Kriegsactionen und der gemeinen Sache, durch- 
aus aber nicht zum Nachtheil eines oder des anderen Alliierten gemacht und doch 
commaniciert worden sind. Dieser Tractat aber läuft stracks wider das gemachte 
Ivedns. Er hat sich daber auch über die Secretierung der Umstände nnd Con- 
ditioDen des Tractats zu beschweren. Dass derselbe ein so schleuniges Werk 
und erst nach der Abreise des Prinzen von Oranien aus England gemacht sei, 
ist auch nicht glaublich, und es thut ihm um so weher, dass man nicht allein 
liamals, sondern auch jetzt alles vor ihm verhehlt. Es kann ihm also nicht 
verdacht werden, dass er sich hierüber zum höchsten beschwert. Dass man 
dun noch von ihm eine so grosse Hülfe nach Flandern begehrt zu eben der 
Zeit, da man ihm zugleich andeutet, dass er bef den Tractaten der letzte sein 
Mittr. I. G«wh. d. Q. Kurfaratan. XVUI, ]3 



oyGooi^lc 



X94 II- Brandenburg und di« Niederlande 1676—1679. 

and keine Snbsidien geniessen solle, befremdet ihn anch sehr. R. soll daher 
hei erster Gelegenheit anieigen, dass Kf. zwar dem Staat nach aller M5glieb- 
keit assistieren wolle, er verlange aber zuvor ausdrücklich: 1. dass der pro- 
jectierte Tractat wegen eines solchen particulier Friedens gSnzlich c«ssiere odei, 
wenn es zum Kriege zwischen England nnd Frankreich kommen sollte, sie ihn 
anfs neue versicherten, dass hinfort solche ihm höchst scbliJIicbe TracbUs 
nimmer vorgenommen, sondern er immer mit dazn gezogen werden sollt«. 
2. dass ihm nach dem Inhalt der Allianz die Subsidien, ohne welche er »dn( 
Armee nicht in solchen Stand setzen k&nnte, um die begehrte Hälfe za schicken, 
gezahlt würden, S. dass sie die Flotte auch zeitig in die Ostsee schicktet. 
4. keinen Frieden eingingen, ohne dass er von der schwedlBchen Nachbaiscbift 
ginzlich befreit and in sicheren Stand gesetzt sei, 5. ihm auch von Frankrdch 
wegen aeioer Praetensionen gegen dasselbe gebührende Satisfaction gegebeo 
werde. 



M. Romswinekel an den Kurförsten. D. s' Grafenhage 

2./12. Februar 1678. 

[ Em pfind lieh keit des Pripzsn von Oranien und Fagel's über die ihnen gemachten 

Eröffnungen.] 

Er hat bei dem Prinzen von Oranien am Mittwoch Audienz gehabt uud 
ihm das, was ihm in den Rescripten vom I4./S4. Januar and 33. Januar/ S. F^ 

bruar befühlen ist, punctuatim vorgetragen. Der Prinz erwies sich darüber sehr 
empfindlich und erwiderte, was er gehört, wäre von solcher Wichtigkeit, dass 
e'r, ehe er sich darüber recht Süssem könnte, erst näher nachdenken nnd es 
reiflich erwägen müsste, mit dem Bedeuten, Rf. sei nicht recht informiert worden. 
Auch Fagel, dem er am Tage vorher den Inhalt der kurfürstlichen Rescri))t« 
mitgetheilt, hatte ihm fast dieselbe Antwort gegebeo, dabei aber verlangt, dsss 
er ihm diese Mittheilungen schriftlich zugehen Hesse, um bei der Beantwortung 
nicht zu irren, was er aber abgelehnt hat, zumal da niemand von allen 
Ministris eine solche Ordre wie er erhalten hat, auch der dänische nur ange- 
wiesen ist, sich dem armistitio zu opponieren. Er befindet sieh daher fast be- 
kümmert, wie er auf die ihm vorgeschriebene Weise weiter verfahren und des 
Kf. Zweck erreichen soll, zomaL Fagel sich sehr darüber beschwert, dass nach 
V. d. Tocht's Bericht er (R.) dem Kf. berichtet haben soll, derselbe habe ihm 
nicht allein gesagt, dass Frankreich die conditiones pacis angenommen, sondern 
auch vorgeschlagen, wie der Friede zwischen Kf. and Schweden zu machen sei, 
dessen er sich doch nicht zu erinnern weiss. 

Die Sachen stehen noch so zweifelhaft, dass es unmöglich ist, davon etwas 
Qewisses zu debitieren. 



oyGooi^lc 



Beschwerden fiber den TrMtat. Be<)iii^ag«n dar HSlftlaistung. 195 

Der KurfOrat an den Prinzen von Oranien. D, Oöln 

3./13. Februar 1678. (Cone. Meindera.) 
[Bedii^Dgeo, unter denen er die gewünschten 6000 Kann aebicken wird.} 

Er hat wegea der von dem Prinzen begehrten ') 6000 Mann einen üeber- 13. Febr. 
schlag machen lassen ond befanden, dass dieselben zwar endlich anfgebrocbt 
werden können, aber bevor die Reiter and Dragoner completiert ond anf die 
effectivB Stärke von 3000 Mann gebracht werden, mSsBen vorher zareichende 
Reerutengelder darauf gegeben werden. Ferner mnss Ef., da er durch diese 
HSIfsHendung seine hiesige Armee sehr schwächt, die Regimenter zu Fnss und 
20 Pferd, welche er hier behSIt, unverzüglich recrotierea und verst&rken lassen, 
am nicht allein den Schweden in Pommern gewachsen za sein, sondern auch 
die übrigen Orter dort wegzunehmen, ebenso mnss er die nach Frenssen ge- 
Khickten 8 Regimenter') recratieren, da zu befürchten ist, dass die Schweden 
den angedrohten Einfall von Liefland aus dorthin ausführen werden. Um diese 
Recmtierang ins Werk zu setzen, wird er dem Ueberschlag nach 200000 Rthlr. 
bedürfen. Er ersacht den Prinzen, bei dem Staat za vermitteln, dass ihm diese 
vorgeschossen nad dafür eioe Ässignation auf die rnckstfindigen spanischen Sub- 
sidien angenommen werde, sonst wird es ihm nnm^lich sein, die 6000 Mann 
von seiner Armee wegzuschicken oder aufzubringen. Inhetreff des Unterhalts für 
diese 6000 Mann müsste alsbald beim Anfang der bevorstehenden Campi^e and 
wenn sie marchieren, s&mtlichen Trappen an den Orten, wo sie logieren oder 
empioyieit werden, Brod and Fonrage gereicht oder statt dessen die Fonragierang 
gestattet werden, femer für die Cavalterie auf jedes R^ment dem Stab and 
piime planen '/i der ordinären Gage nnd den Gemeinen je 3 Rthlr. monatlich 
iceiahlt werden, ebenso wie Kf. die Seinigen im vergangenen Feldzage derends 
tractiert hat, wogegen die 6000 Uann zum Marsch parat stehen sollen. Kf, 
bittet, ihm hierüber and über die dem Romswinckel committierten Punkte') 
mögUcbst bald Resolution zukommen za lassen, damit er danach seine mesures 
nehmen kSnne.*) 

■) S. Urk. u. Act. III, S. 514 Anm. 1. 

>} S. oben S. 13. 

1} S. das Rescript an Romswinckel vom li.ß*. Januar oben S. 190. 

<) Pfini Wilhelm von Oranien antwortet darauf (d. la Hajs 14. Februar 167S), 
da es Angelegenheiten wftren, die in Husse geprüft und die nicht brieflich erledigt 
«erden könnten, so b&tte «r die Gesandten des Kf. in Nimwegen ersucht, einer von 
ibiun möchte m ihm kommen, sie hftltea sich entscbiildigt, er bitte sie aber noch 
eiamal datu aufgefordert. 



oyGooi^lc 



196 !!• BrandeDburg und die NiederlMde 1676— 1679. 

W. W. Blaspeil an den Kurfürsten. D. s' Gravenhage 

11./21. Februar 1678. 

[Beaprecbuug mit dem Prinzen von Orsnien. Deeseu Rechtfertigung der Veiliuiil- 

lungen mit Engisnd. Bitte um BrlaubnisB zur Reise nach Berlin.] 

^1. Febr. Aaf Wunsch des PiiozeD von Oranieo h&t er sich hieher begeben. Dtr- 

selbe hat ihm mitgetheilt, es ginge ihm tief zu Qemäthe, dass Kf. gerade, üs 
er bemäht gewesen sei, demselben seine Dankbarkeit in der That za beweise, 
eine so widrige Opinion von ihm geschupft bitte, als wenn er der unerkenit- 
lichste von allen Heoschen wäre. Er hofFte, Kf. würde mit der Zeit aus den 
Effecten ein anderes sehen, er fürchtete aber, Kf. und sein Korhaus würden 
darüber am meisten zu leiden haben. Wenn er bei England dasjenige nicht 
gethan hätte, was geschehen, so würde Frankreich in diesem Frühjahre sieb 
ganz zum Meister der spanischen Niederlande gemacht und demnichst den Stut 
abermal in seinen eigenen Provinzen attaqaiert haben, dieser würde dann, so 
gut er gekonnt, Frieden geschlossen haben, und dann würde Kf. ebensowenig 
wie die anderen Alliierten seine Conqaesten bähen behaupten können. Troti- 
dem hätte Kf. am ersten und meisten sich über diese Verhandlungen mit Eng- 
land beschwert. Da so viele Alliierte seien und der König von England ge- 
meint hitte, dass, wenn die Sache durch so viele Hände ginge, sie schwerlitli 
zu Stande zu bringen sein würde, hätte man so, wie geschehen, verfahren 
müssen und stünde nun abtuwarten, wie Frankreich sich erklären und nie 
solches von dem Könige von England und dem Parlamente würde aufgenommen 
werden, inmittels, da die Spanischen allein besonders an der Verhandlung mit 
England interessiert wären, hätte er nichts ohne den Ddc de Villa Hermosi 
darin thnn wollen. Wenn die Sache dahin gedeihen sollte, dass auch Kf be- 
sonderes Interesse dabei hätte, würde er nie zugeben, dass ohne dessen Villen 
und Wissen etwas darin vorgenommen werde. Romswinckei hätte ihm Pio- 
positionen gemacht, über die er fast erschrocken wäre, auch Kf. hätte deswegen 
am 3./13. an ihn geschrieben, er möchte ihm auf diese Punkte Resolution zu- 
kommen lassen, damit er seine mesures danach nehmen könnte, aber einige 
Funkte wären darunter, die nur dazu dienen könnten, Kf. mit dem Staat zd 
embrouillieren und sie von einander gänzlich zu trennen, andere Funkte seien 
derart, dass Kf. nur sieb selbst dadurch im Wege stehen und seine Conqueslea 
ungewiss machen würde, daher hätte er diese Propositionen bisher zurück- 
gehalten und gerne mit ihm und v, Somnitz daraus vertraulich reden wollen. 
damit er, El., dann nach Berlin reisen, dem Kf, davon mündlichen Bericht er- 
statten und ihm dessen Resolution zurückbringen könnte. Er hat sieb zu ent- 
schuldigen gesucht, es endlich aber übernehmen müssen, an Kf. zu berichten 
und von ihm Erlaubniss in einer solchen Reise zu erbitten. 



oyGooi^lc 



Rechtfertigung des Prinzen von Ortuie: 



Prinz Wilhelm von Oranien an den Kurflirsten. D. la Haye 
le 22. Fevrier 1678. 

[Zarück Weisung der gegen ihn erhobensD Vorwürfe. Bitte, Blaspeil die Reise zu Kf. 
zu gestatten.] 

Les propositions que le S^- de Romewincbel m'a faitea de la part 3 
de V. A. E. m'ont tellement surpria qae si l'eatat present des affaires 
et I& coDJOßcture preeente ne m'en euasent empesobe, j'auroia prie V. A. E. 
dfl voaloir trouver bon que dous euasione pä nons aboucher qaelqae 
part poor la deaabuser de tontes impressions ä mon desaiiaiitage et inj 
faire voir la siacerite de l'alTectioii et de l'estime qu« j'ay toujours eae 
et consenieray toujours ponr sa persoDoe et mea boones intentions 
poar ses ioterests, poar luj^ faire arouer qae j'ea ay onllemeDt merite 
qoe V. A. E. eut de ma conduitte I'opinioo qu'on a vonlu Iny douner. 
CepeDdant comme il y va uod seulemeDt de l'interest de cet Estat et 
da mieo particulier, mais aussi de celuy de V. A. E. et de sa maison 
que nons soyons bleu ioformes de nos intereata reciproques taut a l'es- 
gard de la guerre qae de la paJx; j^ay prie par des inatances reiterces 
vos deux ambassadears a Nimegue — de voaloir se rendre aupr^ de 
moy pour leur eo parier et m'expliqner a enx de toat le detail des 
aCTaires, eeparaut que la dessus Tun d'eax aoroit voutu preadre la peine 
d'ea aller faire rapport a V. Ä. E. 

Blaspeil ist gekommen, macht aber Schwierigkeiten, die Reise za unter- 
nehmen, da Somnitz krank ist nnd er nicht ohne expresse Ordre glaubt sich 
von Nimwegen entfernen zu dürfen. Er stellt Kf. anheim, ob derselbe Bl. solche 
Ordre ertheilen will, er verspricht, sich zu bemühen, dass während dessen Ab- 
weseoheit nichts den Angel ^enheiten des Kf. Präjudicierliches geschehe. 



Prinz Wilhelm von Oranien an den KurfOrsten. D. la Haye 
24. Februar 1678. 

[Auf die Schreiben vom 18. und 19. Februar. Unmöglichkeil für Holland, den ver- 
langt eu Vorschuss lu leisten.] 

Dank für die Bereitwilligkeit, 6000 Mann za Hülfe zu schicken, Bitte, die- 24. Febr. 
selben möglichst bald marschieren za lassen. 



oyGooi^lc 



t98 II- Brandenburg und die Niederiftnde 1676—1679. 

De mon coste je voudrois pouvoir m'employer avec eftet pour li 
satisfaction de V. A. E. en ce qu'elle propoae de TavaDce a hin pu 
cet Estat de la somme Epecifice dans sa lettre da 13. pour en eslie 
remboursee sur les subsides qui soot deubs ä V. A. E. par l'Espagne, 
mais je oe puis luy celer que les charges et les fraix excessifs de la 
guerre durant ces deroiersa aDiiees ont tellement epuise ses fiuanees, 
que de le presser la desaus seroit le Touloir obliger ä udo impossibilite 
toute notoire. Cepeudant V. A. E. peut s'aseeurer entierement, qne je 
D'oublieray quoy que ce soit pour porter les Espagnols a luy doonerde 
la eatisfaction touchant los arrieragea des subsides, et que je travaillerajr 
a faire subsister ses trouppes eu ces pays de mesme que celles de 
l'Estat. J'eBpere que V. A. E. consideraut ce que je vieus de dire, oe 
vondra pas aous frustrer d'un secours si oecessaire daus ce temps et 
qu'elle jugera selon sa prudeoce ordinaire, que ses interests sont meslea 
avec ceux de l'Espagne et les uestres en ce qui est de la conservation 
DU de la perte des Pays Bas et que particulieremeot il importe de- 
ment a touts, que Ton puisse defeudre les places sur la Heuse. — 



Der Kurfürst an den Prinzen von Oranien. D. Cöln 
18./28. Februar 1678. 

[Auf das Scbreiben vom 21. Februar. Vertrauen ftuf die Freundschaft des Prinien- 
Befremdea über dos einseitige Vorgehen bei den Friedensverb an dlungen.] 

Dank für die Cent estatio Den seiner Äffection. 

Ich setze darauf ein festes Vertrauen und zweifele nicht, gleich wie 
ich Ew. Ld. Interesse und Angelegenheiten jederzeit anders nicht 
als meine eigene beherziget habe, Ew. Ld. werden auch sich gleichmässig 
gegen mich bezeigen und ihm die meiuigen bei denen jetzigea weitaus 
sehenden Conjuncturen aufa beste recommeadiret sein lassen. Dass ich 
meinem Romswinckel etwas, so Ew. Ld. Person touchiren oder m- 
wieder seiu könnte, deroselben vorzutragen befohlen hätte, dessen e^ 
innere ich mich nicht, es ist auch solches niemahln meine Intention ge- 
wesen, dasa ich aber surpreniret gewesen, wie ich vernotnnieD, dassmiD 
in dem Friedens-n^otio so weit avancirete, ohne dass mir oder eioige» 
Interessenten davon part gegeben worden, aotchee können Ew. Ld. Dicht 



oyGooi^lc 



. Sendung Blupeit's an den KuTfäreten. 199 

missdenten, weiiD Sie erwägea, wie hoch ich bei dem ganzen Werke 
JDtereagiret biD. 

BlaEpeil') soll die gewünschte Reise sofort antreten. 



Memoriae! voor de Heere Blaspiel gaende nae Syne Churf. 
Doorl. van Brandenburg. D. Boon 20. März 1678.*) 

[Schjtderuag des üblen Zustsndes in Holland und den spanischen Niederlanden. 

KecbtfertiguDg der Verhandlungen und Abmachungen mit England. Not h wendigkeit 

d«r vollmundigen Eroberung Pommerns. Beschwerden über einen Hinisler des Ef. 

und über die EUmswinckel ertbeilten Aufträge.] 

Bl. soll dem Kf. den schlechten Zustand der Dinge in Holland and den 30. Hin. 
noch schlechteren in den spanischen Niederlanden') schildern. Die Mittel und 
der Credit det Staates sind eischöpft, Holland und Spanien sehnen sich daher 
nach Frieden nnd der Prinz wird nicht verhindern können, dass sie Vorschläge, 
die ihnen Frankreich dazu etwa macht, annehmen. Spanien kümmert sich gar 
nicht mehr um die Vertheidigung des Restes der spanischen Niederlande, die 
einzige Hoffnung, diese zu retten, beruht auf England und demjenigen, was Bl. 
bei Nenburg und Celle auszuwirken beanftragt ist. Kf. wird, nachdem ihn 
Bl. niber über die Verhandlnngen mit England nnterricbtet haben wird, er- 
kennen, dass der Staat und der Prinz dadurch der gemeinen Sache einen be- 

') Diesem schreibt Kf. an demselben Ti^^e, er hätte die Beise ohne weiteres 
unleriLahmen können und sollte sie nun sofort antreten, und beauftragt ihn zugleich, 
sich auf das &ussersle bei dem Prinzen zu bemühen, dass dieser den in dem eng- 
litch-hollind lachen Vertrage in Aussicht genommenen Waffenatillstaad zwischen 
Schweden, Dänemark und Brandenburg, der für ihn sehr verderblich sein würde, 
diverliere. Dem Prinzen tfaeilt er am 19. Februar/1, Harz mit, v. d. Tocht (der 
iotwiscben die Verhandlungen über die DefensiTallianz fortgesetzt hatte und mit 
dem diese am 36. Februar/8. Mftrz zum Abschluss gebracht worden sind, s. den Ver- 
tng bei Dumont VII, 1, S. 343, im Auszüge bei Pufendorf XVI, § 98, 99, 
t. Uörner S. 403 ff.) werde auf seinen Wunsch Blaspeil's Ankunft abwarten. 

^ Blaspeil meldet am 7./17. März aus Boon, dem Hauptquartier des Prinzen 
Ton Oranien (einem Dorf an der Scheide, 4 Stunden oberhalb Antwerpen}, der 
Prini sei sehr perplex über den üblen Zustand der spanischen Niederlande und dass 
er ausser Stande sei, mit seiner geringen Macht dieselben zu schützen, derselbe 
■ünscbe daher, er möchte seine Reise so anstellen, dass er allen Alliierten die 
drohende Gefahr vorstellen könnte. Ueber den Eindrucli, den diese Mittheilungeu 
auf dBQ Kf gemacht haben, a. das Rescript an v. Brandt vom 38. März/T. April 
nuten Abscbn. III. 

^ Vgl. darüber Uüller, Wilhelm 111. von Oranien und Qeorg Friedrich von 
Wildwk I, S. 44 f. 



oyGooi^lc 



200 D- Brandenburg und die NiederUn^i 1676—1679. 

Bonden gnten Dienst geleistet haben, und daas kein heilsameres Mittet bätte 
gefunden werden kQnnen, nm zn einem erträglich guten Frieden zn gelangen 
oder den Krieg mit grösserer Kraft fortzusetzen. Der Prinz ISsst Ef. versicbeni, 
daas znr Zeit, als er in England war, dort mit dem Könige noch nichts ver- 
haodelt worden ist. Die anderen Alliierten mit an diesen Unterhand langen 
Theil nehmen za lassen, hat der Konig von England verweigert und der Staat 
in seiner Bedrängniss hat sich dessen Forderung fügen mnssen. In dem Yer- 
trag mit England ist, soviel dem Prinzen bekannt ist, nichts zum Nacbtheil d«s 
Kf. abgemacht, nnd sollte ihm etwas bekannt werden, so wird er sieb be- 
mühen, es zu redressieren. Bl. soll auseinandersetzen, welche Gründe der Staat 
nnd der Prinz gehabt haben und noch haben, in dem Tractat von einem ■Waffen- 
stillstand mit Schweden zu sprechen, und soll versichern, dass durch diesen 
Artikel dem Kf. nicht präjudiciert ist, sondern dieser und andere die Freiheit 
behalten, in diesem Fall zu thun und zu lassen, was ihnen wohlgefällt. 

Der Prinz wünscht auch des Kf. Gedanken über das Friedenswerk nnd 
besonders über sein eigenes Interesse dabei zu erfohren. Er nnd der Stait 
wünschen sehr, dass Kf. ganz Pommern erhalten solle, aber Kf. hat zn bedenken, 
ob es möglich sein wird, dieses bei den Tractaten zu erwirken, solange er das- 
selbe nicht vollständig erobert hat, zumal wenn Frankreich sich zum Heister 
machen und den Frieden vorschreiben sollte. Frankreich wird dann sohwcrlifii 
Schweden im Stich lassen, sondern vielmehr die Alliierten zwingen, ihre Er- 
obernngen demselben wieder abzutreten. 

Ferner soll Bl. vortragen, der Prinz hatte immer gewünscht, dem Kf. far 
die Geneigtheit, die er ihm von Jngend an gezeigt, angenehme Dienste zu leisten 
und dauernde Freundschaft nnd gute Intelligenz zu stiften, und dass daza be- 
queme Minister und Mittel von beiden Seiten verwendet würden. 

Dat syne H'- tot syo groot leedtwesen beeft bevonden, dat een van 
de vornaeiuste Ministem ') van Syne C. D'' in plaets van daer toe eea 
jnstrument te wesen, het aelve heeft getraverseeret ende een misvei- 
trouweo gesocht te verweckec, ende Syn H'- by Syne C D'* ende de Syne 
in verdacht te breageu, als oF hie het daermede uiet wel ende oprecht 
en meinde. Dat hetselve is gebleecken in diverse gelegentheiden ende 
speoiaelyck du oolangs by het oprechten van de ÄlliaDÜe met den Staet 
ende by de Handelinge over de dilTerenten met Oelderlandt, in reganJ 
van dewelcke laen de saccke laugen tydt heeft moeten ophouden enile 
eyudelyck daerover maecken een separaot Ärticul, wacrdoor die saecken 
alnogh oopen syn gelaeten. 

Sollte Kf. geneigt sein, sich über die Streitigkeiten mit Gelderland lieltfc 
durch die Vermittlung des Prinzen zu vergleichen, so soll Bl. versichern, dass 
der Prinz sich darum beraöhen will. 



I) Gemeint ist der Oberpräsident 0. v, Schwerin, a. v. Orlich 1, S. 25if. 



oyGooi^lc 



Instruktion für BUspeil. 201 

Dat Syne H*- verder niemandt anders cau toeschryven als meede 
aen eea ofte andere van de Miniäters, die omtreot Syne C. D'- sya , dat 
hy in twee distiucte Orders, dewelcke aen den Heere RomswinckeP) 
— syn gasenden, om aen Sya H'- — mede aeu voorn. Raedt PensioDaris 
te insinueeren , in syne princelycke eere ende reputatie soo gevoelyck 
is geledeeret, gelyck oock niet minder den Staet. 

Besonders die Stellen, in denen es heisst, der Prinz habe im Namen des 
Staates Anderes versicheTt, als mit dem Könige von England tractiert worden 
sei. man hätte contra foedera et fidem dalam geliandelt, man hStte Kf. absn- 
donniert und sei undankbar gegen ihn gewesen, der Prinz hätte ihm verschwiegen, 
was wahrend seines Aufenthaltes in England verhandelt sei, und man hätte ohne 
sein Votwissen vorgeschlagen, er sollte einen Theil seiner Erobernngen an 
Schweden zurückgehen, sind dem Prinzen sehr zu Herzen gegangen. Derselbe 
väss, dass Kf. so grosse Geneigtheit fnr ihn hat, dass er dieselben nicht be- 
fohlen hat, in solchen choquanten Ausdrücken abzufassen. Femer ist der 
Prinz in einer dieser Ordres beauftragt, 5 Punkte bei dem Staat zn Wege zu 
bringen, besonders dass der Tractat mit England casaiert, kein Frieden gemacht 
werde, ohne dass Kf. von der Naclibarscbaft Schwedens befreit sei, und dass 
dem Kt Satisfactioii wegen seiner Praetensionen an Frankreich gegeben werde, 
die so beschaffen sind, dass keiner von den Alliierten dergleichen praetendiert, 
viel weniger den Staat und den Prinzen mit solchen sensiblen Worten taxiert 
hat. Der Prinz ist ausser Stande, das auszuführen, was ihm in diesen Pnnkten 
angpmuthet ist, hätte er sie dem Staat vorgetragen, so würde daraus grosse Be- 
stfirziiDg nnd üble Folgen entstanden sein, er bat daher Romswinckel gesagt, 
tr sollte diese Funkte dem Staat nicht bekannt machen, dieser aber hat ihm 
erklirt, dazu express befehligt zu sein. Der Prinz stellt daher in das Belieben 
des Kf., wie derselbe darüber im allgemeinen Interesse disponieren will. 

Der Prinz behält sich vor, seiner Zeit mit Kf, noch über andere Dinge 
mrmdlich zn conferieren, andere hat Bl. übernommen demselben vorzutragen. 



W. W. Blaspeil an den Kurfürsten, D. unterwegen zwischen 

Wilmatadt und Dordrecht 12./22. Mäi-z 1678. 

[Reise nach Hecheln. . Verabredungen mit dem Prinzen lon OraDieo.] 

Der Prinz von Oranien bat ihn länger aufgehalten, als er geglaubt hatte, 32. Jlftn. 
er hat denselben nach Hecheln begleiten und dort den Deliberationen in Graf 
Waldeck's Quartier über das, was bei dem gegenwärtigen Zustand zu thun, 
heiwohnen müssen, um dem Kf. desto getreulicheren Bericht zn erstatten. Der 

') S. oben S. 190 f., 193 f. 



oyGooi^lc 



202 11. Brandenburg and ilie Niederlande 1676—1679. 

Prinz hStt« gern gesehen, äaaa er noch des Königs von England finale Reso- 
lution abgewartet bStU, da aber diese nicht so bald eq erwarten, so hat da 
Prinz gutgefnnden, dass er seine Reise fortsetzen und seinen W^ über den 
Ha^ nehmen möchte, theils um mit Fagel wegen des mit England gemachten 
Tractatg and der Wahmehmong der Interessen des Kf. in Nimwegen wlhrend 
seiner Abwesenheit zn reden, theils zu vernehmen, was der vermuthlich wieder in- 
gelangte Qodolphin mitgebracht hat. Er will vom Haag aus nach Nimwegen 
gehen und auf des Prinzen Wunsch en passant Ffalz-Neaburg und dea 
Herzog von Celle wegen der gegen Frankreich zu machenden Anstalt zu sprechea 
suchen. 



W. W. Blaspeil an den Kurfürsten. D. Hamm 
2. Apri!/23. März 1678. 

[ICrkläiung Pfalz-Neuburgi. Die beabsichtigte ZuBammenkuDf! zu Cöln.] 

Pfalz-Neuburg ist mit dem, was der Prinz von Oranien veriaogt, 
dnrchaus einverstanden und wird sieb bemühen, dass im westfälischen Kreise 
eine gnt£ Armee formiert und, falls -es an Suhsidien mangeln sollte, ans Kreis- 
mitteln unterhalten werde; Kf. möchte dazu die 6000 Mann verwenden, die er 
so wie so in den Niederlanden gegen Frankreich zu gebranchen entschlossen 
gewesen. Die ganze Armee soll ans 9500 Uann zu Ross und 15000 za Fnss 
bestehen, das Commando soll der Bischof von Osnabrück führen und 
der Kaiser aufgefordert werden, demselben einen General (etwa de Grana 
oder Capliers) zur Seite zu stellen. Um alles NGthige lu überlegen, hat 
Pfalz-Nenburg alle Interessierte aufgefordert, Deputierte nachCöln zu schicken, 
die clevische Regierung hat dazu wenigstens ad andiendam et referendam den 
Geh. Regiernngsrath de Beyer committiert. 

Er hat von diesem Verlauf dem Prinzen Nachricht g^eben und reist so- 
gleich weiter, und zwar auf des Prinzen Begehren über Celle, um denselben 
wissen zn lassen, was von dort zu erwarten sei. 



Des Printzen von Oranien Gedanken über itzige Conjuncturen.'} 

[Bedrftngte Lage Hollands. Verlangen, dass die nordischen Alliierten mit Schweden 
Waffenstillstand schliessen und ihre Waffen gegen Frankreich «enden sollen.] 

Rechtfertigung der Verhandlungen mit England and der Geheimhaltang 
derselben. Schilderung der Macht des Königs von Frankreich, der dem 

<) Vgl. Pufendorf XVI, § 13 (S. llSef.). Blaspeil sendet, in der Bft- 
soi^niss, durch die Reise zu dem Herzoge von Celle aufgebalten m werden, dieses 
SchrifUtöck von Hamm ans am 23. U&rz/2. April 1678 voraus. 



oyGooi^lc 



Vortchllge dea Prinzen Ton Oranien. 203 

Rest der spanischen Niederlaade drohendeo Gefabr und des eracb5pften Za- 
siandes des Staats. 

Daher müssen die Alliierten, welche bisher gegen Schwedeo agiert haben, 
besonders Dänemark and Rf. überlegen, ob es nicht auch ihi Interesse er- 
Torderte, zusammen mit dea anderen sich der grossen Macht oud den weit aos- 
selienden Desseinen Frankreichs zo widersetzen, sich zu diesem Zweck mit 
Schweden zd vergleichen und mit diesem Frieden oder nur auf eine Zeit lang 
Waffenstillstand zu schliessen, um nachher den Krieg fortzQHetzen und ihre 
weiter vorhabenden Conqaestea zu ponssieren, und ob dieses nicht das einzige 
Mittel sei, sich ihrer Conquesten za versichern. 

Sollten Dänemark nnd Ef. trotzdem den Krieg gegen Schweden ohne 
Interraption fortsetzen wollen, so würden sie England und dem Staat die Bei- 
so^, dass man auf solchen Fall Frankreich nicht werde widerstehen können, 
benehmen und deutlich nachweisen mnsaen, dass der gemeinen Sache kein 
Xachtbeil zuwachsen würde, ferner würden sie England, welches im Falle der 
Ruptnr mit Frankreich gern die Ostsee offen halten wollte, hierin einige Satis- 
factJon geben mnssen, ihre eigene nnd die schwedische Macht recht wohl 
balancieren und erw&gen müssen, ob sie alles, was sie zur Ausführung ihres 
Vorhabens gegen -Schweden brauchen, zur Hand haben oder zeitig genug haben 
können, da der Staat nnd Spanien ihnen keine Hülfe leisten könnten, Frankreich 
dagegen Schweden durch Qeld, durch Polen oder sonst möglichst anterstötien 
würde. 

Wollten aber die Alliierten sich zum Stillstande mit Schweden verstehen, 
dann würde der gemeinen Sache geholfen sein, sie selbst auch ihre eigene 
Recbnong besser dabei finden und dann würde man auch Mittel nnd Wege 
haben, Schweden dazu zu obiigieren, wie solches mündlich bedeutet worden. 

Die Eanptursachen, warum Dänemark und Kf. sich znm Stillstand zn ver- 
sieben hätten, wären: 

1) Sie wären ihrer bereits gemachten Conquesten noch gai nicht versichert, 
würden aber, wenn Waffenstillstand mit Schweden geschlossen würde, dieselben 
behalten, also grossen Vortheil haben, w&hrend Schweden dabei verlieren würde. 

2) Sie könnten, bevor der Stillstand zn Stande käme, auch noch das 
übrige zu erobern suchen. 

3) Inzwischen könnten sie die eroberten Oerter mit allem Nöthigeo von 
sehen nnd sie in sicheren Zustand bringen. 

4) Würden sie im Fall des Waffenstillstandes ihren Mitalliierten Hülfe 
gegen Frankreich leisten können , während Schweden aus Mangel der freien 
Passage Frankreich keine Hülfe würde schicken können. 

5) Dieses würde dann vermuthlich Schweden keine weiteren Siibsldien 
zahlen. 

6) England und Holland könnten ihre Commercien in der Ostsee fortsetzen. 
T) Der Staat würde so etwas respirieren und im Stande sein, den Krieg 

in continuieren und im nächsten Jahre eine Flotte nach der Ostsee zu 
schicken. 



oyGooi^lc 



-204 II- Brandenbarg und die Niederlande 1676—1679. 

8) Spanien würde sich eifriger bemähen, die Snbsidien m zahlen. 

9) Die anderen Alliierten and auch England würden dadurch devinciert nnd 
desto mehr bewogen werden, dem Kf. nnd Dänemark ihre ErohemngeD zo 
gönnen und ihnen dazn zn verhelfen. 

10) Wenn Dänemark nnd Kf. eich hierin zn suchen machten, wnide 
Schweden, nm den Glimpf zn erhalten und England anf seine Seite zn bringen, 
sich dazn bequemen, wie man schon unter der Hand vernehme, dass es sA 
erboten, sich mit England gegen Frankreich zu verbinden, wenn es in vorigen 
Stand restitniert würde. 

11) Dann würde England die Mittel, welche es sonst gegen Schweden ge- 
brauchen wollte, gegen Dänemark nnd Kf. gebrauchen. 

Den Entschluss des Kf. und des KSnigs von Dänemark mässte man bald 
wissen, sollten sie sich zum Stillstände verstehen, so wollte man es dihio 
richten, dass England Schweden, der Staat Dänemark und dem Kf. denselben 
pTOponierten. 



Der Kurfilrst an den Prinzen von Oranien. D. Cöln 
30. Mära/[9. April] 1678. 

[Zusage der Truppeasendung, falls ihm das geforderte Geld gexafalt wird. Sendung 
V. Spaen's.] 

Ans einem Schreiben des Prinzen an seinen Clevischen Statthalter, den 
Fürsten von Nassau, hat er ersehen, dass der Prinz begehrt, seine im Clevischen 
stehenden Truppen sollten nach Maaseiok marschieren. Er ist bereit, die vom 
Prinzen begehrten 6000 Mann zu schicken , kann diese Leute aber zu dieser 
Zeit unmöglich anf die Beine bringen, solange ihm nicht die hegehrte Summe') 
avanciert wird. Aus BlaspeiTs Relation aus Dfisseldorf bat er ersehen, dass 
man für gut befunden, seine Truppen sollten dem Corpo, welches Pfalz-Nea- 
burgs Project zufolge von dem Westfälischen Kreise formiert werden solIM, 
beigefügt werden, er hat aber dagegen Bedenken, wird davon dem Prinun 
durch v. Spaen, den er, weil Blaspeil jetzt angekommen, innerhalb 3 oder 
3 T^en abfertigen wird, zn vernehmen geben lassen.-) 

') S. oben S. 19G. lo einem Scbreiben vom 10./30. Min an den Prinun 'on 
Oranien batte Kf. yorgeadilageo, der Staat aollte ibm statt der verlaugtsn 5O000 
nur 30000 Tbaler zablen, ausserdem aber noch die von dem Herzog van Vill> 
Hermosa versprochenen aber nicht gewillten 30 000 Thaler vorachiessen. 

'') In seiner Antwort darauf (d. au quartier de Boom 21. April 1678] scbreibl 
der Prinz, er erwarte ungeduldig die Ankunft t. Spaen's, damit das Corps ander 
Haas versammelt werden könne, versichert, für den Unterhalt der Truppen 60i^* 
la wollen. Ueber den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit s. oben S. 12. 



oyGooi^lc 



ZoMge der TnipptoseDduDg;. Die fr«ntÖBiMb«ii PriedsngTonchläge. 



M, Romswinckel an den Kurfürsten. D, Hage 1 3-/23. April 1678. 

[Mittheil ungen der sUstiscbeii beputierlea über die franiüsischen Fn'edensiorechl&ge, 

die Encbüpfiiiig und FriedeDasehntucbt Hollands, Verlangen soforliger Hülfe seitenn 

der Alliierten.] 

Vorgestern haben die staatischen Deputierten die hier anwesenden Minister 23. Apr. 
der Alliierten za einer ConferMiz berufen nnd ihnen zonfichst ein Memorial des 
polnitrhen Qesandten Orafentbal mitgetheilt, worin der Staat um Ueber- 
nibme der Mediation zwischen Polen und Hoskau ersucht wird, dann aher die- 
selben aufgefordert, ihre Meinung aber die von den franiösiscben Gesandten in 
Nimvegeo übergebeuen Friedensbedingungen ') zu Süssem, da die Staaten von 
Holland, welche des Krieges fast müde und überdrüssig geworden, künftigen 
Dienstig sich versammeln nnd darüber berathen wSrden. Die Minister haben*) 
erklärt, sie müasten darüber erst an ihre Piincipalen berichten und diese darüber 
entscheiden lassen, sie ihrerseits glaubten, dass dieselben lieber alles daran 
setzen, als sich auf solche übermüthige und allen Alliierten nnannehmliche Be- 
dingungen in Tractaten einlassen und sich von dem KQnige von Frankreich den 
Frieden vorschreiben lassen wfirden, besonders haben die D&nischen, Lüne- 
bnrgisfhen nnd er ein eclaircissement Über den Ingress, in dem es heisst, der 
K&nig von England habe dem von Frankreich volle Satisfaction Schwedens zu- 
gesagt und auch für die General Staaten dasselbe versichert, verlangt, worauf die 
staitischen Deputierten bethetierten , dass ihnen weder directe noch indirecte 
diTon das geringste vorgekommen, sie auch nicht glauben kannten, dass der 
König von England dem von Frankreich eine solche Zusage gemacht hätte, mit 
der Versicherung, dass bei den Unterhandlungen des Staats mit dem K5nig 
und dessen Ministern keine Anregung davon geschehen, auch bisher keine Vor- 
sch%e, wie der Frieden im Norden zn machen, gemacht seien. Auch der eng- 
lische Gesandte Ilyde bat behauptet, dass er von einer solchen Proposition 
Kines Königs nichts wüsste. 

Die Depatierten haben femer rund zugestanden, dass jene Bedingungen 
DDaDQehmlich und ruineux für alle Alliierten, ja spöttisch wSren, haben aber 
doch ad longum dednciert, dass die Finanzen des Staates so erschöpft w8ren, dass 
es demselben unmöglich wäre, den Krieg so wie bisher fortzusetzen, dass, wenn 
die Alliierten 'ihnen keine parate Hütf- und Erleichtern ngs mittel an die Hand 
gaben, am die Staaten von Holland zu fiberaeugen, dass sie den Krieg gegen 



<) S. Actes et memoirea II, S. 84G fiL, Sylvius IV, S. 119 f.. Basnage II, 
3- 914 t, Pufendorf XVI, $16 (3.1190 1.). Hignet IV, S. &57. Vgl. unten 
AbMhn. V. 

"} S. Pufendorf XVI, § 16 (8. 1191 f.). 



oyGooi^lc 



206 H- Brandenburg nnd die NiedarUnde 1676—1679. 

Fruikraich ISoger und besser als bisher würden ansführea helfen können, die- 
selben ^wiss bescbliessen würden, einen solchen Frieden, wie sie nur haben 
könnten, anzunehmen, weder der Prinz noch andere Regenten würden du 
hindern kOnnen. 

Darauf hat de Lira erklärt, sein E&nig werde die eigentlich nach Sicilien 
bestimmte Flotte zam Dienst der gemeinen Sache hergeben und zahlen, von 
Catalonien aus eine grosse Diversion machen nnd soviel mQglich den Unterhalt 
für die Truppen, welche die Alliierten nach den Niederlanden schicken worden, 
verschaffen. Der kaiserliche Hinister Cramprich erklfirte, der Kuser bitte 
dem Herzog von Lothringen absolute Macht über die Armee, welche stirker 
sein nnd kriitiger agieren solle als jemals, gegeben und davon könnte man sich 
eine grosse Assistenz und Diversion versichern, auch hätte de Grana Ordre, 
sich nach diesen QnartieiOD zu verfügen und dafür zu sorgen, dass die voa 
den Kur- nnd Fürsten nach der Haas und Hosel und nach den spaniseheD 
Niederlanden bestimmten Truppen ohne Zeitverlust dorthin z^en nnd dem Feind 
allen möglichen Abbruch thiten. Der Dänische, Meiercrohn, remonstrierie, 
sein König hStte die schwedische Hacht so auf dem Halse, dass er selbst 
Assistenz, namentlich durch Sendung einiger Kriegsschiffe nach der Ostsee, 
suchen müsste. Er bat namens des Kf. vo^estellt, derselbe werde die begehrten 
6000 Mann, obwohl er sie selbst zum höchsten nötbig bitte, schicken, in der 
Zuversicht, dass man die Kriegsschiffe werde förderlichst nach der Ostsee ab- 
gehen lassen, v. Spaon werde am 13./35. zu Dorsten sein und, sobald er ver- 
nommen, was andere Interessierte des westfölischen Kreises beschlossen, sich 
zum Prinzen begeben, demselben des Kf. Willensmeinung mittheilen nnd dem- 
nächst nach dessen Ontfinden die Truppen marschieren lassen, Pfalz-Nea- 
burg hätte schon erklärt, die von ihm begehrte Assistenz zu stellen, anch der 
Bischof von Münster werde gewiss das Gleiche thuu. Der Lnnebni^ische 
Müller versicherte, auch seine Principalen würden gewiss alles, was in ihren 
Kr&ften stände, beitragen, ebeuso der Osnabrücks che, und die Hinister meinten 
insgesamt, wenn es dem König von England ein rechter Ernst sei, den Kri^ 
zu erklären und mit Eifer zu Lande und zu Wasser zu führen, so würde der 
Staat dadurch bedeutende Assistenz und Erleichterung erhalten. Fagel aber 
erwiderte, das wären ausser den 6000 Mann, welche Kf. zu schicken über- 
nommen, alles nur künftige Sachen und gegebene Hoffnungen, womit man jetzt 
Frankreich nicht wurde resistieren, den Staat sublevieren und die Staaten von 
Holland von ihrem Trieb zum Frieden divertieren können, nnd er bat, die 
Minister möchten den gefährlichen Zustand wohl beherzigen und ihren Prind- 
palen die vorhandene grosse Noth, um den Staat zu sublevieren, die spanischen 
Niederlande zu retten und ihre eigenen Eroberungen zu maintenieren, wohl re- 
präsentieren, dieselben müssten eiligst Truppen auf eigene Kosten gegen Frank- 
reich schicken. Kriegsschiffe nach der Ostsee zu schielten, sei für den Staat 
unmöglich, dem König von England fehle es nicht an dem guten Willen zam 
Kriege gegen Frankreich, aber er werde nicht so zeitig eine genügende capi- 
tale Flotte in See bringen, dass Frankreich sich nicht inzwischen zum Heister 



oyGooi^lc 



Bersthaagen aber die WeiterfSbraog des Eriageg. 207 

der spanischen Niederlande nnd anderer PIStze am Rhein und anderswo machen 



A. V. Spaen und M. ßomswinckel an den Kurfürsten. 
D. 8' Grafenhage 25. April/5. Mal 1678. 

[['nterrcduDgen mit dem Prinieo von Oranien, Fagel und t. d. Tocbt Mil Fagel 
vereinbartes Hemorittl wegen Verwendung der Truppen der Alliierten.] 

Sie babeu Montag bei d An Prinzen von Oranien Audienz gehabt. Nach- ^- Kai. 
dem T. Spaen das, was ihm Kf. anfgetragen, demselben vorgebracht, danicte 
er, erbot sich, auch ferner des Kf. Interesse, besonders auch die Beilegung der 
^eldriichen Compromisssache zu befördern, erklärt« aber, die Qemnther hieselbst 
iiiclinierten, den Frieden quovia modo zu halben, er bemQbte sich zvar zn ver- 
hindern, dass die von Frankreich vorgeschlagenen Frieden sbedin gangen ange- 
nommen würden, sehe aber keine Aussicht, darin zo reüssieren, wenn nicht die 
Alliierten ihm mit einer ansehnlichen Assistenz ohne Zeitverlust zu Hülfe 
kämen. Der Staat hfitte weder Geld noch Credit, um, wie Kf. verlangte, für 
seine Trappen Geld nnd Unterhalt zn geben, wenn er diese Forderung vor- 
brächte, so würde das nur die Regenten, welche schon zum Frieden inclinieren, 
noch mehr dazu animieren und die, welche die Weiterführung des Krieges 
wücschen, inutil machen, und er bat, Spaen möchte sobald immer möglich 
einige Völker nach der Maas marschieren lassen und befördern, dass auch 
Münster, Paderborn nnd Pfalz-Neubnrg ein gleiches thäten, sonst müsste 
man Frieden schliessen oder die spanischen Niederlande würden ganz verloren 
1,'ehen. 

Da sie den Prinzen fast zum höchsten perplex befanden and derselbe 
ihnen solche grosse Contestationen von der überaus grossen Noth und Geld- 
mangel gethan, sie dieselbe auch in der That verspüren, so haben sie in ihn 
nicht weiter dringen können. Sie haben ihn nur gebeten, zu verhindern, dass 
aaf den vorgeschlagenen Waffenstillstand mit Schweden gearbeitet werde, worauf 
a ihnen aber geantwortet bat, der dänische Gesandle Ueug habe ihm gestern 



') Kf erwidert (d. Berlin 24. April/4. Mai 1675), er hoffe, die Vorstellaogen der ' 
Hioister der Alliierten würden den Staat animieren, bei der guten Partei festzuhalten. 
i>u» der Staat die Uediation zwischen Polen und Moskau übernehme, solle ihm 
rwht sein, doch warnt er vor Grafentbal, der, noch immer in schwedisrcheu 
Dienaten stehend, den Charakter von Polen erschlichen habe und jeden&lis, ebenso 
*i« froher in England, nur zu spionieren suche. S. über denselben Basnage I[, 
S.7I1(. 



oyGooi^lc 



208 n. Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

angezeigt, dsss sein König zu einem solchen Waffe DstillBtand bereit sei. Da der 
Prinz bald nach der mit ihnen gehaltenen Conferenz nach Breda abreiste und 
sie an Fagel verwies, so haben sie sich heute zn diesem begeben und ihm 
dasselbe vie dem Prinzen proponiert. Er bat ihnen ungefKhr dieselbe AntDOit 
wie jeuer gegeben und ihnen noch ausführlicher den schlechten Znst&nd der 
staatischen Finanzen auseinandergesetzt. Dem Kf. zu den 60000 Thaleni in 
verhelfen, erklärte er für ganz unm6gUcb, doch erbot er sich, da eo hoch dinm 
gelegen, dass dessen Trappen marschierten, den Juden Cotina zu disponieren, 
auf Abschlag der Snbsidien die noch restierenden 3 Monat Brod- und Fourtge- 
gelder für das Regiment, das im Anfang Torigen Winters zu Haaseyck gestanden 
(etwas Tiber 13000 Rthlr.) zu zahlen. Nach der Abreise des Prinzen w« 
V, d. Tocht bei ihnen, berichtete ihnen, der Prinz hStte in der Versammlang 
der Staaten von Holland') so für das Interesse des Kf. gesprochen, dass ein 
Minister desselben es nicht mit mehr Eifer und ^iachdrack hStte thnn können. 
und er hätte die Gemüther derselben für Kf. sehr wohl portiert gefunden, und 
versprach endlich, sein Bestes zu thun, dass Kf. von den CO 000 Rthr. die von 
den Staaten zu zahlende Hälfte erhalte. 

Mit Fagel haben sie ein Memorial') aufgesetzt und versprochen, w»s 
darin enthalten ist, so viel es ihnen möglich zu befördern. F. hat dasselbe so- 
fort den Staaten von Holland mitgetheilt, es hat diesen grosses Vergnügen ver- 
ursacht, and mau verlangt sehr, dass solches sofort ausgeführt werde, man hofft 
dann den König von Frankreich so lange aufhalten zu können, bis der Henog 
von York, die kaiserliche Armee und die Trnppen der anderen Alliierten ins 
Feld kommen werden .>) 



Vgl. Bas nage H, S. 915, UignatlV, S. 55»f. 

>) S. dasselbe in Urk. u. AcL 111, S. 517 ff. 

") Kf. erwidert (d. Cöln 4./U. Hai 1678), es febte ihm noch mehr an Geld »Is 
dem Staate, sie sollten also darauf dringen, daaa ihm wenigstens die 30000 Thir. 
zu denen v. d. Tocbt Boffnuag gemacht habe, gezablt würden. Das im Haag ge- 
machte Project ratificiert er und giebt den Truppen Befehl, zu marschieren, aucli 
ohne die aus Preussen hermarscbierenden Regimenter werden es tüuftehalbtansend 
Hann sein, v. Spaeo soll dafür sorgen, daas sie mit Lebensmittelo und Fourage yer- 
sehen «erden. 



oyGooi^lc 



Verhandlangen mit FAgel. Resolution des Ef. ui Blupeil. 



Resolutlo vor H. Blaspeil umb daraus an den Printzen von 

Oranien Rapport zu thun. Sign. Cöln an der Spree 

29. Aprü/[9. Mai] 1678.») 

(Conc. 0. V. SchneriD. Lect den 26. April 1678 in consilio prae- 

»Dtibas: S. Chf. D., I. D. der Chnrprintz, Fb. v. Schweria, H. Gladebeck, 

H. Knesebeck, H. Krockau, H. Koppe, H. Blaspiel, H. Meindera.) 

[Noth wendigkeit der Behanplung von ganx Pommern. Zurückweiaang der Beschwerden 
des Primen.] 

Kf. ist sehr bestürzt, dass, wie io dem MemoriBl weitlSufig enthalten, 9- Hai. 
Edles dort ia solchem desperatea Zustande sieb befinde, der Geldmangel 
» gross sei UDd die Alliierten das Werk mit mehr Eifer führen oder man end- 
lich einen Frieden würde schliessen müssen. Et hat seinerseits nichts ver- 
säumt, hat trotz des Kampfes gegen Schweden in allen Campagneu seine 
Alliierten anch an anderen Orten mit Volk unterstützt, versichert anch, sobald 
er die Eroberung von Pommern vollendet haben wird, nach Möglichkeit den 
Krieg lom Besten sämtlicher Alliierten ausführen zu helfen. Er glaubt wohl, 
iass CS dem Staat bei solchem kostbaren Kriege an Mitteln gebreche, aber anch 
seine Lande sind auf das äusserste erschöpft, sonst würde er nicht die geringste 
Importanität in Forderung der Substdicu bisher gebraucht haben. 

' Deber die Frage, ob der Krieg fortzusetzen oder Friede zn suchen sei, 
hann er TorlBufig nicht urtheilen, weil seit Blaspeil's Abreise die Sache 
sich merklich geändert, Frankreich ein Fried ensproject, welches vor dem 
10. Hai angenommen werden müsse, übergeben hat und am englischen Hofe 
and anderen Orten mehr geglaubt wird, dass der Staat lieber solche Conditionen 
eingehen, als den Krieg fortsetzen werde, er wünscht vielmehr von dem Prinzen 
Rath, wie er nebst dem Staat nnd anderen Alliierten aas diesem Kriege nnd 
lu einem sicheren nnd bestindigen Frieden gelangen könne. 

Venn die Schweden auch nur etwas von Pommern behielten, so würden 
er Dnd seine Posterität in steter Unruhe nnd Gefahr bleiben. Um des Staates 
Killen ist er in solche irreparable Feindschaft mit Schweden gerathen, dem Staat 
selbst ist am höchsten daran gelegen, dass er hinfort freie Hfinde habe ihm zu . 
assistieren, er vertraut also, dass der Prinz und der Staat es befördern werden, 
dass er ganz Pommern bekomme. Er seinerseits wird nicht eher an Frieden 
denken, bis der Staat zu dem, was seine Sicherheit erfordert, gelangt sein wird. 

Und weil dieses nicht allein Sr. Chf. D. beständige Intention für 
den Staat ist, beaondern auch aller dero ministrorum consilia, von dem 
ersten bis zn dem geringsten, allamabl beständig dahin gegangen, nnd 



oyGooi^lc 



210 U- BrftDdeDbnrg und die Niederlande 1676-1679. 

noch gehen, Se. Chf. D. auch keinem würden verstattet haben, die so 
hochnöthige Freundschaft zwischen deroselben und dem Staat auch aar 
im geringsten zu kräncken, so werden Se. Hob. leichtlich daraus nr- 
theilen, dass Sie darin von einem oder andern übel berichtet win, 
als wenn jemanda unter Sr. Chf. D. Ruthen wäre, welcher das gute Ver- 
trauen zwischen deroselben und dem Staat zu verstören gedächte, Se. 
Hob. erkennen auch selbst, dass Sr. Churf. D. nicht zu verdenken, diss 
Sie über die Art der Tractirung sich beschweret finden. Nun ist es 
.nichts anders, was dero Vicekantzlern Romswinckeln aufgetragen, Sr. 
Höh. zu proponiren, ohne dass der geringste Vorsatz gewesen, Sr. Höh. 
Ehre, welche Se. Chf. D. allezeit so eiferig als die Ihrige selbst vertreten 
werden, zu beleidigen. Se. Chf. D. hofTen demnach, Se. Hoheit werden 
dergleichen geführte Beschwerungen dergestalt nicht ausdeuten. — 

Was Se. Chf. D. in verschiedenen Punkten damals gesucbet and 
welches das einzige ist, so dero p. Romswinckeln befohlen worden 
zu proponiren , werden Se. Höh. nicht frembd finden , weil Sr. Chf. D. 
Wollfahrt darauf beruhend gewesen, und weil eben bei Notification de^ 
mit Engeland gemachten Friedens von deroselben begehret worden, dem 
Staat 6000 Mann ohne einige Subsidien zu schicken, so haben Se. Chf. D. 
urab so vielmehr gehoffet, der Staat würde auch dagegen solche Ihre 
desideria in Consideration ziehen, und haben Se. Chf. U. wohl den g^ 
ringsten Vorsatz nicht gehabt, Se. Höh. dadurch zu graviren. 

So ist auch vou Seiten Sr. Chf D. ministrorum die geringste DifG- 
cultät bei Aufrichtung der Allianz nicht gemachet, vielmehr aber den 
Staatiscfaen ministro öfters angezeigt worden, dass, weil Se. Chf. D. aus 
sonderbarer B^erde, mit dem Staat in fester Freundschaft zu stehen, 
alle von demselben gemachten dubia überwunden, die Allianz nur vollen- 
zogen und die übrige zur Allianz nicht gehörige Puncto, worüber einige 
Difficultäteu sowohl von selten des Staate als Sr. Chf. D. entstanden, 
bis zu besserer Zeit ausgesetzet werden möchten. Als aber auch von 
ihm darin nicht geheelet werden wollen, besooderu wegen Einräumung 
Schenkenschanz gar starke Instanzien gescbehen, so ist nicht ohne, dass Se- 
Chf. D. zu Erhaltung festen Vertrauens mit den sämtlichen Provinciea 
gerne gesehen hätten, dass auch die Geldrische Compromissaache abge- 
than worden, wie deroselben dann dazu hiebevorn gegen Abstand 
Schenkenschanz gute Vertröstung geschehen, die Hufeisersche Schuld 
auch, als welche man in ao. 1672 von selten des Staats gern gänilich 
zurückgeben wollen, bei weitem das nicht importiret, was Se. Chf. B- 



oyGooi^lc 



ReiolutioD dei Ef. fto BlupelL 211 

ietzo davor nachgegeben, und haben demnach dero ministri bei diesem 
PuDct nichts andres gethan, als was Sr. Chf. D. expresser Befehl ge- 
veseo. 

Kf. aimmt das Erbieten des Prinzen wegen des Geldrischen Compromiases 
mit Dank an, es wird ihm lieb sein, wenn derselbe diese Provinz dahin dis- 
poDierea will, auf billigere Weise als bisher diese Sache mit ihm abzuthnn. 

Wegen üeberlassung der 6000 Mann wird der Prinz schon durch v. Spaen 
mehrere Nachricht erhalten haben. Kf. bleibt bereit, dieselbon zu stellen, ob- 
gleich er ihrer selbst znm höchsten benotbigt ist und dafür andere aufbringen 
muss, wenn ihm nur die nöthigen Mittel zeitig gereicht und er zu Ihrer 
Schickung capabel gemacht wird. 

Wegen des vorgeschlagenen WafFan Stillstandes, der Kreishüife, Bemähung 
beim Bischof von Münster und was dieser Tage mit dea lüneburgisahen 
Gesandten') vorgegangen und wie Kf, eifrig dahin gearbeitet, dass der Staat 
ansehuliche Assistenz erlange, wird Bl. weitläufiger mündliche Relation ab- 
.xtatteu. 



M. Romswincke! an den Kurfürsten. D. Haag 7./17. Mai 1G78. 

[Vorschlag der stsatischen Deputierten vegeu eines WaSenstillstandes.] 

Gestern hat wieder eine Conferenz stattgefunden, in der') die staatischen 17. Mai. 
Deputierten den Ministern der anderen Ällüerten mitgetheilt haben, die fran- 
lüsischen Gesandten in Nimwegen hätten') die gewünschte Verlängerung des 
Termins abgeschlagen, aber sich zum Abschluss eines Waffenstillstandes auch 
bis za Ende des Jahres bereit erklärt. Die Staaten liätten darauf den Ministern 
der anderen Alliierten in Nimwegen den Abschluss eines dreimonatlichen Waffen- 
stilUlandes vorschlagen lassen, dieselben bStten aber erklärt, dazu keine Ordre 
zu haben und in Abwesenheit einiger Gesandten nichts thun zu können. Auf 
Vorschlag des spanischen Gesandten stellten sio daher den hiesigen Gesandten 
der Alliierten zur Erwägung, ob sie bei dem gegenwärtigen gefährlichen Zustande 
einen solchen Waffenstillstand eingehen könnten und wollten. Mit Ausnahme 
des spanischen haben darauf alle Gesandten erklärt, dazu keine Ordre zu haben 
and erst solche einholen zu müssen. Er wie die anderen Minister ist sehr 
perplex, da die Noth kundbar und zu befürchten ist, dass die Itegenten, welche 
lieh quovis modo zu salvieren suchen, plötzlich mit Frankreich Frieden schliessea 



•) S, unten Abschn. V, 
*) S. Putendorf, I. XVI, §24 (S. 1199). 

») S.Sjlviu8 IV, S. 122, Rasnageir, S. 917, Mignet IV, S. 559. Ml. Vgl. 
nolen Abscbn. V. 



oyGooi^lc 



212 II- Br&ndenbui^ und die Niederlande 1676—1679. 

werdeo. Der Prioz vod Oranien ist nicht mehr Heister der Krieg»- und 
FriedeiiBsaclieni). 



Der Kui"fßrst an den Prinzen von Oranien. D. Potsdaq;) 

19./[29. Mai] 1678. 

[Auf ein Schreiben vom 17. Usi. Scbilderuag seiner NothUge, Klagen übet <lit 

Herzoge von Bronnschweig. Bitte, einen einaeitigen Friedenaschluss und ihm Dicli- 

theiligen WsBenatillstaDd zu Terhindem, auf Polen zn «einen OuDSteo eininiiirkcii.] 

ki. Er bedanert, daas die Sachen dort in eo schlechtem Stande sind and dem 

Prinzen alle Dinge bei Ennangelang der nothwendigea Geldmittel so sehirer 
gemacht werden. Solcher Hangel iat bei ihm nn vergleich lieh grösser nnd et 
wird anf die Art nnd Weise nicht ISnger bestehen kSnnen, zamal jetzt, da seine 
Regimenter ins Feld gehen müssen, die braanschweigischen AnziliartrappeD 
anter allerhand unb^ündeten neuen PrStextea die Kriegsoperationen mitan- 
zutreten difficnUieren'), obwohl Kf. dem Herzoge nach MSglichkeit gefügt hat, 
der zwischen ihnen dieser Hälfe halber aafgerichtete Tractat aach an sich selbst 
klar ist und die Jetzt auf die Bahn gebrachten praetentiones damit nichts la 
thun haben. Er bemüht sich zwar bei Münster'), einige Truppen sn solchem 
Behuf za erlangen, zweifelt aber, ob er daiauf beständigen Staat machen bann. 
Er weiss fast nicht, wessen man sich endlich zu dem Hause Braunschweig 
zu versehen, theilt ein inteccipiertes Schreiben Pomponne's mit, welches 
grosses Nachdenken vernrsachen mnss. Er wünscht, dass der Prinz dotch 
seinen Credit und gute Freunde das Werk dort länger im Train halten nnd 
yerhindern m5ge, dass es nicht zu einem so schldllchen, disrepntierltchen, dd- 
sicheren und übereilten Frieden komme, noch auch ein solches armistitiam. 
wie Frankreich verlangt, geschlossen werde. Sollte dort ein VaSensti Ilatand nicht 
zu verhindern sein, so bittet er den Prinzen, wenigstens zu verhüten, dass dieses die 

■) Roms«, berichtet am 14./24. und 1 8-/38. Hai I67S über die beiden am 31. 
und 24. Mai abgehaltenen Conferenzcn, auf deren ersterer die slaatischen Deputitrltn 
von dem Schreiben Ludwig XIV. an die Generals taaten (vom 18. Mai} Uittheilnn; 
gemacht und Annahme des dort vorgeschlagenen Waffenstillstandes gefordert, uf 
der letzteren Anzeige von der beabsichtigten Sendung Beveming's zum Eünij:« 
von Frankreich gemacht bitten, in welche auch die Gesandten der anderen Alliierleu 
unter der Voraussetzung, dass nur die Beförderung des Waffenstillstandes Zneck 
derselben sein und der Staat sich nicht von seinen Alliierten trennen aolle, einge- 
willigt bitten. Vgl. über diese Vorginge Srlvius IV, S. ISTf., Basnags II. 
S. 920f., Mignet IV, S. 563ff. Ef. in seiner Antnorl rom 35. Mai/4. Juni 1618 
ED issbilligt jene Sendung. 

*) S. unten Abschn, V. 

>) S. ebendaselbst. 



oyGooi^lc 



VerhaDdlungan mit dem Prinzen von Oraalen. 213 

Dordischen Kriegsopenttionoa nicht hindere, noch aach Frankreich oder sonst je- 
mand lugelusen werde, Schweden za asabtieren. Wegen des übrigen Inhalts des 
Schreibens des Prinzen bezieht er sich auf das, was er Blaspeil mündlich 
ibm ZQ hiDterbriDgen befohlen. Er wünscht endlich, dass die aus Polen seinea 
prenssischen Landen drohende Gefahr . durch des Prinzen und des Staats 
Coopeiatioo verBchwinden mö^, dann wird er dort nicht so viel Truppen 
brauchen, sondern ihm mit 2 B^;imentem z. Pf. und einem Regiment Dragoner 
assistieren können. 



W. Blaspeil und M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. s' Graven- 
hage 21./31. Mai 1678.') 

[Eröffnoogen des Primen Ton Oranien. Bitle um Resolution. Ihr vorllafig beab- 
sichtigtes Verfahren.] 

Sie haben vorgestern bei dem Prinzen von Oranien Audienz gehabt und 81. Hai. 
demselben, was Kf. ihnen anbefohlen, vorgetragen. Der Prinz zeigte sich mit 
der ganzen Conduite des Kf. sehr zufrieden, erbot sich, nach Müglichkeit zn 
dessen Satisfaction zo contribuieren, und versicherte, dass der Staat nnd er selbst 
sich aaf das Snsserste bemühen würden, ihm seine Conqnesten maintenieren zn 
helfen. Die übrigen publica anbetreffend sagte er, von England') sei nun 
nirhts Gutes mehr zu hoffen, der K5nig hStte dem hoUändlBchen Gesandten zu 
venlehen gegeben, dass der Staat seine Sachen mit Frankreich, so gut er könnte, 
abtban möchte, er führte dann einige Ursachen an, warum man zur Ahschickung') 
zum Könige von Frankreich hätte resolvieron müssen, behauptete aber, das 
würde die Fortsetzung des Krieges nicht hindern, wenn man sonst nur Mittel 
nnd Ve^ finde, denselben ordentlich zu führen, nnd Beverning würde die 
Commission schon so ansrichten, dass die Alliierten keine Befugnis sich zu 
beklagen haben würden. Auf ihre Bitte, ihnen seine Sentimente über das ganze 
Hauptwerk wegen des Krieges nnd Friedens mitzutheilen, erklärte er sich daza 
bereit und sagte, er sei allerdings überzeugt, dass man von Frankreich jetzt 
keinen guten Frieden erhalten würde, er bemühte sich anch, das Werk, so lange 
er nar könnte, stehend zn halten, hätte anch, obwohl man in Holland, nament- 
lich in Amsterdam sehr nach Frieden schreie, durch seine Remonstrationen 
liemllch viel erreicht und die meisten holländischen Städte auf seine Seite ge- 
bischt, das Hauptwerk kirne aber nicht allein darauf an, wie jetzt die Gemüther 
blerim Lande lägen, sondern zwei andere Dinge machten dasselbe weit schwerer, 
erstens dass von England nichts zu hoffen sei, nnd zweitens, dass anch 

■) 8.Pnfendorf 1. XVI §25 (S. 1200). 

>) S. Hignel IV, S. 568(F., Ranke, Englische Geschichte V, 8. 63. 

>) S. oben S. 212, 



oyGooi^lc 



214 II- BrandeBburg und die Niederlwde 1676—1679. 

Spanien gnnz die Hand abzöge. Wenn diese beiden, oder auch nur «ner sich 
ordentlich angreifen wollte, brauchte man noch keinen Frieden mit FnnkRicli 
einzugehen, so aber, zumal ans der Kriegsverfassnng im westfölischen oni 
niederrheicischen Kreise nichts geworden sei und die anderen Aliiiertea iautt 
dem Kf. das Werk nur immer schwerer machten, sei es fast anmöglich, der 
französischen Macht zu widerstehen und der vor Augen schwebenden Gefatii 
zu entgehen. Daher sei ein Friede mit Frankreich, wenn er gleich schindlicb 
und rninos wäre, doch das nSchste nnd leidlichste Mittel, sich einigennasstD 
zu retten, und wenn er auch dazu nicht rathen könnte und wollte, fo sehe er 
doch, dass es diesen Weg hinaus wollte, und er besorgte, doss, wenn man es 
gar zu sehr hindern würde, Frankreich anderes Sinnes werden nnd seine Fortuni 
weiter poussieren werde, nnd dass man so durch unzeitiges Widerstreben nur 
erreichen würde, dass hier die Gemüther erbittert würden und Frankreich sich 
auch zum Meister des Restes der Niederlande machte. Um von der Sache 
gründlich za urtheilen, mnsste man zunächst abwarten, was für einen Ansschia^ 
Beverning's Verrichtung gewinnen würde'). 

Sie beabsichtigen daher, in Erwartung fernerer Befehle des Kf., dahin lu 
wirken, dass Kf. freie Hände behalte, seine Sachen nebst Dänemark cnd dasigea 
Alliierten gegen Schweden vollends ausznführen, dass Frankreich ihn damit be- 
gehen lasse nnd den Schweden über die bisherigen Subsidien keine weitere 
Assistenz leiste, und dass des Kf. clevische Lande inzwischen von französiseben 
Angriffen und Esactionen befreit and etwa in die Barriere mit einbegriffes 
werden. Sollte Frankreich, wie fast zu vermutben ist, sich dazu nicht ver- 
stehen wollen, sondern zugleich den nordischen Frieden urgieren, dann dürft: 
uöthig sein, dass wenigstens Blaspeil, dem das Friedens negotium anvertrsul 
ist, eigentlich wüsste, was des Kf, endliche und äusserste Meinung des Friedens 
wegen sei, oder dass er v. Crockow oder sonst, jemand seine Meinung an- 
vertraue. Sie werden die hiesigen Verhandlungen möglichst aufzuhalten suchen, 
damit Kf. desto mehr Zeit zur Ueberlegung behalte, und sich bemühen, den 
Staat auf seiner Seite zu halten, der unter den Alliierten am anfrichtigsten ihm 
seine pommerschen Conquesten zu giinnen scheint. Sie meinen daher auch, ätsf. 
wenn man sehen sollte, dass Frankreich wirklich die alte Freundschaft mit dem 
Staat erneuern und den Frieden zugleich mit Schweden gemacht wissen wollte, 
Kf. nicht besser thun könnte, als sein Interesse wegen der pommerschen Con- 
questen durch den Staat hei Frankreich zu treiben und darum den Staat dwl« 
mehr zu menagieren. Darauf werden dann auch die Minister, durch welche 
Kf. mit Dänemark, Münster und den brannschweigischen Fürsten »"ird 
verhandeln lassen, zu reflectieren und sich mit dem Scblnas solcher Handlanger 
nicht zu übereilen haben. 

■) S. den Bericht BUspeil's vom 7. Juni 1678 unten Absctio. V. 



oyGooi^lc 



Beveraing's Sendung lum König Ton Prsokreicb. 



M. Roinswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 

28. Mai/7. Juni 1678. 

[Bescheid des Königs TOn Frankreich an Beverning. Erklärung Hollands, den Krieg 

nicht fortsetzen zu können.] 

Sonnabend haben dio st&atiscben Deputierten den Hinistern der anderen 7. Juni 
Alliierten die schriftliche Btklärong, welche der König von Frankreich') 
Beverning gegeben, mitgetheilt und angezeigt, dass dieselbe an alle Provinzen 
geschickt sei, die ihre Resolutionen darauf rechtzeitig zur Generalität ein- 
bringen sollten- Die Minister haben darauf verlangt, dass der Staat sich in 
einer so nichtigen Sache nicht praecipitiere , der spanische Gesandte und er 
haben darauf hingewiesen, wie ruinös die Bestimmungen über den Waffenstill- 
stand v&reu, die Deputierten haben übemommeR, dem Staat davon Rapport zu 
thnn, aber erklärt, derselbe hätte nicht die Mittel, den Krieg fortzusetzen, von 
Kngland sei nichts zu hoffen, Spanien könnte seine noch übrigen Städte nicht 
vertbeidigen, die anderen Alliierten würden selbst wissen, ob sie dem König 
von Frankreich das Haupt bieten konnten, Beverning hätte in betreff des Waffen- 
stillstandes keine bessere Erklärung erhalten können und der Staat würde mit 
deo Alliierten gegen zu besorgende invasiones alle mögliche Vorsehung tbun.>) 



Der Kurfflrst an Blaspeil und ßomswinckel. D. Cöln 
29. Mai/[8. Juni] 1679. (Conc. v. Crockow.). 

[Auf die Relation vom 3I./3I. Hai. Hoffnung, dass es zu keinem Separatfrieden 
kommen «erde. Festhalten an seinen Forderangea.] 

— Wir stellen zuforderat an seinen Ort, wollen auch nicht appro- 6 
fondiren, woher der Ursprung des gegenwärtigen betrübten Zustands 
kommet und woran es haftet, dass weder der Krieg glücklich geführet, 
noch anch die Conjuuction der Cron Engelland erfolget, wir haben je- 
doch, wie Euch wohl bekannt, längst besorget, dass es auf solche Ex- 
tremitäten nod auf particular-Tractaten hinausschlagen würde. All- 
dieweil aber man uns, wie Euch ebenmässig bewusst, ein weit auders 
contestiret und versichert, haben wir darans eine bessere Hoffnung ge- 

>) S. Actes et memoires II, S. 3öb«., Sylvius IV, S. 129f., Basnage II, 
S. 92If., HiguetIV, S. 5S3ff. 

*) S. das Protokoll einer neuen am 17. Juni im Haag geballenen Couferenz 
Drk. Q. Act. lil, S. 527£f. 



oyGooi^lc 



216 II- Brandenburg and die Niederlande 1676—1679. 

schöpfet, wie wir dann auch noch der ZuTersiclit sein, unsre Allürten 
werdeo sowohl die aufgerichtete foedera als auch ihre eigeoe Reputation 
und luteresse in Obacht habeo und keine einseitige Tractate, weniger 
einen praejudioirlichen particular-Fiieden eingehen wollen. Wag sonsten 
unsre Willensm einung wegen unsers dabei habenden Interesses betriEFt, 
halten wir unnötig, Euch desfalls anderweitige und weitere Instruction 
zu ertheileo, inmassen Euch gougsam bekannt ist, worin unsres Kstats 
Sicherheit bestehet. Wir werden uns wegen unsrer rechtmässigen Satis- 
factioD allerdings an den Staat halten und hoffen festiglich, derselbe werde 
seinen Öfters wiederholeten Contestationen zufolge uns zu unsrer Satis- 
faction, welche er allemal vor billig erkannt, auch wfirklich verhelfen 
und ohne dieselbe keinen frieden eingehen, wir werden an unserm Ort 
in Sachen, die das gemeine Interesse betreffen, keine neue foedera ohne 
des Staats Vorwissen und Einwilligung machen, dessen Ihr an gehörigea 
Orten gnugsame Versicherung geben könnet, daas wir aber mit deo- 
jenigen Alliirten, mit welchen wir bereits verbunden, dem gemeinen 
Wesen zum besten und zu Erreichung desjenigen, woran allen Alliirten 
und dem Staat selber gelegen, nach Beschaffenheit der Zeiten eine nad 
andere mesures nehmen, solches erfordern die aufgerichtete foedera and 
die Natur aller Societäten und kann uns dahero von dem Staat auf 
keinerlei Weise verdacht werden , wenn wir auch durch andre Mitalliirta 
dasjenige suchen, welches uns der Staat gerne gönnet. — 



Der Kurfürst an Romswinckel. D. Cöln 11./21. Juni 1678. 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[Bereitwilligkeit, mit Holland ziuammen Frieden tu sebliessen.] 

21. Juni. Da er fürchtet, der Staat werde auf seine Äbmahnangsschretben ') wenij 

Reflexion machen, so soll R. erklfiren, Rf. besolde zwar, dass der Staat dereiDsl 
den Friede nsscbluss bereuen werde, er wolle demselben aber damntec 
nicht en^egen sein, sei vielmehr entgchlosaen, mit demselben zusanuaeii 
den Frieden za embrassieren, er hoffe, auch die anderen Alliierten dun 

') S. die Schreiben des Ef. an die Gen. Staaten lom 5./1&. Hai und 4./14. Juni 
und das an den Prinzen von Oranien von letzterem Datum Urk. o. Act III. 
S. 519 ff. 



oyGooi^lc 



Anerbieten das Kf. xu gemeinich»ftlich«iii FfiedeoMchlugs. 217 

XU disponiereo. Er ersache daher den Staat'), sich damit nicht so sehr za Qber- 
cileo, sondern den Schlass nach Nimvegen za remittitreii , daniit er zugleich 
mit ihnen diesen Tractat schlieisen müge. Sie seien daza nicht nnr durch die 
foedera verpflichtet, sondern auch ihr eigenes Interesse erfordere es, da. wenn 
a mit Frankreich im Kriege bleiben sollte, der Staat wegen der clevischen 
Lande leicbt in ebensolche Gefahr gerathen kOnnte, wie sie in Flandern besorg;! 
haben.') 



Prinz Wilhelm von Oranien an den Kurfllreten. D. la Haye 
24. Juni 1678.*) 

[Auf das Schreiben vom H. Juni. Der Friedensscblass ist anTermeidlich, anch er muss 
sicli fügen. Uassregeln zur Sicherung Gleves. Ratb, sich mit Frankreich lu Ter- 

stindigen.] 

La lettre qu'il a plea a V. A. E. de m'escrire dn 14 de ce24. JunL 
mois') m'a este reodue par le S''' de Blaeapeyl le 22. tout en mesme 
temps comme j'allois me rendre ä rAsaemblöe de M"* Ics Estats de 
Uollaode qui alloysnt alors mettre la demiere main a la resolutioD pour 
la Paix avec la France que deaja ils avoyent arrestee eotre enx. L'estat 
des affaires taot dedans que debors le Pays et particnlierement l'envie 
generale d'eetre decharge des fraix de la guerre ont cause les dispositions 
qui ont prodnit cet efFet, et je ne puls celer a V. A. E. que presente- 
ment l'afTaire est reduite eo de tels termes qu'it n'y a plus de remede 
a esperer. J'anrois fort soubaitte d'avoir ea coonoissaDce plustot des 
offres compriaea dans lad. lettre de V. A. E. pour les faire valoir d'avan- 
tage, que je ne suis capable de faire presentement, mais pour ce qui est 

■) S.<]u Schreiben des Kf. an die Qen. Stoateu Tom 14./24. Juni 1678 (Utk. 
u. Act. III, S.533). Vgl. Pufendort 1. XVI, §31,34, S. 1204, 120G. 

*} Kf. schreibt an Romsw. 15./25. Juni ICTS, die Sicherheit seiner clevischen 
Lude könnte fSglicb bei den Tractaten zu Nimsegen, itils der Staat auf sein 
neuliches Ansuchen, dort nicht eher als mit ihm zugleich den Priedsn zu schliessen, 
eingeben sollte, abgehandeit werden. Sollte der Staat sieb aber dazu nicht ver. 
sieben wollen, so eoU er darauf dringen, dass wenigstens bei dem Frieden auabe- 
daDgen werde, dass Frankreich seine clevischen und westfölischen Lande nicht 
feindlieb übereieben solle und der Staat die Garantie dafür öbernehme. Da er jetzt 
im Bagriff stehe, die Operationen gegen Schweden in Pommern fortzusetzen, so sei 
ihm aab höchste daran gelegen, Qewissbeit ni haben, ob er dort freie Binde be- 
ll alten könne. 

1} S. Pufendorf LZVI, $33 (S. 1306). 

*) S. Urk. u. Act III, S.äSlS. 



oyGooi^lc 



218 II- BnmdeDburg aud die Niederlande 1676—1679. 

d'en menager le contenu, eile peut s'aaseurer qua je le feray avec tout 
le 8oin qu'elle pourra desJrer. Pour mon particnlier, je U prie de 
tiouver bon que je luy dise, que voyant les alTaires rednites en Ul 
ealat qu'il falloit la Paii eD toute maniere et d'une necesahe ce sembloit 
abitolue, je o'ay pu m'y oppoaer et me suis trouve oblige de me laUser 
aller au torrent qui entraianoit tout a cette resolutioo, laquelle pourtaot 
j'ay conaideree comme moins mauvaise que la declaratiou demandüe 
d'une cessatioQ d'armes de six semaines, laquelle dans Jea conditions y 
attachocs deuoit estre asseurement tres prejudiciable aus Allies, la oii 
preaentemeot l'Estat leur demeure eog^e et dans les mesmes obligatiooä 
a leur egard. Je vous prie au reate Monsieur de considerer que par 
cette affaire en mon particulier je soulfre plus que persotiDe, ue croyant 
pas d'estre compris dans le Traitte ny remis dans mes biena, biea 
moins dedommage de tontes les pertea que m'a causäes la presente 
guerre. V. A. E. doibt ausai s'aaseurer que je n'ay paa manque de re- 
presenter a l'Katat quand il estoit tempa les inconvenienta qui pouvoyent 
naistre d'une Paix faite de teile maniere et particulieremeat les obli- 
gationa qu'il auoit a V. A. E. lesquelles j'espere deuoir estre encore re- 
connues deuement voyant a l'Estat une entiere diaposition pour ceta. Je 
diray encore a V. A. E. que Ion a fait tout ce qui a este possible pour 
sauver le Pays de- Cieve et pour le faire comprendre dans le Trutte 
de Paix, mais il faudra attendre ce qne la France voudra resoudre sdi 
ce point. Si eile refuae de le faire je tascheray d'y envoyer du monde 
pour sa conservation. Le plua aeur a mon opinion seroit que V. Ä. E. 
pHSt accorder avec la France de teile maniere que cela n'intereasast pts 
ses alfairea dana la Pomeranie aana que pourtant je puiase asseurer si 
la France voudra y condescendre. — 



W. Blaspeil und M. Romswinckel an den Kurfärsten. D. s' Grafen- 
haag 14./24. Juni 1678. 
[Hollands Entschiusa, den Frieden abwusch liesaen. Beabsichtigte Muiregeln tu 
Sicherang CleTes.] 

34. Juni. Mittvoch den 13./23. haben') erst die Staaten toq Holland nnd demaicbt 

die Generalstaaten collegialiter resolviert, den Frieden, so wie itin der König 

>) 8. Sjliius IV, S. 130, Basnage II, S.923, Mignet IV, S. &B5. DiS 
Schreiben der Qen. Staaten an den König von Frankreich vom 22. Juni 1678 iai »htt- 



oyGooi^lc 



Beschluss Uoll&Dds, den Frieden zn scbtiesseD. 219 

von Frankreich angeboten, anzunehmen, an den EQnig ein Antwortschreiben 
dieses Inballs abgehen za lassen und ihren Gesandten in Nioiwegen aufzugeben, 
den Frieden mit den franzosisclien Gesandten daselbst noch vor dem 20./30 zu 
vollziehen. Die Berallinngen haben 3 Tage gedauert nnd der Punkt wegen der 
clevischen Lande, welche ihrer Meinung nach ihnen zur barriere dienen und 
wenigstens neutral sein müssten, hat den meisten Aufenthalt gegeben, doch hat 
die Provinz Holland nicht zageben wollen, auch nur eine einzige Bedingung in 
dem Schreiben an den K&nig zu annectieren, und man hat endlich beschlossen, 
den staatiscben Gesandten zu Nimwegen aufzutragen, diese Sache dort mit den 
französischen zu behandeln und zugleich ihr (Bl. n. R.'s) Sentiment darüber zu 
vernehmen, ob der Staat deswegen ein apartes Schreiben an den König richten 
sollte. Nach Verabredung mit Blaspeil hat R. sich zu der deswegen an- 
gesetzten Conferenz begeben, den staatischen Deputierten aber erklärt, er hätte 
nur Ordre, bei allen Begebenheiten anzuhalten, dass die Tractaten observiert 
wurden, und verlangt, der Staat sollte den Frieden in Nimwegen de concert mit 
Kf. schliessen. Er hat zugleich an die Artikel 14 und S4 der Allianz erinnert 
und endlich erklärt, wegen des Schreibens an den Eonig könnte er sich nicht 
herauslassen. Es soll darauf nach langen Debatten von den Staaten beschlossen 
sein '), ihre Gesandten in Nimwegen sollten die französischen zu disponieren 
suchen, der cleviscben Lande halber an den König in bester Form zu schreiben. 
Aach der Herzog von Villa Uermosa und de Lira') drängen auf Ab- 
scblass des Friedens. Alle Wohlinteutionierten meinen, dasa festes Zusammen- 
halten der übrigen Alliierten das einzige Mittel sei, um den Eönig von Frank- 
reich von der nniversalen Monarchie ab- nnd zurückzuhalten. Dass Kl, Däne- 
mark, Münster und Braunschweig fest bleiben werden, daran zweifelt 
niemand, vornehmlich aber durfte es auf den Kaiser und was man zu Regens- 
burg auf dem Reichstage wegen Defension des Reichs beschliessen wird, an- 
kommen. 

M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. a' Grafenhage 

23. Juni/S. Juli 1678. 

[Wirkung der französischen Erklärung negen der Räumung der zurückzugebenden 
PlStze.] 

Die letzten Berichte der Gesandten des Staats, der König von Frank- 3. Juli. 
reich wolle*) nicht eher die Plätze ao Spanien und den Staat evacuieren, den 



druckt in Actes et memoires IT, S. 418f. und bei S^Ivius IV, S. 131. Vgl. 
unten Abschn. V. 

■] S. die Resolution der Gen. Staaten vom 33. Juni 1678 (Urk. u. Act. III, 
S. 533). 

») S. Mignet IV, S. 586f. 

*) S. Temple's Memoiren (Works II. S. 440f.), SylviusIV, S. 135, Bas- 
n«ge II, S.925, Pufendorf 1, XVI, §36 S. 1259, Mignet IV, S.öaOff., Ranke V, 
S. G4. Vgl. unten Abschn. V. 



oyGooi^lc 

A 



220 11- Brandeaburg und di« Niederlande 1676—1679. 

EiDgesesseDeo des Staats freie Schiffahrt nod Handel gestetteh und in die Nea- 
tralit&t für die cleviscben Lande einwilligen, bevor an Schweden alles bis am 
geringsten eingeräumt sei, bat hier üheraus grosse Alteration verarsacbi Viele 
Regenten würden wohl lesolviert sein, lieber alles, was die Republik noch bat, 
za wagen, als den Frieden so, wie der König von Frankreich es will, zd 
scblieasen, wenn aher England nicht hinzatritt, womm der Prinz tod Oranien 
sich eifrig bemäht, ist wenig Apparenz, dass die, welche so anf den Frieden 
dringen, namentlich Amsterdam und Leyden, solche cordate Resolntion nehmen 
sollten i). 



Der Kurfßrgt an den Prinzen von Oranien. D. Cöln 
25. Juni/ 5. Juli 1678. 

[Auf das Schreiben Tom 24. Juni. Bereits illiekeit zur Verst&ndigung mit Frank- 

Dank dafür, dass der Prinz sich sein Interesse hat so angelegen sein lassen. 

Dass aonst Ew. Ld. gefalteo, mir in besagetem Dero Schreiben ein- 
zurathen, ich möchte sehen mich mit Franckreich best-möglichst in 
vergleichen, daran habe schon einigermassen einen Anfang gemachet, 
geetalt ich dann nicht alleine, wie Ew. Ld. wissend, durch meinen 
p. Komswinckel ölTeDtUch in dem Haag sothanes mein Vorhaben und 
wie ich entschlossen, zugleich nebst dem Staat mit Franckretch zo 
tractiren und zu achliessen, declariren lassen'), besondern ich schicke 
sogleich meinen Geheimblen Rath Frantz Meinders') unter dem Prae- 
toxt, sich der Brunnencur zue Aachen zu gebrauchen, nach Nimwegen, 
mit ordre, daferne es noth tbuet, auch weiter und gar nach Franck- 
reich zu gehen, umb zu sehen, ob und was etwa fruchtbarliches hä 
Franckreich ausgerichtet werden könne. 

Bitte, dieses sein Vorhaben zn secandieren. 

') R. meldet am 35. Juni/5. Juli, die Staaten von Holland bitten einmüthig 
beschlossen (s. Urli. u. Act. [II, 8. 534), auf Räumung der von Frankreich tnrnck' 
zugebenden Städte zu bestehen und nicbt zuzugeben, dssa dieselbe an dem Frieden 
mit Schweden accrochiert werde, die meisten ProTinzen blieben auch fest dabei, 
dass die Neutralii&t der cleviscben Lande ausbedungen werden müsse, es sei aber 
noch ungewiss, ob und wie weit sie damit durchdringen und weichen Ausschlag du 
gauze Friedenswerk gewinnen werde. 

*) S. Urk. u. Act. III. S. 533. 

") S. unten Abscbn. VI. 



oyGooi^lc 



AnknäpfuDf von Unterhandlungen mit Frankreich. Truppensendung. 221 



Der Kurftlrst an den Prinzen von Oranien. D. Stettin 
4./14. Juli 1678. 

[iuf lin Handschreiben vom 4. Juli. Dank för die erwirkte Resolution. Truppen- 
sendung nach dem Rhein.] 

Dank, dass der Prinz die Resolatlon') za Wege gebracht, dass lieber der 14. Juli. 
Friede zurückgehen als die Evacaation der von Frankreich occuplerten Orte auf 
die Restitution von Schweden conditioniert werden solle. Er hofft, der Staat 
wird endlich sein wahrhaftes Interesse begreifen und erkennen, dass Frankreich 
ibn nur von seinen Alliierten trennen will, um nachher nach BeliebeD mit ihm 
iD verfahren. 

Die begehrte Schickgeg seiner Truppen nach dem Rhein betreffend, ist ein 
Regiment zu Pf. und ein Begiment Dragoner schon in vollem Marsch, nm zu 
den Truppen t. Spaen's zn stossen, Ef. hat ausserdem noch zwei Regimenter 
zu Ff., zwei Regimenter zu F. nnd ein Regiment Dragoner dorthin beordert'). 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 9./I9. Juli 1678. 

[HitiheiluDgen Fagel's über die Bundnissverhand langen mit England und über die 
Ton den Alliierten zu leistende Hälfe.] 

Fagel hat ihm mitgetbeilt, die hauptsächlichsten Punkte, woraof der 19. Juli. 
KGnig Ton England eine Offensivallianz ') mit diesem Staat aafzurichten ent- 
schlossen sei nnd welche er demselben durch Temple habe vorstellen lassen, 
seien: 1) der im Januar aufgerichtete Tractat solle zum Fundament gesetzt, 
2) lu Fortsetzung des Krieges gegen Frankreich in den spanischen Niederlanden 
solle England von den Troppen Vs, der Staat '/„ *on der Armatur zur See 
England '/ii der Staat '/> hergeben. Wenn Temple zd Lande wie zu Wasser 
für England hätte Vt annehmen wollen, hSrt er, würden die Deputierten des 
Staats darauf einen provisionalen Schlass gemacht haben, so aber sind die, 

>} S- oben S. 220. 

*} An Romsw, hatte Kf. schon am 3./13. Juli ton Schwedt aus geschrieben, 
er solle dem Staat für seine tapfere Resolulioo danken und ihn ersuchen, dabei zu 
beharren. Gleich auf die Kunde davon habe er Befebl ertheilt, dass noch 2 Regj- 
meiiler z. Pf., 2 z. Fuss und eines Dragoner dorthin marschieren sollten, ein anderes 
t. Pf. and eines Dragoner eeien schon in vollem Marsch. Sollte sich der Friede 
lerschlagen, so sollten ca. $000 Mann seiner Truppen am Rhein und der Haass sich 
vrsammetn, er sei bereit, «enn der Staat beständig bei ihm halten volle, alles, was 
er noch habe, für denselben zuzusetzen. 

>) Vgl. Temple's Uemoiren (Works II, S.UOff.}, Sjlvius IV, S. 141, 
B»sn«geir, S. 92G, Hignet IV, S. 598 ff., Ranke, Englische Geschichte V, S. 65. 



oyGooi^lc 



222 II- BrendeDburg und die Niederluide 1676—1679. 

welche soviel von England erwartet haben, surpeniert, dass T. darauf beGteht, niMi 
noch mehr Befremden erregt, dass derselbe contestiert hat, sein ESoig würde 
viel lieber den Frieden als den Krieg, wcdu der punctas evacuationia zu aller- 
seits Genngen gefunden werden könnte, fortgesetzt sehen. Unter solchen Um- 
Et&nden, hat Fagel ihm im Vertrauen mitgetheilt, müssten die Minister der 
Alliierten den Staat durch ein Memorial veraichern, dass Kf. 6000, Münster 
SOOO, Ffalz-Neuburg und Paderborn 5000, Celle nnd Wolffenbüttel 
9000 Mann zum Kriege gegen Frankreich schicken nnd unterhalten wollten, 
sonst seile er kein Uittel, die Staaten von Holland zu Schliessung der Alliuii 
und Fortsetzung des Krieges zu disponieren. 

Man hofft hier, Kf. werde, wenn der Krieg wieder angehen sollte, selbst 
mit einer guten Annee nach den Niederlanden kommen, um de concert mit 
dem Prinzen von Oranien gegen Frankreich zu agieren. 



Der Kurfürst an den Prinzen von Oranien. D. Änklaiu 

11./21. Juli 1678. 
[Auf ein Handscbreiben vom 1 1. Juli. Truppen Sendung nach dem Rhein. 
Bemühungen bei seinen Verbändelen. Das Uuternebmen gegen Rügen]. 

21. Juli. Er hofft, der Prinz werde die letztgefasste Resoluüon des Staats zn affermieren 

suchen nnd besonders die Ruptur in England befördern. 

Was die von ihm begehrte Assistenz anbetrifft, so hat er alle seine in 
Preussen gestandenen Regimenter') nach dem Rhein zu marschieren beordert 
welche nebst den vorigten ein Corpo von 9—10000 Mann ausmachen werden. 
Ausserdem hat er gewilligt'), dass 1000 Mann, welche der Bischof von Münster, 
und .1000, welche der Kijnig von Dänemark ihm ei foedere nach Pommern 
zu Uülfe zu schicken hätten, nach dem Rhein und der Maas geschickt werden 
mögen. Die Herzoge von Lünebarg werden hoffentlich auch eine gate An- 
zahl schicken, weil sie zn dieser Campagne in Pommern nur 3000 z. F. nnd 
500 Pferde stellen. Kr selbst ist') jetzt mit dem König von Dänemark wegen 
einer vorhabenden Attaque auf R üge n gar zu weit impegoiert und kann nicht zurück- 
gehen, wenn aber die Eroberung geglückt sein wird, wird er nicht nur noch mehr 
Mannschaft nach dem Rhein und der Maas schicken können, sondern womüglich 
sich selbst dahin begeben. In betreff des Commandos seiner Truppen wünscht 
er, dass dieselben bis zu seiner Ankunft unter dem Prinzen stehen mögen. 

■) S. Hirsch, Der Winterteldzug in Preussen S. 37, 

=) S. unten Abschn. V. 

^ S. oben S. 42 ff. und unten Abschn. III. Kf. schreibt 36. Juli/7. Augnit 1678 ann 
Wolgast dem Prinzen, er stehe schon über 14 Tage hier mit seiner Armee und 
warte mit hüchslem Verlangen auf die Ankunft der dänischen Schiffe, um die 



oyGooi^lc 



Bevorstehender PriedeDsscbluss Uollands. 223 

M. Roinswinckel an den Kui-fÖrsten. D. Hage 
30. Juli/9. August 1678. 

[Uniuverläaaigkeil des Königi tod England. Bevortteh ender Friede Dsschtusa. Sorge 
nm die cleTischen Luide.] 

Diejenigen, welche aaf den König von Englnnd gehofft haben, sind sehr ^- Ang. 
snrpreniert nnd bestürzt worden dnrch die Nachricht, dasa derselbe') Temple 
fiefebl ertheilt hat, sich von hier nach Nimwegen za begeben und zu bemöhen, 
dus die EvacuatioD französischer- and schwedischerscils nicht länger difficuliiert 
nnd der Friede mit Spanien nnd diesem Staat zum Schluas gebracht werde, 
woraus jedermann schliesst, daas es dem König von England mit der Knptnr 
and der Allianz mit diesem Staat kein rechter Ernst sei. Daranf ist von Nim- 
wegen das von den französischen den staatischen Gesandten Qbergebene Me- 
morial') eingelaufen, worin diese declarieren, ihr König bestehe zufolge der 
schwedischen Erklärung nicht auf der Retentioa der PIStze bis zu gBnzlichet 
Contentiernng Schwedens. Dadarch bt die Sache wieder in einen ganz 
anderen Stand gentthen nnd man sieht nicht, wie der Abschlass des Friedens 
zwischen Frankreich nnd dem Staat länger aufzuhalten sei. Bas einzige, was 
letzteren peiplec macht, ist das Interesse des Ef. nnd die Securitfit seines 
clcvbchcn Landes. Aber auf seine Frage, was sie dafür thnn wollen, bat er 
noch keine andere Antwort erhalten, als sie wollten thun, was in ihrem Ver- 
mögen wäre. Das einzige, wovon noch was Gutes zu hoffen, wäre, wenn der 
Prinz von Oranien durch eine glückliche Battaille wider den Herzog von 
Laxembnrg Hons entsetzen und Meister im Felde werden mi^e.') 

Attaijue auf Rügen vorzunefamen. Bei glücklichem Erfolge «erde er noch ein 
ziemliches Corpo wider Frankreich entweder ielbat anführen oder schicken künuen. 
Von ebcndorther ersucht er I,/Il< Auguet den Prinzen, dem Admiral Tramp, der 
zu ihm gekommen sei und dessen Rates und Hilfe er sich bei dem beabsichtigten 
Unteraebmen lu bedienen wünsche, zu gestalten, sich noch eine Zeil lang bei ihm 
aufzuhalten. 

I) S. Templo's Memoiren (Works II, S. 445f.), Ranke V, S. GGf. 

*) S. dieses Hemoire vom 6. August 1678 in Actes et Uemoirss 11, S. 501 
und Sylvias IV, S. 143. Vgl. H>gn«t IV, 8.608fr. 

*) Am 3./13. Angoat meldet er den am 10. erfolgten Abschluss des Friedens. 
S. darüber Sjlvius IV, S. 144, Basnage II, S. 930ff., Hignet IV, S. GlStf. 



oyGooi^lc 



224 1[. Brand«Dburg and die Ijicderlande 1676—1679. 

Der KurfÖrst an den Prinzen von Oranien. D. Wolgast 
15./25. August 1.678. 

[Glnckwunsch zd dem Siege bei Hons. Bitte, dahin zu wirken, desi der Fritde 
nicht ratificiert werde.] 

. Aug. Durch Bisspeil bat er Nachricht vom dam Siege bei Hons') erhilten, 

er gratuliert dem Priuzen dazu, hofft, Gott werde dessen Waffen feroec u 
segDen, damit ein so scbänd- und sch&dliclier Friede, wie man denselben n 
Nimwegen bat schliessen wollen, nicht ratificiert werde. Er öbeisendet atin 
deswegen an den Staat gerichtetes Schreiben '), er ist versichert, dass der Prini 
dergleichen nnerh5rte Procedoren, welche der Staat gegen ihn (Kf.) en paifi- 
culier b&It, nimmermehr billigen werde.*) 



1) Die Schlacht bei Mona vom 14. August 16T8, b. Sylvius IV, S. 144fl^ 
Baanagell, S. 939 ff., UignatIV, S. 626 f. Der Prinz achreibt an Kf. (d. Honslui- 
dyck 3. September 167B)i Je n'sy point informj V. A. E. de ce qoi s'eat puie i 
l'affaire prei de Moni paia que H. le Baron de Spaen l'en estoit Charge, Mit j( 
lui doia ce temoignage qu'il a agi en cette rencontre avec beauconp de braTanre 
anssi bien que i'infinterie de V. A. E. qui odI tr^s bien fait, je luj rens grues de 
l'aesistance que j'en ay eu. A mon retour icj j'; a; trouve lea affairei fi>it 
embrouillee, aur quof entretenue au long H. de Uejnders dont il informera »ans 
doule V. A. E. i. Spaen Bcbraibt aa Romswinckel (d. beim Sl&dtleia Reich, «ine 
Stunde toq Uona 5./15. August I6TS): ,Ew. Hoched. berichte ich, dass vir gestnn 
alhie unweit «od Reicb an den Feind gelanget sind, da dann alsbald auf uewni 
linken Flügel, bei welchem sich S. Höh. befand, umb 1 Uhr Nachmitiag daa Gefecht 
angegangen, etwa ein paar Stunden bemach kam man auch mit dem rechten Flügd 
zum chvrgiren, welches beiderseits mit Canon angefangen ward und wihrete bis nacli 
8 Uhr in den Abend. Bei dem rechten Flügel ging es auch ziemlich acbarF her, die 
Spanier halten die aiantgarde, waa dabei forgufallen, werden andere satUamb be- 
richlen. Bei meinem Regiment leide ich abermahlen an guten Officiers merklichta 
Schaden, der Freiherr von Heiden zti Fuss ist vorn an einem Schenkel blessiert, die 
Ilöhre aber noch unverietzt geblieben, 2 Capitains von mir sinrl tot, einer gequelscbi, 
item 3 Fähndricha tot, zween Lieutenants gequetscht, wie auch 1 Fähudrich, S« 
hat auch der Fürst Ton Holstein vonBeck einen Schusa in das Dicke einea Beint 
bekommen, deme man sofort die Kugel auageechnitten. Der Brigadier bei unserer 
Infanterie Baron d'Avila ist zwar 3mal gequetscht, aber nicht töllich, also dass er 
wieder zur (weiten Attaque sich zu befinden vermeint Von den Frantzosen aind 
ihrer sehr viel geblieben, ungeachtet unsere Cavallerie zum cbargiren wegen der de- 
fileea und tiefen Wege nicht kommen können." 

>} d. Wolgast 15-/25. August 1678 (Actes et memotres II, S.564ff., Pufen- 
dorf 1. XVI, S 50 (S. 1221). 

*} In einem Schreiben vom 22. August/3. September 1678 ersucht Ef. den 
Prinzen auf das dringendste, dahin zu wirken, dass der Friede von Seiten des 
Staats nicht eher ratificiert werde, bis auch seine Saclie abgethan und er wenigstens 



oyGooi^lc 



Die Schlacht bei Mens. Die neuen engliscbsn Antt&ge. 225 

M. Eomswinekel an den Kurfürsten. D. Hage 
17./27. August 1678. 

[UittheiluDgen des Primen too Oranien. Die neuen englischen Anträge.] 

Et hat Mittwoch dem Prinzen von Oranien zu seiner glorieasen Ex- 27- Aug. 
pedition') grataliert und ihm des Kf. Interesse recommendiert. Der Prinz er- 
zählte nSher, wie es bei Hoas und mit dem Waffe nstilletan de zugegangen sei, und 
beklagte sehr, dass die Sachen wider des Ef. und das allgemeine Interesse so 
übel ausgeschlagen. Auf seine Frage, was dem Kf, bei dieser Perpleiität zu 
ratbeu wlre, meinte er, vorerst sei kein besseres Expedient als Abschluss eines 
geiieral Ärmistitiam, nm dadurch zu einem allgemeinen Frieden zu gelangen. 
Er liat darauf dem Prinzen angezeigt, dass Ef. in einen Waffenstillstand mit 
Schweden nicht willigen wolle und ihn bitte, dahin zn wirken, dass der Com- 
mercientractat mit Schweden nicht früher, als er sich mit demselben verliehen, 
zum Abschluss gebracht werde, worauf jener erwiderte, dass der ScUuss jenes 
Traclats noch nicht so nahe wäre, was ihm auch Beverning versichert hat. 

An demselben Abend hat sich>) hier ganz nnvermutbet der englische Ge- 
.laodte Ilyde eingefunden und am nächsten Tage in einer Confetenz, die er und 
Temple mit dem Prinzen und den staatischen Depatierten gehalten, vorgetragen, 
sein König sei sehr sarprcniert, dass die staatischen Gesandten mit den fran- 
zösischen einen Frieden ohne Spanien geschlossen, dass darin der Evacuation 
der von Frankreich zu restituierenden Städte nicht gedacht und keine Versiche- 
rang deshalb bedungen sei und dasa Frankreich von Spanien noch mehr als 
früher und wozu sich der EÖnig mit dem Staat verbunden, praetendiere , dass 
daher der in der Allianz stipulierte Casus existiere and dass der Konig, wenn 
der Staat diesen Friedenstractat nicht zu ratificicren beschliessen sollte, drei 
Tage, nachdem ihm dieses von dem Staat bekannt gemacht sein werde, in 
Kuptur wider Frankreich treten und der Allianz nachkommen, auch für die 
Conservntioo und Neutralität der clevischen Lande alles, was der Staat thun 
wollte, beitragen würde. Diese Proposition hat denen, welche den Frieden 
ijiiovis modo haben wollen, grosse Alteration erweckt, denen aber, die denselben 
detestieren, ist sie sehr angenehm gewesen, vier Provinzen haben schon erklärt, 
sie könnten denselben nicht ratificieren, jedenfalls hofft man, dass dadurch die 
RatiScation des Friedens aufgehalten, Frankreich auf andere Gedanken gebracht 
und der allgemeine Frieden auf anderen Fuss, als Frankreich und Schweden es 
wollen, werde gemacht werden können. 

mit Frankreich verglichen sei. Die von Frankreich stipulierte Neutralität des Staates 
und s(in Begehren, dass derselbe keine Testierende Subsidien zahlen solle, zeige 
ileutlich, dass dessen Intention darauf gebe, ihu auf ewig von dem Staat zu trenaeo. 

') Dem Siege bei Uons s. oben S. 224. 

') S. Temple's Memoiren (Works II, S. 461 (T.), Mignel IV, S. G30f., 
Ranke, Englische Geschichte V, S. 70. 

HuiT. >. Oaei. d. C. KnTtünicn. XVJII. 15 



oyGooi^lc 



J 



226 n> Bnndenburg und die Niederlande 1676—1679. 

M. Eomswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 
27. AuguBt/6. September 1678. 

[Anzeige, dass er auf OraDieu's und Fagel's Rath dtis Schreiben des £f. ui illt 
Qen.-Staaten vortäuüg zurück gehallen habe.] 

6. Sspl. Er hat das Schreiben des Kf. an die Gen.- Staaten ') zunächst Fagel Dod 

dem Priozen von Oranien gezeigt. Beide gestanden, dass was in demselben 
enthalten, der Wahrheit gemäss sei und dass, wenn nur auf den Staat Rfitk- 
sicht zu nehmen wäre, es wohl alsohald übergeben werden könnte, da aberdi-^- 
selbe den König von Frankreich exacerbieren würde, so riethen sie, es zntüct- 
zuhalten. Der Prinz erbot sich, selbst an Kf. zu schreiben, und hat ilim "itk- 
lich beikommendes Schreiben*} zugeschickt. Kr hat daher das Schreiben, bis 
er weiteren Befehl von Kf. erhält, zurückbehalten. Er glaubt, dass aoch die 
Stadt Amsterdam sich über das Schreiben sehr fbrmalisieren und die guten 
Dienste, welche sie bei Frankreich für Kf. zu leisten versprochen hat, unter- 
lassen und dass des Kf. Feinde sich desselben zu ihrem Vortheil und des Kf. 
Schaden bedienen würden.') 



M. Romswinckel an den Kurförsten. D. s' Grafenhaag 
20./30. September IG78. 

[Ratification und Publicatlon des Friedeos.] 

30, Sept, Dienstag [d. 27.] Nachmittag haben die Deputierten des Staats don 

Ministern der Alliierten angezeigt, dass der Friede zwischen dem Staat Bnil 
Frankreich nunmehr nach ausgewechselter Ratification*) gänzlich geschlossen und 
dass am nächsten Tage die Publication erfolgen würde. Es sei nicht möglicli 
gewesen, den Frieden mit allen Alliierten zusammen zu machen, sie würden sieb 
aber weiter bemühen, dass es auch mit diesen bald zum Frieden komme. Der 
kaiserliche Minister hat darauf gamichts geantwortet, er und der dänische 
haben sich auf das berufen, was ihre Principalen wegen dieses Frieden» selbst 
geschrieben und durch ihre Gesandten zu Nimwegen und hier hätten vorstellen 
lassen. 

') S. oben S. 316. 

^ nicht bei den Akten. 

*) Kf. missbilligt (d. Wolgast 9./19. September 1678), dass R. das Srhreii<eii 
noch nicht übergeben habe, und befiehlt ihm, dieses sofort zu thun. 

') Dieselbe war, nachdem am lü. September auch der Friede mit Spanien 
zu Nimwegen unterzeichnet war, am l!l. September erfolj^t, s. Sjlvius IV, S. IJ^ 
Basnage IT, S. 947 f., Uignet IV, S. 6t;7. Der Friedens- und der Uandelsverin; 
Tom 10. August 1678 sind jet:et auch abgedruckt bei Vast, Les grands traites de 
Louis XIV., II, S. 53£f. 



oyGooi^lc 



RalifiMtioD des holUndischen Friedeaa. 227 

Mittwocb Vormittag ist') daraof dio Pnblication des Friedens geschehen 
uod am Nachmitt^ hat der französische Gesandte, Comte d'Avaux, seine 
pabliqae entr^e gehalten. Der Staat bat ihm an diesem Tage einige Pechtonnen, 
nm sie vor aein Logement zn setzen, angeboten, er hat sie aber abgelehnt und 
gedenkt ni>ch heute auf einige Tage nach Nimwegen zu reisen, am sich mit 
den dortigen Geheimen Käthen des Rf. zu unterreden und deren Qotfinden ein- 
lanehmen. 



Der Kurfßrst an den Prinzen von Oranien. D. im Haupt- 
quartier zu Lüdershagen 10./20. October 1678. 

[Aur ein Schreiben vom 6. October.*) Bitte zu betcirkeii, dass Holland sowohl 
Frankreich als aucb Schweden gegeDÜber sich seiner annehme.] 

Durch Heinders wird er vernommen haben, was bisher mit den fian- ^ 
züsischen ministris vorgegangen.') Daraus merkt er zweierlei, 1) dass Frank- 
reich, wenn es anch nicht ohne Schweden tractieren will, dennoch auf Schweden 
wegen seiner üblen Condaite nicht wohl zu sprechen ist, und 2) dass die frau- 
zSsischen Hinister selbst an Hand gehen, Schweden durch Yermittelang des 
Staats dazu zu disponieren, dsss es ihm Satiafaction gebe nnd sich zu einem 
raisonnablen Frieden bequeme. Er bittet daher den Prinzen, zwei Dinge beim 
Staat ta Wege zu bringen: 1) dass dieser bei dem Könige von Frankreich 
bewegliche instaiice thue, dass derselbe um Schwedens willen ihn und seine 
Lande mit keiner ferneren Kriegsmacht überziehe, '2) dass er den schwedischen 
ministris wegen seiner Satisfaction und des Friedens hart zusprechen und 
lu solchem Ende keineswegs die mit ihnen angefangenen Tractaten zum 
Schlass bringen lasse, bevor auch sein Friede mit Schweden zum Schluss ge- 
bracht ist. Dieses ist das einzige Mittel, wodurch der Staat den unerschwing- 
lichen tort, in den er durch dessen Farticulierfrieden mit Frankreich gesetzt 
worden, in etwas aufbessern und redres^ieren kann.*) 

■) S. Hignet IV, S. 669. 

I) In demselben hatte der Prinz den Kf. zu der Eroberung von Rügen beglück- 
■ÜDScht und gemeldet, er bemühe sich , ihm den Abscbluss eines ehrenvollen 
Friedens zu erleichtern. 

^ S. unten Abschn. VI. 

*) An Romsw. ergebt an demselben Tage der Befehl, diese beiden Punkte aub 
eifrigste zu betreiben. 



oyGooi^lc 



22g II. Brandanburg und die Niederlande 1676—1679. 

M. Romswinckel an den Kurfilrsten. D. Hage 
19./29. October 1678. 

[Auf das Rescript vom 10. October. Versprecbusgen dea Prinzen von Onnien and 

anderer holländischer Staatsmänner.] 

t. Der Prinz von Oranien hat ihm featigtich zugesagt, dass er auch ferner 

dahin arbeiten würde, dass nicht allein der Staat mit Schweden keine Tractateu 
eingehe, es sei denn, dass Schweden aicb zagleich mit Kf. accommodiere, sondern 
auch daas keine französische Kriegsmacht in dessen clevische und westphäliscbe 
Lande einbreche. Auch Fagel nnd v. d. Tocht haben das gleiche versprochen 
und auch bisher getban. Viele haben Ihr Abseben noch auf die mesnres, welche 
die Staaten von Holland auf ihrer bevorstehenden Versammlung nehmen werden. 
wofern der König von Spanien, wie viele meinen, den Fried enstractat nicht 
ratificieren, die Franzosen länger als bis zu dem angesetzten Termine (6. No- 
vember) die ßänmung von Mastricht verzögern, die Ein sohl ies sang K. Triers 
und Pfalz-Neuburgs in den Frieden verweigern und anderen in dem Tractal 
enthaltenen Punkten kein besser Genügen leisten sollten. 

H. V. Dyckfelt, welcher mit den beiden anderen Gesandten') nach Paris 
geht, hat ihm beim Abschied versichert, dass der Prinz ihm nichts höher als 
das Interesse des Kf. recommendiert hStte und dass er dem eifrigst nachkommen 
wolle. 



M. Romswinckel an den Kiirfdrsten. D. Hage 
J6./26. November 1678- 

[Die rückständigen spanischen und bolländjschen Subsidien.] 

r. Er kann die verlangten 2000 Centner Pulver'), wenn keine anderen paraten 

Mittel zu deren Bez^iblung als die restierenden spanischen und holläudiscben 
Subsidien sind, nicht anschaffen. Auf Zahlung der spanischen ist gamicLt zu 
rechnen, zumal er bisher ebensowenig die 20 000 Hthlr., welche de Lira vor 
mehr als einem Jahr an Raule's Creditoren zu zahlen versprochen, noch die 
völlige Zahlung der vorlängst verflossenen Termine des spanischen Wechsels der 
50 000 Rtblr. bat erlangen können. Wegen der Subsidien von den Vereinigten 
Provinzen bat Fagel verschiedene Male angezeigt, dass der Staat dieselben nicht 

') S. über diese Qesandschsft Sylvius IV, S. 200, Basnsge II, S. 953, die 
derselben branden burgischerselts übergebene Denkscbrifc aus dem September 1678 
Urk. u. Act. II!, S. 536 ff. 

') Schon in einer Relation vom I5./25. October 1G78 erklärt R. auiaer Staude 
zu sein, das zum Ankauf von 2000 Centuera Pulver nüihige Geld zu beschaffen. 



oyGooi^lc 



VeräprechuDgen der hollSnrliscben Slantsoiäniier. Die raekstäsdigen Subsidieo. 229 

länger als bis 1G77 abzustatten auf siel» nehmen IiQnntc, weil aber deswegen 
niemals eine schFiftliche Kesolotion vom Staat JDsinniert wordeo ist und Kf. 
vobi aus dem jüngst mit demselben abgeschlossenen Tmctat'), wenn er rati- 
liciert sein wird'), mit mehr Fundament and Nachdruck die vüllige Zahlung der 
Sub^idien bis zum Frieden wird fordern kSnoen, so räth er, vor Auswechslung 
der Ratiflcationen nicbt so bart es zu treiben, inmal die Sabsidien bis 1677 
norh nicht abgestattet sind. Von dem Contingent von Oeldernland ist seit 
August 1677 nicbts für die Ambassade in Nimwegen verwendet worden und 
Aenig Aussiebt, etwas zur Bezahlung der Schulden derselben zu erlangen. Von 
Holland bat er die für General -Lieutenant v. Spaen versprochene Ordonnanz 
von 17 682 Rthlr. noch nicbt erhalten, und wenn diese samt der vorigen, wegen 
an denselben gelieferter Fourage ertheilten Ordonnanz von 21 925 Rthlr. 34 St. 
and was sie weiter in Rechnung bringen abgezogen wird, wird wohl wenig 
oder nichls von dieser Provinz bis Ausgang 1676 restieren. Auf Seeland hatte 
Kr. für Raule 40 000 Rthlr. assigniert, davon aber hat mau nicht einmal so 
viel erlangen hönnen, um die Forderungen der Ostindischen Compagnie und 
anderer daselbst an Raule zu befriedigen. Auch die demselben Raule auf 
Friesland, Utrecht und Ueberissel ertheilten Assignationen stehen noch zu be- 
zahlen, Groningen hat vor langer Zeit 3800 Rtblr. versprochen, aber wegen der 
daselbst entstandenen Uneinigkeit sind sie nicht gezahlt.-) 



W. ßlaspeil und M. Romswinckel an den Kurfürsten. 
D. Haag 30. November/ 10. December 1678. 

[Bemäbuttgen der holländischen Gesandten in Frankreich wegen der Neutralität des 
Cle vischen.] 

Die staatischen Gesandten in Frankreich haben berichtet, dasa sie bei 10. Dcc. 
Pompoane gewesen und demselben das generale Friedenswerk und die Con- 
scrvatioQ der clevischen Laude eifrigst recommendiert hätten, dass derselbe aber 
erklärt hütte, der König würde sich schwerlich zur Einwilligung in die Neutra- 
lilit des Clevischen verstehen können, da ihm dadurch das Mittel genommen 

') Die Allianz vooi 26. Februar/8. März 1678 a. obeu S. 199. 

») Kf. hatte (d. Hauptquartier zu Lödershagen 18./[28.) October 1678) Meinders 
beauftragt, naehdem die Auswechslung der iiatiticatiouen der Allianz .bei diesen irre- 
^liereu Zeiten ins Stocken geratbeu", beiderseits aber uüthig befunden sei, dass 
sokbes nun geschehe, diese Auswechslung zu bewerkstelligen. S. Pufendorf I. 
XVI, § 100 (S. 1277 f.). 

*) S. das Memorial It omswinckers an die Gen.-Staaten vom 19. December 
l!i78 (Urk. u. Act. III, S. 542 f.). Kf. weist 8./I8. November 1678 R. an, den noch 
in Cassa vorhandenen Rest der holläadischen Subsidien Meinders zu übergeben 
and durcb diesen an Hejdekampf nach Ücrlin remittieren zu lassen. 



oyGooi^lc 



230 !!■ Brandenburg und die Niederlande 1676—1679. 

werden wfirde, Kf. zu obligiereo, Schweden Satisfaction zd geben, wis geschehen 
mnsste, am za dem generalen Frieden zu gelangen. Sie haben dem Staat dir 
Unbilligkeit dieser Intention des Königs und die daraus ihnen seibat drohende 
Ge&hr vorgestellt nnd verlangt, dass die Gesandten sich mit solcben R^sonne- 
ments nicht abweisen lassen, sondern fest darauf bestehen sollten, dass d^r 
Staat an der clevischen Seite bedeckt bliebe. Sie behaupten, ihre Gesandteo 
h&tten inzwischen schon solche WeiBung erhalten, haben auch einige Deputierte 
an d'Ävanx geschickt, der ihnen erwidert hat, der K5nig würde gewiss auch 
hierin dem Staat Satisfoction geben, man möchte sich iinr gedulden, bis die 
Gesandten mit ihm selbst geredet hStten. 

Sie haben mit dem Prinzen von Oranien davon geredet, dass er znm 
Schutz des Clevischen einige staatischen Völker nach Gennep, Goch, Sonsfeld 
nnd Xanten legen möchte, derselbe hat aber erklärt, darüber hätte der Staat 
zu beschliessen, nnd gerathen, zunächst die Deputierten aus Holland deswegen 
sondieren zu lassen. 



Der Kurfürst an Blaapeil und Romswinckel. D. Cöln 

3./13. December 1678. (Conc. F. Meindei-s.) 

[Bille um Verstärkung der Garnison von Wesel durch holl&ndische Truppen.] 

Da Wesel, falls die Franzosen mit einer Armee über den Rhein gehen 
sollten, in grosser Gefahr sein wnrde nnd er wegen der ihm in Preussen ge- 
machten Diversion jetzt keine solche Macht nach dem Rhein führen kann, welche 
capabel wSre, der französischen Armee das Haupt zu bieten, so sollen sie 
den Prinzen von Oranien nnd den Staat, denen auch an Erhaltung dieses 
Ortes, als eines Schlüssels za den Vereinigten Provinzen, viel gelegen ist, er- 
suchen, bis nach cessierendec Gefahr etwa 600 Mann von staatiscben Völkern 
hineinzulegen. 

') Komsw. erwidert (d. Hage 4./14. December 1678), es sei keine Aussicht 
dazu, er hätte dem Frioiien und Fagel die Sache mitgetbeilt, dieselben meinten 
aber, die Staaten von Holland, namentlich Amsterdam, würden schwerlich dazu tu 
bewegen sein, sondern sich nur durch die Gesandten in Paris für die Keutraliiäi 
von Cleve und den Frieden verwenden wollen. Die von Romsw. deswegen den 
Geu.-Staaten im November und December übergebenen Hemorialien h. Actes et mc- 
moiras III, S. lUff. u. Urk. u. Act. III, S. 536 ff. 



oyGooi^lc 



SicberuDg des Cleviscben. Auswechsluug der RatilicationeD der ÄUi&nz. 231 

Statthalter und Geheime Räthe an den Kurfürsten. D. Cöln 
an der Spree 30./20. Januar 1679. 

{AuswecbsIuQg; der Rntificstionen des Allianz Vertrages.] 

Auf Romswinckers Relation TOm 11./21. Januar'), dass die General- 30. Jau. 
Staaten sich zur Ratification des mit Kf. abgeschlossenen Tractats erholen, haben 
siu U. angewiesen, nicht eher sicli zur Änswechsluag der Ratificatiooen zq ver* 
stehen, bis die Bedingungen, zu denen sich der Staat In dem Ttactat ver- 
pflichtet, erfüllt, nämlich alle auf die Hofeysersche Schuld bezüglichen Obli- 
gationen und Documente ausgeliefert und cassiert, dienliche officia zur Ab- 
thnung der geldrischen Grenzstreitigkeiten gemacht, die Commission w^en der 
Grenzziehung zwischen Schenkenachanz und dem übrigen Territorium des Rf., 
wegen des Waaserbaus, Jagd, Fischerei und des Reglements der Garnison vor- 
genommen and wegen Abführung der Stücke, Munition und anderer Hobilien, 
diu Kf. hat nach Schenkenschanz bringen lassen, Verfügung gethan eaL') 



M, Romswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 

15./25. März 1679. 

[Beunruhigung über den Einfall der Franzosen ins Clevische.] 

Ueber die eingelaufenen Nachrichten, dass die Franzosen angefangen haben'), 25. Hän. 
ihre Quartiere im Cleviscben, namentlich in Xanten und Cleve zu nehmen, ist 
man hier sehr alarmiert. Die Regenten wissen fast nicht, was sie darin thun 
sollen, zumal sie mit der That befinden, dass ihre officia von keiner Wirkung 
sind.*) 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 
22. März/l. April 1679. 

[Resolution auf sein Memorial wegen Bescbützung des Cleviscben.] 

Auf sein dem Staat übergebenes Memorial, worin er die Invasion der i. April. 
Franzosen ins Clevische angezeigt nnd verlangt hat, dass der Staat die in den 

>} fehlt. S. aber die Relation Ueinders' aus dem Haag vom 7./1T. Januar 1679 
uDten Abschn. V. 

>) Dieselben ratben dem Kf. (d. Cöln 27. Januar/C. Februar 1679), da nach 
Romswinckers Relation vom 18./28. Januar die Auswechslung der Ratificationen 
schon, ohne dass jene Vorbedingungen erfüllt norden, volliogen sei, die R&umimg 
TOQ Schenkenscbaaz nicht vor Ausfübmng derselben vornehmen zu lassen. 

■) 8. oben S. 13. 

*) S. tmten Abschn. VI. 



oyGooi^lc 



232 . 11- Brandenburg und die Niederlande 167G— 1679. 

Ärbkeln 14 und 24 der mit Kf. Bbgescblossenen Allianz übernommenen Vet- 
pflicbtungen erfölie, bat er beigebende Resolution') erhalten. Die Nscbricht 
ans Nimwegenj dass der Waffenstillstand bis zum 1. April st. n. verlängert ist. 
hat bewirkt, dass man sich hier grosse Hoffnung macht, der nordische Friede 
werde aach bald erfolgen. 



Der Kurfürst an Romswiiickel. D. Cöln 28.Mäi-z/[7. April] 1679. 

[Neues Uülfsgesuch für Clevc. Gunslige Nachrichten aus England.] 

. April. Er soll beigehendes Schreiben an den Staat'), in welchem Kf. nocbmal^ 
dessen üfilfe, um Cleve von der französischen Invasion zu befreien, in Ansprach 
nimmt nnd im Weigerungsfälle sich alle corapetierende actiones vorbebilL ab- 
liefern. Die vorgewaadte Unmöglichkeit ist nicht so gross, da der König von 
England sowohl gegen seine Minister als auch im Haag selbst erklärt hat. ätss. 
wenn sich der Staat nur einigermassen für ilm hätte interessieren wollen, er dort 
nichts hätte zu befürchten brauchen. Auch jetzt fuhrt man in England, wie 
Spanhcim's') beiliegende Relation zeigt, dieselben Senlimente. ß. soll also 
darauf dringen, dass solches Erbieten dort nicht weiter verworfen, sondern daran 
gearbeitet werde, vermittelst einer nöthigen Vereinbarung mit dem Könige von 
England die clevischen Lande, des Staates Vormauer, von dem Feinde in be- 
fielen. 



M. Romswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 8./18. April 1679. 

[Hittheilungen Ueiercron's über seine Sendung nach Paris. Geringe AossichUa, 

dass Holland etwas für die Sicherung des Clevischen thuu wird.] 

18. April. Soeben ist der dänische Gesandte Meyercrohn bei ihm gewesen und 
hat ihm mitgetheiU'), er hätte von seinem König Ordre erhalten, sich in zwei- 
mal vi er lind zwanzig Stunden nach Paris zu begeben, um die Prolongation des 
Waffenstillstandes zu befordern, die Schickung der französischen Flotte nach der 
Ostsee zu divertieren und zu vernehmen, ob nicht günstigere Fried ensbedingongen 

') S. die Resolution der Qen.-SUaten lom 38. M&ra 1679 [Urk. u. Act. 111, 
S. 544). 

') S. dieses Schreiben des Kf. an die Gen. -Staaten (d. Cötn a. d. SprM 
28, MSn/7. April 1679, von Schwerin coneipieri) in französischer Debersetzun^ in 
Actes et memoires IV, S. 374 IT. Kf. weist Romsw. am 2S. April/8. Hai \i'S 
an, dasselbs unter der Hand ins Holländische übersetien und drucken lu lasseo. 

*) S. Iliri-ch, Brandeiibtirg und England 1674—1679. 11, S. 10, 

*) S. unten Abschn. 111. 



oyGooi^lc 



Die Sicherung des Clevischeu. Frieden ztriscbeQ Holland und Schweden. 233 

für seinen König und für Kf. sollten auszuwirken sein. Doch sollte ei datäber 
nicht tractieren, sondern nur beiicbton und von allem den Ministris des Kf., 
CS sei 2U Paris oder zu Nimwegen oder bier, part geben, und er versicherte 
ausdrücklicb, der König werde sich in keine Frieden stractaten ohne den Kf. 
einlassen. 

PS. Das Schreiben des Kf, an die Generatstaaten wird er noch heute dem 
Präsidenten derselben übergeben. Obgleich der Prinz von Uranien, als er ihn 
gebeten, bei dem Staat die wirkliche Befreiung der clevischen I.Bnde zu be- 
fördern und dazQ einige staaüsche Völker zunächst nach Wesel gehen zu lassen, 
ihm geantwortet hat, durch den Frieden seien ihm die Hände so gebunden, dass 
er zu Rettang der clevischen Ijande nicht die geringste Hülfe werde schicken, 
noch bei dem Staat zu Wege bringen können , so wird er dennoch denselben, 
'<obald er zurückgekehrt sein wird, aufs neue dsruni bitten. 



M. Roiuswinckel an den Kurfm-aten. D. Hage 10./20. Mai 1679. 

[Bevorstehender Abachluas des Friedens zwischen Uolland und Schweden.] - 

Die Deputierten des Staats haben') zwei Tage zugebracht, um mit Oliven- 20. Hai. 
Crantz den Friedens- und Commercientractat zwischen Schweden und dem 
Staat zu ajnstieren, worum der französische Gesandte d'Avaux sich sonderlich 
sehr bemüht Einige Depotierte der Staaten von Holland haben auch den Coii- 
fcrenzen beigewohnt, die Stadt Amsterdam bemüht sich auch eifrig darnm, so 
dass der Schloss des Tractats wohl bald erfolgen wird.') 



M. Romswinckel an den Km-fili^ten. D. Hage 
31. Mai/ 10. Juni 1679. 

[Das in England zu eDtKerfeDde Friedensproject.] 

Auf den Wunsch Blaspeil's, es bei dem Staat dahin zu bringen, dass 10. Juni. 
dem neuen Gesandten desselben in England') aufgetragen werde, bei dem König 
von England zu befördern, dass derselbe einen Plan des Friedens zwischen 



') S. über die langwierigen Verhandlungen zwischen Holland und Schweden 
und die Schwierigkeiten, welche der CommDrcieniraclat bereilele, Sylvius IV, S. 213. 

') Der Friedens- und der Com ine rcienv ertrag zwischen Holland und Schweden 
sind erst am 2./12. October 1679 zum Abschluss gekommen. S. diese Verträge in 
Actes et memoires IV, S. 644 IT., Sylvius, Apponilix S.40ff. 

>} van Leveq. 



oyGooi^lc 



234 II- Branileaburg und die Niederlande 1676— 1679. 

Schweden und Kf. mache nnd auch der Staat dabei concorriere, znmal da) 
der hiesige schwedische Hiniater Silhercrohn schon zn der Zeit, als Strabniil 
□nd Rügen noch in schwedischen Händen waren, gegen Fagel geäussert hatte. 
Schweden werde dem Kf. Stettin, WoUin and Usedom lassen, hat er vorgestern 
darüber mit Fagel gesprochen. Derselbe fiind aber nicht gut*), dasa er am 
Staat dieses schon jetzt vortragen und um solche Ordre an den Gesandten in 
Eagland bitten sollte, sondern wollte erst') an letzteren deswegen Bchreiben, » 
sollte den König von England dazu zu disponieren snchen; wenn derselbe sirü 
dazu entschliessen sollte, dann wollte er es bei dem Staat dahin zu dirigieren 
suchen, dass derselbe auch da£u nach Höglicbkeit haitrago. Sie beide akr 
waren darüber am meisten bekümmert, ob Frankreich und Schweden Z«it dain 
lassen worden, solches za efFectuieren. 



'} Dazu die Randbemerkung Scbwerin'ij: „Gott vergebe es denen, die liutrli 
Vergewisserung eines viel mehreru S. ChT. D. von Ilirer gefasslen guten Resolalion 
abgehalten haben". 

') Randbemerkung Schwerin'»: , Dieses ist ohn Zweifel ein Effect du 
Staats so hoch gerühmter Affection kegen S. Chf. D." 

') Randbemerkung desselben: .iDterin perit Saguntum.* 



oyGooi^lc 



Abschnitt III. 

Brandenburg und Dänemark 
1676-1679. 



j,Goo>^le 



j,Goo>^le 



Einleitung. 



Unter den gegen Schweden und Frankreich verbündeten Mächten 
haben Dänemark und Brandenburg einander am nüchsten gestanden. 
I^nge hatte König Christian V. gezögert, ehe er sich (im Herbst 1675), 
entavhloss, gegen Schweden feindlich vorzQgehen, seitdem aber hat er 
eifrig an dem Kriege Theil genommen und die äussersteo Anstrengungen 
gemacht, um aus demselben Ruhm und Gewinn davonzutragen. Ebenso 
wie der Kurfürst hat er persönlich in den Feldzügen von 167& bis 1679 
an der Spitze seiner Truppen gestanden und keine Gefahren und Stra- 
puen gescheut, und wenn er selbst auch nur geringe militärische Er- 
fahrung besass, in der Wahl seiner Rathgeber wenig Einsicht zeigte und 
daher auch seine Erfolge nur theilweise glückliche waren, so hat trotz- 
dem die Energie und Ausdauer, mit der er den Krieg zu Lande und zu 
Wasser bis zu seinem Ende fortführte, dem Kurfürsten grossen Vortheil 
gebracht, ebenso wie durch dessen Anstrengungen und Erfolge die 
dänische Kriegführung wesentlich unterstützt wurde. So haben beide 
Fürsten als gnte Kriegskameraden einander zur Seite gestanden und 
dadurch wurde ein freundschaftliches Verhältniss zwischen ihnen be- 
gründet, welches durch persönliche Begegnungen und durch die Be- 
mühungen der dem Kurfürsten nahe verwandten und demselben tren 
ei^ebenen Königin noch befestigt worden ist. Dazu kam die Ueberein- 
stimmung der Interessen und der Bestrebungen beider Fürsten. Beide 
führten den Krieg g^en Schweden mit solchem Eifer, um der Ueber- 
macht, welche dieses durch die letzten Kriege im Norden erlangt hatte, 
ein Ende zu machen und um die Gebiete, welche ihnen dasselbe vorent- 
halten oder entrissen hatte, wiederzugewinnen. Gleich zn Anfang hatten 



oyGooi^lc 



238 III. BraDdenburg und D&nemark 1676—1679. 

sie eine feste Vereinbarung über den Gewinn, welchen ein jeder von 
ihnen durch ihre vereinten Anstrengungen erlangen sollte, getroffen. 
In dem Vertrage, welchen sie bei der ZusfUnmenkunrt in Doberan am 
25. September 1675 abschlössen, hatten sie sich verpflichtet, so lange 
den Krieg gegen Schweden und dessen Anhänger fortzusetzen, his dn 
König die vordem von Danemark abgerissenen Provinzen Schonen, 
ßleckingen und Hallaud, ferner Wismar nod die Insel Rügen, der Kur- 
fürst aber ganz Schwedisch-Pommern erlangt hätte. Die Erobemngen, 
die man noch im Herbst und Winter 1675 gemacht hatte, die Ein- 
nahme von Wollin, Wolgast und Greifenhagen durch die Brandenbur^r. 
von Wismar durch die Dänen, liessen auch für die Zukunft weitere 
glückliche Erfolge hoffen, aber schon damals musste man die Besoi^iss 
hegen, dass es schwer falten könnte, selbst wenn die Eroberung aller 
jener in Aussicht genommenen Gebiete gelingen sollte, dieselben dauernd 
zu behaupten. Es war zu merken, dass denjenigen Mitgliedern der 
Allianz, welche den Kampf gegen Frankreich zu führen hatten, solche 
Eroberungen auf Kosteu Schwedens, durch welche ihre nordischea Bandes- 
genossen von der Theitnahme am Kampfe im Westen abgezogen wurden, 
wenig genehm waren oder dass sie dieselben bei den bevorstehenden 
Friedensverhandlungen zum Austausch gegen solche Gebiete, welche sie 
selbst an Frankreich verloren hatten, zu benutzen gedachten. Davon 
wollten natürlich die den Kampf gegen Schweden führenden Mächte 
nichts wissen, aber ob dieselben fest zusammenhalten würden, war sehr 
zweifelhaft, da sie im übrigen untereinander keineswegs einig waren. 
Den Hauptgegenstand des Zwistes bildeten die bisher auch iu schwe- 
dischem Besitz befindlichen Landschaften Bremen und Verden. Auch 
in diese waren 1675 die benachbarten Verbündeten, Münsterer, Braun- 
schweiger, Brandenbui^er und Dänen eingefallen und hatten dieselben 
bis auf die Festung Stade, die erst im nächsten Jahre fiel, besetzt, sofort 
aber war es zwischen ihnen über die Beute zum Streit gekommen. Die 
Herzoge von Celle und Wolfenbüttel und der Bischof von Münster 
verlangten für sich den alleinigen Besitz jener Lande und suchten diese 
Forderung auf die vücksiohtsloseste Weise durchzusetzen. Aber aofli 
der König von Dänemark beanspruchte ein Stück derselben, einen Strich 
am Meere, durch dessen Erwerbung eine Verbindung zu Lande zwischen 
Holstein und den damals auch in dänischem Besitz befindlichen Graf- 
schaften Oldenburg und Delmenhorst hergestellt und er Herr sowohl 
der Elb- als auch der Wesermündung geworden wäre, und auch dei Kur- 



oyGooi^lc 



Einleitung. 239 

Itirsl von Brandenburg verlangte, darauf fassend, dass der ganze Krieg 
gegen Schweden um seinetwillen unternommen sei und er auch an der 
Eroberung jener Lande Theil genommen habe, wenigstens vorläufig, bis 
ganz Schwedisch- Pommern in seine Gewalt gelcommen sei, einen Antheil. 
In allen diesen Fragen berührte sich das brandenbui^ische und das 
dänische Interesse auf das nächste, beiden Theilen war es darum zu 
thun, dass der Kampf gegen Schweden energisch fortgeführt, dass ihre 
Eroberungen nicht zur GompeDsation gegen die franzögischeii verwendet, 
dass dem eigenmächtigen Verfahren der Herzige von Braunschweig nnd 
des Bischofs von Münster entgegengetreten und dieselben zum Eingehen 
eines billigen Vei^leiches veranlasst würden. Ebenso stand es mit der 
Frage wegen der Winterquartiere. Ebensowenig wie der Kurfürst von 
Brandenburg war der König von Dänemark im Stande, auf die Dauer 
^ine Streitkräfte aus eigenen Mitteln zu erhalten. Da nun auch ihm 
Spanieu and Holland die versprochenen Subsidien schuldig blieben, so 
verlangte er wie der Kurfürst, unter Berufung darauf, dass er den Krieg 
gegen Schweden im Interesse des deutschen Reiches führe, für einen 
Theil seiner Trappen Quartiere auf dem Reichsgebiet und ausserdem die 
Erhebung eines Zolles auf der Elbe bei Glückstadt, begegnete dabei aber 
auch heftigem Widerstände, namentlich wieder von Seiten der braun- 
schweigischen Herzoge. In allen diesen und in andere» damit zusammen- 
bangenden Fragen sind Dänemark und Brandenburg im wesentlichen 
zusammen gegangen, und wie mit den Waffen, haben .sie auch durch 
ihre diplomatische Thätigkeit einander unterstützt, besonders haben sie 
auch bei dem Fortgang der Friedensverhandlungen gemeinschaftlich der 
Absonderung und dem Abfalle Hollands und Spaniens und nachher des 
Kaisers entgegengewirkt. 

Unter diesen Umständen hat ein lebhaftei' und vertraulicher Verkehr 
zwischen dem dänischen und dem branden bnrgischen Hofe stattgefunden. 
Von dem reichen Aktenmaterial, welches darüber in dem Berliner Staats- 
archiv vorhanden ist, den Relationen der brandenburgischen Gesandten 
in Dänemark und den von dem Kurfürsten an dieselben erlassenen Re- 
scripten, der Correspondenz zwischen dem Könige und dem Kurfürsten 
und den Aufzeichnungen über die Verhandlungen, welche mit Gesandten 
des ersteren am Hofe oder im Feldlager des Kurfürsten geführt worden 
sind, haben hier nur die wichtigsten Stücke mitgetheilt worden können 
und auch aus diesen musste vieles, was nicht unmittelbar die Beziehungen 
zwischen Dänemark und Brandenbui^ betrifFt, ein grosser Theil der sehr 



oyGooi^lc 



240 nr. Brandenburg und Dänemark I67ß-I679. 

ioteressanten Berichte ') über die dänische Eriegföhrung und über die Zu- 
stände im Inneren des Rönigroiches aasgeschieden werden. Den Haopt- 
theil bilden die Berichte der beiden Brüder Christoph und Friedrieb 
V. Brandt. Letzterer hat sich in diesen Jahren ständig als knrförst- 
licher Resident am dänischen Hofe aufgehalten, ersterer ist zweimal zu 
Anfang des Jahres 1676 und dann wieder im März 1678 in besonderen 
Aurti'ägen dorthin geschickt worden, ist aber beide Male längere Zeit 
dort geblieben. Das erste Mal handelt es sich um den Abschluss Noer 
engen Allianz womöglich sammtlicher nordischen Alliierten, sowohl den 
Feinden als auch den missgünstigea Bundesgenossen gegenüber. Eine 
solche kommt erst nach langen Verhandlangen (2. Januar 1677) und 
zwar, da mit den braunschweigischen Herzogen eine Einigung nicht zu 
erzielen ist, nur zwischen Dänemark und Brandenburg zu Stande. Diese 
beiden Mächte garantieren sich nicht nur die schon in dem Dober&ner 
Vertrage bezeichneten Eroberungen, sondern auch den von ihnen bean- 
spruchten Antheil an Bremen und Verden, sie verpflichten sich ferner, 
beiderseits einer etwa beabsichtigten Compensatioo ihrer Eroberaogen 
gegen französische und dem Abschluss von Separatfrieden seitens ihrer 
anderen Alliierten entgegenzuwirken, und versprechen auch, falls solche 
doch zu Stande kommen sollten, ihrerseits fest zusammen zu halten, bis 
sie die Ziele, über welche sie sich dann geeinigt haben würden, erreicht 
hätten. Die zweite Sendung Christoph v. Brandt'» nach Dänemark 
1678 ist veranlasst worden durch den ungünstigen Verlauf der Dinge, 
sowohl auf dem Friedenscongresse, wo damals schon der Abfall Hollaniis 
droht, als auch im Felde, den Verlust von Rügen und der dorthin ge- 
sandten Truppen. Es giltDänemark zum Ausharren zu bew^en, womöglich 
auch trotz aller alten und neuen Streitigkeiten einen Ausgleich mit den 
hraunschweigischen Herzogen zu erreichen und Vereinbarungen über die 
Kriegsoperationen, namentlich über eine gemeinsam zur Wiedereroberung 
Rügens zu unternehmende Expedition zu treffen. Auch dieses Mal wird 
der Zweck erreicht, der König von Dänemark verspricht, dem Bunde 
treu zu bleiben und an den zu Doberan und in dem letzten Vertrage 
festgestellten Forderungen festzuhalten, und. billigt das Unternehmen gegen 

Doch 3. z. B. den Bericht der v. Brandt über den Sture des Kuilen 
Grlffenfeld vom 21. Uärz 1GT6 und ausser manchen Andeutungen in den Rtl>' 
tionen derselben über das verderbliche Treiben der nachher das Vertrauen des Könip 
erlangenden Faction den ausführlichen ßericht P. Neumnnn's darüber vom ST.Scp- 
tember 1678. 



oyGooi^lc 



Einleitnug. 241 

Rügen. Die braunschweigischen Herzoge zwar gelingt es nicht heran- 
zuzieben, wohl aber den inzwischen mit dieseo anch verfeindeten Bischof 
von Münster und so wird Ende August ein neuer Altianzvertrag abge- 
schlossen, in welchem Dänemark, Brandenburg und Münster sich ver- 
pflichten, auch wenn sie von ihren anderen Alliierten verlassen werden 
sollten, den Kampf gegen Schweden mit aller Macht fortzusetzen, bis sie 
eioen „beständigen und räsonnablen" Frieden erlangt hätten, uud sich 
keine von anderen ohne ihr Znthnn ftufgestellte Bedingungen aufzwingen 
zn lassen. 

Trotz der freundschaftlichen Gesinnung der beiden Fürsten und der 
UebereinstimmuDg ihrer Interessen in so vielen Punkten hat es schon 
in den ersten Jahren an Differenzen zwischen ihnen nicht gefehlt, doch 
ist es immer gelungen, dieselben wieder auszugleichen. Zu dem in 
Kopenhagen 1676 ausgearbeiteten Allianzproject bemerkt der Earfürst, 
man sei dabei dänischerseits „mit sonderbarer Circumspection" verfahren 
Dod habe „auch bei geringen Sachen auf das dänische Interesse genau 
reßectiert", er befiehlt daher seinen Geheimen Käthen, dasselbe auf das 
sorgfältigste zu prüfen, und macht gleich selbst eine Reihe von Ab- 
änderungsvorschlägen, die nachher auch fast sämmtHch dänischei^eits 
angenommen worden sind. Damals hat er auch die Langsamkeit der 
dänischen Kriegführung übel empfunden. Der König hatte schon Ende 
Mai dieses Jahres einen gemeinsamen AngrifT gegen Rügen vorgeschlagen, 
er ist dazu bereit, verlangt aber baldige Vornahme desselben. Doch 
erst Ende Juli erscheint die dänische Flotte in den Rügenschen Ge- 
wä^ern, jetzt aber kann der Kurfürst, der inzwischen die Belagerung 
Ton Ankl&m begonnen und dort unerwartet heftigen Widerstand gefunden 
hat, nur wenige Truppen dasu bergeben und so wird das Unternehmen 
vorläufig aufgegeben. Dass der Kurfürst im September 1676 mit den 
Herzogen von Celle und Wolfenbüttel und dem Bischof von Munster 
um von denselben zur Fortsetzung der Operationen in Pommern Hülfs- 
tmppen zu erhalten, einen Vergleich schEiesst und sich darin verpflichtet, 
ihnen vorläufig die von ihm im Bremischen beanspruchten Quartiere zu 
überlassen und anch seine Ansprüche auf einen Theil dieses Landes zn 
ihren Gunsten zu ermässigen, veranlasst in Kopenhagen Unzufriedenheit 
und ebenso erregt zn Ende des Jahres die Nachricht von Separat- 
verhandlnngen der braunschweigischen Herzoge mit Dänemark den Arg- 
wohn des Kurfürsten. Als dann der König von Dänemark nach der 
schweren Niederlage, die er im December 1676 bei Lund erlitten, die 

iSttei. t. Gncb. d. G. KaimnteD. XVUL IQ 



oyGooi^lc 



242 "I- Brandenburg, und DIoemark 1676-1679. 

Hülfe des Kurfürst«a anruft, Dimmt dieser zwar im übrigen sich äii\% 
seiner an, aber die beiden Regimenter, welche er ihm anfäDglich iDgengt 
hat, ist er zuDächst wegen der ihm in Preussen drohendeo Gefahr, Diich- 
her weil er für die Belagerung von Stettin alle seine Streitkräfte selUt 
Döthig hat, ausser Staude, ihm zu schicken. Erst nachdem Mitte Sep- 
tember die Dänen sich auf Rügen festgesetzt haben, sendet er lUOO Keiler 
und Dragoner zur Verstärkung, dafür iibedässt ihm nachher auf s«se 
Bitte der König das für diesen in Preussen geworbene Infanteriere^- 
ment Lehndorff, welches dann an den letzten Kämpfen vor Stettio Thail 
genommen hat. 

Im nächsten Jahre 1678 hat der plötzliche Entschluss, welchen der 
Kurfürst auf die Kunde von dem bevorstehenden Friedensschluss Hol- 
lands fasste, nm einen ähnlichen Abfall Spaniens und des Kaisers lu 
verhüten, selbst mit dem grössten Theil seiner Armee nach dem Rhein 
zu ziehen, den Kampf gegen Schweden nur defensiv führen zu lassen 
und auch das wieder mit dem König von Dänemark verabredete Unter- 
nehmen gegen Rügen anf/ugeben, den König heftig erschreckt und die bald 
darauf folgende Ankündigung, dasg der Kurfürst sich erboten habe, mit 
Holland zusammen über den Frieden zu unterhandeln, schweres Mi«ü'- 
trauen bei demselben erregt. Allein jenen ersten Plan hat der Kurfürst 
schon nach wenigen Tagen wieder aufgegeben und jener andere Vorschlag 
war, wovon man sich auch in Dänemark wird haben überzeugen lassen, 
nur ein diplomatischer Kunstgriff, dazu bestimmt, das Zustandekommen 
des Friedens in Holland zu verzögern und dort wo möglich eine Äende- 
rung der Entschlüsse herbeizuführen. Andererseits hat wieder das lange 
Ausbleiben der dänischen Flotte, welche bei der Landung anf Rügen 
mithelfen sollte, wodurch er Monate lang zur Unthätigkeit genöthigt 
wurde, lebhafte Unzufriedenheit bei dem Eurfürsten erregt, und auch 
die plötzliche Absage König Christians, zu der verabredeten Zusammen- 
kunft in Wismar zu erscheinen, wird ihn gewiss befremdet haben. In- 
dessen endlich erschien die dänische Flotte doch und mit ihrer Hülfe 
wurde der Angriff auf Rügen mit dem glücklichsten Erfolge au^eführl. 
Dass det Kurfürst dann die auf der Insel gelegene Neue Fährschaoze 
während der Belagerung von Stralsund besetzt hielt, hat lebhafte 
Gegenvorstellungen dänischerseits hervorgerufen, doch musste der da- 
durch entstandene Argwohn schwinden, als er gleich nach der Ein- 
nahme jeuer Stadt die Schanze von seinen Truppen räumen liess. Bald 



oyGooi^lc 



Einleitung. 243 

dar&uf, Anfang December, erfolgte die Zusammenkunft') beider Fürsten 
wieder in Doberan, auf der aufs neue ein vollständiges Einveratändniss 
erzielt wurde. Der König und der Kurfürst versicherten einander, trotz 
dea bevorstehenden Friedensschlusses des Kaisera treu zusammenzuhalten 
und auf der Behauptung ihrer Eroberungen zu bestehen. Sie verab- 
redeten gemeinschaftliche Sendungen an die braunschweigischen Herzoge 
und an den Bischof von Munster, um auch diese zum Ausbarren bei 
der Allianz zu bestimmen. Sie beschlossen, Unterhandlungen mit Frank- 
reich anzuknüpfen, um dieses zu bewegen, von der bisher geforderten 
vollständigen Restitution Schwedens abzustehen und ihnen günstigere 
Bedingungen zu bewilligen. Sie behielten sich vor, diese Unterhand- 
lungen gesondert zu führen und eventuell etwas von ihren Forderungen 
nachzulassen, aber sie verpflichteten sich, einander von dem Verlauf der- 
selben in Kenntniss zu halten und nur gemeinsam abzuschliessen. Sollten 
diese Unterhandlnngeo nicht den gewünschten Erfolg haben, dann wollten 
sie mit aller Macht den Krieg g^en Schweden und im Notbfall auch 
g^en Frankreich fortsetzen. Der Kurfürst versprach, wenn nur ii^end 
der Verlauf der Dinge in Preussen, wo er damals durch die von Lief- 
land heranziehende schwedische Armee bedroht wurde, es gestatten werde, 
weitere Truppen nach dem Rhein zu schicken und auch dem Könige 
von Dänemark Hülfe zu leisten. Wie über diese Hauptpunkte, wurde 
auch noch über verschiedene Nebenpunkte eine Einigung erzielt. 

Bald aber ist eine Entfremdung zwischen beiden Fürsten eingetreten. 
Gleich nach der Rückkehr von der Doberaner Zusammenkunft nach 
Berlin*) erhielt der Kurfürst so beunruhigende Nachrichten aus Preussen, 
dass er sich entschloss, mit dem grösseren Theil seiner Armee dorthin 
ZQ ziehen und so vorläufig seinen Verbündeten den Rücken zn kehren, 
zugleich liess er Meinders nach Paris gehen. Die unten mitgetheilte 
lostruktion desselben zeigt, dass die demselben ertheilteu Aufträge keines- 
wegs in Widerspruch mit den Doberaner Abmachungen stehen, in Däne- 
mark aber erregte dessen Sendung doch unter den jetzigen Umständen 
den grössten Argwohn und dieser wurde noch dadurch vermehrt, dass 
der Kurfürst nach der glücklichen Beendignng des Feldznges in Preussen 
nicht so bald, wie es der König wünschte, von dort zurückkehrte. Die 
Bemühungen bei den Herzogen von Braunschweig und dem Bischof von 

') S. Hirsch, Die ZusamiDenkunft des Grossen Kurfürsten mit dem König 
Christian T. xon D5neniark lu Doberan 4.-6. December 1678. {Forsob. XIV, S. G9 ff.) 
>) S. Hirsch, Der Wiuletteldiug in Preussen, S. 52 ff. 

16* 



oyGooi^lc 



244 III' Brandenburg nnd Dlnemark 1676—1679. 

Münster hatten keinen Erfolg, Anfang Februar schlössen die ersteren. 
Ende März der letztere ihre Separatverträge mit Frankreich und Schweden 
ab, in denen sie auf den grössten Theil von Bremen und Verden ver- 
zichteten. Unter diesen Umstanden, in der Besorgniss, ganz allein in 
bleiben, entschloss sich') der König von Dänemark Ende Februar dam. 
auch einen Bevollmächtigten nach Frankreich zu senden nnd dort über 
den Frieden unterhandeln zu lassen, 7.ugleich aber schickte er den Ge 
heimen Rath Detlev v. Ahlcfeldt, den Mann, der einst im nordischen 
Kriege hauptsächlich die Unterhandlungen zwischen Dänemark und 
Brandenburg geführt und für ein gutes Einvernehmen zwischen beiden 
Theilen gewirkt hatte, zu dem Kurfürsten nach Königsbei^, um' diesem 
Anzeige davon zu machen. Der Kurfürst war anfangs damit keineswegs 
unzufrieden, er beantragte, dass sie beide nun dort gemeinschaftlirli 
unterhandeln sollten. Aber als ihm, nachdem der bisherige dänische 
Gesandte in Holland, Meiercron, im April wirklich nach Paris ge- 
gangen war, keine näheren Mittheilungen über die demselben ertheilten 
Aufträge gemacht wurden, schöpfte auch er Verdacht, dass Däuemaik 
ohne Rücksicht auf ihn seinen Frieden zu erlangeu suche. Der beide^ 
seitige Argwohn ist dann noch dadurch vermehrt worden, dass eioerselL« 
der Kurfürst ohne Widerstand den Franzosen Wesel und Lippstadt ein- 
räumte, andererseits, dass der König von Dänemark auch mit Schweden 
Sonderverhandlungen zu Lund') führen liess. Die vorliegenden Akten- 
stücke lassen erkennen, dass der Verdacht auf beiden Seiten zu weit 
gegangen ist, dass aber beide Füraten besorgt haben, wenn sie es zun 
äussersten kommen Hessen, von dem anderen im Stich gelassen za 
werden. So entschloss sich denn der Kurfürst, durch die jetzt ^on 
Frankreich angewendeten Zwangsmassregeln in die Üusserste ßedrüngniss 
gebracht, Mitte Juni zu dem Befehl an Meinders, auf die von Frank- 
reich geforderten Bedingungen hin, also unter Aufgabe fast aller seiner 
Eroberungen, den Frieden abzuschliessen. Der König von Dänemark 
hat dieses einseitige Vorgehen als einen Bruch der Verträge aufgefaßt 
und darüber ist es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen beiden 
gekommen. Auf das Schreiben des Kurfürsten vom 17. Juni, in welchem 
er dem König jenen Entschiusa mittheilte und rechtfertigte, antwortete 

') 8. Goecke, II randenburgisch -dänische Beziehungen noch dem Nimwegec 
Frieden im Jahre 1679 (Zeitschr. f. preussische Geschichte nnd Landesbunde XVI) 
S. l&l ff. 

') S. Qoecle a. a. 0. S. 166 ff. 



oyGooi^lc 



EinleiluDf^. 245 

dieser am 27. Juni mit bertigen VorwiirfeQ und Hess, nachdem der Friede 
wirklich at^eschlossen war, ein noch heftigeres Schreiben vom 13. Juli 
folgen. Der Kurfürst hat eine nicht minder scharfe Erwiderung darauf 
abfassen lassen, sein Gesandtor Christoph v. Brandt aber hat bewirkt, 
dass dieselbe erst viel später und in bedeutend abgeschwächter Form in 
die Hände des Königs gekommen ist. Inzwischen hatte auf den Wunsch 
des Kurfürsten Ahlefeldt, der bei diesem geblieben war, sich zum Könige 
begeben, um demselben nähere Aufschlüsse über dessen Verfahren und 
über die Gründe, welche ihn dazu getrieben hatten, zu geben, und diese 
haben den gewünschten Eindruck auf den König gemacht, so daas beide 
Furst«a doch wieder als gute Freunde aus dem Kri^e geschieden sind. 



oyGooi^lc 



Instruction, wornach unser — Geheimer Rath und Neumärkischer 

Cantzlei- Chr. von Brandt auf seiner Zurückreise nacher Denne- , 

marck und am Königlichen Dänischen Hofe noch femer sich 

zu achten hat. D. Cöln an der Spree 5./[15], Januar 1676.') 

(Conc. Chr. V. Brandt.) j 

[Auftrag, das Bündnisa mit Dloemark und entweder den bnunschweigisebeu Hcnegcn 

oder dem Bischof von Münster zn Stande zu briogeD. Die Travemünder Schanu. 

Die ungenngenden Winterquartiere.] 

15. Jan. Er soll seloe Rückreise nach dem d&nischen Hoflagei so beschleunigen , dasi 

er des Hofraths ScbrGder Zarflckkunft von Celle nicht Tersänme. Er soll 
dem Könige und dem Reichskanzler Griffenfeld vorstellen, vne höchst nötliig . 
es sei, dass das zwischen dem Eünige, Ef. und dem Hause Lüneburg gegen l 
Schweden entworfene Bändniss') zur Richtigkeit gebracht werde, weil man nicbt 
nur gegen die schwedische Macht und Machinationen, sondern auch bei den 
bevorstehenden Friedenstrac taten gegen diejenigen sich fest verbündeD müsste. 
welche bereits dahin zielten, dasa man den Frieden nur zwischen Fnok- 
reich, Spanien und Holland befordern, aber mit ihrer Ailiierten Satjsfaction sich 
nicht aufhalten mSchte, wie sich der König von England deutlich gegen 
V. Schwerin') hätte verlauten lassen. Wenn sich der RQnig dazu bereit 
zeigen sollte, so bat er mit seinem Brnder') sich zu bemühen, dass das Bündnis 
zor Richtigkeit gebracht werde. Da Kf, meint, dass man den Bischof von Os- 
nabrück and die Herzoge von Celle und Wolfenbüttel dazu ziehen mäix. 
und wenn diese sich dazu fügen sollten, des Bischofs von Münster nicbt b^ 
nöthigt sein würde, so haben sie, falls Schröder über die Theilong eine 
Einigung erzielt haben sollte, das projectierte foedus in boc passn nach seiner 

') Vgl. Pufendorf 1. SIV, §34 (S. 1ÜG8 f.) 

^ Ueber die früheren Verhandlungen wegen eines solchen Bündnisses s. Bd. XVjl. 
Ein Entwarf desselben war V2.ß2. August 1675 zu Schwan mit dem damals bei dt» 
Kf. befindlichen dänischen Gesandten Heug vereinbart worden. 

•) S. Hirsch, Brandenburg und England 1674-1679 I, S. 10. 

*) Friedrich v. Brandt, Resident d«s Kf. am dinischen Hofe. 



oyGooi^lc 



iDStruktiou för Cbr. t. Brandt. 247 

Verrichlung einzurichten. Sollten aber die braunschweigischen Herzoge 
aich dazu nnd also zu dem foedas nicht anschicken wollen, dann hat Br. sich zu 
erkundigen, wie die Sachen zwischen dem Könige und dem Bischof von Münster 
stehen, nnd muM Kf, dann, wenn der König es rathsam findet, obwohl dabei 
viel zu bedenken ist, einwilligen, dass dieser zu dem foedus admittiert werde. 

Er soll sich anch im Verein mit dem kaiserlichen, spanischen und staati- 
schen Gesandten bemühen, dass der König öffentlich den Krieg erkläre und 
dem französischen und schwedischen Gesandten nicht länger den Aufenthalt au 
seinem Hofe gestatte. 

Wegen der Travemtinder Schanze hat er, wie schon früher, zu erinnern, 
dass die Absicht, dieselbe einzunehmen, zn Abwendung aller Jalousie vorher 
dem Kaiser mitgetheilt werde, oder wenn der König das für bedenklich halten 
sollte, dass wenigstens nachher die Einnahme dem Kaiser unter Anführung der 
Gründe, welche sie nothwendig gemacht, angezeigt und derselbe ersucht werde, 
sie mit zu besetzen. 

Er soll im Namen des Kf. den König ermahnen, seine eigene Person nicht 
weiter solchen Gefahren auszusetzen. 

Endlich hat er dem Könige mitzntheilen, was der Kaiser inbetreff der 
Quartiere des Kf. resolvlert hat'), ihm vorzustellen, dass auf solche Veise die 
Armee desselben dem Untergangs ausgesetzt werde, tind ihn um Rath, was 
darin zn than sei, zu bitten. 



Christoph') und Friedrich v. Brandt an den KuiiÜi-sten. 
D. Kopenhagen 26. Februar/[7. 'März] 1676. 

[AcDsseruDgen des Reicbskanilers über das abzuscb lies sende ßünduiss. Unvillen über 
den Herzog von Celle. Der von Dänemark geforderte Anlbeil am Bremischen,] 

Der Reichskanzler') hat ihnen erklärt*), auch der König wünsche die 7. 

Beschleunigung des Bündnisses, zunächst freilich müsste wegen der Tbeilung 
Ton Bremen und Verden Richtigkeit getrofTen werden, ohne den Bischof von 
Jlünster würde man nicht zum Schluss kommen können, da dieser sich nicht 
mit Geld, sondern mit Land und Leuten wollte abfinden lassen, es auch wünschens- 
werlh sei, dass die Partei gegen Schweden möglichst sfark gemacht werde und 
der Bischof sich bisher so gezeigt, dass zu hoffen, er würde leicht herbeizuziehen 
sein. Dass die Theilung der Schweden abgenommenen Linder ohne Zuziehung des 

') S. unten Abschn. IV. 

') Christoph V. Brandt war, wie er in seiner ersten Relation aus Kopen- 
bagen vom 11./31. Februar t6T6 meldet, «egen büser Wege und Sturmes erst am 
19. Februar dort angelangt. 

>) Peter Griffenteld. 

S. Pufendort I. XIV, §34 (S. 10G9). 



oyGooi^lc 



248 "I- Brandenbni^ und D&nemaTk 1676—1679. 

Kaisers geschehe, damit wäre der König snfrieden, weil aber das Hans Biaan- 
Bchweig uad der Bischof von Münster sich fest an diesen hielten nnd sehr 
auf ihn pochten, so müsste er menagiert werdea und mau sich bei ihm nm 
Garantie der zu machenden Partage bewerben. Betreffend den Herzog von Celle 
versicherte zwar der Reichskanzler, mao wolle auf das Einrathen des Kf. nnd 
pro commuui bono sich auf das glimpflichste g^eii denselbeD bezeigen, nachher 
aber hat der Bath Schröder grosse Klagen über denselben geführt nnd eritliit 
mit dem Glimpf allein würde nichts ausgerichtet werden, sondern sie würden 
auch schärfer sprechen müssen, der König würde sich zwar mit einer geringen 
QebietserwerbuDg begnügen und auch unter gewissen Bedingungen in die Ra- 
sierung von Carlsburg wiliigeu, aber er würde auf der von Kf. vorgeschlagenen 
Versammlung zu Bremen verlangen, dass auch er etwas von den bremischen 
Conquesten abhaben müsste, und er würde dort diese Praetension ebenso scharf 
ailegieren lassen, wie der Herzog sich stets vernehmen lassen, dass er von d» 
dänischen Nachbarschaft Ombrage nehme. Der König wäre ferner entschlossen, 
mit seinen oldenburgischen Truppen, etwa 3000 Mann, an der Belagerung von 
Stade th eilzunehmen, und wünsche, dass auch Kf. seine westf&liscbea Truppen 
mit vor Stade gehen lasse, zu welchem letzteren sie aber keine Aussicht gemacht 
haben. Sie haben nachher die bremische Landkute vorgenommen, der Reichs- 
kanzler zog anfangs eine Linie von Stade nach Ottersberg nnd feagte, ob es 
nicht billig wäre, dass der KÖn^ alles, was von dieser an nach der Seekante 
hin liege, erhalte, als sie aber meinten, den anderen Interessenten wurde 
dieses zu viel dünken, zog er den Strich von Freibarg, etwas unterhalb Glück- 
stadt, über die Oste nach dem Ländcheu Worden zu, welches schon zu Olden- 
burg gehört, und behauptete, dieses postulatum könnten die anderen Interessenten 
nicht unbillig finden. Er .bestand auch fest darauf, dass auch Kf. etwas von 
dem Bremischen haben müsste. llit dem Könige selbst haben sie anch von 
allen diesen Dingen in verschiedenen Discursen gesprochen nnd es zeigte üch 
dabei, dass der Reichskanzler schon von ihm befehligt gewesen, was er ihnen 
antworten sollte. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurförsten. 
D. Kopenhagen 7./[17.] März 1676. 

[Herabsetzung der dänischen Forderungen. Kriegs Vorbereitungen. VersUndigim; 
mit den braun schweigischen Herzogen «ünschenBWertb.] 

n.HiTi. Der Reichskanzler hat') ihnen im Vertrauen entdeckt, dass sein ESnig 

erbötig wäre, sich mit dem Stück Landes von der Oste bis Elsflet an der Weser 
oberhalb des Landes Worden zu begnügen, auch in die Schleifung von Ciris- 



oyGooi^lc 



Die d&nischen Forderangea. Die Quartierangelegetibeit. 249 

barg zu willigea, aber unter der Bedingung, dass diese nicht eher erfolge, bis 
ihm TOQ den Bremischen Conqaesten etwtis gewisses gegeben sei, docb bat 
er, d&von vorlluflg nichts laut werden zn lassen, bis der Herzog von Celle sich 
aof des Rfinigs PostalatioQ herausgelassen bStte. Sie vermutben sogar, dass 
der KSnig noch mehr fallen lassen wird, und zwar wegen der grossen Kiiegs- 
praepaiatoria zn Lande nnd zu Wasser gegen Schonen, welche nicht zulassen, 
dass er hinter sich ein unerreichtes Ziel stehen lasse, sie müssen aach diesem 
Hof das Zengniss geben, dass er auf alle glimpfliche Mittel sinnt, aus dieser 
Sache zn kommen. Sie rathen, Ledebur') zu instruieren, allen Discursen über 
die Dinge, wodurch der Zwist zwischen dem Könige und dem Herzog von Celle 
eatslandeu, vorzubeugen. Zu wünschen wSre, dass man lüneburgischerseits nicht 
alles an point d'bonnenr nehme und mit einer pochenden Manier darauf be- 
stünde, daas der König van dem Bremischen kein ihm wohl gelegenes Stock 
haben dürfte, damit er an der Eibe und Weser nicht zn mSchtig werde. Dies 
scheint des Kanzlers Schütz*) stylus zu sein, denn der Herzog selbst pflegt 
genereux und obligeant zu sein. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 

D. Kopenhagen I0./[20.] März 1676. 

[Gänslige Erkllrungen in der Quartieraugelegeuheit. RathschlSge des Herzogs von 
Pioen in Betreff der Eriegfnhrunif in Pommern.] 

Wegen der Quartierangelegenheit haben sie hier nicht sofort eine beständige 20. Mirx. 
Resolution erlangen kSonen. Anfangs biess es, man litte hier an derselben 
Krankheit und der K5nig könnte docb nicht gut bei dem Kaiser in einer Sache 
iniercedieren, in welcher er selbst grosse Ursache zu klagen hätte. Dann hCrten 
sie, dass der Resident in Wien Lilienkron Befehl erbalten hätte, dort in 
dieser Sache fGr Ef. zn sprechen, und dass mau sie auch hier dem kaiserlichen 
Gesandten Mejersherg recommendieit hätte. Gestern aber benutzten sie die 
Gelegenheit, wo der König mit dem Heichakanzler in der Antichambre 
allein stand, um den König selbst um Batb zn fragen. Derselbe sab darauf 
den Beichskanzler an nnd dieser sagte, der KSnig wollte nicht hoffen, dass 
diese Frage dahin angesehen wäre, dass Kf. die Bände sinken lassen wollte. 
Als sie das Gegentheil veisichert hatten, rief der König auch den Herzog von 



') Der Hindensche Eegiemugsrath 0. J. v. Ledebur, den Kf. Ende 16Td als 
Minen Gesandten nach Bremen zu der dort abzuhaltenden Versammlung gsscbickt 
hatte. 

*) Der Lüaebnrgische Kanzler J. H. Sinold gen. Schütz. S. über denselben 
Eücher, Geschichte von Hannover und Braunschweig II, S. 3G0ff. 



oyGooi^lc 



250 III- BriiDdenburg und D&DeDwrk 1676—1679. 

Ploen') herbei und sagte ihm, wss sie Torgetragen bStten. Dieser erklirte. « 
sei höchst nothig, dsss des Kf, Truppen nach so grossen Anstrengungen, die sit 
auggestaiiden, ohne SBumen mit guten Quartieren versehen würfen, der König 
hoffte aber, Kf. würde deswegen nicht unterlassen, mit ihm zngleicl), sobald Gnt 
gewachsen, die Kriegsoperationen anEurnngen. Er rieth als treuer Freund des 
Kf., derselbe möchte Stettin nicht lange belagern, sondern mit einem ThMl 
seiner Armee bei Zeiten, ehe die Schweden Suceurs nach Pommern biifhten, 
Anklam und Damm wegnehmen, wenn er dazn noch Usedom nnd Vollin 
maintenierte, so hätte er nicht allein keinen Succurs za färcbten, Eoodeni daiui 
würde auch Stettin bald der Äthem 'Tergehen und seine Armee kSnnte dntrh 
mittolmässige Magazine in gutem Stand erlialten werden. Kf. dürfte nirht 
fürchten, dass ihn der Feind übereilen würde, er wollte gut daffir sein, 
dnss, wenn Stettin so von allen Seiten bloquiert wäre, es in kurzem anf nne 
geringe Ansprache ohne eine formelle Belagerung sich ergehen würde. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurffli-sten. 
D. Kopenhagen ll./[21.] Mära 1676. 

[Sturz des Reich skanzlers Griffenfeld.] 

:. — So hoch der Reichskanzler') in kurzer Zeit gesti^en, so 
hoch ist er in einer Stunde gefallen. Wie er heute frühe Ihrer Maj. 
die Briefe von der Post brachte, gingen Sie aus ihrem Gemach, und so- 
bald Sie den Rücken gewandt, trat der General Lieutenant Arnsdorff 
als Oberster von der Garde zu ihm, kündigte' ihme namens liirer Msj. 
den Arrest an, nahm einen Lieutenant mit zwelfen von der Reutergarde 
zu sich und führete ihn vom Schloas nach der königlichen Bibliothek, 
alwo der Lieutenant mit 2 Reutern bei ihme im Gemach, die anden 
aber vor dem Gemach bleiben uud ihn aldar in Arrest halten mussteo, 
bis der geheime Rath und die königl. Tafel geendiget war, nach Ed- 
digung derselben ward er von der Bibliothek, so dichte am Wasser 

1) Herzog Johann Adolf von Holstein-Plön, dem König Christian V. 
nach dem Tode seines Bruders, des Herzogs Bernhard v. H.-Plöa, im Januar \f'i 
dessen Stelle als Oberfeldmarachill übertragen hatte. S. Oebhardi, Gescb. der 
Königreiche DUnemark und Norwegen II, S. 2U1. Goecke a. a. 0. S. 111 f. 

>] Ueber den Sturz Griffenfeld's s. jeUt Jörgensen, Peter Schumtcber 
Griffenfeld, »gl. auch Pufendorf I. XIV, §35 (S. 1069 f.), D. Ablefeldfs Diiriiw) 
meiner Reise nach Copenhagen a. 1676 (Af Geheimeraad DftÜT Ahlefeld t's menoic« 
ed. Bobe S. 95fF.). 



oyGooi^lc 



Der Sturz GriffenfBid's. 251 

stehet, in ein Boot geaetzet und in Begleitung des GeDerdlißiiteoant 
Rosenbrante's nach dem Casteel unter der Soldaten Gewahrsam ge- 
bracht, alwo er erbärmlich sitzen und erwarten muss, was man weiter 
mit ihm voruehmen wird. Indem ihn Arnsdorff nach der Bibliotheli 
bracht, ward sein Haus mit einer starken Musquetirer Wache besetzet 
und der Statthalter Alefeldt und Retchsmarschalk Görbitz blieben bei 
drei Stunden darin und versiegelten alda seine Sachen, Geld und Briefe, 
VF-ährender solcher Zeit ward auch der hiesige Bürgermeister Focq, des 
Reichskanzlers Schwager, bei den Schlossvogt aufs Schloss in Haft ge- 
bracht, sein Bruder Güldenspar, Commissarius vom Uolm, und 
Klingenberg') in ihren Häusern in Arrest genommen und alle das 
Ihrige versiegelt. Wir kÖDDeu Ew. Ch. D. die eigentliche Ui-sache dieser 
schleanigen Veränderung itzt nicht berichten, gegon künftige Post wollen 
wir uns dessen erkundigen. Ihr Dl. der Herzog von Ploen sagten uns, 
Ihre May. hätten fünf Hauptnrsachen dazu und Terloo's Intriguen 
Stacken auch darunter. Crimen insignis peculatus und Correapondenz 
mit dem Feinde werden weil die vornehmste Ursachen sein. Wir 
stellen zu Ew. Chf Dl. gnädigstem Gefallen, ob Sie Ihrer Dl. dem Her-^ 
Züge von Ploen Ihr Interesse durch ein obligeantes Schreiben*) re- 
commendiren und Sie ersuchen wollen, uns allezeit einen freien Zutritt 
zu geben, Sie werden nun woU das Pac Totum werden, welches gewiss 
ein gross Avantage vor Ew. Chf. Dl. und die Alliirtea ist, und dürfte 
DQn an Tag kommen, warümb es bisher so schläferig gegangen, olTent- 
lich hätt« er es nimmer wagen dürfen, Ihrer May. zu rathen mit Schweden 
zu tractiren, und würde es übel bekommen sein, es scheinet aber, dass 
er Franckreich die Versicherung gethan, so viel bei ihm wäre, den Krieg 
schwach zu treiben. — 

■) Dieses bericbligen sie H.ßi. M&rz: Oüldenspar und Elingenberg seien 
nicht Terbftftet worden, .sondern verricbteten noch ihre Aeniter, seien aber in grossem 
Argwobn und Gebbr. 

*) K.f. übersendet ihnen ein solches 18./2S. März und beauftragt sie zugleich 
VI berichten, was ,auf solche grosse Mel amorph ose' erfolgen werde und was de; 
Baader eigentlich begangen hätte. 



oyGooi^lc 



HI. Brandenburg und DÜDemark 1676—1679. 



Chr. und Fr. v. Brandt. D. Kopenhagen I8./[28.] März 1676. 



Dos Reichskanzlers Greiffen- 
feldt Resolutiones, so er uns 
den Cburb Fanden burgischea 
Ministris ortheilet, und die 
Vorträge, so er uns gethan 
hat, kurz vor seinem Fall. 
]) DaSG schwedischorseits dem 
Könige ein Accommodemeat, und zu 
dessen Erliebiiiig die Provinzen Halland 
and Bleckingen angeboten seien, läugnete 
er auf das entschiedenste. 



3) Wegen des kleinen Fahrzeuges, 
dessen sieb Ef. gern auf dem Frischen 
Haff, der Divenow, Schwiege, Peene 
und auf der pommerschen Küste ge- 
brauchen wollte, versprach er, beim 
Könige sein Bestes zu thun, verwies 
sie aber an den Reich sadmiral und 
zweifelte, ob die Admiralität so viel 
klein Fahrzeug würde herbeischaffen 
können, als der König selbst zu seiner 
Flotte und dem Uebergang nach Schonen 
gebrauchen würde. 



Ihrer Königl. May. eigene und 
gegenwärtige Resolution, Mei- 
nung and Vorschläge. 



Gleiche Versicherung hat auch da 
König gethan, der Herzog vonPloen 
und der Statthalter Graf Friedrich 
V. Alefeldt wiederholten dieselbe in 
einer vorgestern abgehaltenen Confereoi 
und erklärten, falls auch ein solches 
Accommodement von schwedischer 
Seite auf die Bahn gekommen wäre, 
so brauchte Rf. davon nicht die geringste 
Ombrage zu nehmen, da Halland nnd 
Bleckingen ohne Schonen für Däne- 
mark ohne Werth wären. 

Der König selbst hat ihnen mit- 
getbeilt, dass er zu seinem grossen Be- 
dauern ausser stände sei, darin dem 
Ef. zn willfahren, und bat gerathen, Ef, 
möchte zusehen, von Holland, Ham- 
burg oder ans seinen preuesischen und 
pommerschen Häfen das nöthige kleine 
Fahrzeug zu erlangen. Er fragte aoeh, 
ob Ef. von den 7 Schiffen, die er vor 
Carlsburg und anf der Elbe gehibt'), 
nicht noch einige bei der Hand hätte. 
Der auch anwesende Herzog von Ploen 
sagte, wenn Ef. seinem Rathe folgen 
und Anklam bald anfangs wegnekmea 
wollte, so würde er dort gewiss eis 
gut Theil klein Fahrzeug finden. Der 
König fQgte aacb hinzu, er hätte keine 
Seeleute, die anf dem Frischen Hif 
nnd der Oerter den Grund und die 
Fahrt verstunden. 



, Die AoRnge der brandenburgischen Karins, S. 6 ff. 



oyGooi^lc 



Die fräberen Krkl&rangen Griffeafeld's Qod die jetzigen des Königs. 



3) Aaf ihr Ersacheo, dnrch Schreiben 
an den KGnig und die Senatoren in 
Polen, unter Ändrohnng, sonst keine 
ScMffe Ton oder nach Polen and 
Preossen durch den Sand zn lassen, 
TOn allen französischen oder schwedi- 
sehen Desseinen wider Kf. abzarathen, 
bezog er sich aaf das jöngst an den 
König wegen der Negotiation LiUe- 
hoeck's') abgelassene Schreiben, das 
auf alles zu beziehen sei, was Schweden 
and dessen Helfershelfer am polnischen 
Hofe wider Kf. and dessen Alliierte zn 
erhalten sich bemüblen; An die Sena- 
toren hitte der König noch nie ge- 
schrieben nnd er ffirchtete, dadurch den 
König zn choquieren, zumal er, um die 
Kosten zu sparen, eine Gesandtschaft 
Zar Krönung nnt erlassen hStte. Er 
meinte aber, der König könnte durch 
seinen Correspondentea in Danzig dem 
Hagistrat dort unter der Hand solche 
Vorstellungen machen lassen. 

4) Wegen der Travemünder 
Schanze') hatte ihnen der König 
geantwortet, er wollte sich darch Ein- 
nehmung derselben nicht gern Jalousie 
auf den Hals ziehen, der Reichs- 
kanzler aber war nicht ungeneigt dazu 
und rieth, man sollte nicht nur die 
l.übeckischen Schiffe behalten, sondern 
auch den Lübeckern gar keine Fahrt 
nach den schwedischen Häfen gestatten. 



5) Wegen des Glückstädter 
Zolls*), sagte der Reichskanzler, 
verde der König durch Hengh Kf. 
ersuchen lassen, seinen Consens in 



Hiemit stimmt man jetzt öbereln, 
nur h&lt der König seinen Correspon- 
deuten in Danzig nicht für capabel, 
diese Sache bei dem Hagistrat zn mena- 

gieren. 



Der König beharrt bei dieser Mei- 
nung nnd wird darin von seinen jetzigen 
vornehmsten Hinistern gestlrkt Da 
sie vernehmen, dass die Lübecker stark 
anhalten, ihnen solle gestaltet werden, 
Ualz nach Schweden zu führen und nach 
Stralsnnd, Greifswald und anderen vor- 
pommefschen Häfen zu fahren, und 
dass sie noch immer schwedische 
Schiffe in ihren Hafen aufnehmen, so 
haben sie dagegen in der vorgestrigen 
Confereuz protestiert nnd werden des- 
wegen ein Memorial einreichen. 

Alefeldt bat vo^estem ebendas- 
selbe recommendiert , und als sie be- 
zweifelten, dass ein einzelner Kurfürst 
solchen Consens in forma solenni er- 



S. Hirsch, Der Winterfeldiug in Preussen, S. 1. 
*) S. oben S. 247. 
') S. obeii S. 839. 



oyGooi^lc 



254 



III. Brtuidenburg nnd Dioemark ] 



-1679. 



feierlicher OesUlt zu ertheilen und 
BDch seine Mitkurfürsten dazo anza- 
halten , und er list sie auch ersncbt, 
die SiLClie za secnndieren. 



G) Der Reichskanzler bat, Ef. 

müchto ebenso wie früher die Procednr 
mit dem Herzog von Otto rp zn Rends- 
burg'), so jetzt die Rasieruug der 
Festung Tönningen') durcli seine 
ministros namentlich im Reich justi- 
ficieren lassen, nnd nannte verschiedene 
Gründe, die dieselben anführen könnten. 
7) Kf. wird sich erinnern, was sie 
über des Reichskanzlers Äeusse- 
rungen in betreff der Partage des Herzog- 
thums Bremen berichtet halten.') 



theilen kSante, und meiDten, die Sube 
sollte lieber auf den Reichstag m du 
Kurfürsten coli eg gebracht werden, be- 
stand er doch darauf, die einHlnta 
Kurfürsten könnten dies Ibnn, nach 
wenn es nicht in pablico conventD ge- 
schehe. 

Diesen Punkt wiederiiolteD itr 
Herzog von Ploen und Alefeld vtt- 
gestem ebenso und fügten nur Udiil 
der König wollte die TünuiD^be 
Artillerie und sonstigen Rriegsbeditf 
behalten und dem Herzoge deswtgtii 
gerecht werden. 

Der König ist damit noch eiDve^ 
standen, empfindet aber mit Ungaidr. 
dass der Reichskanzler zu ihnen gesagt 
hat, er würde wohl zugeben, dies iv 
Slader Zoll beibliebe, und hat ihneD 
bei der vorgestrigen Conferenz sagen 
lassen, er könnte den Herzogen von 
Lüneburg darchaos nichts inf if 
Elbe, und also auch nicht diesen ZolL 
der sich von diesseit des Stroms b« 
dcri vierte, gestatten. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 

D. Kopenhagen 25. März/[4. April] 1676. 

[Unville über das Verhalten des Herzogs ton Celle. Dftnische Vorschl&ge *egtD 
der Tbeilung der Eroberungen.] 

. April, Da*) der hiesige cellische Gesandte auf die Forderung des Königs vegen 

seines Antbeils an den bremischen Conqnesten von seinem Herrn nocli keine 
Resolution erhalten, so glaubt der König mehr and mehr, der Herzog «n 
Celle trachte nur danach, die Theilnng von Bremen und Verden bis nach der 

1) S. Pufendorf 1. XIH, 6 4^ CS. lOOG), Gebtiardi H, S. 2114 ff. 

)} S. Oebhardi II, S. 211^8. 

1 8. oben S. 247 (. 

*) Vgl. Pufendorf I. XIV, § 36 {S. 1070 f.). 



oyGooi^lc 



Streit aber Bremen und Verden. 255 

Eroberong von St&de oder gar bis zd den altgemeiDen Fried enstractitten aofzu- 
hilten und dann mit Zuziehung des Kaisers, Spaniens nnd Hollands jene beiden 
HerK^tbümer nach Proportion dessen, was dann der König nnd Kf. in Schonen nnd 
Pommern. erobert haben möchten, zu tbeilen, und indessen sieb mit dem Bischof von 
Hünster zn des Königs nnd Kf. Nachlheil dort festzusetzen. Diese Jalousie ist 
auch nicht übel gegründet, denn der cellische Gesandte geht stets mit den 
kuserlichen, spanischen ond holländischen Gesandten zu Rathennd diese scheinen 
schon von ihm eingenommen zn sein, da ihre Reden stets dahin gehen, jene 
Theilnog dürfe keine Verhinderung in den Kriegsoperationen and Verbitterung 
unter den Alliierten verursachen, man sollte nur Stade einnehmen und die Sache 
in der Coofoederierten Hfinde stellen. Der König aber will durchaus schon 
vor der Eroberang von Stade Richtigkeit haben, er hat daher, da jetzt die 
Sacbea mit weit grösserer Geschwindigkeit nnd viguenr, als da der Reichskanzler 
die Direction hatte, geführt werden, Lincker abgefertigt, um zusammen mit 
dem Gesandten in Celle v. Gersdorf dort aof categorische Erklärung zu 
dringen. Sollte der Herzog von Celle sich zn keiner Billigkeit verstehen wollen, 
so gedenkt der König, den Vorschlag des Bischofs von Münster, Bremen und 
Verden in fünf Theiie zn theilen, anzunehmen und deswegen den Herzog von 
Hannover zu caressieren. Der Herzog von Ploen sagte zu ihnen, der König 
hoffe, Kf. würde dieses genehm halten nnd insgeheim versprechen, ihm seinen 
fünften Theil, falla er in Pommern völlige Satisfaction erhalten, abzutreten. Sie 
haben es ad referendum angenommen, aber dabei verschiedene Bifficnitaten hin- 
gestellt, dass Münster und Hannover nicht recht zu trauen sei, Celle nebst 
Osnabrück nnd 'Wolfenbüttel es ad estrema kommen lassen mochte, dass 
es ein giossea Unglück sein würde, wenn dadurch die Hauptdesseins auf Vor- 
pommern und Schonen gehindert würden, nnd dass Kf. das verlangte Ver- 
sprechen nicht geben k&nnte, da sonst die anderen auch eine gleiche ErklSrung 
von ihm würden haben wollen, wie es schon in dem Hünsterschen Vorschlage 
enthalten wSre. Sie erwarten daher des Kf. Resolution. 



Christoph und Friedrieh v. Brandt an den Kurfürsten. 
D. Kopenhagen l./U. April I67ß. 

[Unheil des Königs über die Uünsterschen Voriichl&ge. Uissbilligung dea Üaagiscben 
Veriragsprojactes. Die Flotte.] 

Sie haben dem Könige die Vorschl^e des Bischofs von Uönster') mit- ii, 
getheill, derselbe*) Hess ihnen, nachdem er im geheimen Rath darüber deli- 



') S. Pafendorf I. XIV, § 36 (S. 1071). Sie melden U./21. Hai, der König 
liabe grosse Freude beieigt, als sie ihm angezeigt, dass auch Kf. die Uünsterscben 
Antrige verworfen habe. 

>) S. Pnfendorf a. a. 0. 



oyGooi^lc 



256 III. Brandenburg nnd D&Demark 1676—1679. 

beriert, sagen, er wanderte sich Qber dieses Anerbieten des Bischofs, di der- 
selbe auch Theilnahme an der Belagerang voa Stade und Sendang ih 
10 000 Mann nach dem Rhein versprochen, er scheine imposgibilia zu verbeissn 
und dadurch nnr die iSnebnrgischen Herzoge einschüchtern za wollea. Doch 
rieth er, den Bischof zn menagieren, bis man sehe, wie es zd Celle abgelulen, 
Kf. wurde ihn wohl hei guter homenr zu erhalten wissen , wenn er ancta so 
bald noch keine Resolation bekSme. Der König hat ihnen zugleich mittlietlen 
lassen, dass er sehr bestürzt wfire über das im Haag von den Ministem te 
Alliierten gemeinsam unterzeichnete Project') wegen des Bremischen Wesens, 
sein eigener Minister Meiercron sollte w^en Mitunterzeichnang desselben 
einen scharfen Verweis erhalten. Das Project wSre nicht nnr an nnd für sirh 
für den König und Ef. sehr nachtheilig, sondern es kirne jetzt anch la ginz 
unrechter Zeit aaf die Bahn, der Herz<^ von Celle werde dieses als neaeo 
Vorwand benutzen, um einer Erklärung ober die d&nische Forderung aofiu- 
weiclien. Er Hesse Kf. bitten, dieses Project nicht zu approbieren. 

Die Flotte ist heute früh unter Commando des Admiral Jnel nach der 
Ostsee ausgelaufen. 



Der KurfDrst an die v. Brandt. D. [s. 1.] 2./[12.] Api-il 1676. 

[Warnung vor den frauiüaiscban Anschllgen.} 

Wir werden benachrichtiget, samt rühmten sich die FranioBen, 
dass sie allenthalben ihre Pensionaires hätten und dadurch, gleichwie äe 
ihnen viele kosteten, auch viel auszurichten hofTeten. Von I. Kön. M. 
zue Dennemark sollen sie ausgeben, sie hätten Mittel and W^e, die- 
selbe umb die Crone zu bringen und solche dem Könige von Schweden 
aufzusetzen, uns aber wollten sie assassiniren lassen. Gott mache ihre 
Rathschläge zu Schanden, indessen ists gut, dass mau auf seiner Jlut 
sei. Ihr könnet es I. Kön. M. erölTnen und sie versicheren, dasa wir 
deroselben, wann wir was mehrea erfahren, wie wir dann darumb b^ 
mühet sein, solches alles communiciren werden. Das Obgemelte haben 
wir von einem, der es aus eines französischen IJedienten Munde gehöret. 

■) S. oben S. 142. 



oyGooi^lc 



Daa HürttUr'scbe nad das Haagar Projects. Die Schiffe Raule'a. 257 

Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 

D. Kopenhagen 15./[25.] April 1676. 

[VerbandliiBgeii mit den dijiiscbea Uinisteni ober die erwarteten Schiffe des Ef.] 

Sie haben mit dem Herzog von Ploen uad Älefeldt wegen der hier 2b. Apr. 
unter Raole erwarteten Schiffe') conferiert und zwar so, dass Kr. nicht za 
fürchten hat, sein Vorhaben werde dadarch offenbar werden, doch hat man hier 
scboD vor etlichen Wochen aus Seeland Nachricht erhalten, dass dort für Kf. 
einige Fregatten ausgerüstet würden, die nach der Ostsee gehen sollten. lu 
der Conferenz lasen sie zasammen des Kf. Ordre an Raute darch und sie 
baten darauf, dass der König alles darin Enthaltene genehmigen und seinen 
Schiffen gleiche Ordre ertheüen müchte. Darauf verliingten die beiden dänischen 
Uinister, dass Kf. scbriftlich bei dem Könige am die Passage dieser Schiffe an- 
sachte, als sie aber erklärteo, dass keine Zeit daza wSre, da sie die Schiffe 
täglich erwarten müssten, ward verabredet, dass sie nur ein Memorial einreichen 
sollten. Das haben sie auch getban, sie haben dasselbe aber auf das ganze 
Desseia des Kf. nnd dass der König sich demselben confirmieren mochte, ein- 
gerichtet. Sie können nicht genug exprimieren, wie ängstlich die dänischen 
Uiuister thaten, dass Kf. beabsichtige, die englischen und holländischen Schiffe 
visitieren nnd nach Befinden aufbringen zu lassen, denn dadurch würden der 
König und Kf. die günstige Conjunctur verlieren und gezwungen sein, die Waffen 
niederzulegen, wenn entweder England eine Kriegsflotte nach der Ostsee 
schickte oder Holland gegen sie kaltsinnig würde und keine Schiffe mehr 
gegen Schweden zu Hülfe sendete. Doch sagten sie, der König würde nicht 
ablassen, im Haag gegen den beabsichtigten Commercientractat mit Schweden') 
11 arbeiten. 



Chmtoph und Friedrich v. Brandt an den KurfQreten. 
D. Kopenhagen 6./[16.] Mai 1676. 

[ADsicbt des Königs über das gegen den Herzog von Hannover aniuiFeudende Ver- 
ehren. Wiederaufnahme der Verhandlungen über das Bündoiss mit Kf.] 

Sie haben des Kf. Auftrag inbetreff des Herzogs von Hannover*) ans- IC. Mai. 
gerichtet. Auch der K5nig ist unzufrieden, dass sein Oesandter Buchwaldt 

■) S. Peter a. a. 0. S. 8 f. Sie melden 6./16. Uai, Raule sei gestern splt 
hier glöeklich angelangt, sie wollten noch heute alles richtig zu machen suchen, da- 
mit er moi^n nach Wollin weitersegelu könne. 

») S. oben S. U5. 

^ Kf. hatte ihnen (d. Cöln 24. April/4. Mai 1676) Nachricht von der erfolglosen Sen- 
dung Gl adebeck's lu demselben (s. Pufendorfl. XIV,§ä3, S. 1057) gegeben und sie 
Mitfr. I. Guch. d. G. KnrfDrateo. XVUI. ]7 



oyGooi^lc 



258 ni. Brandenburg und Dänemark 1676—1679. 

dort nichts erreicht hat, auch er wünscht, dass der Herzog von der NeotrslM; 
abgebracht und vollends herbeigezogen werden möge, zweifelt aber, d»ss t«- 
Uuflg durch eine Geaammt Schickung etwas auszurichten sein werde, weil iessev 
Bruder und der Herzog von Wolfenbüttel ibm die Quartiere im Reich in g»t»n- 
tieren veispiocben. Doch glaubt er nicht, dass es nöthig sei, sich vor ihm zu 
furchten, ebensowenig wie es rathsam sei, ihn durch scharfe Uittel aafzordzen. 
Er behauptet, Nachricht zu haben, dass auch die Franzosen und Schweden tod 
ihm Jetzt nur Neutralität verlangen, fürchtet aber, er mochte der Proposition 
des franzosischen Residenten Rousseau Gehör geben, wonach es ihm frei steliM 
soll, sich anch an der Belagerung von Stade zu betheiligen, wenn er es dahin 
bringen kann, dass seine Brüder und Wolfenbüttel nach Eroberung dieses Ortfs 
neutral bleiben. Der König wünscht, dass der Kaiser davon benacbrichiigt 
werde, damit dieser bei dem Herzog von Celle vorbeugen könne. 

Für des Kf. Erklärung gegen Heugh, beim Kaiser und den anderen Ror- 
fÜTsten dahin wirken zn wollen, dass dem Könige der Glückstädter Zoll gelassen 
werde, bis er 600 000 Rtblr. daraus genossen, ist der König ihm sehr dankbar. 

Der König ist nun geneigt, weil man mit dem Hause Braunschweig 
noch nicht richtig werden kann, mit Kf. allein das entworfene foedus zu schliessen') 
und nachher die Herzoge von Braunschweig und den Bischof von Mänster 
dazu einzuladen. Graf Alefeldt nnd der Reichs marsch all Körhitz sind zu 
Commissarion ernannt, sie werden mit ihnen zusammen das Project vornebmen 
und darin ändern, was sich etwa auf diese Conjunctur im Bremischen nicht 
schicken sollte. 



Christoph und Friedi-ich v. Brandt an den KiirfOrsten. 

D. Kopenhagen 20./[30.] Mai 1676. 
[Uiltb eilungen und Anfragen des Königs wegen eines AngrilTs auf Rogen.] 

i. Der KSnig hat ihnen gestern im Beisein seiner vornehmsten Staats- nnd 

Militärbe dienten mitgetheilt, er beabsichtige, je eher je besser einen Versnrh 
zur Eroberung der Insel Rügen zu machen, wenn er nur wüsste, ob Kf. ibm 
die Hand dazu bieten nnd seine Kriegsoperationen in Pommern so einrichten 

beauftragt, mit den dänischen Uinistem zu berathen, wie man sieh gegen denselben 
sichern köone, es sei eine Gesamnitschickung aller derer, die mit dem Herzoge dtn 
Tractat gemacht, vorgeschlagen ncirdeii, er wünsche, dass auch der König jeminil 
dorthin schicke. 

>) Kf. hatte laut dem Protokoll einer zu Berlin am 3./I3. Hai 1676 mit dem 
dänischen Gesandten He ug abgehaltenen Conferenz die Wiederaufnahme der Alliam- 
verhandlungen in Anregung bringen lassen. Heug hatte aber erklärt, er sei da- 
rauf nicht instruiert, auch passe das im August 1675 gemachte Project nicht auf di« 
jetzigen Conjuncturen, es müsse ein neues gemacht werden. 



oyGooi^lc 



WiederaufDsbme der AltiaDiTerhandlaDgaD. Dnternabmeii gegen Rägeo. 259 

wollte, dass er nicht dort aller in Vorpoininera stahender Macht gewärtig sein 
dürfte. Sie haben versichert, dass Kf. dazu bereit sein wurde, und gefragt, 
wie der König den Anschlag aiiszaführen gedenke. Derselbe antwortete, seine 
Nanplflotte ■) ginge zwar nach den Scheeren, er hfitte aber hier noch 10 Schiffe 
m Reserve, welche den Transport nach Schonen fiivorisieren sollten, davon 
könnte er allezeit 4 oder 5 mit der nSthigen Infanterie besetzen, vielleicht auch 
einige Schilfe von der groasen Flotte dazu detachieren, auch zn den noth- 
wendigen kleinen Schiffen wösste er Ratb. Er ersuchte Kf., 1) ihm die Zeit 
anzugeben, wann er gegen Pommern anfznbrechen gedenke, 2) den Ort, den er 
zuerst zn attaqaieren beabsichtige, 3) ob er nicht trachten würde, die pommer- 
schen Pisse wieder einzunehmen und einen Theil seiner Armee zwischen die 
Peene nnd das Meer zn postieren, 4) seinen Schiffen, die neulich durch den 
Sand gegangen, zo befehlen, ihn bei diesem Unternehmen zu unterstützen, 
5) ihm von Hinterpommem, besonders von Wollin ans, mit einigen Dragonern 
an Hand zu gehen, doch würde er auch wohl ohne diese das Dessein ausführen 
kSnnen. 



Der KurfQrst an die v. Brandt. D. Cöln an der Spree 
24. Mai/[3. Juni] 1676. 

[Has neue Allianzproject Abkommea mit dem Eenog von Celle. Noth wendigkeit, 
einer Einmlschnng des Kaisers in die Theilung TOn Bremen zuvorzukommen.] 

Hit dem dinischen Gesandten ist') wegen der Allianz conferiert and für 3 
oSthig befunden worden, ein neues Project aufzusetzen. Da andere dazu In- 
vitierte die Sache mehr aufgehalten als befördert haben, so ist beschlossen, dass 
das foedas anfangs nur auf den König und Kf. gerichtet werden solle. Sie er- 
halten beifolgend das Concept, sie sollen sich bemähen, dass mit ihnen darüber 
conferiert und die Sache endlich in Richtigkeit gebracht werde. 

Bemerkungen zu den von dem dSnischen Gesandten zu dem Project ge- 
machten Erinnemngen. 

') Am 13./23. Hai halten sie berichtet, der König: fürchtete, dasa die Schweden 
eine Seebataille verauchen würden, er Hesse daher alle ijehiffe, wie sie fertig würden 
oder aas Holland kiman, zu Admiral Juel stoasen, der nach dar Einaabme tod 
Piothland zwischen Scfaonan und Rügen krenzte, auch Tromp sollte ihm mit dem 
Adniralsehiff Christian V. and den noch aus Holland erwarteten Schiffen folgen. Da 
derselbe statt 3000 nur 600 Bootsleute aus Hoilaud erhalten, so werde die Flotte 
ni Kuftag nur aus 35 Schiffen besteben, doch sei er damit zufrieden und gedenke 
sich vor die Scheeren zu legen und das Auslaufen der schwedischen Flotte za ver- 
hindern. 

1} S. oben 3. 258. 



oyGooi^lc 



260 Il[- Bnmdeuburg und Dln«mark 1676—1679. 

Du der grSsste Theil der Alliiarteo erklSrt hat, dass Kf. an Stade nicbt 
participieren wörde, wenn er bei der Belagerung keine Völker hätte, so hit er 
mit dem Herzog von Celle abgemacht'), dass ihm dieser dam 2000 Mann m 
Fass und er ihm dafür die Quartiere, die er sich im Bremischen bedungen. 
Obertassen solle. Sie sollen dem Könige Anzeige davon machen, dass Kf. Ai^en 
Interims vei^leich habe eingehen mnesen, aber sonst freie Hand behalten habe. 
Hit Mfinster bat er nichts geschlossen oder verhandelt, BOudem alles ist n&eti 
Bremen verwiesen worden. Er hat Nachricht'), der Kaiser wolle nach Bremen 
schicken, den Vergleich vermitteln und an den Landen participieren, um») 
mehr haben die Alliierton zu eilen, die Sache abzuthan. Kf. meiut, iu 
Bremischen müssten alle PlStze bis anf Buxtehude und Bremervörde rasiert 
werden. 



Der Kurffiret an die v. Brandt. D. Cöln an der Spree 
25. Mai/4. Juni 1676.*) 

[Feldzugsplan. Bitte nm Unterstütiung durch dinische Schiffe.] 

. Juni. Nachdem wir resolviret, Wollgaat zu entsetzen, als woran ud:' 

sehr gelegen, es fiDden sich aber dabei einige Schwierigkeiten, indem 
der B'eind Usedom trefflich verschanzt und dass unmöglich ist, über 
die Suhwiene zn kommen, alwo sich der Feind sehr postiret, als sein 
wir bedacht, nunmehr mit aller anser force bei Triebsee oder Dam- 
garten die paäsage zu suchen nnd zu sehen, aldar über zu kommeo. 
Weil wir aber itzo veraommeo, dass der Feind sich aldar überaus stark 
verbaut, so habt Ihr in uoaerm Namen Ihre Kou. M. zu ersuchen '), ^ie 

>) S. den Vergleich vom 37. Hai 1676 <t. Mörner S. 388 f.). 

>} S. unten Abschn. IV die Relation v. Crockow's vom 7./17. und du 
Schreiben des Kaisers an den Kf. vom 23. Uai (Urk. u. Act. XIV, 2 8. 869). 

*) Die AusferligaDg in Ziffern. 

*) Das Folgende nach einer eigenblndigen Aufieichnnng Derfflinger's: 
,EraIlichen muess erwenet werden, ob nicht Ihr Hajtt. der König einige Schif Ik- 
lieben mechten naher dera lassei Rutte vnd an dem Eingang der PeoG wo <lic 
Scbantz Pennemiade lieget, daselbst bingebea lassen wolle, dass man altar die Peet' 
minder Schanti tnit den Sticken auss den Schifen also beachieaeen mecfate, «tili 
solches nur eine kleine Schantz ist vnd solche gar leicht dadurch ruinnirt weiin 
kinde, alss dan kinds man ProGand in Wolgast gar leicht hinein briogen, aucb wtte 
sehr dienlichen, wen Ihr Konigl. Mayit. einen Antbeil von dero SchiteD bef i'i 
Landigen Kige altar kreitzen liesa. So bald als wir an die Trebel vnd Pen« u- 



oyGooi^lc 



Der FsldzugspUn des EurföreteD. 261 

wollten gernheD, dem gemeinen Wesen zum besten einige dero Schiffe 
bei Rügen und Enden kreuzen za lassen nnd falschen Allarm zu 
geben, auch ob Sie nicht belieben wollten, mit dero Generain und See- 
verständigen zn überlegen, obs nicht möglich wäre, auf Usedom, wo 
der Ingang der revier und die Peenemünder Schanze lieget, welche 
sehr klein und von weniger importans ist, sich derselben zu. bemächtigen, 
und kuntten selbe durch Stücken gar leicht ruiniredt werden, weil es 
ein kleines Werk ist und nicht mehr als 8 12tLdige Stücke zu befinden. 
Und habt Ihr dahin zu sehen, dass Ihr Ken. M. uns hierzu durch dero 
Schiffe die diversion nnd Hülfe leisten nnd deroselben beliebig sein 
möchte, die Ihrigen zu beordern, dass auf unsere Ädvertirung durch 
eine Galliotte aus Wismar demjenigen, der die Eönigl. Flotte commen- 
diret, advertiret werden möchte, welchen Tag wir uns mit der Armee 
bei dem Pass befinden würden, damit Sie alsdann mit einigen Schiffen 
dero mesores nehmen könnten. 

Hiernegst haben wir nicht unterlassen wollen, Ihr. Kön. M. im 
Vertranen das Hauptdessein, ao wir hiebei haben, zu commnniciren, 
nämlich dass sobald wir über den Pass Damgarten oder Triebsee 
kommen und das Proviant in Wolgast gebracht, wir mit Göttlicher 
Hülfe entschlossen, uns wirklich vor Anklam zu engagiren, weil ohne 
diese Post Stettin nicht woll anzugreifen, indem der Feind stets 
Succurs von Anklam auf Stettin bringen könnte, hingegen aber, wann 
Anklam erobert, Stettin sich wegen Mangel und in Entstehung des 
Succurses nothwendig würde ergeben müssen. Hernach, wann noch Zeit 
übrig, sein wir willens andere örter, etwa Gripswalde oder Demin 
anzugreifen. 

Weil nun dieses in höchsten geheim muss gehalten werden, so 
zweifeln wir nicht, Ihr werdet hierin Euren Eid betrachten und die 
Sachen also führen, dass sie nicht vor der Zeit auskommen möchten. — 



\iagta werden, das albir ein Mine genacbt wurde, alaa wollen Sie ansetzen, damit 
wir deste besser vber diesse Piss bomen kinden, so balt solches geschehen, wurden 
mir Aacllam »Dgreifea.' 



oyGooi^lc 



262 III- Bnadenburg und DlnemArk 1676—1679. 

Der Kurfürst an die v. Brandt D. Cöln an der Spree 

27. Mai/6. Juni 1676.') 

[Auf die Rehtlon lom 20./[30.] Hai. Erldlniug wegen Hitwirkung zu dam Unler- 
nshmen gegen Rügen.] 

. Juoi. Er dankt dem E&nlge för die Tertranliche Mittheilnng seiner Abucht, sich 

RGgens zd bemSchtigen. Betreffend die 5 besonderen desideria des RMp, so 
will er: 

1) sobald seine Leute an der Elbe sein werden, dem KSnige die eigoit- 
liche Zeit seines Aufbruchs durch einen Expressen anzeigen. 

3) Anf die Frage, welchen Ort er in Pommern zuerst za attaqoieren willens, 
bezieht er sich auf sein Rescript Tom S5. Mai. 

3) Er will trachten, sich der pommerschen Pfiase zu bemSchtigen ood 
zwischen der Peene und der See zo postieren, damit er dem E5nige in die 
Hand gehen könne. 

4} Er will seine Schiffe begebrtermassen beordern, dass durch dieseltteo. 
namentlich durch das kleine Fahrzeug , des Königs Intention facilitiert verde. 

5) Wenn Usedom befreit sein wird, wird er dem ESnige mit einigen Dra- 
gonern assistieren. 

Sie sollen dieses dem Könige hinterbringen and ihn zugleich ersuchen, «d 
paar Schiffe mit Stücken an den Eingang der Peene zu beordern, am die 
Peenemfinder Schanze za beschieBsen und zu ruinieren. 

Die Schweden sollen jetzt nach den Aussagen von Gefangenen nnd ron 
Edelleuten im Lande selbst in schlechtem Zustande sein. 

Sie sollen fGr beikommende 300 Rthlr. Mehl nnd 10 Tonnen Salt hanfeo 
und durch königliche Schiffe nach Wo) gast bringen lassen.') 

■) Randbemerkung: ,Äd mandatum Seremssimi proprium." Die Aasfertlguiil 
auch in Ziffern. 

•) Kf. schickt wenige Tage darauf den Legationgrath B. Chr. t. Hagen ii»ch 
Kopenhagen. In seiner Instruktion (d. Cöln a. d, Spree 30. Mai/[9. Juni] 16?6) 
wird derselbe beauftragt, dem Könige anzuzeigen, dass Kf, mit seiner Annn in 
Tollem Marsch begriffen nnd entschlossen sei, die Operationen mit aller viguear in- 
zutreten, und ihn zu bitten, zur Erleichterung derselben eine DiieTsion gegen Das- 
garten unteruehmen zu lassen, ferner ihn darauf aufmerksam zu machen, dass Rügen 
jetzt ganx von den Schweden verlassen und daher leicht anzugreifen sei. Aitsserdci 
soll er sich dort wegen des Eornkaufes erkundigen und, wenn er findet, dass dassth' 
dort billiger sei, 1000 Wispel Roggen, nach Rostock zu liefern, kaufen. Sam' 
liegt über diese Sendung nur das Recreditiv des Königs für i. Hagen (d. Kopen- 
hagen 10./[20.] Juni 1676) vor. 



oyGooi^lc 



nnterstütiuDg des UnternebmeDS gegen Rügen. Allianzverbandlungen. 263 

Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfilrsten. 
D. Kopenhagen 3./[13.] Juni 1676. 

[Aur du Rescript Tom 34. Hai. Verhaudlungeu über die Allianz. Besorgnisse des 

Küaigs wegen des Abkommens mit dem Henog von Celle. AurzuDebmende Be- 

dinguDgeu.] 

Sie haben aas dem ihnen zugesandten neuen Allianzproject einige Pankte 13. Juni. 
in das alte, über das sie mit den dänischen Ministem schon fast im reinen sind, 
eingerückt, dasselbe wird nun dem Könige in pleno consiJio voi^etragen werden 
und werden sie es dann dem Kf. zusenden.') 

Sie haben dem KGoige und dessen Ministern von dem mit dem Herzoge 
Ton Celle abgeschlossenen Abkommen Anzeige gemacht. Da dieselben aber 
fürchten, dass dadurch der Herzog nur sie beide zu trennen und seine eigen- 
nützigen Zwecke zu erreichen suche, so wünschen sie, Ef. m5chte, falls ein for- 
maler schriftlicher Vergleich darüber autgerichtet werden sollte, in diesem per 
upressum mit bedingen, dass I) nicht nur ihm, sondern auch dem Könige ver- 
gnügliche Satisfactton ans dem Bremischen geleistet werden müsste, 2) die 
Trappen, die Kf. zur Hitbesatzung von Stade stellen sollte, nur aus seinen 
eigenen oder anderen, nicht aber aas den lünebut^i sehen Truppen genommen 
Bürden, 3) sollte Kf. seinen Anfheil am Bremischen, wenn er in Vorpommern 
t'cnügende Satisfaction erhielte, seiner früheren Zusage nach dem Könige 
destinieren nnd auch, falls Lüneburg und Münster ihm in Pommern assistieren 
sollten, dem Kün^e seinen Antheil nach Proportion der Hilfe, die derselbe ihm 
i;eleistet habe nnd noch leisten würde, reservieren. 

Da die Eroberung Vorpommerns vornehmlich von des Königs Assistenz 
nnil der guten Correspondenz mit demselben abhSngt und sie demselben das 
Zeugniss geben müssen, dass' er keinem seiner Alliierten soviel Freundschaft 
utid Assistenz zu leisten geneigt ist als dem Kf., so rathen sie, ihnen darüber 
sokhe Ordre zu ertheilen, dass sie dem Könige seine Sorge benehmen können. 



') Sie senden 7./17. Juli dein Kf. das Project des I 
den dänischen Eommissareu in Richtigkeit gebracht haben, den llauptlractat, 6 Secret- 
arukel, die altein zwischen dem Könige und dem Kf. aufzurichten sind, tind einen, 
den die dänischen Minister anlicipando mit den b raunschw ei gi scheu aufgerichtet 
baben, zu und berichten, der König lasse den Kf. ersuchen, falls er nicht gar essen- 
ilalia lu sadern ünde, es so, nie es lautet, auxunehmen, da eine längere Vertügerung 
sehr uaebtbeilig sein würde, weil sowohl die Friedenshandlung anginge, als auch 
die braun schw ei gi sehen Herzoge sich jetxt vegeu der Miteintretung wohl erklärten 
nnd es sehr wünschensnerib wäre, dass man mit denselben vor der Eroberung von 
Stade zum Schluss käme. Auch sie sprechen die lloffnung aus, Ef. werde mit dem 
Project zofrieden sein. 



oyGooi^lc 



264 HL BrSDdBDburg uod Dlnemark 1676-1679. 

Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 
D. Kopenhagen 20./[30.] Juni 1676. 

[Diversion zu GuDsten des Ef. Die UnteroehmnngeD gegeii Rfigen und Schonen.] 

30. Juni. Ädmiral Tromp liegt jetzt vier Meilen von hier and ISsst seine Srhile 

reparieren'), indessen lässt er 12 CapitalschiCFe zwischen Bornhotm und Rügen 
kreuzen, wodurch des Kf. desideriam wegen der Diversion in so weit erfüllt 
bt. Wegen der beiden Schiffe aber, welclie die Peenemünder Sebiiue 
attaquieren sollen, ki3nnen sie noch nichts erhalten, weil alle Seeleute cinsUmuiig 
sagen, dass man mit keinem Orlogschiff herankommen könne, sie werden aber 
noch femer Änsuchung thun. Der Eifer, die Insel Rügen za attaquieren, hit 
sich nach dem Seesiege vermehrt, doch soll dieses Dessein erst ansgefälirt 
werden, so baid der König auf Schonen Posto gefasst haben wird, welches in 
8 Tagen geschehen muss, weil morgen alle Regimenter zu Schiffe gehen. Didd 
will der König an Kf. einen Expressen senden und soll auch Tromp mit RE. 
über Wismar nnd Rostock genau correspondieren. 



Der KurfQrat an die v. Brandt. D. Feldlager bei Levitzow 
25. Jum/5. Juli 1676. (Conc. v. Gladebeck.) 

[Glückwunsch zu dem dSoischen Seesiege. Beginn der Feindseligkeiten.] 

5. Juli. Sie sollen dem Könige zu dem Seesiege Glück wünschen nnd ein bei- 

folgendes GratulationsBchreiben übergeben. 

SoQSten geben wir Euch hiemit in Gnaden zu vernehmen, wi^ 
gestalt wir*) morgen, geliebt es Gott, den Anfang machen werdeD, die 
paäsage in Vorpommern par foroe zu suchen und die schwedische 
Posten zu attacquiren, ungeachtet die keyserliche Infanterie anter dem 
Graf Coob annoch nicht bei uns angelanget: und weil es deaeo 
Schweden unmöglich an allen Orten und Ecken genügsamen Wider- 
stand zu thun, 30 würde es nun die rechte Zeit sein, sich der Insul 
Rügen ohne Mühe zu bemächtigen. Wir haben alhie Nachricht, ils 

') Am 1. Juni hatte Tromp bei Oeland einen grossen Sieg über die sch>«<liscbe 
Flotte errungen s. Gebhardi I], S. 2184, Carlaon, Geschichte Sehw«deu H', 



oyGooi^lc 



Beginn des Feldiuges. Anträge Wsngelin'B. 265 

wann der Orten ein grosses Scbiessen gehöret worden, daher wir dann 
Termutheo, es werde bereits eine attacque geschehen sein.') — 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. im Feldlager 

zwischen Greifewald und Wolgast 2./[12.] Juli IC76.^) 

(Conc. V. Gladebeck.) (Generalstabsarchiv.) 

[Aolitge Wangelin's. Zurückweisung derselbeo. Weilerer Eriegsplan. Usbuung 
zum Angriff gegen Rügen.} 

GIückwuDscIi zur Einnahme von Ustede.') Der vom König von Schweden I 
kommende, von seinen Fregntten gefangene und nach Colberg gebrachte Obrist 
Wangelin*) bat gegen v, Schwerin') gedacht, er hätte Brief ond Ordre ge- 
habt, mit ihm wegen eines Friedens zii tractieren, der König von Schweden 
würde kein Bedenken haben, ihm Stettin, Wollin, Usedom und Wolgast abzu- 
treten. Er denkt aber trotz alles ihm bei einem particulier Frieden angebotenen 
Vortheils nicht an einen solchen, hat Wangelin^s Proposition so wenig ge- 
achtet. dasB er ihn in noch genauere Verwahrung hat halten und, damit er keine 
verdächtige Correspondenz pflegen kCnne, nach Peitz bringen lassen. Er hat°) 
Wolgast gänzlich entsetzt and wieder victuaiJliert, sich auch der Schwiner 
Schanze wieder bemächtigt und ist jetzt im Begriff, auch die übrigen Schanzen, 
welche die Schweden noch derends haben, zu erobern und sodann etwas Haupt- 
sächliches vorzunehmen. Er wiederholt sein Ersuchen, der König mQchte, nach- 
dem er anf Schonen festen Fuss gefasst, seine Flotte nach Rügen gehen and 
diese Insel dem Feinde abnehmen lassen. 

') Kf. theilt {d. Feldlager bei Tribsees 28. Juni /[8. Juli] 1676) den v. Brandt 
die Einnahme des Passes von Triebsees mit (s. oben S. 33) und fügt hinzu, wenn 
der König jetit noch einen Versuch anf Rügen machen wollte, so würde derselbe 
leicht gelingen, da er dem Feinde sonst genug zu thun gebeu wolle. 

>) 8. die ganz ähnliche Uittbeilung an den Kaiser vom 3./13. Juli ltiT6 
[Crk. u. Act. SIV, 2, S.876t.). 

») Ystadt, s. Gebbardi II, S. 2135. 

*) Oberst Wangelin, der 1673 und 1674 als schwedischer Gesandter bei dem 
Kf. »ich aufgebalten hatte und 23. Juni 1675 in Rathenow gefangen worden war. 
S. über diese neue Gefangenschaft desselben Brode, Ein schwedischer Oberst auf 
der Featnng Peitz (Märkische Forsch. XX, S. 65 ff.), Müsebeck S. 64. 

^) Generalmajor Bogislav v. Schwerin, Gouverneur von Colberg, 

•) S. oben S. 22 t. 



oyGooi^lc 



III. Brandenburg und D&uemark 1676-1679. 



König Christian V. von Dänemark an den Kurfürsten. 

D. im Lager bei Landskron in Schonen 10. /[20.] Juli 1676. 

[Das Unteraebniea gegen Rügen. Sendung Knuhf's.] 

30. Juli. Nachdem er seine Landaag hier glücklich vollzogen and mitteh Erobe- 

ruDg der Stadt uad des Schlosses Uelsingbarg ') in dieser Provinz festen Fass 
gefasst, hat er Tromp befohlen, sogleich mit der Flotte nach Rügen sich » 
begeben und sein änsserstes zu thun , am sich der Insel zn bemächtigen. t.i 
schickt seinen Kammerjonker Eggert Christotf v, Enutt, nm Kf. Ton dieser 
Verfügung, sowie vom Zustaud seiner hiesigen Kiiegsopeiationen part zu geben. 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. im Feldlager 
vor Anklam 16./26. Juli 1676. 

[Hassr«gela zur Unterslätzung des Angriffs auf Rügen.] 

26. Juli. Glückwunscli zu den Progresseo auf Schonen. Dank für den Befehl zun 

Angriff auf Rügen. Um dieses Unternehmen zn erleichtern, hat er seinem 
Schiffs-Director Raule Befehl erthetit, mit den bei sich habenden Schiffen in 
Tromp's Flotte zu stosseo und dessen Ordre zu geleben. Ferner bat erseincn 
Gouverneuren in Colberg und Wolgast befohlen, soviel Volk, als sie entbehren 
können, auf Usedom bereit zu halten, um sie, wenn Tromp das notbige kleine 
Fahrzeug nach Penomünde schicken wird, embarqoieren nnd abfolgen zq lassen. 
Er selbst will, wenn er Tromp's Herannahnng an die Insel erfahren, mit seioff 
Cavallerie gegen den Feind rücken, sich an ihn hSngen nnd so vom Lande her 
eine Diversion machen, damit derselbe nicht alle seine Macht auf Rügen hinüber- 
ziehen könne. Mit der Infonterie muss er die angefangene Belagerung auf heida 
Seiten der Peene fortselzeo, 

') S. Gebbardi II, S. 38. 



oyGooi^lc 



Du be&baichtigte Uutemebmen gegen Ufigen. 267 

Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. D. Feldlager vor 

Landschron 11./21. Juli 1676. 
[Du ÜDteniehmea gegen Rügen. Sendnog v. Bachvald's nnd Knuht's zu Kf.] 

Bericht aber die EiDiiahme der SUdt Landscion.') 

Der KQnig hat ihm eben gesagt, dass er Tromp Befehl ertheilt hätte, 
sich mit der Flotte nach RQgen zu begeben nnd wegen der descente mit Kf. 
durch Advisjachten zu corFespondiereD. Der Geheime Bath v. Bachwald ist 
auch beordert, mit Kf. dieses Werk za fiberlegen, und gestern ist auch der 
Kammerjunker Knuht deswegen Tom Könige an Kf. geschickt worden. Tromp 
wird 2500 MaskeUere an Bord haben und man zweifelt nicht, Kf. werde wegen 
der hülflichen Hand sich so heranslassen, dass man stark genug sei, das Dessein 
zu Tollfütiren. Eigentlich hatte der König einen anderen Anschlag mit der 
Flotte vor, nämhch eine Landung unweit Stockholms, um dort alles in Con- 
fusioQ zu bringen, doch hat er anf ihre Vorstellungen sich entschlossen, zu- 
nächst das Unternehmen gegen Rügen aaszuführen. 



21. Juli. 



Memoriale des Königl. Dänera. Abgesandten des von Buchwaldt's, 

Uebergeben im Lager vor Anklam 15./[25.] Juli 1676.^ 

[Notbweodigkeit festen ZuaammeDbalteas bei den FriedensTerhsndlnngan. Abschluas 
dea Bünduisaea. Heranziehung des braunachveigischen Hauses. Bitte um Fest- 
stellung der Satisfactions forder un gen des Kf.] 

Der König hält angesichts der bevorstehenden Friedensverbandlungen für 35. Juli, 
nölhig, dass Kf. sich aufs änsserste bemühe, dem Feinde in dieser Campagne 
möglichsten Abbruch zu thun , damit man durch Einnehmung eines und des 
anderen festen Ortes etwas Keelles in Händen hätte und wegen beiderseitiger 
Satisfaction nicht eben von der Discretion der übrigen Alliierten zu dependieren 
brauchte. Aus deren Proceduren ist zu ersehen, dass van ibnen keine Assistenz 
zu erwarten, vielmehr zu fürchten ist, dass ihre et quidem consilia Austriaca dahin 
zielen, sich der von anderen erlangten Successe zn Beförderung ilircs Particulier- 
interesses und Becuperierang des ihnen von den Feinden Abgenommenen zn 
bedienen. Er hofft, Kf. werde seine Bevollmächtigten in Kimwegen darauf 
instruieren and ihnen ausdrücklich befehlen, sich mit den dortigen dänischen 
Hiniatem zn conjungieren. Er hält für sehr rathsa^, dass auch andere dabei 
interessierte Alliierte, namentlich das Hans Braunschweig, mit zn diesem 

S. Qebbardi It, S. 2136. 

*} S. Pnfendorf 1. XIV, §87 (S. 1071). 



oyGooi^lc 



263 tll. Brandenburg und Dinemiirk 1676—1679. 

Concert gezogen, dass daher die zwischen ihnen beiden obbandenen Älli*M- 
traktaten mßgliclist bald zum Abschlasa gebracht würden and Kf, ihn wisseo 
lasse, falls es immfiglich sei, ganz Vorpommern in seine Oevalt zu bringcD, 
worin endlich seine Satisfaction daselbst bestehen miissle, am von dem pne- 
tendierenden Antheil an Bremen und Verden abzastehen. Er hofft, Kf. werde 
sich dabei so moderieren, dass dadurch die Theilangstractaten ond die davon 
abhängende Zusamraensetrnng auch mit Braunschtvcig und Münster er- 
leichtert werde. 

Der König bat seiner Flotte befohlen, nach Rägcii überzugehen und die 
Insel anzugreifen, um dem Feinde eine Diversion zu machen. 



Chm-ftii-stliche Erklärung anf des K. Dänischen Gesandten 

Memorial. D. im Feldlager vor Anklam 17. /[27.] Juli 167G.') 

(Conc. V. Gladebeck.) 

[Unmüglichkeit, schon jetzt seine Satisfactionsf orderung genau festzustellen und 
seinen Antheil am Bremischen zu cedieren.] 

27. Juli. In den ersten Punkten stimmt Ef. durchaus den VorschlSgen des Königs bei. 

Dass das foedus zwischen ihm und demselben jo eher je lieber zur Perfectio!) 
gebracht werde, wünscht er auch, ebenso die bremische Repartition, besonders d» 
die Anziehung des braunschweigischen Hauses guten Tbeils hievon depen- 
dieren muss. Dass ihm, dem Kf., die principalsto Satisfaction gebühre, ist von 
allen Alliierten zugestanden, wie weit aber dieselbe sich extendieren müsse oder 
von ihm moderiert werden künne, dazu sieht er noch zur Zeit keine Apparcui. 
da die Operationen noch weitläuUg sind und man noch nicht wissen kann, was er 
dort für Satisfaction erlangen kann und was für Hülfe ihm dort wird geleistet 
werden. Da diese Repartitionssache sämratliche Alliierte betrifft, muss er ancli 
billig auf sie sSmratlieh reilectieren und kann sich vor der Hand zu nichts 
Positivem und Verbindlichem herauslassen, sondern meint, es müsse ihm ein 
erkleckliches vom Bremischen in die Hand und wirkliche Possession gestellt 
werden, bis die pommentchen actiones einen glucklichen Ausgang genommen 
und die Alliierten dann selbst erwägen können, ob and was für fernere Satit- 
faction ihm gebühre. Er kann daher auch vorläufig die ihm zugetheilte Satis- 
faction nicht einem anderen codieren.') 

I) S. Pufendorf a. a. 0. 

") Auf ein neue» Memorial v. Buchwald'a vom 20./30. Juli erwidert St 
(d. Feldlager vor ÄnclaiD 26. Juli/^ä. August] 1676], die Belagerung von Stade habe 
auch er achon instantissiine urgiert, auf Satisfaction im Bremischen könne er yot- 
liulig nicht verzichten, sondern müsse abwarten, welche Hülfe ihm aeine AllüerleD 
zur Eroberung von Pommern leisten «ürden, Eülfeleistung sur Broberang ton Rügen 



oyGooi^lc 



Verhandlungen mit v. Buchwald. Der Vertragsentwurf. 269 

Der Kurftlrat an den Oberprasidenten und die Geheimen Räthe, 

D. Feldlager vor Anklam 26. Ju]i/[5. August] 1676. 

[Erinoerungea zu dem dänischen V er Iragsent würfe.] 

Er übersendet ihnen die Relation der v. Brandt') nnd das von denselben 5. Aug. 
zngeschickte Project „Wir haben daraus dieses wahrgenommen, dass 
man in der Sache an dänischer Seite mit sonderbarer Circnm- 
spection verfahren und in allen Fällen auch bei geringen Sachen 
.lof das dänische Interesse genau roflectire." Er will sieh nach Mög- 
lichkeit fngen, mus3 aber anch auf sein und seines Estats Interesse reflectieren, 
sie sollen diese Sache also wohl erwägen, was sie seiner Intention und seinem 
Interesse gemäss befinden werden, entwerfen und ihm zur Vollziehnng über- 
senden. 

Er selbst hat za erinnern: Zu dem foedns publicum, daas dasselbe nicht 
nur gegen Schweden, sondern anch dessen Adhaerenten nnd Helfer gerichtet 
werde, darauf muss er bestehen, wenigstens müssen solche formalia iu die 
Secretartikel eingerückt werden. 

Zu den Geheimen Artikeln: ad 1. Dem EQnige steht zwar frei, sich je 
nach den Coojancturen mit etwas weniger zu begnügen, als im Doberaniscben 
Tractat verglichen ist, derselbe kann aber nicht verlangen, dass Kf, sich einer 
«o geringen Satisfaction wie Pommern in Proportion der dänischen Conqucsten 
begeben solle. 

ad 2. Die Sache geht eigentlich Kf nichts an, er will sich aber doch 
dazu verstehen. 

ad 3. In der bremischen Sache kann Kf. dem Könige nichts bestimmtes 
zns^n, er will sich aber nochmal erbieten, falls er seinen Antheil am Bremischen 
nicht behalten sollte, denselben niemand liebet als dem Konige gegen ein 
billiges Aequivalent zu überlassen. 

ad 4. Tegen der polnischen Sache müssen die Beschränkungen: dnrante 
lioe hello nnd Hülfeleistung in den pommerscben Landen wegfallen. Sollte der 
König Bedenken tragen, ihm recta wider Polen, falls er von dort ohne recht- 
mässige Ursache angegriffen werden sollte, Assistenz zu versprechen, so hätte 
es bei den termiois generalibus des 5. Artikels des publicum foedus zu ver- 
bleiben nnd dieser Artikel ganz wegzufallen. 

Betreffend den Artikel wegen des foedus mit dem Hause Braun schweig, ist 
die Bezeichnung der Herzoge als partes principales, da Kf. sich immer als pars prin- 
cipalis et primarie laesa bezeichnet hat, auszulassen, femer die mutuelle Garantie 
nicht auf das, wag man bis zum Abschluss dieses Tractats erobert, zu be- 

Ma ihm zwar bei seinen jetiigen veitUuügen Operationen schwer, er bitte aber 
solche Ordre« deswegen ertbeilt, dass der König boffentlicb damit zufrieden sein 

I) S. oben S. 2G3. 



oyGooi^lc 



270 III. Brandenburg und Dänemark 1G76— 1679. 

schränken, sondern das Haas Br.innschweig hat za versprechen, wenn es Kine 
Intention im Bremischen erreicht hat, ihm zu seiuer vGUigen Satisfacüos id 
Pommern zu helfen nnd sich nicht früher von der gemeinen Sache lu se- 
parieren.') 



V. Buchwald und Lincker an den KurfQrsten. D. im Feldlager 

vor Anklam 28. JuU/[7. August] 1676. 
[Der ElbzoU. Feste Einigung zwischen Dänemark, KU und dem braunscbveigisektE 
Hause. Beschwerde in England. Vorgehen gegen den Uerzog von Gottorp. Gt- 
meinaamer Widersland gegen das engliscberseits in Nimwegen Torgeschlagene Ver- 
fahren.] 

Dank für des Kf. Zusage in betreff des EIhzolls. Bitte, diese Sache inch 
ferner, namentlich in Wien, za recommendieren. 

1) Ihr König hat sich vergeblich in Wien am die Garantie seiner Er- 
obernngen und das Versprechen, ihm zu einer billigmässigen Satiafacüon für 
die im Kriege aufgewandten Kosten zu verhelfen, hemüht. Er fürchtet, dass 
man kaiserlicherseits bea1)sichtige, die Cunquesten und Praetensionen derAtlii«nen 
bei den künftigen Friedensverhandlungen zur Compensation la benutzen, wönscbt 
des Kf. Meinung zu erfohren, wie man sich dagegen wehren könne, empfiehlt 
dazu die vorgeschlagene Zusammensetznng zwischen Ihnen beiden auf Gmud 
des schon dem Kf. zugesandten Projects und womSglich auch HeniDiiehang des 
Hanses Braunschweig zu derselben. 

2} Der König bittet, dass aach Kf. in England über die dort gestattete 
Equipierung schwedischer Kriegsschiffe') Beschwerde führen lasse und in Nim- 
wegen dahin wirke, dass im Namen sämmtlicher Alliierten darüber Klage geführt 
werde. 

3) Da der Herzog von Gottorp sich bisher hartnSckig der Lehnsmuthang 
über das Herzogthum Schleswig entzogen hat, so hat der Konig nochmals eine 
Aufforderung an ihn ergehen lassen und wird, wenn er a ach ferner in dilatoriis 
bleiben seilte, nach den Lehnsreohten gegen ihn verfahren. 

4) Der König bittet, dass Kf. seinen Gesandten in Nimwegen befehle, m- 
saromeD mit seinen und den Gesandten der anderen Alliierten dem englischer- 



') Die Geb. ßätbe übersenden darauf dem Kf. (d. Cöln a. d. Spree l./U. Augnit 
1676) den Entwurf eines Rescriptes an die v. Brandt, in welchem denselben an- 
gezeigt wird, Kf. könne den Tractat nicht sofort volUieben, sondern sie sollten erii 
dessen Erinnerungen, die namhaft gemacht werden (in der Hauptaacbe «ntapredieD 
sie den iu dem Rescript des Kf. enthaltenen), den dänischen Kommissaren eröffaoi 
. und daraaf dringen, dass dieselben admittiert würden. 

>) S. Hirsch, Brandenburg und England 1676-1679. I. S. 3. 



oyGooi^lc 



Verhandlungen mit t. Buchwald and Lincker. 271 

seits dort intendierten modus tractandi'), dass lümlich die englischen Gesandten 
nur mit den holländischen tractieren, die anderen Alliierten aber nni; als deren 
confoederalos und tanquam partos acceasoriaa conaiderieren wollen, sicli zu 
opponieren. 



ChuifQrstlicbe Resolution 
auf der König!, dänischen Abgeordneten übergebenes Memorial. 
Sign, im Feldlager vor Anklam 31. Juli/[10. August] 1(576. 

[ZusliminuDg xu den d&nischen Vorschlugen. Ralh, Argvohn bei den anderen 

Alhierten zu vermeiden.] 

Rf. wird sich auch ferner in Sachen des Elbzolles im Interesse des Königs lO. Ang, 
bemühen. 

ad 1. Kf. ist im übrigen durchaus einverstanden, fürchtet nur, dass man 
durch ein solches Öffentliches foedus hei den anderen Alliierten Jalousie ver- 
ursachen werde, rSth daher, dass man sich zwar dieser Sache halber wohl ver- 
nehme und einen gewissen Scbluss mache, andererseits aber alles wolil mena- 
giere, besoni^ers in terminis gencralibus versichere, dass man das gemeine 
Interesse keineswegs abandonnieren , sondern Spanien wider Frankreich, so 
weit es wegen der nordischen Operationen möglich, nachdrücklich IIQlfd leisten 
wolle. 

ad 2. Ef. wird seinen Gesandten in London nnd im Haag befehlen, zn- 
sammen mit den gesammten Alliierten darauf zq dringen, dass die schwedischen 
Schiffe nicht aus den englischen Häfen herausgelassen und künftig dem Feinde 
solche Equipage in England nicht gestattet werde. 

ad 3. Ef. findet in dem, was der Konig wegen des Herzogs von Gottorp 
beschlossen, nichts Unbilliges. 

ad 4. Auch Kf. hält einen solchen modam tractandi für höchst unbillig 
and den anderen Alliierten schimpflich und nachtheilig, wünscht, dass alle 
Alliierten ihre Uinister in Nimwegen instruieren, dieses den Holländischen nicht 
eiuzariumen. 

') S. unten Abschn. V. 



oyGooi^lc 



272 IH. Brandenburg und Dlnemark 1676-1679. 

Christoph und Friedrich v. Brandt an den KiirfQrsten. D. im 

Lagei- voi- Landskron 5./15. August 1676. 

[Aufgebeii des [Jut«riiebmeDS gegen Ragen. Buchwatd'a ungfinstigeT Bericht äbtr 

den Stand der Dinge vor Anklam.] 

;. Da') Tronip dem König berichtet hat, dass die Schweden aaf Rügen 

sich so stark an den Avenüen verschanzt hätten, das» er ohne einen noüi)leB 
Sccourä von Kf. sich niclit getraue dieselben anzugreifen, dass er aber cinpii 
solchen von demselben noch nicht hoffen tcünnte, so ist ihm befohlen, nocli 
einmal durch einen Expressen deswegen bei Kf. anfragen zu lassen, und f»llj 
er von demselben die uSthige Hülfe nicht sollte erlangen können, das Desscin 
aufzugeben nnd sich wieder mit der Flotte nach, den schwedischen Küsten m 
begeben, da die schwedische Flotte sich wieder zum Auslaufen fertig macht ucii 
der König zur Beförderung seiner Fiogressen in diesen Landen eine Deue M- 
version wünscht. Ihnen ist es unmöglich, die Abforderang der Flotte m ver- 
hindern, man versichert, ßügen solle dann im näclistkünftigen Herbst ange- 
griffen werden. 

Bochwald bat in seinen letzten Briefen zu achleuniger Eroberaag lon 
Anklam') wenig Hoffnung gemacht und gemeldet, viele Generalspersonen des 
Kf. seien darüber betrübt, dass das Werk nicht recbt angegriffen würde. Sie 
sind auch darüber befragt worden und haben behauptet, sie hätten zur baldigen 
Eroberung gute Hoffnung, die wirkliche Attaque wäre bisher nur dadurch (;*" 
hindert worden, dass Kf, seine schwere Artillerie hätte aus Berlin nachkommen 
lassen müssen. 



Christoph v. Brandt an den Kurfürsten. D. Landtskron 

14./ [24.] August 1676. 

[Erklärungen dänische rseits über das Abkomnien zwischen Braunschweig und Ufinster 

und über das gegen dieselben einzuach lagen de Verfahren. Der Herzog von Hannovcr- 

Uer Glücksiidter Zoll.] 

24. Aug. Sie haben mit den Konigl. Kommissaren Alefeldt und Körbitz iregen 

der bremischen Sache eine nochmalige ausführliche Unterredung gehabt, IHe- 
selben äusserten sich sehr ongehalten über den Vergleich Zwischen Brann- 

■) Auch König Cbrlstian V. theiit dem Kf. in einem Schreiben Ton 
5./15. August, in welchem er ihm die Einnahme von Landseron anzeigt, mit,Troiiip 
solle ihm wegen des Angriffs auf Rügen anderweitige Ouvertüre machen und seine 
Gedanken darüber Ternehmen. Sollten sich allzu grosse Schwierigkeiten herausslBlIea, 
so müsse das Unternehmen l)is auf eine andere bequeme Zeit ausgestellt «erden- 

') S. über die Belagerung von Anklam oben S. 24 IT. 



oyGooi^lc 



AnFgeb. d. Untemehm. gegen Rfigen. D. Tergl. zviscfa. d. Braunschw. a. Monster. ^^3 

schweig und Münster') und versicherten, ihr König wärde auch die günstigsten 
AnerbietoDgen nicht annehmeD, wenn nicht auch Kf. vollkomnien befriedigt 
TÜrde. Der modas procedendi sei so anzüglich, dass sie beide Ehren halber den 
einseitigeo Abmachungen derselben sich nicht nnterwerfen könnten, vorläufig 
wüsste der König die particularia dieses Abkommens noch nicht genau, dass es 
aber für ihn und Kf. nicht günstig, sei aus der Stadischen Capitulation abzu. 
nehmen, er werde diese nicht ratificieren und die schwedische Garnison nicht 
nach Stockholm passieren lassen. Falls Braunschweig und Münster auf der 
Bremischen Zusammenkunft sich nicht so anschickten, dass sie beide vergnügt 
sein könnten, so mössten sie verabredeo, jenen das, was sie eigenmächtig sich 
inj Bremischen nnd Verdischen angemasst hätten, bei den Verhandlungen zn 
Bremen und Nimwegen nicht zu garantieren. Der König wolle in dieser Sache 
nicIiLt ohne des Kf. Vorwissen than and sei noch bereit, den dritten geheimen 
Artikel, der jüogst zugesandt worden, mit ihm zu schliessen. 

Sie haben auch, nachdem der kaiserliche Gesandte mit ihnen darüber 
^e.<prochen, dass dem Herzog von Hannover seine bisherigen Quartiere nicht 
länger gestattet werden dürften, mit den dänischen Kommissaren darüber ge- 
sprochen und gesehen, dass man sieb hier ebensowenig für als wider den Herzog 
declarieren wird. 

Inbetreff des Glütkatader Zolls haben sie gerathen und es auch dahin ge- 
bracht, dass mit dessen Erhebung nicht früher ein Anfang gemacht werden soll, 
bis der König zu Regensburg von dem ganzen Knrfürstlichea Collegium die £r- 
laabnis dazn erhalten. 



Christoph V. Brandt an den KurfürsteD. D. Helsingburg 

9./[19.] September 1676. 

[Verhandlungen über das Bündnias. Erbiilerung des Küniga gegen Celle und Münster. 
Dessen Vorschlag wegen eines Abkommens mit Hannover.] 

Er hat sich von seinem Bruder trennen müssen, dieser ist beim Könige ge- 19. Sept. 
blieben, während er dem erkrankten Kanzler Alefeld gefolgt ist und so lange 
hei demselben bleiben wird, bis er wieder zum Könige zurückkehren kann. 
IVäre derselbe nur noch einen Tag gesund geblieben, so hätten sie wegen des 
fuedus so weit richtig werden können, dass sie dasselbe dem Kf. zur endlichen 
Resolution hätten zusenden dürfen. Die Erinnerungen, welche Rf. zu dem 
Froject des foedus gemacht, werden wohl meist angenommen werden, die Haupt- 
Schwierigkeit findet sich wegen der Clausul in ingressu foederis : „wider die 
Schweden, ihre Adhaerenten und Helfershelfer", da man meint, der König würde 



oyGooi^lc 



274 III. BnuideiibQi^ und Dtnemark 1676—1679. 

sich dadarch za weit et^agieren '). Wegen der freien Passige ffir des Kf. 
Fregatten und Schiffe will man nicht einen besonderen Artiknl machen, eoodeni 
der König will aof das betreffende Schreiben des Kf. antworten. 

Die Verbitterung dieses Uofes gegen Celle und Münster ist nocb tei- 
giössert worden durch Yerheimlicbung der Verabredang wegen Bremen und 
Verden, Entziehung der Quartiere im Bremischen, Versauvegardierung der Uim- 
borgischen Vierlande durch den Herzog von Celle nnd dass die Ifiuebargiscbn 
Truppen, welche zu des Rf. Armee vor Demmin stossen sollen, sieb ichoo 
Qnartiere in Mecklenburg angemasst haben. Han wünscht daher, dass der Rünig. 
Kf. und der Herzog von Hannover, der sich auch an dem, was Celle mi 
Münster unter sich geschlossen, sehr firgert, dagegen etwas unter dnaoder im 
geheimen schliessen mögen, Buchwaid und Lincker haben deswegen aorb 
Ordre, der König wünscht des Kf. Resolution bald zu erfahren, will, wenn der- 
selbe deswegen Bedenken tragen sollte, andere mesures nehmen. 



Der EurfQrst an die v, Brandt. D. im Lagei" vor Steltiii 

9./[19.] September 1676. 

[Rechtfertigung dss Interimsvergleicbs mit den brau nscbweigi sehen Hanogfn und 

Hüniter. Bemübungen, den Herzog von Hannover zur Tbeilnshue ajn Kriege tu 

bewegen.] 

19. Sept. Wegen der bremischen Sache hat er mitUQnster und Brannschwei; 

beifolgenden Interimstractat') abgeschlossen, bei dessen Ratification atrer an^ 
drücklieb vorbehalten ist, dass dem Könige ebenso wie ihm billige Satisfacüon ge- 
geben werden müsse. Die llauptursacbe, warum er diesen TracUt so bald and 
ohne vorhergehende Commnnication mit dem Könige geschlossen, ist die, da» 
er sich aufs äusserste bemüht, Demmins nocb vor dem Winter Meister zo 
werden, was ohne den Succurs der b ran nschweigis eben und münsterisrben 
Truppen nnter Gen.-Hajor Enten nicht möglich sein würde. Der Vertrag kann 
Dfinemark nm so weniger praejudicieren, da es nur ein Interims vertrag i.< 
w^en des separaten Vergleichs zwischen Braonschweig nnd Münster bil 

1) Chr. V. Brandt meldet 21. September/1. October 1676, inbetreff des ßünd- 
nisses alosse aa sich, nacbdem die anderen Erinnerungen des Ef. entweder ingc- 
nODiineD oder annebrnbars Temperamente gefunden worden, fast nur an der ClHMt: 
„wider die Schweden, ifara Adhaerenten und Helfershelfer". D&niscberseits weigtrr 
man sieb hartnäckig, in dieselbe einzuwilligen, da man fürchte, dass, wenn der König 
offen Frankreich den Krieg erklärte, der Kaiser, Spanien und Holland sieb einbilden 
würden, mit Dänemark alles machen zu können, was sie wollten, doch bemühte miti 
sich, auch hierin ein Temperament zu finden. S. Pufendorf I. XIV, g 38 (S. 107^ 

*} Der Vergleich vom 5./I5. September 1G76 (iui Auszuge bei Pufen'iorf 
1. XIV, i 39, 40 (S. 1073 f.), r. Mörner S. 389 f.). 



oyGooi^lc 



Der Vartrag d. Ef. mit den Bnanschwelgsni u. Uüastar. D&niscber Peldzugsplan. 275 

KS. seine Onzofriedenheit geaQgend bezeugt, hat aber des gemeinen Inteieaaaa 
wegen mancbes dissLaanliert 

Hannover masB allerdings menagiert werdea, n&chdem aber diese Sache 
dnrcb den jüngsten ReichsBchlnss ') in einen nenen Stand gerathen, muss man 
jetzt den Herzog za bewegen suchen, nacb dem ersten Schritt auch den zweiten 
za tboD nnd seine Streitmacht mit den Alliierten wider die gemeinen Reicbs- 
feinde za verbinden. 



Christoph V. Brandt an den Kurfürsten. D. Helsingburg 
30. September/[10. October] 1676. 

[Däniscbe Kriegsrüstungen. Verlangen nach Hülfstnippen. Geneigtheit des KÜnigs, 
sieb Tegen der Quartiere mit den B raunseh neigern zu vergleichen.] 

Aas Anlass des jüngsten Schreibens^) des Königs an Kf. haben er und 10. OcL 
sein Broder demselben und dem Kanzler vorgestellt, warum es Ef. nnmSglich 
sei, ihm mit den begehrten 2000 Mann zu assistieren. Han begreift es auch gar 
wohl und wird zufrieden sein, wenn Kf. sich nur bereit erklärt, es thnn zu 
wollen, wenn ganz Pommern und Rügen erobert sein wird. Die Noth ist auch 
$0 gross nicht, als man sie macht, Schweden macht zwar grosse Rüatai^en, 
aber auch hier werden eifrige Vorbereitungen getroffen and der König hofft, im 
Frühjahr hier mit zwei Armeen von 16000 und 10000 Hann zu agieren und 
GüldenlÖw*) auf 15000 Mann zu verstärken, damit derselbe ins Innere 
Schwedens einbrechen könne. Gerade dazu aber wünscht und bedarf der König 
auswärtige UÜlfstmppen. Der Kanzler fragte ihn heute, ob Kf. es nicht so ein- 
richlen könnte, dass der Kaiser seine Troppen unter General Coop*) ihm zu 
lliilfe schickte, was auch für den Kf vortheilhaft sein würde, da dadarch dem 
Kaiser der Vorwand entzogen werden würde, auch eine Praetension an die 
pommerschen Conquesten zu machen. Der Hauptzweck jenes Schreibens des 
Königs ist wohl, dem Kf zu klagen, wie übel die anderen Alliierten mit ihm 
verfahren. Er glaubt sicher, dass der König, auch wenn ibm die Hülfstroppen 
versagt werden, die gemeine Saclie mit Eifer weiter treiben wird, wenn nur in 
anderen Punkten seine Wünsche befriedigt werden; 1. Spanien und Holland 

■) S. unten Abschn. Vil, 

') Nicht bei den Akten. 

*) Dir. Cfaristisn Gfldentüw, SUtthalter von Norwegen, der schon 16TB 
lon dort aus einen glücklichen Einfall in Westergütland gemacht hatte, a. Carlson 
IV, S. 643 f. 

'} Kaiserliche Truppen unter General Goop bitten schon im Herbst 1675 
in den Operationen in Pommern und auch an dem diesjährigen Feldzuge daselbst 
Tbeil genommen, namentlich bei den Belagerungen von Anklam und Dtmmin mit- 
gewirkt. 

18' 



oyGooi^lc 



276 111. Bntndenburg nnd D&nemark 1676—1679. 

im nächsten Jahre wieder 15 Kriegsschiffe sich mit der dSnischen Flott* v. 
einigen lassen, zumal man fürchtet, dass französische Schiffe zu den scliwe 
sehen Blossen werden, 2, Lünebnrg und Munster in der bremischen Sm 
dem KSnige mit besserem Glimpf begegnen und ihm wenigstens etwas bi«li 
3. man am kaiserlichen Hofe wegen des Glückstader Zolls nicht so i 
Schwierigkeiten macht. 

Wegen der Quartiere im niedersächsischen Kreise wird sich der KÜi 
wohl anch der Billigkeit nach anschicken, er klagt hauptsachlich über c 
harten und schimpflichen modum procedendi des Kreisobersten'), will al 
möglichst alle Kollisionen vermeiden und bittet den Kf., zu verhindern, J 
man nichts widet seine Ehre thue und dass ihm wenigstens so viel gelasi 
werde, um die Wismarsche Garnison zu unterhalten. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsteii 

D. Kopenhagen lO./[20.] October 1676. 

[Beruhigung des Eünigs wegen des Vergleiches des Kf. mit den Braun Schweiger 
und HÜDster. Fortgang der Verhandlungen wegen des Bündnisses.] 

t. Sie haben einige Tage Mühe genng gehabt, dem Könige und dessen l 

nistem die Besorgnisse, welche sie aus dem Abschluss des Interimstractats i 
Kf. mit Münster und Braunscbwcig'') geschöpft, dass Kf. ihn nun ganz 
Stiche lassen wollte, auszureden, schliesslich aher doch so viel erreicht, d 
man zugesteht, Kf. hätte um der Eroberung Demmins willen den Tractat t 
gehen müssen, derselbe könne auch nicht viel schaden, wenn uur Kf. in < 
herzlichen Affection get,'en den König beständig verbliebe") nnd bedächte, i 
es ihnen beiden künftig für emharras verursachen würde, wenn die Hem 
sich durch den alleinigen Besitz des Ilerzogthums Bremen zu machtig macht 

') S. über die damaligen Streitigkeiten zwischen den Dänen und Braunsch*'eig 
um die Quartiere in Mecklenburg v. Buch's Tagebuch I, S. 210, 214. 

>) S. oben S. 274. 

*) Kf. befiehlt ihnen darauf (d. Hauptquartier Creckow 28. October,'S. ! 
vember [sie!] 1676), zu versichern, „dass wie wir auf I. K.M. als den versicherts 
und fümehmsteu unter allen unseren evangeltsclieu Alliirton die grosseste ReB» 
in allem unserem Thuen und Lassen macheten, also auch nichles in der Welt capa 
wire, uns von derselben zu detachiren, und dass die herzliche Affection, so wir 
1. E. M. bei den gehaltenen Kntrevuen geworfen, so feste gewurzelt wäre, di 
wenn gleich die Aequalität von Interessen uns nicht so genau verknüpfete, selbi 
allein genug wäre, uns beständig bei T. K. H. xii erhallen und Lieb und Leid 
derselben zu tfaeilen." 



oyGooi^lc 



BerubiguDg dea Künigs. Verhandlungen aber da« Bündaiss. 277 

Mitgeholfen hat aacti, daas Bachwald') berichtet, die Geheimen Räthe in 
Berlin hätten ihn versichert, Kf. würde bereit sein, einen geheimen Artikel in 
dem vcrseieaden foedere wider das, was die Herzoge und der Bischof unter 
sich geschlossen, anfznrichten und sich mit dem Könige dagegen fest zd ver- 
binden. Ein solcher Artikel ist anch schon statt des 3. Seccetartikels entworfen, 
des Kanzlers Krankheit, die Beziehung der Winterquartiere nnd des Königs 
Rfickreise haben aber yerhindert, dass das foedus noch nicht zu stände ge- 
kommen. Die DifficultSt wegen der Worte: ,Adhaerenten nnd Ilelfershelfer*") 
bt gehoben, der König ist zufrieden, dass sie mit eingeräckt werden, sie haben 
ani-h durchgesetzt, dass derselbe entschlossen ist, den Krieg gegen Frankreich 
durch ein öffentliches Manifest zu eiklären. 

Tromp ist von der Flotte hierher gekonfmen, es bleibt nur eine Escadre 
von leichten Schiffen in See, wegen Rügens scheint es zu spät za sein. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurffirsten. 
D. Kopenhagen 21. Noveraber/1. December 1676. 

[Unzufriedenheit des Eünigs mit Holland.] 

Zu einer Bauptactiou wird es schwerlich kommen'). Von der däaischen i. Dec. 
Flotte ist kein Schiff mehr in See. 

Der König ist sehr bekümmert über der Holländer platte abschlSgliche 
Antwort, dass sie gegen künftigen Sommer keine Flotte in die Ostsee sendea 
nnd keine Subsidien zahlen wollen, wegen der letzteren würde man sich endlich 
wohl trösten, aber wenn keine Schiffe kommen sollten, würde es eine grosse 
Verschlagenheit verursachen. Der König verlSsst sich darauf, dass Kf. bei dem 
Prinzen von Oranien und den Staaten alle möglichen Devoiren deswegen an- 
wenden wird. 

'} Derselbe hatte wegen Krankheit Anfang September das Hauptquartier des 
Kf-, dem er bisher gefolgt war, verlassen und sich nacti Berlin begeben, während 
Ileugh bei dem Kf. geblieben war. 

^ S. oben 8. 374. 

*) Am 7./17. November hatten sie berichtet, die beiden Armeen ständen in 
Scbonen dicbt bei einander, der König bUtte grosse Lust zu einer Schlacbl, man 
glaubte aber nicht, dass die Schweden sich auf eine solche einlassen würden, vor- 
aehmlich, weil es ein elendes und schlecht bewafl'netes Volk sein sollte. In der 
ganzen sehwediscben Armee werde geglaubt, Kf. hätte dem Könige ein Regiment 
Iiragoner zu Hülfe geschickt, und weil Baudlssin's Regiment z. Pf. blaue Röcke 
und Hantel hätte, so sähen sie dasselbe dafür an, und wenn sie solche Blaumäntel 
eiblickten, so wollten sie durchaus nicht sieben, indem sie vorgäben, die branden- 
bitrgisctien Dragoner Hessen keinen leben und gäben keinen Pardon. 



oyGooi^lc 



278 III. Brandenburg und DäDemtrk 1676—1679. 

Der Kurfürst an die v. Brandt. D. Potstam 
28. November/8. December 1676. (Gonc. 0. v. Schwerin. 

[Separ«tTBrfaan(lluu{;«n der braunschweigUchen Hsrzoge mit DtLnamark.] 

Er hat fiber Bremen Nachriebt erbaltea'), dass die braonscbweigisck 
Herzoge dem K5nige anfs neoe durch ihren Earoye Offerten machen lassen, ni 
particalier Tractaten einzugehen und dadurch die Negoti&tion zu Bremen la 
znheben. Sie sollen sich danach fleissig erkundigen und, wenn wirklich etvi 
vorgehen sollte, dahin wirken, dass za Kopenhagen nichts tractiert, sondern alii 
nach Bremen remittiert werde'). 



Der Kurfürst an die v. Brandt. D. Collen l./l 1. December 167i 
(Oonc. 0. V. Schwerin.) 

[AblnderuDgsTor§ch1äge. Befehl zum Abschlusg des BSudaisaiertragei.] 

11. Üec. Da er an seiner Hand eine geraume Zeit incommodiert und bald dvi 

verreist gewesen ist, so hat er die Sache') erst jetzt vornehmen können, 
wünscht, dass Artikel 12 des foedus unter die Separat artikel gebracht nnd i 
Fassung des Anfanges des 3. Separatartikels etwas verändert werde, im übri; 
aber hat er sich entschlossen, das foedus in solchen terminis, wie es dorl ' 
gefasst ist, zn approbieren, nnd befiehlt ihnen, den Schluss ohne fernere Vi 
z^emng zn befördern. Sie haben dem Könige vorznstellea, dass er dadoi 
eine Probe seiner Begierde, ihm in allem zu Gefallen zn leben nnd sich d 
ihm mehr nnd mehr zu verbinden, gegeben und dass er vertue, der Ki" 
werde nach erlangtem Frieden die jetzige Freundschaft und das gute Verstinda 
dnrch einen beständigen und bündigen Garantie vertrag befestigen. Womcjli 
sollen sie es dahin bringen, dass in dem 4. Secretartikel, in dem von i 
polnischen Sache gehandelt wird, die Worte dnrante boc hello ausgela-'^ 
werden, doch darf dieses den Schluss der Handlung nicht remorieren und <« 

') S. Pufendorf 1. XIV, §30 (S. 1063 f.), 

'} Die V. Brandt erwidern am 16./36. December, der König hätte Terskbf 
von braunachweigiscber Seile itftren ibm noch keine bestimmten Vorschläge ffü 
worden; sollte es zu einem Interims vergleich liammen, so wurde er docb denrertt 
Schluss lur allgemeinen Handlung nach Bremen remittieren und sieb unter lei° 
Umständen von Ef. trennen lassen. 

>) Die V. Brandt hatten 22. October/l. November 1676 die jetit in OrdM 
gebrachten andenreitigen Projecte des Bündniss Vertrages und der geheimen Anit 
in denen die meisten Erinnerungen des Kf. berücksichtigt worden seien, nbersto' 
und m schleuniger Anuabme derselben geratben. 



oyGooi^lc 



VerhandtuDgeo über das Büadniss. Uie Niederlage bei Limd. 279 

sich Kf. im Nothfall mit dem Yeraprecben des Königs, dass in dem känftigeo 
Garantieiroctat sein Wunsch befriedigt werden solle, liegnfigen. So bald das 
foedas zor Richtigkeit gebracht ist, soll Chr. v. Brandt seinen Abschied nehmen 
und hiehar zurückkehren. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 
D. Kopenhagen 5./[15.] Deeember 1676. 

[Dia Niederlag« io Scbonen. Ratb, dem Könige neuen Muth zu machen-] 

Die Campagoe in Schonen bat einen unglücklichen Ausgang genommen >), der 15. Dec. 
König ist zwar unversehrt geblieben und befindet sich jetzt in Landskron, aber 
seine Armee hat eine ziemliche Niederlage erlitten, das gröbste Geschütz mit 
einem Theil der Bagage ist verloren und Malmoe entsetzt. Der Verlost an 
Mannschaft ist nicht so gross, es ist nur um die Reputation, den Muth des 
Kunigs nnd der Armee und die Schoniscben Quartiere zu thun. Eg wird nSthIg 
sein, dass Kf. dem Könige in allem, was er vermag, und an allen Orten za 
Willen lebe, damit er den Muth nicht sinken lasse, es w&re ihnen auch sehr 
lieb, wenn sie Ordre erhielten, das foedus zu unterschreiben, zumal der Kanzler 
sich deswegen schon fremde Gedanken macbt. Die dänische Armee ist nn 
lOOiX), die schwedische 15 000 Mann stark gewesen, die dänischen Truppei 
die jetzt hei Landskron stehen, werden noch auf 7 — 8000 Mann geschSlzt; der 
König will einen Theil derselben herii herschaffen, da sie in Schonen nicht snb- 
sistieren können, aber eine ziemliche Anzahl Retter nach Landskron, Uelsing- 
bnrg and Christianstadt tegen^). 

') Ueber die für die bäoen nnglückliche Schlacht bei Lund am 13. Deeember 
167C B. Carlson IV, S. G59 ff., Gebbardi 11, S. 2142 f. 

^ Am 9./19. Deeember berichten sie, der Künig sei am 17. in Kopenhagen sn- 
gettommen, er sei garnicbt decouragiert, sondern im Gegeniheil viel mehr verbittert, 
et bin« aber sehr, Kf. möchte ihm behülflicb sein, einige Infanterie von den Alliierten 
m bekommen. Am 17./2T. Deeember berichten sie, auf der Wahlslatt lägen über 
3000 Todte, darunter 6000 Schireden, es sei ein grässiiches carnage gewesen, «eil 
die Dinen kein Quartier gegeben bülten, und sie fügen hinzu: „Wir sagen allezeit, 
es sei eine brandenburgiscbe Victoria, weil die Schweden nun schwerlich Volk nach 
Pommern überzuaetzen haben werden, und ein dänischer Verlust des Feldes und der 
Stöcke. Wir hoETen auch, es werde diese Aclion der Krön Dennemarck daher zu- 
statten kommen, weil Spanien, Uoliand und andere nun die unzeitige Jalousie werden 
rallen lassen." 



oyGooi^lc 



280 111- Brandenbui^ und Dänemark 1676—1679. 

König Christian V. von Dänemark^) an den Kurfürsten. 
D. Copenhagen 9./[19.] Deceinber 1676. 

[Die unglückliche Schlacbt. Bitte um Bülfstruppen.] 

Ich zweifele nicht, es werden Ew. Durchl. iiDd Ld. benachrichtige 
sein, waa' gestalt ea vor wenig Tagen zwischen unsere und der kui 
Hchen Armee zu einem Uaupttreffen gekommen und dass, ob zwar de 
linke Flügel von meiner Armee, die weilen fast alle Haubt OHicirer io 
ersten Treffen geblieben, in Confusion gerathen und darüber eia Tei 
meiner Infanterie darauf gegangen, dennoch von dem rechten Flügel un 
dem Rest des Fuasvolk dermassen gelücklich gefochten worden, dass sie 
der Feind einiger sonderbaren avantage bei dieser action zu rühme 
nicht grosse Ursache haben wird. Wenn aber dennoch meine Aroie 
durch die vielen ausgestandenen travallien und fatiguen und jäogsl 
action absonderlich der massen an Infauterie geschwächt worden, das 
da mir nicht von den Älliirten mit einige Regimenter unter die Aro: 
gegriffen werden sollte, fast itu besorgen, dass gegen künftiger Campagi 
meine Armee nicht bastant sein möchte, dem Feind, so sich von alle 
Orten merklich stärket, und von der Crohn Franckreich mit richtigi 
Zahlung so ansehnlicher Subsidien nachtröcklioh assistiert wird, di 
Kopf zu bieten, als ersuche ich Ew. Durchl. und Ld. freundvetterlic 
Sie wollen die daraus besorgende böse Consequenzen dero beiwohnend) 
hohen prudence nach reiflich erwägen und, soviel dero Zustand ui 
aiferes es immer leiden wollen, mir gegen künftige Campagne mit Hebe 
laasung einiger Völker an die Hand gehen. — 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den KurfDrsteii. 

D. Kopenhagen 12./[22.] Deceinber 1676. 

[Schwedische UDd gottorpische Anschlüge. Sendung v. tlaxthausen's au Kf. Rcss 
Auftrüge.] 

Beifolgend kommen drei Schreiben des Residenten Grafentbsl » 
London an den Präsidenten Kley und zwei Schreiben dieses an den KBnig v 
Schweden, welche während der Schlacht in der Kalesche eines achwediscli 



oyGooi^lc 



Hülfsgeauch des Königs. 281 

Slaabsekretfirs, der dabei eraohosseu worden, erbeutet sind. Dieselben sind 
tacSi dem kaiserlichen Minister mitgetheilt worden, man hoift, dass Kf. sich be- 
mähen wird, Kley's und anderer schwedischer Bedienten AusschaSung aus 
Iltmbnrg za erwirken. Um das gefährliche Dessein Grafenthal's zu binter- 
Ireiben, will der König in .Holstein ein Corps von 5 — 6000 Mann errichten und 
hofft, auch Kf. und die braunsciiweigischen Herzoge werden solche Anstalten 
machen, nm, wenn schwedischer' und gottorpiscberseits eine descente in der 
£lbe erfolgen sollte, mit ihm znsammen sich derselben zu opponieren. Der 
König will auch, um zu verhindern, dass der Herzog von Gottorp Böses an- 
rkbte. dessen schleswigsche und holsteinsche Intraden und das ganze Herzog- 
Ihum Schleswig sequestrieren lassen, wird aber zuvor mit Kf. durch Buch wald, 
d«n er nächstens zu ihm zurückschicken wird, darüber ratbschlagen lassen. 
Ho^en geht der Stallmeister Haxthausen von hier nach Berlin, um Kf. 
näheren Bericht über die Schlacht zu erstatten, dessen Eath einzuholen, ob der 
KüQ^ von den anderen Alliierten Hülfe an Infanterie begehren solte, und Kf. 
zu bitten, dem Könige kflnfliges Frühjahr mit 2 Regimentern zu Fuss oder 
einem Regiment Beiter und einem Regiment Dragoner zu Hülfe zn kommen, 
oder, wenn dieses nicht zu erlangen sein sollte, dem Kf. vorzuschlagen, für von 
dem Könige zu zahlende Werbegelder (16 — 18 Rthlr. für den Mann) zwei neue 
Regimenter zu richten und dafür dem Könige gegen künftige Campagne zwoi 
TOn seinen Regimentern zu leihen. Ferner soll er Kt. bitten, künftig keine 
Truppen ans Pommern nach Schweden zn schicken, dem Kijnige in Preussen 
m der polnischen und in der Altmark an der bra un sc hweigi sehen Grenze ein 
p:iar LanfplStze zu vergönnen, wegen der Attaque auf Rügen bei gegenwärtigem 
Frostwetter Anregung thun, und einen ordentlichen Aufsatz begehren, wie des 
Kf. Artillerie angeordnet sei, damit der König die seinige danach anordnen 

Kf. wird dem Könige wobi in einigen Punkten, namentlich inbetreff der 

Werbung mithelfen müssen, denn des Königs ganzes Vertrauen steht auf Kf. und 
«^! wurde nicht gut ablaufen, wenn die Schweden die Ueberhand bekämen und 
den König ä la defensive bringen sollten. 



Christoph und Friedrich v. Brandt an den Kurfürsten. 

V. Kopenhagen 19./i;29.] Deceinber 1676. 

[Absefaluss lies Bündniss Vertrages. Die Winierquartieie. Sendung Gioe's nacb 
Polen.] 

Sogleich nach Empfang des kurfürstlichen Rescripts vom l./ll. Decemher 211. Dcc. 
sind sie mit den dänisclien Bevollmächtigten wegen des foedus in Konferenz 
lietreten, sie haben dasselbe ins reine gebracht und morgen oder übermorgen 



oyGooi^lc 



282 IH- Brandenburg und USDemarli 1G76-1679. 

wird die Vollziehong gescheheo ■). Die ErinnernDgen dea Kf. sind sämtlirh 
genommen worden, nur wünscht der KOnig, dass in dem i. Gebeimürtikel 
Worte durante hoc bello stehen bleiben, da sonst dieser Artikel auf das foei 
nicht quadrieren würde. Sobnld das BüadnJss nnterschüeben sein wird, « 
Christoph v. Brandt dem Befehl des Kf. gemäss nach Berlin zuifickkehi 

Wegen der Winterquartiere') rieth der KSnig, Kf. möchte den Math ni 
sinken lassen, sondern sich auf das Susserste angreifen und bedenken, i 
weder Feinde noch Freunde ihnen beiden ein sonderliches agrandissement gönn 
und sie sich daher beiderseits in die Gelegenbeit schmiegen and biegen miis«! 
Er bat, Kf. mochte Ilaxthaosen gewierige Resolution ertheilen, damit er 
April zn Felde ziehen könnte, und wnaschte sehr, dasa es des Kf, Gelegenl 
zulassen möchte, Rügen bei diesem Frost za erobern. 

Anf des Kf. Ruth') schickt der König den eben erst ans Mosksn 
kommenen v. Goe nach dem polnischen Reichstage, derselbe wird morgen o 
übermorgen aufbrechen und über Berlin reisen, um dem Kf. seine Inslrakl 
zu zeigen und sich von deuiselhen weiter instruieren zu lassen'). 

') Die Unterzeichnung des Vortrages erfolgte erst ain 23. December IE 
2. Januar 1677. 

') Kf. hatte (d. Cüln 5./15. Deccmber 1676) d«D Gesaadten geklagt, dass 
TOD allen Keichsfürsten, bei denen er Winterquartiere für seine Truppen zu Hu 
gehoflit oder ihm solche vom Kaiser angewiesen seien, dieselben unter Androli' 
von Gcvaltmassregelii verweigert vürdeti und dass aucb die Sendung Ueiode 
nach Wien deswegen (s. unten Ab:icl]Q. IV} erfolglos za sein scheine. Da er so 
Untergang seiner Armee und seiner Lundc vor Augen sehe, so sollten sie i 
Könige Uittheilung davon machen und seinen Rath erbitten, nie er bei der ?a 
bleiben und einen allgemeinen sicheren Frieden befördern könne. 

^ Kf. halte 4./14. December 1676 den Gesandten angezeigt, einige in P< 
mit franzüsiscbem Gelde für Schweden geworbene Compagnieen seien durch Karl 
nach Liefland gezogen, andere sollten folgen und dafür die dort stehenden seil 
dischen Truppen in Schonen verwendet werden, und er halte sie beauftragt, 
König zu ersuchen, durch eine Gesandlscliart oder durch nachdrückliche Schrei 
an den König und die Republik Polen sicli darüber zu beschweren und zu 
langen, dass jene Truppen zurückgerufen und verboten werde, ebne ausdrücklic 
Consens der Republik in fremde Dienste, namentlich schwedische Kriegsdienste zti Ire 

') Chr. V. Brandt berichtet am 30. December 1676/9, Januar IG77, er 
denke morgen abzureisen, bei der Abschiedsaudienz hätte der König wieder dring 
darum gebeten, dass Kf. ihm zu Beförderung der so nöthigen frühen Campagnt 
Schonen mit etwas Volk zn Qülfe komme, er wüsste zwar, dass des Kf. Armei 
der vorigen Campagne viel ausgestanden und dass derselbe auch in der nücli: 
viele Truppen zu Ausführung seines Dcsseins in Pommern brauche, aber eine 11 
l.öna(e die andere waschen. 



oyGooi^lc 



VerbkodluDgeD mit Lincksr. 283 

MemoriaJe des H. Linkers.') D. Potstamb 20./30. December 1676. 

[L'eberlassung Ton Trtip|>eD. Unterst ülzuog der däniscben Forderungen in Dotland. 
Der Eibzoll.] 

1. Bitte, Kf. möchte, da die Ännee des Königs in Schonen sehr geschwächt 30. Doc. 
ift, demselben mit einigen Trappen, wenn nicht zu Fuss doch zu Pferde und 
besonders Dragonern assistieren und sich deswegen auch bei den anderen 
Alliierten verwenden. 

2. Bitte, seinem Gesandten in Holland zu befehlen, in allem, was der 
dänische Gesandte dort w^en der Seeequipage vortragen würde, an die Hand 



3. Hittheilung des Beschlusses der Gen.-Staaten inbetreff des 1 
Kf. solle sich bemühen, dieselben von solchem Vornehmen abzuwenden, oder, 
wenn sie dabei verharren sollten, es beim Kaiser nnd den anderen Knrfürsten 
dahin zu bringen, dass auf ihr Gesuch nicht gehört werde. 

i. Kf. möge seinem Gesandten in Regensbnrg befehlen, die beabsichtigte 
Beschwerde Hamburgs, das gar kein Roichsstand ist, gegen den Elbzoll nicht 
anzunehmen. 



Churfllretliche Resolution auf H. Linckere Memorial. 
D. Potsdam 21. /[31.] December 1Ö76. (Conc. v. Gladebeck.) 

[Zusage von Hülfe. Bemühungen z\x Gunsten Dnuemarlis bei Holland und in der 
Elbzollangelegenheit.] 

1. Kf. erkennt sehr wohl, dass der K5nig der Assistenz benöthigt, kann 31. 
sich zwar, da er selbst noch wichtige Aktionen vor hat, ebenfalls mit wenigen 
und gar geringen Quartieren versehen ist und nicht wissen kann, was der Feind 
in Pommern und Preussen tenlieren werde, noch nicht positivement und zu einer 
(gewissen Anzahl verbinden, versichert aber, dass er mit allem dem, was nur 
die Kriegsraison zulassen und in seinen Kräften stehen wird, ihm kräftig 
assistieren. Ja, wenn mijglicb, selbst mit einem demselben convenablen Corpo 
sich da, wo es der König begehren wird, einstellen und auch bei den übrigen 
Alliierten sich bemühen wird. 

'1. Kf. will auch ferner nm die desiderierte Cooperation zor See durch 
seine Minister im Haag, zu Nirawegen nnd Wien sich bemühen, vernimmt bei 
diesem Punkt auch gern, dass der König, um die Flotte desto leichter zu er- 
halten, auf einen Theü der SnbsiJien verzichten will, 

3. Wegen des Elbzuüs will er trotz der Gegenbemühungen Hollands, 
HamhoTgs und der braunschweig Ischen Herzoge, die auch leicht England in 



') Georg Lincker, hessen.casselscher Resident in Berlin, zeitweilig auch dort 
Yerlreler des Königs von Dänemark. S. Kibbeck in Forsch. XII, S. 465. 



oyGooi^lc 



284 III- Brandenburg und Dsoemark 1676— 1G79. 

consortiiira ziehen dürften, das Interesse des Königs weiter befördern, bat d« 
entsprechend seine Gesandten in Regenshurg schon instruiert') and wi 
Romswinckel befehlen^, im Haag die Sache zu remonstrieren und deswf^' 
mit dorn dortigen dänischen Minister zn communicieren. 

4, Wegen der Opposition Hamburgs gegen den Elbzoll wird er noch m; 
seinen Gesandten in Regensbnrg befehlen*], die Annahme der Beschwerde ij 
Stadt zu dec linieren. 



Artictili separat! des Recessiis der dänlsch-bi-andenbiirgisclK 
Allianz.*) D. Copenhagen 23. December 1676/2. Januar 167 

I. Nachdeme bei SchliessuDg der zwischen Ihr Königl. May. zu Dbdd 
marck, Norwegen p. and Ihr Cburfürstl. Durchl. zu Brandenburg 
unter heutigem dato aurgerichteteD nähern BQnduoss ein und and< 
angelegene Puncten vorgekommen, welche man dem Haubtrecess cinz 
rücken Bedenken getragen, So ist zu deren mebrern Geheimhaitu 
beiderseits beliebet worden, solche in nachfolgende aecrete Artickel 
bringen, welche von gleicher Kraft und vigor sein, auch nicht weni^ 
als wären aio besagtem Haubtrecess scIbsten einverleibet, zu der darino 
bcstimbten Zeit von beiden hohen Herren Contrahenten ratificiret werd 
sollen, Und zwar 

1. Demnach Ihre Königl. May. und Ihre Churf. Durchl. bereits 
verwichenen Jahre zu Doberan in Mecklenburg einen gewissen Tractal 
aufgerichtet, sich durch denselben kräftiglich mit einander verbünd 
und auf dessen Fuss ihre gemeine Sache bis anhero gefähret habi 
auch annoch ferner fuhren wollen, als wird hiemit ausdrücklich I 
düngen, dass das anderweitige Foedus, so an heutigem dato alhier 
Copenhagen zwischen Ihrer Königl. May. und Ihrer Churf. Durchl. | 
schlössen und vollenzogen worden, dem obberegten Dobranschen Vei^tei 
in keinerlei Wege derogiren, sondern dass derselbe in allen und jed 
seinen Fuucten und Clausulen befestiget und bestätiget und also vi 



') S. unten Abschn. VII. 

») S. oben S. 156. 

') S. unten Abschn. VII, 

') S, den IlsupUraclat von demselben Datum, abgedruckt in Dumonl, Cd 
.lipioRiatique VII, I, S.3-26E, Inhaltsangaben bei Pufendorf I. XIV, § ll?, 
(S. 1073 f.), V. Märner S. 391 ff. 

-) S. den Tractal vom l5./2S.September lG7ä(v. MörnerS.387f.) undobenS.i 



oyGooi^lc 



SepftrsUrtikel des AllianzTertrages. 285 

mehr zum Grunde dieses k^eowertigen Foederis gesetzet seio solle. 
AllermasseD dann Ibre Kön^l. May. und Ihre Churf. Durchl. nach dem- 
selben sich allerdings reguliren und vermittelst Göttlicher Hülfe dahin 
streben wollen, damit Sie beiderseits den Zweck, so Sie Ihnen in selbigem 
Tractat fnrgesetzet, erreichen mögen. 

2. Gleichfalls haben Ihr Königl. May. und Ihre Chnrf. Durchl. sich 
mit einander verglichen und verbunden, nicht allein unter sich einander 
Ihre gemachte Conquestes und von dem Feind eroberte Lande, Insulen, 
Festungen uad Städte und alles andere, was Sie dem Feinde abgenommen 
haben werden, wie solches auch Namen haben möchte, zu garantiren 
und nicht zu verstatten, dass ihnen dieselbe snb quocuaque praetestu 
ilirecte noch indirecte ohne Ihren CoDsens wiederumb aus den Hauden 



gebracht werden, sondern auch bei 
daran za sein, damit dieselbe darei: 
von den übrigen Alliirten ebenmässi 



den künftigen Friedens-Tractaten 

mit eingeschlossen und dabeneben 

ig in perpetuum garantiret werden; 



ernstlich injungiren wollen, dass 



Gestalt Ibre Königl. May. und Ihr Churf. Durchl. Ihren Plenipotentiariis 



solche Inclusion und Garantie ge- 



Sambier Hand und mit zusammengesetzten consiliis und Eifer urgiren 
und zu Wege bringen, auch in dem Fall und sonsten in allen übrigen 
gemeinen Angelegenheiten für einen Mann stehen sollen. Wie dann Ihr 
Churf. Durchl. auch versprechen und geloben, dass nachdemroahlen 
zwischen Ihr Künigl. May. und Hertzogs Christian Albrechten zu 
Schlesswig Holstein GottoriT Durchl. durch einen im verwichenen Jahre 
zu Renssbui^ aufgerichteten Vei^leich*) ratione der Souverainität über 
das llertzogthumb Schlesswig und des Ambts Schwabstett alles in den 
Stand, wie es vor den Rotschild- und Copenhagenschen Friedenstractateo 
gewesen, wiederumb gesetzet werden, und Ihr Königl. May. sich dabe- 
Qcben erkläret, dass Sie des Hertzogen Durchl. in denen juribus und 
Gerechtigkeiten, so dessen Fürstl. Vorfahren vor solcher Zeit hergebracht 
und gehabt, einigen unbilligen Eintrag zu thuen nicht gemeioet wären, 
So haben Ihr Churf. Durchl. gleichfalls bewilliget, dass solcher Vergleich 
unter der vomngezogenen Garantie mit begriffen sein soll, dergestalt, 
dass im Fall der Hertzog selbsten, die Crohn Schweden oder sonsten 
einiger Estat darwieder etwas vorzunehmen, die darinnen stipulirte con- 
ditiones in Zweifel zu ziehen oder solche zu einigen neuen Tractaten 
:iu bringen sich unterstehen sollte, Ihr Churf. Durchl. darein keines 

>) Der Vergleich vom 10. Juli 16T& (Dumont VII, 1, S. 296). 



oyGooi^lc 



286 ni. Brandenburg und DKnemark 1676—1679. 

weges willigen, soodern solahem unbilligen Vorfaabea sich kriftiglic 
opponiren und auasersteu Vermögen nach daran sein wollen, damit i 
bei ermeltem Vergleich allerdings gelosseu und die dawieder iurkomment 
propositiones an Ihr Königl. May. selbsten verwiesen werden mögen. 

3. Weil auch die wegen Theüung der HertzogthQmer Brehmen ui 
Vehrden in der Stadt Brehmen angestellte Tractaten alles angewandt« 
Flelsses und Mühe ungeachtet zur verlangten Endschaft bishero nie 
gebracht werden mögen und anuoch ungewiss ist, wann und welch« 
gestalt darinnen ein Schluss getroffen werden möchte, indessen aber d 
BiscbofeD zu Münster Fürstl. Gn. und der Hertzogen zu Braui 
schweig Lüneburg Zelle und Wolffenbüttel D. D, sowohl wegi 
der unlängst erfolgten Ubei^abe der Stadt Stade und deren Besatzai 
ohne einzige mit Ihrer Königl. May. und Ihrer Churf. Durch!, vorh 
gepflogenen Gommunication einen einseitigen Vergleich getroffen, als au< 
sonsten dem Verlaut nach wegen Theilung der obbenannten beidi 
Hertzogthümer nach eigenem Gefallen eine gewisse Disposition gemach 
haben sollen. Als haben Ihre Königl. May. und Ihre Cburf. Durch 
weil Sie nicht wissen, wie man wegen Ihres bei der Division der o 
gedachten Hertzogthümer habenden rechtmässigeo interesse an Münstt 
und Braunschweig-Lüneburgischer Seiten gesinuet sein möchte, für g 
und notig befunden, unter einander sich dahin zu vergleichen und 
verbinden, doss Sie zuforderst in dieser Sache vor einen Mann steht 
und im Fall der Bischof von Münster und die Hertzoge zu Braunschwe 
Lüneburg sich weigern sollten, Ihrer May. einen proportionirten Antli 
von den Hertzogthümern zu Ihrer billigmüssigen Satisfaction einzuräunii 
alsdann Ihr Churf. Durchl. (als welche durch den mit dem Hei 
Bischöfen von Münster und den Herren Hertzogeu zu Braunschwei 
Lüneburg, nachdeme sie bereits vorher sich mit einander vei^lichi 
den 6. Septembr. dieses Jahres aufgerichteten absonderlichen Verglei 
Ihr Königl. May. an dero rechtmässigen Praetension nichtes vergel: 
haben, noch solches zu thuen gemeinet gewesen,) es seie, dass Sie 
Pommern Ihre vollige Satisfaction erlangen oder nicht, alle möglii 
gute officia anwenden, und wenn dieselbe nichtes verfangen sollten, i 
allen Kräften, so Ihr der Höchste verliehen, würcklich daran sein u 
dahin assistiren wollen, damit Ihrer May. in dieser Sache eine zuU 
liehe Satisfaction (welche der Billigkeit nach zum wenigsten in d 
bishero von Ihr Königl. May. praetendirten fünften Theil -der bei» 
Hertzogthümer bestehen muss) gegeben werde. Wohingegen Ihre Kön 



oyGooi^lc 



S«paralanikel dta AlliMiiT«rtrag«s. 287 

May. gehaltCD sein wollen, alle bestmöglichste gute ofVcia zu employren, 
and wann dieselbe nicht zureichen wollten, Ihrer Churf. Durchl. eben- 
massig mit aller Macht uod Stärke, so Ihr Gott verliehen, wiircklich die 
Hand zu bieten, damit derselben, falla Sie Ihre Satisfaction in Pommern 
Dicht Tollkomblich und nach dem Inhalt des Dobranischen Tractats er- 
halten könnten, selbige ans den Hertzogthümern Brehmen nnd Vehrden 
noch Billigkeit suppliret und Ihrer Churf. Durchl. zu solchem Ende 
gleichfalls davon ein znreicheader Antheil beigel^et werde. Gestalt dann 
auch Ihre Eönigl. May. und Ihre Churf. Durch!, sich weiter dahin ver- 
einbaret und reciproce verbunden haben, dass Sie beiderseits mit er- 
meltem Bischof und Hertzogen weder conjunctim nech separatim diesem 
Vergleich zugegen Dichtes tractiren noch eingehen, sondern darob festig- 
lich halten nnd alten darinnen stipulirten Conditionen getreulich nach- 
kommen wollen. Wie dann auch Ihr Churf. Durchl. sich weiter ver- 
banden, dass Sie Ihr Königl. May. in Ansehung der von Ihr dem 
Römischen Reich geleisteten nutzbaren und ansehnlichen Assistenz und 
Ihr dahero zugewachsenen unerträglichen Last hingegen von dem Reich 
sowohl im Quartierwesen als soDsten genossenen gar geringen Ei^tz- 
iichkeit wie bishero also auch noch ferner dahin behülflich sein wollen, 
damit deroselben in dero billigmäsaigen desideriis sowohl ratione des 
Elbzolls als anderen dero Angel^enheiten alle billigmassige würckliche 
'Satisfaction gegeben werde. 

4. Obzwar Ihre Churf. D. zu Brandenburg zu Ihrer Königl. May. 
von Pohlen und selbiger Republique das gute nachbarliche Vertrauen 
haben, es werden dieselbe das ewige und an Churfürstl. Seiten unzer- 
brüchlich observirtes Biindnuss, so zwischen der Crohn Pohlen und Ihrer 
Churr. D. aufgerichtet, niemalen aus Augen setzen und sich durch die 
gegenwärtige frantzösische und schwedische gefährliche Anschläge und 
Practiquen wieder Ihr Churf. D. und Dero hohe Allürten verleiten 
lassen, weil jedennocb leicht zu ermessen, dass die schwedische Emissarii 
und ihre Adhaerenten nicht aufhören werden, am polnischen Hofe wieder 
die gute Parthei ihr äusäerstes zu thuen, so versprechen Ihr Königl. 
May., dass auf den unverholften Fall, da von polnischer Seiten durante 
hoc bello wieder Ihr Churf. D. und dero Lande etwas feindliches vor- 
genommen werden sollte, Sie deroselben nicht alleine wieder selbige 
Crohn zu Lande kruftiglich and dem foederi principali gemäss assistireu, 
sondern Ihr auch zu Wasser in der Ostsee beistehen und allen mög- 
lichen Znschub thuen wollen. Es wäre dann, dass Ihr Königl. May. 



oyGooi^lc 



288 III- Braadenburg und DInemark 1676—1679. 

selbst wieder den Feiod dei^estalt engagiret wäreo, dass Ihr solches zd 
praestiren unmüglicli üele und die kund- und unleugbare Evideni solche 
Unmüglichkeit gnugsam bezeugete, welches auch zu beobachten, waoo 
Ihr Königl. May. und Ihr Churf. D, gegen andere der Crohn Schweden 
Adhaerenten, Helfer und Helfershelfer nach Einhalt des Haupttractat- 
einer von dem andern Hülfe begehren müsste. 

5. Wann auch bei künftiger Friedenshandlung die Rom. Keyserl. 
May., die Crohn Spanien und die Herren General Staaten, wie man docli 
nicht hoffen will, dahin zielen möchten, dass Ihr Königl. May. und Ihr 
Ghurf. I). dargegen, dass Franckreich, was die Crohn Spanien bei diesem 
Krieg verloren, wieder abtreten müsste, da-tjenige, so sie der Cioho 
Schweden abgenommen haben werden, oder ein Theil desselben wieder 
geben sollten, so verbinden Ihre Königl. May. und Ihre Churf. D. sieb 
unter einander, dass sie in solche Compeosation im geringsten oichl 
willigen, sondern selbiger einmiithiglich sich wiedersetzen und ihre zu 
denen General- Friede ns-Tractaten destiotrte ministroa desfalls mit zu- 
reichender und gleichlautender Instruction versehen wollen. Damitaach 
denjenigen, so desfalls wieder Ihrer Königl. May. und Ihrer Churf. D- 
hohes Interesse sich anspinnen und machiniret werden möchte, deato 
besser begegnet werden könne, wollen sie bei Ihrer Königl. May. von 
Gross Britannien alle gute officia anwenden, damit dieselbe bei bevor- 
stehender Friedenshandlnng Ihrer Königl. May. und Ihrer Churf. D. hohe? 
Interesse hierunter beobachten und nicht zugeben, dass sie anders al^ 
die übrige partes paciscentes principales angesehen und an ihrer billii!- 
mäxsigcu Satisfactiou verkürzet werden mögen. 

6. Auf den unverhofTten Fall, da etwa die Herren General Staaten 
zu einem unzeitigen Friedeu, wodurch ihre sämbtliche AUiirte keine Ver- 
gnügung erhielten, incliniren und gar aus dem Werke scheiden, und mii 
dem Gegentlieil einen particulier Friedeu eingehen sollten, haben Ihi 
Königl. May. und Ihr Churf. D. unter sich verabredet, dass sie sich als 
dann mit den übrigen hohen Alliirten, nemblich mit Ihr Keyserl. May. 
der Crohn Spanien und den Chur- und Fürsten des Reichs, so würck 
lieh mit in der guten Parthei stehen, und anderen Potentaten um 
Ständen, so mit hineinzuziehen sein möchten, wie der Sache zu rstben 
bereden und überlegen wollen, durch was kräftige und nachtrücklichi 
Mittel man in^esambt ohne Holland den Krieg bis zur Erhaltonj 
eines vergnüglichen und raisonnablen Friedens continuireo könne. 

7. Sollten auch wieder alles Verhelfen Ihr Königl. May. und Ih 



oyGooi^lc 



SenduDg Haxth&usen^s. 289 

Churf. D. NO anglücklicb sein, dass Sie vod ihren hohen Alliirten zu 
Au.sführang jetzigen schweren Krieges -wieder die Crohn Schweden durch 
(las Versprochene an Oeld, Volk nnd Schilfen nicht unterstütKet , noch 
sonst nach Gebühr und denen mit ihnen aufgerichteten foederibns ge- 
mäss secondiret würden, wollen Sie sich alsdann zusammenthuen nnd 
überlegen, wessen Sie sich anf solchen ganz unvermuthlichen Fall zu 
verhalten and was sowohl zu Bestätigung der allgemeinen als Ihrer 
eigenen Sicherheit zu resolviren nöthig sein mochte, indessen aber 
dennoch einen Weg wie den andern beständig bei einander halten und 
keiner von dem andern sich trennen lassen, bis der unter ihnen ver- 
abredete Zweck beiderseits erreichet worden. — 



Memorial Haxthausens.') 
D. Potstamb 25. December 1676/[4. Januar 1677]. 

1. Bitte nm kategorische Hesolution wegen der erbetenen Assistenz, 4 

2. am Interposition deswegen bei den anderen Alliierten, 

3. um Rath, wie von diesen solche Assistenz am füglichsten zu negotiieren 
und zu erhalten, 

4. um Deberlassang einigen Fussvolks gegen Erlegung der zur Anwerbung 
ebensDvieler neuer Mannschaft nöthigen Werbegelder, 

5. um weitere Gestattung von Werbungen in Preussen und anderen kur- 
fürstlichen Landen, 

6. den Anschlägen Frankreichs, Schwedens und des Herzogs von Goltorp 
gegenüber wachsam zu sein und die nothigen Anstalten dagegen zu treffen. 



Resolution des Kurfilrsten auf das Memorial Haxthaiisen's. 

Sign. Potstam 29. December 1676/[8. Januar 1677]. 

(Gonc. V. Gladebeck.) 

ad 1. Kf. hatte sich ursprünglich auf die deswegen an Lincker ertheilte 8. Jau. 
Resolution'') bezogen, da aber H. auf gewisse Determination gedrungen, so ver- 
spricht er, falls die Sache anf jetzigem Fusse verbleibt, dass Schweden keinen 

>> Das Greditiv König Christian'a V. für A. W. v. Haitliausen ist Kopen- 
hagen 11./21. Decamber 1676 ausgeBlellt. S. über dessen Aufträge oben S, 381. 
>) S. oben S. 283. 
lixttt. I. G«ich. d. 0. KurfflraUn. XVm. 19 



oyGooi^lc 



i 



m 



290 ni. Brandenburg und Däaeniark 1676—1679. 

Succurs nach Pommern bringt nnd in Polen und Prenssen sich keine sondi 
liehen motus ereignen, dem Könige wenigstens mit einem Regiment m Via 
und einem Regiment Dragoner zu assistieren, bittet aber, diese Resolution ml 
liebst geheim zu halten, 

ad S. Kf. wird dem Könige ferner darin assistieren. 

ad 3 Tfith er, bei allen Alliierten und Anverwandten alle mögliche Hü 
zu suchen, namentlich bei dem Bischof von Munster nnd dem Hause Brau 
schweig und, falU dieselben den Bogen zu hoch spannen sollten, zu drohi 
dass der König sich sonst mit Schweden verständigen würde. Am spaniscli 
Hofe ist Kf. erbötig, durch v. Ruck Dienste zu leisten. Er rStb ferner it 
auch, sich an den Herzog von Hannover zu wenden, von ihm Assistenz 
verlangen und zu drohen, dass der König sonst sich seiner in der QnartiersK 
nicht weiter annehmen werde. 

ad 4. Fussvolk kann Kf. nicht entbehren. 

ad 5. Er erbietet sich, gegen ein zureichendes Werbegeld von 25 Rtt 
aus den benachbarten Landen und an den preussischen Grenzen für den Xüi 
zunächst 1000 und künftig noch mehr gute Knechte werben zu lassen, die 
3 Monaten bereit stehen sollen; auch dieser Punkt aber müsste secreti 
werden. 

ad G. Gegen die Holsteinschen Machinationen will er auch vigiliereD n 
einige Gedanken deswegen dem v. Uaxthaasen eröffnen i). 



[Auf das Randbrieflein ^ 



1 den König von Dänemark. D. Cöin 
17./27. Januar 1677. 
n 9. December.'^ Trost negeo der unglücklichen Sclilact 



1. — Ew. Künigl. Maytt. haben in solcher gefährlichen Action al 

gethan, was ein kluger und tapferer Krieges-Held thuen können, glei< 
woU aber ihre hohe Person allzu viel hazardiret, weshalb ich auch 
grossen Sorben gestanden. Ist nun gleich der Ausschlag nicht eb 
völlig nach Wunsche gewesen, so hat doch auch der Feind, Gott Li 
dabei wenig Vorthel gehabt und kann hieruächst mit göttlicher Hü 



>} Das Recreditiv des Kf. für H. ist Potsdam 29. December 167C/i;8. Januar Ih' 
ausgestellt. Fr. v. Brandt berichtet 10./20. Januar 1677, der König sei übir 
demselben ertbeilte Resolution sehr erfreut, werde wegen Werbung des Regime 
in Preussen durch Scboel nühere Uittbeilungen njacben laasea. 

'O oben S. 280. 



oyGooi^lc 



Die feindlich«D Anschläge. Dänisebes Hülfsgesucb. 1 

alles doppelt wieder eingebracht werden, worzue ich das meinige ^ 
ganzen Herzen beitr^n will, — 

Verweis auf die dem v. Haxthansen eitbellte ßesolution. 



König Christian V. von Dänemark an den Kurförsten. 
D. Copenhagen 30. Januar/9. Februar 1677. 

[Bitte lim Sendung der Hülbtruppen und um Venrendung bei den andersD Alliirteu, 
namentlich Holland.] 

Dank für die Schreiben vom 3./13. and 16. Januar'), in welchen ihm Kf. ?- ^ebr. 
von der angeblichen Absicht des KÜnigs von Schweden, eine ganze Armee 
von Calmaraund nach Pommern Königsmark zu Hülfe zu senden, und des 
Künigs von ?rankTeich, 6000 Mann nebst vielem Gewehr nach Qothenburg 
zu schicken, und von den unter der Hand angestellten Werbungen des Herzogs 
Christian Ludwig von Mecklenburg') MiUheilung gemacht bat. Er bat 
auch von anderen Orten solche Nachrichten erhalten und ist geneigt, dagegen 
alle Anstalt zu machen, er ist aber bei solcher Beschaffenheit, wo der Feind so 
grosse Praeparatoria macht, die Alliierten ihm aber statt der von ihm begehrten 
Assistenz eine DiMcultät nach der anderen movieren, dazu ausser Stande. Er 
ersucht daher Kf., nicht allein seiner schriftlichen Zusage gemäss ihm den ver- 
sprochenen Succnrs fördersamst zukommen zu lassen und seine Werbungen iu 
dessen Landen zu befördern, sondern auch durch officia und Vorstellungen es 
bei den Alliierten dabin zu dirigieren, dass er von einem jeden mit einigem 
Succurs an Völkern entsetzt und besonders von dem Staat die Secequipage für 
die Ost- und Nordsee, um die feindlichen Transporte und eine Diversion gegen 
Um auf der Elbe zu hindern, unverzüglich resolviert, ihm wenigstens ein be- 
tiichtlicher Theil der restierenden Subsidien bezahlt und wegen des Elbzolls 
weiter keine Schwierigkeit gemacht werde. Auf solchen Fall ist er erbötig, 
weiter sich so anzugreifen und den Feind so zu beschäftigen, dass dieser 
ebensowenig wie in den vorhergehenden Jahren einen considerablen Succurs 
nach Deutschland senden soll. Wegen Hintertreibung der Werbungen des 
Herzogs von Mecklenburg hat Gen. Major Walter Ordre erhalten. 



') Beide nicht bei den Akten. 

>} Bald darauf hat König Christian dem Kf. durch Scheel oähere Nocbricbten 
aber Anschläge auf Wismar und Glöckstadt, bei denen auch Herzog Christian 
Ludwig mit die Hand im Spiele hatte, auf Grund der Aussagen eines gefangen 
genommenen Fransosen Hr. Luis und der bei diesem gefundenen Briefschaften 
Bachen lassen. 



oyGooi^lc 



292 ■ III. Brandenburg uml Dinamark 1676—1079. 

Der Kui'füi*st an den König von Dänemark. D. Cöln au ( 
Spree 31. Jamiar/[IO. Februar] 1677. 

(Uebersendung der RatificBliciD des Bündnisses. Anfrage wegen des bealnithli| 
Unteruelimens gegen Rügen.] 

r. Kf. hat das (ocdus ralificiert, übersendet es durch den Ueberbrtnger. sei 

Kaniroerjunker und Hauptmann z. Fuss Wilhelm v. Brandt, zar Ausve 
lung'). Er hat demselben femer aufgetragen, zu vernehmen, was der Ki 
wegen der Attaque der Iiiüel Rügen eigentlich bescblossen. Sollte drrsi 
noch bei seiner Abaiclit, von der ihm Christoph v. Brandt berichlet. 
Vorjahre, Ende März oder Anfang April, eine E$ca<tre von 12 bis 15 Scbi 
mit der nöthigen Infanterie dorthin zu schicken, beharren, so wird er den Ki 
von Zeit zu Zeit wissen lassen, wie die Recmtierung seiner Armee von^^ta 
gehe und wie bald ihm die Steltiner Blokade zula-ssen könne, einen Tlieil »- 
Truppen zur Eroberung der Insel mit zu employleren. 



F. V, Brandt an den Kui-füreten. D. Kopenhagen 
6./[16.] Februar 1677. 

[Freude des Königs über die Reise des Kt. Misslrauen gegen AlefelJt.] 

r. Der König hat mit Freuden aus des Kf. Schreiben vom 30. Jannar') 

seilen, dass derselbe zu solcher Gesundheit gelangt ist, um die Reise nacb 
Cleviscben Landen jetzt antreten zu können'). Die dfinischen Gesandter 
Nimwegen und im Haag sind schon beordert, alles mit Kf. zu überlegea 
demselben nach Möglichkeit zu assistieren. 

SoDsten habcD I. Kön. M. mir gnädigst befohlen, Ew. Chf. D. g 
\u geheim unterthänigüt zu binteibiingen , welchergestalt Herr DetI 

■) König Clirigtian V. zeigt in dem Recreditiv für W. *. Brandt (d. Ko 
hsgen 12 /['22.] Harz 1671) an, dass die AusnechsluDg der Ratißcationen erfolgt 

') Nicht bei den Aliten. 

^ S.'.äber diese Reise des Kf. oben S. 1Ö7 ff. Fr. v. Brandt halle schon 
30. Januar/[9, Februar] berichtet, der König laaae den Kf. bitten, seine Reise i 
Cleve mÖ);licliat lu beschleunigen und daseibat die Flotten Sendung nach der Üi 
XU betreiben. Der König habe Nachricht, dass man in Holland jetzt die Ma: 
habe, Schweden müsse den Fuss auf deutschem Boden bebalten, und dass auch 
Prinz von Uranien ganz von dem engliacben Hof eingeuammea und zu ebensok 
Sentiment gebracht sei, und er glaube, daas ihm dieses nur durch des Ef. Gi 
wart und Aulorilät benommen werden könne. 



j,Goo>^le 



Die Reise des Kurförslea nftch Oeve. 293 

von Alefeld') zwar ein Creditiv an Ew. Chf. D. hätte, dass er aber 
keine andere Ordre habe, als nur bloss zu trachten , die bisherige 
IrrUDgeo zwischen Ew. Chf. D. und dem Churfiii'sten zu Sachsen wegen 
der Quartiere zu componiren, and bitten I. Kön. M. Ew. Chf. D. möchten 
ihm weiter keinen Glauben geben. Es scheinet, dass er vor gut schwe- 
disch und gottorfisch gehalten werde. I. Eon. M. bitten sehr, dieses zu 



Der Kui-först an den König von Dänemark. D. Hamm 
20. Febriiar/[2. März] 1677. 

[HofTnung auf baldige Fortsetzung der Heise. Nacbrichten aus Holland.] 

Er hat seine Reise haoptsächlich auf des Königs Ratb und um dessen wio 2. März. 

.«eine eigenen Interessen zu poussieren, unternommen, hofft bald wieder gesund 
zu werden') und so seinen Zweck erreichen zu können. Mit Leistung der ver- 
sprocbenea Hülfe will er nicht der letzte sein, er wird sich auch bei den 
Alliierten bemühen. Aus dem Haag bat er Nachricht, dass man die verlangte 
Auxiliarflotlc bewilligt habe und auch wegen des Elbzolls nachzugeben beginne. 



Resolution des Kiirfüfstcn auf das Memorial des dänischen 

Gesandten Magnus Scheele.^). 

Sign. Hamm 28. Februar/ 10. xMärz 1677. (Conc. v. Gkdebeck.) 

{Bitte, wegen Sendung der Hülfalrupiiea noch etwas üeduld tu nalten. Versprechen, 

den König in seinen sonstigen Anliegen ta unterstützen.] 

Dank für die freundschaftlichen Cootestationen, Erwiderung derselben. ' 10. Hin, 
Kf. bt gänzlich entschlossen, seinem Versprechen wegen Zusendung der 
zwei Regimenter nachzukommen, er hat sich aber damals den Fall der Notb, 

') lieber dessen damalige Sendung zu K.Sachsen s. Bobe in der Einleitung 
zu .\hlefeldt's Uemoireit (dinische Ausg. S. V, deutsche Ausg. S. IX), über den 
Verdacht des Königs gegen ihn Ahlefeldt selbst in dein Diarium seiner Reise nach 
Copenhagen S. 98. 

=) lieber die Erkrankung des Kt. in Hamm und die dadurch veranlasste Ver- 
lögeruDg seiner Keise s. oben S. 157. 

^ Das Crediliv König Christian V. für Magnus Scheel, Erbgesessenen auf 
Fnssing, ist Eopenhageu 9./19. Februar 1677 ausgestellt. Seh. war am 8. März in 
Hunm eingetroffen, halte aber wegen der Krankheit des Kf. erst am 16. März bei 
demielben Audieni. S. v. Bucb'a Tagebuch 1, S, 337, 330. 



oyGooi^lc 



94 111. Brandenburg und D&aemark 1676—1679. 

enn er derselben etwa bei Einbrecliuug starker feindlicher Truppen v( 
chweden oder Polen niclit selbst liöclist bedürftig sein sollte, ansbedoDgea d[ 
ittet den König, nur noch etwas in Geduld zu stehen. Es wird sich i 
eindes Vorhalten bald änssern müssen, und wie ibm, dem Kf-, aafs b'tbs 
aran gelegen, dass derselbe nicht den Meister in Schonen spiele, so i»t io 
er König nicht weniger dabei interessiert, dass derselbe nicht wieder ne 
nd formidable Kräfte auf dem teotsclicn Boden, sonderlich in Pommeni, t 
omme. 

Wegen des Elbnolls und der Auxiliarflottc wird Kf. auch fcniei ^cb t 
lühen und aucii sonst, namentlich hei der bevorstehenden Entrevue, die Int 
ssen des Königs wie seine eigenen beobachten. 



König Christian V. an den Kiiifarsten. D. Copenhagen 
3./[13.] Mäi-z 1077. 

[Der bevorstehende niedersächsische Kreistag.] 

Aus dem Intimationsschceiben zu dem am i'ü. März abzuhaltenden nit^<' 
lichsi.schen Kreistage') erhellt, dass dort auch über Abwendung des von i 
esuchten Elbzolls l>erathen werden soll, und auch die übrigen Punkte sind 
olcber Beschaffenheit und Erheblichkeit, dass sie beide darauf besondere 
exion zu machen wichtige Ursache haben. Er wünscht daher zufötderst 
:f. Sentiment zu vernehmen, wie man zu Abwendung aller Gefahr und 
onvenientien, welche dieser Kreistag mit sich führen möchte, besonders falls 
laus Brannschweig dort das bremische Votum zu führen praetendiereu so 
ich zu betragen habe, damit er seine dorthin abzuordnenden IJüthe demgen 
istrnieren und sie beide dort gegen das, was zu ihrem Nachtheil vorgenomi 
werden sollte, für einen Mann stehen können'). 

') S. Pufendorf I. iV, 5 3 (S. 1109 f.). 

') Kf. erniiiert (d. Bamm 14./24. Uärz IGT?), auch er habe dieselbe 
ärchtuu^, sein Abgesandter Buteudach habe Befehl, luit den dänischen Uiuis 
e concert zu gehen. Im übrigen verweist er auf die durch v. Brandt zu machei 



j,Goo>^le 



Der DiedersHCbsische Kreistag. Das Unternehmea gegen Bügeu. 



F. V. Brandt an den Kui-ftlrsten. D. Copenhagen 
13./23. März 1677. 

[Plan eines AagriS» auf Rügea. Klagen über die Herzoge von Braunschneig. 
Bemähungen, Uänster zu gewinnen.] 

Das unternehmen gegen Rügen betreffend meint der König, der rechte :.'3. Märi. 
An^ffsullte nicht bei der Aiten Fähre sondern bei Part'), Wolgast gegenüber, 
uder beim Palmort') zwischen Kak-kwitz und Ilagen erfolgen. Juel sollte Miene 
machen, als wenn er zwischen Wittau and Jasmond landen wollte, und dadurch 
Königsmarck dabin ziehen, dann aber könnte er bei gutem Winde in einer 
Xacht nach Part segeln und dort landen, ehe Königsmarck dazu kommen 
könnte. Der König bittet Kf., diese Sache ganz geheim zu halten und keine 
Zeit darunter zu verabsäumen. Er hofft, Kf. werde gegen die Zeit, dass 
die Attaque vorgenommen werden solle, eine Diversion gegen Stralsund hio 
machen'). 

Da die Herzoge Ton Lüneburg eine so unvermnthete Conduite an sich 
nehmen und dahin trachten, daas der Kouig und Kf., die ihnen doch den Tisch 
gedeckt, wenig oder garniobts bekommen, sie aber, mit der Beute davon gehen 
mögen, so hält der König es für nöthig, dass man den Bischof von Münster 
möglichst caressiere, und bemüht sich schon darum. 

') Nach einer beiliegenden Karte ist gemeint das Süd-Perd, die südlichste 
Spitze Ton Uönchgut bei Thiessow. 

'} Palmef'Ort, die Südspitze der Halbinsel Zudar. 

') Die (iebeiuien RSthe in Bertin berichten doiu Kurfürsten am 31. Uäri/ 
li). April IBT7, sie hatten über das dänische Project des Angriffs auf Kügen mit 
Derfflinger conferiert, dieser finde aber bei dem Werk grosse Dlfficultäten, 
meinte, dass gerade bei Part und Psimort die Descents am schwierigsten sein 
«Drde, hielte vielmehr die Stelle, wo nach dem dänischen Project Juel die falsche 
-Utaque machen sollte, für die zur Landung geeignetste. Er behauptete, es sei 
irrig, dass anr 2000 Schweden auf fingen sein sollten, er hätte sichere Nachricht, 
dass sie dort über 4000 Mann atark wären. Fr. v. Brandt meldet am 27. Märi/ 
[6. April], da der König jetzt vor ailem Christianstadt au entsetzen suchen müsste, 
so kennte er keine Truppen, sondern nur Schiffe zu dem Unternehmen gegen Rügen 
hergeben, sollte Kf. nicht die dazu nüthigeu Truppen in der Mähe haben, so luSsste 
dieselbe vorläufig aufgegeben werJun. 



oyGooi^lc 



296 )■!' Brkndeuburfr uud DäDemark 1676—1679. 

König Christian V. an den Kurfürsten. D. Copenhapen 

14./24. April 1677. 

[Beschnerde über die Vorgänge auf dem niedersächsi sehen Kreistage, Bitte, auf d 
Herzoge von Braunschireig einzuwirken.] 

Die Vorgänge auf dem niedersSchsiachen Kreistage') zeigen, dsss i 
Herzoge von Celle und Wolfenbüttel, nachdem sie sieb neulich mit Ai 
von Hannover verständigt haben, sich von den übrigen Alliierten tteontn a 
das Herzogthum Bremen nebst den Quartieren im uiedersächsisclien Kreise 
sich allein behaupten wollen, und er fürchtet, dass sie ihm auch weitere p 
jndieierliche and nnbillige Dinge zumutlien werden. In solchem Fall würde 
sich geuöthigt sehen, alle anderen Desscins fahren zu lassen und nur auf 
Defension seiner eigenen Laude gegen alle weitere ZunÖlhigung bedaclit iu rt 
wodurch aber der Feind zum höchsten Nachtheil der gemeinsamen Sieht üi 
allein in r^chonen freie Hände behalten, sondern anch Gelegenheit etiisl 
wurde, einen Theil seiner Macht nach Pominem zu senden. Da Kf. da 
ebenso interessiert ist, wie er, so bittet er denselben, diese wichtige Sa 
reiflich zu überlegen und ihn nicht nur seine Meinung darüber wissen za las; 
sondcni auch, da er gegen den Feind hier nicht eher in Operation treten k^ 
bevor er den Rücken gänzlich frei und gesichert weiss, es bei den Henö 
dahin zu bringen, dass sie sich darüber zulänglicher herauslassen und er eigi 
lieh ^visse, wessen er sich von ihnen zu versehen habe-). 

■) S. Putendorf I. XV, § 3 (S. 1109 f.). 

=) Fr. V. Brandt meldet (d. Copenhagen 14./24. April 1677), Jer Ki 
nunscbe, dass Kf. schleunigst jemand an den Bischof von Uüuster schlcU, 
diesen in die Partie zu bringen, oder womögiich sich aelbst mit demsel 
abbouchiere, ferner, dass er jemand an die brauuschweigischeu Herzoge s« 
und diesen rotunde erklären lasse, dass, fall.s sie den KÜnig oder ihn angri 
sollten, sie beide für einen Mann stehen und ^ich nicht aus den niedersäi^b^isr 
Quartieren würden verdrängen lassen, womöglich sollte auch der Bischof vuu Müa^ 
2U einer gleichen lürklärung bewogen werden. Kf. erwidert darauf (d. Coh 
:;7. April,[7. Mai] 11)77), er habe sich unterwegs mit dem Bischof besprochen 
eiueu Traclat mit ihm aufgerichtet, werde auch die Verhandlungen fortseuen 
dabei auch das iläiiiscbe Interesse befördern. Uui dem braun sc hweigi~sc 
Hause Vorstellungen im allgemeinen Interesse xu machen und desseu Absii'li'«" 
uauer zu peiielrieren, habe er v. Gladebeck nach Celle und Wolteubüllel i 
fertigt. S. l'ufendorf 1. XV, § 7, 8 (S. 1113). 



oyGooi^lc 



Der niedersli^aiBche Kreistag. Vorl&uiig verwgta Ilülfe. 297 

Ohurfüratliche Resolution fVir Haxthausen.') D. Berlin 
20./[30.] Mai 1677. (Conc. v. Gladebeck.) 

[hie hessische Qa^rtierangelegeDfaeit. Vorläufig ist es dem Ef. unmüglkh, Hülfs- 
trufipen zu acbicken.] 

Kl. acceptiert die von der Landgräfin von Hessen-Kassel') ihm für die 3i 
Quartiere angebotenen 40000 Rtbir. in der HofFnang, dass die Auszahlung der- 
selben so geschehen werde, dass sie ihm nocli iu dieser Campague zustatten 
kommen. Die Quactiere selbst verspricht er nicht beziehen zu lassen, das Ver- 
sprechen des Königs, ihm 10000 Rthlr., wo er es verlange, sofort auszahlen zu 
lassen, nimmt er an und erwartet sofortige Zahlung in Hamburg an seinen 
dort^en Residenten. 

Das im vorigen Winter zu Potsdam gegebene Versprechen, dem König ein 
Ilegiment zu Pferde und ein Regiment Dragoner zu Hülfe zu schicken, hat er 
gleich damals auf die Possibilität und reflesiones, die er auf den Feind und dessen 
artiones machen müsstc. conditioniert. Sobald entweder Stettin erobert oder auch 
dessen Succnrs weder aus Schweden noch von dem Grafen Königsmarck zu 
liesorgen oder auch während dieser Helagemng seine Lande gegen Königs- 
marck" s feindlichen Einfall gesichert sein werden, wird er sofort sein Versprechen 
erfüllen und wenigstens diese beiden Regimenter detacbieien. Bevor nicht 
wenigstens eine von diesen gefSlirliclien Verhinderungen cessiert, hofft er, wird 
der König ihm nicht verdenken, dass er zunächst diese anch zu dessen Avan- 
tage reichenden Actiunen mit allen möglichen Kräften fortsetzen wird>). 

') Fr. T. Brandt liatte T./lt. Hai gemeldet, Haxthausen solle wieder an 
R(. abgefertiqt werden, nm wegen Sendung der zwei Regimenter anzuhalten, der KÜoig 
fiilTe, Kr. als sein bester Freund werde ihn jetzt in der Noth nicht im Stit'h lassen. 
It. kam nach v. Bucb's Tagebuch I, S. 253, am 16.y2S. Uai in lierlin an. er hatte 
am folgenden Tage bei Kl. Audienz. 

') König Christian V. hatte (d. Copenhagen 6-/16. März 1677) dem Kf. an- 
i;eieigt, der Kaiser hätte ihm unter anüercu auch die Truppen zur Assistenz ange- 
«iesen, welche die Landgrifin von Hessen-Kassel ^ich verpflichtet hätte, zu der 
tsiserlichen Armee zu stellen, diese aber verlangte, dass ihr die dafür zugesagte 
Riemption ihrer Lande von der Eiui|uartierung, auf welche Kf. .Anspruch mache, 
('fintiert Herde, und hatte ihn [gebeten, um diese llülfsseixlnng zu befördern, sich in 
ilitWT Quart iera» gel egen ho it nachgiebig zu zeigen. Kf. hatte anfangs erklärt, auf 
iliese Quartiere nicht verzichten zu können, schliesslich aber das Anerbieton der Land- 
iräÜD, ihm an Stelle derselben 30 000 Thaler zu gphco, von denen der König von 
liinemark lUOOO .-ogleich zu zahlen übernahm, angenommen. 

') Auf sein Begehren, Kf. möchte auch gestatten, dass die ^esammte kaiserliche 
t'i'allerie, welche bisher bei ihm gewesen war, dem König von Uänemark zu Hülfe 
geschickt werde, erhSlt U. die Resolution (d. Berlin 22. Mai, [1. Juni] 1677), Kf. könne 
noch zur Zeit in diesem Punkt nicht aus den Schranken der von dem Kaiser dem 
üijQige und ibm ertheiltcn Resolution schreiten. S. darüber unten Abschn. IV. 



oyGooi^lc 



III. Braudeuburg und Dinemark 1676—1679. 



Fr. V. Brandt an den Kui-iiirsten. D. Kopenh^eii 
2./[12.} Juni 1677. 

[Vorliiilig Ut keine Aussicht auf Zahlung der lOOOO Thiler. Dänischer Seesi< 
Klugen über dtis Ausbleiben der bolliadischen Schiffe. Nachricbtea vom Kri«; 
Schauplatz in Scbonea.] 

Er bat wegen Zahlung der für die Landgrätin von Hessen uhernomm^r 
lUOOO Rthlr. »ich bemüht. Der R.Kanzler hat aurh die besten ZusicherungeD ; 
geben, die Auarüstnng der Flotte und Transportierung der Truppen d! 
Schonen aber hat soviel Unkosten gemacht, dass die Kasse des Krie 
comroissariata ganz erschöpft und vorläufig auf keine Zahlung zu hoffen ijt. 

Die schwedische Flotte, welche von Gothenburg ausgelaufen und bis 
im Bell gelegen, ist vorgestern hei dem Versuch, Rügen vorbei in die Ost 
zu geben und sich mit der Uauptfiotte zu verbinden, mit Admiral Juel z«kl 
Laaland und Rostock zusammengetroffen und hat eine schwere Niederl 
erlitten '). 

Kanzler Alefeld klagt sehr über das lauge Ausbleiben des holländbc! 
Secours, ei meint, der Staat müsse mit Schweden wohl unter der Decke tie; 
man wolle die Schiffe erst im Juni schicken, damit die Schweden im '. 
Stettin suocurrieren konnten. Er bittet sehr, Kf. möchte an den Primen ■ 
Otanien schreiben und auch sonst in Holland diesem gefährlichen Vomeliti 
vorhauen. 

Aus Schonen hat die Königin Nachricht, dass') Christianstadt entsetzt sei i 
dass der König dem nach Engelbolm sich zurückziehenden Feinde stark fol 
Die schwedische Armee wäre wühl totalitär gesclilagen worden, wenn der Kö 
den Feind, wie er gewollt und Goltz') gerathen, gleich in derselben Nachl. 
er aufgebrochen, angegriffen hätte. Arensdiirff, Hahn. Bibo und andere ü 
haben') es aufs eifrigste widerrathen und scheint es, dass sie Goltz die E 
nicht haben gönnen wollen. 

') S. Uebhardi II, S. 3147, Carlson tV, S. (i84. 

-T S. Gebhardi II. S. 2146 f., Carlaon IV, S. 681 f. 

') Der branden burgisch General Joacbioi Rüdiger v. d. Golti. der 
diesem Jahre auf den Wunsch Künig Christian'^ als Fcldmarschall- Lieutenant in <!«■ 
Dienät übergetreten war. 

') S. unten das Schreiben F. Neumann's an den Kf. vom I7./2T. £ 
tember 1678. 



oyGooi^lc 



Dänischer Seeaieg. Feldzug in Schouen. Besorguiise wegen Englands. 299 

Fr. V. Brandt an den Kurföi-sten. D. Kopenhagen 
16./26. Juni 1677. 

[Ürobung Englands, eine Flotte in die Ostsee zu schicken. Bitte, es zu verhüleu.] 

Der Kanzler hat ihn gebeten, dem Kf. zu berichten, der eoglische Hof ') -*>■ J"""- 
sei sehr Qbel damit zufrieden, dass des Kf. Kriegsschiffe die englischen Kauf- 
Tahrteischiffe in der Ostsee attaquierten, und drohe, eine Escadre nach der 
Ostsee gehen zn lassen. Der König wurde dadurch genöthigt werden, dem 
Feinde die See offen zu lassen und seine Flotte in den hiesigen Hafen zu reti- 
rieren, er hoffe, Kf. werde, nm solch Unheil zu evitieren, die englischen Kauf- 
fifarer hinfort unangetastet lassen und sich bemühen, solches Vornehmen des 
englischen Königs zu verhindern"). 



Fr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. im Königl. Dänischen 

Lager vor Malmöe 30. Juni/[1Ü. Juli] 1677. 

[Aufbebung der Belagerung von Ualmoe, Misstrauen wegen Meinders' Sendung 
nach Celle. Im Haag zu vereinbarende Beschlüsse und Massregeln.] 

Infolge des verunglückten verlustreichen Sturmes auf Malmoe hat^) der 10. Juli. 
Kiinig sich genüthigt gesehen, die Belagerung aufzugeben, und wird nach Liind 
uder Borrebug aufbrechen, uiu sich der Riviera zu versichern und den kaiscr- 
liclicii und hessischen Succurs zu erwarten. Die beiden Flotten liegen dicht hei 
i'inander and erwartet man bald, dass es zum Schlagen zwischen ihnen 
kommen wird. 

Meinders' Sendung nach Celle') hat hier allerhand Nachsinnen verur- 
,'^'<cht, namentlich der Quaitiere wegen, man fürchtet, Kf. dürfte spe auiilti den 
brannschweigischen Herzogen zu viel nachgeben, was auf den König mit re- 
dandieren möchte. 

Von dem nachtheiligeu Friedensproject, das die Staaten in Nimwegen haben 
übergeben lassen '), meint der König, dass es nicht ernstlich gemeint sei, sondern 

') S. Hiracb, Brandenburg und England I, S. 19. 

>) Kf. encidert 2ä. Juni/[5. Juli] 1677, den Engländern solle keine [Irsaebe zu 
berechtigten Klagen gegeben werden, das Gerücht von der bcabsichtigtcu Sendung 
einer englischen Flotte sei ungegrnndel, er hoffe, im Sunde würde solche Anstalt 
gemacht, dass keine englischen Hcbiffe nach Pommam und keine Waaren vqu Contre- 
bände nach Schweden oder Lieflaod gehen könnten. 

*) S. Gebhardi H, S, 2148, Carlson IV, S. K83. 

•) S. Pufendorf 1. XV. § 8 (S. 1113f). 

•) 5. oben S- 176 ff. 



oyGooi^lc 



300 111. Brandenburg und Dänemark 1676—1679. 

nur den Zweck habe, das friedeiisbegierige Volk io Hollaad bei gutem Muth zi 
erhalten. Da aber Holland so sehr über die UnthStigkeit des Kaisers kljgt, » 
halt der Konig für rathsam, dass die Gesandten sämtlicher Alliierten im üu 
sich zusammenthäten, dass man zunächst eine Versicherung von dem Staa 
wegen Oontinuation des Krieges nehme, dann aber ein gewisses Concert wege' 
der Kriegsoperationen und auch wegen der Winterquartiere mache, wodarr 
auch der Beschloss des letzten niedersSchsiscben Kreistages elndiert wenie 
könne. 



Fr. V. Brandt an den Kurfürsten, D. Kopenhagen 
4./[U.] Juli 1677. 

[Sendung v. Lützow's. Feldzugsplan des Künigs. Misstrauen gegen Qallaad.] 

Der Kammerjunker v. Lütiow ist an Kf. geschickt) um ihm Anzeige vu 
dein Seesieg') r.» machen und um 2 oder 3 Kegimenter zn Pf. anzulisHi'i 
welche, sobald Kf. Stettin erobert hätte, dem Könige zu Hülfe geschickt <retde 
sollten-). Der Kanzler Ahlefeld hat ihm heute gesagt, der König zweifle nirl 
an gewieriger Resolution, da diiri'h die Seeschlacht die schwedische Macht i 
der Ostsee so gebrochen wäre, dass kein Snccurs nach Pommern geschid 
werden könnte, und auch nicht zu fürchten sei, dass Polen sich ihrer geg« 
Kf annehmen würde. Der König hoffe, nachdem seine Armee durch den hess 
sehen und kaiserlichen Succurs verstärkt sei, durch eine glückliche Schlacht i 
Schonen die Schweden ganz ;{ur raison zu bringen, auch die Flotte solle, nad 
dem die beschädigten Schiffe ausgebessert worden, dem Feinde ins Herz geht 
und ihm eine empfindliche Diversion machen. Er merkt übrigens, dass. we 
mau den Hotländern nicht traut, man ihre Schiffe bloss an den schwedische 
Küsten und sonst in der OsLsee kreuzen, die dänischen aber die Eiecutionve 
richten lassen wird. Sobald etwas davon wird zum Kode gebracht sein, wii 
der König mit Kf. rathschlagen, wie Rügen zu emportieren. 

') Die Schlacfat in der Kiugc • üucbt vom 1. Juli 1677, s. Gebhatdi I 
S. --Mlllf., Carläon IV, S. 6^5. 

'-') Demselben wird auf ein dem cd (sprechendes Memorial vom 18./28. Juli d 
Bcsolulion erlheilt (d. iin Lager vor .Stettin -'i. Juli/[1. August] 1677), Kf. 1«« ' 
nochmals bei der Ha.\lhauseQ ertheilten Resülution (s. oben S. 2S3 f.) bewenden- l 
aber die Belagerung von Stettin Doch wenig avanciert sei und er wegen des Auibleihci 
der kaiaerlielien, lüneburgischen und münsterschen Hiilfstruppen seiner gesamintf 
Cavsllerie bedürfe, so müsse der König sich mit der Hulfssendung noch et»is p 
dulden, bis die Belagerung weiter vorgeschritten sei und man sich zur Erobenui, 
der Stadt Hoffnung macheu könne. 



oyGooi^lc 



Sendung v. Lütiow's. Terbuidlnugm des Kt. mit den Braunach weigern. 301 

Der Kurförst an v. Brandt. D. im Feldlager vor Stettin 
16./26. Juli 1677. 

[Auf die Relation vom 30. Juni. Das Abkomn)«D mit den braunscilweigischen 
Herzagen. Veraich eniD gen der HollSuder.] 

Bisher hat er mit den Braanschweigern nichts abgehandelt, als dass') 20. Juli. 
der votjährige Tractst effectuiert, er sich Tenaöge desseu der mecklenburgischen 
Quartiere begeben und ihm dagegen die darin versprochenen 3000 Mann £u- 
^'t'scbickt worden. Er gedenkt durchaus nicht dem ESnige irgendwie zu prS- 
jiidicieren, hat vielmehr Meinders ansdriicklich befohlen, zu erklären, dass 
er den Kreisschluss nicht approbiere. Die Staaten haben*) auf seine Veran- 
hfumi^ so grosse Contestationen von ihrer Beständigkeit, und dass sie garniclit 
ohne die anderen Alliierten Frieden schliessen wollten, gemacht, dass er nicht 
railisam findet, jetzt weiter in sie zu dringen. Er ist einverstanden damit, dass 
man sich wegen der Quartiere nSher vernehme, muss aber erst den Ausschlag 
der NegotialioD in Celle abwarten. 



F. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Landscroon 
3./[13.] August 1677. 

[Risherige vergebliche Bemühungen wegen der hessischen Quart! ergei der. Nachrichten 
TOD den Kriegsschauplätzen.] 

Sobald er hier wieder angelangt, hat er wegen der 10000 Rthlr. hessischer 13. Aug. 
Gi'lder^) neue Anregung gethan, auch von Herrn v. StBeken*) gute Vertröstung 
bekommen, da aber gegenwärtig die Wiederaufrichtung und Ergänzung der 
Armee') viel Unkosten erfordert, so hat er bisher noch zu keinem Effect 
kommen können. 

Tromp ist schon Oeland vorbei, man hart aber nicht, dass er bis jetzt 
etwas tentiert habe. Oüldenleu hat Hastrandt eingenommen, dadurch ist 
der Veg nach Gothenbutg ganz geöffnet. Die Sehnten, welche das preussische 
Regiment*) abholen aollen, sind schon vor 10 Tagen nach PiUan abgegangen. 

') S. Pufendorf t. XV, g 8 (S. 1113 f.). 

*i S. oben 8. 177. 

*) S. oben S. 297. 

*) Der Qeneral-KriegskommisBar Heinrich i. Stöcken. S. über ihn Bobe 
in der dinischen Ausgabe von Ahlefeldt's Uemoiren S. 306. 

^) König Christian hatte bei Landscrona am 14. Juli eine neue schwere Nieder- 
lage erlitten, s. Gebhardi II, S. 2151, Carlaon IV, S. 686 f. 

•) Das Regiment i. Fuss, welches gemäss der von Kf. in der Resolution an 
Uixlhansen ertheilten Erlaubniss der König von Dänemark durch den Obersten 
.^hasver v. Lehndorf batie in Praussen werbsn lassen. 



oyGooi^lc 



302 HI- Brandenburg und D5necii«rk 1G76— 1679. 

Holten soll von hier ans der Harsch gegen Helsingborg hio erfolgen. Obv{ 
seine Eqaip^e noch nicht im Stande ist, wird er doch soviel möglich der Ans 
folgen, um die Gelder herauszubringen. 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D- im Feldlag 
vor Stettin 5./15. August 1677. (Generalstabsarchiv.) 

[Warnung vor einer neuen Schlacht.] 

Condolenz zu dem abermaligen unglücklichen Rencontre in SchooeD. 

— bitte dieselbe ganz beweglich, Sie wollen doch so leicht kei 
Hauptaction mehr hazardiren, es sei denn, dass Sie eines gläcklicli 
successus ganz versichert sein. Dann ausser dass Ew. K. M. noch v 
vielen Orten her Hülfe und aecours zu erwarten haben, hergegen i 
Feind, weilen er dergleichen von aussen nicht zu getrösten hat, sich t 
selber mit der Zeit wird consumiren, so wurde gewiss ein dritter U 
schlag Ew. K. M. Vorhaben auf Schonen fatal sein und dem Feind all 
Vorthel in die Hände spielen. — 



Fr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
l./[ll.] September 1677. 

[Das Unternehmen gegen Rügen.] 

11. Sept. Gleich jetzt geht der König an Bord und nimmt alle seine ileuteclie 

fanterie mit, um die Insel Rügen zu attaquieren'); auf den Wansch dessell 
wird er auch mitgehen. 

Trotzdem er dem Rescript des Kf. vom 34. August gem&ss dem KÖn 
vot^estellt hat, dass Kf. während der Belagerung von Stettin keine Civalli 
zu dem Unternehmen gegen Rügen hergeben könne, wird der König doch d< 
ferner deswegen anklopfen.') 



'} S. über das glückliche Unternehmen gegen Rügen, velcbe Insel, nachdem 
Dänen am 17. September auf Jaiimunil gelandet waren, fast vollständig van deascl 
eingenommen wurde, Fock, Kügenacli-pommersche Geschichten VI, S. 383f. 

^ Schon am 28. Auguat/[7. September] hatte v. Br. berichtet, v. Buch" 
gebe tu Ef, er werde wohl Assistenz suchen und wegen der Attaque auf Rügen 
rede nehmen. 



oyGooi^lc 



Eroberung »on ESgen. Sendung v. BunhwaM's. 303 

Memorial v. Buchwald's.^) Praes. 16./[26.] September 1677. 

[Die Winterquartiere. Vereinbarung des nftcbsten Feld lugB planes. Spaniüche Sub- 
sidien nnd holländische Hülfe lar See. Erinissigung der Friedens bedingungen.j 

1. Die Armee des KSnigs mnsa mit zolänglicben Quartieren im Reich ver- S 
sehen werden, es ist ihm unmSglich, den Krieg auf solche Weise, ohne Hülfe, 
Snbsidien und Quartiere fortzusetzen. Da das Haus Läueburg sich die Quar- 
tiere im niedersSchsiscben Kreise allein anmassen will, so wünscht er zu wisseo, 
ob Kf. nebst Münster ihm zu Bebanptang aolcher Quartiere, über die maa sich 
auf der bevorstehenden Confereoz zn Minden möchte vergleichea k5nnen, 
virklicb assistieren will. 

2. Zwischen den Alliierten mass wegen der nächsten Campagne ein Concert 
formiert und dazu die vom Konige vorgeschlagene Conterenz der Minister der- 
selben im Haag ehest vorgenommen werden. Ef. wird gebeten, ein solches 
Concert aller Orten zn befördern, und für die Conferenz in Minden seine Ab- 
eesandten so zu instruieren, dass er des Königs Interesse mit secandiere. 

3. Kf. m5ge sich bemühen, dass dem KÖaige auch in der nächsten Cam- 
pagne voD Spanien mit den stipulierten Subsidien und von Holland mit 
SchiffeD assistiert werde, da er sonst ausser Stande sein wird, den Krieg fort- 
zasetzen. 

i. Da der staatische Gesandte in Nimwegen ernstlich gefordert hat*), dass 
dem Gegentheil zu Beförderung des Friedens von den Alliierten nähere pro. 
positiones gemacht werden, so wünscht der König auch darüber mit Kf. ver- 
traalich zu commnnicieren , namentlich ob, falls keine Assistenz erfolgen, die 
Quartiere schwer gemacht werden nnd die Zahlung der Subsidien ganz unter- 
bleiben sollte, man auf den früheren postulatis so fest bestehen oder nicht, um 
die Staaten mügliclist zu conteutieren, daran in etwas abweichen, und falls als 
unbew^liches Fundament der Tractaten mit Schweden gesetzt werde, dass 

1) ein jeder, was er dem Feinde abgenommen, behalte, 

i) die Herzogtbnmer Bremen und Verden unter denen, die dieselben er- 
obern helfen, ei aequo et bono getheilt werden, 

3) die schwedische Zollfreihett im Sunde gänzlich aufgehoben werden solle, 
man im übrigen alle mögliche Moderation gebrauchen solle. 

') In einem Memorial vom Ib.ßb. September 1677 dankt 6. dem Kf., dass er 
ihni AudieDZ gewährt und versprochen habe, einen guten Theil seiner Truppen nach 
Rügen zu beordern und im Notbfall noch mehr Hülfe dorthin zu scbicken, und er- 
bietet sich zu weiteren Verhandlungen über die Winterquartiere, die ferneren Kriegs- 
oppretionen und die Fried enstractaten. — Ueber die von dem Kf. nach Kugen ge- 
M:hickten Truppen s. oben S. 3S. 

=^ 8. unten Abscbn. V. 



oyGooi^lc 



304 Iir. Brandenburg: und Dänemark I67ß— lt>79. 

Resolution des Kf. auf v. Buchwald's Anbringen. D. im 
Feldlager vor Stettin 22. September/ 2. October 1677. 

ad 1. Kf. hat in der Quartiersache mit dem Köuige das gleiche Intf 
esse, kann, wenn ihm nkht zulängUche Quartiere augewiesen werden, seii 
Armee nicht conservieren, von Wieu hat er trotz aller seiner Bemühungen noi 
sclileclite HofTuung, wegen des niedersächsisclien Kreises hat er in Entslehm 
der kaiserlichen und anderer Hülfe mit den braunschweigisoben Heriogi 
transigieren müssen und also keine freien Hände, ist aber bereit, die Sollicitali« 
des Königs in Wien zusammen mit der seinigen betreiben zu lassen. 

ad 2. Er liält es für ratlisaraer, dass zunächst zwischen ihnen beiden c 
actiones festgestellt, unter der Hand aber auch Münster, das Haus Brau 
schweig und der Kaiser mit beibehalten werden. Er hat seine Gesandt 
sowohl bei der Mindischen Conferenz als auch aonst zu einer solchen ei 
stimmigen Harmonie instruiert. 

ad 3. Wegen der spanischeu Subsidien ist Kf. in derselben Lage, 1 
sich bisher vergeblich darum bemüht, sollte der König ein Uittel zn ersinn 
wissen, dadurch sie zu ihrer Intention gelangen konnten, so will er ge 
CO operieren. 

ad. 4. Kf. giebt zu bedenken, ob es nicht noch etwas zu früh sei, r 
den bisherigen principiis eines universalen Friedens ab- und zu dergleich 
Partie ularitälen zu gehen, zumal die Staaten so hautemeut und fennement v 
sichern, dass sie keinen den Alliierten präjudicierlichen Frieden eingehen vuUti 
und dieses nur in der höchsten Extremität zu resolviereu sein möchte, wf 
bisher ihre beiderseitige Waffen noch keine Ursache g^eben haben. 



Der Kurffii-st an den König von Dänemark. D. im Feldla^ 
vor Stettin 20./[3O.] Oktober 1677. 
[Kaihscbläge wegen Behauptung Rügens. Massregeln gegen Königsmarck.] 

Wegen Behauptung der Insel Rügen und eines Angriffs gegen Köaii 
marck, wovon der König durch v. Buchwald und v. Scheel ihm hat 
Öffnungen machen lassen, bezieht er sich auf die dem v. Haxthausen erthe 
Resolution.') 

'} Eine .solche findet sich niclit in ileo Akten, doch ergiebt sich ihr Inl 
aus diesem Schreiben und der Relalion v. Braudt's vom S8. Ok(ober/T. 



oyGooi^lc 



Rathschllge wegen der Behauptung Rügens. 305 

DasB es Bouaten eine sehr grosse sdvantage nicht allein vor Ew. 
KöD. M., sondern aucb vor das ganze gemeine Wesen sein wurde, wann 
Ew. KÖD. M. die Insul Rügen ganz behaupten und mainteniren könnten, 
ist ansser allem Zweifel, wir befinden auch das Werk so schwer und 
uomöglich nicht zu sein, wann nur Ew. Kön- M. ein erfahrenes und 
accreditirtos Krieges-Haupt darauf schicketen, welcher nicht alleine in 
denen albereit eroberten Örtem nnd Schanzen überall und wo es von 
Nöthen sich aufs äusserste und festeste zu verwahren und dergestalt, 
dass ihm nicht leicht beizukommen, zu verbanen, sondern auch die noch 
übrige Neue Fähr-Schanze mit allem Ernste zu emportirea suchete und 
zue dem Ende mit nöthigen Kriegsmaterialien, als grobem Geschütze und 
allerband Schanzzeuge, wohl versehen sein müsste. Wir vernehmen auch, 
dass noch Lebensmittel nothdürftig auf der Insul vorhanden, wann nur 
beiräthlich damit umbgegangen wird. Die Mühlen werden auch ja wieder 
aagefertiget und können zum Fall der Noth Haudmühlen dahin geüchafTet 
werden. Wir wollen das unsrige auch dabei thuen und Eönigsmarcken 
de^estalt observiren lassen, dass er so leicht nicht über gehen könne, 
gestalt ich dann bereits Ordre ertheilet, dass das Groysche R^ment wie 
auch daa Görtzkische and die drei Schliebische GompE^ien, imgleicben 
eine Compagnie von unser Leibguarde und 2 von den Crnmbkowischen 
Dragonern nebst allen Commendirle» in Vorpommern zue Anclam, Wcl- 
gast nnd auf Usedom stehen bleiben und lleissige Acht auf alle des 
Königsmarckes Mouvemente geben, auch allen möglichsten Abbruch 
demselben zd tliun suchen sollen. Dass ich aber von hier aus mehrere 
Cavallerie dorthin schicken und Eönigsmarcken in seinem Vorthel 
attacquiren lassen sollte, solches kann ich, ehe und bevor diese Belage- 
mnge geendiget sein wird, unmöglich thuen, es seie dann, dass ich beides, 
den Sacces sowohl dieser Belagerunge als auch der Action mit Königs- 
marcken in einen höchst präjndicierlichen bazard stellen wollte. Wann 
ich aber diesen Ort mit göttlicher Hülfe werde emportiret haben, welches 
DQüiebro, nachdem ich bereits in dem Wall Posto fassen und den 
MineuT attackiren lassen, verhofFentlich balde geschehen wird, so werde 
ich mit allem Fleiss darauf bedacht sein, wie Eönigsmarck, als an 
dessen Ruin uns allerseits aufs höchste gelegen, gedämpfet werden möge. 
Dafern aber über alles VerhofTen Ew. Eon. H. davor halten sollten, 
dass die Insul Rügen nicht mainteniret werden könne, so wird vor allen 
Dingen nach Erieges-raison nöthig sein, dass selbige zuvorderst ganz 
rniairet — nnd nichtes, auch keine Wohnunge, darauf gelassen werde, 

M.t«r. j. Gesch. d. G. Knifllrston. XVUL 20 



oyGooi^lc 



306 III. Brandenburg und D&nemark 1676-1679. 

damit der Feind sich derselben zum wenigsten auch nicht zu bedienen 
haboD möge. — 



Fr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
28. Oktober/[7. November] 1677. 

[Entschlnss des Königs, das LehndorlTsche Regioaent dem Ef. zu Hülfe in schick ei.j 

r. Sobald er') mit tlaxtbausen hier angelangt ist und dem Könige vorge- 

stellt hat, dass Rügen nicht mainteniert werden könnte, wenn nicht Kf. iura 
Stettin erobert hStte und im Stande w&re, Königsmarck bei Stralsaad ncd 
Oreifawald anzugreifen, und dass daher Kf. den König ersuchte, ihm zn Ei' 
reichnng dieses Zweckes ein paar tausend Musquetiere zu Hülfe za senden, hil 
derselbe sofort resolvicrt, das Lehndorff'sche Regiment*) sofort ia das U^ei 
vor Stettin zu schicken. Er hofft, dass Kf. dafür ihm auch hilfliche IlaDd 
leisten und sich bemühen wird, dass die noch übrige Macht des Feindes in 
Pommern gedämpft werde und dass er im künftigen Sommer einigen Succdis 
nach Schonen bekommen möge. 



Memorial v. Haxthausen's.^) D. im Feldlager vor Stettin 
3./[13.] November 1677. 

r. Der König will dem Kf. das Regiment des Gen. Majors Lehndorf, so- 

wohl die in Kopenhagen liegenden lOOti, als auch die bei Gen. Major Rnmohi 
in Rügen befindlichen 600 Mann, zn Hülfe schicken unter folgenden Bedingungen: 

1) Diese Völker sollen am 1. December, möge Stettin erobert sein odei 
nicht, wieder entlassen und zurückgeschickt werden, 

2) Kf. soll denselben, so lange sie in Pommern stehen und anf der Rück- 
fahrt, den Unterhalt gleich seinen eigenen reichen. 

3) Dieselben sollen complet wiedergeliefert und etwuger Abgang erselzl 
werden. 



I) V. Brandt hatte wirklich, wie er (s. oben S. 302) angeküodigt hatte, den 
König auf der Expedition nach Rügen begleitet, war von dort aus am 8. Oclober 
(3. T. Bucb's Tagebuch I, S. 306) zu Kf. in das Lager TOr Stettin gekommen um) 
war dann mit v. IJaxthauseQ zusammen nach Kopenhagen zurückgekehrt 

>) S. oben S. 301. 

^ Dos Creditiv König Christian'» für denselben ist Kopenhagen 25. Oc- 
tober/ 4. Noiember, das Kecreditiv <les Kf. im Lager vor Stettin 3,/l3. November K" 
ausgestellt. 



oyGooi^lc 



UeberluniDg d. Lehodorfschen Regte. VereiieluDg d. Eeetitution Schwedens. 307 

4) Kf. soll seine nach Rügen gesandten Völker so lange dort lassen, bis 
man versichert sei, dasa sie ohne Gefahr der Insel und der dort stehenden 
Völker des Königs and der Alliierten abgeführt werden können. 

5) Sobald die Belagerang von Stettin zu Ende, entweder die Stadt erobert 
oder die Belagerung in eine Bloqnade verwandelt sein wird', soll Kf. suchen, 
KSnigsmarck ans Bainem auf jener Seite in Pommern ei^iffenen Posto lu 
delogieren nnd die NeueKhrschanze erobern helfen. 

Der König erwartet, dass El künftige Campagne ihm wieder mit einer 
aasettnlichen Tölkshülfe an Hand gehen nnd dieselbe sofort speciflcieren werde.') 



König Christian V. an den Kurfürsten. D. Copenhagen 
20./[30.] November 1677. 

[Vereitelung der beabsichtigten vollsländigen Restitution Schwedens.] 

Ans den beifolgenden Extracten ihm zu Händen gekommener feindlicher 30. Nov. 
Briefe ist zu ersehen, dass die französischen und schwedischen Gesandten zu Nim- 
wegen sich mehrentheils schon dahin verglichen haben, dass Frankreich einen Theil 
seiner Conquesten wieder abtreten will, wenn Schweden dagegen in integrum 
restitnieit werde. Er hält es für notliwendig, deswegen mit Kf. zu commuüi- 
cieren, da sonst ihnen die Früchte ihrer Anstrengungen entzogen und anderen, 
die bei der gemeinen Sache wenig oder nichts gethan, beigelegt werden würden, 
es anch offenbar Frankreich darum zu thun ist, Schweden durch solche Re- 
stitution in Deutschland zu Ausführung seiner weitaussehenden Desseins jeder- 
zeit au der üand zu halten, nnd es ausserdem scheint, dass man auch England 
darin mit zu engagieren sich bemühe. Er wünscht daher, dass bei der vorge- 
schlagenen Zusammenkunft in Hamburg') und auch zu Wien, Nimwegen, in 
England nnd Holland die Minister der Alliierten beordert werden, sich hierüber 
vertraulich zn vernehmen und zu Uintertreibung jenes Desseins einander die 
Hand zu bieten. 

') In seiner Resolution darauf (i. im Feldlager vor Stettin 3./13. November 1677) 
gesiebt Kf. alle Forderungen dea Königs zu. tnbetreff des letzten Punktes erklärt er, 
detnselben in der nächsten Campagne aufs äusserste assistieren zu wollen, aber jetzt, 
d» die Sachen aller Orten in crisi ständen und er wegen der Dnaicherhait der Quar- 
tiere noch nicht wissen könnte, wie seine Regimenter recrutiert und im Stande sein 
wärden, die Zahl der zu schickenden Eülfstruppen noch nicht praecise determinieren 
lu köanen, er wolle aber alles thun, was ihm „mensch- und möglich* sein werde. 

*) S. raten S. 308. 



oyGooi^lc 



SOS l'I. Braodenburg und DäDemarli 1676—1679. 

Instruktion für v. Ledebur') und Gericke') auf die in Hambui 
angesetzte Conferenz. D. im Lager vor Stettin 30. Novembe 
[10. December] 1677. (Conc. J. Koppen.) 

[Siehe ruDgsmassregelD gegen die dem Kf. tod Polen und ScbvedeD drohenden ( 
f&hren. Die bremische Tbeilung.] 

c. Der König von Dänemark nnd Kf. halten^ wegen der aus Polen drobend 

Gefahr und anderer Angelegenheiten eine Zusammenschickung von allerae 
Käthen für nSthig, Kf. hat auch die Herzoge von Braanschweig und d 
Bischof von Münster zur Beschickung einer aolchen, die auf den 10. Decemt 
nach Hamburg angesetzt ist, aufgefordert. Sie sollen als seine Bevollmächtigt 
derselben beiwohnen, dem coDventui vorstellen, wie eine Zeit her und bis je 
in Polen und dem Konigl. Preussen mit französischem Gelde starke Werbnngec 
für Schweden öffentlich angestellt und von dem Könige von Polen trotz al 
seiner Gegenvorstellungen foviert würden. Ferner hatte Kf erfahren, dass i 
Schweden in diesem Winter von Liefland aus eine Invasion') in sein Henogthi 
Preussen zu machen nnd dadurch den Alliierten eine Diversion za venirsaeli 
beabsichtigen. Zwar hoffte Kf , dass einige friedliebende woblaffectionierte Pol 
sich dagegen setzen würden, doch könnte man darauf nicht allzu fest bani 
sondern es sei zu furchten, dass die schwedische und französische foctiones i 
polnischen Hofe und in der Krone endlich prSvaüeren dürften. Die Alliierti 
die ihm in solchem Falle wirkliche Assistenz zu leisten verpflichtet wäri 
muciiten nnverzüglich darauf bedacht sein und eine vigoureuse Resolntion fassi 
um solchem Unheil am besten zu begegnen. Abmahnungsschreiben an den K5[ 
und die Republik Polen würden wohl nicht eben fruchtlos sein, doch würde dai 
nicht alles ausgerichtet werden, sondern ei sei eine solche Verfassung nöthig. < 
dem verbitterten Feind gleichsam ein Gebiss ins Maul legen und allen Widr 
gesinnten Schrecken einjagen könnte. Sie möchten also resolvieren, ob o 
wieviel Truppen sie ihm auf solchen Fall zu Hülfe schicken wollten. 

Sollten auch bei dieser Tagfahrt die dänischen Minister mit den münf 
rischen und braunschweigisohen das bremische Theilnngswerk vornehmi 
so sollen sie sieb bemühen, dass dabei der König von Dänemark, dem 1 
gern alle Satisfaction gönnt, in seiner Intention reüssiere, doch auch dal 



') Gerhard Jan v. Ledobur, Laoddrost von Patershagen, 
*} Otto v. Guericke der Jüngere, brandenburgischer Resident in Hamburg, 
^ Kf. hatte schon am 23. November/3. December 1677 den Gebeimen Kätb 
in Berlin angezeigt, dass er wegen der seinem Herzagthum Preussen von Liefli 
her drohenden Gefahr an den Bischof von Münster und dia Herzoge von Brau 
schweig geschrieben und dieselben zu einer Tagefahrt aufgefordert habe. S. Hirse 
Der Winterfeldzug in Preussen, S. 37. 
') S. Hirsch a. a. 0., S. S4, 26. 
"3 S. Hirsch a. a. 0., S. 24. 



oyGooi^lc 



InslrubtioD für v. Ledebnr n. Guerlcke. Gaffthr für Rügen. 309 

sehen, dass Hänster uod Brauaschveig nicht deswegen von ihm ungleiche 
Gedanken fassen und sich über ihn za beschweren DrsBche nehmen mQgen. 



König Christian V. von Dänemark an den KurfOrsten. 
D. Copenhagen l./[ll.] December 1677. 

[Beiargnigse wegen Rügens. Befehl an Rnmohr, deswegen mit Ef. zu commnoiciereD.] 

KÖnigsmarck soll Vorbereitnogen treffen, wieder nach Rügen hinüber' 11. Dec 
zugehen and seine dortigen Truppen zn vertreiben. Wiewobl et hofTt, dass, 
solange das Wasser dort offen bleibt, es desfalls keine sonderbare Noth haben 
wird, so bat er doch, da ') die dortigen Trnppen durch Abzug der dem Ef. zn- 
gesandten Mannschaft nnd Krankheiten ziemlich geschwächt sind und er ausser 
Stande igt, da er nicht weiss, was der Feind im Falle eines harten Winters 
gegen seine Lande tentieren sollte, diesen Abgang von hier aus zu ersetzen, 
in der Besorgniss, dass bei eingetretenem Frost dem Feind freier Zutritt nach 
der Insel geöffnet, ihm aber alle Communication dorthin abgeschnitten werden 
möchte, dem General-Major Rnmohr') Ordre ertheilt, mit Kf. eine fortlaufende 
Correspondenz zn halten und sich dessen Sentiment jedesmal zu fügen, sei es 
dass Kf. für practicahel hält, die Insel den Winter durch za mainteaieren und 
duu die dort stehende Cavallerie zu vers^rken, auch die Neue Ffihre occn- 
pieren zu helfen, oder dass er für gut erachtet, die Insel nach Ruinierung alles 
dessen, was dem Feinde zum Vortheil gereichen könnte, zu verlassen. 



Der Kui-fQrst an den König von Dänemark. D. im Lager 
vor Stettin 7.^17. December 1677. 

[Gefahr für Rügen. Ratbscblftge, «ie die Insel behauptet werden könne.] 

Ew. EöDigl. May. in hergebrachtem Vertrauen zn hinterbringen IT. Dec. 
kann ich nicht ambhlD, wie dass ich sowohl aus intercipirten Schreiben, 
als auch von verschiedenen geFangenen OfScirera und Gemeinen die 
sichere Kachricht erhalten, dass der König in Schweden dem Qraf 
Eönigsmark durch Gustav Carlsohn'), welcher dieser Tagen aus 

>) S. Fock, Rügensch-pommerache Geschichten VI, S. 399 f. 

') Detlev T. Rumohr, Befehlshaber der auf Rügen stehenden Truppen. S. 

über denseiben ebendaselbst S. 2S8 f. 
'} S. über denselben oben S. üS. 



oyGooi^lc 



310 in. BrandeDburg und DüDeni&rk 1676—1679. 

SchoDen nach Stralesuod mit einer Jacht überkommen, Ordre zn 
schicket, sich der Insul Rügen wieder üu betniichtlgeD, es koste au 
was CS wolle, sollte er gleich nicht einen Mann übrig behalten. ^ 
habe ich zwar vernommen, wie dass Ew. König]. May. Trouppeo s 
bei Bergen gesetzet, weilen aber billig zu besorgen, sie möchten dasei 
nicht so gar sicher stehen, und gleichwohl die Behauptunge dieser In 
vor Ew. Eönigl, May. und dem gemeinen Besten von höchster Imporü 
nicht allein wegen derselben avantageusen Situation, sondern auch { 
nemblich, weilen sonst durch einen Ausschlag, welchen der Höchste i 
hüten wolle, alle darauf stehende Trouppen verloren gehen und 
Feind sich dardurch sehr verstärken würde, so zweifele ich nicht, I 
Königl. May. werden solches dero hohen Verstände nach reichlich ül 
legen und auf Mittel bedacht sein, wie diese importante Insul cod: 
viret und der Feind davon abgehalten werden könne. Ich halte 
massgeblich dafür, dass vor allen Dingen ein accreditirtea und im Kri 
erfahrenes Oberhaupt dahin geschicket werde, umb alles wohl lo ( 
giren und das Commando zu führen, imgleichen dass zum wenig) 
noch eine fünfhundert Pferde dahin transportiret werden möchten, we 
sonst der Feind den uosrigen an Cavallerie überlegen ist. Ich w{ 
zwar auch noch herzlich gerne einige Cavalterie schicken, es ist 
aber solches bei jetzigem Zustande und Beschaffenheit eine wahre 
mögliclikeit, zumahlen da Ew. Königl. May. nicht unwissend, was 
ein Ungewitter mir aus Fohlen*) angedrohet wird.') — 



Der KurfQi-st an den König von Dänemark. D. im Lag 
vor Stettin 13./[23.] December 1677. 

[Auf das gestern empfaDgeae Schreiben vom 1. December. HoShung auf bi 
Uebergabe von Stettin. Zusage, sich dann gegen Künigamatck zu wenden. 

Dec — Wie aber insonderheit diesem Werke eigentlich zu rathen 

Ew. Königl. May. sowohl als der gesambten Alliirten und meine ei{ 
Trouppen auf der Insul zu cooserviren oder ohne sonderlichen Vei 
und Schaden davon zu retiriren, solches dürfte sehr wohl zu überli 

') S. Hirsch, Der Winterteldiug in Preugseo, S. 25 ff. 
') S. über die Correspoudenz des Kf. mit Rumohr und dem die brau 
burgischen Truppen auf Rügen befehligenden Oberslea v. IIüle«D Fock S. 33 



oyGooi^lc 



Bathschllge wegen der Sicherung Rügens. 311 

und allen Umbständea aach zu consideriren sein. Wenn der grosse 
Gott mir ferner die Gnade verleihen wollte (wie es gleich itzo, da ich 
dieses schreibe, ansehen lasset, indem der Gen. Major Wulff) wegen 
eines honorablen Accords für die Guarnison und Bürgerschaft heraus 
geschrieben), dass hiesiger Ort übergehet, so- werde mit göttlicher Hülfe 
eine kurze Resolution fassen und dem Feinde, ob Gott will, eine solche 
Diversion machen, dass die Troüppen auf Rügen keine sonderliche Noth 
von ihm haben sollen, inzwischen aber habe nicht unterlassen, dem Gen. 
Major Rumohr Ew. Eönigl. May. Schreiben zuzufertigen und meine 
Gedanken, wie die Beilage zeiget, zu eröffnen. — 



Gr. J. V. Ledebur") und O. Guericke an den KurfilrsteD. 
D. Hamburg 15./25. December 1677. 

[DiDischerseits genänscbte Berathungsgegenstinde. Braunscbweigischa Forderung.] 

Die münsterschen und braunschweigischen Minister sind noch 2b. Dec. 
niclit angelangt, sie wissen auch nicht, wann dieselben kommen werden, durch 
dieBäaischen aber haben sie erfahren, dass der König von Dänemark wüuscbt, 
es solle hier anch darüber beratben werden, wie Eönigsmarck weiter in die 
£Dge za treiben und seine noch übrige Macht zu enervieren sei, ferner wie man, 
falls, wie verlaute, in England bei der Anwesenheit des Prinzen von Oranien') 
ein Friedensproject concertiert sein nnd man dieses den Alliierten zu obtrudieren 
versuchen sollte, dem entg^entreten kSnne. Ferner ist der Junge Schütze 
aus Celle neulich hier gewesen nnd hat bei v. Buchwald sondiert, was für 
Gegenstände hier beratben werden sollten, und zu verstehen gegeben, dass man 
bnunschweigischerseits auch sowohl vom Kf. als dem Könige bei diesem Con- 
vent begehren wollte, zu verschaffen, daas ihre Uinistri als Ambassadeurs*) zu 
Nimnegen aDgenommen and ihnen das Prädikat Excellenz gegeben werde. Sie 
bitten auch über diesen Punkt um Instruktion'). 

*) Gouverneur von Stettin, s. oben S. 35. 

*) T. Ledebur war am 32. Decemüer in Ilamburg angekommen, tiatte dort 
^er nur die dSniacheu Oesaadten v. Buehwald und Klingenberg vorgefunden. 

') S. oben S. 181 ff. 

') S. unten Abaohn. V. 

") Oieaslben melden 39. December I677/(;6. Januar 1678], gesteru sei als 
mÜDsteracber Bsvollmäcbtigter der v erdische- Präsident v. Zitzewttz eiagelroffen. 
Klingenberg habe ibnen mitgetheilt, aus Stralsund werde berichtet, Kf. wollte jetzt 
die Camp agne scblisssen und alle seine Truppen die Winterquartiere beziehen lassen, 
ts sei aber zu fürchten, dass dadurch Königsmarcb Luft und Anlass gegeben 



oyGooi^lc 



312 [11. Brandenburg uud D&nemark 1616—1679. 

F. V. Brandt an den KurfÖrsten. D. Kopenhagen 
18./[28.] December 1677. 

[Die Truppen auf Rügen. Der König bittet Kf., General Geyso und noch «inij 
Keit«r dorthin zu schicken.] 

Der König bat ihm heute durch den Grosskanzler Älefeldt anie^ 
lassen, er wäre auf nichts in der Welt mehr bedacht, als anf Mittel, um Rüge 
zu behaupten. Er könnte zwar weder aus Dänemark noch aus Holstein iteilt 
dorthin schicken, er wollte jedoch die dort stehenden 'rrup{>en bis Hitte Fi 
brnar mit den nöthigen Lebensmitteln versehen lassen; die Alliierten verlangte 
zwar, dass ihre Truppen von dort in die Winterquartiere verlegt würden, di 
sollte aber keine Noth haben, da er schon an dieselben geschrieben nnd sie 
erboten habe, nicht nur die Lebensmittel über das Tractement zn geben, so: 
dern auch die Winterquartiere vollkommen gut zu thuu. Er wollte gern ei 
accreditiertes Oberhaupt nnd einen alten exercierten General dahin schickei 
da aber Goltz') weg ond Uffeln') totkrank wäre, so hätte er keinen an di 
Hand, er bofRe also, Kf. würde den General Geise') dahin schicken, der Atm 
Truppen daselbst commandieren und mit General Ramohr conjunctis consili 
agieren könnte; damit derselbe aber nicht mit ledigen Händen dorthio kam 
erböte er sich die Lehndorfschen Völker vor Stettin zu lassen, wenn Kf. d 
gegen 400— öOO Pferde mit Geise wollte nach Rügen gehen lassen. 



Fr. V. Brandt an den Kurfürsten, D. Kopenhagen 
2ä. December 1677/[4. Januar 1678.] 

[Freude über die Einnahme von Stettin.] 

Gestern früh ist v. Hagen*) hier angekommen und hat 12 Stunden frül 
als die Post die Nachriebt von der Uebet^abe Stettins gebracht Der Küc 

wüi'de, gegeu die auf Rügen stehenden dänischen Truppen oder auch sonst i 
schädliches Dessein auszuführen, daher hielte man dänischersei ts für nöthig, sieh < 
gegen in Positur zu setzen. 

■) S. oben S. 298. 

^ Heinrich v. l'ffeln, früher in brandeuburgiachen, nachher in bni 
schweigischen , damals in dänischen Diensien. S. v. Uülverstedt, Die brandi 
burgische Kriegsmacht unter dem Grossen Kurfürsten, S. 466. 

t) Joh. Erhard v. Geyso s. v. Mülverstedt S. 195. 

') Der Kammerjunker D. Cb. v. Ilagen. Derselbe überbrachte dem Käni 
ein Schreiben des K(. vom 17./27. December IGTT, in welchem die an diesem Ti 
erfolgte Uebergabe von Stettin (s. oben S. 3G) angezeigt wurde und dem aucb • 
Accordspnnkte beigefügt waren. 



oyGooi^lc 



Die SicheruDg- Rügeog. 313 

hat duäber die grösste Freude bezeigt, bat heute hier sowie zu Landscron uod 
Croneobai^ nnd auf den soch mit Geschütz versehenen Schiffen dreimal Victoria 
schieseen and Gott auf allen Kanzeln füi dieses Sieg danken laasen, ei ist auch 
sehr zufrieden damit, dass Kf. die Qarnison von Stettin za Lande nach Liefland 
manchieren Usit und dass er den Büigem einen so gnädigen Äccord bewilligt, 
wie es auch den hiesigen Predigern sebi gefallen hat, dass Kf. denselben das 
freie eicercitium religionis und ihre früheren Privilegien gelassen hat. Ueber- 
moi^n soll der Einzug des Kf. in die Stadt hier durch ein Bossballet und 
andere Ergötzlich keiten gefeiert werden. 



Der Kurfürst an v. Ledebur und Guericke. D. im Lager 
vor Stettin 27. December 1677/[6. Januar 1678.] 

[Vorkehrungen gegen Eünigsmarcli.] 

— Was die Operation wieder den Grafen von Königsmarck be- i 
triirt, so werden wir dieselbe, so viele es die Sachen und unsere abge- 
mattete Tronppen leiden wollen, befördern helfen: Gestalt wir dann 
bereits einige mehrere Cavallerie von hieraus nach Vor-Pommern ge- 
schicket, auch das Lehndorfische Regiment zue Fusse nacher Rügen 
dimittiret, und aeind wir Willens, unseten Gen. Lieut. Görtzken, wann 
es dessen Gesundheit nur zulassen will, nach besageter Insul zu com- 
mendiren. Das beste und,-leichteste Mittel aber, nmb Königsmarcken 
gänzlich zu ruiniren, ist, wann die in Mecklenburg stehenden lünen- 
burgischen Tronppen zue I. Eon. May. nnd unseren auf Rügen und in 
Vor-Pommern stehenden Völkern stossen und vigoureuaement wieder 
denselben mit agiren helfen wollten, weshalb Ihr dann nebst denen 
Königl. dänischen Ministris bei denen Fiirstl. Lünen burgischen mit Vor- 
stellnnge aller diensamen Remonstrationen behörige instance zu thuen 
habet. — 



König Christian V. von Dänemark an den Kurfürsten. D. Copen- 

hagen 29. December 1677/[8. Januar 1678]. 

[Abfordentng des Lehndorfschen RegiEoents. Verlangen, dass Ef. zur Sicherung 

Rügens mithelfe.] 

Nachdem Kf. Stettin glücklich in seine Gewalt gebracht, hat er be- i 
schlössen, sein ihm zugesandtes preusstsches Regiment') wieder herkommen za 

') S. oben S. 301. 



oyGooi^lc 



314 III- Braad«Dburg und Dänemark 1676—1679. 

lassen. Er ersucht ihn daher, die gesunden Volker davon förderaarait m( 
Peenemünde zu schaffen und sie bei der Einschiffung mit den nothwendigi 
Lebensmitteln zu versehen, die Kranlfen und Verwundeten aber dort so ha 
unterzubringen und verpflegen zu lassen, bis sie wieder zu KrBften gekomni' 
und abgeholt werden können. Er hofft auch, Kf. werde den Abgang, welcbi 
das Regiment seit seinem Abzug aus Rügen erlitten, sofort oder wenigst« 
gegen die bevorstehende Campagne ersetzen. Besonders aber hofft er, d» 
ihnen beiden zum Itöchsten importiert, Rügen samt den darauf steheDdi 
Truppen in Sicherheit zu setzen, dass Kf. dahin bedacht sein und cooperien 
werde, dass der Feind aus der Neuen Fäiirschanzo gebracht und aach dess* 
in Pommern noch übrige Cavallerie möglichst ruiniert werde. In solchem Fi 
werden ohne Zweifel Stralsund und Greifswald sich von selbst zum Ziel kgi 
und der Feind so ganz vom deutschen Boden gebracht werden können. 



Fr. V. Brandt an den Kurfüi-sten. D. Kopenhagen 
12./[22.] Januar 1678. 
[Die Niederlage auf Rügen. Die Ursachen derselben. Aeusserungen des Köuif 

i. Die unglückliche Niederlage auf der Insel Rügen ') hat den Eün 

die Königia und jedeim an ni glich dergestalt zerschlagen gemacht, di 
ich es Ew. Chf. D. nicht beschreiben kann. Dieser überaus nai 
tlieiliger und gefährlicher Ausschlag für Ew. Chf. D. und dero hc 
Alliirte rühret nirgends anders her als von dem, was der Herr G 
Tromp und ich Ew. Chf. D. in dem Lager vor Stettin unterthänigst 
erkennen gegeben, uämüch von dem H. Hahn, denn weil er*} a 
heilsame consüia umbstosset und den König nur zum hozardireu s 
leitet und mit seiner Cabale alle ehrliche Leute und Generalen ( 
gustiret, ist es unmöglich, dass es anders ausfallen können, und w 
wohl zu wünschen, dnss darunter zu Ew. Chf. 1). und des Königs Bes 
eine Aenderung geschehen könnte, wie dann auitzo, da Ew. Chf. 
durch diese Niederlage einen so harten Stosa leiden, es I, Maj. ni 

') Uebor den unglücklichen Kampf auf Itügeu am 18. Januar 1678 und 
folgeade Gefangennehmiing der dort befiadlicliea dänischen und alliierten Trup 
s. Fock VI, S. 398 ff., und obeu S. 36 ff. 

'-) V. Br. halLe 2!). December/8. Januar berichtet, Hahn ha,be, in der Ueiai 
dass, wenn Kf. einen Generat nach Rügen schickte, dieses Rumohr, scii 
Schwager, vorkleinerlich sein würde, dem Könige dieses ausgeredet. Vgl, ü 
Hahn auch das Schreiben F. Neumann's vom 17. September 1678 unlen. 



oyGooi^lc 



Die Niederlage aaf Rngea. 315 

Übel aufuehmen würden, wean Ew. Chf. D. Ihr in tei-minis generalibus 
getreulich und wolmeinentlich riethen, damit Sie zum wenigsteo zu 
eiaigem Nachdenken dadurch beweget werden möchten.') 

Es haben I. Maj. mir die hohe Gnade erwiesen, dass Sie von diesem 
grossen Unglücke mit mir geredet, da Sie dann vor allen Dingen Ew. 
Chf. D. beklageten und bejammerten, dass Sie darüber in grosse Gefahr 
gerathan könnten, jedoch mit dem Versprechen, dass Sie alles, was in 
Ihren Kräften, anwenden wollten, umb sich und Ew, Chf. D. ans diesem 
Labyrinth herauszureissen und die Insel Rügen aufs neue zu occupircQ. 
Sonsten hat man dem Könige die Impression gegeben, dass die Rügische 
bataille wurde sein gewonnen worden, wann Sie Ihre eigene Leute und 
nicht alliirte gehabt hätten. Ich habe aber hiegegen Ihrer Maj. aller- 
UDterthänigst zu verstehen gegeben, dass man die bataille nicht hätte 
bazardiren und sich gegen einen bereits geschl^enen und eingesperreten 
Feind schlagen, besondern dass man hätte wol retranchiret stehen und 
Ew. Chf. D. Hülfe abwarten sollen, welches I. Maj. auch allei^nädigst 



G. J. V. Ledebur und 0, Guericke*) an den Kui-fürsten. 

D. Hambui^ 18./28. Januar 1678. 

[DüDiscbe Vorschläge zur Wiedereroberung Rügens und Ge«inauDg der Herzoge 

vOD BraaDscbweig.] 

Die dfiniscben Hinister haben ihnen mitgetheilt, ihr König wöasche, dass, 38. Jan. 
Dacbdem es jetzt auf Rügen so nnglücktich ergangen, Hassregelu getrofTen 



') Am 19./39. JaDuar meldet er, aucb die KÜDigin wänache, dass Kf. möglicbat 
bald einen seiner Geheimen Räthe, am liebsten seinen Bruder, den Kanzler, ber- 
iic.hicke and denselben so instruiere, dass er mit dem Könige wegen der schädlichen 
Fattionen frei reden dürfe. 

') T. Br. berichtet am Ib.ßb. Januar 16TS, der König hätte ibm beute gesagt, 
des Kf. Truppen hätten sich auf Rügen wohl geballen, und versprochen, denSOffi- 
cieren und 48 Gemeinen, welche von denselben entronnen, Subsistenzmittel zu geben 
und sie wieder nach des Kf. Landen zu schicken. Die Officiero wolle der Küuig 
selbst allein ausfragen, wie es bei der Bataille und sonst auf Rügen zugegangen sei. 

') Dieselben hatten gemeldet, dass inzwischen allerdings auch der Kanzler 
Schätz und ein anderer Gesandter des Herzogs von Celle in Hamburg einge- 
trofen seien, dass diese aber, indem sie dem zweiten Gesandten des Ef., Quericke, 
die preseanca nicht hätten zugestehen wollen, einen Cerimonialsireit veranlasst 
nad es ihnen so unmöglich gemacht hätten, au den Zusammenkünften weiter Tbeil 
za nehmen. 



oyGooi^lc 



316 III- Brandenburg und Ufinemark IGTe-lüTS. 

würden, una dieses baldmöglichst zu redressieren und das übrige Pommem 
wie die angrenzenden Quartiere vor weiteren Angriffen zu siebern. Sie soll 
vorschlagen, dass ein Corpo von 12 — 14000 Mann dänischer, brandenbargisc 
and münsterischer Truppen zusammengebracht würde, ihr König wollte 
nStliigen Schiffe und sonst alles, was nur in seinem Vennögen gtinde, d; 
hergeben, er bfitte zwar schon vorher alles schriftlich an Kf. gelangen lus 
befände aber oötbig, deswegen auch auf hiesigem Convent Instanz zn than. 1 
hoffte däni schersei ts, dass wenn der König nnd Ef. wegen des von den Heno{ 
von Braunschweig gesuchten Characters sich so, wie von SpaoieD 
schchen, erklärten, die Herzoge nicht nur die hier zugemuthete Separtt 
fahren lassen, sondern auch zu Ättacquierung KÖnlgsmarcks nachdrücklich 
beitreten würden. 

Sie haben alles ad referendum angenommen, bitten um Bescheid'). 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. Cöln 

an der Spree 6./[16.] Februar 1678. (Conc. Chr. v. Brand 

[Auf ein Schreiben vom 26. Januar.l Ankündigung der Sendung v. Bram: 
Mahnung zum Ausharren. Zusage, treu mit ihm zusammeniub alten.] 

V. Brandt soll über alles, was ihr beiderseitiges Interesse betrifft, instrai 
und ehister Tage an ihn abgefertigt werden. 

Indeasen wollen Ew. Königl. May. sich versichert halten, dass ' 
Sie Dicht gemeinet sein, die WalTen ohne mich niederEulegen, ich i 
auch ohne dieselbe keinen Frieden einzugehen, sondern in allen c 
siliis und Actionen, sie gereichen zn Schliessung eines nötigen Fried 
oder zu vigoureuser Fortsetzung des Krieges, mit Ew. Königl. May. m 
zn cunformiren entschlossen bin, gestalt dann der von Brand bei sei 

>) Kf. erwidert darauf (d. Cüln a. d. Spree 23. JanuBT/[2. Februar] 167S), i 
dieselben Gegensl&nde werde auch mit dem hiesigen dänischen Gesandten Terhuic 
er wolle erster Tage einen Expressen an den König abschicken, um hJeröbBr 
slimmle Abmachungen zu treffen. Die Praeteosion der Braunscbweiger 
IrelTend, wäre es passender gewesen, wenn dieselben von ihm solches mit ff 
Manier gesucht und nicht so via facti gegen ihn verfahren wären, sie hitteo i 
bei ihm bisher in der Güte nichts gesucht und aus ihrer Conduite sei im tnt\ 
was für nachdenkliche consiJia sie führten und wie wenig Gutes von ihnen für 
gemeine Wesen zu hoffen sei. 

>) In demselben hatte König Christian wieder über seine bedrängte Lage 
über das Verhalten der Alliierten geklagt nnd den Kf. um Rath gebeten, was d^ 
zu thun und in wie weit bei etwa erfolgenden Fried enstractalen von den 
Doberanischen Tractat verglichenen reciproquen Conditionen abzugehen sei, 
müchte darüber und über die Briegsoperationen den Kanzler v. Brandt ingtniie 



oyGooi^lc 



AdsIsIUd zur Wiedereroberung Rügens. VerhandluDgen io HBinburg. 317 

üeberknnft meine aentiments mit mehren! hiDterbringen — wird. Id- 
mittelst aber ersuche ich Ew. Kooigl. May. in hergebrachtem freundvetter- 
licbeo Vertrauea und treuer WolipeiouDg, Sie wollen ja nicht, ob gleich 
die Last des Kriegs Ihr und dero Königreichen zu schwer fallen sollte, die 
Hände sinken lassen, sondern ihre Armeen und Schitfsflotte in solchen 
Stand setzen, damit wir beiderseits mit gewappneter Hand, weil Ihr so 
wenig als mir mit einem armistitio geholfen, einen sicheren uud reputir- 
lichen Frieden erwerben mögen. — 



G. J. V. Ledebur und 0. Guencke an den KurförBten. D. Ham- 
burg I5./25. Februar 1678. 

[VerhaDdlungeD iwiscbea d«n dänischen und br&unschweigischen Gesandten über 
die von den Herzogen von Braunschweig i\x leistende Hülfe.] 

Nach Schütze's Rückkehr ist am letzten Dienstag zwischen den dSaischen 25. Febr. 
and jünebargiscben Gesandten eine parUcalier-Conference gehalten worden. In 
derselben haben die Lfine burgischen ein Project wegen der zu leistenden Hülfe 
übergeben, nach welchem der Bischof von Münster und die lüneburgischen 
Herzoge zu einem Corps von 14 oder 15 taasend Haiin znr Eroberung Rügens 
SOOO Mann hergeben, falls das Unternehmen glückt, so lange Krieg wglirt, dort 
3000 Mann zn Maintenierung der Insel stehen lassen, falls die Ifeue Fährschanze 
belagert werden muss, mit 4000 Mann an der Belagerung Theil nehmen, sollte 
aber das Unternehmen ganz missglücken, dem König 2500 Uann, um sie in 
Schonen zu gebrauchen, von Anfang Mai an bis zn Ende der Campagne über- 
lassen and, falls dem Könige durch den Frieden gar keine Eroberungen bleiben 
sollteu, ihm, wenn sie das Herzogthum Bremen behalten sollten, 4000 Thaler 
Kammer-Intraden einräumen wollen. Dagegen aber soll die Krone Dänemark 
allen Praetenslonen auf die Herzogthümer Bremen und Verden entsagen 
and dahin cooperieren, dass das erstere, eingeschlossen das Hamburger und 
Bremer (^pitel, bei dem Frieden sschluss dem Hause Braunschweig verbleibe, 
femer soll sie diesem Hanse bei jedem Angriff, der auf dasselbe in seinen 
Canqaesteu oder Erblanden erfolgen sollte, mit 3000 z. F. u. 1000 Pferden auf 
eigene Kosten Hülfe leisten, nach Abschluss und Ratifioierung der Tractaten 
demselben den Kraatsand restituieren und die Besatzung aus Carlsburg und 
der Schwinger Schanze abfüliren, ferner die Stände des niedcrsSchsischen Kreises 
gegen die jüngsten Kreisbescblüsse nicht mit Quartieren gravieren and sich be- 
mühen, dass dem Hanse Braunschweig seine dort erlahgten Quartiere verbleiben, 
besonders soll sie auf Geldforderungen an Hamburg und Lübeck verzichten und 
diesen Städten freien Handel ausser mit Waaren von Kriegscontrebande lassen. 
Falls K.Brandenbnrg auf das Bremische und Verdische Regress nehmen oder 



ovGoQi^lc . 



318 



III. Brandauburg uad Dänemark 1676—1679. 



sonst Jemand etwas davon überlassen werden sollte, soll Dänemark solches td 
dem, was ihm ausser der Volkshülfe an Land und Leuten abgetreten tttäe 
könote, pro rata za eistatten haben. Die Bremischen nnd VerdJscheD Enlei 
thanen sollen die Zoüfreibeit in Elsflieth behalten, wegen des Zolles und d< 
Landes Würden sollen die Unterhandlungen fortgesetzt werden. Der Ron: 
soll nicht nur selbst die braunschweigischen Gesandten als Ambassadeurs traclim 
lassen, sondern auch zu Wege bringen, dass dieses von k.brandenbargis(h< 
Seite geschehe, and neben demselben dem Kaiser dieses anzeigen und diesen e 
suchen, den braunschweigischen Gesandten ein gleiches Tractament widerfihit 
zu lassen, auch bei anderen Mächten sich darum bemühen. Dänemark soll eo' 
lieh zu Wege bringen, dass Kf., falls mit münsterischer und braunschweiguch 
Hülfe Rügen erobert werden sollte, dem Torbehaltenen Eventualregress a 
das Bremische and Verdische vollständig entsage. 

Die Danischen haben darauf erwidert, dass sie, da dieses Project rie 
nova enthielte, sich nicht darauf instruiert fänden, sondern darüber an den K5[i 
berichten und dessen Ordre erwarten mussten, dass sie dasselbe auch den audfii 
zu diesem Kongress verschriebenen Gesandten mittheilen und mit denseltn 
darüber communicieren wollten. Sie haben ferner nm Erklärung gebeten, < 
diese oblata et postulata als ultima anzusehen seien, verlangt, dass, falls i 
Kriegshülfe sich als nicht nöthig erweisen sollte, das Haus Braunschweig de 
Könige den bisher vorenthaltenen fünften Theil des Bremischen nndVerdiscb 
laut einer beiliegenden Deaignation, doch unter Vorbehalt einer etwaigen Pt 
mutation einzelner Stücke, herausgebe, endlich angezeigt, dass die Schwed 
bei Carlshafen viel Volle und Schiffe versammelten, um solche nach Pomme 
hinüberzufuhren, und verlangt, dass darüber beratbcn werde, wie dem zu t 
gegnen sei, und dass auch die Braunschweiger ihre Resolution darüber m 
tbeilten. 

Die dänischen Minister meinen, dass, obwohl die Bedingungen c 
Braunschweiger sehr hart und schwerlich zu erfüllen seien, doch zn hoffen s 
sie würden sich unter der Hand besser finden und zu ablangücben Condition 
bequemen. Dieselben haben auch ihnen die Sache wegen der scbwediüch 
Embarquierung in Carlshafen sehr beweglich vorgestellt und gebetea, d) 
Kf. ihnen durch sie seinen Entschluss, wie er solcher Gefahr zu begegnen j 
meint sei, eröffuen lasse'). 

>) Kf. erwidert darauf (d. Cöln a. d. Spr. 23. FBbruar/[5. Mrj] 1678), weg 
der Kriegsoperatiooen besonders schicke er Christoph v. Brandt nieder n 
Könige, dieselben könnten dort besser als in üamburg concertiett werden, doch m 
sich Guericke bei den MÜDslersehan erkundigen, ob und mit vieviel Truppen i 
Bisehof tat Wiedereroberuog von Rügen milhelfen wollte. — y. Ledebnr hallo 
zwisclien Hamburg schon verlassen, mischen den Dänischen, Uünsterschen und Bni 
seh iceigi sehen sind dort die'Coafereozen noch bis Ende M£rz fortgesetzt, schli<3$l 
aber, da die letzteren hartnäckig an ihren Forderungen festhielten, ergebnisslos : 
gebrochen worden. 



oyGooi^lc 



Die Verbaiidlungen lu H&mburg. Instruktion t. Brandt's. 319 

InstructloD, wornach sich unser — Geheimer Rath und Neu- 
märckischer Kanzler Christoff von Brandt zu achten hat. 
ü. Cöln an der Spree 6./16. März 1678. (Conc. Chr. v. Brandt.) 
[VananebmeDde KriegBOperatiooen. Verhalten gegenüber den etwaigen Scbrittea 
Englands und Hollanda. Warauog vor SeparatTerbandlungen. Terhalteo gegenüber 
' Braunscbneig und Uünster.} 

So genau, wie der König es wünacht, kann er ihn nicht auf alles 1 
instrniereD, da erst abzuwarten ist, was in der zwischen England und Hol- 
hnd des Frieden snegotii halber aufgerichteten Allianz') enthalten, und welchen 
Aasgaag die Sachen zwischen dem Eönig von England und dem Parlament 
nehmen werden. 

Sollte Frankreich das zwischen England und Holland vereinbarte Friedens- 
prüject verwerfen,, so ist an der Fortsetzung des Krieges nicht zu zweifeln nnd 
zu hoffen, dass auch England mit ins Spiel kommen und der Krieg gegen 
Schweden besser von statten gehen wird. In diesem Falle, bat er dem König 
zu remonstrieren, müssten auch sie beide den Krieg mit Anwendung ihrer 
iassersten KiSfte fortsetzen und sich bemüben, Schweden in der nächsten 
Campagne einen solchen Vortheil abzugewinnen, dass sie beide nicht Ursache 
hätten, wegen ihrer beabsichtigten Conquesten von den zn Doberan nnd Copen- 
bagen aufgerichteten foederibus abzugehen. Zu diesem Zweck müssten sie beide 
nüglicbst alle collasiooes mit dem Hanse Braunschweig vermeiden, vielmehr 
auch dieses and den Bischof von Münster zu kräftiger Fortsetzung des Krieges 
zu obügieren suchen. Dabei wird Br. Gelegenheit erhalten, vom Könige 
eigenüicli zu vernehmen, wie, an welchen Orten, mit wie viel Truppen er in 
der Dichsten Campagne agieren und wie früh er dieselbe heginnen wolle. Er 
soU dagegen dem Könige ia geheim entdecken, was Kf. ihm wegen seines Vor- 
habens anf Greifswald und Rügen mündlich anvertraut bat. Sollte dabei 
der König das Begehren nach Hülfstruppen wiederholen, so hat er demselben 
die ans Liefland dem Herzogthum Preusaen drohende Gefahr*), Kiinigsmarck's 
dnrch die Rügensche Action sehr zugenommene Macht und die fortgesetzten 
Werbungen*) Bethune'a und Liliehöck'a im KÖnigl. Preusaen vorzustellen 
and zu zeigen, daas, wenn Kf. dem Könige Truppen nach Schonen schicken 
and sich so entUössen sollte, nicht allein das Unternehmen at^ Greifswald and 
Rügen verbindert, sondern er auch genöthigt werden könnte, nur defensive 

') S. oben S. 189. 

*) Schon in einem Schreiben vom 19. Februar/[1. Min] 1G78 hatte er dem 
Künige mitgelheilt, dass er beabsichtige, so bald nie möglich Grcifswald anzugreifen, 
und denselben gebeten, durch einige Kriegsschiffe der Stadt jeden Zugang von der 
See her abzusperren. 

>) S. Hirsch, Der Winterfeldzug in Preusaen 8. 31 f. 

•) S. ebendaselbst S. 24, ä6. 



oyGooi^lc 



320 III' Brandenburg und D&nemark 1676—1679. 

ZD agiereo und dass das Blatt so hier auch zn grosser Gefahr für Holstein dd 
Wismar gaiii umsclilagen konnte. Doch hat er zu versichern, dass, Kf, wen 
die Sache bei nächster Campagne sich so anlassen sollte, dass er in Frensse 
keinen feindhchen Einfall nnd in Pommrrn nicht einen zu mächtigen Vid? 
stand za befürchten hätte, ihm mit einiger Reiterei willfahren wollte, dac 
konnte er vorläufig sich za einer gewissen Anzabl nicht herauslassen. 

Sollte aber Frankreich das Friedensproject genehm halten und es dam 
zwischen dieser Krone, England nnd Holland zum WafTen stillstand kommen, : 
werden gewiss England und Holland sich auch bemühen, einen WafFensIdllstu 
mit Schweden zu Wege zu bringen. Solange dieses mit Glimpf and fMia- 
dendo gesucbt wird, werden sie es in gleicher Weise ablehnen können, solllt 
dieselben aber ihnen den Waffenstillstand aufzudringen suchen und dazu m 
glimpfliche Mittel anwenden, so werden sie dagegen beide durch ihre Gesandt« 
in London, Nimwegen nnd im Haag möglichst zu arbeiten und den gro'si 
Schaden, der ilinen dadurch zugefügt werden würde, vorstellen zu lassen babe 
Sollte das nichts verfangen, auch der Kaiser zum Waffenstillstand rathen, di 
sie den englischen nnd holländischen Zwangsmitteln nicht widerstehen künoe 
so werden sie sich zum Stillstande bequemen müssen, jedoch die Bedingui 
stellen, dass während desselben England und Holland zusammen oder letzter 
allein ihnen den Unterhalt ihrer Armeen und Flotte hergehe. Sollten jene da: 
sich nicht verstehen, dann werden sie vertraulich zu überlegen haben, w 
ihnen beiden nach der Sachen Bewandniss am zuträglichsten sein würde. 

Sie beide werden in England und Holland sich zu bemühen haben, von 
bauen, dass ihnen von diesen Mächten keine ungünstigen Friedensbedingung 
angesonnen werden. Für den Fall, dass dieses doch geschehen und, nm sie 
einem solchen Frieden zu zwingen, England und Holland eine gesamte Krief 
flotte in den Sund und nach der Ostsee schicken sollte, kann Ef., bevor it 
die Beschlüsse jener beiden Mächte bekannt sind, keine gewisse Resoiati 
fassen, v. Br. soll daher von diesem Punkt so lange abstrabieren, Ms Ef., nac 
dem Blaspeil') hier angelangt sein und ihm Nachrichten von dem Frioz 
von Oranien gebracht haben wird, ihn darüber wird näher instrnieTen lassi 
Er soll sich aber bei dem Könige erkundigen, wohin dieser in hoc passa ii< 
nnd wie weit er in solchem Falle von den früher zu Doberan nnd Copenhag 
zwischen ihnen getroffenen Bündnissen ratione der Conquesten abzngeb 
willens sei. 

Sollte er merken, dass man am dänischen Hofe ans Fnrcht, dass Engia 
und Holland in dem Friedenswerke zu sehr auf die schwedische Seile incliniertf 
die consilia auf einen Farticularfrieden mit Frankreich und Schweden rieh 
so hat er dem Konige auf das heweglicbate davon abznrathen, da sie sich 
ihre bisherigen Hundesgenossen entfremden und Schweden dann den Bogen n 
desto höher spannen würde, und, falls seine Vorstellungen nichts verfang 
sollten, die Hand gänzlich davon abzuhalten. 

>; S. oben S. IOC IT. 



oyGooi^lc 



tnatrakUott ffir Cbr. t. Brandt 221 

Sollte der E5n^ etwa gewisse Nacbricht haben, dass das Haas BrauD- 
achweig, namentlich Herzog Oeorg Wilhelm, von der guten Partei abtreten 
and sich mit Frankreich nnd Schweden a part za vergleichen beabsichtige, so 
hat er mit dem Könige und dessen Ministem zu überlegen, wie dem vorzobeugen 
sei, aber darauf Itinzaweiseu, dasa, wenn der Gerimonialpunkt ') znm Vorwand 
geaommen werden sollte, Kf. daza wenig tbnn könnte, da dieses eine gemeine 
Sache des ganzen knrfürBtlichen Collegiums sei, und zu bitten, dass der König 
wedei in dieser noch in der bremischen Sache und anderen des Ef. Inter- 
esse betreffenden Dingen den Herzogen Versprechnngen mache. Sonst i&th 
Er, der Condnite der Herzoge von Braunschweig gegenüber auch feiner um des 
gemeinen Besten willen sich zu überwinden und die Bezeignngen derselben für 
jelzt zn dissimulieren, aber sich gemeinsam zu bemühen, dass Herzog Georg 
Wilhelm sein Krelsamt nicht zn weit extendiere nnd ihnen die vom Kaiser 
angewiesenen Winterquartiere nicht yorenthalte, sondern dass ein jeder bei der 
erhaltenen Anweisung sich zo maintenieren nnd einer dem anderen dabei kräftig 
za assistieren habe. 

Er hat dem König nnd den Hiniatem Hittheilnng von der Sendung 
Ledebur's*) znm Bischof von Knnster zu machen nnd sich zu erkundigen, 
wie weit der Kön^ mit demselben in Tractaten begriffen sei und ob er dahin 
incliniere, dass man sich mit demselben auf gewisse FSlle gegen das Hans 
firauDscbweig verbinde. Mit Ledebur selbst soll er communicieren. 



Nebeninstrufction. D. Cöln 6./[16.] März 1678. 
fAufträge an v. Ahtefeld bei K.SachaeD nnd K.Baiem.] 

Er hat darauf hinzuweisen, dass im s&chsischen Gebiet gute Gelegenheit 16. Här 
la Recrntiemng der dSjiischen Armee sei, und dem Könige zu ratlien, seinen 
EoTo;^ in Dresden v. Ählefeld*) damit zu beauftragen, ferner denselben unter 
dem Verwand der Glückstädtischen Zollsache an K, Baiern zu schicken, um 
dort dem französischen Gesandten Cardinal d'Estrees entgegenzuwirken, end- 
lich sich zn bemühen, dass dieser Ahlefeld mit einem des Königs Respect 
und seiner eigenen Qnalit&t anständigen Unterhalt versehen und ihm derselbe 
richtig gereicht werde. 

>) S. Pufendorf I. XVI, 5 56 (S. 1229). 
^ S. ebendaselbst. 
*} S. oben 8. 39S. 



I. KsriflnUB. XVI II. 



oyGooi^lc 



III. Bnodenburg und D&aemark 1676—1679. 



Nebeninstruktion. D. Cöln 12./[22.] März 1678. 

[MiltheiluDgen t, Ahlefeld's. Vorschläge, wie »ersueht werden solle, K.SmIimd u 

gewinnen.] 

;. V. Ahlefeld ist dieser Tage hier angelangt and hat') anf Antrieb einige 

K.SScbsischer Geheimen Räthe mitgetheilt , K. Sachsen würde wohl m be 
wegen sein, sich mit ihm wider Schweden za engagieren, wenn er demselhti 
den Saalkreis des Harzogthums Magdeburg abtreten wollte, v. Br. hat sich zi 
erkundigen, ob A. dieser Ouvertüre wegen mit Vorhewusst seines KSnig» hierh; 
gekommen sei, oder dem K6n^ auf der Reise bieher nur Hittheilang darui 
gemacht habe. Er hat zunächst nur darauf hinzuweisen, dass es allerdings scb 
wünsch enswerth sei, K.Sacbsen mit in die gute Partie zu ziehen, sollte abe 
dort vorgeschlagen werden, Kf. sollte, um dieses za erreichen, demselben eii 
Stock von dem Herzogthnm Magdeburg abtreten, hat er zn antworten, da.- 
dessen Beitretnng allen Alliierten zu statten kommen nnd dass es also billi 
sein würde, dass sie alle etwas za Vcrgnügang desselben beitrügen. Kf. hielt 
es für das passendste, mit K.Sachsen auf eine ansehnliche, von allen Inlec 
essenten zusammenzubringende Qeldsnmme zu handeln und ihm TorlSa6^ il 
Pfand die Insel Rügen, wenn dieselbe unter Mitwirkung k.sächsischer Truppei 
wiedererobert sein sollte, zu überlassen. 



König Christian V. an deu Kurfni-sten. D. Copenhagen 
12.y[22.] Mär/ 1G78. 

[Erfolglosigkeit der Zusammenkunft in Hamburg.] 

Die Verhandlungen zu Hamburg») haben zu keinem Schluss gebrafl 
werden können, da die Herzuge von Braunscbweig xich zu gar keiner Billii 
keit haben betjuemen wollen. Br stellt Kf. anlieim, ob nicht diese sonst noh 
gemeinte Handlang einzustellen und was sonst bei dieser Sache weiter vom 
nehmen sei*). 

>) S. unten Abscbn. IV. 

») S. oben S. 318. 

>) Kf. Butwortet darauf (d. Potsdam 19./2». Hin IG78), da man noch einif 
mesures mit dem Hause Braunsch woig halten müsste, so möchte der Künig m 
der Auflösung des Conventcs nicbt den Anfang machen, jedenfalls solche Praecautic 
gebrauchen lassen, dass es nicht scheine, als wollte man die Verhandlungen io1 
ständig abbrechen. 



oyGooi^lc 



Versacfa. E.SficbBen la gewinnen. Der Beriebt Blupeil's. 323 

Der Kurfürst an den Kanzler v. Brandt. D. Cöln 
28. März/[7. April] 1678. (Cone. Meinders.) 
[HitlbeiluDg des Berichtes Blaspeil's. Hinweis auf den sehr bedenklieben Inbalt des- 
selben. Wunsch, die Heinong des Königs zu er^hren, namentlicb iregen etwaiger 
mit Franltreicb aniubnüpteader Verhandlungen. Vorschlag eines gemeinacbaftlichen 
Unternebmeas gegen Rügen.l 

Durch eineo Expressen schickt er ihm dieses und den Bericht des anf der 7. April. 
Reise hierhin hegriffenen Blaspeil.') Er soll sofort dem Könige davon Mit- 
theilnng machen, sich bemühen, dass derselbe ihm sein Gutachten, was bei so 
erhweren und zweifelhaften Conjunctaren zu tbnn sei, mittheile, und ihn bitten, 
die Sache zu nienagieren und nur solchen, zu denen er völlige Coufidenz trage, 
aiizu vertrauen. 

Unsers Ortes finden wir bei der Sache so grosse Perplexität, dass 
wir uns fast nicht zu entschliessen wüssten, was dabei zu thun oder zu 
ratheo sein möchte. Aus demjemgeu, vas des Prinzen von Orange Ld. 
gegen vorgemelten unsem Geb. Ratb gedacht, ist fast gnugsam so viel 
abzunehmen, dass der Friede zwischen der Cron Franckreicb und dem 
Staat so gut als geschlossen, so gar auch, dass, wann schon der König 
in Engellaud mit der würcklichen Ruptur wieder Franckreicb den 
Krieg (worzu dennoch wenig Appsrenz vorbanden) declariren würde, 
man sich dennoch in solchem Staat nicht findet, das Werk wieder 
Franckreich auszuführen. Daneben giebt man auch deutlich gnug zu 
verstehen, dass weder I. Kön. M. zu Dennemarck noch wir gegen die 
bevorstehende Gampagne weder von Spanien noch vom Staat einige 
Hülfe oder Beistand, es sei an Volk, Geld, Schiffen oder anderen Sub- 
sidien zu helfen, ja man gehet noch wol weiter und will uns beiderseits 
nicht allein alle unsere schon gemachte Conquesten fast absprechen, 
oder doch in die höchste Unsicherheit setzen, sondern noch wol gar mit 
einiger Lige und Zusammensetzung gegen uns dreuen und was der nach- 
denklichen Dinge mehr in vorberührtem Bericht enthalten seind. Wir 
stellen zwar dahin, ob einige Apparentz vorhanden, dass Schweden sich 
mit Engelland gegen Franckreicb verbinden und i^ren möchte, es ist 
dennoch auch darauf gebührende Reflexion zu nehmen, zumalen auch 
sODsten verlauten will, dass die Intelligentz zwischen Franckreicb und 
Schweden wegen zurückbleibenden Subsidien nicht allzu gross sein soll. 
Ob nun I. Kön, M. meinen, dass, wann Sie Schonen und wir Pommern 

>) S. oben S. 302 ff. 



oyGooi^lc 



324 



III. Brandeaburg imd Dlnemuk 1676— 1£79. 



aus diesem Kriege vermittels eines Tractats mit Franckreicfa erlangen 
kSanteo, man mit solcher Cron sich vergleichen und den Eri^ als- 
dann gegen Schweden zu proseqairen hätte, davon oder wohin sonsten 
Ihre Gedanken gingen, erwarten wir mit dem allerehisten und schleuni^teD 
Nachricht, wie uns dann auch I. Kön. M. von Ihrer za Fortsetzung des 
Krieges gemachten Anstalt zu Wasser und Lande umbstandliche uod 
vertraute Nachricht zu geben Belieben tragen werden. — 

PS. Auch — weil im Bericht gedacht wird, dass man für dem 
Stillstand noch dahin zn sehen haben möchte, dass ein oder ander Ort 
emportiret würde, so stellen wir in I. Kön. M. Gutachten, ob Sie nicht 
wegen der Attaque der Insal Rügen einen Versuch thun nod desful» 
behörige Anstalt machen wollten- Unsers Ortes wollten wir gerne nadi 
aller Möglichkeit darzn coocnrriren, und wann uns nur I. Kön. M. da^ 
benötigte Fahrzeug darzn anschaffen Hesse, alsdann waren wir bereit, 
unsere Völker mit darzu zu beordren, insonderheit würde gut und dien- 
lich sein, wann I. Kön. U. die sogenannte und im Jötländischen bräach- 
liehe Ochsenschiffe darzu hergeben lassen und übersenden wollten. 

MittheiluDg des Berichtes v. Ledebur's über seine NegoUation mil 
Münster.') Den KSnig soll er bitten, seine Intention wegen Ragen bei Zeiter 
zu avisieren, damit Kf. danach seine mesnres nehmen könne. 



Chr. V. Brandt an den Kui-fflrsten. D. Kopenhagen 

6./[16.] April 1678. 

[Audienz. Conferenz mit Kärbilz und Biermann. Vorläufig erhallener Beschciil 

Geringe Besorgnisse vor Ilolland und England.] 

IS. April. Er ist am 2. hier angelangt und bat am 4. bei den Hajestfiten Audien: 

gehabt. Da die beim Könige vor der Tafel stattfand, konnte er demselben um 
Itarz vorstellen, für wie notbwendig Kf. es hielte, dass sie mit einander vn 
traulich communicierten und bei Fortsetzung des Krieges mö^ichste vigneui 
gebrauchten. Auf den Wunsch des Königs aber hat er gestern mit dem Kanilci 
Körbitz und mit Biermann Confeienz gehalten und ihnen seiner lnstnicti<>[ 
gemSss den Vortrag gethan. Sie nahmen alles ad referendum, heute hat dt'i 
Kanzler ihn und seinen Bmder zur Uahlzeit gebeten, sich entschuldigt, dass ei 
sie vor al^ehender Post nicht mit einer ordentlichen Antwort versehen kSanle 
aber im Auftrage des Königs ihnen mitgetheilt, diss dieser mit des KL Seoti 



') S. Pufendorf I. XVI, § 56 (S. 1229). 



oyGooi^lc 



Der Bericht Blupeil'B. DaB Daternehmen gegen Rügen. 325 

meiiten übereinstimmte. Das armistitinm eiDEQgehen, hielte er aach für unm^- 
üch und wollte ulle ofScia dawider anwenden, er glanbte aber. England nnd 
Holland würden es nicht anders als mit Glimpf suchen nnd aich leicht weisen 
lassen, wenn man ihnen nur die Inconvenientien glimpflich vorstellte. Von den 
der Conqnesten halber abgeschlossenen foedeiibus abzogehen, hielte er noch in 
fnilj, man mfisste erst Schweden noch besser zusetzen and sehen, es so weit 
zu bringen, dass man wenigstens das meiste von den verabredeten Conqnesten 
behaupten könnte, wozu die apparence znr Knptnr zwischen England ond 
Frankreich gute Hoffnung gebe. 

PS. Er hat des Kf. Rescript vom 28. Ultz erhalten und znnSchgt mit 
dem G.Kanzler von der Sache geredet Derselbe war aber gamicht darüber 
allarmieit, Uieils weil der König schon ebemnässige Nachricht gehabt, theüa 
neil sie sich versichert halten , England ubd Holland seien nicht in dem Zu- 
stande, auf das armisticinm par force zu dringen- Er findet aber nöthig, darüber 
eine ordentliche Conferenz zu halten. 



Chr. V. Brandt an den Kui-fdrsten. D. Kopenhagen 
9./[19.] AprU 1678. 

[AntKort des Königs «egeu des Unternehmens gegen Rügen.] 

Die VorsohlSge des Kf. wegen eines Unternehmens g^en Bögen hat er 19. April. 
dem Könige zwei Tage nach der Audienz, als er mit ihm allein in seinem Ge- 
Diacü war, ausführlich, so wie Fcldmarschall DÖrflinger aaf des Kf. Befehl 
CS ihm umstSndlich vorgestellt und in die Feder dictiert hat, mitgetheilt. Der 
König zeigte sich damit sehr einverstanden; nächst Christianstadt, welches par 
force entsetzt werden müsste, sollte der Angriff auf Rügen sein erstes Dessetn 
sein, doch wollte er mit seinen Bäthen und Generalen überlegen, ob nicht beides 
gleichzeitig ausgeführt werden könnte. Er versprach, den Anschlag ganz geheim 
za halten und ihm seine beständige Resolution durch den Kanzler mittheilen 
la lassen. Costern hat ihm Ahlefeld dieselbe hinterbracht, dem König ge- 
fiele ebenso das Desseio selbst als dass Kf. die Sache so ernstlich mit angreifen 
wollte, wenn der Angriff an zwei Orten geschehe und dazu 6 — 7000 Mann zn 
Fdss nnd etwa SOO Reiter gebraucht würden, könnte auf der Insel leicht Posto 
gefasst werden. Wenn Kf. nur 2—3000 Mann dazu bergeben könnte, wollte 
er 1000 dazu gebrauchen, an hinreichenden Fahrzeugen zu beiden Attaquen und 
schleuniger Ueberbringung der Cavallerie des Kf., nachdem man mit der In- 
fanterie Fosto gefasst, sollte es nicht fehlen, der Kijnig hätte schon aaf seinen 
Vortrag Ordre ergehen lassen, allerlei Fahrzeug in Beschlag zu nehmen and 
me Anzahl Böte nnd Schuten vorn mit 2 — 3 Stücken zu besetzen, nm damit 
die Königsmarcksche Cavallerie, wenn sie sich zu stark am Strande zeigte, zu 
delogieren, die Flotte sollte auch desto eher in See gebracht und beordert 



oyGooi^lc 



I 



326 111. Brandenburg und Dänemark 1676—1679. 

werden, in der Gegend von Rügen zu kreuzen. Eine bestimmte Zeit dua tu 
deteimiDieren aber sei noch nicht möglich, zneret müsste er aaf den Gal£alz 
von Christianstadt denken, wozu er alle seine Infiknierie und die 60O0 Ubdo 
Münstersche gebrauchte. Wenn aber der Bischof von Münster bei dem Vot- 
satz, ihm noch 3000 Mann zn übeilassen, verbliebe, so sollten diese je eber jf 
lieber nach Wismar marchieren und dort eingeschifft werden, wenn auch noi 
ÜOOO Haan Infonterie darunter wären, so wurden sich auf der Rotte 3D0C 
Hnsqnetiere finden, anch ein paar tausend Matrosen zn der descente gebnncbi 
werden. Sollte aber der Bischof von dieser Offert« zurücktreten, so mSsEli 
Kf. statt 3000 5000 Mann zu diesem Dessein destinieren, damit er zu seinei 
Attaque 30ÖO davon bebielte und die übrigen 2000 sich mit der auf der Floth 
befindlichen Infanterie coiyun gierten, auch nach Proportion etliche bnnderi 
Reiter mehr dazu commandieren. Ginge dies nicht, so mfisste die Entrepris« 
bis nach dem Entsatz von Chriatiaustadt, den er Mitte Juni vollbracht zu bab«F 
hoffe, anstehen. Wenn die Landung glücklich geschehen sei, mnssten die ge 
sammten Truppen vereinigt auf Konigsmarck losgehen und ihn schlagen odfi 
ganz von der Insel treiben und dann sogleich die Neuefährscbanze wegin 
nebmen suchen. Zu einer dritten Descento von des Kf. Armee sehe der Eänii 
keine Apparenz, so lange die Schweden Meister von Stralsund nnd derNeueo 
fährschanze wären. Könnte man aber dem Kf., wenn er zwischen Stralsum 
nnd Greifswald stände, bequem und ohne Gefahr einiges Fahrzeug zabrio^n 
so stände, wenn die Flotte bei Rügen wäre, darüber zu dcliberieren. Er (v. Br. 
glaubt, dass Kf. sich fest darauf verlassen und seine Kriegspraeparatoria danacl 
einrichten kann. 

Des Kf. eigenhändiges Schreiben an den Kön^ ') hat er der Königin ge 
zeigt und mit ihrer Bewilligung es noch bei sich behalten, damit er wegen de 
Desseins auf Rügen erst vollkommene Richtigkeit treffen möge, weil sons 
Ärcnsdorff und Hahn, wenn sie etwa das Schreiben zu sehen bekimep 
dieses Dessein hindern möchten. 



Der Kurfürst an Chr. v. Brandt. D. Lehnin 13. /23. April 1678 

[Vorsclikg gumeinsameu Vorgebens mit Däaemark, Braunscbweig und Uünster gcgc 
die einseitigen Friedensverhandluiigca des Kaisers, Spaniens und Ilollands. 

I. Er fürchtet, dass die neuen von Frankreich in Nimwegen propoiiiertei 

Fried enscondilionen >) schon vorher zwischen dem Hanse Oesterreich und Frank- 
reich concerlicrt sind, dass sie in England und Holland neue Tntrigaen verur 
Sachen und die Ruptur Englands verzögern werden. Da dergleichen eioseiügf 
Handlungen den anderen Alliierten, die bisher nicht zngezogen sind, sehr prä- 

') Nicht bei den Akten. 
») S. oben S, 305. 



oyGooi^lc 



Das DnternelimeD gegeu Rügen. Die fraazoHiscban FriedessTorscblüge. 327 

judicierlich sein werdeo, so bSlt er für gu'athea, dass Dänemark, er, Münster 
□nd das Haus Braanschweig entweder jeder a part oder zusammen sich darüber 
beim Kaiser, Spanien und Holland beschweren und verlangen sollen, dass hin' 
fori mit alleu Interessierten de concerto gehandelt werde, sonst inüssten sie 
gegen solche einseitigen Uandlungen, die schnurstracks gegen die Allianzen 
liefen, protestieren and sich ihre Befugniss vorbehalten. Er soll dem Könige 
diesen Vorschlag miltlieilen und dessen Meinung darüber einholen, denselben 
Varschlt^ hat Kf. auch am Cellischen llofe machen lassen'). 



Der Kiii-tUi^t an Chr. v. Brandt. D. Potatam 
U./27. April 1678.-) 

[AuF die Relation loui 9. April. Vorschläge und Forderungen inbetreff des 
UnteraehmeiiE gegen Bügen.] 

Dass der Angriff aufRügen zuerst gesammter Hand vot^enommen. würde, ST. April. 
sähe er sehr gern und es wäre auch für beide Entreprisen das sicherste, falls 
Chrislianstadt nicht gar zu sehr pressiert wäre, sondern sich noch eine geringe 
''•eit halten konnte. Denn die Quartlere, die Kf. noch im Anhaltischen und 
Hagdeburgischen hat^ laufen Ende April ab, in seinen Landen kann er die dort 
stehenden Truppen nicht einnehmen, sie nach Pommern aber zu führen und 
dort ohne Operation stehen zu lassen, würde höchst schädlich sein, da sie dann 
aus seinen Magazinen verpflegt und diese, ehe man zur Operation käme, er- 
schöpft werden müssten. Sollte der König sich zu diesem Unternehmen enf- 
sfhliessen, dann müsste ohne Zeitverlust dazu geschritten und er aufs schleunigste 
<lavon benachrichtigt werden, damit er die nothigen Befehle ertheilen kann. 
Sollte aber der König meinen, dass er vor allem die Entsetzang von Christian- 
stadt vornehmen müsse, wobei er aber räth, dass derselbe nichts Hauptsäch- 
liches hazardiere nnd sich nur, wenn er eines glücklichen Ausganges gleichsam 
versichert ist, in einen combat einlasse, da von der Conservation seiner Armee 
und besonders seiner Person alles dependiert, so will Kf., falls die 3000 
Münsterseben wirklich kommen und auf der Flotte ausser den Matrosen 2000 
Miuquetiere sein sollten, also die Anzahl der Völker, die er für die Attaque 
von dänischer Seite desideriert, erfüllt werden könnte, das Seinige thun nnd 
alles, was mOglich und der Kriegsraison gemäss, vornehmen. Doch mussten 

^ König Christian schreibt an Kf. (d. Cupenbagen 23. April/[3. Maij 1678), 
aufb er tiode das französische Friedens project ganz ungereimt nnd unerträglich und 
in bei den schvediscben Conquesten Interessierten fast injurios, er habe daher 
seinen Hiniateru in Nimwegen Befehl gegeben, sich dagegen hautemcnt zu opponieren 
und in allein mit denen des Kf. de concert zu gehen. 

^ Am Rande bemerkt.' ^usau eipresso Serenissimi und ist Sr. Chf. D. in Bei- 
sein das H. Qen.-Feldm. vorgelesen worilen." 



oyGooi^lc 



S26 HL Bruidenburg und D&n«maric 1676—1679. 

unter dea Hönsterschen einige Hundert z. Pf. seiij, da er derends nur 5 Re- 
gimenter z. Pf. hat nnd davon nichts zu der dänischen Attaque hergeben kinn. 
Sollten aber die 3000 HünEterschen nicht kommen, to ist es ihm onniögUcb. 
die Attaque anf Rügen allein auszufahren, da er nicht Volk genug bat, nm nd 
zolängliches Corpo, wie es die höchste Noth erfordert, auf dem Festlande steheii 
zu lassen und zugleich eine so considerable und stark besetzte Insel uungräfen- 
Dann müssta die Attaque bis nach dem Entsatz von Chriatianstadt Terschabtn 
werden. 

Und weil dann von der Gewissheit, ob die 3000 Mönsteriscfa« 
kommeD und sonst alles an Seiten I. K5d. M. versprochenermasseo in 
Stand sein wird, ansere ganze Resolution dependiret, so habt Ihr um 
davoQ bei Tag nnd Nacht und ohne einzige Minute zu verabsäumeo 
pari zu geben, damit wir nnsere mesures darnach nehmen können. 

Aach auf die nöthigen Fahrzeuge von dSnischer Seite rechnet er mit Be- 
stimmtheit Die in Pommern vorhandenen sind meist schadhaft nnd es feUt 
dort auch an Zimmerlenten nnd Hatioseo. 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kui-fQrsten. D. Kopenhagen 

27. April/[7. Mai] 1678. 
[Coarerenz wegeo des UnteraebraeDs g«gen Rügen. Der Hriegsplau des Königs.] 

7. Hai. Auf Grund des Kescripts vom 17./27. April haben sie aufs neue mit d«m 

Konig in Gegenwart von Tromp, Baudiss und Ärensdorff über das Unter- 
nehmen gegen Rügen conferierL Da sie erfalireQ hatten, dass Ärensdorff 
uad Ilahn (welche nebst anderem Ungeziefer dieses Hofs noch immerbin mehr 
Böses als Gutes stiften) sich bemühen, dem Könige einzureden, Kf. könne is 
der bevorstehenden Campagne nichts als die Eroberung von Kügen vornehmen 
und müsse daher auch das moiste dazu contribuieren , und da Ärensdorff in 
Gegenwart des Königs sagte, dem Kf. sei nicht zu ratheu, Greifswald zu atta- 
quieren, er werde bei dem Zustand seiner Armee nicht vor dem Jnli ins Feld 
gehen kSnnen, so haben sie ihm hardiment geantwortet, was es nützte, dsss 
der König und Kf. wegen der bevorstehenden Kriega Operationen commnnicierten, 
wenn man hier von des Kf. Armee so schlechte Opinion h&tte, und dem Könige 
vorgestellt, Kf. beharrte bei dem Entschlüsse, ihm zur Eroberung von Rügen 
zu helfen, wenn aber von Seiten des Königs nicht frühe und kräftig genag 
dazu gethan und er dadurch genöthigt würde, sich mit seiner ganzen Hachl 
anderswohin zu wenden, so wurde er schwerlich in der ganzen Campagne 
imstande sein, ihm zu dem Unternehmen auf Rügen die Hand zu bieten. Der 
König aber versicherte, es sollte bei der früheren Abrede bleiben. Sollten die 
3OÜ0 Münsterschen zu lange oder ganz ausbleiben, so woUte er sofort nach 



oyGooi^lc 



VeriuuidlDDgeii wegen de« üateruehmeiia gegen Ragen. 329 

dem BntsAtz von Chriatianstadt, womit es über 5 Wochen nicht anstehen könnte, 
die vom Kf. begehrten Trappen, das u&thige Fahrzeug und wenigstens 30 mit 
2 bis 3 Stücken besetzte Boote zum Angriff gegen Rügen liefern nnd auch die 
Flotte sollte, wenn das ÄDslanfen der feindlichen es nicht verhinderte, mit dabei 
sein. Er hat ihnen dann seinen eigenen Eriegsplan anvertrant: Sein Uaupt- 
dessein sei anf Gothenbai^ oder Bshuis, oder, falls diese za stark versehen 
sein sollten, auf Helmstat gerichtet, dieses sollte Oüldenlea mit der um 
^500 Heiter nnd 3 — 1000 Mann z. F. verstfirkten Armee in Norwegen ver- 
sacheo. Sollte der Feind mit seiner ganzen meist bei Christianstadt stehenden 
Macht dorthin zd Hülfe eilen und Güldenlen zuvorkommen, so könnte er zwar 
die Belagerung von Gothenbm^ nicht vornehmen, brauchte aber auch nicht 
wegen Christianstadt etwas zu hazardieren, bliebe aber der Feind mit einem 
Theile seiner Armee vor Christianstadt stehen, so würde ihm doch der Entsatz 
keine Hübe kosten, opiniastrierte sich aber der schwedische Konig wegen 
Chiietluatadt und zöge alle seine Macht dahin, so wollte er diesen Ort wohl 
veiBchmenen, wenn er dagegen das weit widltigere Gotheoborg in seine Ge- 
walt bekimeO- 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kurfiirsten. D. Kopenhagen 
29. April/[9. Mai] 1678. 

[Eriegspl&ne des Königs. £f. kann nicht mit Sicherheit bei dem Unternehmeo gegen 
Rügen auf liinl&ngllche Unlerstützung reebnen.] 

Der K&nig hoffli, bevor der schwedische KOnig sein neoansgeschriebenes 9- 
Volk mit seiner Armee conjnnglert haben wird, Christianstadt zu entsetzen und 
Helsinbnrg nnd Gothenbnrg zu nehmen. Nachher wird er sich nach des Feindes 
Stärke und Contenance richten müssen. Wegen der Unternebmuog auf Rügen 
beharrt der K5nig anf seiner Intention, da der Bischof vonMünster aber gegen 
die versprochenen 3000 Mann allerhand Fordernngen stellt, so soll General 
Bandis erst, nachdem der von demselben abgesandte v. Zitwiz hieher ge- 
kommen, zu Kf. gehen. 

An I. EöD. M. Itöimen wir zwar verspüren, dass es Ihr in dieser 
•Sache ein rechter Ernst seie, auch versichern uns der Herr Canzler 

<} Kf. beBehlt ihnen darauf (d. Cüln 14./S4. Hai 1G78), nochmals darauf zu 
driogen, dass der Angriff gegen Rügen sofort beiderseits unlemommen werde, und 
m erküren, er könnte nicht lange still sitzen, müsste sonst sieb in ein anderes 
Dnsein engagieren und zweifelte, ob er dann noch in dieser Campagne im Stande 
■eia wörda, an dem Angriff gegen Rügea tb eilzunehmen. Ohne Beisein und Hit- 
iä\h der Hauptflotte könnte ein solcher nicht untern am meu «erden, auch mnssl« 
der König das dazu nötbige Fahrzeug anschaffen. 



oyGooi^lc 



330 Ili. BruidenbuTg und Uänemark 1676-1679. 

Alefeit and General AreusdorT, dass I. M. gar gewiss der Abre 
gemäs» darzu tliua werden, weil es aber ein Dessein ist, der zu Wa& 
wol und behutsam muss angefangen und darzu alhier im Hafen alli 
band Anstalt gemachet werden, der Admiral Tromp') aber zu unsei 
grossen Leidwesen von hier weggehet und wir dep dänisohen Admiral 
nicht zutrauen können, dass sie mit solchem Eifer und Fleiss, als sie 
gehöret, alles an Hand schaffen werden, als stehen wir bei uns an, 
wir uns unterstehen dfirfen, E. Ch. D. die Versicherung zu thnn, it 
alles nach Ihrem Wunsch und Verlangen von statten gehen werde. V 
wollen zwar nicht ermangeln, I. M. dero mit uns genommeneu Abrc 
stets zu erinnern, unsers unvorgreif liehen Ermessens aber würde { 
E. Chr. 1). das sicherste sein, wegen Ihrer Magazinen solche Anstalt 
machen und Ihre Sachen sonst so einzurichten, dass Sie Sich aode 
wohin wenden könnten, wann wir alhier verspüreten, dass die Sac 
alhier zu lange verzögert werden sollte. — 



Chr. und Fr. v. Brandt iin den Kiirfi'irsten. D. Kopenhag 
4./[14.] Mai 1678. 

[Verbauillungen mit Hünster wegen Garantie der Eroberungen. Tromp's Abschit 

Der hieher unterwegs beüadliche miinstersche Gesandte von Zitwitz 
bevollmächtigt, wegen einer mutuelleii Garantie der Conqucsten zwischen il 
König und dem Bischof einen Vertrag zu schiieasen. Der König hat bei ihi 
anfragen lassen, ob sie auch dazu bevollmächtigt wären, sie haben erwidert, d 
iie zwar keine Vollmacht hätten, aber deswegen achreiben wollten, und hal 
sich erkundigt, ob auch die Herzoge von Braunschweig in diese Garanüe 
eintreten würden. Ahlefeld hat ihnen erwidert, der König hätte diesell 
dazu aufgefordert, sie hätten aber erklärt, nur wenn Kf. ihren Ambassadea 
den Titel Eicellenz accordierte und man sich wegen der bremischen Part 
geeinigt hätte, es thun zu können. 

Tromp gebt zwar weg, doch hat es sich mit seiner Sache insoweit 
bessert, dass der König ihn in sein Qartculiaus, die Rosenburg, zur Tafel komn 

>) Schon im -n. Februar/[5. März] 1678 halte Fr. v. Brandt berichiei, 
acheine, als ob man hier Tromp gern los wäre, Admiral Juel und dessen Anhän 
bereiteten ihm allerhand Widerwärtigkeiten und beredeten den König zu Dinf 
welche ihn sehr choijuieren müsalen. Tromp habe ihm dieses alles selbst eril 
und zu verstehen gegeben, dass er es auf die Länge nicht aushalten könnte. ^ 
I'ufendorf 1. XVI, & 57 (S. 1230). 



oyGooi^lc 



Tromp's Fortfang. VeThBndlungea mit Uünster. 331 

lassen and sebr frenndlieli behandelt hat, worüber Tr. siemltch vergnSgt ge- 
wesen. Sie wollen suchen, ihn zu disponieren, dass er die Sache in Holland 
Dicht zum Nacfatheil des E5nigB nnd des Kf. aigriere. Sie hätten sich gern 
hemäht, ihn hiur zu behalten, aber die Jalousie dor anderen Ädmirale und die 
Miss Verständnisse mit denselben würden nichts gutes effectnieit haben.') 



Chr. V. Bi-andt an den Kuriiireten. U. Kopenhagen 

18./[28.i Mai 1678. 

{Wunsch der Künigiu, das» die VerinshlaDg des Kurpriniien mit ihrer Schwester 
schon jetzt vollzogen verde.] , 

Er bat bei der Königin Audienz gehabt, derselben das Schreiben der 28. Mai. 
Landgräfin'), betreffend die Sache Tromp's, fibergeben und sie gebeten, 
sich zu bemäbea, dass demselben das Oberkommando fiber die Flotte gelassen 
werde. Sie hat das auch veraprochen. Dieselbe sprach dann mit grosser 
tendresse and auf eine sehr obligeante Art von der Heirath des Kurprinzen und 
ihrer Schwester') und sprach den Wunsch ans, dieselbe mOohte znm gesegneten 
Ende ausschlagen und das Beilagei möchte bei der jetzigen Anwesenheit ihrer 
Mutter ZQ Berlin vollzogen werden. Es würde der Landgräfin sehr disrepatier- 
lich sein, wenn sie, nachdem man überall glaubte, dass sie von Kf. des Bei- 
lagers halber eingeladen worden, ohne desselben Vollziehung nnd nnverrichteter 
Sache von Berlin wieder wegziehen müsste, ferner würde die jetzige Vollziehung 
desselben an diesem Hofe bei gegenwärtiger Conjunctur viel gutes wirken und 
das gegenwärtige Vertrauen befestigen, während man sonst glauben würde, Kf. 
mache auf eine nahe Verwandt- und Schwägerschaft mit diesem königlichen 
Hause wenig Reflexion, ferner wüsste man nicht, was Gott über die Landgräfin 

>) Kf. befiehlt darauf Chr. v. Brandt (d. COln 7./1T. Mai 1678;, mit dem 
Könige allein zu reden, ihm vorzustellen, welche übleu Folgen für ihn selbst und 
iür die gemeine Sache Tromp's Eutlassung haben würde, und ihn zu ersuchen, 
demselben noch diese Campagne das Commando zu lassen. Ebenso soll er Tromp 
ein Schreiben des Kf. übergeben und ihn ersuchen, wenn der König es begehren 
vörde, in dessen Dienst zu bleiben. 

>) Die Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen -Cassel, Schwester dos Kf., 
Hutler der Königin Charlotte Amalie von DsDemark, befand sich damals zum Be- 
mh am Berliner Uofe, s. v. Bnch's Tagebuch II, S. SOff. 

^ Der Kurprinz Friedrich hatte sich im Juni 1676 auf der Rückreise von 
Clete in Cassel mit seiner Cousine, der Prinzessin Elisabeth Henriette von 
Ilesien, der jüngeren Schwester der Königin von Dänemark, verloht. Ueber die 
VerzögeruDg. der Vermählnag und die daher von hessischer Seite geschöpften Be- 
örchtungen vgl. v. Orlich 1, S. 541 f. 



oyGooi^lc 



332 III' Brandeabarg und Dimemftrk 1616—1679. 

verhängen möchte, nnd für die PriDzessin werde es Eebr aützUch sein, vei 
die Vermählung bei Lebzeiten derselben vor sich ginge. 

Die verwittwete Konigin'), welcbe allerhand Mittel sacht, zwischen di 
Könige und dem Kf. Jnlousie uud Kaltsinn igkeit zu stiften, um des Eönigs ( 
miith desto mehr zu ihren Brüdern zu lenken, stellt zu diesem Zweck auch d» 
Könige vor, dass des Kurprinzen Ueirath mit der hessischen Prinzessio ga 
zurückgeben würde und daraus leicht zu schliessen wäre, wie geringe Refleii 
Kf. auf die Verwandtschaft mit diesem königlichen Hause machte. 



Chr. und F. v. Brandt an den Kiii-fürsten. D. Kopenhagf 

25. Mai/[4. Juni] 1678. 

[Dünische Vorschläge wegen des Unternehmens gegen Kögen. Weitere Pläne < 
Königs.] 

Der Konig erbietet Bich=) l) die ganze Flotte in Eile nach Rügen geh 
zu lassen, 2) gegen den 15. Juni alles Fahrzeug nach PeenemUnde zu schieb 
3) 3500 Mann z. Fuss anf die Flotte zu setzen, damit so drei Hauptattaqni 
eine dänbche, eine braadenbnrgiscbe und eine münsterische gemacht vai 
können, i) weil die Admirale nöthig befunden, alles bei Peenemünde in vi 
gammeln and mit einem guten Winde alle Attaquen zugleich za macheo, h 
er dio MSnsterschen ancb dorthin marschieren lassen, 5) handelt er mit Hüus 
auch wegen Ueberlassung von 800 Keltern. Baudis bekommt hente Insttnkti* 
zum Bischof und von da in höchster Eile zu Kf. zu gehen. Dagegen ersoi 
der König den Kf., 1) gegen den 10. Juni mit allen seinen Truppen zwisct 
der Feene und der Ostsee za stehen, 2) sofort zwischen Stralsund und Grei 
wald bei Brandtshagen Posto zu fassen und von da des Feindes Frame, i 
ohne Zweifel bei 'der Neuen Fäbrschanze liegen, mit Kanonen zu ruinier 
3) die Insel Dänholm zu emportieren, um Königsmarck die Communicati 
mit Stralsund abzuschneiden, 4) die Münsterschen von Demmin bis Peenemüc 
und bis sie auf der Insel sind mit Lebensmitteln zu versehen, 6) wenn es i 

') Die Königin Sophie Amalie, geborene Prinzessin von Braunscho 
Schwester der Herzoge Georg Wilhelm, Johann Friedrich und En 
August 

^ Am 31. Hai hatten sie berichtet, die Nachricht von dem bevorsteheir 
Vriedeossc blasse zwischen Holland und Fruikreich (s. oben S. 213ff.) habe bewii 
dass man sich nun bemühen wolle, England zur Ruptur mit Frankreicb zu beweg 
ferner dass die Unterband tu ngen mit dem Bischof von Hönster, dessen GeeiDii 
V. Zitwitz gestern angekomoifln sei, beschleunigt werden sollten und dass maus 
auch entschlossen habe, das Werk gegen Rügen mit allem Ernst in Angrif 
nehmen. 



oyGooi^lc 



Du Onteroebmen gegen Ragen. 333 

Fnukreich zum Stillstand kommt nnd von Liefland her wenig zo befahren, 
seine meiste Cavallerie in aller Elle nach Pommern zu ziehen, damit ausser 
den HSnsterschen wenigstens £500 Reiter and 500 Dragoner nach der Insel ge- 
schickt werden können, um Königamarck, der 4000 Pferde stark ist, ohne 
Gefahr anzugreifen. Kf. wird in aller Eile berichten müssen, wieviel Reiterei 
er beigeben will, da der KQnig durch Scheel's gestern eingetroffenen Bericht, 
Kf. wolle ausser den ÖOO zu seiner eigenen Attaque gar keine Cavallerie her- 
geben, ganz irre gemacht ist. Er soll 6) zu der Hünsterschen Attaque das n5thige 
SthanzgerSth liefern, 7) wenn er keine zweipfündigen Geschßtze zum Angrilf 
auf die FEhrscbanze liefern könnte, nur die Lafetten und sonst alles zu 8 — 10 
Kanonen Nfitbige hergeben. 

Der Konig will nach der Eroberung von Rügen seine Flotte nach den 
Scheeren gehen und mit 8O0O Mann Stockholm zu Litnde durch ein Debarqnement 
angreifen und totaliter ruinieren lassen, nnd bittet, dass Rf. ihm ein paar 
tausend commandirte Mnsquetiere dazu auf die Flotte gebe, auch der Biscliof von 
U finster soll die gegen Rügen gebrauchte Infanterie dazu verwenden lassen. 



Der Kurfürst an Chr. v. Brandt. D. Cöln an der Spree 
28. Mai/[7. Jmii] 1678. (Conc. O. v. Schwerin.) 

[Die Verm&htung des Kurprinzen.] 

— So viel das zwischen nusers Ghurprinzen nnd der Prinzessin zu 7. Juni. 
Hessen Ld. Ld. Beilager betrifft, da erkennen wir zwar, dass die von 
Ihr May, der Königin dabei gethane Vorstellungen ans einer zu unserm 
Chnrf. Hause tragenden sonderbaren AfTection bergeflossen, und thun uns 
dessbalb frenadvetterlich bedanken. Nachdem man aber vor izo bei 
allerhand vorseinden und Ihr May. nicht unbekannten Occnpationen ao 
geschwinde darza nicht zu gelangen, wie wir dann auch unserer viel- 
geliebten Frau Schwester Ld., da wir sie anhero eingeladen, ausdrücklich 
geschrieben, dass das Beilager izo nicht gehalten werden könne, so be- 
fehlen wir Euch hiemit gnädigst, Ihr May. der Eönigio allen Zweifel 
zu benehmen nnd sie vielmehr zn versichern, dass, sobald wir nur die 
bequeme Zeit darzu ersehen werden, die Vollenziehnng desselben mit 
göttlicher Hülfe vor sich gehen lassen wollen, inmassen wir auch schon 
die Bhepacta vor die Hand genommen, umb dieselben nnd was darzu ge- 
hörig inmittelst zur Richtigkeit zu bringeu. — 



oyGooi^lc 



134 III- Brandeaburg und D&neniMk 1676—1679. 

jhr. und Fr. v. Brandt an den Kurförsten. D. Kopenhao 
l./[U.] Juni 1678. 
[Tromp's Absiebt, sich zu Kf. zu begeben] 

Tromp'B Abgang') ist nicht zu redressieren gewesen. Derselbe ist i 
ichlosseo, sich zu Kf. zu begeben, um ihm mit gutem Rath wegen der I: 
tBgen zu assistieren und an Hand zu geben, was er von des Königs Fl 
md Fahrzeug zu Beförderung der Attaque für sich begehren solle, vermeini 
lass es ihm viel reputierlicher sein würde, sich bei Kf. als ein Cavalier au 
lalten und zu dem Werke zu rathen, als hierein General Admiral za ! 
venn ein anderer die Flotte commandiere. Der Kanzler und die Kfinigin 
nüben sich sehr, es dahin zu bringen, dass er mit VergDÜglichkeit hier i 
Eomme, damit man, wenn die Zeiten sich ändern sollten, ihn wieder heikri« 



Der Kurfürst an die Gebrüder v. Brandt. D. Cöln 

4./ 14. Juni 1678.») 

Auf die Relationen vom 35. und 28. Hai.*) Absiebt, sich mit seiner Ilauptai 
gegen Frankreich zu wenden.] 

— Weilen aber jetzo in den NiederlaodeD anf den Frieden 
liier Gewalt getrieben wird und leicht zu ermessen, dass, wann 
Staat zuerst abgehen und darauf Spanien und der Keyaer den Frie 
lu acceptiren genötl^iget werden sollten, wir mit Occupirunge der li 
lügen nichtßs ansrichten, sondern nach Franckreichs GefalleQ alles wii 
in Schweden restituiren mussten. Zue demo so haben wir die siel 
Vuchricht, daäs der König von Franckreich den Marechal de Sch( 
}erg beordret, mit 20000 Mann ins Clevische und andere unsere« 
ifalischo Lande einzubrechen und selbige zu occupiren, am uns i 
legst dieselbe anders nicht als wie ein Aequivalent gegen nn 
lommersche Couquesten zu restituiren. Damit nun dieses verhütet 

>) S. oben S. 330. 

<) Tromp traf am 10. August 1678 bei dem Kf. in Wolgast ein. S. I 
iurop. XXXVm, S. 349, v. Buch's Tagebuch U, S. M f. 

>) S. Pufendorf 1. XVI, 5 59 (S. 1233). 

') In letzterer batten die Gesandten um nähere Instruktion für die Tiait 
nit D&nemark und Münster gebeten. 



oyGooi^lc 



Veiiaderter Veldiugaplsn des KurfSnt«». 335 

zugleich die Staaten, oder doch zum wenigsten Spanien nnd der Keyaer 
von Acceptirnng eines praejudicirlicben Friedens abgehalten werden, 
hsben wir anf ein Mittel gedacht, welches wir Euch in Vertrauen er- 
üSaea wolleo, mit auadrücblichem Befehl, solches au Niemanden als an 
I. KöD. May. und den Groas-Cantzler zu entdeckeQ, auch beide zu er- 
aiichen, solches gegen andere zu secretiren. Nemblioh wir seind ent- 
schlossen, in dieser Campagne wieder Graf KSnigsmarck iD Pommern 
nar defensive agiren zu lassen und zue solchem Ende einige unserer 
Regimenter nebst einigen InneburgischeD Trouppen, weshalb wir eine Zu- 
sammenkunft veranlasset haben'), an der Pene und auf den Pässen zu 
verlegen, mit dem Gros unserer Armee aber zwischen 18000 bis 
20000 Mann gegen den Rhein und nach. den Niederlandeu zu marchiren, 
amb mit Zuziehunge anderer Trouppen von denen AUiirten eine con- 
siderable Uauptarmee zu formiren und uns in solche Postur zu stellen, 
tlass weder I. Kon. May. noch auch wir zu einem irraisounablen und 
nachtheiligen Frieden gezwungen werden mögen. Bei solcher Be- 
wandnus würde die Attaque der 'Insul Rügen noch etwas auagestellet 
bleiben müssen, zum wenigsten könnte sie gegen den 15. Junü nicht 
vorgenommen werden. Wir wollen jedennoch alles noch reifer über- 
legen und Euch mit nächster Post unsere schliessliche Willensmeinunge 
wissen lassen. — 



Der Km-fürat an die GebrOder v. Brandt. D. Cöln 

4./ 14. Juni 1C78. 

[Zu besoTgende Gefahren, nenn die anderen Bundettgenossen Frieden schliessen 

Sbllleu. Bemühangen, den Kaiser und das Ilaus ßrauuschwerg davon abiuhalten,] 

— Nun ist uns zwar lieb, dass solch heilsames Werk') mit Fleiss u. Juni. 
Qud Eifer getrieben werde, weil aber iii kurzem die Conjoncturen sich 
sehr verändert uud insonderheit dus Hauptwerk durch der Staaten un- 
besonnene Präcipjtantz zum Frieden in einen anderen Stand gerathen, 
so befinden wir, dass jetzo auf viele Dinge reflectiret werden müsse, 
worauf bisher« nicht gedacht worden. Und zwar fürnemblich, weil der 
Staat abgehet, aus Engelland nichtea zu erwarten, Spanien auch 

>) EL hatte 8./13. Juni die Herzoge Ueorg Wilhelm und Rudolf August 
u «iner persönlichen ZusammenkanfC oder einer Hinisterconfereni aufgefordert. 
*) Dia Terhandlungea yitgen des Bündnisses mit Dlnemark nnd Münster. 



oyGooi^lc 



36 III. Bruidenbar« und D&nenuirk 1676—1679. 

im Frieden incliniret und zu zweifelen stehet, ob I. Keys. May. i 
lieg aDDOch continuirea werden, wann Spanien abgehen sollt«, bo fi\ 
ie Frage vor, wann alle obgenannten Allürten abgingen und Fri« 
lacheten, ob es Ihrer Küü. May., ans und des Bischoren Ld. zDtregl 
iin würde, 'den Krieg alleine wieder Franckreich und Schwedeo fc 
isetzen? Dann wann man gleich wieder Schweden nur defensive igii 
eilte, so würde es uns doch aamöglleh fallen, dem Könige in Fron 
lieh, welcher liolchei^estalt überall freie Hände bekommen und i 
liner ganzen Macht wieder uns agiren würde, gnugsame forces 
pponiren and wir in unseren Clovischen und anderen Westphatisci 
anden solches am ersten empfinden. Wann aber nar der Key: 
litbeitreten und sich mit and nebst uns verbioden wollte, zue kein 
rieden, als der vor uns allerseits repntirlich und raisonnable wäre, 
erstehen, sondern bis dahin gesambter Hand den Krieg mit aller Ma 
trtzusetzen, so vermeinen wir, da^s man noch dem Feinde, wann t 
leich die anderen abgiDgen, gewachsen sein und sich keine leges ' 
ranckreicb würde dörffen vorschreiben lassen. Damit wir nun 
«yserl. Hofes führenden Intention versichert werden, seind »ir ( 
shlossen, unseren p. den vonCrockou') per posta an den Keyser 
aschicken, inzwischen könnte das Werk zue Nimwegen zwischen al 
»ts ministros vorgenommen, auch die zue Copenhagen angefang 
ractaten fortgesetzet werden, gestalt wir Euch dann unsere bei ( 
roject habende Gedanken mit nächster Post zuschicken wollen. 
Ilen Dingen aber finden wir nöthig, dase man bei so gestalten Sac 
lit dem Fürstl. Hause Luuenbarg nicht brechen, sondern vielm 
asselbe aufs möglichste menagiren, auch, wo möglich, zue dieser Guara: 
lit ziehen müsse, zue welchem Ende wir an des Herren Hertzo 
eorge Wilhelms Ld. ein solch Schreiben'), wie beigehende Absei: 
siget, abgelassen. Dann zu geschweigen, dass man die Hände 
Dug wieder Franckreich und Schweden bekommen wird, so ist le 
j ermessen, dass, wann man jetzo mit besagetem Fürstl. Hanse 
lUen sollte, dasselbe sich gar zue Franckreich schlagen und demset 
JT Invasion Thür und Thor öffnen würde, da hergegen za hoffen, i 
ilbiges annoch wegen habenden gleichmässigen Interesse in Bebaupt 
er Couquesten zu dieser Partei mit gezogen werden könne. Ibr hi 



<} Siehe über dessen damalige neue Seadang nach Wien nnten Abscha. 1' 
^ Du Schreiben au den Herzog lopi 3./18. Juui 1678 ». oben 8. 335. 



oyGooi^lc 



Bemöhungni des Ef^ di« Alliierten nuanmemuhalten. 337 

von obigem, da es nöthig, behörigen Ortes Conununication za thueit and 
Ibrer May. SenUmente darüber zu berichten. — 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
ll./[21.] Juni 1678.') 

[Wunsch dts Königs, Ef. möcble einen Tbeil seiner Truppen in Pomtaem stehen 
lassen nnd seine Unternehmungen gegen Rügen und Stockholm unterstützen.] 

Sie h&ben heate, nur in Gegenvart des Grosskanzlers, bei dem Könige ge- 
beime Audienz gehabt nnd demselben den Inhalt des Rescripts vom 4. Juni 
mitgetheilt 

Ihre May. röhmeten sothaaes Ew. Chf. D. Vorhaben auls höchste 14. Juni. 
und bezeugeten, dass Sie darüber erfreuet wären and nicht zweifelten, 
dass dem gemeinen Wesen ein considerabler Nutzen und avantage da- 
von zuwachsen würde, wären aber dabei bekümmert, durch was Mittel 
Ev. Chf. D. nun Pommern vollends einnehmen würden, baten daneben 
inständigst, Ew. Cb. D. möchten aufs wenigste 7 bis 8000 Mann in 
Pommern and der Enden stehen lassen, damit Ihr in dero Abwesen- 
heit in dero Churlanden kein Unglück zustossen möchte, dann ob 
zwar von Liefland aus keine grosse Gefahr mehr erschiene, so könnte 
doch Eönigsmarck Händel machen, die Bethnnische und Lilien- 
bäkische Truppen stünden anch noch dar, und aus beikommendem 
intercipirten Schreiben würden Ew. Ch. D. ersehen, dass die Schweden 
einen considerablen Transport (wohin wüsste Gott!) vorhaben müssten. 
Zu dem boffetea I. May., dass Ew. Chf. D. das Absehen auf Bügen 
Dicht würden fahren lassen, sondern solche Anstalt machen, dass auch 
Ibre Troappen in dero Absentz zur Eroberung selbiger Insel helfen 
könnten. Absonderlich zweifelten Sie nicht, dass Ew. Ch. D. den Dessein 
aaf Stockholm mit etwas Volk secundiren würden, denn daran hinge 
die grosseste und sicherste Gewissheit eines gewünschten Friedens. Der 
Dessein könnte nicht fehlen, and wo Ihr dazu geholfen würde, so ver- 
sicherten Sie Ew. Chf. D., dass wo darauf die Friedenstractaten in 
Schweden TOrgenommen würden, Sie aldar nicht weniger vor Ew. Chf. D. 
hohes Interesse sorgen und Ihr ganz Pommern zn Wege bringen wollten, 
als Sie hoffeten, dass Ew. Chf.. D., wann Sie am Rheinstrom Posto ge- 

>) S. Pureodorf I. XVI, § 69 (S. 1282). 

«nur, t OaKlL d. a. Karfinl». XVIII. 22 



oyGooi^lc 



J38 ni. Brandenburg und Dünoroark 1676—1679. 

'aaset hätteo, sich ihres InteresBe eriDDern und selbiges nicht aU 
loQDiren würden. — 

PS. I. May. lassen noch alles bei der Anstalt zur Attaqne der \a 
lügen, bis Ew. Cbf. D. endliche Resolution deswegen einlaufen wird 



Der KurfÖrst an die Gebröder v. Brandt. D. Cöln 

15. '[25.] Juni 1678. 

[Baldiger Äurbruch nach Poinmeru. Uassregeln zur Sperrung dta Hafeus tud 

Stralsund .3 

Er wird ehestens aufbrechen und dio Operationen in Pommern hegioni 
rwartet sehnlichst General Baudissen. Sie sollen dieses dem KQnige m 
leilcn nnd ihn ersuchen, das Fahrzeug und was sonst daxu nSlhig iu Bereitscb 
u halten, er läsat solches in Pommern auch thun. Sie sollen femer dem Rdd! 
ir die Sendung der beiden Fregatten „Hummer" und „JSger" nach der po 
■ersehen Küste danken. Kf. hofft, dass seine Schiffe, die er in Holland I 
^uipieren lassen, sich auch bald bei dem Rudeu einfinden werden. Sic soll 
srauf dringen, dass die beiden dSnisclien Fregatten Befehl erhalten, sobald je 
chiSe sich dort einfinden, sich auf der a:ideren Seite von Rügen bei dem Gell 
1 postieren, damit so der Stralsmidische Hafen von beiden Seiten gescbloss 
erde. 



König Christian V. an de» KurfÖrsten. D. Copenhj^eii 
]5./[25.] Juni 1678. 

Sitte um Ratificalbn des Garaatie Vertrages. Zusage, (reu auszuhaltea. Gerin 

e&hr für Cleve. Wunsch, dass erst die UntemchmuDgen gegen Kügeu und Stw 

beim ausgeführt werden mögen.] 

Nachdem dio Minister der Compaclscenteu sich zusammen getban und i 
edinguugen einer näheren Zusammensetzung >) sub spe rati nnterschrict 

') Kf. antwortet darauf (d. Cöln 18./S6. Juni 1678), er wolle sieb mit d 
Suigs Sentimenten couf armleren, vernehme auch gern, dass derselbe eine so gen 
use Resolution gefaast habe. ,Nur müssen wir etwas onsteben, ob man auf <l 
setite praesuppoaita ao feste bauen und beal&ndige meaurea dunacb nehmen küanc 

■) Die V. Brandt bstteu 26. Mai/7. Juni ein dänisches Froject des Garaati 
rtrages, am l./ll. Juni ein solches der Separ&tartikel eingesandt, am I5./25. Ju 
□den sie ein ge&aderles Projeet Vgl. über diese Verbandlungen Pufeodo 
XVI, S ri7 (S. 1230 f.). 



oyGooi^lc 



Vorberaitung dea Feldxugpes ia Pommera. 339 

baben, enucht er Rf., da diese Vereioi^ng das beste Uittel ist, um den durch 
den einseitigen FriedeDsschlass zwischea Frankreich und Hollaud veruTBachten 
g«flbrlictien Inconvenientien ziivorzukommeD, dieselbe je eher je lieber zu rsti- 
ficieren und auch die anderen Compaciscenten dazu zu disponieren. Er selbst 
versichert, dass, obwohl ihm die ganze schwedische Uacht zn Lande und zu 
Wasser fost allein auf dem Halse liegt, er dennoch bei der guten Partei sammt 
den nbrigen Alliierten fest nnd nn zertrenn lieh halten, den Krieg mit allen 
Kräften contiuuieren, anch lieber alle Extremitäten abwarten, als sieh nnbillige 
Friedensbedingungen aufbürden lassen will. 

Die Gefahr für die clerischen Lande des Kf. hält er für viel geringer, 
aU sie von anderen vorgestellt worden, es ist wenig wahrscheinlich, dass Frank- 
reich nach Ränmung von Mastricht und den spanischen Niederlanden einen 
Angriff dorthin unternehmen werde, zumal ihre Armee in Flandern nur 33 bis 
U 000 Mann stark sein nnd der RBnig nach dem Frieden verlangen und schon 
zu desarmieren angefangen haben soll. Er stellt daher dem Kf. anheim, ob es 
nicht der gemeinen Sache zntrfiglicher sein würde, dass seine Intention, mit 
seiner Armee nach Cleve zu gehen, noch eine Zeit laug ausgestellt und zu- 
FSrdent die Attaque aaf Rügen und die Diversion nach Stockholm ange- 
führt werde, zumal zu hoffen, dass dadurch nicht nur Schweden gänzlich vom 
deutschen Boden gebracht und ihm ein Hauptstreicb versetzt, sondern auch 
Frankreich werde veranlasst werden, nicht weiter auf Schweden so grosse 
Refleiion zu machen und auf dessen Restitution so sehr zu dringen. 



Der Kurfiirst an die GebrQder v. Brandt. D. Cöln 

18./[28.] Juni 1678. 

[Auf die Relalion vom 11. Juni. Aufbruch nach Pommern. Uassregeln, welche 

däuischerseits für das Unteroehoien gegen Rügen zu treffen sind.] 

— Nun werdet Ihr aus unserem jüugstea') vernommen haben, wie 2 
dass wir unser Vorhaben, nach dem Rhein zu marchiren, in so weit ge- 
ändert, dass, weil*) verhofTentlich keine Gefahr von den Franzosen in 
den Clevischen Landen zu besorgen, wir nunmehr vermittelst Göttlicher 
Hülfe Unsere operationes wieder Schweden in Pommern fortzusetzen re- 
solviret haben, auch zue dem Ende bereits unsere Regimenter marchiren 
lassen *). Weilen nun das Vorhaben auf Rfigen solchei^estalt mit aller 
Macht wird fortgesetzet werden müssen, so erwarten wir mit Verlangen 

') S. oban S. S38. 
^ S. oben S. 12. 
•) S. Oiar. Europ. XSXVJU, S. 128, 135. 



oyGooi^lc 



) m. BKddenbnrg und D&nemtu-k 16T6— 1679. 

Gen. BandisseD Ankuoft, am vou allem völlige Abrede zu nehme 
Ewischen wird höchst nöthig sein, dass I. May. zue Volfahmni 
iuuien Vorhabens alles das, wovon Ihr uns jungst geschriehen, i 
derheit das Fahrzeug und die TransportBchifTe, so viele deren imm 
zubringen, in Bereitschaft halten, dann ob wir zwar auch alles di 
ige, was in Pommern zu bekommen, mit dazue gebrauchen wolle 
wird doch solches, nachdem das Städtchen Nenenwarpe, alwo c 
iste Tucker-Kahne gewesen, abgebrannt, nicht viele ausmachen. Ebe 
ssig wird nöthig sein, dass I. May. die 3000 Münsterischen, welc 

solchem Dessein mit gebrauchet werden sollen, marchiren las» 
ihalb wir auch selber an des Bischöfen Ld. geschrieben. Was at 
I Unterhalt derselben anbelanget, so ist ans unmöglich, nach I. Mt 
luchen ihnen denselben in Pommern zu verschaffen, weil wir kai 
iele ProvisioQ, als unsere Armee, welche diesen ganzen Sommer a 
I Magazinen zehren muss, erfordert, haben und davon vor so tii 
ite nicht entbehren können. Wann I. May. aber einige Magasine \ 
selbe wollten zue Rostock errichten und dazue Geld ubermach 
len, 80 wollen wir uuBeren Proviant -Commissarien Befehl ertheilt 
Uay. Leuten darunter nach Möglichkeit an Hand zu gehen. Bei ( 
L^Baudissen Ankunft wird man die Art, welchergestalt die Attacq 
zanehmen, überlegen, und wollen wir hiernächst, wann dieses We 
d verrichtet sein, I. May. Vorhaben auf Stockholm nach Möglichk 
iindiren. — 



König Christian V. an den KurfÖrsten. 0. Copenhageu 

18./[28.] Juni 1678. 

irouDg vor voreiligen Friedensverttandlungen. Aufforderung zur VolUiehung i 

Garantievortrages und festem Zusammenb alten.] 

Des £f. Anzeige'), nebst den Gen. Staaten die FriedenstncUten i 
nkreich antreten zu wollen, und die Aufforderong, seine Minister in Nimwe{ 

') Ef. hatte 10./20. Juni 1678 deu v. Brandt Abschriften seiasr Reacriple 
speil vom 10./20. Juni (s. unten Abschn. V) und an Romswinckel \ 
21. Juni (oben S. 316) zugeschickt und sie beauftragt, dem Könige und c 
istern den Inhalt derselben mitzutheilen. Sie sollten dabei eTkl&ren, er ged>& 
;hau) nicht, sich von dem Künige zu trennen, sondern er hoffte, durch die 



oyGooi^lc 



WamuDg vor voreiligen Fried eiuTerhaDdluDfeii. Der Garuiti «vertrag. 341 

ebenduD zu instniiereD, sind ibm dnrch t. Brandt und Scheel mitgethdit 
voTden. £r hätte gewünscht, Kf. b&tte ihm seine eigentliche Intention and wie 
Dnd tat was Fubs er in solche Trsctaten miteinzutreten willens sei, etwas um- 
stindlicber eröfTnen lassen, denn wenn anch an dem Fried ensschlnss vonseiten 
HoUmds and Spaniens kaam noch za zweifeln ist, so beraht doch das Werk 
DOch nicht anf solchen ExtremitSten , dass die übrigen Alliierten darnm ihnen 
so bald zu folgen nnd sieb solche anbillige and nneitiügliche Conditionen auf- 
dringen za lassen Ursache haben sollten, vielmehr ist zu vermuthen, dass, 
wenn sie in eine nnzertrennliche Union untereinander treten und den Entschloss, 
solchen anziemlichen Anmathnngen einmGtbig za opponieren, ferner Terspären 
lassen, dieses nicht aar bei den Gen. Staaten in grosse Consideration kommen, 
sondern auch den Feind zu besseren Gedanken nnd zutrSglicheren Friedens- 
propositiaaen veranlaasen wird. Er hört von verschiedenen Orten, dass anf die 
g^nwSrtigen hiesigen Tiactaten sonderbare Reflexion gemacht und von den 
Wohlinte ntioniertcn nichts mehr gewGnscht wird, als dass sie ie eher lieber zu 
Stande gebracht werden mögen. Er verlangt um so mehr, dass £f. seine Hinister 
ZQ völliger Vollziehung derselben beordre, hofft ferner, dass Ef. seine Gesandtschaft 
in Nimw^en instruieren werde, nur conjunctim mit seinen Ministem nnd denen 
der anderen bei den schwedischen Conquesten interessierten Confoederierten in 
Handlung mit dem Gegentheil zu treten, und vorher alles mit denselben zu 
verabreden. Et verlSsst sich darauf um so mehr, da man ohne Gefahr das 
Werk noch wohl etwas ansehen und im Notbfall zu extrema consilia noch immer 
gelangen kann'). 

Nitlel die grosse Praecipitani zum Frieden aufzuhalten, es würde gut sein, wenn 
auch der König seine Gesandten ebenso instruierte. 

') König Christian schreibt unter demselben Datum eigenhändig an denKf.: 
.Ew. Durcbl. und Ld. geruhen aus meinem unter heutigen dato an Sie abgelassenen 
Sehreiben lu ersehen, was an dieselbe ich aus guter Wolmeinung gelangen zu lassen 
bewogen worden. Wie ich nun nicht zweifele, Ew. Durchl. und Ld. werden solches 
alles hocbvemänftig erwegen und von selbsten befinden, dass bei diesen Con- 
juncturen nichles nölhigers sei, als eine genaue und unzertrennliche Union unter 
uns, es seie zum Frieden oder zu Fortaetzung des Krieges, zu unterhalten, also 
will ieb dero zulanlige Resolution darauf umb so viel mehr verboffen, weillen 
wkhes nicht allein unserm Interesse beiderseits, auch der zwischen uns genommenen 
nündlicben Abrede gemäss iat, sonderen auch meines Bedänkena anitzo noch ohne 
■änderbare Gefahr geschehen und man die mesnres allemal nach Veränderung der 
ConjuDcturen nehmen kann. Ich werde meines Teils von dem, was einmal zwischen 
aas verglicben, nimmermehr abweichen, sondern Ew. Durchl. nnd Ld. Wohlstand 
und Securität gleich meine eigene jederzeit beobachten.' 



oyGooi^lc 



J42 III- Brandonburg und Dinemark 1676—1679. 

Dhr. und F. v. Brandt an den KurfÜraten. D. Kopenhag 

22. Jiim/[2. Juli] 1678. 
Auf das Rescript vom 15. Juni. Freude des Königs über die Resolulion dts 
die zunächst vorzunehmenden Hassregeln.] 

Der König ist über des Kf. Resolution, die Operationen id Pommern 
>eginnen, um so melir erfreut, da er nach den bei voriger Post von de^ 
lofe eingelaufenen Nachrichten fast geglaubt, Kf. beabsichtige, mit Holland i 
Frankreich allein zu tractieren and sieb von ihm nnd den anderen Älliiei 
;d trennen. Er hat auch erklärt, das Unternehmen gegen Rügen nach äusseral 
Vermögen ins Werk zu setzen, auf den Stutz könnte das aber nicht vorgenoini 
Verden, sondern es würden wohl 14 Tage oder 3 Wochen dahin gehen müs: 
ihc man dazu würde gelangen kSnnen, weil seine Flotte der schwedischer, 
n den Calmarischen Sund eingelaufen, aufpassen und es sich in 14 Ta 
iussern müsste, ob es zur Bataillo kommen wurde oder nicht, wonach man : 
'ichten müsste, und weil die Transpoitschiffe vorläufig nach Norwegen zari 
gegangen wären, um die Truppen unter General Gise wieder zurücbzuho 
[)ieselben würden wohl in 10—12 Tagen zurück sein, dann wollte er sie d< 
len dazu erforderten Booten und anderem grossen Fahrzeug, das die hessisc 
t'olker von Kiel nach Landskron bringt, nach Peenemünde schicken. „Humn 
ind „Jäger" sollten auch nnverweilt nach der Greifswalder Bucht gehen, 
ioUto inzwischen seine Trappen an der Pecne parat halten und sich n 
Inder wärts engagieren. 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. Cöln 
24. Juni/[4. Juli] 1678. (Conc. F. Meinders.) 

'Auf das Schreiben vom 15. Juni. Eutschluss zur Portsetzung des Kamprv 
PominerD. Beinerkungan zu dem Garantie vertrag.] 

— Nun haben wir Ew. Kon. May. hochvernünftiges Gutachten 
Vorschläge in behörige Consideration gezogen und solche von der Wicl 
keit befunden, d»ss wir von unser gefasseten Resolution, nach dem Rl 
m gehen, nicht alleine abgestanden, sondern unserer Armee aberoii 
wegen Fortsetzunge des Marches nacher Vorpommern Ordre erthe 
äuch zue ExequiruQge des formirten bekannten Dessoios auf Rügen 
mögliche Anstalt machen, wie Ew. Ron. May. solches unsere die 
Brandt aubefohlenermaaasen schon werden hinterbracht haben. ^ 
das neu-projoctirte foedus betrifft, so haben wir desfalls albereilj 



oyGooi^lc 



Vorbareilnngen «u dem Peldinge in PofflrD«Tii. 343 

sagete die von Brandt zulänglich instruiret, zweifeien auch nicht, Ew. 
KöD. May. werden unsere dabei getbaue unmas^ebliche Erinnerungen') 
nicht missTalleD. — 



DerKuifürstanChr. V.Brandt, D. Cöln 24. Jum/[4. Juli] 1678. 
(Conc. O. V. Sehweiin.) 

[AnfrsgB, was der König über die Auknüpfung tod Vorhsadlungon mit Fraokrcicb 
denke. Versicherung treuen Zusammenhaltens.] 

Ihm ist za verscliiedcnen Hftlon von Holland und noch nenlich von dem 4. Juli. 
Prinzen von Oranieu') goratheu worden, sich mit dem König von Frank- 
reich zu vc^leichea und denselben zum Uediator zwischen ihm und Schweden 
za gcbranchcn. 

Nun haben wir wohl niemalen an dei^leichen Tractaten gedenken 
wollen, weilen wir aber vor Augen sehen, dass die Herreu Staaten so- 
wohl die Krone Dennemarctc als uns verlassen und sich gewiss unser 
wenig annohmen werden, ao haben wir nöthig ermessen, mit I. Kon. 
May. in Deunemarck hieraus vertraulich communiciren zu lassen, und 
werdet Ihr demnach Ihre dieaea vorstellen und vernehmen, wohin Sie 
dcsfalls incliniren. Wir leben der Zuversicht, wann I. May. durch einige 
Wege in Franckreich etwas suchen lassen wollen, Sie werden unser nicht 
vergessen, wie wir dann hiemit I. May. versichern, dass wir es nnsers 
Ortes gleicbergeatalt also halten und auf solchen Fall nicht minder vor 
Ihrer May. Interesse als vor das unsrige sorgen wollen. Ihr werdet uns 
Ihrer May. Meinunge hierüber zue eigenen Händen überschreiben, wor- 
Däch man sich dann mit dem projectirtcn foedere, wie und welcher- 
gest&lt solches einzurichten, wird achten können. 

Wir haben dieses auch dem Hause Braunachweig anzeigen lassen. 

') Ef. batte schon am 18./Ü8. Juni den v. Brandt Erinnerungen zu dem pro- 
jettierten Onrantie vertrage zugeschickt, l&«st am 24. Juni/4. Juli wejlere folgen. 
') S. oben S. 217. 



oyGooi^lc 



344 m- Brandenburg und D&nemark 1676—1679. 

Der Kurfilret an den König von Dänemark. D. Cöln 

' 25. Jum/[5. Juli] 1678. (Conc. O. v. Schwerin.) 

[Auf dessen Scbreibeo vom 18. Juni und das Handbrieflein. RecbtfertiguDg seiner At 

bfindiguDg, sich an den bollSodischen Friedenstractaten betbeiligen lu woII«d. 

VerbandluDgeu mit Frankreich litblich seien.] 

— Nnn will ich nicht zweifeln, E. K. M. werden von meine 
Ministris aldar bereits vorgestellet sein, dass diese meine nach dem Wu 
geschickte Resolution dahin garnicht ziele, sondern einig und allein dahi 
angesehen gewesen, damit die Herren General Staaten ümb so n 
weniger Ursach haben möchten, sich in dem Friedenswerk zu übereilei 
sondern mir und anderen AUiirten Zeit zu vergönnen, nebst ihnen d 
Tractaten anzatreten, wie ich dann auch erfahren, dass solches nie! 
übel geluDgen und sofort der grosse impetus ein wenig gestutzt werde 
SoQsten kann E. K. M. ich nicht verhalten, dass nicht allein die Hl 
General Staaten, sondern auch des H. Printzea von Orange td. trei 
lieh rathen, dass man den Frieden mit Franckreich eingehen möge, i< 
halte auch dafür, E. M. werden mit mir darinnen wohl einig sein, dass, wat 
selbe Cron mit E. M., mir und anderen AUiirten den Frieden eingehen di 
sich ins schwedische Interesse nicht mischen will, wir allerseits bei itiig 
BeschalTenheit keine Ursach haben, solchen Frieden mit Franckreich au 
zuschlagen. Im übrigen aber können E. M. sicherlich glauben, da; 
was ich bei diesem Werk vornehmen werde, ich allemal E. M. Intt 
esse soviel als das meinige beobachten, auch nichts ohne Communicatii 
mit deroselben vornehmen werde, dann ich eben diese meine Eesolutii 
mit E. K. M. ministris zu Nimwegen, im Haag und zu London zu übe 
legen anbefohlen, mir auch berichtet worden, dass dieselbe schon vc 
hero eben dergleichen Gedanken gehabt. — 

Die Nachricht, so ich bishero von dannen gehabt, ist sonst dab 
gangen, dass der König mit Spanien und dem Staat den Frieden andt 
gestalt nicht eingehen will, es sei denn Schweden in vorigen ZuaUi 
restituiret. Wann solches also wäre, würde freilich nichts heilsaiOE 
sein, dann den Krieg zugleich wieder Franckreich mit einmüthige 
Rath und That fortzusetzen, wozu ich dann, ob ich wohl meiner We 
phalischen Lande halber die grosseste Gefahr zu erwarten, mich allen 
beständig anschicken werde. — 



oyGooi^lc 



AnktinpfuDK lon Verband lungen mit Franknicfa. 345 

Chr. und Fr. v. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
2./[12.] JuH 1678.') 

[Auf das Kescript Tom 34. Jani. EinverKt&ndnEsa dea KöoigB mit tJaterliandliinKeii 
Bit Fnnkreieh. Boibsicbtigte Sendung QiÖe'« dorthin. BedenkOD der Uinister.] 

Sie haben deo König nnd dessen Hinister gefragt, ab nnd wie weit ersterer 1'2- Juli, 
duu inclinierte, dass man soeben solle, mit Frankreich sich za vergleichen 
und sich der frenzöaischen Mediation zn bedienen. Der König erklärte sich 
mit beidem für einverstanden, bat üinea aoch vertranlich mittheilen lassen, dass 
der bisherige Gesandte in England 05e, der als Gesandter nach Spanien ginge, 
Ordre hätte, seinen Weg darch Frankreich zn nehmen nnd, da er mit Pomponne 
wohl bekannt, demselben zuzusprechen nnd zu sondieren, wie der König von 
Frankreich gegen die nordischen Alliierten, besonders gegen D&nemark und Kf. 
gesinnt seL Derselbe sei beauftragt, lür das Interesse des Kf. ebenso wie fQr 
das des Könjgs zu sorgen. Doch äusserten die Uinister Bedenken, ob es rath- 
sam sei, den König von Frankieich gleichsam in propria causa znm Mediator 
ZQ erwählen, ferner dSrfe man sich mit Frankreich nicht in Tractaten einlassen, 
ehe die hiesigen geschlossen and man ihm kraft derselben eine ansehnliche 
force zeigen könne, drittens zweifelten sie, ob auch solches and eine BemQhnng 
om Frankreichs Freundschaft sich mit der Negotiation am kaiserlichen Hofe 
accordiere and man nicht den Kaiser dadurch vor den Kopf stossen und von 
einer vigoureusen Resolution abbringen würde, endlich müsste man erst sehen, 
ob Spanion den Frieden acceptieren werde. Sie versicherten, Göe habe Ordre, 
in Paris fierement zu sprechen nnd sich nicht zu weit herauszulassen. 



Der Kurfüret an die Gebröder v. Brandt. D. UeckermOnde 
7./17. Juli 1678.ä) 

[Auf die Relation vom 39. JunL*) Bereitschaft zain Uaternebmeu gegen Rügen. 
An^gen deswegen.] 

— Ihr habet darauf Ih. Eon. May. aDzuzeigeo, dass wir') in vollem i7. Juli. 
Marche nach Vorpommern begrilTen und bereits auf 3 Meilen von Änklam 

') S. Putendort 1. XVI, § 57 {S. 1231). 

") Von P. Fuchs geschrieben. Randbemerkung: ,Serenitsimus und ist Sr. 
Chfl. D. und dem H. Gen. Feldmarscbalck vorgelesen worden.* 

^ Darin hatten dieselben von den eifrigen Anstalten des Königs lu dem Dnter- 
□ebmen gegen Rügen berichtet 

*) S. Diar. Europ. XXXVlli, S. 248, v. Bucb's Tagebuch II, S. 43. 



oyGooi^lc 



346 



III. BiMdcubarg uod D&nemwk L676— 1679. 



angelanget wäreD, dass wir aach, sobalde alle Regimenter werdeo gi 
nähert sein, über die Peeae gehen, unsere eperaüones wieder den Fein 
fortsetzen und I. May. zue Erobernoge der Insul Rügen mit allen Krähe 
assistiren würden, wir wollen nur gewarten, zue welcher Zeit eigentlic 
I. Msy. vermeineD, dass die Attacque am fuglichsten vorgenoinm( 
werden könne, welches Ihr uqs dann schleunig zu berichten habet, w 
auch wie viele Attacquen und an welchem Orte eine jede am besti 
vorzunehmen, weil ihre Admiralität die Gelegeuheit des Laadens a 
besten keonete. Dass I. May. genügsames Fahrzeug anschaffen lassi 
wollen, ist udb lieb, weil es uächst der force an Manoschaft furDemblii 
darauf ankommen wird und wir unserseits wenig aoschaffen könne 
Auf die Münsterische Trouppen achten wir zwar nicht nöthig : 
warten, wann wir nnr der Lüneburgisohen habhaft werden könoe 
womit es noch was zweifelhaft, uud wollen wir alsdann mit 4X0 Mai 
zue Fu?se und 2000 zue Pferde und Dragoner von unseren Troapp 
die Attacque verrichten helfen, unsere übrige Mannschaft aber soll nel 
den Lüneburgischen sich an der Seekaote zwischen Stralsund uod Grei: 
wald postiren und sehen, ob sie eine absonderliche Attacque macbi 
oder sonst den Feind divertiren können. 

Die Verpflegung der Hünsterschea kann er nicht auf sich nehmen, ( 
nöthigen spanischen Rtiter, Karren , Spaten u. s. w., sowie die Lafelteu n 
Gcscbine zu den zwölfpfändigen StäckBo aber wird er hergeben. Es nandi 
ihn sehr, dass General Baadissen solange ausbleibt, zumal bis zu sdner i 
kunft keine rechte schliessliche Abrede genommen werden kann'). 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kuritlrsten. D. Kopenhag 
20./[30.] Juli 1678. 

[Resolution dos Königs in Betreff dea UDlernehmens gegen Rügen.] 

30. Juli. Auf ihr Memorial wogen Beschleunigang der Attaque aaf RSgen hat 

ihnen der Kanzler Ablefeldt und Biermann mitgetheilt, der König sei e 

■) Kr. schreibt den Gesandten am 18./28. Juli 1678 aus ADklam, weder Ji 
noch sonst jemand sei bei ihm erscbienen, mit dem er vegen der UuteraetiiDii 
gegen Rogen nftbere Verabredungen hätte treffen können. CFm- der Küste iüb«r 
sein, wolle er nach Wolgast gehen und dort die Resolution des Königs ervwt 
Mit dem Hause Lüneburg stehe er jetzt ziemlich wohl, 3000 Uann t. Fdss d 
600 t. PC seien schon auf dem Harsch zu ihm. 



oyGooi^lc 



- Das Ünternehmea gegen Rügen. 347 

schlössen, weno das nordische DetaCbement hier wieder anlangte, entweder 
dieses oder die in Schonen stehenden mnnsterschen und hessischen Trappen 
gegen Rügen zn verwenden. Die Zeit, wann dieses geschehen würde,, k&nnte 
er aber bei dem zweifelhaften Stande der Kriegsoperationen in Norwegen und 
Schonen nicht bestimmen, er rielhe daher, Kf. möchte von seinen eigenen Truppen 
soviel als zn zwei Attaquen und znt Vertreibnng des Feindes von der Insel 
nölhig sei, verwenden, er könnte sich daranf verlassen, dass I) seine ganze 
llaDptSotte, sobald das Dessein auf Christian stadt vorbei, sich nach RQgen 
wenden and des Kf, Befehle erwarten werde, 2) ei alles nöthige Fahrzeug und 
Transportschilfe an Hand schaffen, 3) eine eigene vollkommene Attacque mit 
der Infanterie, die auf der Flotte ist, formieren und alles dazu Nöthlgo an der 
Hand haben wollte, 4) dass Baudis zu Kf. kommen und nebst Juel alles mit 
ihm überlegen and auf Rügen commandieren sollte. Die Zeit betreffend, so 
müsste in wenigen Tagen der Ausgang des Unternehmens auf Christianstadt 
sich herausstellen, dann sollte die Flotte sofort wieder nach Rügen gehen. 
Fr. V. Brandt ist dann zusammen mit Biermann zum Könige gereist, den 
sie diesseit Mellezoe vier Meilen vom Feinde getroffen, derselbe bestätigte jene 
Mittheilungen, bat aber, Kf. möchte sich ja nicht hazardieren und nicht mit 
neoiger als 4000 Reitern und 4000 z. F. den Angriff unternehmen. 



Resolution, dem dänischen Eatats- und Kanzleirath Hans Jnel') 
Freihen-n von Juling ertheilt. D. Wolgast 9./[19.] Angust 1678. 

[Das Dnteraehmen gegen Rügen.] 

1. Kf. hält nach wie vor dafür, dass es im beiderseilägen Interesse am aller- 19. Aug. 
nBthigsten sei, die Insel Rügen zu erobern. 

2. Daher hat er auch bisher keine anderen actiones vorgenommen, sondern 
die dänische Flotte und Völker erwartet. 

3. Ratione der Zeit soll ihm die erste Stande die liebste sein und er er- 
sucht den Gesandten, die Ueberkanft der Flotte und des nötbigen Fahrieugs, 
sowohl dessen, das bereits bei der Flotte ist als auch was noch von Copenbagen 
erwartet wird, möglichst zu bescbleunigen. 

4. Da Kf. vernimmt, dass auf der Flotte nur 15 Compagnicen z. F. und 
-1 Compagnieen Dragoner, zusammen S500 Mann, vorhanden sind, so bittet er zu 
befördern, dass diese um 1000— 1500 Mann verstärkt werden. 

5. Kf. ist mit dem Abgesandten einig, dass vor der Hand die eigentliche 
Attaque nicht festgestellt werden kann, sondern nach Wetter und Wind ein- 
gerichtet werden muss; er wünscht daher, dass Flotte und Fahrzeug sich je 

Jens Juel, Bruder des Admlrals Nils Juel. S. über seinen Aufenthalt bei 
Kf. Yom 18.— 20. August v. Buch's Tagebuch If, S. 49. 



oyGooi^lc 



348 III> Bnmdeubure und D&nemark 1676—1679. 

eher je lieber dieser Oerter in der M&he einfindeD and dus dann nach Beficidiui; 
des Windes nnd anderer UmBtinde fernere actiones and Desaeini Tenbndrf 
werden. 

6. Damit man in besserer Sicherheit bliebe nnd nicht zu besorgea h>b« 
dasB während der Action etwa die schwedische Flotte eine Diveisioii m macbei 
SDcbe, hält Rf. für hSchstnStbig, dass einige Kreazer in jener Gegend bleibei 
nod dieselbe beobachten. 

7. Er ist erbötig, seine ebenen 4 Schiffe gegen Bornholm, Vittbil m 
Jasmond kreuzen za lassen. 

8. Kf. will alles Fahrzeug, das auf der Oder, in Stettin, Colbetg an 
anderen Orten vorhanden ist, herbeischaffen lassen. 



« Instruktion für v. Hagen. D. Wolgast 10./20. August 167f 

[Das Uoternelinien gegen Rügen.] 

^f-^ SO. Aug. Er soll nach seiner Ankunft in Copenhagen sich bei den dortigen Uinislei 

i des Kf. erkundigen, wie die Sachen stehen, nnd ihnen seine instrnktion ') m 

J9 [heilen, dann bei dem KSnig Audienz snchen, demselben mittheilen, diu ( 

.''A aber den flblen Ausschlag vor Bahns und Cbristianstadt*) sehr betrübt vi 

* und dringend, zumal da er die Nachricht von Abschluss des Friedens iwiscli 

^ Frankreich und Holland erhalten, riethe, jetzt das unternehmen gegen Kög 

t aaszuführen. Baron Jnel wäre hier gewesen, heute vrieder abgerdst ni 

^ } würde über die mit ihm genommene Abrede berichten. Bass auf der Floi 

^ nicht mehr als 1200 — 1500 Soldaten seien, schiene Kf. zu einer Attaque nie 

■^ sufücient zu sein, das sicherste würde sein, wenn der König diese übri 

Campagne in Schonen nur defensive agieren liesse, die dort entbehrliche Kai 

** Schaft anf die Flotte setzte, alles aufzubringende Fahrzeug hiebeifngte nnd 

eigener Person dieser Attaque beiwohnte. Seine Gegenwart würde mebr : 

alles andere ansrichten und Kf. verlangte sehr, sich mit ihm wegen der jetn^ 

■) In einer Wolgast 1./I1. August 1678 ausgestellten InstmliUoD war v. Hag 
beauftragt vorden, sich auf der ihm zur Verfügung gestellten Jacht zuerst zum 1 
miral Juel und dann zum Eünige zu begeben, denselben vorzustellen, wie nai 
tbeilig für Ef. die lange Verzögerung des Unternehmens sei, auf echleunigs A 
fnbrung desselben zu dringen und sich kategoriscbe Resolution, namentlich der Z 
negen zu erbitten. Er sollte ferner mittbeilen, dass Ef. nur eine Attaque formiei 
könnte, und verlangen, dass, der frühereu Verabredung gem&is, dSuischeneKs i< 
oder wenigstens eine rechte und eiu Paar falsche gemacht bürden. Kf. würde nie 
anfangen, bevor des Königs Flotte und Fahrzeug nebst dar Mannschaft hier wk 
und man die Attaquen gesammter Hand und sieber ausführen könnte. 

1 S. Carlson IV, S. 708 ff., Gebhardi II, S. 2160. 



oyGooi^lc 



Du Untemehmen gtgva Bügen. 349 

geßhrliehen Colytinctnren zd besprechan. Alles bestinde aber in der Eile, 

Et bSte daher am kategorische Resolution, ob und wann solches geschehen 
könnte. 



Chr. und Fj*. v. Brandt an den KurfQrsten. D. Kopenhagen 
10./20. August 1678. 

[Abscblnss des Bändniaaes. Das Unternefamen gegen Rügen.] 

Das Foedus pnbHcnm wird morgen vollzogen werden'). Obgleich der 20. Aug. 
Uünsteische contestiert hat, dass dnrch dasselbe dum Delmenhorstschen Foedus 
nichts entzogen werden solle und er nicht glaube, dase der Bischof, wenn er 
die Assbtenz ausserhalb Dentschlands excipiere, darunter Preussen mit verstehe, 
haben sie doch eine Protestation zu Protokoll gegeben. 

T. Hagen wird schwerlich eine andere Resolution') erhalten, als zuletzt 
dem Kf. geschickt ist nnd Jael ihm wird überbracht haben. Alles Fahrzeug 
wird hier zusammengebracht, die Flotte soll mit demselben innerhalb 8 Tagen 
sich bei Rügen nnd Peenemünde einfinden und auch die Mannschaft auf der- 
selben soll soweit verstärkt werden, um eine volle AtUqae ausführen zu kSnnen. 
Der Konig ist voll Eifer für das unternehmen und die Verz^ernngen sind 
nur dadurch veranlasst worden, daas man hier im Anfang der Campagne die 
mesures nbel genommen und sich der Ädvantagen, Christianstadt zu entsetzen, 
noch übler bedient hat, so daas dieses sicli bat ergeben müssen nnd der KSuig 
mit seiner Armee Landscron und Belsinboi^, bis letzteres in Defension gebracht, 
decken muas and keine Trnppen von der Armee detachieren kann. General 
Arensdorff ist entlassen worden. 

') Die UnteneichnuDg erfolgte am 13./23. August. Inhaltsangaben dieses 
Kopenbagen 4./U. August 1678 datierten Bündniaaes zwisclien Dänemark, Uünater 
und dem Kf, a. Pufendorf XVF, § 57 (S. 1331), v. Hörner S. 405 f. 

*} Die Resolution König Christian's für v. Hagen [d. Kopenhagen 
^3. ADgnst/[2. September] IG78) lautet: Der König erkenne sehr vohl die Noth- 
w«ndigkeit der Attaque auf Rügen, sr habe daher schon seine Flotte dorthin ge- 
schickt, die mönsterachen Trnppen könne er vorläufig in Schonen nicht entbehren, 
er nojle aber die auf der Flotte beiiadliche Landmiliz um 1000 Haan und einige 
OfGciera verat&rhen, um die eine Attaque, die er übernommen, mit Succesa zu ver- 
richten. 



oyGooi^lc 



t50 1>I. BrandaQburg und Dänemark 1616—1679. 

jhi: und Fr. v. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagei 
27. Augu8t/[6. September] 1678. 

[Ablichten des Königs. Sendung Juel's zu Kf.] 

Gestern sind endlich die 5000 Mann aus Norwegen im Sonde aogclin^ 
ind zu Helsingborg ausgeschifft, um sich mit der königlichen Armee zu ve 
linden. Der Kijnig hat sich heute dorthin begeben, sie haben ihm bei di 
Ibreise aufgewartet und er bat Tersichert, er werde ohne die höcbsle N'ol 
:eine batallle hazardieren. Er wird jetzt eine stattliche Annee von et« 
5000 Mann beisammen haben, doch auch die schwedische Armee wird i' 
4 000 Mann geschätzt und ist an Cavallerie überlegen. Als sie den KÖn 
,n die Entrevue mit Kf. erinnerten, sagte er, er müsste vorher die Sacbea 
ichonen in Ordnung bringen, hernach aber wollte er keine Zeit versäumen. 

Baron Juel hat lustrnktiou und Creditive und die Antwort des KÜni; 
in Kf. erliatten. Morgen soll die Infanterie zu Schiffe gehen, Juel sagte, nei 
ler Wind so bliebe, wollte er mit allem Falirzeug, das in 28 Schut«ii m 
18 grossen Böten besteht, in drei Tagen bei Kf. sein. 



3hr. und Fr. v. Brandt an den Kurftlrsten. D. Kopenhajft 
7./[17.J September 1678. 

[Aufbruch des Königs zu der Zusammenkunft mit Kf.] 

Der König ist hieher zurückgekehrt') und beschleunigt die Reise na 
tügen und zu Kf., er eilt sehr und ist fröhlich in der Hoffnung, Kf. bald 
prechen'). Dagegen finden sich manche, die das Gewissen drückt und t 
ich von dieser Entrevue nichts gutes träumen lassen. Dass sie dieselbe iiit 
lindern können und sich auch nicht nntetstehen dürfen, dem König davon i 
arathen, ist ein klares Zeichen, dass ihr voriger Credit ziemlich gefallf 
)ennoch geht Hahn mit, thut aber sehr „schmeidig". Der König hat auclt i 
leide aufgefordert, ihn zu begleiten, und ihnen ein besonderes Schiff zur Vi 
ügung gestellt. Sie wollen versuchen, noch vor Ankunft des Königs in I 

') lieber den Verlauf und die Beendigung des Feldiuges in Schonen t. Cii 
on IV, S. 711. 

') Die beabsichtigte Zusammenkunft ist damals nicht zu Stande gekommen, 
inom Bittet (d. Kopenhagen 19. September 1G78) benacbricbtigt v. KürbitcC 
. Brandt, dass der Künig Infolge des fortgeaelzl ungünstigen Windes, des Toi 
les Bischofs von Uünster und der dadurcli bei den bissigen münsterecheu Trupp 
erursacblen Consiernalion die Reise zu Kf. vorliufig ausgesetit habe. 



oyGooi^lc 



Beabsichtigte ZtuapnoBuhnnft des Königs mit Ef 351 

zu gelanjjeD, am ihm von Terschiedeneii DlngeD, besonders wegen H&hn'), 
RelaUoa abzastatten. Der Köuig wird, wenn der jetzt aas Südost weheode 

*} N&heres aber ilu Treiben desselben und soiaer Genossen meldet dem Kf., 
.seinem ergebenen Herrn", ein in däniacben Diensten stehender Friedrich Neu- 
mann, damit derselbe bei der bevorstehenden Zusammenkunft dem Könige davon 
Part geben und so fernerem Unheil Torbeugen künne (d. Kopenhagen 17./2T. Sep- 
tember 1678): .Es hat sich bald nach des Qrifftnfeld's Fall in Dennemarcken 
eine eigeanntzige Faction zusammengezogen und den Ob eij&germ eisler Bahne als 
ihr flaupt, des Königs Favoriten, erwählet. Die vornembate Glieder dieser Faction 
sind gewesen die beede Gebrädere Arenstorf, Generalmajor Rumohr, Bibou 
und TOn Stücken. Hahne und Arenstorf haben des Rum obren zwo Schwestern, 
BiboQ war mit des Rumohren dritten Schwester verlobet. Dieser Faction Zweck 
gehet dahin, des Königs in Dennemarcken Reiche und Lande von allen Mitteln zu 
enibliissen und sich damit zu bereichern, auch wegen der fmnioschen Gelder, so sie 
von dem König in Franckreich geoiessen, des Königs in Dennemarcken Progressen 
zu lerhiodcm und dadurch Schweden wieder zu dem Seinigen lu verhelfen. Wie 
nun diesem ihren Zweck insonderheit der Herzog von Floen, als ein rechtschaffener, 
treuer, kluger und tapfer Held in Wege gestanden, so haben sie Ihm mitten in den 
gross ten Frogressen, ich weiss nicht was für sch&ndlichc und ichftdiicbe, doch falsche 
Auflagen affingiert, lerscbiedena Intrigen wieder ihme gesponnen , Ihn bei dem 
König auf allerhand Art und Weise denigriret und suspect gemachet, damit sie ihn 
'on der Armee abbringen möchten, welches ihnen auch soweit gelungen, aber zu 
des Königes nnd seiner üntertbanen unwiederbringlichem Schaden. Haassen der 
König durch des Herzogen Conduite und Tapferkeit nicht allein die drei Frovincien 
Sconen, Bailand und Btekingen hesondern auch noch ein mehrers vorl&ngst unter 
seine Devotion haben würde, wenn gedachter Herzog beibehalten Wftre. Dem Feld- 
Disrsch. Lieutenant Weiher haben sie in seiner Krankheit eine Suppe betgebracht 
nnd ibn dadurch aus dem Wege riumen lassen. Durch diese und andere Froce- 
diiren haben sie nicht allein die Direction der ganzen Armee, sondern auch aller 
R''>nigl. Einkommen und Gelder an sieb gezogen; den Feind haben aie in Schonen 
wiederbracht und des Königs Armee mehrentheils aufgerieben. In der Schlacbt vor 
Luaden hat der &lteste Arensdorf, dem aus sonderlicher Schickung Gottes sein 
Arm abgenommen und gar durch den dazu geschlagenen kalten Brand das Leben, 
bald im Anfang, der ander Arensdorf aber am Ende, indem er die Victorie und 
das Feld, so Gott dem König in Dennemarck bereits gegeben hatte, dem Feind frei- 
willig äbergelassen, dos Werk verdorben. Des folgenden Jahres hat diese Faction 
den Peind, da er anfangs auf Ronoeberg, hernach bei Christianstodt besetzet war, 
mit Fleiss eschappiren Jessen und hingegen Anlass gegeben, Ualmö zu attaquiren, 
umb die Königl. d&nische Armee dafür zu ruiniren, der feindlichen aber dadurch 
Zeit nnd Gelegenheit, sietr zu verstärken, vei^önnet, wie der Ausgang erwiesen. 
Und weiln Bibon die Stadt Landscron, wie er im Winter darin commandirte, an 
den Feind nicht nbergeben wollen, auch dieser Faction ihrem Dessein in etwas 
wie ders prochen, haben sie ihn in der Ualmoeschen Störmung aufopfern lassen, da- 
nit sie seiner los würden. Was die let/.te Schlacht unweit Landscron betrifft, so 
lut Arensdorf selbe durch seine ühole Anordnung und Retirade bei dem linken 
Flügel verdorben, auch Rumohr sich gutwillig gefangen nehmen lassen, umb desto 



oyGooi^lc 



352 ^- BraDdanburg und D&D«mark 1676—1679. 

'Wmd sich ändert, übermorgen &d Bord gehen, 12 Sehnten i 
Transport der Csvallerie des Kf. gehen noch mit. 



b«9ser sich mit dem Feind über «llsrband desseins mSndlieh zu bereden. Ntcl 
gebends haben sie unter Landscron die Armee sehr crepiren lassen. Wu v 
Bügen Rumohr verrichtet, haben Ew. Chf. D. nicht veniger als Ihre Ut. tob Dcddi 
marck mit dero grössten Schaden vernommen. Und ob schon Ew. Chf. D. in Zell« 
remanstriren lassen, dsss ein ander Gouverneur nach Rügen gesandt «türde, M h: 
doch diese Faction bei Ihre Eon. HL solcbes praecaviret und verbindert Wu i 
diesem Jahr Vorgängen ist, vie diese Faction Ihrer Eon. Ht. Dessein, Cbrisliaist» 
zu entsetzen, und Oüldenleuwen propos auf Gotbenburg und Bahus durch g 
wisse instrumenta bei denen dorthin gesandten Trouppen und andere Intrigen g 
hindert, ist überall bekannt. Was dem Herrn Graf Tromp, Gols und anderen eli 
Heben Cavalliers von dieser Faction wiedorfahren, wissen Ew. Chf. D. ohne mei 
untertbinigsle Erinnerung, im geschweigen, dass sie noch neulich dem Herra Gnu 
cantzeler Graf von Ählefeld, der Ihrer Eon. Mt ein recht getreuer und keintigc 
nütziger Diener ist, von seiner vornehmsten Chargen einer durch eine sonderbi 
Intrige depossediren wollen, welches ihnen doch zu ihrem grössten Verdniss mii 
lungen. Ob nun solches und dergleicben Ihrer Ut. von Denaemarck bebunl, u 
dannenhero auch dem Arensdorf das Commando über die Armee benomiiK 
nichtes desto weniger halten Sie diese schädliche und verrätberische Fartian 
grosser estime, dahero es das Ansehen gewinnt, als wenn Ihre Ht durch diese Lei 
gleichsam philtriret und fosciniret sein, und so lang einige davon bei dem Eün 
vorbanden, von den Königl. Progressen nichts gutes noch etwas erspriessliches 
lioffen, massen sie dem Eönig sein Respect und gloire, dem Lande die Mitteln ii 
Reputation, der Armee ihre Eraft und Uacht benehmen und dadurch die Souveräni 
bei den Unterthanen verbasset machen, welches einige der allen Noblesse ge 
sehen und durch diese Confusion xu ihrer vorigen Freiheit asperiren, wodurch i 
Eünigl. Erbbaus in die vorige Schlaffere; gerathen würde, wann nicht diesem I 
glück zeitig vorgebauet werde. — 

Ihrer Ht. dem Eönig muss ich das zu ewigem Ruhm nachsagen, dass Sie 
gnädiger und tapfer Herr sein, auch an ihren unermüdeten Fleiss und travtilli 
nichts ermangeln lassen, nur dieses möchte ich wünschen, dass Sie solche i 
andere böse Thaten exemplarisch abstrafen und die Heriten besser belohnen möchi 
auch biofüro einem allein alles nicht anvertrauen, sondern verschiedenen ehrlicl 
getreuen und verständigen Dienern, so dem Geize feind seind. — 

PS. Bei der Armee albier mangelt nichtes als ein rechtschaffenes Oberhu 
ein formeller Eriegsrath und ein uninteressirtes General Commissariat Weiln ■ 
solches bisbero nach des Herzogen vonPloen Abreise manguiret bat, so haben 
von obiger Faction alles, was übel gelhan und unglücklich verrichtet worden, H 
Ut selbst zugeschrieben und ihre Bosheit mit Ihre Eon. Ut Namen und ordre 
mäntelt, da doch Ihre Ut. für ihre Person an allen sothanen Übel unschuldig se 



oyGooi^lc 



Kinnabme TOn Ragen. 353 

Der KurfOrst an den König von Dänemark. D. auf dei" Insul 

Rtlgen unferae Putbus 14v24. September 1678. 

[Anzeige der Landung auf Rfigen und Eroberung der Alten Pihrechanze.] 

Es hat der höchste Gott die vorgehabte Attacque auf der Insul 34. Sept. 
Rügeo') dergestalt geaegoet, daas, nachdem E. K. M. Trouppen vor- 
gestern auf Wittou Posto gefasset, ich nicht allein gestern umb den 
Mittag meine Trouppen in des Feindes Praesenz und ungeachtet des von 
ihm gethanen Wiederstaodes debarquiret, denselben repoussiret und ihm 
alle seine am Strande gemachete Schanzen zu abandonniren und sich 
nach der Alten Fehr-Schanze zu reteriren gezwungen, sondern ihn auch 
darauf heute in der Alten Fehr-Schanze angreifen lassen, welche 
stürmender Hand erobert und des Feindes ganze Cavailorie ruiniret 
worden, allermaassen E. K. H. ans beigehender Relation') mit mehrem 
zu ersehen geruhen woUen. — 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. auf der Insul 
Rügen gegen Stralsund 20./30. September 1678. 
[Sendung v. Hagen's. AufTorderung zu einer Zusammenkunft.] 

Nachdem der höchste Gott alhie alles nach Wunsche hat succediren 3 
lassen, so liabe ich nicht ermangelen wollen, E. K. M. davon durch 
gegenwärtigen meinen Hof- und Legationsrath den von Ilagen münd- 
lich Rapport thuen zu lassen nnd zugleich E. K. M. zu ersuchen, die- 
.selbe geruhen doch die beliebte Ueberkunft, so viele möglich, zu be- 
schleunigen, weil das verlangete abouchement jetzo mehr als jemaleo 
nöthig und E. K. M. höchstgeehrte Gegenwart ich mit äusserstem Ver- 
langen, umb von allem völlige Abrodo zu nehmen, erwarte. — 

') S. Fock Vr, S. 410 ff., 572 ff., oben S. 43. 
>) H. oben S. 43. 



. Gracb. d. (i. KurfUntvD 



oyGooi^lc 



354 111. Braiidenliurg und DüDemark 1(;76-1679. 

Jens Juel und M. Scheel an den Kurfürsten. D. auf d 
Königl. Schiffe der Dragoner 20./[30.] Septeniher 1C78. 
[Verlangen dar Einräumung der Neuen Fährschaaic und Besetzung des Dlnhc 
mit brandenburgischen Truppen.] 

I' Nachdem jetzt Rügen dem Feinde gänzlich abgenommen ist, stellen 

auf Befehl ihres Königs vor, was zu Behauptung der Insel und Befes^tigung 
guten Vertrauens erspriesslich sein möchte: 

1. Die Possession der Insel ist durch den Doheraner Traclat dem Küi 
zugesprochen. 

3. Zu Anlegung eines Magazins, hofft der König, werde ihm Kf. die > 
Fäbrachanze ') einräumen. Vaa die Commoditüt der Commanication mit 
Kf. Truppen in Pommern anlangt, zu welchem Ende Geh. R. v. Gladeb 
des Kf. Garnison in jener Schanze eine Weiie zu lassen für nutzbar eracl 
so sehen sie nicht, wie diese durch dänische Truppen verhindert werden s* 
da auch diese sich des Kf. Gefallen in allem conformieren sollen. 

3. Die Alte Fähre und der Dänholm, verlangt Kf., sollten von Tru[ 
des Königs besetzt werden. Ersteres soll, sobald alles lur Richtigkeit gebr 
ist, geschehen, der DSnbolm aber ist durch den Boberancr Tractat dem Kf z 
kannt, der denselben auch zu verwahren bessere Gelegenheit haben wird, aut 
dem sind noch nicht soviel dänische Völker vorhanden, dass man mehr 
Rügen sicher besetzen könnte. 

Da die Ankunft des Königs unbestimmt ist und vielleicht gar verhin 
werden könnte, Juel bloss auf des Kf. Resolution wartet und nach der i 
liehen EntSchliessung bierin die Flotte und die hier stehende Landmiliz 
wird richten müssen, so bitten sie um baldige Resolution. 



Resolution des Kf. auf das Memorial Juel's und Scheel"; 
D. im Lager auf Rügen gegen Stralsund 21. September/[i. i 
tober] 1678. (Conc. v. Gladebeck.) 
[Besetzung der Neuen Fährschanie und des Dloholins.} 

;. Kf. ist nicht weniger als einer von den Dienern des Königs auf die ' 

servation der Insel bedacht, wünscht darüber mit dem Könige vertraalich 
communiciercn, sollte dessen Ueberkunft aber sieb verziehen oder unterblci 
wird er sich gegen dessen Minister erklären. 

') lieber die Besetzung derselben durch branden burgische Truppen s. F 

S. 427. 



oyGooi^lc 



Besetzung der Neuen Fährschanz« und des Dönbolma. 355 

2. Für die Provision kann die Besetzung der Ncnen Fähtschanze weder 
binderlich noch förderlich sein, zumal io ihr kaum Gelass für 1 oder 2 Monate 
Frofision für dio Besatzung ist Früher ist die Provision zu Bergen gemacht, 
welches Kf. auch jetzt für viel geeigneter dazu hSlt, ausserdem hat Kf. aich- 
erboten, die Alte Fährschauze einzDritomeD, die Eönigl. Minister aber werden 
ihrem eigenen Bericht nach genug zu thun haben, mit den zur Zeit hier befind- 
lichen Völkern die Alte Fähre zu besetzen uDd die andern Advenuen des Landes 
zu verwahren. 

3. Die Besetzung des Denholm hat Kf. niemals intendiert, sondern nur 
dareh Gladebeck andeuten lassen, dass er rathsam und der gemeinen Sache 
selir forderlich hielte, wenn der König an diesem Orte mit cooperieren wollte, 
d.imit Kf. desto mehr Fussvolk von liier ab und auf jene Seite ziehen könnte, 
wo er 2 oder 3 Attaquen wird thun müssen. Ohne Maintenierung des Den- 
bolins und Eroberung der Stadt Stralsund wird der Eonig die Insel zumal mit 
den jetzt anwesenden Tülkern schwerlich conservieren können und es ist frag- 
lich, ob Kf. immer Gelegenheit haben wird, die Insel recoperieren zu helfen, 
Qiid ob der Konig so oft seine Flotte und seine Völker wird abmiisaigen können, 
Wenigstens wird diese Materie reiflich zu deliberieren sein. 



König Christian V. an den Kurftlrsten. D. Copenhagen 
26. September/ [6. October] 1678. 

[Die gewDDSchte Zusammenkunft mit Kf.} 

Aus dem Schreiben des Kf. vom 20. September und von v. Hagen hat 6. Oct 
er die Particularia der Eroberung von Rüge» und dessen Aufforderang zu einer 
Entrevne erfahren. Sein Stallmeister v. Hasthausen wird inzwischen dem 
Kf. die Ursache, wodurch seine bereits angetretene Reise aufgehalten und ver- 
hindert worden, nnd seine Absicht, mit Kf., wenn dieser es nöthig und gut 
finden sollte, etwa zu Wismar, Rostock oder einem anderen beiderseits gelegenen 
Ort noch vor dem Winter sich zu abouchieren, eröffnet haben. Er erwartet 
dessen Entschliessung, nach Einlangung derselben, und wenn er vorher gesehen, 
»ie der vorhabende Marsch seiner Armee in Schonen ablaufen und welche Con- 
tenance der Feind dabei zeigen wird, wird er sich zu Lande zu der Entrevne 
einfinden '), 

') Bei den Akten befindet sich nur das Racreditiv des Kf. für v. Haxt- 
hansen (d. Lüdershagen 27. September/[7. October] 1678), darin bittet er den 
König, seine Person bei dieser Jahreszeit nicht weiter dem Meere anzuvertrauen, 
sondern die Reise zu Lande zu machen. In einem Schreiben vom 3./13. October 
warnt er den König, sich in einen combat zu engagieren. 



oyGooi^lc 



350 HI. Brandenburg und DiDemark 167G— 1B70. 

Punctatio dessen, was bei Ihre May. von Denneinarck namens 

.Sein Churf. Durchl. zu Brandenburg — die Gebrfldere vod 

Brandten zu beobachten. D. Lüdershagen 28. September/[8. Oc- 

tober] 1678. (Conc. v. Gladebeck.) 

[Beiietiui^ der Neuen Fährscbanze. Waffenstillstand. FriedensTerbandlangeD. Vor- 
schläge wegen zu treffender militärischer Hassregeln.] 

t. 1) Sie sollei) dem Könige alle Ombrage wegen der Besetzung der Neneo 

FShrschanze ') zu benehmen suchen, welche während der Belagerung von Stral- 
sund nnamgänglich nöthig sei. 

2) Sie haben vorzustellen, dass, da am kaiserlichen Hof und aller Orten 
so beständig auf das in Nimwegen vorgeschlagene armistitinm *) gedrun^ien 
werde, auch der Ebnig and Kf. sich dessen mit Manier nicht länger worden 
entschlagen können. Ihre Gesandten würden also zu instruieren sein, hierin 
einmüthig zo negotiieren und vornehmlich darauf zu sehen, 1) dass das «mi- 
stitium universal sei, 2) dasa es auf 6 Monate (1. November bis 1. Hai) ge- 
schlossen werde, 3) dass während desselben alles in statn quo bleibe, 4] den 
Bloquierten inzwischen keine commercia oder Verproviantierung gestattet, 
5) die nöthigen Quartiere vom Kaiser und Reich reserviret wfirdea, 6) sie beide 
und alle AUierten während dessen ihre Armeen so instand setzten , dass ät 
nachher zam Kriege wie zum Frieden parat sein mögen. 

3) Sie sollen dem König versichern, dass Kf. auch keinen Frieden ohae 
denselben schliossen wolle, dass aber die Tractaten för sie beide leichter Meo 
würden, wenn sie Jeder für sich sowohl materialiter als formaliter tradierten, 
jedoch Ihre Gesandten dabei immer in guter Correspondenz blieben und sicli 
gegenseitig unterstutzten. In progressu causae werde sich dann ergeben, vu 
filr praetensiones ein jeder machen, was er davon nachgeben oder wonof n 
endlich bestehen sollte, 

4) Sollen sie bitten, dass der König zur Deckung der Bügenschen Köstf 
eine ziemliche Winterflotte in See lasse- 

5) Sollen sie vorstellen, dass der König sehr wohl thnn würde, noch vor 
dem Waffenstillstand ein corps voIant zwischen der Ost- und Westsee und der 
Elbe zu fonnieren. 

6) Haben sie die Forfschaffung des Pulvers nach Königisberg in befördern, 

7) den König nm Mittheilnng des Memorials Tromp's wegen Bcobachlnnc 
der Seeactionen zu bitten. 

1) 8. oben S. 354. 

i) S. unten Abschn, V. 



oyGooi^lc 



Dk Neue F&brscbaDte. Die Zusammeukunft. 357 

König Christian V. an den Kurftlrsten. D. Kopenhagen 
20./[30.] October 1678. 

{Bitle um EiuräumuDg der Neuen Flfarschanze. Wunsch der ZusBrnmeokunft.] 

Glöckwansch zur Einnahme von Stralsund.') Er hofft, dasa Kl, nachdem 30. Oct, 
hierdurch die Behauptung der Insel Rügen gSBicfaert ist, nicht nur ihm die Neue 
Fährschanze willig einrSumen, sondern ihm auch hinfort mit einer solchen Macht 
la Hülfe kommen werde, dasa er ebenfalls soviel möglich zu dem in dem 
Dobraotschen Tractat abgesehenen Ziel gelange. Er erwartet des Ef. Resolution 
wegen der vorgeschlagenen Entrevue, die er für nöthig erachtet, damit zwischen 
ihnen bei jetzigem Zustande der Sachen sowohl wegen der Friede nstractaten, 
als auch wegen der ferneren Fortsetzung des Krieges eventnaliter gewisse Abrede 
genommen werde. 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. Hauptquartier 

Lüdei-shagen 25. October/[4. November] 1678. 

'Auf das Schreiben vom 30. October. Räumung der Neuen Fährechanze. Vorschlag, 

die Zusammenkufift in Doberan zu halten.] 

Dank für den Glückwunsch. 

Waa die Neue Fährschauze belanget, weil ich gemerket, dass eelbige 4. Nov. 
weder Ew. Kön. May. noch mir im geringsten Nutzen und nur Diffidenz 
und Misshelligkeit zwischen uns anrichten könnte, habe ich selbige 
abandouniret, in HolTnunge, Ew. Kön. May. werden mit denen dazue 
gehabten Ursachen, welche ich mündlich erqfFnon will, zufrieden sein. 
Weil ich auch nebst Ew. Köd. May. die beliebete entrevue höchstnöthig 
achte, so stelle in Ew. Eon. May. Gefallen, ob selbige zue Dobran, 
welches locus boni ominis ist*), vor sich gehen solle. Nur dieses bitte 
ich, dasa es je eher je lieber geschehe, weil meine Angelegenheiten mich 
anderswohin berufen möchten. Ich erwarte Nachricht, zue welcher Zeit 
Ew. Kön. May. daselbst zu sein vermeinen, so will ich mich alsdann 
anch alda einfinden. — 

') S. oben S. 45. 

^ Dort hatte im September 1675 die erste Zusammenkunft zwischen dem Könige 
und Kf, stattgefanden uud war dos Bündoias zwischen ihnen ab','eschlassea worden. 



oyGooi^lc 



358 111- BraDdenburg und D&Deniark 1676-1679. 

König Christian V. an den KurfQrsten, D. Cbpenhagen 
5./[15.] November 1678. 

[Anf das Schreibea vom 25. October, das er erst heule erhallen. Zuugt, nuh 
Doberui zu kommen,] 

15. Nov. — Gleich ich nun selbsten für ein gutes Omea achte, da» Ew. 

Dchl. und Lbd. diesen Ort für andern zu unserer ZusammeDkunft er- 
wählen wollen, also lasse ich mir denselben gerne mitgefallen uad werde 
solchem nach mittelst Göttlicher Hülfe den 11. dieses von hie nach 
Laland aufbrechen mit so wenig Equippage als immer mügiich, ia Hoff- 
nung, gegen den 18. oder 19., wo souaten Wettet und Wind einiger 
massen fügen will, in Wismar zu sein, von wannen ich Ew. Dchl. und 
Lbd. von meiner Ankunft daselbsten unverzüglich part- geben und zu- 
gleich dero Gelegenheit mich erkundigen werde, au welchem T^e die 
entreveue zu Dobbran ihren wirklichen Fortgang gewinnen könne, Ev. 
Dchl. und Ld. freundvetterlichen Belieben anheimbstellend , ob Sie die 
Anstalt zu treffen geruhen wollen, damit, ich in Wismar eigentliche 
Nachricht, wo Sie alsdann anzutreffen sein werden, vorfinden möge. — 



Der Kurfürst an den Oberpräsidenten Freiheri-n v. Schwerin. 
D. Wrangeisburg 29. October/[8. November] 1678. 
(Conc. V. Gladebeck.) 

[Pflichtwidriges Verhalten der y. Brandt. Verlangen eine« Gutachtens darüber, »it 

gegen dieselben zu Terfahren sei.] 

8. Nov. — Wir geben Euch hiemit in Gnaden zu vernehmen, dass, «i' 

letztmalen die beiden Gebrädere von Brandt in dem Lager vor Strsl- 
suudt bei uns gewesen, wir dieselbe am 28. Septembr. mit gemesaener 
Instruction in denen wichtigsten Affairen, so jetzo obhanden, abgefertigei 
und ihnen insonderheit die Eilfertigkeit recommendiret. Ad statt aber 
dass sie sich derselben, wie ihre IMlicht erforderte, gebrauchen solltei, 
haben wir in vier Wochen Zeit und darüber nicht das geringste vüd 
ihnen gesehen und voinommen, so dass wir auch in den Gedanken ge- 
standen, es würden dieselbe etwa gestrandet sein, worzu dann auch ooch 
dieses kommen, dass alle unsere Rescripta und Befehle, so wir ilineo 
uachgeschicket, bis auf diese Stunde zu Coppenhagen uueröffnet liegen 
blieben, warunter insonderheit eines von der höchsten Wichtigkeit, in- 



oyGooi^lc 



Cd willen aber t. Brandt. 359 

dorn wir darin dea König umb einen Seepass wegen AbschüTuDg des 
Grafen Königsmarck und seiner Trouppen ansuchen; weil aber solches 
nicht abgegeben, ist der Pass bis itzo noch nicht erfolget und seind wir 
dadurch in viele 1000 Thir. Schade gesetzet worden, weil wir die ganze 
Stralsnndiäche Guarnison, so lang sie albier verbleibet, anf unsere Kosten 
unterhalten müssen. 

Endlich seind von ihnen gestern, war der 28. Octob., beigebende 
beide Relationos eingelaufen, worin keine einzige rechtmässige und legale 
Entschuldigung ihres Verfahrens enthalten, so dass wir darüber heftig 
entrüstet sein und ganz in den Gedanken stehen, sie haben in währender 
Zeit eine andere Spatzierreise gethan, wie Euch dann wohl bewuast, dass 
uns solches schon einmal bei der Schwedischen Schickung beg^net; 
wann wir aber solches garnicht dergestalt hingehen zu lassen gemeinet 
sein, so befehlen wir Euch biemit in Gnaden, uns Euer pflichtmassiges 
Gutachten mit dem förderlichsten zu erölTnen, welcher Gestalt wir ihnen 
unser ressentiment zu erkennen zu geben haben. Weil wir auch dafür 
halten, dass des Cantzlers Anwesenheit zu Coppenhagen nach ge- 
schlossenem Foedere nicht mehr nöthig ist, und wir also die 400 Thlr., 
äo er monatlich empfanget, wol ei-sparen können, so habet Ihr nns auch 
desfals Eure Gedanken zu überschreiben. — 



Die Geheimen Räthe (0. v. Schwerin, Fr. v. Jena und Job. 
Koppen) an den Kurfürsten. D. Cöln an der Spree 6./[16,] No- 
vember 1678. 
[Auf du Rescript yom 39. October. Beantragung einer genauaren Untersuchung gegen 
die T. Brandt Die über sie zu verhängende Strafe.] 

— wann solches von ihnen aus Vorsatz sollte geschehen sein, wären 16. Nov. 
sie deshalb billig anzusehen, zum wenigsten hätten sie sofort, wann sie 
an der Reise durch rechtmässige Ursachen waren verhindert worden, 
solches Ew. Chf. D. unterthänigst berichten und dasjenige, was nun- 
mehro daraus erfolget, verhüten sollen. 

Zu £w. Chr. D. gnädig:jtem Gefallen stellen wir, ob Sie gnädigst 
geruhen wollten untersuchen zu lassen, wie und wohin sie ihre Reise, 
als sie aus dem Lager von Stralsunde weggegangen, genommen, ob sie 
sich unterwegens oder in der Neumark auf ihren Gütern aufgehalten 



oyGooi^lc 



360 III' Braadeuburg und Dünemark 1676-1679. 

uQd deu Befehl, welchen Ew. Chf. D. ihuen anch dero Ueiae halber und 
dass sie dieselbe «u Wasser fortsetzen solleD, gegeben, ihrem Obliegen 
nach nicht in Acht genommeD. Auf welchen Fall und dass sie diese 
ihre Verzögerung nicht, berichtet und die in Ew. Chf. D. gnädigstem 
Recript ausgedrückte VerhiuderuDg in publicis und dahero entstandeoeu 
Schaden verui'sachet, wäre ihnen billig dasjenige, was sie hierunter ver- 
sehen, im Namen Ew. Chf. D. mit gehörigem Nachdruck furzuatellen 
und ihnen deshalb ein Verweis zu geben. — 

Ferner so halten wir dafür, dass ihnen die Zeit über, da sie auf 
der Reise gewesen, wann sie wieder Ew. Chf. D. Befehl in ihren eigeoeo 
Sachen sich aufgehalten, die ihnen verordnete monatliche Tractamente 
nicht gut zu thun, auch der Cantzler Brand, weil wir unsers unter- 
thäuigdten Oi-ts gleichfalls nicht sehen, dass er etwas sonderliches ta 
Dienst Ew. Chf. D. in Coppenhagen zu verrichten habe, förderlichst zu 
revocirea und also die monatliche 400 Rthlr. zu ersparen. — 



Chr. V. Brandt an den Kurftirsten. D. Wismar 
15./[25.] November 1678. 

[Eatschuldigung der Verzügerung Boiner Reise.] 

Durch den Feldmarschdl Freib. v. Dörflinger hat er mit Schrecken uod 

huciister Bekümmerniss vernommeQ, in was für grosse Ungnade er bei Kf. duwti 
seine Verspätung auf der Reise nach Dänemark gefallen ist. Er hat, aas Furcht 
Kf. durch seine Gegenwart zu erzürnen, seine Reise zn demselben nicht fort- 
gesetzt, sondern ist von Eldena wieder hieher zurückgekehrt. Er will sich nicht 
ganz unschuldig machen, hofft aber, Kf. werde glauben, dass, was er begangca. 
kein Verbreclien, sondern nur ein Fehler sei. Als er sich von Kf. in Lüders- 
liR);en verabscliiedete, war er ganz entschlossen, über das Meer zu gehen, halle 
sich auch schon aus des Kf. Küche etwas an Schiffsprovision reichen lassen, 
weil ihn Raule wissen Hess, dass seine Schiffe damit nicht verschen wSren. er 
blieb auch deswegen noch zwei Tage im Lager hei seinen Brüdern. Als abfi 
wegen des ungestümen Wetters und contrairen Windes Kf. ihm erlaubt, die 
Reise zu Lande einzurichten, wenn er zu Wasser nicht fort könnte, hat er 
seinen Weg über Anclam, nachher aber, da er im Mecklenbur^schen keine 
Pferde würde bekommen haben, über Berlin genommen. Da ihm aber Bail- 
bausen versichert hatte, dass der König mit seiner Reise zn Kf. eUen werde. 
so hat er gefürchtet, entweder den König zu verfehlen, oder, wenn er ihn noch 
zu Kopenhagen träfe, gleich wieder mit demselben herauskommen und dann 
wieder zurückgehen, also den Weg mit grossen Kosten dreimal machen id 



oyGooi^lc 



V. Braudt's EDtschuldigung. 361 

müssen, daher hat er gemeint, obne Verantwortung einen schleunigen Euck 
nach der Neumark thun zu dürfen, er liat sicli aber dtibei so beeilt, dass so- 
wohl sein Bruder, den er von Cüstrin seiner Unpässüchkeit halber voraus- 
geschickt, als auch er selbst zn Auswirkung des Passes für K5nigsmarck 
zeitig genng hätte in Kopenhagen sein können, wenn die Nachricht vom Auf- 
hrucb des Königs sie nicht irre gemacht hätte, so dass sein Bruder wieder aus 
Fünen bieher zu ihm gekommen und erst am 3. nach Kopenhagen gereist ist. 
Zu der Reise in die Neumark hat ihn der äusserste Geldmangel getrieben, 
er war gezwungen, zu seiner Copenbagischeo Subsistenz Rath zu schaffen und 
dazu anzugreifen, was nicht ihm, sondern seinen jüngsten Brüdern zukommt, 
da er in einem halben Jahre die ihm vom Kf. verordneten Subsistenzgelder 
nicht hat erlangen können und ihm von seiner vorigen Verschickung noch so- 
viel im Nachstande ist, dass er der Konigin noch 3000 Rthlr. schuldig ist. Er 
hätte dieses dem Kf. anzeigen sollen, bat es aber unterlassen, aus Furcht, Kf. 
dadurch verdriesslich zu fallen und in den Gedanken zu bringen, dass er ihn 
dadurch übersetzen wolle. Er bittet Kf., ihm seine Gnade wieder zu schenken 
und seine Erkenntniss und Rene als ein Opfer anzunehmen. 



Die Geheimen Käthe (0. v. Schwerin, Fr. v. Jena, J. Koppen) 

an den Kiirfilfsten. 

D. Cöln an dei- Spree 16./[26.] Novenaber 1678. 

[Vurschla^, bei der Unterredung mit den Köuig von Dänemark dahin zu wirken, 
dass den vorpommerschen Städten die Zollfreibeit gelassen werde.] 

Glückwunsch zu der bevorstehenden Unterredung mit dem Konige von ^6. Nov. 
Dänemark. 

Da dort die Abtretung und Deberlassung der Insel Rügen völlig abgethan 
werden soll, so erinnern sie daran, dass die von der Krone Schweden vorhin 
in Pommern besessenen StSdte und Unterthanen vermöge des Fried enstractates 
zwischen Dänemark und Schweden vom '11. Mai 16G0 das Privilegium gehabt, 
dass ihre durch den Sund und Belt gehcndeu Schiffe von Zoll und Visitation 
befreit sein sollten; sie hoffen, der König von Dänemark werde auf des Kf. Be- 
gehren und Vorstellen denselben dieses Privileg ferner lassen und deswegen 
Versicherung thun.') 

') Beiliegend zwei Memoriallea der Stadt Stralsund au Kf. In dem ersten 
(d. 24. October/[3. November] ICTS) biltet sie denselben, die Angebürigen der Stadt 
auf Rügen durch ein Generaldiploma in Subulz zu nebmeo, damit sie von dänischer 
Seite nicht mit Zöllen, Acctsen und Contributioncn belästigt würden, und den dortigen 
Adel zu ermabmen, das Commercium nach der Sladt der alten Verfassung gemäss 
lu conlinuieren, da die Stadt ihren sticcum et sanguinem aus Rügen ziehe und des 



oyGooi^lc 



362 111- Brandenburg und Dänemark 1C7G— 1670. 

AufzeichnUQg') Über eine am 25. November/ 5. December 1678 zu 
Doberan abgehaltene Conferenz.') (Reichsarchiv zu Kopenhagen.) 

Den 25. 9. des Nachmittags 1G78. 

b. Dec. Ihr Churf. Drchl. hätten wol verDOmmen, was Id der vorigeo Cod- 
fercnz wäre vorgekommen, und hätten dieselbe aiemal gezweirelt, da$j 
Ihr König. May. in solchen generoesea Gedancken wurden verpleibeo. 
wären auch darin einig, daas man trachten sollte, ein raisonnablen Frieden 
zu erlangen, und Franckreich zu dem Ende 7.U menagireo wäre, jedoch 
dergestalt, dass die Verbindlichkeit, so zwischen Ihr E. M. aurgerichtet, 
in ihrem vollen vigore verpleiben möchte, bis so lange ein jeder Tbeit 
seine raisonnable Intention erreichet, und also wol einer ohne den andero 
wol tractiren, von seinen Praetensionen remittiren, den Schloss aber 
ohne vergangener Communication des andern nicht machen möchte. 

Der Hr. Cantzler: Ihr Konigl. May. hielten ebenmässig dafür, diksa 
man auf beiderseits Conqnesten zu bestehen habe und dass man beider- 
seits seine Negotiationen dahin zu dirigiren hätte, auch Franckreich zu 
menagiren wäre, auch dass ein jeder Theil a parte tractiren and einer 
von seinen Praetensionen relachiren möchte, jedoch alles ohne prae- 
judicio foederum, und dass einer dem andern alles communicire and 
ohne den andern nichts schtieaae. Ihr Konigl. May. würden Ihr Churf. 
Drchl. alles getreulich communiciren, und vermuthet ein reciproqnes. 

Der Hr. Churf.: Wann Schweden nicht aus dem Reich pleüwn 
sollte, würden Ihr Eonigl. May. wie auch Ihr Churf. Drchl. keine trsn- 



i dorthin ohne ibreu [Taterg&ng nicht entratben könne. In dem iTeitei 
(d. 18./[2S.] November 1678) wird Kf. gebeten, bei Üelegenbeit der Zusammeiikiiofi 
mit dem Könige von Dänemark dahin zu wirken, dass das naturale commercium 
zwischen der Stadt und der Insel erbalten, keinem Fremden die Zufuhr dorthin ge- 
stattet, die Stadt wegen ihrer auf Rügen liegeoden, jetzt ganz ruiniereten Güler mit 
CoDtribuiion auf einige Zeit verschont, die Einwohner derselben, welche die ange- 
kündigte Contribution nicht zahlen könnten, nicht ausgetrieben, der Stadt die ZoU- 
freiheit im Sunde und ihre Privilegien am Eontor zu Bergen gelassen und ihr Zoll- 
freiheit für eine Quantität Kalk und Bauholz aus Gotbland gewährt werde. 

') Von der Hand des dänischen Staatsraths Biermann, zum Theil gedruckt ia 
Bobe, Slaegten Ahlefeldts Historie (Kjobenhavn 1897), Beilagen, S. 60 f. 

') Vgl. Ilirscb, Die Zusammenkunft des Grossen Kurfürsten mit dem Eöoigt 
Christian V. von Dänemark zu Doberan 4.-6. December 1678 (Forsch, zur brandcDb- 
u. preuss. Gesch- XIV) S. 69 ff. 



oyGooi^lc 



Coafema zu Doberaa. 363 

quill&m pacem, sondera sraiatam haben, dahero Ihr Churf. Drchl. noch 
zur Zeit gemeinet wären, nichts von Pommern abzutreten. 

Ihr Churf. Drchl. wären allerdings mit einig, dass die Hertzoge zu 
Brannscbweig-Luneburg und Munster zu beschicken und die ingre- 
dientia instructionis zu entwerfen seien, jedoch ein jeder apart, wiewol 
sonsten zugleich. 

Ingredientia instructionis : zu remonstriron, wie hochnothwendig eei, 
die Conquestcn zu conserviren, und wie gelährlich, die Schweden wieder 
in den Bremischen einnisten zu lassen, wie such dass noch gute Mittel 
wären, die Conquesten zu conaerviren. 

Ihr E. M. und I. Churf. Durchl. hatten gerne vernommen, dass die 
llertzogen bishero »ich hätten angelegen sein lassen, den BischofTen von 
Paderborn zu gewinnen und beizubehalten, und dass dem BischotTen 
anzuzeigen wäre, wie Ihr E. M. und Churf. Durchl. darüber einig wären, 
welches gleichfalls dem Keyser und sonsten zu erkennen zu geben wäre. 

Dass ein jeglicher nach Möglichkeit in gute Postur verpleiben möge. 

Wann die Schweden nicht über die Memmel giengen und also Ihr 
Churf. Drchl. nicht dero forces des Ortes vonnöthen hütten, so wollten 
sie [gegen] den Frantz[osen] ein ansehnliches Corps stellen, würden doch 
alles thuu, was deroselben miiglich sein würde. 

Ihr Chfl. Drchl. wären zu Überlassung einiger Völcker wol geneigt 
und hätten Ihr K. M. an dero Willen desfalls nicht zu zweifeln, ob es 
aber möglich, berufen die Herren Deputirte sich desfalls auf den Hrn. 
Feldmarschall Dörfflio, welcher darauf geantwortet, dass, wann es nur 
einigermassen thunlich wäre, er darzu gnugsam geneigt wäre und 
darzn contribuiren wollte. 

NB. Dehne Höeg wurd recommendiret, wie auch Hr. Dctieff 
von Ahlefeld. 

Einige Schiffe von Stolpen könnten ihre Fracht nicht bekommen. 

Hr. Feldmarschall Dorffling, nach dorne er abgetreten und Ihr 
Churf. Drchl. w^en der begehrten Assistantz referirt, hat wieder be- 
richtet, wie Ihr Churf. Drchl. gänzlich geneigt wären, so wahr als sie 
Gott erschaffen hätte, Ihr Eönigl. May. zu assistiren, sie möchten aber 
den jetzigen Znstand, da Ihr Churf. Drchl. in Preusseu und im Clevi- 
schen attaqniret würden, consideriren ; auf allen Fall aber wollten Sie 
Ihr Konigl. May. nicht lassen, wie es auch geschehen möchte. 

Wegen des hamburgisches Couvoyers, des Vormittag gedacht worden, 
iat ferne angehalten worden, dass Ihr Königl. May. dero Kri^sschiffen 



oyGooi^lc 



3G4 ni- Brandenburg und Diaem&rk 1676—1679. 

auf der Elbe Ordre geben möchte, conjunctim mit den Churf. Fregatten 
es aozahalten. Item dass ratione der Stadt Stralsund auf Rügen alles 
in antiquo statu bleiben möchte. Freiheit für die Stralsunder, Kslk von 
Gottland zu ihren Gebauen zu holen. 

Wie auch dass sie die Zollfreiheit im Sundt geniessen mögen. 

Dass der Scheut bei Nacht de Witte die Abschrift des königl 
original Passes für die Eönigsm, Trouppeu vidimiren soll. 

Interccssion für den Hertzogen von Glacksburg. 

Fass für des abgelebten Feldherrn Wrangeis Leiche und des^o 
Verlassenschaft. 

Ein Pass für die Grafen Königsmarck, zu Lande nach Schweden 
zu reisen, für ihnen und einige Personen. 



Chr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Wismai- 
28. November/[8. December] 1678. 

[v. Ledebur'a iDstruktioa. Pass für die EönigsmarckscbeD Truppen.] 

Der König') hat ihm befohlen, dem Kf. aufs höchste für die za Dob«ran 
erwiesene Ehre, Freundschaft und Affectioe za danken und daran za erinaciD. 
daes Ledebur's Instruktion''} geändert und nur im allgemeinen, ohne der Ope- 
rationen in Prenasen zu gedenken, gesetzt werde, dass Kf. nach Susserstei Höf- 
lichkeit zu den Operationen am Rhein coucurrieren wolle, sonst würde dss Uiu! 
Braunschweig wanken und auf einen Particulierfrieden gedenken. Der Kamla 
hat ihm gesagt, der König verlange dieses am so mehr, da heute aas Wien &i 
Nachricht eingetroffen sei, dass es mit dem Frieden zwischen dem Kaiser imil 
Fiaukreich noch nicht richtig wäre, dass vielmehr der Kaiser einiges, was sein 
Gesandter zu Nimwegen gethan, desavouiert hätte. 

Die Ordre') wegen Vidimierung des königl. Passes für die KÖnigsmartk- 
schen Truppen hat er dem Trompeter des Kf. mitgegeben ucd dabei an RaoU 

') König Christian selbst dankt in eiuem Schreiben (d. Wismar 37. No- 
Tember/[7. December] 167S) dem Kf. für die ihm bei der EnlreTue entksene 
AOection und Civililät und zeigt ihm an, daas er Scheel nieder zu ihm laiäA- 

*) 8. über die damalige Sendung desselben zu den Berzogen tod. Rrann* 
schweig Pufendorf 1. XVI, g 87 (S. 1262 f.). 

>) In einem zweiten Schreiben aus Wismar vom 27. November/7. Deceml)«[ 
sagt König Christian ku, dass die von Kf. mit einem Paais nach Schweden p- 
sandte Galliota freigelassen werde, und kündigt an, dass Scheel die Ordre an seinen 
Viceadmiral, welche zu Doberan wegen seines schleunigen Aufbruches nicht habe 



oyGooi^lc 



SenduQg t. Ledsbur's. Schiffbruch bei Bornholni. 365 

geschriebcD , demselben auch die Antwort des Königs an Kf. wegen der za 
Kopenhagen aufgebrachten Bchwedischen Piloten geschickt. Der E5nig bat ver- 
äprochen, dieselben, sobald er in Kopenhagen angelangt, zu relachieren. Für 
Graf Konigsmarck aber hat er trotz inständiger Bemübnngen keinen Pass er- 
halten köiiDen. Der Eonig bat, Kf. raochto doch considerieren, wie geßhrlicb 
es für ihn wSre, einen selchen vornehmen nnd veiscblagenen schwedischen Rriegs- 
officier durch seine Lande, in denen viele üebelietentiomerte wSren, geben zu 
lassen. Für des Feldberrn Wrangel's Leiche und seine ganze Verlassenschaft 
aber hat er einen Pass erhalten. 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 

4./[14.] December 1678. 

[Schiffbruch bei Bomholm.] 

Nachdem Christoph t. Brandt vor vier Tagen hier angelangt ist, haben 14. Dec. 
sie l>eide sich wegen eines anderweitigen EÖnigl. Passes für dio auf Usedom 
noch z Drückgebliebenen schwedischen Tmppen und wegen Erlassang der 
schwedischen Piloten bemfibt, haben auch vom Könige günstige Zusicherungen 
deswegen erbalten. 

Von den Schiffen, welche die Stralsundische und Orelfswaldische Garnisonen 
Dach Schweden überbringen sollten, sind 22 bei Bomholm') in der N^cht vom 
4. zum 5. hei dickem Seh nee wetter and Sturm, der sie von dem Cura nach 
Calmarsund abgetrieben, gestrandet, 14 Compagnieen (c. 1000—1200 Mann) sind 
ertranken, die übrigen 3000 hat der Gouverneur von Bornholm salvieren lassen 
and verhindert, dass sie von den Einwohnern der Insel erschlagen worden, es 
werden aber, zumal da schon vorher die rothe Rohr unter ihnen geherrscht, 
wohl wenige von ihnen leben bleiben. Von des Kf. Fregatten ist die grösste 
gesanken und nicht eine Seele davon gerettet worden. 

anterscbrieben werden können, mitbringen werde. Ef. beklagt sich aber in einem 
Schreiben an den Eönig vom S./IS- December, dass Viceadmiral Witte neue 
SchKierigkeilen wegen Ueberführang der Truppen Königsmarck's und der Greife- 
«alder Garnison nach Schweden erhebe. 

I) S. Diar. Europ. XXXIX, S. 326 ff. 



oyGooi^lc 



366 ni. BrandeDburg und DJtnemftrk 1676—1679. 

Chr. V. Brandt an den Kurfürsten. J). Kopenhagen 

28. December 1678/[7. Januar 1679.] 

[Beschwerde des Küniga über die Sendung Meinders'. Fried eusbedinguDgeD, velcht 

der König Btelleu will.] 

Der Künig hat sie vorgestern zu sich rufen lassen und ihnen angezeigt, er 
hätte Nachricht, dass Kf. Meinders') mit seinen nltimatis nach Kim wegen ab- 
gefertigt und ihm auch Ordre ertheilt hätte, damit nach Paris zu gehen, duoli 
würde Kf. dort schwerlich seine Rechnung finden, er hoffte, derselbe würde der 
Dohcranischen Abrede und vertraulichen Correspondeuz zwischen ihnen beiden 
gemäss ihm nicht vorenthalten, wenn er einen endlichen und unumstSssllchen 
Entschluss der Friedenshedingungen halber gefasst hätte, er selbst bitte sich 
Jetzt resolviert und es in Nimwegen und im Haag vorzutragen befohlen, d>ss 
er mit den wirklichen in diesem Krieg gemachten Conquesten oder mit einem 
Austausch derselben gegen andere Gebiete zufrieden sein wolle, er hoffte larh, 
in dieser Campi^ne dem Feinde noch etwas abzunehmen and so desto leichter 
zu seinem Zweck zu gelangen. Sollten sich aber dabei unüberwindliche Schwierig- 
keiten bervorthun und er dann noch mehr nachlassen, so werde er nicht n- 
mangeln, dieses dem Kf. zu rechter Zeit wissen zu lassen. Sie haben erwideit 
dass sie zwar von Me Inders' Sendung, aber nicht von dessen Anftrigen nnt«t- 
richtet seien, dass sie aber nicht glauben könnten, dass Ef., zumal da er den 
Ausgang in Preussen werde abwarten wollen, der Frieden sbedingangen halber 
schon einen festen Entschluss gefasst hätte-') 



König Christian V. an den KurfÖrsten. D. Copenhagen 

l./[ll.] Februar 1679- 

[Glückwunsch la den Erfolgen in Preussen. Gelafarliche Lage der Dinge. BiUe um 

baldige Zurückkunft.] 

11. Febr. Glückwunsch zu den Erfolgen in Preussen.') 

Gleich uns nun dieser glückliclic AnfaDg die gute Hoffnung macliei, 



') S. unten Abschn, V und VI. 

ä) Kf. erwidert darauf (d. Non-Stellin T-/[i7.] Januar IG79), er habe dea 
Könige von Meinders' Sendung und dasa dessen eigentliche Negotiation in Er- 
haltung der Nentraliiät für die clevisclien Lande bestehe, zu rechter Zeit KKchrkhl 
gegeben, sie sollten demselben versichern, dass er der zu Doberan genommenen An- 
rede gemäss ihm von allem, was passieren nerde, Part geben wollte, dass er ibtr 
vorläufig sich noch nicht über die Conditjonen, auf denen man unab&nderlicb >i 
besteben habe, entschliessen könnte, dabei würde auch der Ausgang der Dinge ii 
Preussen zu berücksichtigen sein. 

') Die V. Brandt berichten 28. Janwar/7. Februar 1679, des Kf. glorien« 
Progressen In Preussen, die sie dem Könige aus der ihnen zugesandten BtUii^ 



oyGooi^lc 



Sendung UeJoders. H&haung des Köoigs zur Festigkeil. 367 



dass Ew. Dchl. und Ld. den Foind der Orten, wo nicht gänzlich i 
deanocli von dero Landen abtreiben and mithin dei^estalt schwächen 
werden, daas Sie in Preussen sich keiner sonderbaren weitern Gefahr 
so bald von ihme zu besorgen haben werden, noch dero G^enwart da- 
selbaten weiter nöthig sein wird, also wünschen wir solches umb so viel 
mehr, weiln der Allürten Sachen hieraussen sich je länger je gefährlicher 
anlassen und nunmehr in solchem Znstand befinden, dass dieselbe nicht 
wohl änderst als durch Ew. Dchl, und Ld. und dero meisten mitge- 
nommenen Völker schleunige Zurückkuoft aufrecht erhalten werden 
können, zumahln die Kayserl. Gesandtschaft zu Nimwegen in ihrer 
Negotiation mit der französischen eifrig fortfahret und zum Schluss eilet, 
und da derselbe erfolgen, auch die französischen Waffen am Unterrhein 
sich moviren und in dem Westphälischen Kreis einbrechen sollten, zu 
befürchten stehet, dass sowohl der Bischof von Münster als die 
Ilertzogen zu Lüneburg (welche letztere sonsten noch eine ziembliche 
fcrmete temolgniren) den Muth sinken lassen und mit dem Gegenthoil 
sich gleichfalls quovia modo zu accomodiren suchen dürfen.') — 



dM Geh. Sekretira Fuchs (s. oben S. 84 f.) vorgelesoD, hätten bei diesem und der 
Küaigia solche Freude erregt, dtss man selbst aaf die schlimme Zeitung, dass der 
Friede des Kaisers mit Frankreich so gut wie richtig sei, nicht gross geachtet habe. 
— Den Bericht des Kt, an den König über den Verlauf des Feldzuges in Preussen 
tom 24. Januar/3. Februar 1679 s. oben S. 91 ff. 

I) König Christian erneuert (d. Kopenhagen 4./[14.] Februar 1679) unter 
Hinweis auf den Fried ensschluas des Kaisers die Bitte um schleunige Rückkehr und 
ermahnt Kf., such Münster und die biauaschweigischen Herzoge zur Beständigkeit 
auiufrischen nnd sie dazu seiner Rückkehr und Assistenz zu versichern; er selbst 
wolle alles, was in seinem Vermögen sei, beitragen und den Alliierten mit einem 
'onsidcrsblen Corpo zu Hülfe kommen. Kf. verneist in seiner Antwort (d. Königs- 
berg 34. Febmar/ß. März 1679} auf die. seinen an jene Fürsten abgeschickten Ge- 
sandten (v. Ledebur, v. Busche und Gl andorff, s. Pufendorf 1. XVII, §40,41 
S. 1321 ff.) ertheilteu Instruktionen. Auch in einem Schreiben vom '2b. Februar/ 
7. IfSri spricht König Christian die Hoffnung aus, dass, obwohl auch Münster und 
Lüneburg im Werke begriffen seien, einen Separatfrieden zu schliessen, sie beide, 
Kenn sie Einigkeit und Festigkeit verspüren Hessen, von Frankreich einen billigen 
Frieden erlangen würden. 



j,Goo>^le 



tu. BrandeabuTg und Dänemarii 1676—1679. 



Chr. und Fr. v. Brandt an den KurfÖrsten. D. Kopenh^n 
15./25. Februar 1679. 

[Bntscbluss des Küniga tu einer Sendung n&ch Frankreicb.] 

ä5. Febr. Der König hat ihnen anzeigen lassen, dass er entschlossen sei '), aaeh je- 

mand nach Frankreich zu senden, und dass Detlef v. Ahlefeldt*) Befehl er- 
halten, dem Kf. dieses milzutheilen und die Gründe dazu voraostelien. Her 
Grosskanzler hat ihnen gesagt, dem Könige sei schon vor einigen Monaten von 
Frankreich zn einer solchen Schickung Anlass gegeben worden, er hätte sirh 
aber damals, um den Alliierten keine Ombrage zu geben, dazu nicht vetstebcn 
wollen. Nachdem aber Kf. Meinders dahin geschickt, der Kaiser Friedeo 
gemacht und Hünster nebst Lüneburg wackelten, müsste er auch nolb- 
wendig jemand an den fianzüsischen Hof schicken, sonst möchte man es durt 
für eine Verachtung aufnehraeu und dieser Krone ganz zuwider sein, der dort- 
hin zu sendende Hinister sollte Befehl erhalten, mit Meinders alles de concett 



Der Kurfürst an die Gebrüder v. Brandt. D. Königsberg 

4./14. März 1679. (Conc. F. v. Jena.) 

[Zustimmung zu der dänischen Sendung naeh Frankreich. Stand seiner darligrn 
Verhandlungen. Rückkehr nach der Uark.) 

!. Das Haus Brannschweig hat auch mit Schweden geschlossen.') 

Bei 80 bewandten Dingen uuu stehen I. Kön. M. und wir von allen 
nnsern Alliirteii verlassen und alleine und haben daher» Ursach, mit 
desto utehrern beHtändigen Circumspection unser Interesse zu beobachten, 
und woil wir sowohl aus Euren unterthänigsten Bericht als des von 
Alefeld's Anzeige vernehmen, dass I. Kön. M. Willens, jemands nacher 
Paris zu schicken, und dass derselbige mit nnserm sich alda aufhaltenden 
Geheimen Rath Meinders nicht nur vertraulich communiciren, sondern 
auch mit demselbigen zugleich negotiiren soll, so ist uns solches nicbi 
nur lieb und angenehm, soodern wir wollen auch unserm Meinders 

') S. Goecke, Brandenburgiach-däniscbe Bexiebungen nach dem NjmTegencr 
Frieden <Zeitschr. f. preusa. Gescb. XVI), S. 152 ff. 

^ S. über dessen (iamalige Sendung zu Kf. nach Königsberg Bob^ in derVor- 
rede zu Ählefeldt's Memoiren (dänische Ausg. S. V, deutsche Ausg. S. IX). 

') Am 5. Februar war in Celle der Friede zwischen den brauusehweigiscki 
Herzogen und Frankreich abgeschlossen worden, s. Mignet IV, S. 697. 



oyGooi^lc 



D&niache Sendung nach Frankretcb. 369 

deshalb gehörigea Befehl zukommeD Issseo, gestalt dann I. M. sich wohl 
erlQiiPm werden, dasa wir dazumal sofort, als wir unsern Meinders da- 
hin geschicket, vod L Köd. M. verDehmen lassen, ob Ihr nicht gcfatleo 
möchte, dergleichen zu thua. Wie bekannt, so haben wir keine andere 
Ursache gehabt, diese Abscbickung zu thun, als die Neutralität vor unsere 
WeatphÜlische Landen und dann was wir conquestiret zu erhalten, wie 
hart man sich aber dagegen bezeuget, das ist bekannt, und werden es 
I. Kön. M. sonder Zweifel noch weiter erfahren. Wir haben uns nuhmer 
im Namen Gottes resolviret, wann der Allerhöchste keine Hinderung ver- 
hänget, auf den 13. oder 23. dieses uns hinwiedenimb von hinnen nach 
Unsere Cubr Marck Brandenburg zu hieben, unsere Armee aber alhier 
noch etwas ausruhen und zu rechter Zeit folgen zu lassen, inmassen wir 
dann nicht nur unsere Regimenter recruitiren und mit mehrern Com- 
pagnien verstärken, sondern auch neue Werbungen anstellen, dass wir 
mit Gottes Hülfe hoffen, mit einer guten und exercirten Armee von 
201XR) Mann zu Feld zu gehen und alhier in unserem Herzogthumb 
über dem noch etzliche tausend Mann zu hinterlassen, welches alles Ihr 
I. Kön. M. gebührend anzuzeigen. — 



Chr. und Fr. v. Brandt an den KurfQrsten. D. Kopenhagen 
15./[25.] März 1679. 

[ßesorgniss vor Separatverhaadluiigen Dlaeraarka mit Frankreicb. Kriegsrüstungen.] 

Sie haben sich auf das äusserate bemüht, die Ombrage, welche man hier 35. MSrz. 
wegen Meinders' Negotiation am französischen Hofe hat, wegzuheben. Wenn 
man aber auch bisweilen so tbut, als glaubte man ihnen, so blickt doch der 
Argwohn immer wieder hervor und ist den Ministern nicht auszureden, Meinders 
habe schon bis anf Stettin reloschicrt, dem sie aber haatement widersprochen 
nnd dem Könige selbst VoTgeat«llt haben, dass billig mehr dorn Kurfürsten und 
dessen Ministern als dem, was die Franzosen, um den KSnig und denselben zu 
separieren, vorgeben, zu trauen sei. Der König setzt ein grosses Vertrauen auf 
Kf and will durchaus nichts davon hören, dass er von seinen Conqueaten etwas 
wiederabtreten solle, da man aber nicht wissen kann, was der eine oder andere 
von den Ministern ihm einreden und endlich per majora geschlossen werden 
möchte, so bemühen sie sich, zu erforschen, ob man hier auch insgeheim unter 
dor Hand die Fried ensconditionen mit Frankreich zu adjustieren suche. Der 
König bat gegen sie und andere crwShnt, er hätte auf der französischen Ge- 
sandten zu Nimwegen hochmüthige nnd bedrohliclie Declaration sich entschlossen, 

Malor. z. Gesch. d. (i. Korfclremn, XVIll. 24 



oyGooi^lc 



370 in. BrttndeDburg und D&nemark 1676—1679. 

Dicht nach Frankreich za schicken, sie vernehmen aber, die rechte Ursache da 
von sei, dass der König von Frankreich sich geweigert, dem dänischen MiDLstei 
einen Pass zu ertheilen, und mau halte noch darum an. Sonst giebt ihncD 
dieses etwas Ombrage, dass Grafenthal') Erlanbniss erhalten hat, hierdurch 
zum Könige von Schweden zu reisen. Sie werden au^assen, ob man hier mit 
ihm conferieren wird. 

Die Kriegspr^paratorien sind hier zu Lande und zu Wasser sehr gross ond 
sollen ehestens einige Truppen nach Holstein gehen. Güldeiilöw hat mit 
GOOO Haiin einen verheerenden Einfall io Schonen gemacht. 



Chr. und Fr. v. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenlia;:e!i 
18./[28.] März 1679. 

[Auf das Recript vom 4./14. Man. Oünstige Erklärungen des Königs.] 

I. Häri:. Der König hat ihnen gesagt, er freue sich sehr, dass Kf. eine so stattliche 

Armee zu Felde führen wolle, und hoffe, derselbe werde trotz der ihm von 
Alefeldt gemeldeten UnpSsslichkeit') seine Reise nach Berlin fortsetzen können. 
Er sei auch entschlossen, in ganz kurzem nach Holstein sich zu begeben, am 
dem Kf. desto näher zu sein, und seine Truppen sollten ihm möglichst bald 
folgen. "Wetin ihre beiden Völker znsammenk&men, würde sich mit Gottes Hülfi' 
alles wohl geben, eine Armee von 30 000 Mann könnte sich schon Respe« 
machen und würde der lüneburgische Frieden dagegen nichts macbeo. Betreffend 
die Schickung nach Frankreich, eo hatte er keinen Pass kriegen können, et 
wollte auch, dass keiner käme; wenn der König von Frankreich aber einen 
schickte, so werde er sieb bedenken und Kf. seine Resolution wissen lassen- 
Wenn Meinders schon von Paris weg wäre, möchte Kf. ihn ja weg lassen 
und das Friedeiisnegotium zu Nimwegen treiben, zumal er selbst begriffen haben 
würde, wie sehr er sich durch seine Abschickung präjudiciert hätte; im flbrigi'" 
hoffte er, Kf. werde auf sein eigenhändiges Schreiben antworten und sich noch 
etwas näher herauslassen, namentlich ob er mit ihm conjunctim den Frieden 
tractieren und so lange die Waffen nebst ihm fuhren wollte, bis die boiden 
hochtrabenden Kronen raison nah leren Kauf geben. Die Uinister baben alle» 
obige wiederholt und nur noch hinzugefügt, da das neue Parlament io F.nglaift 
gute Hoffnung gebe, mdsste man nicht mit Frankreich handeln, sondern sieb 
an die englische Mediation halten.') 

■) S. oben S. 207. 

>} S. darüber v. Buch's Tagebuch 11, S. 156 ff. 

*) Am 25. März melden sie, der König gedenke am 31. nach Holstein ibm- 
reisen, er wünsche Leh ndorf in seinem Dienst zu behalten und habe ihm die biesicr 
Commandanlens teile angelrngcn, derselbe habe aber, die Pflicht und Dankbartril 



oyGooi^lc 



Sendung Ueiercroii*a nach Paris. 371 

Chi'. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Rensburg 
7./[17.] April 1679. 

[Auf d&8 Rescript lom 80. MIrt. Anzeige des Königs von der Sendung Heietcrou's 
Dftch Paris.] 

Rr hst das Avocationsschreiben dem Könige flbei^eben, auf dessen Wnnsch 17. April. 
wird er aber noch einige Tage hierbleiben, um mit den Ministem zu conferieren 
Dnd die eigentliche Ursache der Herauskunft des K5nig3 zu ei^ründen.') 

Der König hat ihm gesagt,, dass er, da') der französische Pass för Meier- 
erohn angekommen, nun nicht umhin könnte, denselben nach Paris zu schicken, 
er beabsichtige aber gar nicht, die Tractaten von Nimwegen wegzuziehen, son- 
dern dieselben zu facilitieren und womöglich den König von Frankreich zu dis- 
ponieren, sich Schwedens nicht so fierement anzunehmen. Er wünschte, 
Mcinders wäre noch in Paris, damit beide dort de concert agieren könnten, 
erbot sich, sonst seinen Hinister zu beauftragen, für des Kf. Interesse zu vi^lieren. 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. Potstam 
11. /2l. April 1679. 

[Die Sendung Ueiercron's nach Paris. Warnung vor Separatverhandlungen.] 

Ich habe sogleich vernommen, dasa Ew. Königl. May. nach er- 31. April, 
baheoem französischen Pass dero Ministrum Meyercrooa nachet Paris 
geschicket haben. Nun lebe ich zwar der Zuversicht, Ew. Eönigl, May. 
werden dadurch einige particulier-Tractaten zu tiefTen ebensowenig in- 
tendiren, als ich bei Abschickunge meines Geh. Rathes Meinders mir 
solchos im Sinne genommen. Nichtes dest« weniger, weil ich von 
sicherer Hand die Nachricht erhalten, daas Franckreich auf Instigation 

gegen Ef. vorscbützend, abgelehnt und werde nach Berlin kommen. Daraufhin er- 
geht (d. Cöln a. d. Spree 30. Mänt/9. Aprii 1679) an Chr. i. Brandt der Befehl, 
vom Könige Abschied lu nehmen und sich zu mündlicher Berichterstattung nach 
Berlin la begeben. 

■) Kf. befiehh Chr. v. Brandt (d. PoUdam U./24. April 1GT9), das, was der 
König ihm auftragen neide, schriftlich aufzusetzen und ihm zuzuschicken, sich selbst 
aber gerades Weges auf seine Güter zu begeben, dort bis auf fernere Ordre zu 
bleiben und sich aller Verrichtungen zu entlislten, am 19./29. April aber befiehlt er 
ihm, dem Wunsche des Königs gemäss vorläufig dort zu bleiben oder, falls er schon 
abgereist sein sollte, nieder zu dem Könige zurückzukehren. 

>) S. oben S„370. 

24* 



oyGooi^lc 



372 III- Brandenburg umd D&D«mwk 1676—1679. 

der CroDO SchwcdeD Dichtes mehr verlange, als unser beider iDtere&<e 
zu separiten und durch Schliessuage particulier-Tractaten der Schweden 
Bestes und unser beiden Nachtheil zu aucheu, so kann nicht rnubhio, 
Ew. Köoigl. May. dessen wohlmeinend zu erinneren und dabei dieselbe 
zu versicheren, dass ich so einen festen Staat auf die mit Ew. RöniRl 
May. getrolTenen Alliancen und insonderheit auf Dero Königl. parolc 
und die mir noch neulich sowohl durch Dero eigenhändige Röuigi 
Schreiben als Dero Ministrum den von Alefeld gegebene contestatiooe? 
mache, dass mirs unmöglich zu sein deucht, dass Ew. Königl. Kfay. 
durch einige scheinbare Advautagen sich von mir abziehen lassen sollten, 
in mehrer Betrachtunge, dass ich dergleichen so viellältig angeschlagen, 
umb nicht von Ew. Königl. May. getrennet zu werden, und dass endlich 
wir beiderseits nimmer so grossen Vortbel nach unserer Trennunge 
haben werden, als wir aus einer einmüthigen Zosammenhaltunge be- 
haupten können. Ich ersuche demnach Ew. Königl. May., mir in Ver- 
trauen zu eröffnen, was besageter dero Ministre Meyercroon in in- 
atructione habe, gleich auch ich zue Dobran bei vorhabender Schicknnge 
meines erwähnten Geheimbten Ratbes Meinders gethan, und altes da- 
hin zu dirigiren, dass durch einige gegebene Jalousie die unter un$ .'« 
hochnöthige Harmonie und Einigkeit im geringsten keinen Abbrach 
leiden möge.') — 



Chr. V. Brandt an den EurfQräten. D. Glöckstadt 
19./[29.] April 1679. 

[VerabBchiedung vom Könige. Rechtfertigung der SenJung Heiercroo'» nach Piris.] 

I- Nachdem er die Bewilligung des Passes fQr die in Pommern noch stehende 

KöDigsmarckscbe Cavallerie erbalten, hat er das weitere dem Jagdjanker 
Weissenfeis und seinem Bruder überlassen uod sich vom Könige venibsrhieJct. 
Derselbe befahl ihm nur, den Kf. seiner getreaen Affcction, Beständigkeit nnd di» 
er nichts thun werde, was gegen das hergebrachte Vertrauen, die Dobraniscbe 
Abrede und die mit Kf. aufgerichteten foedera liefe, zu veTsichern. Der CKaniler 
hat ihm mitgetheilt, der König verwundere sich sehr, dass Kf. von HeyeT- 
crohn's Sendung nach Frankreich so grosse Ombrage schöpfe, der König 

<) Kf. zeigt (d. Potsdam I9./ä9. April 1679) dem Königs von Diiiem*^ »- 
ditss er, um alter Welt seine Friedensliebe lu bezeugen und da der König Ucjer- 
Crohn nach Paris geschickt habe, Ueindcrs wiederum zuerst nach Nimw^eu aixl 
von dort „noch Veranlassung der Zeiten" neiter nach Paria zu schicken bescblosseo bsM- 



oyGooi^lc 



Ärgvobn d«s Eurfärsten wegen der Sendung Heiercron's. 373 

werde auf dca Ef. Schreiben antwortea ') und ihm alle Scrnpel benehmeD. Kf. 
möchte Dur considerieren den grossen Hass Schwedens gegen DSnemarck, welcher 
dem Könige genügsame Ursache gebe, bei Frankreich ÄCFection zu suchen und 
dadurch einigermassen zum raisonuablea Frieden zu gelangen, nnd was fär 
aigrenr es bd Frankreich erregen würde, wenn Meyercrohn, nachdem der 
Pass für ihn angekommen, nicht dorthin geschickt werden sollte. Auch der 
G.KaDzIer that hohe Versicherung, dass der König dem Dobranischen Vergleich 
und der dortigen Abrede allerdings nachleben nnd auch dem Kf. von allem, was 
Mcyercrohn in Frankreich verrichten nnd erhalten würde, Part geben werde. 



Der KurfQi-st an die Gebrüder v. Brandt. D. Potstam 
25. Apra/5. Mai 1679. 

[Vorschlag der Abtretung Oldenburgs au Schweden durvb Dineniark und Ent 
Schädigung des letzteren durch einen Theil von Vorpommern.] 

Dennacb wir wohl absehen, dass bei jetzigem Zustande alle Con- 5. Hai. 
i{ueten oomöglich zu behaupten sein, und wir aber sowohl unserer als 
I. May. Sicherheit halber besser gehalten, etwas andres an Schweden zu 
cedireu, als dieselbe wieder in Pommern eiunistelD zu lassen, so seind 
wir*) auf 2 Vorschläge bedacht gewesen, welche wir Euch In höchster 
Geheimb hiemit eröffnen wollen, als erstlich entweder an Schweden die 
Westseite Rheins von unserem Hertzogthumb Cleve zu cedireo, oder, 
wann solches nicht gehen wollte, dass alsdann I. May. denenselben 
OJdenburgk nnd Delmenhorst cedirete und wir Ihrer May. hinwiederumb 
davor die Stadt Stralsund nebst Zubehör, den Barthischen Winkel und 
was noch mehr, umh ein billiges Aequivalent zu machen, hinzue geleget 
werden möchte, einraumeten, weil wir viele lieber Ihre May. als der 
Schweden Nachbarschaft haben wollten. Weil nun diese Proposition 
ohne Ihrer May. Vorwissen und Consens keinen Effect haben kann, so 
habet Ihr zuerst als von Euch selbst entweder an den König oder an 
den Gross Cauzler, wie Ihr es am besten finden werdet, davon vertrauete 
Erwähnnng zu thun und selbige mit guten raisons und Oründen zu 

') Dieses geschieht in einem Schreiben Künig Christian's yom 21. April/ 
1. Mai 1679, in welchem er unter Bezugnahme auf die au v. Brandt gemachten 
Erüffnungen die Sendung Uejercrou's nach Paris rechtfertigt Vgl. Pufendorf 
1. IVII, § 86 (S, 1365). 

') S. das Sescripl an Heiuders von demselben Datum unten Abschn. V. 



oyGooi^lc 



374 HI. Brandenburg uad D&nemsrk 1676—1679. 

appuyreu. — Wann Ihr nun vermerket, dass man darnach zu hören 
und desfalla zu tractireD Lust hat, habet Ihr anzuzeigen, dass Ihr der- 
gleichen Anwurf aaf unsere Ordre gethan, auch deafalls sofort dea 
Tractat anzutreten. Sollte man es aber pure verwerfen und ganz nichtes 
davoa hören wollen, habet Ihr damit anzustehen und zu erwähnen, dtss 
Ihr es nur vor Euch gethan. Von beiderlei evenemeut aber, es werde 
was daraus oder nicht, habet Ihr unaern Geh. Rath Meinders sofort 
und ohne einzigen Verzug zu informiren, damit er sich in seiner Ne- 
gutiation darnach achten könne.') — 



Der Kurfürst an den König von Dänemark. D. Potstaiu 
1./11. Mai 1679. 

[Uabergabe von Wesel und Lippstndt. Vertbeidigungeans lallen an der Weser und 

Elbe.] 

II. Mai. Anzeige, dass er') Wesel und Lippstadt dem Könige von Frankt^ich auf 

eine bestimmte Zeit eingetSumt, und dass der Waffenstillstand daranf auf 
14 Tage prorogiert worden, und Mittheilung des darüber abgeschlossenen \'fr- 
glciches. Er bofft, dass der König bei seinem Voihaben, ein ansehnlicbes 
Corpo in Holstein zu formieren, beharren und es ehestens za Werke richten 
werde. Er wird seine Sachen so anstellen, dass er sowohl an der Weser als 
anch an der Elbe den gemeinsamen Feinden den Kopf wird bieten können, 
wenn kein raisonnabler Frieden zu erhalten sein sollte.') 

') Unter demselben Datum zeigt Kf. ibnen an, er liabe soeben erfahren, du> 
die Franzosen während des WalTensli Iistandes den Rbein überscbritCen (s. oben S. W^,- 
gegen seine Lande alle vigueur gebmuchten, und verlangten, er solle den Schveii'u 
alles, was er ihnen abgeuomiuen, restituieren. Da dieses jedenfalls mit ein £ffHt 
von Uejercrohn's Aliscbickuug sei, so sollten sie dem Künige die InconTenienticn 
eines Particulartractats YarsEellen und ihn um unverbröcblicbe Observation seiner 
Parole und der AUiancen ersuclien. 

>) S. oben 8. 104. 

•) König Christian ern-idert darauf (d. Copenhagen I0./[20.] Hai 1679), *r 
habe schon einige Regimenter z. Pf. nai'h Holstein geschickt, werde den ResI dahin 
folgen lassen. Er a«i erfreut, dass Kf. dem Feinde an der Weser und Elbe den 
Kopf bieten wolle, er bittet um Uittheilung, wie bald, wie stark und wo Kf. sieb dort 
setzen wolle. 



oyGooi^lc 



Die Uebergabe iod Wesel und LippsUdt 375 

Chr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
l0./[20.] Mai 1679. 

[BeuDruhigung des dünischen Hofe» durch die Uebergabe von Wesel und Lippstadt. 
Rcchtferligung derselben. Tausch von Oldenburg und Stralsund. Scbwedischar Vor- 
schlag wegeu Friedenaunterbandlungen in Schonen.] 

Obwohl anterwegs') durch Unpässltchkeit aufgehalten, ist er doch am S. ^ 
uur wenige Stunden nach dem Grosskauzler bei dem Könige zu Helsenoer an- 
gelangt Er wollte darauf sogleich den Vorschlag wegen des Umsatzes von 
Stralsand nnd Zubehör gegen Oldenburg und Delmenhorst machen, fand aber 
den ganzen Hof wegen der Uebergabe von Wesel und Lippstadt an die Fran- 
zosen so perplex und allarmiert, dass er sich erst bemühen musste, dem Könige 
und den Ministern die darob gefasste Jalousie zu benehmen. Der König selber, 
der doch seine soup^ons mehrentheils verhehlt, fragte ihn, ob Kf, schon mit 
seinem Frieden fertig wäre, nnd alle Minister sagten hantement, der König 
könnte nicht anders glauben, als dass der Frieden des Ef. schon gemacht wäre, 
denn so stattliche Festangen nnd zugleich die Profinzen ,' in denen sie liegen, 
dem Feinde bloss eines vierzehntl^igen Waffenstillstands wegen hinzugeben, 
wäre garnicht zu praesumieren , jedenfalls zöge diese unTcnnuthete Resolution 
viele Inconvenientien nach sich, namentlich würde Schweden dadurch noch 
trotziger werden. Er hat anfangs nur zugehört, um aus dem Grunde zu ver- 
aebmen, wie weit die gefasste Jalousie ginge, dann bat er beklagt, dass man 
aaf Kf. so schlechtes Vertrauen setzte, und versichert, von dem Äbschluss des 
Friedens sei es nach so weit, dass Kf. Meinders nicht einmal die Friedens- 
bedingnngen mitgegeben hätte, sondern erst von dem Könige vernehmen wollte, 
was man endlich für conditiones begehren wollte. Scliliessüch hat er dem 
Könige und den Ministern vorgestellt, Kf. hätte diese Resolution im Kriegsrath 
gefasst und für rathsamer erachtet, dem Feinde die Festungen so einzuräumen, 
um dadurch etwas Zeit zu gewinnen, als, da dieselben in Abwesenheit seiner 
Armee doch nicht hätten mainteniert werden können, die dort befindliche Mann- 
schaft, Geschütz und Munition zu verlieren und Frankreich Änlass zu geben, 
wenn es solche Städte par force genommen, sie nachher Jure belli zu praeten- 
dieren. Diese raisons haben so viel gewirkt, dass man sich zufrieden gegeben 
liat. Am Abend hat er dann dem Könige und dem Orasskanzler den Vorschlag 
vegcQ des Tausches von Stralsund nnd Oldenburg gemacht und auch heute 
weiter darüber negotüert. Der König sagte, er wollte darüber nachdenken, dem 

<) Chr. V. Brandt halte sich wirklich dem ßescript des Kf. vom 14./24. April 
nifolge (s. oben S. 371] von dem Küuige verabscbiedet und war nach Hamburg ge- 
reist, hier empfing er das Rescript vom 19./'29. April (s. eben S. 372) und reiste 
ilarauF sofort, wie er (d. Hamburg 35. April/5. Mai IBIS) ankündigt, dem inzwischen 
nadi Kopenhagen aufgebrochenen Könige nach. 



j,Goo>^le 



376 lll- Braudaaburg und DäaBtuark 1676—1679. 

Grosskanzler aber gefiel der Vorschlag überaus und er forderte ihn aa(, d<s- 
wegeD ein Memorial einzugeben, was er auch thuD witd. 

PS. Der König hat ihm insgeheim eröffnen lassen, dass vor wenig Tagen 
Feuquieres hieber habe wissen lassen'), man sei scbwedischeTseits gcneigL 
in Schonen wegen des Friedens zu unterhandeln, der ESnig sei anch nicht Bü- 
ge neigt daza. 



Chr. und Fr. v. Brandt an den KiirfiU'sten. D. Kopenhagen 

17./[27.] Mai 1679. 
[Verdächtige Aeu&seniDgen der dänischen Minister. Truppen Sendung nach Holsttin] 

37. Uai. Sie wissen nicht, was sie von dem dSniscben Friedensnegotio orthelleD 

sollen, denn nicht nnr die vothabcnde schonische Conferenz macht ihnen vm- 
brage, sondern auch, dass der K. Sächsische Envoye v. Gersdorff) hier aDg^ 
langt ist und zum Könige von Schweden geht, anch jener Conferenz beiwohnen 
dürfte. Soeben kommen sie aus einer Conferenz mit dem Orosskanzlet. 
Reichsmarschall und Graf Anton, welche ihnen solche Dinge TOr^trageo. 
woraus sie nrtbeileii müssen, dnss man hier nach dem Frieden soviel als miß- 
lich eilt. Sie entdeckten ihnen auf expressen Befehl des Königs, Meyer- 
Crohn hätte sich intimidieren lassen und gegen ausdrückliebe Ordre sich benns- 
gelassen, dass der König wohl mit I.andscron zufrieden sein würde. Wenn der 
KÖjiig ihn desavouierte, so müsste er zngleich auf Continuation des Kriegs 
bedacht sein, wozu aber keine Mittel zu finden. Das übelste wäre, dass Praot 
reich auch von Landscron nichts habe h&ren wollen, sondern vorgegeben, qnf 
la Snede ne devoit pas pcrdre une seule ponce de terre. Unter solchen Um- 
ständen, da Frankreich in vollem Anmarsch wSre und des Kf. Trnppen noch 
so weit wären, dass sie Minden schwerlich würden maiotenieren können, nwn 
auch K.Baiern, K.Sachsen nnd dem Hause Bcaunschweig nicht Iraut'o 
könnte, wüsste der König nicht, was er für eine Resolution fassen sollte, and 
wollte gern des Kf. gnten Rath vernehmen. Wenn man aber zu Contioaation 
des Krieges ratiten wollte, so müsste man auch auf Mittel, denselben zu führen, 
bedacht sein oder man müsste förderlichst conjunctim Frieden machen. £^ 
wäre gut, wenn Kf. den König seine Meinung wissen Hesse nnd ihm den In- 
thom benehme, als wenn zu Doberan verabredet wSre, dass der König nnd Kf 
beide a. part mit dem Feinde tractieren möchten, denn darauf fusst man hin 
und behauptet sogar, dass man eigentlich nicht Lust dazu gehabt nnd nur dem 
Kf. zu Liebe darein gewilligt hätte. Die königlichen Minister haben noch «iel 
Jalousien wegen d'Espenso's und Meinders' Negotiation im Kopfe. 

") S. Carlson IV, S. 730. 
^ S. nuten Absctin. IV. 



oyGooi^lc 



PS. Die Truppen sollen nun doch in Eile hinaas'), soviel hat ein Üillet 
Irandt's an den Grosskanzler zu Wege gebracht. 



Der Kui-fürst an die Gebruder v. Brandt. D. Potstam 
24. Mai/ 3. Juni 1679. 

[Au( die ßelation vom \T,/2T. Mai. Besorgniss, dass Dinemark vor ibm Frieden zu 
scbli essen beabsichtige.] 

— Wir köonen daraus anders nicht urtheileD, als dase es mit 3. Juni, 
ihrem Frieden auf dem Schlüsse stehe, und hätten wir wohl vermuthet, 
man würde uus eher davon Part gegeben und nicht so viele con- 
teätationes in contrarium gelhan haben. Ihr liönnet hergegen behörigen 
Urtes anzeigen, dass es die höchste Wahrheit wäre, dass wir bis jetzo 
mit unsereui Frieden nicht im genngaten avanciretj indeme wir feste be- 
stunden, zum wenigsten Stettin und den Oderstrom zu beiialten, FrancV- 
reich und Schweden aber von Stettin garoicht einmal hören wollten. 
Wäre also leicht zu schliessen, dass die Ombrage, so man w^eu unseres 
Schlusses bezeugete, mit Fleiase darumb genommen werde, damit mau 
uns darunter praeveniren möchte. Weil aber dieses uns zum höchsten 
Präjudiz gereichen würde, so befehlen wir Euch hiemit in Gnaden, den 
Suhluss des Tractats durch alle diensame remonstrationes aufzuhalten, 
bis auch wir mit unserem Tractat richtig, allermassen solches der zue 
Dobran genommenen Abrede gemäss, auch uns bei allen Posten zu be- 
richten, was darunter weiter vorgehet.*) — 



') Am 24. lIai/3. Juni 1G79 melden sie, die dänisclien Truppen seieu in vollem 
Harsch nach Holstein , oacb des Generals v. Wedel Versicherung werde die 
duriige Armee IG 000 Uann stark sein. 

^ S. das Schreiben des Kf. au den Küaig von Dänemark vom 31. Hai/ 
10. Juni 1G79 bei Pufendoif 1. XVII, & 83 (S. 13(16). Am 21!. Mai/5. Juui IG79 
befiehlt Kf. den v. Brandt, dem Küaige anzuzeigen, er liätte seine Praeteusloaeu 
so weit moderiert, dass er nur Stettin uud die Oder verlangte. Sollte dieses nicht 
zu erlangen sein, so sei er eutscblossen, lieber die exlrema abzuwarten, als solche 
Bedingungen, wie sie ibm Schweden und Frankreich obtrudieren wollten, eiuzugeben. 
a darauf, dass der Küuig fest xu ibm halten werde. 



oyGooi^lc 



378 Il>' Brandenburg und Däuemarb 1Ü7G-1679. 

Chr. V. Brandt an den Kurfürsten. D. Kopenhagen 
31. Mai/[10. Juni] 1679. 

[Auf das Etescript vom 24. Hai'3. Juni. Beruhigende Nachricbten aber den SudJ 
der dänischen FriedeusTerbandlungeu.] 

10. Juni. Kf. hat vorläufig noch nichta zu besorgen, so weit ist es zwischen böAta 

Kronen noch nicht gekommen, dass der Scbluss der Tractaten bevoistSntlc. aber 
sie fürchten, dass aus der Schonischen Entrevue oder Conferenz, wie man »ii' 
hier nennt, solenne Friede nstractaten werden und man dabei der CouditJüDcii 
wegen früher als Kf. einig werden mQchte, jedoch ohne zu schliessen, «eiche? 
der EGuig sich fest vorgenommeu mit Kf. conjunctim zu thnn. Sie hakn 
gegen solche Particuliertractatea protestiert und werden sich bomohen, la er- 
forschen, was deswegen vorgeht. 

Der Künig fShrt sonst mit den Kriegs Vorbereitungen eifrig fort und nird 
innerhalb U Tagen in Person nach Uoletein gehen, 

PS. Die Königin nimmt sich des Interesses des Kf. sehr an und verd